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X» 101.

flllda, Dienstag, den 5. Mai 1903.

30. Jahrgang

*. Der Wahlaufruf »es .Zentrums qefällr den Blättern der Linken, von den National­liberalen angefangen bis zu den Sozialdemo­kraten, wenig/ Das befremdet uns weiter nicht. Je mehr sich in den verschiedenen liberalen Parteien die Neigung kund gibt, den „Kampf gegen den Ultramontanismus" zur Wahlparole zu machen, um so weniger können sie beim Zen­trum etwas gutes anerkennen. Daß die Sozial­demokraten an der ihnen verhaßtesten, weil ge­fährlichsten Partei kein gutes Haar lassen, ist eine alte Sache. Wie sollten sie da Anerkennung für den Wahlaufruf des Zentrums haben? Die Kritik, die unter solchen Umständen an dem Wahl­aufruf geübt wird, kann uns also nicht aufregen, um so weniger, als sie kaum etwas greifbares enthält. Wir können in dem Tadel von dieser Seite nur ein Lob sehen.

Seltsamer Weise hat eine Reihe von Blättern aus dem Wahlaufrufe herausgelesen, das Zentrum wolle die Jesuitenfrage zur Wahlparale machen. Das ist ihm gar nicht eingefallen. Gewiß verlangt es 'die Aufhebung des Jesuiten­gesetzes und mahnt die Wähler, niemand die Stimme zu geben, der sich nicht mindestens für die Aufhebung des § 2 erklärt. Aber damit macht es die Jesuitenfrage noch nicht zur Wahl­parole. Auch die anderen Parteien werden alle diese oder jene bestimmte Frage an die Kandidaten richten, ohne deren befriedigende Beantwortung sie ihnen die Stimme nicht geben. Damit machen sie diese Fragen jedoch keineswegs zu ihrer Wahlparole. So arm an Ideen und Grund­sätzen ist glücklicherweise das Zentrum noch nicht, daß es einer „Wahlparole", d. h. eines Schlag­wortes bedürfte, mit dessen geräuschvoller Be­tonung die Aufmerksamkeit der Wähler von an­deren Fragen abgelenkt werden soll. Die Wahl­parole des Zentrums ist sein Programm. Das braucht es nicht in die Tasche zu stecken, sondern kann es frei vor seinen Wählern entfalten, wie es in dem Wahlaufrufe geschieht.

„Aeußerst langatmig" nennt ein Blatt den Wahlaufruf, „ein alle möglichen Gemein­plätze breittretendes, aber dabei doch zierliche Eiertänze aufführendes Schriftstück". Wäre der Aufruf auf keine Einzelheiten eingegangen und deshalb „kurzatmiger" geworden, so würde es natürlich heißen, er schlüpfe mit allgemeinen Redensarten über alle wichtigen Fragen hinweg. Was das Blatt „Gemeinplätze" nennt, ist eine schlichte und klare Stellungnahme zu den wichtig­sten Fragen der Gegenwart und der nächsten Zu­kunft. lieber künftige Vorlagen und Aufgaben, die man im Einzelnen noch nicht kennt, kann man auch kein ins Einzelne gehendes Urteil abgeben. Präzisiert man dann, wie es der Wahlaufruf tut, seine grundsätzliche Stellung dazu, so nennt gegnerisches Wohlwollen das „Eiertänze" und „Inhaltslosigkeit". Zu einem solchen Vorwurse fühlt sich auch der , Vorwärts' berufen. Aber was hat denn der sozialdemokratische Wahlaufruf anders für einen „Inhalt", als' daß es zu allem „Nieder!" brüllt? Besonders über das „End­ziel" der Sozialdemokratie, über das der Aufruf ganz am Schluß fünf bescheidene Zeilen spricht, hatten die Wähler doch wohl das Recht, etwas Genaueres zu erfahren. Aber die Bebel und Genossen ziehen wohlweislich die „Inhaltslosig­keit" vor.

Daß der Zentrumsaufruf die Notwendig­keit friedlichen Zusammenlebens der Konsessionen auf dem Boden der religiösen Freiheit und staatlichen Gleichberechtigung betont, glauben mehrere liberale Blätter mit Hohn be­handeln zu sollen. Den gleichen Hohn haben wir auch vernommen, als das Zentrum seinen Toleranzantrag einbrachte. Wie kann ein „Ultra­montaner" von „Toleranz" und religiöser Frei­heit reden? Nun, einstweilen ist doch Tatsache, daß die Katholiken und das Zentrum allein die Toleranz wirklich üben und für religiöse Freiheit und Gleichberechtigung tatkräftig ein­treten. Diejenigen der Gegner aber, die sich am lautesten ihrer Toleranz rührnm, sind die Ver­teidiger des Jesuitengesetzes und ähnlicher gesetz­geberischer Leistungen der „Toleranz". Sie be­haupten ja auch jetzt wieder keck, die Forderung der Aufhebung des Jesuitengesetzes stehe in schreiendem Gegensätze zu dem Eintreten für das friedliche Zusammenleben der Konfeffionen. Diese Leute stellen sich unter dem konfessionellen Frieden immer einen Zustand vor, in dem die Katho­liken ^einfach rechtlos sind und die Protestanten auf sie nicht die geringste Rücksicht zu nehmen brauchen. Vereinzelt begegnen wir der Be­hauptung, das Zentrum gebe jetzt zu, eine kon­fessionell e Partei zu sein, da es in dem Aufrufe heiße: „Die Erhaltung des Zentrums ist insbesondere unbedingt notwendig für die Katholiken Deutschlands; nirgends anders finden ihre berechtigten Jntereffen genügendes Ver­

ständnis und tatbereite Vertretung." Damit ist allerdings eine Tatsache ausgesprochen, aber nicht die, daß das Zentrum eine konfessionelle Partei sei. Es tritt für die Rechte und Freiheiten der Protestanten ebenso gut ein wie für die der Katholiken. Wenn die Katho­liken Verständnis und Vertretung für ihre Interessen nur beim Zenttum finden, so ist das doch nicht seine Schuld, sondern die der anderen Parteien. Das Programm des Zentrums ist in keiner Weise ein konfessionelles Programm; jeder unbefangene Andersgläubige kann es unterschreiben und in die Par­tei eintreten.

Sehr wohltuend sticht gegen die Urteile der übrigen Presse das der ,Kreuzztg/ über den Zentrumsaufruf ab. Das konservative Blatt er­kennt an, daß er durchaus maßvoll gehalten und darum in hohem Grade geeignet sei, das Zusammengehen der bürgerlichen Parteien zu fördern. Besonders gefällt ihm die Betonung der Grundsätze des Christentums als maß­gebend für die gesamte politische Tätig­keit der Partei. Das entspreche ganz dem Geiste, der in der konservativen Partei herrsche. Bei der Verfolgung der Aufgabe, das friedliche Zusammenleben der Konfessionen auf dem Boden der religiösen Freiheit und staatlichen Gleich­berechtigung herbeizuführen, komme es aber, fügt das Blatt hinzu, auf die Auffassung an und in dieser Hinsicht könne es leider manche Ansprüche des Zentrums nicht befriedigen. Da haben wir es wieder: in „Grundsätzen" und Worten für Freiheit und Gleichberechtigung der Konfessionen, aber wenn es zu Taten kommen soll, bann macht man Vorbehalte. Konsequent und grund­satztreu ist da allein das Zentrum. Doch soll an­erkannt werden, daß die ,Kreuzzlg.' sich trotz allen Spektakels des evangelischen Bundes für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes er­klärt hat.

Da die Konservativen gern den Kampf gegen die Sozialdemokratie zur Wahl­parole machen möchten, vermißt die ,Kreuzztg/ „eine direkte und energische Kampfansage gegen diesen Hauptfeind des Christentums." Sie nimmt aber mit Recht an, daß die Bekämpfung der Sozialdemokratie im Zentrumslager einfach für selbstverständlich erachtet werde. Ueberdies muß sie ja auch anerkennen, daß die Gegner­schaft gegen die Sozialdemokratie sich wie ein roter Faden durch den ganzen Aufruf zieht. Die wirtschaftlichen Fragen angehend bemerkt sie weiter, die Konservativen würden hier mit dem Zentrum zusammengehen können. Auch die sozialen Forderungen des Zentrums werden als maß - voll bezeichnet, wenn auch die Konservativen nicht mit allen übereinstimmen.

Alles in allem haben nach dem Urteile der ,Kreuzztg/ Konservative und Zentrum so zahl­reiche Berührungspunkte und so viel Ge­meinsames in den grundlegenden Anschauungen, daß sie in manchen wesentlichen Fragen not­wendig zusammengehen müssen.

So sehr wir das zu schätzen wissen, müssen wir aber doch fragen: „Wie kommt es denn nun, daß die Konservativen im Westen und Süden des Vaterlandes fast überall mit den Gegnern des Zentrums gemeinsame Sache machen, wie es ja gerade hier bei uns so klar zutage tritt?" Es heißt doch die Gutmütigkeit des Zentrums und feiner Wähler auf eine sehr harte Probe stellen, wenn man bei den Wahlen überall das Zentrum bekämpft und es dann im Reichstage als ganz selbstverständlich an­sieht, daß es mit den Konservativen zu- faminenarbeiten werde.

Berlin, den 4. Mai 1903.

** Reichskanzler Graf Bülow hat, wie aus Rom gemeldet wird, heute morgen eine ein- stündige Konferenz mit den Ministern Zanardelli und Morin gehabt. Den Hauptgegenstand der Unterredung bildete nach der offiziösen, Capital«' die Frage der Erneuerung der Handelsverträge.

** Der kommandierende General des 6. Armeekorps, der Erbprinz von Sachsen- Meiningen hat seinen Abschied eingereicht und seinen Wohnsitz bereits nach Schloß Liebenstein verlegt. Erbprinz Bernhard von Sachfen- Meiningen ist bei einem Alter von 52 Jahren der dem Patent nach drittälteste in der Reihe der kommandiorenden Generale. Er wurde am 22. März 1895 zum General der Infanterie und kommandierenden General des 6. ArmeekoKß ernannt und ist seit dem 18. Februar Prinzessin Charlotte von Preußen, der SchMfftr

Kaiser Wilhelms, vermählt, mit welcher er in diesem Jahre das Fest der silbernen Hochzeit gefeiert hat.

* Dem Reichstags-Präsidenten Grafen Ballestrem widmet die gewiß nicht zentrums­freundliche, Köln. Ztg/ anläßlich desSessions- Schlusses die folgenden anerkennenden Worte" „In der Schluß-Sitzung des Reichstages hat der Präsident Graf Ballestrem wiederum ein Zeichen seines liebenswürdigen Taktes gegeben, indem er des Mannes gedachte, der während des ganzen Winters von den Reichstags - Sitzungen hatte fern bleiben müssen, aber wohl in allen Parteien vielfach vermißt worden ist, Herrn v. Levetzows .... Der feine Takt, den bei dieser Gelegenheit Graf Ballestrem bekundet hat, hat ihn auch während seines ganzen Reichstags-Präsidiums besonders aus­gezeichnet. Nachdem er schon von 1890 bis 1893 Vizepräsident gewesen war, wurde er bei Beginn der jetzt abgelaufenen zehnten Legislatur- Periode vom Zentrum für den Präsidentenstuhl vorgeschlagen. Je länger er den Vorsitz führte, um so mehr hat er sich das Vertrauen und die Zuneigung der Parteien erworben, zumal dieser Reichstag, wie fein anderer vor ihm, unter dem Zeichen andauernder Beschlußunfähig­keit und einer unglaublichen Pflichtvernachlässi- gung der großen Mehrheit der Reichstags - Ab­geordneten stand. Dieser Zustand, der schließlich zu den bedauerlichsten Ausschreitungen führte, hat an die Leitung der Reichstags-Geschäfte die größten Anforderungen gestellt. Gras Ballestrem ist ihnen durchweg in hohem Grade gewachsen ge­wesen; er hat sich in jeder Lage als ein würdiger Nachfolger seiner berühmten Vorgänger Simson, v. Forckenbeck und v. Levetzow erwiesen. Alle' Parteien würden es gern sehen, wenn er auch in der kommenden 11. Legislatur-Periode wieder der Lenker des Reichstags-Schiffes werden würde. Leider stellen sich seiner Wiederwahl große Schwierigkeitett entgegen, die Polen be­kämpfen sie mit aller Macht, um das Zentrum ihren politischen Wünschen fügsamer zu machen."

** Das deutsche Stationsschiff vor Konstantinopel, die „Lorelei", hat Ordre erhalten, nach Saloniki zu gehen, um dort zum Schutze der deulschen Reichsangehörigen zur Stelle zu fein. Sie dürfte am 6. d. M. dort eintreffen.

** Das Reichsanleihe-Konsortium von 1903 hat nach Ausverkauf feiner Bestände feine Operationen beendigt und sich aufgelöst. Die Abrechnung wird nach dem letzten der in den Bedingungen für die öffentliche Zeichnung vor- gesehenen Zahlungstermine erfolgen.

* Nach der neuesten offiziellen Zusammen­stellung im Abgeordnetenhause hat sich die Stärke der Fraktionen am Schluffe der Legislaturperiode wie folgt gestaltet: Konser­vative 143, Zentrum 98, Nativnalliberale 75, Freikonsecoalive 58, Freisinnige Volkspartei 24, Polen 13, Freisinnige Vereinigung 10, bei keiner Partei 7, nämlich Dr. Hahn, Hansen (Alpenrade), Dr. Lotz, Mohr (Altona), Nielsen (Däne), Schoos, Werner. Erledigt sind 5 Mandate: 5.Oppeln(Tarnowitz-Beuthen-Königshütte-Zabrze- Kattowitz) durch die Berufung des Grafen Balle­strem in das Herrenhaus, 1. Breslau (Guhrau- Steinau-Wohlau) durch den Tod des Abg. Bande- low (kauf.) 3. Münster (Münster-Coesfeld) durch den Tod des Dr. Freiherrn von Heereman, 3. und 4. Berlin durch den Tod der Abgg. Knörcke und Munckel.

** Nachdem die vorläufigen Ermittelungen der Gewerkschafts-Kommission, die sich natür­lich nur auf die ihr ungeschl iffenen Organisationen erstrecktn, sind in diesem Jahre in Berlin wegen der Maifeier etwa 2000 Maurer, 200 Putzer, 270 Zimmerer, 250 Bauhilfsarbeiter, 700 Holz­arbeiter, 357 Metallarbeiter, 10 Maler und 7 Bildhauer ausgesperrt worden. 'Ferner wird mit­geteilt, daß die Steinmetzen in 2 Betrieben aus- gesperrt wurden. Uebrigens war die Aussperrung nur für den Sonnabend verhängt. Am Montag ging die Arbeit weiter.

** Das Blatt der Anarchisten übt folgende Kritik an der sozialdemokratischen Maifeier: „Die Maifeier, welche mit so großen Hoffnungen und ernsten Vorsätzen ins Leben gerufen wurde, ist längst — trotz aller schön illustrierten Mai­feier-Zeitungen und ihrer schwungvollen und poetischen Entzückungsartikel — zu einer wesen- und seelenlosen Machenschaft geworden, von der ein jeder denkende Arbeiter das Gefühl hat, daß sie eigentlich nur noch wegen des Ansehens nach außen hin aufrecht erhalten wird. In allen Ländern beteiligt sich nur ein geringer Prozent­satz der Arbeiterschaft an dieser Demonstration, und von einer durchgreifenden Arbeitsniederlegung kann man nicht sprechen. Am 1. Mai 1890 zitterte die Bourgeoisie vor diesem Tage, heute lächelt sie üfler ihn."

x Paris, 2. Mai 1903. lieber die am 30. April erfolgte Austreibung der Mönche aus der Großen Karthause erhalten wir von unserem Pariser Mitarbeiter die nachstehende Schilderung: „Nun mußten auch die weltberühm­ten Mönche der Gewalt weichen, d. h. der mili­tärischen Gewalt, denn die Gendarmerie reichte auch hier nicht aus, die mit Alpenslöcken und Totschlägern bewaffneten und in Ueberzahl vor dem historischen und romantischen Kloster lagern­den Bauern und Städter nieder zu zwingen. Zu Gewalttätigkeiten kam es in dem entscheidenden Moment indes nicht, sondern es blieb bei stürmischen Hochrufen auf die Brüder des hl. Bruno und den üblichen Pereatrufen auf die Re­gierung, denn wenn die französische Menge Mili­tär und die Trieolore sieht, so ergreift sie alle­mal ein traditioneller hl. Respekt. Wie ein Dieb in der Nacht schlich sich ein Bataillon Infanterie und ein Geniebataillon letzten Dienstag morgens 2 Uhr von der Grenobler Garnison fort und er­klomm auf Umwegen die zum Kloster führenden Pfade, während man unten im Tale das Gerücht von Nachtmanövern der Garnison verbreitet hatte. Die Ente wurde aber nicht verdaut, und als Gendarme und Bataillone am Ziele ihrer nächtlichen Wanderung anlangen, halten gegen 5000 Personen vor dem Kloster Wacht. Die erste Charge seitens der Gendarmen mißlingt, und erst nach 10 Minuten kann der Staats­anwalt bis an die Eingangstür Vordringen. „Oeffnen, im Namen des Gesetzes!" „Es gibt kein Gesetz mehr", kommt in bestimmtem Tone die Stimme des Odern zurück, der sich mit 22 Patres und dem Abgeordneten Pichat im Innern befindet. Die Aexte der Genietruppen müssen nun ans Werk, bis die sechste Tür unter ihren Schrägen sällt. Nach der Aufforderung des An­walts, die Abtei zu verlaffen, gibt der Prior zur Antwort: „Wir weichen nur der Gewalt." Hieraus nehmen je 2 Gendarmen einen Pater in die Mitte, um ihn an der Schulter zu berühren. Der Abzug erfolgt. Als die weißen Gewänder unter dem Ausgangsportale erscheinen, schreit die Menge „Vivat!", ein Teil, selbst der Männer­welt weint. Msgr. Henry hat dem Kloster- obern seinen Galawagen entgegengeschickt, in dem auch der Deputirte Pichat Platz nimmt. Die übrigen Patres gehen nach einem kurzen Verhör zu Fuß nach Saint-Laurent. Die Arretierungs­mandate werden nicht aufrecht erhalten, da die Ordensleute das Versprechen abgeben, sofort über die Grenze zu gehen. In dem zuletzt genannten Orte spielt sich eine rührende Scene ab. Der Grenobler Bischof ist den Karthäusermöuchen trotz seines heiklen Gesundheitszustandes entgegen gekommen, um sie zu umarmen und zu segnen. Tausende von Personen wohnten diesem feierlichen Akte bei. Um 11 Uhr entführt der Zug die Mönche nach Italien, dem Lande des Exils. Im letzten Augenblick sinkt das Volk auf die Knie." — Bezeichnend ist noch die Demission des Obersten Frody de Gouberkin (36 Dienst­jahre), Kommandant des 4. Dragonerregiments in Chambery. Der Oberst hatte den Auftrag, 2 Eskadrons seines Regiments nach der Großen Karthause zu beordern. Die Ordre wurde zwar gegeben, jedoch die Demission sofort nachher ein­gereicht. Der ,Figaro' weiß eine ro eitere Offiziersdemission zu berichten. Das wäre demnach der vierte Fall, in dem während der Ordenskampagne ein französischer Offizier den Degen aus Widerwillen zerbricht und der Regie­rung vor die Füße wirst.

* Paris, 4. Mai 1903. Infolge der Schritte, die mehrere Senatoren, Deputierte und Generalräte des Departements Hautes Pyrenöes getan haben, versprach Ministerpräsident Combes, die Basilika in Lourdes jetzt nicht schließen zu lassen, damit die wirtschaftlichen Interessen des Bezirkes nicht geschädigt würden.

* London, 2. Mai 1903. Im Unterhanse ist der Gesetzentwurf, betr. die gesetzliche Zu­las sung der Verehelichung mit der Schwester der verstorbenen Frau in zweiter Lesung mit. 164 gegen 94 Stimmen an­genommen worden.

* Konstantinopel, 4. Mai 1903. Die Ankunft des österreichisch-ungarischen Geschwaders in Salonik und das daselbst er­wartete italienische Geschwader haben beim Sultan eine ernste Beunruhigung und Bedenken wegen der Absichten der Mächte hervorgerufen. S^land und Frankreich werden ohne Zweifel mit der Absendung eines Geschwaders ebenfalls nicht länger zögern. Ruß­land entsendet ein Kanonenboot und von deut-