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Druck und Verlag der HuldaerActiendruckerei in Hulda (harmonich Fernsprecher Rr. 9.
flllM Samstag, den 2. Mai 1903.
30. Jahrgang.
W 99.
Wahlaufruf.
Die Neuwahlen zum Reichstage stehen bevor. Auf Grund des von uns unentwegt hochgehaltenen allgemeinen, gleichen, geheimen und unmittelbaren Wahlrechts haben die Wähler zu entscheiden, welchen Männern die verfassungsmäßige Vertretung des deutschen Volkes für die nächsten fünf Jahre anvertraut werden soll.
Fest und unerschüttert steht die Zentrums' fraktion des Reichstags da. In unausgesetztem Kampfe hat sie die Einigkeit bewahrt, die allein den Schutz der hohen Güter verbürgt, zu deren Hort sie die Wähler berufen haben.
Auf Grund des von glorreichen Vorgängern im Jahre 1871 entworfenen und in schweren Stürmen erprobten Programms treten wir mit gleicher Entschiedenheit ein für das Reich wie für die Einzelstaaten, für die Rechte des deutschen Volkes und seiner verschiedenen Stämme wie sür die Rechte des Kaisers und der Bundesfürsten.
Des deutschen Volkes wichtigstes Recht ist feine Teilnahme an der Gesetzgebung und Verwaltung des Reichs durch die parlamentarische Vertretung. Die von uns seit mehr als einem Jahrzehnte nachdrücklichst geforderte besfere Sicherung des Wahlgeheimniffes ist endlich erreicht. Angriffen auf die Würde des Reichstags, Versuchen einer Lahmlegung seiner geordneten Tätigkeit durch die Mittel der Obstruktion werden wir stets energisch entgegentreten. Die Erfüllung der verfassungsmäßigen Aufgabe des Reichstags, insbesondere die gleichmäßige Mitwirkung aller Stämme und Stände des deutschen Volkes verlangt unbedingt die Gewährung von Anwesen- heirsgeldern.
Zu den gesetzgeberischen Arbeiten, welche den neuen Reichstag beschäftigen werden, gehört voraussichtlich die Revision des Strafverfahrens; mit Zuversicht erwarten wir, daß dieselbe die längst geforderte Ausdehnung der Berufung in Strafsachen bringen wird. Auf dem Gebiet des Strafrechts muß vor allem die Privilegierung des von Vernunft und Moral gleich verurteilten Zweikampfs verschwinden.
Weise Sparsamkeit auf allen Gebieten des Reichshaushalts zu üben, erachten wir als unsere strenge Pflicht. Zu Aufwendungen für Heer und Marine darf die Steuerkraft des Volkes nicht weiter in Anspruch genommen werden, als die Sicherheit und Wohlfahrt des Vaterlandes gebieterisch erheischen. Die Bewilligungen für die Kolonien, deren Hauptwerk in der Ausbreitung des christlichen Glaubens und der Kultur beruht, haben ihr Maß in einer verständigen Würdigung unserer finanziellen Lebensfähigkeit.
Die Erleichterung der Militärlast, welche die zweijährige^ Dienstzeit gebracht hat, ist durch gesetzliche Festlegung sicherzustellen.
Keirncrtgluck.
Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.
22 -------- (Nachdruck verboten.)
- 11.
Im weiten Bogen — weit weg von dem Ziel, das ihn noch vor einer Stunde so mächtig angezogen — ging Doktor Winter durch b;e menschenleeren Straßen seiner Wohnung zu.
Die kurz- Frist, die für ihn der Inhalt eines Menschenlebens bedeutete, hatte genügt, ihn von dem Rausche einer ungesunden Leidenschaft vollständig zu heilen.
Versunken war der verlockende Glanz des Reich- wms, die Verirrung seines Herzens und fast mit Sehnsucht zog es chn in die einfache, schmucklose Vergangenheit zurück, die er ja nur bei seiner Schwester finden konnte.
Eigentümlich berührte es ihn darum, daß, als er a" beuchens Tür klopfte, ihm leise und vorsichtig die ° te «ufwärterin öffnete, daß ein sonderbarer Hauch von Medizin und Tee ihm entgegen kam und — ®er ’r?r das — was war vorgefallen?
. . ^vrsichtig gedämpftem Lampenschein lag das mnfache Zimmer vor ihm. Durch die zu-ückgeschlagenen Bet^ardmen iah er seine Schwester geisterhaft und bleich und regung-los in ihrem Bette liegen und auf emem Stuhl daneben Dokwr Wollf, der prüfend auf l>te (eilen Atemzuge Leuchens lauschte.
Heinrich war wie erstarr', Eiskalte schlich durch ;eine Glieder una er inußlc sich festhalten, so er- 'chutlernd wirkte der stumme und doch so beredte Anblick.
Lei>e legte Tr. Wollf d e Hand seiner kleinen Freund n ans die B.itö.cke und trat zu Heinrich.
»Ich wollte Dich nicht stören und doch —, Du bist schon da, hat Dich Jemand gerufen?" fragte er f.ütternd. „Ich weiß nicht, soff ich es Zu all oder
Die geschichtliche Entwickelung Deutschlands hat zu einem Nebeneinanderbestehen großer christlicher Gemeinschaften geführt. Das Blühen und Gedeihen des gemeinsamen Vaterlands ist nur- denkbar bei friedlichem Zusammenleben der Konfessionen auf dem Boden einer hdchsinnig gedachten religiösen Freiheit und vollkommener staatlicher Gleichberechtigung; die Erreichung dieses Zieles wird nach wie vor unsere vornehmste Aufgabe sein. Dank unserem Toleranz- antrage sind wenigstens in einzelnen Bundesstaaten Bestimmungen gefallen, welche dem Geiste religiöser Bevormundung und Unduldsamkeit vergangener Jahrhunderte entsprungen, den Grundsätzen des modernen Staatslebens widersprechen. Dagegen ist es leider noch immer nicht gelungen, die Reste der unseligen Kulturkampfgesetzgebung zu beseitigen, ja auch nur eine Bresche zu legen in das gehässige Ausnahmegesetz gegen die Jesuiten und andere katholische Orden. Mit dem gesamten katholischen Volke verlangen wir die Beseitigung dieses schreienden Unrechts.
Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse unserer Tage haben eine große und vielfach bedenkliche Zuspitzung der Gegensätze zwischen den verschiedenen Berufsständen und Klassen gebracht. Stets waren wir bemüht, die ehrliche Arbeit in allen Berufsständen zu fördern und einen gerechten Ausgleich der entgegenstehenden Interessen zu finden. Unerfüllbaren Forderungen mußten wir unsere Unterstützung versagen.Diegleiche Haltung werden wir auch fernerhin einnehmen.
Der neue Zolltarif ist nach heftigstem Kampfe zu stände gekommen; wir erwarten von ihm für die Landwirtschaft eine Besferung ihrer bedrängten Lage, für Handel und Industrie, die Sicherung ihres einheimischen und auswärtigen Marktes, für Handwerker und Arbeiter lohnendere Be schäftigung. Nicht alle berechtigten Wünsche sind erfüllt worden; angesichts der Haltung der verbündeten Regierungen jedoch und der Parteiver- hältniffe im Reichstage mußten wir uns sagen, daß ein Beharren auf unfern weitergehenden Forderungen das Gesetz zu Fall gebracht und dadurch die gebotenen wertvollen Vorteile preisgegeben hätte. Auf der Grundlage dieses Zolltarife muß nunmehr durch die neuen Handelsverträge der gesamten deutschen Arbeit, insbesondere in der Landwirtschaft, ein ausreichender Schutz erkämpft werden. Die für Deutschland nachteiligen allgemeinenMeistbegünstigungsverträge sind aufzuheben. Gegen die Einschleppung von Viehseuchen aus dem Ausland ist die einheimische Viehzucht nachhaltig zu sichern.
Gegenüber den Bestrebungen der Sozialdemokratie und dem Vordringen des Großkapitals erstreben wir die Erhaltung und Kräftigung der Mittelstände, namentlich im Handwerk und Gewerbe; ihre Zukunft geben wir nicht verloren. Für die Förderung des Jnnungs- und Genossenschaftswesens, die Einführung des Befähigungsnachweises vor allem im Baugewerbe, für die Sicherstellung der Forderungen der Bauhandwerker und Baulieferanten, die Beseitigung unbilliger Konkurrenz seitens der Militärwerkstätten werden wir eifrig bemüht sein.
Fügung nennen, es zog mich auf e n paar Augenblicke hierher — ich wußte, daß Deine Schwester allein sein würde und woll'e als alter Freund bei ihr einkehren — iand ich sie schwer erkrankt — ein Blutsturz hatte sie überrascht!"
„Das fürchtete ich schon län st!" erwiderte Doktor Winter mit schwerer Stimme. „Es ist Gefahr?"
„Allerdings — wie immer in solchen Fällen. Ich habe das Nötige getan und hoffe, das rechte Mittel gefunden zu haben!"
' Heinrich erfaßte seine Hand und drückte sie heiß und fest — er haite den Freund wiedergesunden.
„Was nun nötig ist, weißt Du so gut als ich — Ruhe und Pflege. Das überlaste ich nun Dir!"
Geräuschlos verließ der Getreue mit nochmaligem, warmen Händedruck den Heimgekehrten, der alsbald seinen Platz einnahm. — In b>r Stille der vorrückenden Nach- erfaßte den Einsamen eine Flui tief- erschütternder Gedanken und Erwägungen. Und als er, nachdem die Kranke immer ruhiger und tiefer atmete, an ein kleines Seitentischchen trat, wo unter einem zierlich geschmück en Tannenbäumchen die Weih nachtsbescheruag seiner harrte, da schwoll sein Herz in Weh und Sehnsucht nach der verlass->nen Heimat, der ehemaligen Jugendzeit.
Denn vor ihm stand, im zierlichen Rahmen, auf's kunstvollste und zutreffendste von der Hand seiner Schwester au? geführt ein Bild, welches ihm das schönste und poefievollste Stück des Bergländchens vor Augen führte.
Au' dem Vordergründe des wcißbeschneiten B.ig plateaus, umstanden von uralten Fichten und Tannen zeigte sich ihm die liebbekannte Annakapelle, an deren Stufen ein einsames Menschenkind betend kniete. Wett hinab ins Tal leuchtete das zur Sette stehende Missionskreuz; man glaubte, durch die Baumstämme den Hintergrund des Waldes zu sehen.
In seiner einfachen Schönheit wirkte das Bildchen wie ein Gotteshauch, ein Gottesgruß auf die in den letzten Stunden so vielfach gequälte Seele des ernsten
Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb ist seinerzeit hauptsächlich durch unsere Anregung zustande gekommen; den weiteren Ausbau dieses Gesetzes, insbesondere zur Bekämpfung der Auswüchse im Ausverkaufs- und Auktionswesen, werden wir uns angelegen sein lassen. Die unter unserer wesentlichen Mitwirkung erreichte Regelung des Börsenwesens hat sich in ihren wichtigsten Vorschriften bewährt; eine Abänderung derselben, welche dem Börsenspiel wiederum freien Lauf geben würde, können wir unter keinen Umständen zustimmen. Die Schaffung kaufmännischer Gerichte mit einem billigen und beschleunigten Verfahren erachten wir als einen erstrebenswerten Fortschritt.
Ernste Gefahren drohen der gesamten heutigen Wirtschaftsordnung durch die Entwickelung des Kartellwesens; ihr gegenüber wird sich die Gesetzgebung der Aufgabe- nicht entziehen können, Maßregeln zum Schutze der Allgemeinheit und der berechtigten wirtschaftlichen Freiheit des einzelnen zu treffen.
Unsere Bestrebungen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter waren nicht vergeblich. Es ist unseren Bemühungen gelungen, die Gewerbegerichte zweckmäßiger umzugestalten. Das Krankenkassengesetz, die Unfallversicherungsgesetze und das Gesetz über die Invalidenversicherung sind erheblich verbessert worden. Die Einführung der Witwen- und Waisenversicherung ist durch unseren Antrag zum Zolltarifgesetz für eine nahe Zukunft gesichert. Die in Aussicht gestellte umfassende Revision des Krankenversicherungsgesetzes werden wir nach Kräften unterstützen. Außerdem wird es unser Bestreben fein, die Kranken-, Jnvaliden- und Unfallversicherung zum Zweck der Vereinfachung und Verbilligung der Arbeiterversicherung in eine organische Verbindung zu bringen.
Auch auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes sind erfreuliche Fortschritte za verzeichnen, zuletzt noch das Gesetz zum Schutze der in den gewerblichen Betrieben beschäftigten Kinder. Vieles bleibt noch zu tun übrig; insbesondere betrachten wir eine allmähliche Beseitigung der Fabrikarbeit verheirateter Frauen, eine weitergehende Einschränkung der Arbeitszeit für Fabrikbetriebe und die Hebung der beklagenswerten Mißstände in der Hausindustrie als dringende Forderungen.
Den Versuch einer Beschränkung des Koalitionsrechts der Arbeiter durch die sogenannte Zuchthausvorlage haben wir erfolgreich zurückgewiefen. Dagegen harrt unfer seit Jahren wiederholt eingebrachter Gesetzentwurf über die Berufsversine, welcher die Koalitionsfreiheit sichern würde, immer noch der Annahme seitens der Verbündeten Regierungen. Nicht minder bedauern wir, daß die von uns des öfteren geforderten Arbeitskammern noch nicht geschaffen worden sind, obwohl durch die Kaiserlichen Februar-Erlasse von 1890 „Einrichtungen zur Pflege des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arveitnehmern" in Aussicht gestellt wurden.
Das Zentrum war nie und darf nie sein die Partei eines einzelnen Berufsstandes ober einer einzelnen Klasse. Unser Stolz soll bleiben, eine wahre Volkspartei zu sein, welche alle Stände
Mannes, er konnte nicht anders, er mußte hinkmeen und die heiße Stirn an das weiche, seidene Bild drücken, das ja ihm gewidmet war und das ihn wieder voll und ganz zu dem treu n Schwesterherz zurück ührte. In den stillen, verschwiegenen Tränen, tie einen Augen entströmten, fand er den Frieden und )ie Klarheit der Seele wieder.
Und als es nach langer Weile tote ein leiser Hauch vom Bett herüberwehte: „Heini — mein Heim!" Da feierten sie Hand in Hand eine stille, rechte, heilige Weihnacht.
Wat nach diesen Stunden inneren Wiederfindens noch an Heinrich berantrat, das überwand er still und entschieden. Die leidenschaftlichen Klagen der verschmähten Brant rühr en sein'Herz nicht; sie hatte ihn in ernster Stunde belogen, ihn einmal getäuscht. Es war eine harte Strafe für sie, daß sie die roirfltdje Liebe, die sie für den schönen Mann empfand, verachtet und zurückgewiesen sah
Leuchen erholte sich langsam unter der sorgsamen Pflege ihres Bruders. Der schwächliche Körper hatte eben eine zu starke Erschütterung erlitten, eine voll- iänbige Wiederkehr der Gesundheit war daher wohl ausgeschlossen. Doktor Wollf, der seine kleine Patientin ost b-suchte und stets mit freudigen Blicken empfangen wurde, sagte e ne» Taz s zu Heinrich, ohne daß es die K anke hörte:
„Ich fürchte, Du wirst sie so lange nicht mehr haben; aber etwas könnte ihr Leben noch verlängern und verschönern — die Rückkehr in die alte Heimat!"
Doktor Winter schwieg; was sollte er darauf ägen ? Er mußte dem Freunde ja leider recht geben; jetzt aber war e» noch weit vom Frühling und er halle keine Verbindung m hr mit W.
So sehr er auch mit ganzer Hingebung sich wieder auf seinen Beruf legte und besonders in der Augenheilkunde glückliche Erfolge feierte, kam ihm immer und immer wieder der Gedanke an die Ueber- iedelung in d e Heimat.
Es wollte sich ihm aber kein Weg zeigen, auf
umfaßt. Die Grundsätze des Christentums bestimmen unsere gesamte politische Tätigkeit; darum ist allen Kreisen des Volkes ohne Unterschied die Arbeit des Zentrums gewidmet, am meisten denjenigen, welche in bedrängter Lage sich befinden. Die Fortführung der christlichen So- zialresorm duldet keinen Stillstand, weil durch sie Sittlichkeit und Gesundheit weiter Kreise unseres Volkes mitbedingt sind; dabei rechnen wir auf die ständige und einsichtsvolle Mitwirkung der Beteiligten selbst.
Wähler! Von den verschiedensten Seiten wird bei der bevorstehenden Wahl der Hauptangriff gegen uns gerichtet werden. Halten wir uns vor Augen, daß dem Wahlrecht des Einzelnen eine Wahlpflicht gegenübersteht. Die Erhaltung des Zentrums ist unbedingt notwendig für die Bewahrung der christlichen Grundlage unseres Staatswesens, wie für die ruhige Fortentwickelung unseres politischen und wirtschaftlichen Lebens. Die Erhaltung des Zentrums ist insbesondere unbedingt notwendig für die Katholiken Deutschlands; nirgends anders finden ihre berechtigten Interessen genügendes Verständnis und tatbereite Vertretung. Keine Stimme darf verloren gehen, welche für die Sicherung unserer Stellung abgegeben werden kann. Auch in den Wahlkreisen, in welchen die Zentrumswähler eine Minderheit bilden, müssen sie vor allem gegen die Fortdauer jenes ungerechten Jesuitengesetzes protestieren. Kein Kandidat darf eine Zentrumsstimme erhalten, der nicht mindestens so viel Gerechtigkeitssinn besitzt, daß er sich, rote die hervorragendsten Führer der konservativen, der nationalliberalen und der freisinnigen Fraktion im Reichstag, für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes erklärt. Recht muß Recht bleiben.
Vorwärts also in entschlossenen, vollzähligen Reihen: Wählen wir die Männer wieder, die sich im. Kampfe erprobt, und gesellen wir ihnen neue Kräfte zu, welche in demselben Geiste mit ihnen kämpfen werden. Gehen wir in die bevorsteh nde Wahl in der alten Begeisterung für unsere wahren Grundsätze und gerechten Bestrebungen, mit der Parole:
Mit Gott für Wahrheit, Freiheit und Recht!
Berlin, den 2. Mai 1903.
Zer Mffanö Ser IentlMSsrMion des Reichstages am Schlaffe der 10. Legislaturperiode.
Graf v. Hompesch. Dr. Schädler. Dr. Spahn. Aichbichler. Dr. Bachem. Fritzen (Düsseldorf). Graf v. Galen, v. Grand-Ry. Gröber. Herold. Freiherr v. Hertling. Dr. Hitze. Horn (Neiße). Letocha. Marbe. Müller (Fulda). Dr. Rintelen.
Deutsches Reich.
Berlin, den 1. Mai 1903.
** Der preußische Landtag, dessen Tagung heute g esch lassen wurde, war seit dem 13.Jan. ds. Js. versammelt. Das Abgeordnetenhaus hat 67 Sitzungen abgehallen, das Herrenhaus kam mit 10 aus. Das Ergebnis der mehr als drei-
welchem sich die Idee verwirklichen ließ. Er konnte weder seine Schwester von sich geben, noch wollte sie sich jetzt von ihm trennen. So legte er denn gleich feiner Schwester wiederum mit rechtem Vertrauen diese Angelegenheit in Gottes Hand. Hatte sie ihn doch, ter schon an der Schwelle seines Unglück» gestanden, durch ihr Gebet wieder zurückgerufen.
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Das war wieder so ein harter Winter gewesen in unferm Bergländchen; zwar nicht so schneereich, aber eisig und nadelscharf hatte es um die Berg- Ipitzen geweht. — Vor einigen Wochen hatte man den alten Doktor Reismüller beerdigt, der sich in seinem Beruf den Rest für seine alten Tage geholt; mit ihm zugleich das alte Hannerl. Man konnte Beiden die Ruhe vergönnen, aber einen bedauernswerten Fall, den die Beerdigungsfeier zur Folge gehabt, lag den Bürgern schwer auf der Seele.
Bürgermeister Werner, der an dem bitterkalten Tage als eine der Respektspersonen am längsten hatte aushalten müssen, hatte sich schwer erkältet und war an der Kopflose äußerst schwer erkrankt. — Wochenlang schwebte er zwischen Tod und Leben und nur die hingebende Pflege seiner Frau und Tochter halfen ihm darüber hinweg.
Als aber der Kreisphysikus, der das Städtchen in ärztliche Obhut genommen, ihn außr Lebensgefahr erklärte, sprach er zugleich die schreckliche Befürchtung aus, daß der Kranke nie mehr in den vollen Besitz seines Augenlichtes gelangen würde.
Noch hatte der Bürgermeister keine Ahnung von dem bevorstehenden Unglück, da er seit Wochen im verdunkelten Zimmer lag; um so größer war der Jammer der Angehörigen, die mit Schrecken gewahrten, daß dw Befürchtung Tatsache geworden. — So lange sie es auch dem Beklagenswerten verschw egen, einmal mußte doch der Tag kommen, der ihn darüber aufklärte.
Röschens liebe Augen konnten selbst bald nichts mehr sehen, vor stillen, heimlichen Tränen, als sich