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M 96.
• Zweites Blatt
Das Studium der Philologie und Mathematik.
Der Herausgeber des Korrespondenzblattes für den akademisch gebildeten Lehrerstand macht sich dadurch verdient, daß er durch Zusammenstellung der Nachrichten in den Jahresberichten der höheren Lehranstalten viel früher eine lieber« sicht über die Berufswahl der Abiturienten bringt, als sie in den amtlichen Statistiken erscheint. Soweit das höhere Lehrfach in betracht kommt, wollten von den Abiturienten des Schuljahres 1901/02 im ganzen 999 sich dem Studium der Philologie im weitesten Sinne des Wortes zuwenden, und zwar wollten studieren Philologie' I (ohne nähere Angabe des Faches) 369 neuere i Sprachen, 176 Deutsch, Geschichte und Erdkunde, 57Mathematik und Naturwissenschaften, 346 Theologie und ein philologisches Fach 60 — Seit dem Schuljahr 1891/92 bis jetzt hat sich die Zahl der Abiturienten, die sich dem Studium der Philologie zuwandten, stetig vermehrt, von 263 auf 999. Was die einzelnen Fächer anbetrifft, so war die Zunahme am stärksten bei den Mathematikern; die Zahl betrug im Jahre 1891/92; 72, stieg ständig bis auf 231 im Jahre 1900/01 und mit einem großen Sprunge auf 346 im Jahre 1901/02. — Wie es scheint, werden diejenigen Abiturienten, die jetzt anfangen, Mathematik zu studieren, eine schwere Enttäuschung erleben, da deren Zahl, wie sich aus den angefügten Zahlen ergibt, in den letzten Jahren ungeheuer gewachsen ist. Die deutsche Mathemaükervereini- gung schreibt darüber: „In letzter Zeit ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß in Preußen Mangel an Kandidaten für das höhere Lehramt
fulda, Mittwoch, dm 2t). April 1903.
30. Jahrgang.
herrsche, und daß es sich empfehle, diesen Beruf zu wählen. Das mag für Philologen und Historiker zutreffen (?), bei den Mathematikern steht es insofern anders, als die gegenwärtig allerdings recht günstigen Aussichten sich in kurzer Zeit erheblich verschlechtern werden. Während die Anzahl der Studenten der Mathematik an den preußischen Universitäten im Sommersemester 1893 blos 178 betrug, ist sie nach den von der deutschen Mathematlkervereinigung angestellten Ermittelung im Sommersemester 1900 auf 804, im Sommersemester 1902 gar auf 1205 gestiegen.
Auf der anderen Seite beträgt der Bedarf an höheren Lehrkräften mit Mathematik als Hauptfach für die höheren Schulen Preußens höchstens 70. Bedenkt man nun, daß nicht jeder Student sein Ziel erreicht, daß ferner eine größere Anzahl von Mathematikern in andern Berufen, wie Lebensversicherung, Technik usw. Unterkunft findet, so wird die nötige Anzahl der jährlich in dieses Studium Eintretenden auf etwa 120 zu schätzen sein, woraus sich, bei fünfjähriger Dauer des Studiums, eine Normalzahl von etwa 600 für sämtliche Studenten der Mathematik ergibt. Bei der seit 1900 herrschenden Frequenz werden daher in einigen Jahren die Lücken ausgefüllt und bald darauf Ueberfluß an anstellungsfähigen Kandidaten vorhanden fein. Unter diesen Umständen hat die deutsche Mathematikervereinigung sich veranlaßt gesehen, die dringende und ernste Warnung auszusprechen, daß in Zukunft nur diejenigen dem Studium der Mathematik sich widmen mögen, die eine besondere Neigung dazu treibt."
Deutsches Reich.
Berlin, den 28. April 1903.
** Das Gesetz über die Ausbildung der höheren Verwaltungsbeamten wird aus dem Herrenhause an das Abgeordnetenhaus zurückgelangen, da das Herrenhaus die Bestimmung ablehnen wird, wonach über die An
nahme der Regierungsreferendare nicht der Regierungspräsident, sondern der Minister zu entscheiden hat. Die nochmalige Beratung der Vorlage im Abgeordnetenhause wird am Freitag ober Samstag stattfinden. Die Konservativen hoffen, daß bis dahin viele Zentrumsmitglieder abgereist seien und sie selbst infolgedessen die Mehrheit haben werden. Es ist deshalb dringend notwendig, daß alle Zentrumsabgeordneten bis Ende der Woche zur Stelle sind.
** Die sozialdemokratischen Gewerk- schastsorganisationen haben trotz eines so volkswirtschaftlich schlechten Jahres, wie es 1902 war, ganz beträchtlich an Mitgliedern zugenommen, sie dürsten wohl 75000 mehr „Kämpfer" in diesem Jahre zählen, als im Vorjahr. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat allein 25 937 Mitglieder zugenommen und zählt jetzt 128 842 gegen 102 905 im Vorjahr; das ist die höchste jemals vorgekommene Zunahme, dieser rapide Fortschritt hält an; denn in diesem Jahre sind im Quartal wieder 12000 Mitglieder dem Verein zugewachsen. Daß bei dieser enormen Zunahme der Jahresetat einer solchen sozialdemokratischen Kampfesorganisation hoch ist, oebarf keines weiteren Beweises: Er balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 2246022 Mark.
* Beförderung der Unteroffiziere im Frieden. Die durch Kabinetsordre am 11. April genehmigten neuen Bestimmungen über die Beförderung der Unteroffiziere im Frieden enthalten eine große Zahl bemerkenswerter Aenderungen. Erprobte dienstliche und außerdienstliche Zuverlässigkeit und Brauchbarkeit sollen Vorbedingungen jeder Beförderung fein. Je höher der Unteroffiziergrad ist, um so größere Ansprüche sollen an die zu Befördernden gestellt werden. Bei den Bezirkskommandos und den Bekleidungsämtern soll die Beförderung der Unteroffiziere zu Sergeanten, auch wenn Stellen offen sind, erst nach mehrjähriger Dienstzeit als Unteroffiziere erfolgen. Die Feldwebel und Wachtrnelster, der Stabshoboisten.
Stabshornisten und Stabstrompeter des Garde- koips werden durch den Kaiser ernannt. Zu Bezirksfeldwebein ernennen die Brigade- Kommandeure und der Landwehr-Inspekteur. Beförderungen zu Feldwebeln und Vizefeldwebeln der Unteroffizierschulen und Unteroffiziervorschulen sowie von Füsilieren und Unteroffizierschulen verfügt der Inspekteur der Jnfanterie- schule. Alle übrigen Feldwebel, Wachtmeister, Vizefeldwebel, Vizewachtmeister, Stabshoboisten, Stabshornisten, Stabstrompeter, Sergeanten und Unteroffiziere werden von den nächsten, mit mindestens der Disziplinar-Strafgewalt eines Regimentskommandeurs beliehenen Vorgesetzten desjenigen Truppenteils ernannt, zu welchem sie gehören. Bet der Infanterie, den Jägern (Schützen), oer Feldartillerie, der Fußartillerie, den Pionieren und dem Train dürfen für fehlende Leutnants außeretatsmäßige Vize- feldwebel (Vizewachtmeister) ernannt werden. Ihre Zahl wird vom Kriegsministerium festgesetzt. Die Beförderung ehemaliger Offiuer- burschen zu Unteroffizieren ist nur bann zulässig, wenn sie in ben Frontdienst jurürfgetreten sind und dort ihre Befähigung zum Unteroffizier während längerer — minbestens halbjähriger — Dienstzeit nachgewiesen haben.
* Das Wichtigere. Graf (als Freier): „Ich habe siebzig Ahnen." — Protz: „Te geh'n mich nix an; aber wieviel hab^n ee Gläubiger?"
. * Beim Rekrutrn-Uuterricht „Pollig, nennen Sie nnr die hervorragendsten Soldatentugenden!" — „Blut, Tapferkeit, Ausdauer!" — „Gut! . . Schulz fahren Sie fort! — „Schweigsamkeit! — „Drücken Sie sich deutlicher ans!" — „Maulhalten!"
* Sonst nnd jetzt. Sonst sagte man: „Heute ist unsre Tochter glückliche Braut geworden" — und jetzt: ..Heute ist unsre Tochter glücklich Braut geworden."
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