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fulda, Mittwoch, den 29. April 1908.

M «6.

30.. Jahrgang.

„werfen", wenn der § 42, der von den Pflichten des Kaffenvorstandes handelt, nicht geändert wird. Da der Reichstag schwach besetzt ist und in den letzten beiden Sitzungen sicher nicht mehr beschlußfähig sein wird, ist ihnen das durchaus nicht unmöglich. Morgen kommt es wegen der Interpellation der Handelsverträge vielleicht gar nicht einmal zur Fortsetzung der Beratung über die Novelle, und dann ist diese, falls die Sozial­demokraten auf ihrer Absicht bestehen, schon mit Sicherheit als gescheitert zu betrachten.

* Bonn, 28. April 1903. In der ver­gangenen Woche weilte Hofbaurat Ihne, der Hof­architekt des Kaisers, einige Tage lang hier in der rheinischen Universitätsstadt. Es handelt sich hierbei um den Neubau des Korpshauses der Bonner Borussen, deffen Anlage und Räume nicht mehr so ganz den „modernen An­sprüchen genügen." Bekanntlich haben der Kaiser und seine beiden ältesten Söhne als Studenten diesem Korps angehört und es ver­lautet in hiesigen akademischen Kreisen, daß es der Kaiser selbst sei, der „seinem" Korps daS neue Heim stiften wolle, und daß er als Vor­bereitung hierzu seinen Hofbaumeister hierher entsandt habe.

Meta Riegner, die längst für den schönen Mann eine heiße Leidenschaft gefaßt, merkte instinktiv jeden seiner Gedanken; es war chr bisher interessant er­schienen, ein leichtes, kokettes Liebesspiel mit ihm zu treiben, indeß fühlte sie auch jetzt wieder, daß es ihr auf diese Weise nicht gelingen würde, ihn dauernd zu fesseln. Deshalb änderte sie ihr Spiel und sagte:

„Sie sehen mich an, als ob sie mich bedauerten und wahrlich, bin ich nicht auch zu bedauern?"

Ihre Augen nahmen einen feuchten Glanz an und ihre Stimme bebte.

„Aber gnädige Frau, in wie fern? Ich halte sie und viele andere gewiß mit mir, für eine beneidens­werte Dame, für eine Königin der Schönheit, die aus der Welt nur zu gebieten ha', um alle irdischen Wünsche erfüllt zu sehen!"

„Für das halten Sic mich? Und was bin ich in Wahrheit? Ein armes, einsames Menschenkind ohne Schutz, ohne Liebe — das sich in Sehnsucht nach einem treuen Herzen verzehrt!" rief sie klagend und legte die weiße Hand über ihre Augen.

_ „Meta!" rief er erregt, „das tft Frevel!" Er faßte nach ihrer Hand; sie wehrte ihn ab.

„Nein — bitte lasten Sie wich! — Es ist dunkel! Bitte schellen Sie, daß man Licht bringt!"

„Nur einen Augenblick noch!" Er nahm doch ihre Hand fest in oie seine. „Sehen Sie, nun klagen Sie über Einsamkeit und schicken ein so liebes, freundliches Wesen, das aus jeden Ihrer Wünsche lauert, von sich, gerade jetzt zur Winterszeit, wo eine andere He'-mat zu finden so schwer ist!"

»Ich — ich habe es auch schon bereut!" flüsterte Mela. „Wirklich, Sie bereuen es?" — Es klang wie ein Judelruf aus Heinrichs Munde, so hatte er doch nicht vergebens gehofft, sie war nicht kalt und herzlos.

„Fch werde sie morgen aufsuchen und die Rück'ehr oder eine Geldentschädigung ihr aubieten!"

„Sie wisten nicht, wie glücklich Sie mich machen!" Er drückte fest die kleine Hand in der seinen.

Spektakelmacher wieder still geworden sind, wer­den wir es mutig tun." Das ist kein Sieg des evangelischen Bundes, sondern nur eine wenig imposante Taktik des Bundesrates, der es beiden Teilen recht machen möchte, den Hetzern, sindem er die Entscheidung verschiebt und die Hoffnung erweckt, sie sei aufgehoben, den Katholiken, indem er die Ablehnung des Reichstags-Beschlusses ver­meidet und die Annahme für später in Aussicht stellt.

Den furor protestanticus auf „gewisse Vor­gänge in Trier und Bayern" zurückzuführen, ist von derpreußischen Korrespondenz' auch sehr u n - vorsichtig. Man will uns doch sonst einreden, die „Bewegung" gegen die Jesuiten habe in deren Schlechtigkeit und Gefährlichkeit ihren Grund. Jetzt fall sie auf einmal durchMnge wachgerufen worden sein, die mit den Jesuiten nichts zu tun haben. Wo bleibt dann die gepriesene protestan­tische Gerechtigkeit, wenn die Jesuiten für das, was der Bifchof von Trier oder das Zentrum in Bayern getan hat, büßen sollen? Und welch' beleidigendeZumutung an den Bundes­rat, seine Entscheidung in einer die Jesuiten be­treffenden Frage der Freiheit und Gleichberechti­gung von Vorgängen abhängig zu machen, die weder den Bundesrat als solchen noch die Je­suiten angehen?

Wenn nun die besten Freunde des evan­gelischen Bundes noch immer nichts weiter zu melden wiffen, als daß die Entscheidung über den § 2 hinausgeschoben werden solle, so brauchen wir unsererseits uns über das schließliche Schicksal dieses Paragraphen ja keine große Sorgen zu machen. Wir haben so lange gewartet und können noch etwas weiter warten. Daß der Paragraph einmal fallen wird, wiffen wir ja doch. Allein fo gemütlich, wie die ,Preuß. Kon/ annehmen möchte, sehen wir den Dingen doch nicht zu. Das Zentrum und die Katho­liken lassen nicht gern mit sich spielen. Graf Bülow hat vor bald einem Vierteljahre zu­gesagt, daß die preußischen Stimmen im Bundes­rate für die Aufhebung des § 2 abgegeben werden würden. Niemand hat das anders ge­deutet, als: der § 2 soll aufgehoben werden. Wenn das nun nicht geschieht,' so heißt das: )ie Regierung ist wieder in das Lager )er Kulturkämpfer übergegangen und iat eine als ungerecht erkannte Gesetzes- oestimmung diesen zu Liebe verlängert; es kommt beinahe auf einen jesuitenfeindlichen Be­schluß hinaus. Daß das unmittelbar vor den Wahlen am allerwenigsten ohne Folgen bleiben kann, liegt auf der Hand. Es wird sich zeigen in dem Verhalten der Zentrums­wähler gegenüber den Kandidaten anderer Parteien und in dem Verhalten des Zentrums zur Regierung. Was würden denn die Konservativen tun, wenn der Reichskanzler ihnen die alsbaldige Kündigung der Handelsverträge, oder die Liberalen, wenn er ihnen die Aufhebung der landwirtschaftlichen Zölle versprochen hätte und nun sein Wort nicht zu halten vermöchte? Würden sie das ohne Widerspruch und Verstimmung hinnehmen?

Berlin, den 28. April 1903.

** Die ,Nordd. Allg. Ztg.' gibt in ihrer „Zeitungsschau" die Bemerkungen wieder, mit denen die ,Postt gestern die Ausführungen der Korrespondenz des evangelischen Bundes über den Verzicht der Kaiserin auf die Rom- reife zurückwies. Das ist deshalb bemerkens­wert, weil, wie wir wissen, die Wiedergabe von amtlicher Seite veranlaßt worden, also keine bloße Redaktionsleistung ist.

* Dem verstorbenen Botschafter a. D. von Keudell widmet der ,Reichsanzeiger' einen 'Nachruf, in dem es heißt: „Der Dahinge­schiedene, der die große Zeit der nationalen Wiedergeburt mit durchlebte und an ihr tätigen Anteil nahm, hat sich in allen von ihm wahr­genommenen Aemtern Verdienste erworben, die unvergessen bleiben werden. Mit einer vornehmen Schlichtheit des Wesens verband er Takt und reiche Gaben des Geistes und des Gemütes, von deren jeder Vorteil hatte, der dienstlich oder außerdienstlich mit ihm in Berührung kam."

** Wiewohl Minister Frhr. Hammerstein heute im Abgeordnetenhause erklärte, er könne die Interpellation, des Abg. Gothein wegen des durch die letzten Stürme verursachten Notstandes erst nach Eingang der Berichte be­antworten, und sei noch nicht in der Lage, den Tag der Beantwortung mit Sicherheit zu be­stimmen, haben doch die Konservativen einen mit der Interpellation des Abg. Gothein fast genau übereinstimmenden Antrag eingebracht, der die Regierung um Maßnahmen ersucht, „um einem Notstand der durch die letzten Stürme geschädigten Bevölkerung, insbesondere der Fischer in den Küstenbezirken, entgegenzuwirken." Es soll dies auf einen Wink ihrer Freunde in der Regierung geschehen sein.

** Die Sozialdemokraten sollen ent- schloffen sein, die Krankenkafsenuovelle 'zu

Der Reichskanzler freilich hätte auch ohne jegliche Rücksicht auf die Stimmung des Zentrums dringenden Anlaß, auf der so­fortigen Entscheidung über den 8 2 zu bestehen und alles an seine Aufhebung zu fetzen. Denn das kann er sich doch selbst nicht verhehlen, wenn er jetzt aus Rücksicht auf den furor protestanticus oder auf irgend etwas anderes mit der Ver­schiebung der Entscheidung einverstanden ist, so bleibt das für ihn eine ganz empfindliche politische Niederlage und eine schwere Einbuße an Autorität. Er steht dann als ein Politiker da, der die Lage nicht richtig zu beurteilen vermocht hat und in völliger Selbst­täuschung über das, was ihm möglich sei, sein Wort gegeben hat. Daß in Zukunft seinen Zu­sagen starkes Mißtrauen entgegengebracht würde, weil man weiß, daß er mehr verspricht, als er halten kann, ist die unvermeidliche Folge.

es wirklich ernst zu nehmen und nicht zu bemerken, daß es nur ein koketter Scherz von ihr war, denn aufmerksam lauschte er nach den Pulsschlägen.

„Nicht etwas Fieber?" fragte sie lächelnd.

„Ich spüre nich's!" entgegnete Doktor Winter.

„Und doch habe ich mich soeben furchtbar aufge­regt."

„Das bedauere ich lebhaft. Aber warum?" „Ich habe mich über meine Gesellschafterin geärgert — doch das kommt nicht mehr vor, ich habe sie sofort ent­lassen."

„Wirklich?" Heinrich schien unangenehm erstaunt. „Ich hielt die Dame für sehr nett und liebenswürdig, sie ist also fort?"

„Ich Pflege nie lange Unterhandlungen, und habe mich schon von ihr befreit!"

„Ist sie nicht fremd in der Stadt? Es war mir so, als hätte ich dergleichen von ihr gehö t!"

„Das weiß ich nicht, und das kümmert mich doch auch nichts!" Die schöne Frau dehnte sich behaglich in ihrem weißschimmernden Gewände auf ihrem be­quemen Schaukelstuhl und sah lächelnd und neckisch wie ein Kind zu ihm herüber. Ueber ihren Anblick vergaß der Doktor die unangenehme Empfindung, die ihm wieder diese,' Beweis von Herzlosigkeit verursacht hatte. Es reizte ihn dieses oberflächlich scheinende Wesen der schönen Frau und er suchte zu durch - itingen, zu erforschen, ob nicht etwas im Stande sei, in diesem Herzen edle und großmutige Empfindungen zu erwecken. Deshalb kehrte er immer wieder in den Bannkreis ihrer seffelnden Persönlichkeit zurück. Seine Sinne waren gefangen, sein Herz aber wog und prüfte noch und suchte noch nach b-m ver­borgenen Edelstein wahrer Herzensgüte, die allein auf die Dauer beglück n kann Und das war nun wieder das Gegenteil von dem, was er suchte. Bewundernd sah er auf das schöne, lobinswette Geschöpf, das Gott mit allen Reizen dec Natur ausgestattet und doch lag in seinem Blick etwas wie Trauer und Zurück­haltung.

Keirncttgl'ück.

Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.

(Nachdruck «erboten.)

Sollte er glauben, daß wirkliche Liebe ihn ver­blendete, oder plötzliche Habsucht, die Freude an Luxus und Genup Heinrich gefangen genommen ? Beides mar möglich und Beides konnte sich auch verbinden zu doppelter Macht. •

®T kannte die Schlauheit der jungen Frau, die schon als zartes Mädchen sich nicht gescheut, der ganzen Familie mit deren gerechten Ansprüchen auf das Erbe des reichen Onkels durch ihre Heirat mit demselben den Rang abzulaufen. Er kannte ihre Macht, andere für sich einzunehmen, und deshalb zürnte er auch nur H>r und bewahrte nach wie vor seinem Freunde die alte Freundschaft.

* *

„ sie kommen zur rechten Stunde, verehrter Aes- kulap: als mein Hausarzt sind Sic verpflichtet, mich Ä JLCt e™- * an3 bs mit verstellter, matter Stimme Doktor Winter entgegen, als er das luxuriös nusge- Mttete Zimmer betrat, in welchem eben de Dämmerung ihren geheimnisvollen Zauber wob. Se'n Fuß versank in weiche Teppiche, blühende fremdländische Gewächse erfüllten die warme Lust mit ihren verwirrenden Duften, und aus ber.jtn Dämmerlicht verschwindenden, reidjen und kostbaren Ausstattung leuchtet ihm nur . OtT- ^""klen Blattwerk umgebene Marmorfigur nner Pfyche und — die in einem Schaukelstuhl ruhende Gestalt der jungen Frau entgegen.

„Sie find nicht wohl, find leidend, gnädige Frau ?* fragte er fast erschreckt. 80

„Sehr! Bitte, fühlen Sie meinen Puls'" Cie reichte ihm das zarte Handgelenk. D-r Doktor ließ tzch aur einen niederen Sessel nieder, und faßte mt- "ch b,c bargebotene Hand, die er galant küßte. Mit tzalbgefchloffenen Augen beobachtete sie ibn; er schien

** Der furor protestanticus.

Rach der Versicherung der sehr freisinnigen .Vosfischen Zeitung', deren Freiheitssinn freilich nicht so weit reicht, um sich auch auf die Katho­liken zu erstrecken, ist die „durch die deutsch­evangelische Bevölkerung gehende Bewegung gegen die Aufhebung des ß 2 des Jesuitengesetzes nicht auf einen äußeren Ansporn zurückzuführen, sondern - entspringt der inneren sittlichen Erregung über die Gefahr, die den evangelischen Kreisen Deutschlands aus einer Abbröckelung des Jesuiten- gesetzes erwachsen könnte". Solche Behauptungen können bei den Machern der „Bewegung" nur ein Augurenlächeln Hervorrufen. Sie wiffen ganz gut, daß es immer dieselben Schauspieler und dieselben Statisten sind, die uns die „sitt­liche Erregung" des evangelischen Volkes vor­spielen. Allüberall treten immer wieder dieselben aus den Versammlungen des Evangelischen Bundes bekannten Redner auf und tragen immer dieselben Lügen und Verleumdungen gegen die Jesuiten vor.

Zu ihrer eigenen Ermunterung und zur beffern Förderung der „Bewegung" lassen die Macher auch alle paar Tage in der Preffe ver­kündigen, sie hätten Erfolg erzielt; aus Rücksicht auf den furor protestanticus wage d er Bundesrat dieAufhebung des§2nicht. Heute weiß die preußische Korrefpondenz' wieder zu melden, Graf Bülow verzichte darauf, es sich ausdrücklich bestätigen zu lassen, daß ' die Bundesstaaten für dieAufhebung des § 2 einst­weilen nicht zu haben seien. An dieser seiner Haltung würden auch die neueren Kundgebungen der Zentrumspresse und ihre Drohung, den Kampf um den § 2 zur Wahlparole zu machen, nichts ändern. Man nehme die angebliche Ver­stimmung des Zentrums nicht allzu ernst; die Zentrumsführer felbst würden sich innerlich am allerwenigsten im unklaren darüber sein, daß es den entscheidenden Instanzen unmöglich sei, den furor protestanticus, wie ihn gewisse Vorgänge m Trier und Bayern wachgerufen haben, unbe­achtet zu lassen.

®er Korrespondenz ist wohl selbst nicht recht zum Bewußtsein gekommen, welche klägliche e fte den Reichskanzler und den Bundesrat da spielen und rote bescheiden sie die „Erfolge" des evangelischen Bundes erscheinen läßt. Wenn sie klar und bestimmt melden könnte Der 8 2 des Jesuitengesetzes wird mit Rücksicht auf bie Stimmung der protestantischen Bevölkerung nie und unter keinen Umständen aufgehoben", das wäre etwas. Aber „einstweilen" ist der Bundes­rat für dieAufhebung nicht,zu haben, das heißt doch tm Grunde genommen nur: „Augenblicklich wäre es uns wegen des Lärmes unbequem, für die Aufhebung stimmen zu sollen, aber wenn die

. 298. Sitzung vom 28. April.

Eröffnung 11'/« Uhr.

Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Inter­pellation der Abgg. Kohl i Zentrum) und Gersten - berger (Zentrum) bett, die Prüfungsvorschriften für die Fleischbeschauer. Die Interpellation lautet: AuS welchen Gründen hält der Herr Reichskanzler die Prüfungsvorschriften für die Fleifchbeschauer in de« Ausführungsbestimmungen des Bundesrates zu bene Gesetze betr. die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vom 9. Juni 1900 mit diesem Gesetze vereinbar, obschon dieselben den bei Beratung des Gesetzes zum Ausdruck gekommenen Absichten nicht entsprechen, und ist der­selbe bereit, eine Abänderung herbeizuführen 2.

Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. — Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Abg. Kohl (Zentrum). Derselbe führte aus, daß die vom Bundesrat im Rahmen der Ausführungs­bestimmungen zum Fleischbeschaugesetz erlassene« Prüfungsvorschriften für Fleifchbeschauer im direkten Gegensatz zu den Intentionen und Beschlüssen des Reichstags ständen. In der Regierungsvorlage feie« allerdings derartige Prüfungsvorschriften in Aussicht genommen gewesen. Der Reichstag habe sie aber wieder aus dem Gesetze entfernt. Der Bundesrat habe also offenbar versucht, das, was auf dem Wege des Gesetzes nicht zu erreichen war, auf dem Umwege der Ausführungsbestimmungen zu erreichen. Dabei feie« die Prüfungsvorschriften im Einzelnen so rigoros, daß der einfache Mann aus dem Lande mit der Möglich­keit, ja, mit der Wahrscheinlichkeit eines Durchfalles bei der Prüfung rechnen müffe. Die Folge fei, daß kaum jemand sich entschließe, den geforderten vier« wöchigen Ausbildungskursus auf einem Schlachthofe auf eigene Kosten durchzumachen, so daß die Gemeinden gezwungen feien, auf ihre Kosten Fleifchbeschauer aus- bilden zu lassen. Dadurch sei das Fleischbeschaugesetz für die Gemeinden ein äußerst kostspieliges Gesetz geworden.

„Oh — einen glücklichen Mensch m steht man selten, den muß mar sich näher betrachten!"

Sie bog sich lächelnd vor und tauchte ihre Blicke tief in feine leuchtenden, blauen Augen. „Und warum sind Sie glücklich? Ist Ihren Miß Horwood so teuer?"

„Meta, wie können Sie so scherzen?" Ihr Atem berührte sein Haar, die weiße, reizvolle Gestalt be­zauberte ihn; er zog sie an sich. „Ich bin glücklich, laß Du eben so gut als scköu bist, und daß Du mich lebst, denn das weiß ich ja längst!" — Willig schloffen ich ihre Arme um den Hals des armen und doch so tolzen Mannes, über den ihr Reichtum nichts ver­mocht und der Herzensgüte höher achtete als Schön­heit. Nun er diese an ihr entdeckt, hielt er sie be­gehrenswert. Gab cs wirklich noch solch törichte Männer? so fragte sich Meta selbst jetzt im Augen­blick ihres heiß ersehnten Triumphes.

„Du sollst nun nicht mehr einsam sein — Ge­liebte!"

„Und ich — ich will Dein Leben schmücken mit Allem, was man auf der Welt erkaufen kann!"

„Laß das, Geliebte! Gedenke der Armen, es ist g-rade die Zeit dazu und — vergiß nicht die gute Miß zurückzurufcu." Mit einem Kuß versprach sie ihm alles, was er wünschte.

Die Vögel im goldenen Käfige zwitscherten wie im Traum, die Blüten dufteten stärker, das marmorne Gesicht der Psyche aber blieb starr und falt.

Meta Rieger wollte es sich nicht nehmen taffen, ihre Verlobung mit dem Doktor am Weihnachtsabend glanzvoll zu feiern; bis dabin sollte niemand etwas davon erfahren., Doktor Winter wollte davon nichts hören, cs widerstrebte seinem einfachen Sinn; und als ich seine Braut ihm zu Liebe entschloß, anstatt des Verwandtenkreise^, der ja doch am liebsten Weihnachten daheim feierte, eine Anzahl armer Kinder einzuladen, war er Überglücklich.

iForttetzung folgt.)

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verantwortlicher rchristleiter-.Zos.vamn

erscheint tii-Iich. mit Ausnahme der 5»«° und Feiertage, viertel- jahrl. Bezugspreis ohne vringerlohn und Bestellgeld in Zulda uud auemäds 1 Mk. 50 pfg

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