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Verantwortlicher rchristleiteriZos.van» für die Inserate 3. Parzeller in Zulba.

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MaerW Zeitung

wochrnbeilage: „Illustrierte Zonntagzzettung" Monatsbeilage: „Zuldaer Geschichtrblatter".

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DniS und Verlag der Zulbaer Aclienbruckerei in Zulba (Harmonie). Zernsprecher Nr. 9.

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* Aus -em Wahlkreise Marburg- Uirchhain-Zrankenberg

erhalten wir von einem Herrn, der nicht zur Zeutrumspartei gehört, folgende Zuschrift:

Zu meinem Erstaunen finde ich in der heutigen Nummer (Nr. 93) Ihres geschätzten Blattes eine Berichtigung des Herrn von Pappenheim, in der derselbe 3 Puntte, die in der ,Fuldaer Zeitung' am 21. April unter Berufung auf Versammlungsberichte Marburger Blätter kritisiert wurden, als unwahr bezeichnet. AIS Teilnehmer der in Gemünden a. W. am 7. April sowie der in Marburg am 18. April stattgefundenen Versammlung erlaube ich mir, zu der „Berichtigung" des Herrn von Pappenheim folgendes zu bemerken:

1. In Gemünden a. W. erklärte Herr von Pappenheim sich zwar nicht direkt und offen als Gegner der Witwen- und Waisenversorgung, aber die hierüber getanen Aeußerungen ließen seine Gegnerschaft doch.unzweifelhaft erkennen. Er sagte wörtlich: „Auf dem Lande ist noch keine Witwe und Waise verhungert." Sodann hob er ausdrücklich hervor, daß nach seiner Meinung der Arbeiter durch die Witwen- und Waisenversorgung der Fürsorge für Weib und Kind überhoben und so zur Leichtfertig­keit erzogen würde. Herr von Pappenheim ver­suchte es ferner so darzustellen, als ob die Kosten für die Witwen- und Waisenversorgung von der Landbevölkerung aufgebracht werden müßten, während dieselben bekanntlich auf Antrag des Zenttums aus den Zollüberschüssen ge­nommen werden sollen.

2. Herr von Pappenheim bestreitet, daß er sich für neue Steuern, gleichviel ob Bier-'oder Tabaksteuer ausgesprochen habe. Das stimmt nicht. Er hat die Notwendigkeit neuer Steuern ausdrücklich betont, da er für eine Reichsfinanz­reform sei und sich in Wehrmachtsfragen nie ab­lehnend verhalten werde. Wenn er die Bier- und Tabaksteuern nicht wörtlich empfahl, so konnten doch feine Ausführungen hierüber gar nicht anders gedeutet werden, als daß er die ge­nannten Steuern für die zunächst in betracht zu ziehenden hielt. (Der Bericht der konservativen ,Oberh. Ztg.' lautet über diesen Punkt wörtlich wie folgt: „Er wolle seinen Wählern nicht ver­schweigen, daß dann sd. h. für die Verstärkung der Rüstung zu Waffer und zu Landes neue Steue.ru nötig sein würden und man vielleicht auf die Besteuerung des Bieres und des Tabaks zurückgreifen werde, die beide ja keine Nahrungsmittel seien usw." D. Reo.)

3. Herr von Pappenheim sagte in bezug auf die Aufbesserung der Beamtengehälter, diese sei für ihn vorläufig abgeschlossen. Es solle zwar jedem (!) sein Recht (!) werden, aber bewillige man jetzt dem Eisenbahnwärter eine Gehaltsaufbesserung, so kämen sofort Lehrer, Postbeamte usw.

Ueber den vierten Punkt brauche ich mich nicht weiter zu äußern, sondern will nur auf den Widerspruch der Berichtigung des Herrn von Pappenheim mit dem Berichte der konservativen

fUlda, Dienstag,

.Oberhessischen Zeitung' Hinweisen. Herr von Pappenheim will anscheinend einen Kampf um Worte führen. Möglich, daß seine Worte einen doppelten Sinn haben. In der Art und Weise aber wie sie in den genannten Versammlungen vorgetragen wurden, kann man ihnen keine andere Deutung geben als es in den Be­richten der Marburger Blätter und in der ,Fuldaer Zeitung' geschehen ist.

Soweit die Zuschrift von nicht katholischer Seite. Der in dem letzten Abschnitte erwähnte Widerspruch der „Berichtigung" des Herrn von Pappenheim mit dem Berichte der ,Oberh. Ztg.' ist sehr beachtenswert. Nach diesem Berichte hat Herr v. Pappenheim in Kirchhain gesagt:

„Er halte die Frage der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes für recht bedeutungslos. So hätte auch früher die überwiegende Mehrheit des Reichstages der Aufhebung zugestimmt, so die Nationalliberalen v. Bennigsen und Bassermann. Trotzdem sei er heute entschieden gegen die Aufhebung des tz2 des Jesuitengesetzes, da er ein Freund des inneren Friedens sei. Denn nach Anschauung weiter evan­gelischer Kreise würde beute diese Aufhebung als ein Zugeständnis an die Katholiken angesehen, dem leicht noch weitere schwerwiegende Zugeständnisse zum Schaden der evangelischen Kirche folgen könnten. Und dies rufe lebhafte Beunruhigung hervor, die geeignet sei, mit der Zeit den inneren Frieden zu stören. Diesen zu erhalten aber sei heute im Hinblick auf das Wobl des gesamten Vaterlandes vor allem eine Pflichc jedes Volksvertreters und deshalb sei er zur Zeit gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes."

Ganz anders lauten die Gründe, die Herr v. Pappenheim in feiner „Berichtigung" für seine ablehnende Haltung anführt, indem er schreibt: „Ich habe dies damit begründet, daß ich es für die Pflicht des Staates hielte, den konfessionellen Frieden aufrecht zu erhalten und daß ich es des­halb für erwünscht hielte, wenn er Mittel habe, Elemente, die diesen gefährden, unschädlich zu machen. § 2 sagt: „Angehörige des Ordens der Gesellschaft Jesu re. „können", wenn sie Aus­länder sind, ausgewiesen werden, wenn sie In­länder sind, „kann" ihnen der Aufenthalt an bestimmten Orten oder Bezirken versagt oder an­gewiesen werden." Einer mißbräuchlichen An­wendung dieser Bestimmung, d. h. gegen Jesuiten, die den' konfessionellen Frieden nicht gefährden, würde ich selbstverständlich aus das bestimmteste widersprechen."

Wie es gekommen ist, daß der Berichterstat­ter des konservativen Blattes den konservativen Redner so falsch verstanden hat, brauchen wir nicht zu untersuchen — mag die ,Oberhess. Ztg.' das selber mit Herrn v. Pappenheim ausmachen. Wir halten uns an das, was Herr v. Pappen­heim selber gesagt haben will. Und da sind wir ganz mit ihm einverstanden, daß es die Pflicht des Staates ist, den konfessionellen Frieden aufrecht zu erhalten und daß es erwünscht sein muß, wenn der Staat Mittel hat, Elemente, die diesen Frieden gefährden, unschädlich zu machen. Ganz unsere Meinung! Aber dieser ganz allgemeine Satz muß dann auch ganz allgemeine Gel­tung haben und nicht nur für die Jesuiten. Herr v. Pappenheim will als ein konservativer Mann doch gewiß, daß der Grundsatz: „Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich!" in Kraft bleibe. Wenn demnach Herr v. Pappenheim sich dafür

den 28, April 1903.

aussprechen wollte, daß jener § 2 etwa folgende Fassung erhielte: „Personen, die den konfessio­nellen Frieden gefährden oder stören, können, wenn sie Ausländer sind re." — dann wäre das konsequent und es könnte niemand ihm den Vor­wurf machen, daß er für das Fortbestehen eines gehässigen Ausnahme-Gesetzes eintreten wolle. Was doch den Jesuiten gegenüber recht ist, das sollte auch anderen Personen, z.B. dem evangeli­schen Bunde, gegenüber billig sein. Oder ist Herr v. Pappenheim anderer Meinung? Es würde jedenfalls viele „seiner Wählers in­teressieren, wenn er ihnen über diesen Punkt offen und ehrlich seine Ansicht darlegen wollte.

Wenn Herr v. Pappenheim schließlich erklärt, er würde selbstverständlich einer mißbräuchlichen Anwendung des § 2 gegen Jesuiten, die den konfessionellen Frieden nicht gefährden, auf das bestimmteste widersprechen, so mochten wir uns doch die Frage erlauben, ob Herr von Pappenheim auch nur einen einzigen Fall an­führen kann, wo die Jesuiten oder auch nur ein Jesuit den konfessionellen Frieden gestört hat. Weiß Herr v. Pappenheim vielleicht nicht, daß vor dem Erlaß des Jesuitengesetzes die königl. preußischen Landräte aus allen Bezirken/in denen Jesuiten tätig gewesen waren, sämtlich die denk­bar günstigsten Berichte über diese Tätigkeit er­stattet haben?. Mele hochangesehene Protestanten aus älterer und neuester Zeit haben sich bekannt­lich in gleichem Sinne ausgesprochen. Die Störung des konfessionellen Friedens aber pflegt von ganz anderer Seite zu erfolgen; — wir können auf Wunsch reichliches Material zu dieser Frage liefern.

Berlin, den 27. April 1903.

% Die Korrespondenz des evangelischen Bundes behauptet, die Kaiserin habe nicht, wie bekannt gegeben worden sei, „auf ärztlichen Rat" sich entschlossen? die Reise nach Italien auf­zugeben, sondern weil sie nicht „als evan­gelische Frau" dem Papste habe gegen­übertreten wollen. „Der Kaiser stehe dem Papste als Herrscher gegenüber und sein Besuch sei eine politisch-diplomatische Aktion. Die Kai­serin aber, die überdies als Frau den ersten Be­such nicht zu machen, sondern zu erwarten hätte, stehe dem Oberhaupte der römisch - katholischen Kirche ausschließlich als evangelische Frau gegen­über mit all' den Empfindungen, die ein evan­gelischer Charakter beim Anblick des Papstes durchleben muß. Die bekannte Standhaftigkeit der Kafferin in dieser Beziehung gegenüber mancher­lei anderartigen Strömungen in der Hofgesellschaft ist es denn auch tatsächlich gewesen, die ihr den Verzicht aus die Teilnahme an der Romfahrt nahegelegt und erleichtert hat. Das deutsche prote­stantische Volk werde der Kaiserin jedenfalls Dank wissen für ihren mutigen Verzicht auf die Rom­fahrt." Dazu bemerkt die freikonservative,Post':

30. Jahrgang.

„Diese Auslassung ist ganz grundlos und verrät eine völlige Verkennung der Umstände, welche die Kaiserin — sehr zu ihrem Bedauern — veran­laßt haben, auf die Teilnahme an der Reise ihre» hohen Gemahls nach der italienischen Hauptstadt zu verzichten. Es gibt auch eine Reihe von Per­sonen, denen gegenüber Ihre Majestät dieses ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht hat. Die Kai­serin hat, wie hier nochmals konstatiert sei, ledig­lich auf ärztlichen Rat hin die Reise nach Italien aufgegeben."

** Der Reichstag wird voraussichtlich erst am Donnerstag schließen. Das Abgeord­netenhaus wird voraussichtlich noch an sämt­lichen Tagen dieser Woche Sitzungen halten. Zu­nächst sind noch einige rückständige Gesetzentwürfe geringerer Bedeutung zu erledigen, Dienstag und Mittwoch die neuerdings eingebrachten Inter­pellationen, am Donnerstag und Freitag die bis dahin zurückgebliebenen zahlreichen Kommissions­berichte über PetitioUen. Am Donnerstag wird ferner der jetzt dem Herrenhause vorliegende Ge­setzentwurf über die Vorbereitung zum höheren Verwaltungsdienst von dort in abgeänderter Fassung (Wiederherstellung der Vorlage in § 4) zurückerwartet. Die wiederholte Beratung des­selben dürfte das Abgeordnetenhaus am Freitag oder Samstag beschäftigen.

** Die Freigabe des I. Mai al5 Feiertag haben die meisten Arbeitgeberverbände in Berlin abgelehnt. In der Regel ist den Ar­beitern angedroht worden, daß sie bei einem Fernbleiben am Freitag auch am Samstag nicht beschäftigt werden. Manche Arbeitgeber wollen eine Bestrafung der Maifeier auch dahin aus­dehnen, daß sie am Montag den 4. Mai die alten Arbeiter nur nach Bedarf wieder einstellen. Von einer längeren Aussperrung hat man diesmal im Gegensatz zu früheren Jahren Abstand ge­nommen.

% In der Zeit vom 1. April 1902 bis zum Schluffe des Monats März 1903 betrug die zur Reichskasse gelangte Jsteinnahme, abzüg­lich der Ausfuhrvergütungen :c. und der Ver­waltungskosten beiden noch bezeichneten Einnahmen: Zölle 496 049 313 Mk. (+ 2 933 260 Mk.),' Tabaksteuer 12 088 332 Mk. (— 264 446 Mk.), Zuckersteuer in Zuschlag 98 297 819 Mark (— 7 578 766 Mark), Salzsteuer 49 290 005 Mark (4- 259 688 Mk.), Maischbottichsteuer 14 057 394 Mk. (— 1 377 717 Mk.), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 108 163 111 Mark, (— 2 742 275 Mk ), Brennsteuer 4 493 093 M. (Z- 7 378210 Mk.), Schaumweinsteuer einschließ­lich Nachsteuer 2 800 909 Mark (-s- 2 800 909 Mk.), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 28 523 111 Mark (— 1 805 455 Mark), Summa 813 763 087 Mk. (— 396 592 Mark). — Spielkartenstempel 1 603 366 M. (Z- 75 925 Mark).

% Die von uns erwähnten Beratungen von Kommissaren der am Eisenbahnwesen be­teiligten Bundesregierungen über den im Reichs­eisenbahnamt aufgestellten Entwurf einer Eifen- bahnbau- und Betriebsordnung sind am 25. d. M. zu Ende gegangen. Sie haben zu einer Verständigung über alle wesentlichen Punkte

Keimatgl'ück.

Erzählung aus den Bergen. Bon I. Fichtner.

18 -------- (Nachdruck verboten.)

„Leider ja, aber sie würde tausend andere Mittel und Wege gefunden haben, mit Dir in Verkehr zu treten; sie hat einen Willen wie Stahl, was ihr be­herzigenswert erscheint, erreicht sie auch!"

„In Bezug auf mich wird dies nicht der Fall sein; eine Millionärin wie Du sagtest, hegt andere Wünsche! Warte dies gefälligst ab."

„Ja abwarten, die Zukunft wirds lehren. Sie wird mir, nachdem sie mir mein Erbe und meinen besten Glauben an die Menschheit gestohlen, doch nicht noch den Freund rauben ?"

„Den Freund — niemals!" entgegnete Heinrich mit warmer innerster Ueberzeugung und drückte dem treuen Freunde die Hand.

10.

Dos war der einsamste Winter ihres Lebens, den Lenchen in der großen, volkreichen Stadt verlebte. Zwar hatte sie nicht gegen die Unbilden desselben zu kämpfen; von Schnee war nicht viel zu sehen, von Kälte nichts zu merken; Not und Sorge blieb ihrer Schwelle fern, und doch sehnte sie sich in jene Zeit zurück, in welcher Not und Sorge mit der starrenden Kälte zugleich ungehindert Zutritt hatten in das schlecht verwahrte Häuschen, wo sie bei kärglichem Licht mit erstarrten Fingern um des Lebens Notdurft rang.

Ihr Heini, der Stolz ihres Lebens, war ihr völlig untreu geworden; er war ein anderer als zu jener Zeit, wo er dankbar die für ihn emsig sorgenden Hände küßte.

Der Stern des Lebens hatte ihn ersaßt und ihn weit aus i^rem Gesichtskreis geführt, obwohl er noch nach wie vor Tür an Tür mit ihr wohnte

Da war.es nun wieder um die Weihnachtszeit, wo sie in früheren Jahren ihre Arbeitszeit verdoppeln mußte, um mit ihren kunstfertigen Fingern alle An­sprüche zu beftiediaen und nebenbei auch noch ein halbe- Dutzend kleiner Ueberraschungcn berzustellen; ach, könnte sie doch nur einmal wieder diese innere Herzensfreude empfinden, mit welcher sie früher rast­los Stunde um Stunde geschafft.

Wenn sie es sich auch nicht hatte nehmet lassen, auch jetzt noch ihre Geschicklichkeit zu verwerten, so hatte sie doch keine Ahnung,^in wessen Hände diese kostbaren seidenen Stickereien kommen sollten, wer sich an ihrem Anblick erfreuen würde.

Daheim! Ja, das wußte sie, daß sie in so vielen lieben, bekannten Familien an der Weihnachtsfreude ihr redlich Teil hatte. — Mutter verlangte längst nichts mehr von ihr, und ihrem Heini, den Herrn Doktor, hatte sie längst mit allen erdenklichen Arbeiten ausgestattet. Bangen Herzens dachte sie daran, daß er dieses Jahr wohl gar die heilige Weihnacht außer dem Hause verleben und sie ganz allein» sein würde. Es fehlten nur noch zehn Tage bis zu der so viel ersehnten Weihnachtsfeier und die Arbeiten waren nahezu erledigt.

Für ihn aber mußte sie doch noch etwas schaffen, sei es, was es wolle, und in ihrem Sinnen und Grübeln kam ihr ein Gedanke, Den sie sofort aus­zuführen begann. Sie verstand ja die Kunst, mit der Nadel die feinsten Blumen hervorzuzaubern, warum sollte sie richt auch einmal etwas anderes versuchen? Und mit der innigen Liebe, mit welcher sie an der Heimat hing, machte sie sich an's Werk.

Draußen fiel der erste Schnee und noch früher begann die Dämmerstunde hereinzubrechen. Lenchen wollte eben ihren Slickrahmen sorglich ve hüllen, als nach dem wohlbekannten, leichten Klopfen Doktor Wollf in ihr Stübchen trat.

„Störe ich, liebes Fräulein?" fragte er schon ein­tretend in seiner lebhaften, schnellen Art.

„Gar nicht, Herr Doktor, mich stören Sie nicht!" „Und doch sehe ich, daß Sie eben etwas vor mir verbergen wollen!" scherzte er.

„Nein, nein, ich will's nur bet Seite legen." Das ist ja auch nichts für gelehrte Herren, und würde Sie kaum interessieren!" erwiderte Lenchen.

„O doch; ich bin ein Verehrer seiner Frauenar­beiten, darf ich nicht einmal zusehen?" Die freund­lichen Worte riefen leises Rot auf die blassen Wangen Leuchens. Heinrich fragte nicht mehr danach, womit fr sich beschäftigte.

„Es ist noch nicht viel zu sehen, aber wenn es Ihnen Vergnügen macht, Herr Doktor, dann bitte!"

Sie trat mehr an's Fenster und entfaltete ihre Stickerei und die Augen des gutmütigen Doktors sahen interessiert b .rauf hin.

„Oh, das ist entzückend! Ein wahres Kunstwerk!"

„Es ist ja noch gar nicht fertig — finden Sie es wirklich hübsch, Herr Doktor?" I re Stimme bebte vor Freude.

„Hübsch ? — Es ist wunderschön und voll poetischen Reiz und ich kann mir auch denken, woher das Motiv ist!"

„Ein Stück von meiner Heimat!" entgegnete sie einfach.

Doktor Wollf reichte ihr die Hand. — „Sie find eine kleine Künstlerin und müssen deshalb auch in Ihrem Innern Genüge finden. Wer die Heimat so im Herzen trägt wie Sie, dem muß sie auch noch Glück bringen."

„Glauben Sie wirklich, Herr Doktor?" flüsterte Lenchen mit erstickter Stimme. „Sie tvissen ja gar nicht — ich komme mir immer vor wie eine Ver­bannte !" Traurigen Blickes deckte sie die leuchtende Seide wieder zu.

„Ich will ja nicht indiskret sein, Fräulein Leu­che , doch wenn Ihr Herz etwas bedrück: — vielleicht könnte ich helfen?"

„Das wird wohl zu spät fein! Ich habe doch kein

anderes Glück als das meines Bruders, und um das bangt mir nur!"

„Er ist wieder nicht hier?" fragte Doktor Wollf, indem er sich am Fenster niedersetzte.

„Schon seit Wochen bringt er jede Stunde die er frei ist, außer dem Haufe zu. Ich weiß auch, daß er mit einer Dame verkehrt, denn es kommen immer feine, duftige Brieschen und dann hat er’» immer eilig und ist fort, ohne was zu sagen!"

„Ich weiß es!" Leuchen sah den Doktor betroffen an, der Ton feiner Stimme war so vielsagend.

„Sie wissen es, Herr Doktor, es ist sein Unglück — oh — das hat mir ja geahnt, feit langen Wochen!" Sie mußte sich setzen.

„Ich glaubte immer, er sei durch eine geheime Jugendliebe gefeit gegen Frauenreize, weil er sich immer so zurückhielt!" klang es wie fragend aus Doktors Munde. Und nun faßte sich Lenchen ein Herz und begann dem Doktor den ganzen Jugend­traum Heinrichs und Röschens, den sie ja selbst f» gern mitgeträumt, zu erzählen. Still und mit Jnterefse lauschte er der einfachen Erzählung, die ihm einen tiefen Einblick in den so eng begrenzten und doch s» viel echtes Glück umschließenden Gesichtskreis der Ge­birgsbewohner bot. Nachdem Lenchen geendet, saß er lange still und sann.

„Sie können nichts mehr tun, um die Vergangen­heit wieder zu beleben, ihn wieder zu interessieren?"

„Ich hab's versucht — er ist erbifert gegen den harten Sinn des Bürgermeisters. Nun kann ich nichts mehr tun als beten."

„Tun Sie das, ein reines Herz hat Gott lieb!" Dokior Wollf drückte Lenchen die Hand und ging.

Lange hatte er sich dagegen gesträubt an Heinrich irre zu werden. Seine Warnungen hatten nur be­zweckt, daß Heinrich sich von ihm zurückgezogen, um immer mehr den Lockungen der schönen Fran nachzu­geben.

Gcrtsetzung folgt.)