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3. parzeller in Zulda. wochendeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung

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®tu<^ und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei monatsbeuage: „gulöaer Geschichtrblätter". 8«nspr<ch«r Nr. 9?

M 94.

fulda, Montag, den 27. April 1903.

30. Jahrgang.

*. Wahlkontrolle.

Wie eine Satire auf die Wahlprüsungs- 'rärigkeit des Reichstages nimmt sich ein soeben »erschienener umfangreicher Bericht der Wahl- pEungskommission über die Wahl des kon­servativen Abg. Will in Stolp-Lauenburg aus. Will war am 24. Mai 1898 in der Stichwahl mit 12862 Stimmen gewählt worden, -«ährend sein liberaler Gegner Wüstenberg 111677 Stimmen erhalten hatte. Ein gegen die Wahl eingegangener Protest war im November und Dezember 1899 von der Wahlprüfungs- kammission geprüft worden, die beantragte, die Wahl zu beanstanden und über eine große An­zahl von Protestbehauptungen Erhebungen an­stellen zu lasfen. Am 1. Mai 1900 erhob der Reichstag den Antrag zum Beschluß. Am 18. April 1902, also zwei Jahre später, fast 4 Jahre nach der Wahl, gelangte das Ergebnis an den Reichstag zurück. Es waren allerdings nia t weniger als 396 Zeugen informatorisch und 757 eidlich vernommen worden. Nebenbei bemerkt fehlte unter den Anlagen das Hauptaktenstück über die Wahl; es wurden vergebens Nach­forschungen angestellt, und soweit es möglich war, stellte man dann die Akten neu wieder her. Darüber war glücklich der 17. Juli 1902 heran­gekommen.

Mit dem Ergebnis der Beweisaufnahme be- schäftigte sich dann die Kommission in nicht weniger als 9 Sitzungen. Sie ist aber auch jetzt noch nicht zu einem endgiltigen Beschlüsse gekommen, sondern beantragt eine weitere Be­weiserhebung. Ob das Plenum sich mit diesem Anträge noch beschäftigen wird,' steht dahin; jedenfalls hat es keinen Zweck mehr, denn ehe die Beweiserhebung stattfinden kann, ist das Mandat längst erloschen. Wahrscheinlich wäre die Kommission zu einem andern Vorschläge, nämlich dem Anträge auf Ungiltigkeits­erklärung gekommen, wenn in anderer Weife abgestimmt worden wäre; »denn für die Giltig- ercklärung der Wahl war keine Mehrheit vor­handen. Aber auch das wäre praktisch be­deutungslos gewesen, denn die Legislaturperiode ist eben zu Ende. Daß der Abg. Will fünf lang unberechtigter Weise sein Mandat ausgeübt hat, ist ganz zweifellos, auch wenn es formell zu keiner Üngiltigkeits- erklarung gekommen ist. Daß etwas derartiges möglich ist, ist ein schwerer Uebelstand, für den indes nicht der Reichstag oder seine Kommission verantwortlich zu machen ist, sondern hauptsäch- «ch die Methode, nach der die vom Reichstage verlangten Erhebungen angestellt werden. Die mit den Erhebungen beauftragten Behörden haben es in der Hand, die Entscheidung fast nach Belieben zu verschleppen. Im vor­liegenden Falle waren freilich die Erhebungen so zahlreich, daß zur Verschleppung ein besonders böser Wille gar nicht notwendig war.

Die Wahl gibt uns ejn recht anschauliches Bild, wie es bei den Wahlen in den ländlichen Bezirken des Ostens zugeht. Der Wahlprotest umfaßt nicht weniger als 116 Nummern. Fast

KeirncrtgWck.

Erzählung ans den Bergen. Von I. Fichtner.

17 -------- (Rachdruck verboten.)

Nun saß er ihr gegenüber, als ob er Jahre lang mit ihr verkehrt, und er kam fast gar nicht dazu, sich darüber zu wundern. Er, der so selten mit Frauen verkehrt, ihre Nähe gemieden, fand sich heimisch in ihrer Nähe, das war wohl eine Folge des gesellschaftlichen Verkehrs bei Professor Fiedler, eine Folge seiner Freundschaft mit Wollf, der ja doch mit Meta verwandt war. So dachte er sich auch das Jntereste der jugendliche» Witwe, das sie ihm so unverholen zeigte, als ein rein freundschaftliches und nicht gewöhnt, seine gerade und offene Meinung zu bemänteln, sagte er unvermittelt:

»Ich freue mich, daß mein Freund die Wunden, welche Sie ihm verehrte Frau durch ihre — Sie er­taube» — unverzeihliche Heirat geschlagen, doch so gründlich verschmerzt hat — denn wie ich merke, ist er spurlos verschwunden!" Er sah sich suchend um, junge Frau aber lachte hell und fröhlich auf.

.. »Du sehen Sie, wie inkonsequent die Männer nü geliebt"h^"" &'n ^st überzeugt, daß er mich

<-OH doch — und wie er mir oft versicherte mit ne vrü'>id^a""^ au^ Erfolg!" sagte er ernst und sah

Meta barg das sich dunkler färbende Gesicht hinter rhrem „Das ist nicht wahr! Solche Hoffnungen waren auch niemals wahr geworden, denn das, was er mrr bieten konnte, reichte lange nicht an das Ziel meiner Wünsche. Ich dürstete nach Glanz, Reichtum, Genuß."

„Richt nach Glück?" fiel er der leicht erregten Frau ins Wort.

„Glück?" Sie sah ihn seltsam betroffen an. „Das »arm ja noch kommen!"

stets wird behauptet, daß eine unzulässige Wahlbeeinflussung und Wahlkontrolle stattgefunden hat. Nebenher laufen Verstöße gegen das Wahlreglement. In 6 Bezirken hat dfe Kommission wegen solcher Verstöße den Wahlakt für ungiftig erklärt. In 21 Bezirken kassierte sie zusammen 960 Wahlzettel wegen Wahlkontrolle. Diese sämtlichen Stimmzettel waren konservative. Ein besonders beliebtes Kontrollmittel war neben der direkten Beauf­sichtigung der Wähler beim Wahlakt die eigen­tümliche Faltung der Stimmzettel. Die Kommission hat sich in den Fällen, wo solche auffällige Faltung behauptet worden war, die Stimmzettel einsenden lassen, und regelmäßig fand sie bestätigt, daß die Zettel eigenartig ge­knifft . waren. Entweder konnte man aus der künstlichen Faltung den Gewählten erkennen (sogar die Schleifenform kam vor) oder die Zu­sammenlegung war so, daß von außen der Name zu erkennen war. Einige Male hat die Kommission indes auch vergebens nach den Stimmzetteln verlangt; sie waren „abhanden gekommen" oder „bereits vernichtet". In einem Wahl­bezirk sollen die Zettel „der Länge nach künstlich röhrenartig wie eine Cigarette zusammengerollt gewesen sein. Leider konnte die Kommission sich nicht durch den Augenschein überzeugen; denn auch diese Zettel waren, wie der Wahlvorsteher an das Landratsamt berichtet, „abhanden ge­kommen". Sabor würde sagen: „das läßt tief blicken."

Man muß indeß nicht glauben, daß blos in den 21 Wahlbezirken, in denen die konservativen Stimmzettel von der Kommission kassiert wurden, Wahlkontrolle und Verletzung des Wahlgeheim­nisses stattgefunden haben. In den meisten Fällen kam die Kommission auf Grund der Erhebungen in ihrer Mehrheit nur zu dem Er­gebnis, daß die Kontrolle nicht „unzweifelhaft nachgewiesen" sei. Die Konservativen wurden also hier freigesprochen, nicht, weil sie unschuldig waren, sondern weil man ihnen die Schuld nicht strikte beweffen konnte. „Getan" hatten sie es natürlich doch.

Außer Wahlkontrolle und den Stimmzettel- „Kniffen" waren in dem Proteste auch ver­schiedentlich Wahlbestechungen behauptet. Wenn solche vorgekommen sind, dann sind sie jedenfalls mit der nötigen Vorsicht vorgenommen. Es wurde den Wählern ein paar Mal für die „gute Wahl" Korn und Schnaps verabreicht, es war aber nicht festzustellen, daß ihnen diese Gaben als Belohnung versprochen worden seien. Offenbar bedurfte es der Bestechung auch gar nicht. Denn was da alles über die Beauf­sichtigung der „Leute" durch den „Herrn" oder seine Angestellten berichtet wird, reicht vollkommen aus, „gute Wahlen" zu sichern.

Nach dem Kommissionsberichte begreift man vollkommen, warum die Konservativen so schlecht auf das „Klosetgesetz" zu sprechen sind. Durch dieses Gesetz ist der bisherigen Kontrollmethode wenigens einigermaßen ein Riegel vorgeschoben worden. Die nach den nächsten Wahlen ein­laufenden Proteste werden aber wohl den Be­

„Sie haben recht gnädige Frau!"

„Ja — und nun bin ich bereit es aufzunebmen- das Glück in der Hütte kenne ich nicht und wollte ich nicht kennen lernen. Aber — Herr Doktor, wohin sind wir geraten? In Ihnen steckt die Absicht, mich unvorteilhaft zu charaktcrisierea und Sie müßten doch selbst wffsen, daß die Armut die bitterste Last--"

eia brausender Tusch vom Orchester und allgemeine Aufregung und Bewegung verschlangen die letzten Worte der schönen Frau. — Es war auch gut, denn sie bereute dieselben fast noch im Sprechen, um alles in der Welt wollte sie ihn nicht verscheuchen.

Er beschäftigte ihre Gedanken ja schon seit Jahren; das warme Jntereffe, welches ihr Onkel dem jungen Manne entgegengebracht, hatte sie im selben Maße für seine äußere Person empfunden — aber damals — er war ja arm und weit vom Ziel! Ihre Seele kannte keinen Opfermut, um Geldes willen' hatte sie ihre Jugend an den alten Mann verkauft und ihre Hoff­nung, ihn recht bald wieder los zu werden, hatte sich nicht getäuscht.

Ter letzte Winter, den sie in Italien verlebt, batte sie von dieser Last befreit; im dunkelsten Cypreffen- ham verschlief der alte Mann seine letzte Torheit.

Und jetzt war sie bereit, das Glück zu empfangen. Umgeben von Glanz und Reichtum, im Besitz von Schönheit und Jugend —wer konnte ihr widerstreben ?

Während der Sieger des ersten Rennens von der Menge jubelnd begrüßt wurde, wogten diese und ähnliche Gedanken in ihrer Seele. Und war es nicht schon ein Glück, daß sich ihre Hoffnung erfüllt und sie den einzigen Jüngling, der ihr Herz höher schlagen ließ, hier wiedergefunden, zu schönster, stolzer Männ- lichkeit erblüht?

Im weiteren Verlaufe des Nachmittags schien der Doktor jenem prikelnden Nervenreiz zu verfallen der solchen Veranstaltungen eigen ist. Die strenge Zurück­haltung der letzten Jahre schien von chm zu weichen, und sonderbar, obwohl er die Herzlosigkeit dieser Fran zu kennen und zu verachten glaubte, konnte er

weis liefern, daß findige und rücksichtslose Leute auch jetzt noch hinter das Wahlgeheimnis zu kommen wissen. Möchten nur wenigstens Mittel und Wege gefunden werden, daß in den nächsten Legislaturperioden sich die Erledigung der Proteste nicht mehr so bedenklich hinschleppen läßt, wie bisher. Es ist doch eigentlich ein Ska udal, d aß von Rechtswegen ungiltige Mandate fünf Jahre lang ungestört ausgeübt werden können.

Berlin, den 25. April 1903.

** Auch die,Südd. Reichskorresp/ dementiert die durch die Presse gegangenen Nachrichten über die angeblich schon weit gediehenen Handels­vertragsverhandlungen und fügt-in bezug auf das Gerücht, daß eine geplante Zusammen­kunft zwischen dem Grafen Goluchowski und dem Grafen Bülow auf spätere Zeit verlegt worden sei, hinzu: Die Lösung der Handels- politischen Fragen zwischen dem Reich und Oesterreich-Ungarn dürfte voraussichtlich einer persönlichen Besprechung zwischen den aus­wärtigen Ministern der verbündeten Kaisermächte nicht bedürfen, und auf dem reinvolitischen Ge­biet liegen, bei den ausgezeichneten Beziehungen und der dauernden Fühlung, wie sie in den schwebenden Fragen zwischen Berlin und Wien obwaltet, keine Punkte vor, die nur viva voce zwischen den leitenden Staatsmänern selbst er­örtert werden könnten.

** Der Abg. Hofprediger a. D. Stöcker spricht sich in der von ihm herausgegebenen Kirchen­zeitung für die Aufhebung des 8 2 des Jesuitengesetzes aus: „Der Kulturkampf hat uns von neuem gezeigt, daß man mit weltlichen Gesetzen die Kirche nicht trifft. Die katholische Kirche ist aus diesem Kampfe wesentlich stärker hervorgegangen. Nun ist das Jesuitengesetz noch ein Ueberrest aus diesem Kampfe, und der § 2 des Gesetzes, um den es sich handelt, ist ohne jede praktische Bedeutung. Der Reichstag hat diesen Paragraphen öfters mit großer Majorität verworfen. Wird er von den verbündeten Re­gierungen dennoch beibehalten, fo hat die katho­lische Kirche daran einen beständigen Gegenstand der Agitation; für das Reich aber ist es völlig gleichgültig, ob er besteht oder nicht. Ich glaube deshalb, daß dieser Paragraph die Aufregung, die jetzt gegen denselben geschürt wird, nicht ver­dient. Ueberdies ist es meine allgemeine Ueber- zeugung, daß wir in Deutschland erst zur Ruhe kommen, wenn die Kirche, vom Staate befreit, selbständig ihr Leben führen kann. Ich würde es darum viel richtiger finden, wenn wir Prote­stanten für unsere Kirche dieselbe Freiheit erstrebten, wie sie die katholische Kirche besitzt. Wir würden dann stärker werden als wir es sind. Ich be­greife es völlig, daß der große Einfluß Roms und der Katholiken im deutschen Reiche vielen

doch dem Zauber ihrer Persönlichkeit nicht widerstehen. Mit bewundernden Blicken umfaßte er die schöne ebenmäßige Gestalt, die in der gelbseidenen Robe mit reichster Spitzen- und Brillantenverzierung zu den hervorstehendsten Erscheinungen zählte; mit hingeben­dem Interesse lauschte er ihren Worten, dem perlen­den Lachen und all' die kühle Besonnenheit war ge­wichen, als er ihrer Einladung in das nun hier be­gründete Heim nur zu gern Folge zu leisten ver­sprach.

Leider brachte der Schluß des Rennens auch das übliche Unglück. Es war beim Herr enreiten, als einer der Offiziere, bei einem Hinverrns kopfüber vom Pferde geschleudert wurde. Die darauffolgende Panik, welche die Menge ergriff, gab,mancherlei Gelegenheit zu Taschen- und Herzensdieben.

Wahrend man den bewußtlosen Reiter hinwegtrug, stand Doktor Winter hoch aufgerichtet mit scharfem Auge nach dem Verunglückten spähend. Sein Berufs­gefühl drängte ihn hinabzueilen und wenn er allein gewesen wäre, so hätte er es auch getan, obgleich er versichert war, daß genug ärztliche Hülfe vorhanden sein würde.

Meta Riegner wurde zwar n-cht ohnmächtig, aber sie drängte doch zum Aufbruch und da Wollf in dem Gedränge nicht herab konnte, stellle sich Doktor Winter der Dame zu Verfügung.

In dem lebensgefährlichen Gewirr dauerte es ziemlich lange, ehe er ihren Wagen erreichen konnte; dann aber wußte er nicht wie es kam, saß er wieder neben ihr und rollte mit ihrem reizenden Gespann mit den anderen Equipagen um die Wette der Stadt zu.

Als sie vor ihrem Hause ankam war Wollf schon zur Stelle. Lachend entschuldigte er sich, er wußte ja feine schöne Kusine in bester Obhut, meinte er.

Als sie die Herren dann zum Abendbrot einlud, faßte er Doktor Winter fest unter den Arm und schlug ab.

„Für heute sind wir schon versprochen. Teuerste, das nächste beste Mal sollst Du dir Ehre haben!"

Protestanten unbehaglich ist. Aber bei der Frage, wie das zu Gunsten der Evangelischen zu ändern ist, scheiden sich die Wege. Unsere Schwäche liegt in dem Mangel an Einheit, Freiheit und Kraft."

** Als Präsident der Anfiedelungs- kommission kommen nach der ,Neuen politischen Korrespondenz' in betracht der Vortragende Rat im Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Geh. Regierungsrat Dr. Kapp, und der Ober-Regierungsrat und Stellvertreter des Oberpräsidenten in Bronrberg, Dr. Freiherr von Lützow. Jedoch darf angenommen werden, daß die definitive Entscheidung in der Personen- ftage, wie auch in der, wie weit etwa die Or­ganisation der Ansiedelungskommission geändert werden soll, erst nach Uebernahme der Geschäfte durch den neuen Oberpräsidenten fallen wird.

** Die Budgetkommission des Reichs­tags erledigte heute den Nachtragsetat, betreffend Ankauf von Grundstücken zur Errichtung eines Reichsmarineamts und Verkauf der bisher dazu benutzten Grundstücke. Die betreffende Position, welche im Marineetat vor Ostern ab­gelehnt wurde, erscheint hier wieder mit Er­mäßigung der Kaufsumme für die betreffenden Gebäude in der Bellevuestraße und Erhöhung der reichseigenen Gebäude, in Summa mit einer Differenz von ca. 700000 Mark zu gunften des Reichs. Es wurden auf Antrag der Kommission die Preise der einzelnen Grundstücke mitgeteift, ebenso die vorläufig abgeschlossenen Verträge, welche ergeben, daß der Kauf ohne den Verkauf des reichseigenen Terrains keine Geltung haben solle. Gegen diese Bestimmung, dann besonders gegen die Höhe der Terrainpreise in der Bellevue­straße wandten sich die Redner fast aller Fraktionen, während die Forderung des Marine­amts nur Befürworter bei Nationalliberalen und einem Teile der Konservativen sand. Auch andere Terrains, welche angeboten waren, wurden be­sprochen. Vom Zentrum sprach Abg. Müller- Fulda gegen die Vorlage, welcher die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufssumme für zu hoch hielt, die müsse ganz schwinden. Er hob bamt die schwierige Finanzlage hervor, welche ver­anlasse, daß diese Ankaufsdifferenz durch „Pump" bezahlt werden solle: fand aber auch, daß die Sache nicht so eile, besonders weil der Bundesrat den Wünschen des Reichstags gegenüber z. B. bei Bewilligung von Präsenzgeldern auch nicht eile; deshalb müsse sich derselbe auch gefallen lassen, daß der Reichstag sich mit der Annahme von Bundesratswünschen auch nicht so sehr be­eile. Bei der Abstimmung siel die Vorlage mit 6 Stimmen (4 Nationalliberale, 1 Konservativer, 1 Freikonservativer) gegen 20 Stimmen (darunter alle 8 Stimmen des Zentrums).

parlamentarische Nachrichten.

*• Die Zentrumsfraktionell des Reichstags und des Abgeordnetenhauses hielten heute in den Fest­räumen des Abgeordnetenhauses das herkömmliche Schluß- und Abschiedsmahl ab, das diesmal wegen des Schlusses der Legislaturperiode in ganz besonderer Weife ein Schluß- und Abschiedsmahl war. Gegen 90 Fraktionsmitglieder und Gäste nahmen daran

Und dann gingen sie; eben glühten die Gaslaternen auf, sonst war es ziemlich dunkel.

Heinrich ging schweigend; er fand kein Wort oder wollte nicht sprechen.

„Nun, alter Junge, bist Du bestiedigt von dem heutigen Tage?" — hob Doktor Wollf an.

„Vollauf!"

„Das ist kurz aber viel gesagt! Erst wollte er am liebsten ausrücken und nun? — Was habe ich Dir gesagt? Hätte ich Dich nicht festgenommen, so lägst Du jetzt noch in ihren Banden! Nicht so Heim?"

„Es könnte sein!"

„Siehst Du! Und nun will ich Dir auch verraten, daß sie mich nach Dir ausgeschickt! Die dritte Frage nach unserem Wiedersehen galt Dir!"

Heinrich errötete wieder, gut, daß es Nacht war.

Trotzdem aber mußte sein Freund Wollf etwas derartiges gesehen oder vermutet haben.

„Ich glaube, ich habe eine Dummheit begangen. Dir das zu sagen. Indeß glaube ich doch meinen alten Freund derart zu kennen, daß er echtes Gold von wertlosen Flittern unterscheiden kann!"

„Darum brauchst Du Dich nicht zu sorgen; ich weiß, was ich Dir angetan und werde danach handeln!"

„Heini — versprich nichts — Du kennst die Weiber nicht!"

Heinrich lachte über den kläglichen Ton.

„Du kannst Recht haben, ich kenne sie nicht, möchte sie aber doch kennen lernen!"

„O weh! Du weißt nicht, hast keine Ahnung wie gefährlich das istl"

„Frellich fehlt mir die Erfahrung, die Du hast, aber trotzdem fürchte ich mich nicht!"

„Diesen Mut hätte ich Dir in hundert anderen Fällen schon längst gewünscht, aber gerade in diesem Emen, wünschte ich, Du wärest ein Hasenfuß und bliebst wett davon weg!"

„Atter — besinne Dich, — daß Du heute selbst die Beranlaffung warst!" scherzte Heinrich.

(Fortsetzung folgt.)