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wochendcilag^ ..Illustrierte Sonntagsjcitung“ Mo,akb<aag«: „Zoldaer Seschichtsblätter".
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Druck nnd Verlag der Zuldaer Aetiendruckerei in Zulda (Harmonie) Zernfprecher Nr. 9.
93.
fUlda, Samstag, den 25. April 1903.
30. Jahrgang.
* Die Interpellatton über den Zall Hüffener
tonnte naturgemäß keine vollständige und endgil- üge Darstellung des traurigen Sachverhaltes bringen. Das war auch nicht ihr Zweck. Sie sollte vielmehr nur zur Beruhigung der über die frivole Tat eines jungen Menschen aufgeregten und erbitterten Bevölkerung dienen. Da die Untersuchung noch nicht abgeschloffen ist, muß man wegen der Einzelheiten die gerichtliche Verhandlung abwarten, die ja öffentlich sein wird. Was der Staatssekretär des Reichsmarineamts mitteilen konnte, waren nur kurze Telegramme, deren Angaben zum Teil auf den Behauptungen Hüsseners beruhen, neues nicht enthalten und auch wohl noch richtig gestellt werden.
Ander allgemeinen Verurteilung des Falles und seines Urhebers wird keine Untersuchung und keine Gerichtsverhandlung etwas mehr ändern können. Niemand ist im Reichstage aufgestanden, der den übermütigen und leichtfertigen Fähnrich in Schutz zu nehmen versuchte. Auch der Staatssekretär machte in keiner Weise den Versuch einer Beschönigung oder Entschuldigung, sondern gab unumwunden zu, daß Hüssener gegen die Vorschriften über den Waffen gebrauch verstoßen habe. Dersozial- demokratische und der freisinnige Redner gebrauchten überaus scharfe Ausdrücke gegen Hüffener. Niemand wies sie zurück; es haben wohl alle die Empfindung, daß diese Ausdrücke berechtigt seien, wenn auch nicht alle sie anwenden würden. Nur die Verallgemeinerung des Falles und seine Zurückführung auf ein „System" wurde von dem Staatssekretär wie von den Rednern der Konservativen und der Nationalliberalen zurückgewiesen. Dieser Zurückweisung kann man sich anschließen, ohne damit die Ansicht zu vertreten, daß milder gerichtlichen Verurteilung Hüsseners der ganze Fall erledigt sei und nichts weiter zu geschehen habe.
Man wird dann doch den Eindruck nicht los, daß etwas nicht in Ordnung ist, und Vorkehrungen gegen die Wiederholung solcher Fälle getroffen werden können und müssen. Der Staatssekretär behauptete, die Vorschriften über den Gebrauch der Waffe und die Behandlung Betrunkener seien ganz präzise. Er versicherte "auch, daß die Vorschriften bei der Instruktion auf das eindringlichste eingeschärft und häufig wiederholt würden. Aber sie scheinen doch noch nicht klar und präzise genug zu sein oder den jungen Leuten nicht dringlich genug eingeschärft zu werden. Vielleicht aber wird die gute Wirkung der Instruktion wett gemacht durch allzuviel Selbstgefühl und Standesbewußtsein, das man den jungen Leuten anerzieht. Daß es da irgendwo hapern muß, ersieht man doch aus der Tatsache,
daß zahlreiche Seekadetten ober Fähnriche während ihres Osterurlaubes einen albernen Sport daraus gemacht haben, Soldaten wegen nicht vorschriftsmäßigen Grüßens in der auffälligsten und für die Zuschauer empörendsten Weise zur Rede zu stellen. Mögen die jungen „Seehelden" untereinander ein solches Auftreten verabredet haben oder mag es ihnen beim Urlaubsantritt von den Vorgesetzten eingeschärst worden sein, daß sie die militärischen Ehrenbezeugungen zu verlangen hätten, jedenfalls liegt hier "ein krankhafter und gemeingefährlicher Auswuchs des Standesbewußt- seins vor, der nicht mehr berechtigtes Standesbewußtsein, sondern maßloser Dünkel und törichte Ueberhebung ist. Gerade bei unreifen jungen Leuten bedarf die Anerziehung eines hohen militärischen Ehrbegriffs eines starken Gegengewichts in der Weckung des Verantwortlichkeitsgefühles und der Pflege der Selbstzucht, sonst kommen so traurige Ergebnisse des Hochmutes und der Begriffsverwirrung zu Tage, wie der Fall Hüssener zeigt.
Wir dürfen wohl annehmen, daß man in der Marine - Verwaltung eine Lehre daraus ziehen wird. Beim nächsten Festurlaub werden die See- kadetten und Fähnriche wohl ausreichend scharfe Verwarnungen und Dämpfungen eines protzenhaften Selbstbewußtseins mit auf den Weg bekommen, daß der zum öffentlichen Aergernis gewordene Sport des Anschnauzens und Abrüffelns von Soldaten durch grüne Jungen in blauer Uniform sich nicht wiederholt. Die Interpellanten und die Redner der Linken empfahlen als bestes Mittel das VerbotdesWaffentr agens auf Urlaub. Ohne Zweifel beruht es auf einem ganz unberechtigten Vorurteil und auf Gewohnheit, wenn man meint, ein Soldat ohne Waffe fei kein richtiger Soldat mehr. An den Mann- schaften unserer Kriegsmarine sehen wir ja, „daß es auch ohne Waffen geht. Machen sie etwa einen weniger kriegerischen Eindruck, weil sie kein Seitengewehr tragen? Man merkt gar nicht einmal, daß es ihnen fehlt. So würde man es auch bei Unteroffizieren und Offizieren der Marine wie der Landarmee bald gar nicht mehr merken, wenn das Waffentragen außer Dienst verboten würde. Jndeffen ist wohl keine Aussicht, daß dies Verbot so bald eingeführt wird. Das wußte man auch ohne die schwachen Einwände, die Herr v. Tirpitz dagegen versuchte. Will man aber das Waffentragen nicht verbieten, dann hat man wenigstens um so entschiedener Vorkehrungen gegen den Mißbrauch zu treffen. Der Fall Hüssener mag ein Ausnahmefall sein; trotzdem beweist er, daß noch mehr gegen den Mißbrauch der Waffe und der Rechte von Vorgesetzten geschehen muß.
Was über die Persönlichkeit des Hüssener bekannt geworden ist, hat allen die Frage nahe gelegt: wie konnte ein solcher Mensch überhaupt bei der Marine als Offiziersaspirant angenommen werden, ober doch bei der Marine so lange bleiben? Was der Staatssekretär heute mitteilte, konnte die Verwunderung in dieser Hinsicht nur verstärken. Leicht erregbar, schroff gegen Untergebene, ohne Selbstzucht, das ist die Charakters-
KeimcttgWL.
Erzählung ans den Bergen. Von I. Fichtner.
16 —..... (Nachdruck »erboten.)
9.
„Run?" fragte Doktor Winter, als sie aus der stiklgelegenen Wohnung auf die ungemein belebte Straße hinaustraten.
„Wohin? Das kannst Du noch fragen, wohin sie alle pilge-n — natürlich hinaus auf den Rennplatz. Ich glaube kaum, daß wir noch einen Wagen bekommen werden."
„Unsinn! Diese moderne Tierquälerei macht mir kein Vergnügen!" brummte Heinrich.
„Das hab' ich mir ja gedacht; deshalb hab' ich Dich erst herausbugsiert. Hast Du denn gar keinen Sinn für das Schöne — ewig weibliche? Da aufgepaßt — hier kommt die Baronin Schöngart, ich kenne ihr Viergespann und ihre Farben."
„Meinetwegen!" Sie konnten nicht über den Fahrdamm und mußten abwarten bis sich in dem Chaos oahinftürmender Stoffe, Wagen, Equipagen, Fahrzeugen ° e,ne Lücke zeigen würde.
Doktor Wollf verbeugte sich tief.
Erne hochelegante Equipage donnerte vorüber. Dumanben von brennend roten Georginen und weißen «Pern umkiänzten die Conturen des Wagens, die "nd selbst die Speichen. Das Zaumzeug der n®en Rappen war mit rot-weißem Band durch- ■ ,en und prachtvolle rote Federn nickten und winkten aut ben zierlichen Köpfen der edlen Tiere.
aus rufen mu$,e Heinrich doch bei sich leise
? Herrlich! Eine junonische Gestalt, «rn Lrachtweib diese Schöngart! ries Wollf begeistert. en to t ■“ fragte Heinrich erstaunt.
dieser Mensch noch — natürlich, Du ste wohl wieder nicht gesehen, sie grüßte doch!"
„Ich »sah nur den Wagen und das Gespann," versetzte Doktor Winter gleichmütig.
„Du bist ein Narr! Schnell — komm!" Wollf hatte eine leer zurückkommende Droschke erspäht. Auf einen Wink wandte der Wagenlenker um und sie stiegen ein.
„Dieser Lärm! Du hättest mich auch zu Hause lassen können."
„Nervös wie eine Modedame!" spottete Wollf.
„Ich habe nie an solchem Treiben Gefallen gefunden — selbst als ich noch jung war!" wehrte Heinrich.
„Selbst als Du noch jung warst, s' ist einfach rührend. Man merkt's alle Tage, daß Du kein geborener Großstädter bist. Zeit wäre es aber, daß Du einer würdest!"
„Was wollen wir da draußen! Pfui, diese Geschmacklosigkeit." Ein hochgebauter Sportwagen fuhr ihnen beinahe in die Räder. Bi-r lang gespannte Falben waren über und über mit kleinen Glöckchen behangen, die den Straßenlärm melodisch vermehrten.
„Ich will die Schönheiten der Provinz bewundern und Du — na das wirst Du ja sehen — hier hast Du ein Tribünenbillet!"
„Was, mitten unter das Weibervolk willst Du mich stecken?"
„Wenn ich Dich nur erst wieder heraus hätte, sag' ich Dir! Darüber wollen wir uns später sprechen."
„Uebrigens Du sagtest, es hätte Dich jemand geschickt?" In Heinrichs Augen lauerte das Mißtrauen.
„Spaß! Ich sagte nur so, um Dich los zu bekommen; weißt Du, Dein kleines Schwesterchen — es tut mir immer leid, wenn ich sie sebe — sie kommt mir vor, wie ein abgerissenes Blatt — Du hättest sie nicht hierher bringen solle», das ist kein Leben für sie!"
„Es ließ sich wohl nicht anders machen!" Das war eine kurze Antwort und doch lag es wie ein Bedauern darin; er hatte es nicht vergessen, daß sie seinetwegen sich losgeriffen.
fterung, die ihm jetzt von seinen Vorgesetzten gegeben wirb. Gewiß, man bringt nicht ohne zwingenden Grunb gern jernanb gleich um seine ganze Existenz, aber wenn irgenbwo keine Rücksichten genommen werben, so ist es boch beim Militär. Wenn das Interesse des Dienstes es zu erfordern scheint, so werden die Mannschaften ohne viele Umstände hart bestraft und Offiziere erhalten nur zu häufig den blauen Brief, ohne recht zu wiffen, warum. Es ist behauptet worden, Hüssener habe einflußreiche Protektion gehabt ; nur so sei der verwöhnte und verzogene, mit allen Untugenden des Protzentums ausgestattete Sprößling eines Großindustriellen in die Marine gekommen und dort gehalten worden, wiewohl nach dem Zeugnis des Staatssekretärs seine Entlassung auch schon früher erwogen wor- tzeü war. Wir wollen hier in keine Erörterung darüber eintreten, welche Schäden für Staat und Volkstum aus dem schlecht erzogenen, mit Protzen- getfi angefüllten Nachwuchs der modernen Geld- „Ariftokratie" und des Schlotjunkertuins zu erwachsen drohen; wir würden sonst nicht allein auf Heer und Marine, sondern auch auf die Verwaltung, ja auf alle Gebiete unseres öffentlichen Lebens den Blick werfen müssen. Möge der Fall Hüffener für alle Verwaltungszweige wenigstens eine Warnung fein, junge Leute nicht blos deshalb anzunehmen, weil ihre Väter einen großen Geldsack haben.
, Berlin, den 24. April 1903.
** Die polnische Rettungs-Bank, Bank Ziemski, hat in ihrem letzten Geschäftsjahre einen Umsatz von nicht weniger als 14,5 Millionen Mark erzielt. Die Bilanz schließt mit 7,17 Millionen Mark ab. Die polnische landwirtschaftliche Parzellierungs-Genossenschaft konnte sogar 16,4 Millionen Mark urnsetzen, obwohl die Bilanz nur mit 3,4 Millionen Mark abschließt. Beide Banken haben erhebliche Ueberschüffe erzielt, ihre Einlagen sind beträchtlich gewachsen.
* Zur Regelung des Submissionswesens, dieser für die Ausschließung der Schmutzkonkurrenz im Handwerk ebenso wichtigen wie viel umstrittenen Frage, hat neuerdings die Handwerkskammer in Berlin zu einer Reihe von Vorschlägen das Wori ergriffen, die einen ausgesprochenen sozialpolitischen Charakter tragen. Danach sollen von ben Submissionen alle jene Bewerber ausgeschlossen bleiben, welche ihre Arbeiter unter dem ortsüblichen Tagelohn bezahlen, heimatberechtigte Arbeiter nicht in erster Linie beschäftigen oder ihre Arbeiten ganz oder teilweise in Strafanstalten anfertigen lassen. Von der Zuschlags-Erteilung sollen alle diejenigen Angebote ausgeschlossen bleiben, welche eine in offenbarem Mißverhältnis zu der betreffenden Leistung stehende Preisforderung enthalten, sie soll vielmehr an diejenigen Bewerber erfolgen, deren An-
Zehn Minuten später standen die Freunde auf der Tribüne am Rennplatz, der von einer vieltausendköpfigen bunten Volksmenge umkränzt war.
Ab und zu trug die Luft das Summen und Surren der ungeniert sich unterhaltenden Volksmenge herüber; grotesk gekleidete Jockeys führten die Rennpferde hin und her und am Sattelplatz blitzten und flimmerten die glänzenden OssftierSuniformen fast jeder Regimentsgattung.
Am Totalisator, dem offenen Wettbureau, drängte sich Zivil und Militär bunt durcheinander; erregte Stimmen schwirrten herüber und hinüber und dieses bunte, lebensvolle Bild spielte sich am Fuße der Tribüne ab, die an sich selbst einen zaubervollen Anblick gewährte. Hier thronte Schönheit und Anmut mit sieghafter Macht.
Die Damen der hohen Aristokratie, der Offiziersund Finanzwelt batten noch einmal Gelegenheit, an dem leuchtenden Herbsttage den Reichtum und die Originalität ihrer Toilette zp entfalten.
Fürwahr ein herrliches, wechselvolles und magisch anziehendes Bild! Auch Doktor Winter war gefesselt und mußte fein Widerstreben aufgeben; um so mehr als nun mit e nein Schlage die beliebteste Militärkapelle ihre rauschenden Klänge erschallen ließ.
Doktor Wollf winkte ihm mit den Augen; widerstandslos folgte er ihm — da — noch ein kleiner, leerer Raum auf der rotbedeckten Bank.
„Hier ist Dein Platz Heinrich, erlaube, daß ich Dich Deiner Nachbarin vorstelle. Hier, liebe Koufine — mein Freund Doktor Winter — der Mann der Zukunft — meine verehrte Koufine, Frau Kommerzienrat Riegner. — Die Dame kennt und verehrt Dich bereits nach Verdienst!"
Doktor Wollf bekam einen Schlag mit dem Spitzenfächer auf den verräterischen Mund. Heinrich- schönes Gesicht überzog sich mit glühender Röte, wie das eines jungen Mädchens. Er wollte sich wehren gegen das ihm so lästige Zeichen der Verlegenheit. Dafür geriet er nun immer tiefer hinein, denn die bestrickende,
gebot dem Mittelpreise sämtlicher eingelaufenen Angebote, nach unten gerechnet, am nächsten kommt, jedoch mit der Beschränkung, daß Angebote, die mehr als 30 Prozent unter dem Kostenanschläge bleiben oder denselben um mehr als 20 Prozent übersteigen, bei Berechnung des Mittelpreises außer Betracht bleiben. Während man so in Berlin über Vorschläge noch nicht hinausgediehen ist, trat in Württemberg bereits am 1. April d. I. eine fertige Neuordnung des Sub- mifsionswefens in Kraft. Darin wird, ähnlich wie in Berlin geplant, die Berücksichtigung der Angebote solcher Unternehmer verholen, in deren Betrieben eine über das übliche Maß erheblich hinausgehende Arbeitszeit eingehalten wird oder die Löhne hinter den in dem Gewerbezweige sonst üblichen Durchschnittslöhnen erheblich zurückstehen. Zur wirklichen Durchführung dieser Maßregel wird der vergebenden Behörde das Recht Vorbehalten, von den Bewerbern nähere Angaben über die Lohnverhältnisse und die in Ihren Betrieben herrschende Arbeitszeit zu verlangen, weiter aber bestimmt, daß der mit dem Zuschläge bedachte Unternehmer an die von ihm angebotenen Arbeitslöhne und Arbeitszeiten gebunden sei. Soweit • Tarisgemeinschaften oder ähnliche Vereinbarungen zwischen den Verbänden der Arbeitgeber und der Arbeiter bestehen, sollen die von diesen Verbänden feftgefteüten Arbeits-Bedingungen für den Submissions-Vertrag maßgebend fein. Weiter wird der Verwaltung das Recht eingeräumt, in allen Fällen, wo der Unternehmer feinen Verbindlichkeiten gegenüber den von ihm beschäftigten Arbeitskräften nicht nachkommt, Zahlungen für Rechnung des Unternehmers unmittelbar an diese Arbeitskräfte zu leisten. Abgelehnt wurde die von den Unternehmer - Verbänden geforderte Streik-Klausel, sowie die von den Handwerkern aufgestellte Forderung, die Arbeiten nur an Handwerker zu vergeben, welche die Berechtigung zur Führung des Meistertitels besäßen. Die württembergische Submissions-Ordnung begnügt sich nicht damit, eine Reihe von Normen aufzustellen, sondern sie enthält auch Bestimmungen, welche die Durchführung dieser Normen gewährleisten.
Der Kultusminister hat eine Umfrage an die Regierungspräsidenten über das Dispensir- recht der homöopathischen Aerzte gerichtet. Den Aerzten ist im allgemeinen das Herstellen und Abgeben von Arzneimitteln grundsätzlich untersagt. Nur eine Ausnahme gibt es. An abgelegenen Orten, von denen die nächste Apotheke weiter entfernt ist, wird Aerzten das Halten einer Hausapotheke gestattet. Hingegen haben die homöopathischen Aerzte ein Vorrecht. Jeder von ihnen darf homöopathische Arzneien an seine Patienten abgeben, wenn er eine Sonderprüfung abgelegt hat. Die Frage ist nun: Soll das Vorrecht der homöopathischen Aerzte bestehen bleiben oder soll ihnen das Abgeben von Arzneien nur unter denselben Bedingungen gestattet sein, die für die Anlegung von ärztlichen Hausapotheken aufgestellt sind? Der nächste deutsche Aerztetag wird sich mit derselben Frage beschäftigen. Es liegt ihm ein Leipziger Antrag vor, bei den junge Dame, die er sich als Frau nicht denken konnte, lud ihn mit Blick und Hand ein, neben ihr Platz zu nehmen.
„Die Unverschämtheit meines Vetters wird Ihn« wohl zur Genüge bekannt sein, Herr Doktor, wir wollen uns darüber nicht ärgern, vielmehr ein Stündchen angenehm verplaudern.
„Nun aber gestehen Sie erst — hab' ich wirklich kein Plätzchen in Ihrer Erinnerung?"
Heinrich sah in ein paar zwar schalkhaft blickende, tief dunkle Augen, die ihm trotz aller Schalkhaftigkeit bis auf den Grund der Seele zu blicken schienen. Feuriges Rot blühte auf der weichen, leicht gebräunten Wange, dem lächelnden Munde. Er fühlte sich wie gebannt. — Die Umgebung versank vor seinen Blicken und die rauschende Mefik hörte er wie im Traum.
„Meta!" kam es endlich leise über feine Lippen — er hatte in feinem Gedächtnis gefunden was er gesucht.
„Fräulein von —" suchte er zu verbessern und konnte doch den anderen Namen nicht finden.
In ihren Augen blitzte es freudig.
„Mit dem Fräulein find wir zwar langst am Ende, aber es tut nichts, wenn wir die dazwischenliegende Zeit einfach fireichen. Ich selbst fühle mich innerlich nicht verändert, ob nun äußerlich, das muß ich frembem Urteil überlassen!" Heinrich merkte nicht die darin enthaltene leicht herausfordernde Koketterie, er folgte nur seinem Wabrheitsdrange, als er mit ausrichtiger Bewunderung in den Augen sagte:
„Verändert? O — gewiß, wie sich die Knospe zur Rose verändert!"
„Ich wußte nicht, und hätte nie geglaubt, daß auch Sie ein Schmeichler find!" schmollte sie.
„Gnädige Frau tun recht daran, es fernerhin nicht zu glauben. Doch erlaube ich mir zu bemerken, daß aus meinem Munde die Wahrheit nicht immer süß ist!"
Er lächelte dabei und sah sie fragend an.
„Ach — ich sehe — Sie haben schon eine Bitier»