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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.

.A« 93.

fllldä, Samstag, den 25. April 1903.

30. Jahrgang.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten,)

Fulda, 25. April 1903.

Der Reichstag ist am Dienstag zu seiner letzten Tagung in der gegenwärtigen Legislaturperiode zu- sammenaetrcten, die nicht viel länger als 8 Tage dauern dürste. Wider Erwarten ist das Gesetz bett, die Sicherung des Wahlgeheimnisses glatt erledigt worden; die Konservativen haben, obwohl sie keine Freunde des Gesetzes sind, dasselbe nicht zu verschleppen versucht. Die neuen Wahlen werden also, was das Wahlgeheimnis anlangi, unter einem größeren Schutz als bisher stattfinden. Das Ver? langen nach einer allgemeinen zugkräftigen Regie­rungswahlparole dauert fort, indessen scheint solche nach der ,Nordd. Allg. ZtgA nicht erwarten zu sein, übrigens dürste es der Regierung nicht minder schwer sein, eine zugkräftige Wahlparole her- auszuqeben als den politifchen Parteien, weil sich eine solche Parole nur aus der politischen Situation ergeben kann und die gegenwärtige dazu nicht be­schaffen ist. Die Rationalliberalcn proklamieren als Parole den Kampf gegen den „Ultramontanismns" und es scheint, als ob es ihnen gelinge, die Konser vativen damit einzuschüchtern, wenigstens in Süd­deutschland. Belebt wird Vieser Kampf durch den Evangelischen Bund, durch dessen Lärm der Bundes­rat bereits veranlaßt sein soll, die Entscheidung in derJesuitenfrage hinauszuschieben. GrafBülow würde klug daran tun, diese Frage noch vor den Wahlen zur Erledigung zu bringen; kriecht er vor dem Evan­gelischen Bund zu Kreuze, so wird das seine politischen

Folgen haben.

Das preußische Abgeordnetenhaus ist ebenfalls in dieser Woche zu seiner letzten Tagung zusammengetreten. Aus seinen Berhandlungen ver­dient hervorgehoben zu werden, daß nach der Er­klärung der Regierung ein Wohnungsgesetz im Sinne des Zentrums ausgearbeitet worden ist.

Zwischen Deutschland und Kanada droht ein Zollkrieg auszubrechen. Bekanntlich ha: Deutsck-

land s. Zt., als Kanada England eine Zollvergünsti­gung gewährte, die es Deutschland trotz der Meist­begünstigung verweigerte, demselben gegenüber den autonomen Tarif vertreten. Infolgedessen hat jetzt Kanada die deutsche Zufuhr mit einem Zvschlagszoll belegt und weitere Repressalien angedroht. Deutsch­land wird sich um so weniger einschüchtern lasten, als das Recht auf seiner Seite steht.

Frankreich ist um ein neues „Skandälchen" reicher. Die Ordensfanatiker, welche sich in der Ver­folgung der Mönche nicht genug tuen können, scheinen bei chrem Fanatismus doch eine gewisse Grenze zu kennen, nämlich dort, wo die Geldfrage für sie mit­spricht. So ist durch eine Blättermeldung ^bekannt geworden, daß diese Herren den Karthäusern für zwei Millionen die Genehmigung Ihres Ordens zu­gesagt haben. In die Affäre ist der Sohn des Minister- präfidenten verwickelt. Derartige Schwindeleien sind zwar in Frankreich nichts neues, sie find aber für die Charakteristik der Kulturpauker von besonderem In­teresse. Die Karthäuser und andere Orden, denen die Genehmigung versagt wurde, wollen nur der bewaff­neten Macht weichen. — Der Sozialistenkon­greß von Bordeaux hat den früheren Handels­minister Millerand aus der Partei nicht ausgeschlossen, wie vielfach erwartet wurde.

In Belgien haben die Bischöfe von Brügge und Tourne!) den französischen Lehrorden, die nach Belgien geflüchtet waren, verboten, die bereits er­öffneten Schulen weiter zu führen, weil sie Anlaß zu diplomatischen Schwierigkeiten für die belgische Re­gierung zu bieten drohten. Neulich noch waren die Minister in der Kammer für die Unterrichtsfreiheit und die Freiheit der Orden eingetreten. Es scheint, daß der Druck, den Frankreich auf dem Gebiete der Kolonialpolitik auf Belgien auszuüben vermag, die Regierung eingeschüchtert hat.

In Italien hat der Minister des Auswärtigen, Prinetti, der noch in den letzten Wochen wiederholt mit dem deutschen Reichskanzler zusammengetroffen war, seine Entlassung genommen. Es scheint aber nicht, daß das eine Aenderung oer auswärtigen Politik Italiens im Sinne der Franzosenfreunde bedeute. Prinetti ist alt und krank und hat schon vor einiger x £!nen. Schlaganfall erlitten. — In Galatina in der Provinz Secco kommen wieder einmal Ruhe- storungm von feiten arbeitsloser Landarbeiter vor, htl °enen es eine Anzahl Verwundungen gab.

. ^5 der Türkei setzen die Vertreter der Mächte dem L-ultan neuerdings wieder hart zu, daß er die veriprochenen Reformen durchführen und die wider- Ä" "^anesen energisch zur Ruhe bringen soll. Dce Pforte verspricht alles Mögliche. Zwei Beifitzer ow ne« kmgesetzten Gerichte in Skutari wurden auf Straße von einem unbekannten Albanesen ötttaj Revolverschüsse ernstlich verwundet, der eine von chnen ist inzwischen bereits gestorben. Eine 500 Mann Teil bulgarische Uniform trug, Werschrltt dle Grenze von Mazedonien und um- 30 ttftkpche Soldaten. Den ganzen Tag RWche g^vmpst, bl» die Bande durch herbeigerufene Wckische Verstärkungen vertrieben wurde.

3n Marokko macht die Sache der Präfidenten «u Imm fortgesetzt gwße Fortschritte Der ganze

Nordoflen des Landes scheint in seiner Hand zu sein. Er soll mit einer großen Truppenmacht auf dem Wege nach Fez sein.

)ubiläum5fahtten.

Reisebilder zum Papstjubiläum.

Bon Jos. Grunau.

VI. (Nachdruck verboten.)

Wer zuerst an die Besichtigung der ewigen Stadl herantritt, der läßt einen tiefen Seufzer fahren und legt ratlos die Hände in den Schoß. Wie wenig sind der Tage, wie kurz find sie und wie übergroß ist das Programm dessen, was zu sehen man sich alles vorgenommen hat. Mit einem wahren Heißhunger stürzt man sich in den ersten Tagen auf die Sehenswürdigkeiten, hier eine Reihe Kirchen besichtigend, dort ein Museum durcheilend, hier ein Stück des alten Rom in den Trümmern bewundernd, und dort gar unter der Erde die ersten christlichen Grabstätten be­suchend. Nur zu leicht wird bei dieser Jagd der leibliche Mensch vernachlässigt, der Weg nach dem Hotel scheint zu weit, man kann gerade noch dieses und jenes mitnehmen und dabei stellt sich eine Erschöpfung, Kopfschmerz und Uebersättigung ein, welche unsern blinden Elfer empfindlich strafen. Wenn man dann zwei bis drei unruhige Nächte verbracht hat, in denen die Denkmale der verschiedenen Jahrhunderte im armen Hirn einen Wirbeltanz aufgeführt haben, so glaubt man der alten Erfahrung, daß Maß und Ziel stets am weitesten führen, daß, wo Herz und Geist in hohen Genüssen schwelgen, auch der Körper fein volles Recht, und vor allem seine geordnete Lebensweise verlangt. So kommt man langsam in ein ruhigeres Tempo, macht sich geordnete, wohl ausstudirte Routen zurecht und »findet dann schließlich, daß man nicht allein mehr sieht, sondern auch mit einem bessern Genüsse die hehren Zeichen des göttlichen Glaubens wie menschlicher Kunst betrachtet. Diese Zeilen haben nicht den Zweck, einen neuen Reiseführer, etwa einenBädecker in katholischer Ausgabe abzugeben. Heute möchte ich den freundlichen Leser mit einigen Stellen bekannt machen, welche mir weit bessere Dienste getan haben, als das umfangreichste Buch über die ewige Stadt.

Dicht bei St. Peter liegt der deutsche Campo santo, der Kirchhof der Deutschen in Rom, auf dessen eisernem Gittertor die einfachen und doch so gewaltig wirkenden Worte stehen:

„Teutones in Pace.“

„Hier ruhen die Deutschen in Frieden."

Manches wackere deutsche Herz ruht hier im Schatten von St. Peter und, ergriffen von dieser hoheitsvollen Stätte, versagt wohl niemand das Almosen eines Gebetes den stillen Schläfern. Aber der Campo santo ist nicht nur den Toten geweiht, sondern auch den lebenden Deutschen und namentlich den Pilgern ein lieber gastlicher Ort:

„Ein Schwalbennest am Riesendom,

„Ein deutsches Heim im goldnen Rom!" So begrüßt uns die anheimelnde Inschrift, wenn wir an der stets geöffneten Thüre an­klopfen, welche zum Rektor des Instituts, zu dem vielverdienten und bei aller Arbeitslast so liebens­würdigen päpstlichen Protonotar D e W a a l führt. Jst's draußen stürmisch und rauh, hier drinnen ist's Heller Sonnenschein. Ist das Herz von dieser oder jener Sorge bedrückt, der „Vater der Deut­schen" wie man ihn so gerne nennt, weiß immer Rat und sein schelmischer Humor besiegt im Augenblick alle Launen. Hier geht's und kommt's von morgens 7 bis abends 9 Uhr; Hoch und niedrig verkehrt in dem einfachen Stübchen und setzt sich, soweit Platz ist. Wann der verehrte Herr eigentlich Zeit gewinnt zu seinen umfang­reichen Studien, ist mir ein Rätsel, und wenn ich denke, daß diese Zeilen vielleicht noch die Kund­schaft ihm vermehren, so empfinde ich Gewissens­bisse. Gewiß wird er über den „Preßonkel", der seine Güte so zum Markte trägt, die Stirne runzeln, es tröstet mich aber, daß er nicht lange böse fein kann und wenn er wieder neue glück­liche Deutsche bei sich sieht, so faßt er sie gewiß wieder unter den Arm und sagt: Nun kommt, ich will Euch die vatikanischen Grotten, oder die Katakomben, oder, was es nur sonst sein mag, zeigen.

Die „vatikanischen Grotten", d. h. die Unterkirche von St. Peter, zu sehen, ist ein seltener Genuß, und nur eine ganz beschränkte Anzahl hat jeden Tag Zutritt zu dieser sehens­würdigen Stätte, welche sich unter dem ganzen Chore der heutigen Peterskirche hinzieht. Heute erhellt ausgiebiges elektrisches Licht die früher oft vernachlässigten Stätten, welche jetzt in bester Ordnung gehalten, uns einen Einblick in die eigenartige, reiche Kunst der ersten christlichen Jabichunderte gewähren. .Künstlerische Vollendung

und tiefsinnige Auffassung spricht aus den ältesten Bildwerken, die einst die alte Peterskirche zierten, und welche man zur Zeit, da neuer Schaffens­drang das heutige Wunderwerk, den Petersdom, formte, in diese stillen Grüfte rettete. Hier haben wir die ältesten Papstgräber, oft in Sarkophagen, welche vordem die Gebeine der Märtyrer um­schlossen hatten, bevor sie aus die Altäre er­hoben waren. Hier kann der Kunstkritiker seine Studien machen über die Wandlungen, welche die Kunst im Lause der Zahrhunderte durchlief, denn hier sinder er in Stein gemeißelt ihre Spuren.

Und neben all diesen hehren Zeichen der ersten christlichen Zeiten hat ein schlichtes Denk­mal aus grauem Stein, eine einfache Urne, Platz gesunden, welches in unsere Tage hineinragt. Hier ruht, nahe dem Grabe des htt Petrus, das Herz Pius lX., das Herz, das unsere Zeit so viel geliebt, und dem so viel Liebe über das Grab 'hinaus gefolgt ist. Einer alten Sitte ge­mäß wurde das Herz des verstorbenen Papstes jeweils in der Kirche des Oui rin al, der alten päpstlichen Sommerresidenz, beigesetzt. Nachdem dieser Palast vom Könige von Italien in Besitz genommen, mußte bei Pius X. von dieser Ge­wohnheit Abstand genommen iverden. Mehr als eine Stunde verweilten wir in diesen vati­kanischen Grotten, und Dank der vorzüglichen Führung De Waats, der auch seinen seinen Humor nicht sparte, gehört diese Stunde mit zu den schönsten, die wir in der ewigen Stadt ver­leben durften.

Aus der Unterwelt tarnen wir dann bald in die vatikanischen Gärten, die in ihrer An­lage vielen Reiz bieten und manchen schönen Blick aus die ewige Stadt gewähren. Zur sorg­samen Pflege dieser ausgedehnten Besitzungen fehlt heute leider das Geld und bei der Not, welche in Rom auf Schritt und Tritt dem ge­fangenen Papstfürsten entgegentritt, zieht er es vor, allerwärts einzugreifen, dabei auf manchen Glanz verzichtend, der seiner Stellung in andern Verhältnissen geboten erschiene.

Noch einer andern deutschen Stätte in Rom soll unser Besuch gelten, nämlich der unter öster­reichischem Protektorat stehenden Anima, wo Msg. Lohninger den liebenswürdigen Gast­wirt macht. Die Gebäulichkeiten sind etwas ver­baut, aber drinnen fühlt man sich wohl aufge­hoben. An jedem Montag nachmittag trifft sich hier die deutsche Künstlerzunft, eine katho­lische Vereinigung von ausübenden Künstlern und Gelehrten, die in lehrreichen Vorträgen und er­frischenden Diskussionen die christlichen Ideen auf künstlerischem Gebiete verfolgen und sich so die Linien für ihr Schaffen ziehen. Es war mir vergönnt, den Ausführungen des berühmten und doch in seiner Lebensart so jovialen Professor Ludwig Seitz, Konservator der päpstlichen Afuseen, über den „Begriff des Schönen in der Kunst nach den Anschauungen des hl. Thomas von Aquin" beizuwohnen. Hier herrschte kein steifer Ton, sondern schaffensfreudiger deutscher Sinn, bei ernstem Streben war heimatliche Ge­mütlichkeit gesellt, und als ter feurige Rotwein in den Gläsern perlte, den ein Mitglied ge­spendet, da gab's manches fröhliche Wort, das der Gastfreundschaft und dem lieben gemeinsamen Vaterlande in der Ferne, galt. Die friedsame Künstlerklause itf der Anima wird mir stets eine liebe Erinnerung bleiben, um so mehr, als sach­kundige Herren "sich dem deutschen Landsmanne noch zur Führung durch die historischen Stätten des alten Rom's anboten und dadurch den Genuß der Wunder des Altertums so herrlich durch­kosten ließen. Dank nach allen Seiten, das ist das Gefühl, mit dem ich heute diese Zeilen schließen muß. Dank vor allem aber auch dem trefflichen römischen Kollegen, der so liebens­würdig die Wege mir geebnet, dessen Namen ich aber nicht nennen darf, wenn ich sein Freund bleiben will!

(*) Die Aussichten im kaufmännischen Berufe.

• Schon seit Jahren weisen die kaufmännischen Gehilfenverbände fort und fort darauf hin, daß die vielen Klagen über die große Zahl der stellen­losen jungen Kaufleute nur eine ganz bedingte Berechtigung hätten. Ein Ueberfluß sei nur vorhanden an „mittelmäßigen und unfähigen", nicht aber an solchen Kräften, die über eine den modernen Anforderungen entsprechende, tüchtige Fachbildung verfügen. Die Nachfrage nach solchen Kräften übersteige sogar das Angebot. Da die größeren Gehilfenverbände feit Jahren die Stellen­vermittlung besorgen, so haben sie wohl ein Urteil in dieser Sache.

Um hier die nötige Aufklärung zu geben, richtet z. B. der HanÄurg« Vrrem »»» 1853

seit vielen Jahren in seinen Berichten an die jungen Kaufleute die eindringliche Mahnung, recht viel zu lernen, da sie sonst nicht weiter kommen könnten. In neuerer Zeit mehren sich auch die Stimmen in der Fachpresse, die alle­samt eindringlich darauf Hinweisen, daß man heute nur gut ausgebildete Leute im Kaufmanns­stande gebrauchen könne. So stellte vor kurzem eine Zuschrift an das Verbandsorgan der katho­lisch-kaufmännischen Vereinigungen den kauf­männischen Organisationen die Aufgabe, dahin zu wirken, daß „die Unberufenen, die heute das Stellenangebot so maßlos steigern, dem Stande ferngehalten werden und die Berufenen besser ausgerüstet und besser vorgebildet in den Kampf um die Lebensstellung eintreten." Diesen Zweck verfolgt auch ein Schreiben, welches der Verein der H andlung s gehi lfi nn en zu Dresden zu Ostern dieses Jahres an sämt­liche Rektoren der dortigen Volksschulen versandt hat. In dem Schreiben heißt es:

„Dem kaufmännischen Berufe wenden sich in neuerer Zeit immer mehr weibliche Kräfte zu, und zwar nicht blos für den Verkauf, sondern auch für allerlei Posten im Kontor. Gerade des­halb ist es nötig, darauf hinzuweisen, daß dieser Beruf ernst genommen werden muß, und daß solche, die in der Schule nur mangelhafte Kennt­nisse erworben haben, und solche, die nicht in der Sage sind, zur Berufsausbildung eine kaufmännische Fortbildungsschule zu besuchen, von demselben lieber fernbleiben. An ungenügend gebildeten Kräften ist kein Mangel; diese schädigen aber den Stand in zweifacher Beziehung. Erstens drücken sie das Niveau des ganzen Standes herunter, zum anderen aber auch die Gehälter, da natürlich geringen und minderwertigen Kräften auch nur ein geringer Lohn geboten werden wird und kann. In unserer Stellenvermittelung haben wir immer die Erfahrung gemacht, daß für wirk­lich tüchtige Leistungen auch gute Gehälter ge­zahlt werden. Aber gerade an den Leistungen mangelt es. Es werden eben auch in diesem Berufe, wie eigentlich in allen, jetzt weit höhere Anforderungen gestellt als früher, z. B. werden für den Verkauf und für Kassiererinstellen auch Kenntnisse von Sprachen und Stenographie, für das Kontor werden Buchführung und Korrespondenz, auch Stenographie und Schreibmaschine und fremde Sprachen verlangt. Gestatten Sie uns noch das eine hinzuzufügen, daß außer einer tüchtigen allgemeinen und einer gründlichen Fach­bildung auch für unfern Berus noch eine gute Gesundheit von nölen ist, da auch an die physi­schen Kräfte hohe Anforderungen gestellt werden. Nach solcher Darlegung möchten wir Sie ergebenft bitten, die abgehenden Schülerinnen entweder selbst bei passender Gelegenheit oder durch Ver­mittelung der betreffenden Klassenlehrer bei der Wahl eines Berufes übet den der Handlungs­gehilfinnen aufzuklären und ungeeignete Elemente vor Eintritt in denselben zu warnen. Sie würden bei Erfüllung unserer Bitte nicht blos unserem Stande einen Dienst leisten — das könnte uns als Selbstsucht ausgelegt werden —, sondern vor allem den Schülerinnen selber, deren Wohl­ergehen Ihnen gewiß auch über» die Schulzeit hinaus am Herzen liegen wird."

Das ist "ein Wort zu seiner Zeit und um so beachtenswerter, als es gerade den weiblichen kaufmännischen Kräften vielfach darauf ankommt, schon in den ersten Jahren tüchtig Geld zu ver­dienen, ohne daß sie dabei auf ihre Ausbildung den richttgen Wert legen. Das obige Schreiben zeigt, wie unrichtig ein solches Verhalten ist.

vermischtes.

* Frankfurt a. C., 23. April 1903. Im Regie­rungsbezirk Frankfurt a. d. D. kamen während des letzten Schneesturmes zwei Männer und eine Frau im Schnee um.

* Lemberg, 23. April 1903. In Uhnow im Bezirk Plawa Ruska brannten vierzig Häuser ab. Gleichzeitig wurden Ausschreitungen gegen die Juden begangen.

* Aus der Pfalz, 23. April 1903. Am Dienstag vormittag wurde der 15 Jahre alte Kaufmannslehrling August Peißer in Imsweiler nach kurzem Wortwechsel von dem 19 Jahre alten Ackerer Ludwig Greth mit einer Hacke e r s ch l a g e n. Der Täter wurde verhaftet.

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