flllda, Freitag, den 24. April 1903
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parlamentarische Nachrichten.
30. Jahrgang
Deutsches Reich.
Berlin, den 23. April 1903.
für die katholische Kirche sind, so meint man mit der „katholischen Hierarchie", deren Einfluß an hohen Stellen man bekämpfen will, ebenfalls nur die kath.olische Kirche. Kurz, zum Angriff gegen den Katholizismus will man den Protestantismus organisieren und deshalb will man die Landeskirchen enger aneinanderschließen. Natürlich nennt man den Angriff „Abwehr ultramontaner Uebergriffe", aber durch diesen Euphemismus läßt sich doch nachgerade kein Einsichtiger mehr täuschen, wenigstens kein „Ultramontaner".
Als der Kaiser den Zusammenschluß anregte, hat er sicher nicht an eine Angriffsorganisation gegen den Katholizismus gedacht, am wenigsten einer politischen Organisation, die ihre Kraft gegen die Jesuiten und gegen die „katholische Hierarchie" bewähren sollte. Er wollte eine innerliche Stärkung des Protestantismus und Förderung der katholischen Interessen und des katholischen Lebens im Jnlande und in den deutschen Schutzgebieten. Der Haß gegen Rom aber verzerrt alles und vergiftet alles innerhalb des Protestantismus. Daß er in unserem Falle sich einmal selbst im Wege steht und die Jesuiten, die man verfolgen will, die Ursache fein müffen, daß die Verfolger sich nicht einigen können, bereitet uns begreiflicher Weise eine Genugtuung.
Der Zusammenschluß der evangelischen Landeskirchen ist an und für sich eine Sache, die uns nichts angeht. Wenn aber der ausgesprochene Zweck der politische Kampf gegen die katholische Kirche sein soll, sind wir selbstverständlich am Platze. Wenn evangelische Bünd- ler so recht kräftig gegen Jesuiten und „Ultramontane" gehetzt und die Staatsgewalt gegen die „ultramontane Gefahr" angerufen haben, setzen sie gewöhnlich hinzu: „Wir fürchten uns vor den Jesuiten und vor Rom nicht im allermindesten." Mit etwas mehr Aufrichtigkeit können wir behaupten, daß wir uns vor dem Zusammenschluß der Landeskirchen durchaus nicht fürchten. Wir erheben daher auch gar nicht die Forderung, daß die Staatsgewalt uns gegen sie beschützen und daß mit Zwangsgesetzen ihr „Einfluß von hoher Stelle" eingeschränkt werden soll. Wir sehen in aller Gemütsruhe der weiteren Entwickelung der Dinge entgegen. Schlimmeres, als uns schon angetan wurde, kann uns auch nicht angetan werden, wenn alle „Landeskirchen" sich gegen die katholische Kirche vereinigen. Wie wir uns bisher erfolgreich zu wehren verstanden haben, werden wir es auch in Zukunft tun. Aber wer es aufrichtig mit der Erfüllung eines Kaiser!. Lieblingswunfches meint, der täte doch gut, ihn nicht durch konfessionelle Gehässigkeit und Verquickung mit den Bestrebungen einer fanatischen Unduldsamkeit zu kompromittieren und zu vereiteln.
„Wohin denn, wenn ich fragen darf?"
„Das wirst Du schon sehen; ich komme übrigens als Abgesandter, ohne Dich darf ich nicht wagen, zurückzukehren. Also nicht erst besonnen. Dein Fräulein Schwester wird mir indes bei diesem Täßchen Gesellschaft leisten. Prosit — Fräulein Lenchen!" Und er hob den gewaltigen Napf und trank ihr lächelnd zu.
Während Heinrich sich ankleiden ging, fand sie ihre Unbefangenheit wieder und plauderte mit dem Doktor nach^Herzenslust. Das war doch wenigstens einmal ein Sonntag.
Als die Herren dann fort waren, räumte sie zuerst die guten Taffen wieder sorglich bei Seite, setzte sich dann an's Fenster und blickte in den einzigen Baum, der von der Sonne beschien-n, im Hofe stand.
68 war ein weicher, herrlicher Frühherbsttag; Haus uud Hif schienen ausgestorben; so viele Menschen es auch oeherbergte, heute waren sick a lle ausgeflogen. Nichts störrte die Sonntaqsstille als ein Heer zankender Spatzen, die sich in dem menschenleeren Hofe herumbalgten.
So viele Sonntage nun verstrichen, fand sich Lenchen, so lange sie hier in der Großstadt weilte, einsam und allein. Ihre Gedanken waren ihre einzigen Freunde, ihre einzige Gesellschaft. Die Einsamkeit hier tat ihr nicht weh, sondern wohl. Wenn sie so bedachte, wie sie vor länger als vier Ja'ren hier einzig mit Aerger, Kummer, Trauer und Sorgen belastet einzog, dann faltete sie wohl unwillkürlich die Hände und sah dankbar zum blauen Himmel; der Herr dort oben hatte ihr ja treulich geholfen, eins nach dem andern zu überwinden.
Rastlose und freudige Arbeit waren ihre treueste Bundesgenvssin gewesen. Während derselben hatte sie Kummer und Trauer vergessen und mit dem Ertrag derselben bannte sie die Sorgen, denn ihre Geschicklichkeit in den feinsten Arbeiten hatte bald vollauf Anerkennung uud guten Lohn gefunden.
Heinrich hafte das einige auch getan, indem er iwch dem Vorfälle nur ;einem Studium gelebt und
** Die Jesuiten u. der Zusammenschluß der evangelischen Landeskirchen.
Die bösen Jesuiten sind wirklich schuld, wenn es mit dem Zusammenschluß der evangelischen Landeskirchen nicht recht vorwärts gehen will. Was man sonst für schöne Gründe für den Zu- sammenfchluß angegeben hat, war bei dem größten Teile seiner Befürworter nur schmückendes Beiwerk; die eigentliche Absicht war, eine starke Organisation zum Angriff gegen den „Jrsuitismus" und „Ultramontanismus" i« schaffen. Das wird jetzt offen bekannt. „Für den Zusammenschluß der Landeskirchen war, sagt die ,Pvftt, unter anderen Gründen auch derjenige einer kräftigeren Abwehr ultramontaner Uebergriffe durch die neue Organisation maßgebend gewesen." Und der.Reichsbote' schreibt: „Für die evangelische Kirche dürfte es hohe Zeit fein, sich durch Zusammenschluß zu stärken; es gehen allerlei Gerüchte um über immer mehr wachsenden Einfluß der katholischen Hierarchie an hohen Stellen, und deuten auch viele Tatsachen darauf hin.
Nun aber hat die geplante Aufhebung des 8 2 des Jesuitengesetzes nach dem Zeugnis der -Post' der Verwirklichung eines Lieblingswunsches des Kaisers ein schweres Hindernis in den Weg gelegt. Das Vertrauen der übrigen Landeskirchen zu der kirchlichen Oberleitung Preußens sei durch die Nachgiebigkeit Preußens gegen den Jesuitismus stark erschüttert roorben._ Die Vorbedingung des Vertrauens sei, daß die allgemeine Staatspolitik Preußens nicht Bahnen einschlage, die mit einer ziel- bewußten Kräftigungrdes kirchlich-protestantischen Gedankens in Widerspruch ständen. Also die „Kräftigung des kirchlich-protestantischen Gedankens" hat man sich als ein feindliches 21 uftreten gegen den ,,Ultramontanis- muS'' gedacht. Es ist kein schmeichelhaftes Zeugnis, das den Landeskirchen da ausgestellt wird, wenngleich wir nichts Neues dadurch erfahren. Daß das einzige Bindemittel, welches die auseinanderstrebenden Teile des Protestantismus einigermaßen zusammenhält, der Haß gegen ,,Rom" ist, wußte man ja schon lange. Mag man sich noch so erbittert befehden, sobald e§ heißt: „Gegen Rom!" ist man einig, und nur dann.
Deutlicher hätte es nicht von neuem bekundet werden können als durch die Erklärung daß 6 2 des Jesuitengesetzes das Einigungswerk gestärkt habe. Wie nun aber, wenn § 2 ober das ganze Jesuitengesetz schon aufgehoben gewesen wäre, bevor der Kaiser in Koburg seine Rede hielt? Wäre dann am Ende der Zusammenschluß ganz überflüssig gewesen? Gewiß nicht, denn er soll nach dem Zeugnis des ,Peichsboten' ja dazu dienen, dem „wachsenden Einfluß der kacholischen Hierarchie an hohen Stellen" entgegenzuwirken. Die Jesuiten bieten sich nur als nächstes Angriffsobjekt, man hat es auf die „katholische Hierarchie" abgesehen. Und wie „Jesuitismus" und „Ultramontanismus" nur andere Ausdrücke
sei. Der ganze Artikel ist aber nur ein Zeugnis zu Gunsten des Zentrums. Denn es wird darin auch nicht die Spur eines Beweises für die Unzuverlässigkeit des Centrums in dieses Frage beigebrach . Der Verfasser war ja auch da vor eine Aufgabe gestellt, deren Lösung unmöglich war.
* Der deutsche Reichstag von 1S98 bis 1903. Unter diesem Titel wird demnächst im Verlage von I. P. Bachem in Köln ein Bericht über die Tätigkeit der Zentrumspartei in der abgelaufenen Legislaturperiode von den Reichstagsmitgliedern Richard Müller (Fulda) und H. Sittart erscheinen. Diese Schrift wird unentbehrlich sein für alle rbie Wahlbewegung leitenben Personen unb ist deshalb schon im voraus dringend zu empfehlen.
** Die freisinnige Vereinigung tritt als die erste von allen Parteien mit ihrem Wahlaufruf vor die Oeffentlichkeit. Wie die Haltung der Barth unb Genossen im Reichstage unb Ab- georbnetenhause schon vermuten ließ, zieht die Pariei mit der Parole: „Gegen den Ultramontanismus und Klerikalismus" in den Wahlkampf. Der Aufruf hebt an: „Das deutsche Reich kann eine geistige und wirtschaftliche Großmacht nicht bleiben, wenn es Wissenschaft und Kunst, wenn es seine Schulen der konfessionellen Herrschaft, feine Volkswirtschaft einer einseitigen Jnterefsen- Politik unterwirft. Nach beiden Seiten drohen ernste Gefahren. Der Geist des Ultramontanismus in enger Verbindung mit protestantisch-orthodoxer Unduldsamkeit macht sich auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens bemerkbar und findet in der agrarischen Jnteressen-Politik eine wirksame Stütze." Das genügt wbhl als Probe. Uns weiter mit den geschwollenen Phrasen der Waden- strümpfler zu befassen, haben wir, einstweilen wenigstens, keinen Anlaß. Gegen den Schluß heißt es, den Einfluß des Gesamtliberalismus zu stärken, müsse das Ziel der ganzen Wahlbewegung fein. Damit stimmt es aber schlecht, wenn den Nationalliberalen vorgeworfen wird, sie hätten unter Verleugnung liberaler Grundsätze die konservativ-klerikale Koalition unterstützt, die „weder vor den schwersten Verletzungen der wirtschaftlichen Interessen der großen Masse unserer Bevölkerung, noch auch vor einem offenbaren Bruch des parlamentarischen Rechtes zurückschreckt." Die ,Nat.-Ztg.' hatte in. ihrer Wiedergabe des Aufrufes den ganzen gegen die Nationalliberalen gerichteten Satz wohlwollend unterdrückt. Sollte das damit Zusammenhängen, daß zwei Häupter der freisinnigen Vereinigung, deren Namen auch unter dem Aufrufe stehen, sich um die durch den Tod Köbners erledigte Chefredaktion des nqtio- nalliberalen Blattes bewerben? -
** Die Einnahmen der preußischen Cisen- bahnverwaltung haben im abgelaufenen Etatsjahre 1902 zwar 40 Millionen Mark mehr ergeben als im Etatsjahr 1901, bleiben damit aber hinter dem Voranschläge immer noch um etwa 15 Millionen Mark zurück. Da die letzten Monate stark steigende Einnahmen gehabt haben, ist anzunehmen, daß bald wieder Überschüsse über den Etatsanschlag sich ergeben werden, zumal der Etat für 1903 erheblich niedrigere
Keimalgluck.
Erzählung aus den Bergen. Bon I. Fichtner.
15 -----1— (Nachdruck »erboten.)
„Bitte, laß' doch das!" fiel er ihr kühl ins Wort. Das find vergangene Zeiten — wir leben in der Zukunft und haben anders zu denken." Doch Lenchen war heute sonderbar erregt. Mit verhaltenen Träten in den Augen rief sie:
„Du — ja — Du denkst immer nur ins Weite, aber nicht einmal zurück an die alte, liebe Heimat, an die Freuden und Schmerzen, die wir dort verlebt. Und wenn Du wenigstens m>t Deinem Trachten nach der Zukunft noch glücklich wärest! Da haben wir nun so danach gerungen, daß Du etwas Besseres werden sollst und nun Du es bist, da ist es immer wieder noch zu wenig, und Du bist immer noch nicht glücklich und zuftieden, obschon wir das als das größte Glück für Dich gedacht!" Sie trocknete heimlich die herabfallenden Tränen.
„So — ich bin nicht glücklich — nicht zuftieden, wer sagt Dir denn das?" fragte er sie erstaunt.
„Du selbst, Dein Gesicht — Dein Wesen, das 'agt mir's alle Tage! Und das tut mir so weh', denn das innere Glück ist doch einmal die Hauptsache vom Leben!"
„Das darf Dich nicht wundern. Mein Beruf zeigt mir täglich so viel Elend, daß man zu einem Glück gar nicht kommen kann!" Er trank aus der großen Taffe und Lenchen wunderte fich nur, daß er so stand hielt.
„Das ist nicht wahr!" fuhr sie eifrig fort. Du mußtest ja deshalb doppelt glücklich sein, daß es in Deine Hach gegeben ist, den armen Menschen zu helfen! Rein — nein, das liegt wo anders, ich weiß das >chon. Wenn Du Dich nur jetzt entschließen könntest. — Du bist doch jetzt ein feiner und gesuchter Mann Setocriee — Du weißt schon, was ich meine." —Er
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... Die Abgg. Kohl unb ® er ft en berget haben mit Unterstützung bet ganzen Zentrums-
jeber Geselligkeit fern geblieben war. Die ihn so drückenden Schulden waren damals mitsamt der Geldstrafe von fremder Hand gedeckt worden. Er hatte seinen begüterten Freund Wollf in Verdacht, daß er die Veranlassung in seinem Bekanntenkreise gegeben, der aber hatte nichts davon wissen ipollen.
In dec ersten Zeit ihres Hierseins war Lenchen aus Heinrichs Drängen einige Mal mit ihm gegangen, um sich die Stadt anzusehen. Aber die Begegnung mit seinen Freunden und die sonderbaren Blicke, die man auf die kleine, unscheinbare Begleiterin des schönen, jungen Studenten geworfen, hatte sie zurückgeschreckt und veranlaßt, ihr stilles Stübchen nur zu verlassen, wenn es durchaus sein mußte.
Auch zu ihrer nächsten Umgebung konnte sie kein Vertrauen fassen, der dreiste, frivole Ton der Großstädter widerstrebte ihrem Gefühl, und Müßiggang und Vergnügungssucht waren ihr schon gar ein GreuÄ.
Wenn sie nur ihren Heini in der Nähe wußte und fich an feinem Fleiß, seinen Erfolgen uud nicht zum wenigsten an seiner lieben Persönlichkeit erlaben durfte, da war sie schon glücklich und zufrieden. Nur der eine Wunsch noch lag ihr auf dem Herzen — die Vereinigung Heinrich mit Röschen; ober diesen Wunsch würde sie ja wohl — wie sie heute erst wieder inne geworden — nie in Erfüllung gehen sehen.
Deshalb schaute sie nun wieder ft betrübt hinaus und deshalb holte sie wieder den bewußten Brief von Frau Käthchen und vertiefte fich darein.
„Wir denken immer mit größter Sehnsucht an Dich, wenn wir zusammeu find, Röschen und ich. Denke Dir, sie hat die Absicht, gar nicht zu heiraten. Allen Freiern um ihre Hand — und es find deren nicht wenige — hat sie glat e Körbe ausgeteilt. Die Frau Bürgermeister und erst gar.die Großtanke sind sehr ungehalten darüber. Ihr Vater aber sagte: „Besser eine alte Jungfer werden, als ohne Liebe heiraten." Run — wie eine solche sieht sie noch nicht aus. Nur die Lustigkeit ist weg und will nicht mehr wiederkommen. Wie mir es scheint, wartet sie doch nur auf einen
Einnahmen als der für 1902 vorausgesehen hüt. Jin letzten Monat März bes verflossenen Etatsjahres haben bie Einnahmen ber preußisch- hessischen Eifenbahngemeinschaft 115 460 000 Mk. betragen unb liegen damit um 5 646 000 Mk. über benen bes März 1902. Der Güterverkehr allein hat eine Mehreinnahme von 6 687 000 Mk. gebracht, während berPersonenverkehr 658 000 Mk. unb bie sonstigen Einnahmequellen 383000 Mk. weniger gebracht haben als im Vorjahre. Im ganzen Etatsjahr 1902 haben gebracht der Personen- unb Gepäckverkehr 390405 000 Mk. (gegen 1902 mehr 5708000) Mk., bie Güterverkehr 1308659000 (mehr 392 540000) Mk., die sonstigen Einnahmequellen 83 646 000 (mehr 726 000) Mk., sodaß bie Gesamteinnahmen mit 1392 305 Mk. um 39 980000 Mk. ober 2,97 v. H. über ben bes Jahres 1901 liegen. Auf ein Kilometer kommt eine durchschnittliche Einnahme von 43 851 Mk., b. i. 610 Mark mehr als im Jahre 1901.
** In ber Einnahme an Wechfelstempel- steuer liegt bas erste Ergebnis eines einzelnen Einnahmezweiges bes Reichs für bas Rechnungsjahr 1902 vor. Sie hat runb 350,000 Mk. weniger als im Rechnungsjahre 1901 betragen. Gegen ben Etatsansatz bleibt sie aber noch beträchtlicher zurück. Im Etat für 1902 ist die Wechselstempelsteuer-Brutto auf 12,844,000 Mk. festgesetzt, was einem Mehr gegen ben Etat 1901 von 905,000 Mk. entsprach. Eingenommen sind 12,072,687 Mk. 60 Pf., es verbleibt also ein Weniger von runb s/4 Millionen Mk. gegenüber dem Etatsansatze. Das Ergebnis wirb für ben Finalabschluß ber Reichshauptkasse um so angenehmer sein, als bie Wechselstempelsteuer in ben letzten Jahren stets einen Ueberschuß, im Rechnungsjahre 1901 einen solchen von nahezu Vi Million Mk., stellte. Jrn übrigen beutet auch bie Entwickelung, welche bie Wechselstempelsteuer in der letzten Zeit genommen hat, auf eine Hebung des Verkehrs. Das Weniger gegenüber bem gleichen Zeiträume bes Vorjahres hat in ben letzten Monaten abgenommen. Es war um bie Mitte des vorigen Kalenderjahres auf eine halbe Million Mk. emporgeftiegen und bewegte sich auch in der letzten Hälfte des Kalenderjahres 1902 in der Nähe dieser Summe. Erft bie Monate Februar und März haben eine wesentliche Herabminderung der letzteren gebracht, waS die Aussicht gibt, daß bie Wechselstempelsteuereinnahme für 1903 sich günstiger als für 1902 gestalten wirb.
** Trier, 23. April 1903. Der Kaplan R eitz, bisher im Nebenamte katholischer Religions- lehrer an ber Realschule in Kreuznach, ist, wie die ,Nordb. Allg. Zlg/ meldet, zum Religionslehrer an der staatlichen höheren Mädchen- chule unb bem Lehrerinnenseminar in Trier berufen worden. Damit dürfte ber „Trierer Fall" erledigt fein. #
fdjmieg immer noch, aß sogar e srig von ihrem Kuchen und das machte ihr mehr Mut.
»Ich habe gestern einen Bries von Kätchen bekommen sie ist bei ihren Eltern zu Besuch — lle Äat f£on rwei Jungen — es sollen aller- liebfte Kerlchen sein. — Da schreibt sie mir nun auch, daß Roschen immer noch frei ist _ ftll ich Dir den Brief vor esen?" - Sie ist schon aufgestanden, um ihn zu holen.
„Nein!" tönt es rauh und herrisch, sodaß sie fast erschreckt fich umwendet. Der Doktor hat die Taffe von sich geschoben und ist bereits aufgestanden.
„Sprich mir nie wieder von solchen Sachen —ich will nichts hören davon."
„Mein Gott!" denkt Lenchen, „ist er immer noch ft verbittert?"
Er aber will hinaus. In demselben Moment klopft es und die Tür öffnet sich auch schon.
„Ach — ich dachte mir's, daß ich Dich hier finden würde, habe Dich schon unbefugter Weift in Deinem Studierzimmer gesucht! Darf ich einen Augenblick eintreten, gnädiges Fräulein?" Es ist Eugen Wollf, der I in ungezwungener, liebenswürdiger Weise sofort am Kaffeetisch Platz nimmt.
Das „gnädige Fräulein" ist aber wie jedesmal von dem Eintritt des Herrn Doktor so verwirrt, daß es kaum etwas zu erwidern weiß.
„Dürfte ich um ein Täßchen bitten, liebes Fräulein? Ich habe gerade Durst und solch hausgebackener | Kuchen ist meine Leidenschaft!"
Nun lacht Heinrich, das ist sein altes, fröhliches Lachen.
„Hast Du noch einen solchen Kübel Lenchen, rote Du mir angeboten? Beglücke doch die alte Kaffee schwester damit!" Und fteudig erregt eilt sie an den Glasschrank, sucht ein ähnliches altes Erbstück. Doktor Wollf ist der gemütlichste Herr, den sie aus dem Verkehr ihres Bruders kennen gcjftrnt.
„Geh' nur und .mache indes Toilette, ich »Äk Dich en^ühre« ’.** wandte sx fich an Heinrich.
,* „Zentrum unb Wahlrecht" über= chreibt ber /Vorwärts" einen längeren Artikel, roorin er Nachweisen will, baß auch bas Zentrum _^er Frage bes Wahlrechts nicht zuverlässig
W Huldaer
5chriftleiter:Zos.va«m
3. parzeller in Zulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagzzeitung"
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haltige Petitzeile ober jWf M MM Saum 15 psg.
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Druck und Verlag der Zuldaer Aetiendruckerei
Monatsbeilage: „8»ldaer Geschichtrdlätter". genrsprecher Rr. 9?