n
fUldfl, Donnerstag, den 23. April 1903.
.V» »1
t«
c»
i
b
C<
t
it
Deutsches Rekb,
i$ dm Reichstag
' Rusdein{ancttag.
Ausland
Druck und Verlag der ZuldaerActiendruckerei in Zulva (Harmonie). Zemsprecher Rr.y.
30. Jahrgang.
Abgeordnetenhaus.
59. Sitzung vom 22. April 1903.
Eröffnung: Vit Uhr.
Zweite Beratung der Sekundärbahnvorlage. Das Haus beschließt, Wünsche betreffend den Neubau von Eisenbahnen nicht bei der 2. Lesung vorzubringen.
Grubenunglückes, welchem so viele Menschen zum Opfer gefallen sind, ergeben und welche Maßnahmen sind getroffen oder geplant, um die Wiederkehr so beklagenswerter Unfälle tunlichst zu verhüten?"
tt-lich, mit Lumabme der Son» Feiertage, viertel- «hrtverns'preir ^bi,« vringerlohn und VeßeTgeld in Fulda und awn>ärt$tmi.50pfg
* Paris, 22. April 1903. Der Widerstand gegen die Durchführung der Kongregationsgesetze verstärkt sich. Der Superior und vier Väter des Pariser Sacrö Coeur- Klosters Picpus erklärten dem Kommissar, daß
leieigon: Vie einspaltige petitzeile oder deren Raum 15 pfg. Reklamen die Petitzeile 25 pfg.; bei Wiederholungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Die Wasserflut hatte auch den Groll und Zwiespalt aus dem Herzen der Bewohner weggespült und die allbewährte Treue und Hülfsbereitschast zu neuer Blüte gebracht. Es bedurfte langer Zeit, um die materiellen Schäden auszuheilen, und damit befteite sich auch der Sinn von aller Zanksucht und Reiberei. Es herrschte wieder der liebe, alte Verkehr mit dem guten, bewährten Bürgermeister an der Spitze, dem man wieder völlig vertraute.
Das hoffnungssrohe Herz Heinrich Winters hatte jedoch eineschwere Enttäuschung erleiden müssen. Wenner gedacht, seine Rettungslat würde ihm wieder Herz und Haus des Bürgernieisters öffnen, so hatte er sich do h geirrt! .
„Das war seine, sowie jedes Christenmenschen Pflicht und Schuldigkeit; hätte er es nicht getan, so wären sicherlich zehn andere aus unserer Gemeinde dazu bereit. Das Ivar für einen jungen Mann wie er ein Kinderspiel!" So war Bürgermeister Werner allen Lobeserhebungen entgegengetreten. Und er hot dies geflisientlich getan, damit es Heinrich zu Obren kommen mußte.
Heinrich'» Taktgefühl verstand ihn wohl. Röschens Vater wollte ihn fernhalten; er würde nie und nimmer das Glück seines Kindes in eine Hand legen, die sich frevelhaft gegen ein Menschenleben erhoben hatte.
In bitterster Stimmung hatten die Geschwister deshalb das Städtchen verlasten; konnten sie doch keine Hoffnung auf die Erfüllung ihres heißesten Wünschens mitnehmen.
Aus dem einst so hoffnungsfrohen Jüngling mit den lachenden, sonnigen Augen ist, trotz aller Jugend, ein ernster Mann geworden.
Nebst den eigenen Erlebnissen und Erfahrungen hat er die Höhe und Schwere seines Berufes im vollsten Ernst erfaßt. Die Wissenschaft, welcher er im le?teu Jahre all' seine geistige Kräfte gewidmet, hat ihn ober auch durch Erfolge selffamer Art.belohnt. Nach
verantwortlicher
rchristleiter:Zos.vanm
ÄÄk w-chmden-g-: „Illustrierte Somtagrzeitmig
offiziöser Meldung des ,Leipz. Tagebl/, die Personentarifreform zurückzustellen, da ausgefchlossen sei, daß die preußische Staatsbahnverwaltung in absehbarer Zeit dem sächsischen Vorgehen folgen werde, ein Sondervorgehen Sachsens aber eine Verwirrung der Tarife erzeugt hätte. Nur ein Zuschlag von 6'/< v. H. zu den Rückfahrkarten wurde beschlosfen, um den Finanzen einigermaßen aufzuhelfen.
Berlin, 22. April 1903. Der 1. Bürgermeister der Stadt Königsberg in Ostpr., Körte, wurde in das Herrenhaus berufen. — Die Marineoffiziere auf der ostamerikanischen Station, welche sich während des Konflikts mit Venezuela hervorragend ausgezeichnet haben, sind j.tzt vom Kaiser dekoriert worden. Den Roten Adlerorben 2. Klasse mit Eichenlaub erhielt Kapitän zur See Schaber, beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs der Kreuzerdivision auf der ostamerikanischen Station und Kommandant des großen Kreuzers „Bineta", den Roten Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife: Fregattenkapitän Graf v. Oriola, Kommandant des kleinen Kreuzers „Gazelle", den Roten Adlerorden 4. Klasse Kapitänleutnant Türk,l. Offizier des kleinen Kreuzers„Gazelle", bisher zur Verfügung des Chefs der Kreuzerdivision auf der ostamerikanischen Station, Kapitänleutnant Michelsen, Adjutant beim Kommando der Marinestation der Ostsee, bisher 1. Offizier des kleinen Kreuzers „Gazelle", Kapitänleutnant v. Levetzow, Admiralstabsoffizier beim Stabe der Kreuzerdivision auf der ostafrikanischen Station, Kapitänleutnant Seebohm, 1. Offizier des Kanonenbootes „Panther", und Marine - Oberingeniuer Otto (August) vom Stabe des großen Kreuzers „Vineta". — Die Generalversammlung des Evangelischen Bundes findet in Ulm a. D. am 5. bis 8. Oktober d. I. statt.
sondern erst wieder bei der dritten Lesung bei der allgemeinen Besprechung des Gesetzes.
Ohne wesentliche Debatte wird die Vorlage unverändert angenommen; die dazu vorliegenden Petitionen werden nach den Anträgen der Kommiffion erledigt.
Es folgt die 1. Beratung des Gesetzes betreffend Bebauung und Benutzung von Wallgrundstücken in Frankfurt a. M. Es handelt sich darum, der Stadt Frankfurt das Recht zu geben, den Besitzern der Gartenanlagen, welche die rings um die alte Stadt führende Promenade umgeben, die Verpflichtung aufzuerlegen, daß sie den villenmäßigen Charakter ihres Besitzes dauernd erhalten. Soweit durch die von der Stadt angeordneten Beschränkungen bestehende Privatrechte beeinträchtigt werden, ist die Stadt verpflichtet, Entschädigungen zu zahlen.
Abg. Cofer (fr. Volksp.) bittet als Vertreter Frankfurts um Annahme des Gesetzes.
Abgg. Wellstein (Ztr i, v. Himburg (kons.), und Bachmann erklären die Zustimmung ihrer Parteien zu diesem Gesetz.
Das Gesetz wird hierdurch in erster und alsbald auch ohne Debatte in gmeiter- Lesung angenommen.
Dritter Gegenstand der Tagesordnung ist die Vorlage betreffend die Ablösun^der Reallasten im Kreise Großherzogtum Lauenburg.
Abg. Wentorp (fr. L) ist im allgemeinen mit dem Gesetz einverstanden, wünscht aber einige Abänderungen.
Die Vorlage wird angenommen.
Das Haus beschäftigt sich hierauf mit Initiativanträgen und zwar zunächst mit einem Anträge des Abg. Eckels (ntl.), der eine Beschleunigung der Inbesitznahme von Grundstücken, über die das Enteignungsrecht ausgesprochen ist, seitens des Unternehmers «Staat oder Kommune) erstrebt.
Abg. Fritzen-Düffeldorf (Ztr.) beantragt eine Beratung der Materie in einer Kommission von 21 Mitgliedern. Das Haus beschließt dementsprechend.
Zur Beratung gelangt hierauf der Antrag Langer- hans (fr. Vp.) betreffend Umlagerecht der Aerzte- kammer. Der Antragsteller begründet den Antrag.
Ministerialdirektor Förster stellt eine die Materie regelnde Vorlage in Aussicht.
Hierauf zieht Abg. Langerhaus seinen Antrag zurück.
Es folgt die gemeinsame Beratung der Anträge Kirsch-Düsseldorf (Ztr.) und von Wentzel (kons.) betreffend die Aenderung des Einkommensteuergesetzes. Der Antrag Kirsch fordert die Abzugssähigkeit der von dem Grundeigentum, dem Bergbau und dem Gewerbebetriebe zu entrichtenden Gemeindesteuern. Der Antrag Wentzel will die Abzugsfähigkeit ausdehnen 1) auf die gesetzlichen Beiträge für Landwirtschafts-, Bändels-, Handwerks- und Gewerbekammern, 2) die eiträge für Meliorations- und Entwäfferungsgenoffen- schaften, foweit sie für Verzinsung von Schulden erhoben werden und 3) die für landwirtschaftliche Schulden statutenmäßig erhobenen Tilgungsbeträge, soweit sie der Verfügung des Schuldners entzogen find.
Nachdem die beiden Antragsteller ihre Anträge begründet hatten, sprach Geh. Oberfinanzrat Wallack, gegen dieselben.
Bierauf wurde die Weiterberatung vertagt.
onnerstag 11 Uhr: Zweite Lesung des Gesetzes, betreffend die Befähigung für den höheren Verwaltungsdienst; Dritte Lesung der Sekundärbahnvorlage.
Schluß 5 Uhr.
dem Heinrich seine Studien beendet, wurde er bald seiner besonderen Geschicklichkeit wegen vom Professor Fischer uls Assistenzarzt m der Klinik ernannt.
Eine stolze Genugtuung erfüllte ihn, als er eines Tages zu seiner Schwester sagen konnte: „Du hast Deine Opfer nicht vergebens gebracht! Jetzt hat die Not ein Ende und ich will Dir's lohnen, was Du an mir getan hast!"
Damals, ach damals war die kleine Stickerei trotz endloser Mühe und Arbe t, trotz der Trennung von der Hnmat, trotz nie gekannter Zurücksetzung noch verhältnismäßig glücklich. Durste sie doch für ihn arbeiten, für ihn schaffen! Das würde er nun nicht mehr brauchen und damit war sie ihrer Meinung nach nun entbehrlich geworden. Anfänglich suchte er mit aller Ueber- zeugung ihr diese Grille auszureden; dann aber fand er es lächerlich und sprach nicht mehr darüber.
Sein Streben und Denken hatte ja doch eine andere Richtung und begnügte sich nicht mit dem einfachen beschränkten Gesichtskreis seiner Schwester, um so m hr, da er einem unbestimmten, inneren Drange folgend, seine besondere Neigung für die Augenheilkunde nachgab und diese zu seinem Spezial- Fach erwählte. Er wollte die ihm von der Natur verliehene Geschicklichkeit ganz und voll ausnützeu, indem er sie dem edelsten Glieds des menschlichen Körper« widmete. .
So kam er aus dem Studiren und Lernen nichl heraus, wobei er die Vergangenheit scheinbar vergaß und nur danach zu streben schien, sich eine rühmliche und glanzvolle Zukunft zu schaffen.
Außerdem pflegte er zur Erholung regen Verkehr in den Gelehrtenkreisen, die ihn mit seiner sympathischen Persönlichkeit gern ausnahmen und sein Streben förderten. Deshalb waren die Stunden, die er mit feiner Schwester verlebte, nur spärlich und selten.
Es lua an einem Sonntag nachmittag als Leuchen zaghaft an der Tür des Studierzimmers ankiopfte und den Doktor zum Kaffee rief. Sie konnte es nicht be-
KeimatgMck.
Erzählung aus bett Bergen. Von I. Fichtner.
14 —:----- (Nachdruck verboten.)
Atemlos lauschte man drüben und manches heiße Hebet stieg zum Himmel. Die kräftige Gestalt Heinrichs schwang sich hinan« — er mußte doch einen Augenblick ruhen, nun aber erkannte sie ihn und wich zurück.
Ei--eit Moment nur, dann hielt er sie, die in ohnmächtiger Schwäche die Augen geschloffen,' in den Armen, und begann nickt auf dem gefährlichen Stege, sondern durch das Wasser den Rückweg, der auch glücklich gelang.
Bereitwillig nahm man ihm die Last ab. Im dumpfen Schweigen fühlte Jeder, daß es hier nichts mehr zu retten gab. — Der Müller war jedenfalls vom Schlage getroffen, oder im Fallen an die Mauer geschleudert wordrn.
„Tu' mir die Liebe und komm' zu mir Heinrich!" bat der Ste-nwirt mit erst ckter Stimme und hielt den trieienbeu jungen Mann fest am Arme.
Run erst streckten sich ihm viele Hände entgegen und manches warme Wort spendete i m Dank und Anerkennung.
„Du wirst Dich zu Tode erkälten, komm' schnell und besinne Dich nicht lange!"
„Rein — ich danke herzlich. Jetzt muß ich zu meiner 'Schwester, die wird sich längst um mich ängstigen!"
'Senn Du durchaus nicht willst, so gehe wenigstens schnell uno erwärme Dich bald, ich schicke Dir einen guten Trunk nach!" Und der brave Wirt drängte ihn vorwärts.
Mit innigem Dankgefühl im Herzen, daß es ihm gelung n sei, seine Schuld auf diese We se abzutragen, Kef d r triefende, zitternde Student durch die Gaffen und versetzte Leuchen durch seinen Eintritt in neues Erstaunen.
293. Sitzung vom 22. April, 1 Uhr.
Eröffnung l11 Uhr.
Nach Erledigung einiger unwesentlichen Materien folgt die zweite Lesung des Gesetzentwurfes betr. die Phosphorzündwaren.
Die Kommission beantragt unveränderte Annahme und empfiehlt eine Resolution, in welcher der Reichskanzler ersucht wird, den vom Gesetze Betroffenen anderweite Arbeitsgelegenheit zu verschaffen.
Bei 8 1 — Verbot des Phosphors — spricht sich
Abg. Schaettgeu «Zentrum) gegen das Gesetz aus, das die Zündholzfabrikation ruiniere und eine Masse von Arbeitern brotlos machen werde.
Abg. Dr. Pichler (Zentrum) führte aus, daß durch genaue Beobachtung der gesetzlichen Schutzvorschrtften die Gefahr der Phosphornekrose beseitigt würde, daß das Gesetz den Ruin einer blühenden Industrie bedeute und endlich die den Fabrikanten empfohlene Zündmasse praktisch wenig brauchbar und vor allem im höchsten Grade explosionsgefährlich sei. Er beantrage die Beratung so lange auszusetzen, bis über alle diese Fragen eingehende Erhebungen veranstaltet worden seien. . ,
Demgegenüber stellte sich Abg. Dr. Trimboru (Zentrum) rückhaltlos auf den Boden der Vorlage. Tatsächlich sei die Phosphornekrose weit verbreitet und nach den Untersuchungen, die die Kommission selbst vorgenommen habe, sei die . neue Zündmasse ein durchaus vollwertiger und ungefährlicher Ersatz.
Auch Staatssekretär Graf Posadowsky trat mit großer Entschiedenheit für das Gesetz ein. Von der Tribüne des Reichstages die Gefährlichkeit der Phosphorfabrikation zu bestreiten, bedeute am Hellen Tage die Sonne nicht sehen zu wollen.
Abg. Dr. Wiemer (freis. Bp.) beantragte, den Fabrikanten eine Entschädigung in Höhe des dreifachen Jahresgewinnes der drei letzten Jahre zu gewähren.
Staatssekretär Graf Posadowsky bezeichnete den Antrag für unannehmbar, seine Annahme würde jeden sozialpolitischen Fortschritt lahmlegen.
In demfelben Sinne sprach sich auch Abg. Trim- born (Zentrum) aus. Im übrigen fand die Vorlage bei allen Parteien Zustimmung.
Der Antrag Pichler wird abgelehnt, § 1 unverändert angenommen, ebenso § 2.
Der Antrag Wiemer wird abgelehnt. § 3 wird unverändert angenommen, ebenso die von der Kommifsion vorgeschlagene Resolution. Damit ist das Gesetz erledigt.
Hierauf vertagt sich das Haus.
« Morgen: Krankengesetz.
Schluß 6’/« Uhr.
Berlin, den 22. April 1903.
% Die Polizei sperrte heute die Straße an der Ostseite der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis- kirche in Berlin, weil die Gefahr für ein Herab- ftflrjen des beim letzten Sturm schwer beschädigten Turmkreuzes vorliegt. Infolge des langen und heftigen Hin- und Herwackelns ist nämlich die Kreuzstange in der zwei Meter starken Sandsteinplatte, durch die fie hindurchgeht, gebrochen. Das unten an der Stange befestigte Gegengewicht, ein Stein von 25 Zentnern, fiel infolgedessen mit dem abgebrochenen Stück der Stange herunter und durchschlug das Gewölbe. Das Kreuz steht jetzt mit dem übriggebliebenen Srangenende nur noch 60 cm in der Steinplatte, hat also, zumal das Gegengewicht fehlt, durchaus keinen genügenden Halt mehr. Die Aus- besterung des Schadens soll möglichst beschleunigt werden, läßt sich aber ohne Turmgerüst nicht bewerkstelligen.
* Die konservative Presse kann nicht umhin ihrem Aerger über die Annahme des ,Klosetgesetzes" Luft zu machen. Da die Sache erledigt ist, lohnt es sich nicht, von diesen Kundgebungen des Aergers noch viel Aufhebens zu machen. Sachlich kann ja gegen die Sicherung des Wahlgeheimnisses nichts vorgebracht werden. Jemehr man seinen Verdruß bekundet, umsomehr verrät man, daß man das Wahlgeheimnis nicht gewahrt wissen will, weil man von der Kon- trollierung und Beeinfluffung der abhängigen Wähler bisher große Vorteile gehabt hat. Die Versicherung, man sei hauptsächlich ungehalten über die Art und Weise und den Zeitpunkt des Entgegenkommens gegen die Linke, kann niemand über die wahren Gründe des Widerspruches täuschen Hat die Rechte doch immer gegen die nunmehr beschlossenen Maßnahmen Einspruch erhoben. Daß sie gerade jetzt ausgeführt werden sollen, ist doch Nebensache für diejenigen, die sie . überhaupt nicht wollen. Ein Blatt meint, es sei fraglich, ob das Zentrum besondere Geschäfte mit der Neuerung machen werde. Das ist uns recht gleichgültig. Das Zentrum hat für die Aenderung des Wahlreglements nicht deshalb gestimmt, weil es sich besondere Vorteile bei den Wahlen davon entspricht, sondern weil sie einer Forderung der Gerechtigkeit und des politischen Anstandes ist. Die Vorlage als eine besondere Belohnung für das Zentrum zu betrachten, kommt dem Zentrum am allerwenigsten in den Sinn. Nur diejenigen, die aus Eigennutz und in ihrem Parteiinteresse die Sicherung des Wahlgeheimniffes nicht wollen, suchen die Vorlage verdächtig und verächtlich zu machen, indem sie sie als Belohnung für das Zentrum hinstellen.
* Die geplante sächsische Eisenbahn- taris-Resorm darf als gescheitert angesehen werden. Die sächsische Regierung beschloß nach
parlamentarische Nachrichten.
% Im Reichstage ist ein Nachtragsetat eingegangen. Darin werden neue Vorschläge gemacht für den Bau des Reichsmarineamts. Der Reichslag hat bekanntlich den Ankauf eines Grundstückes in der Bellevuestraße als zu teuer abgelehnt. Die Besitzer des Terrains haben ihre Forderungen nunmehr um fast 400 000 Mark ermäßigt; der Kaufpreis beträgt immerhin noch 5 633 400 Mark. Die Marineverwaltung hat weiterhin von der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen ein günstigeres Angebot für den Ankauf der bisherigen Marine-Dienst- gebäude am Leipzigerplatz und der Poßstraße erhalten, sodaß für den Ankauf des neuen Grundstückes nur ein Betrag von 1100000 Mk. durch Anleihen gedeckt werden müßte. Da sowohl die Hochbahn wie die Besitzer des Grundstücks in der Belleouestraße sich an ihre Angebote nur für furje Frist gebunden haben, ist der Nachtragsetat eingebracht worden.
*♦ Im preußischen Abgeordetenhause hat Abg. Letocha (Zentrum) unterstützt von der Zentrumsfraktion folgende Interpellation eingebracht: „Am 2. April 1903 hat sich im oberschlesischen Bergrevier auf der fiskalischen Kohlengrube „Königin Luise" ein großes Unglück ereignet, bei welchem 30 brave Bergleute in Ausübung ihres Berufs das Leben eingebüßt haben. Im Hinblick auf die dadurch im Kreise der dortigen Arbeiterbevölkerung hervorgerufene Beunruhigung richte ich an die Königliche 'Staatsregierung die Anfragen: Was haben die bisherigen Untersuchungen über die Ursachen des
In stolzer Freude hob sich ihre Brust, als sie seinen Bericht Dernabm und mehr als einmal rief sie aus: „Nun kann.no h alles gut werden!"
8.
Seil jenem stürmischen Frühlingseinzug, der so viel Unheil in dem Äergländchen verursacht, find nahezu vi-r J.thre verstrichen.
Es ist nicht alles so gut geworden wie es Leuchen nach der Katastrophe erhoffte und ersehnte. Wenigstens nicht in dem Sinne und in den Be ziehuugen, wie si- es sich gedacht.
Sie mußten damals mit dem Umzüge noch mehrere Tage warten, bis die Waffer wieder in ihre Grenzen getreten und der größte Änfturm des Tauwetters mit f inen verderblichen Folgen sich gemildert hatte.
St'pdan hatte es nicht für nötig erachtet, sick bei Heinrich für die Rettung seiner Mutter zu bedanken.
Wenn sich dadurch vielleicht auch sein Groll gemildert, so brauchte er dbch alle Kraft und Aufmerksamkeit, um das hereiitgebrochene Unglück über sein Haus zu ertragen und zu überwinden.
Der Verlust des Vaters und auch die Wohlhabenheit, die ihn bisher umgeben, lag schwer auf ihm und seiner Mutter, die tief gebemutigt, endlich einsehen gelernt, baß Hochmut unb Hoffart schon auf ber Welt fast immer ihren Richter findet.
Dahin war die eifenfefte und knorrige Person lickkeit ihres Mannes; ein einziger Fehltritt hatte ihm den Tod gebracht! Dahin auch all' der Reichtum und Ueberfluß, mit welchem sie sich so gern über ihres Gleichen gestellt und wohlgefällig geprahlt.
Jetzt mußte sie Gott danken, daß ihr Sohn Stephan nicht mehr an's Studieren dachte, und tatkräftig mit starker Hand aus dem zerrütteten Wohlstände zu retten versuchte, was zu retten war. Me Hand Gottes hatte auch ihr den Weg gezeigt und still und bescheiden wirkte fie wieder als nun einfache und sparsame Hausfrau.