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Maer W Zeitung
Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung" Monatsbeilage: „Fuldaer Geschichtsblätter".
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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.
fUlda, Mittwoch, den 22. April 1903.
30. Jahrgang.
M 90.
vvielvrdensversolgunginFrankreich.
Die Loge setzt den Kampf gegen die Kongregationen mit möglichster Erbitterung und allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln fort. Sämtliche Genossenschaften mit Ausnahme von dreien werden die gewaltsame Austreibung abwarten. Jedoch wird sich die Mehrzahl der Ordensleute vorher zerstreuen, sodaß außer den Obern nur wenige Patres in den einzelnen Niederlassungen zurückbleiben. Die Assump- t io nist en, die bekanntlich schon seit mehreren Jahren „aufgelöst" sind und daher gesetzlich nicht mehr existieren, machen den armen Logenbrüdern noch immer viel Kummer. Vor einigen Tagen fanden in der Druckerei und den Bureaus des von den Patres Assumptionisten seiner Zeit gegründeten und von den . •. Brüdern so gefürchteten Blattes ,Croix' wiederholte Haussuchungen statt, um zu erfahren, ob und in wie weit die Patres, die bekanntlich seit Jahren Frankreich verlassen haben und im Oriente äußerst segensreich unter den Schismatikern wirken, noch an der Leitung und Redaktion des Blattes beteiligt sind. Außer den Räumlichkeiten des ,Croix' besuchte die Polizei auch die Wohnungen zweier ehemaliger Affumptionistenprates in der Aoennue Basquet und jene P. Bailly's. Die Wohnung des letzteren wurde unter Siegel gelegt.
Im Departement Cotes-du-Nord forderten die Agenten von 66 Eigentümern freier Schulen, die ehedem von Schulbrüdern von Ploörmel, jetzt jedoch von „freien Laienlehrern" versehen werden, dieselben zu entlassen! Höher kann die Willkür der jakobinischen Sippschaft wohl nimmer gehen! Selbstredend lassen sich die Eigentümer diese ungesetzlichen Drohungen nicht gefallen.
Kardinal Richard, Erzbischof von Paris, bezeugt den verfolgten Ordensleuten feine innigste Teilnahme. In seinem Schreiben führt er die Worte an, welche sein Vorgänger (Kardinal Guibert) an die Regierung richtete, als er dieselbe beschwor, die Republik zur Achtung der Gewissensfreiheit, gewissenhafter Ausführung des Konkordates nach Wort und Inhalt zu bewegen, um den öffentlichen Frieden und die Einmütigkeit der Geister zu sichern:
„Wenn Sie dies nicht vermögen, wird man die Kirche nicht anklagen können, an dem Sturz der Regierung zu arbeiten. Ihr wißt, daß Empörung nicht unsere Waffe ist. Die Geistlichkeit wird fortfahren, geduldig zu leiden, für ihre Feinde zu beten. Diejenigen, welche dtzsen gottlosen Krieg gegen die Kirche wollen, werden sich selbst dabei vernichten. Die schlimmen Leidenschaften, deren naher Ausbruch, nach vielen Anzeichen, bevorsteht, werden größere Gefahren Hervorrufen, als diejenigen angeblichen Gefahren, die man jetzt der Geistlichkeit vorwirft." Der Kardinal Guibert hat die Dinge vorausgesehen.
„Wohin die Vorsehung euch auch führen mag, dort werdet Ihr für die Kirche und für Frankreich wirken," schließt Msg. Richard.
Die Bischöfe von Bayeux, Meude, Perigueux, Nantes, Orleans u. f. w. haben ähnliche Schreiben an die scheidenden Ordensleute gerichtet. Die ,Agence Havas' und die ihr verwandten Blätter verschweigen die Nachrichten über die Verfolgung der Ordensanstalten, wohl aus Besorgnis vor Aufregung. — Die Prämonstratenser von Co- naues (Rodez) und Trigolet (Tarascon) sind, unter großartigen Kundgebungen der Bevölkerung nach England und Belgien abgegangen. — Die kleinen Armenfchwestern zu Alencon fammelten bisher auch manchmal in Mortagne Almosen für ihre armen Greise. Am Montag wurden sie jedoch von der Polizei gezwungen, binnen zwei Stunden Mortagne zu verlassen, ohne sammeln zu dürfen. — Der Polizeipräfekt von Paris ließ die Kapellen mehrerer Kongregationen sperren. — Der Friedensrichter zu Dumont Avre (Pas de Calais) ist abgetreten, um nicht bei dem Abbe Engrand eine Haussuchung halten zu
müssen. Diese sollte stattfinden wegen — „Bündeleien mit den Assumptionisten!"
Die ,Libre Parole" will wissen, daß der Ministerpräsident beabsichtige, gegen den Erzbischof von Paris wegen dessen Protestschreibens, dem sich auch dieBischöfe vonLyon,Nancy undNantes angeschloffen haben, die Gehaltssperre zu verfügen. Mehrere Bischöfe wollen die Rundschreiben Combes' unbeachtet lassen; es werden dadurch neue Verwickelungen unausbleiblich sein.
In Grenoble wurde der Gerichtsvollzieher, der den Mönchen des Karthäuserklosters die Vorladung vor das Zuchtpolizeigericht behändigen sollte, von den Einwohnern mit Gewalt an der Ausführung seines Auftrages gehindert und mußte die Vorladung bei dem Bürgermeister hinterlegen. — Die Weigerung der Franziskaner in Nimes, ihr Kloster siegeln zu lassen, veranlaßte eine Kundgebung. Die Gendarmerie und Polizei schritt ein und nahm Verhaftungen vor.
* Der Ostdeutsche Gastwirtsverband hat zur Trinkgeldfrage eine bemerkenswerte Kundgebung erlassen, in welcher es u. a. heißt: „Der Ostdeutsche Gastwirtsverband hat von jeher gegenüber der Trinkgeldfrage die Stellung eingenommen, daß er die auf Trinkgelder bassierte Anstellung von Kellnern als unvereinbar mit dem soliden Gastwirtsgewerbe erachte. Hinsichtlich dieses Punktes sympathisiert der Ostdeutsche Gastwirtsverband durchaus mit den Gast- wirtsgehülfen. Dem Kellner steht das Recht zu, für von ihm geleistete Dienste von seinem Prinzipal, nicht aber von einem beliebigen Dritten, bezahlt zu werden. Zudem ist das Trinkgelderunwesen eine offenbare Beleidigung sowohl des soliden Gastwirtes als auch des Gastwirtsgehülfen. Es wäre zu wünschen, daß von Reichswegen auch hierüber möglichst bald eine Enquete
veranstaltet und dann auf gesetzgeberischem Wege gegen dieses Unwesen energisch vorgegangen würde, daS sich bisher trotz aller Stellungnahme dagegen, mochte dieselbe nun von Privaten oder von kiorporationen auS- gehen, immer mehr entwickelt hat und wohl geeignet erscheint, das solide Gastwirtsgewerbe in empfindlichster Weise zu schädigen. An der Hand der Statistik würde es leicht sein, diese schweren Schädigungen auch im Einzelnen nachzuweisen."
* Triumph. Das Gespräch vom Stammtisch dreht sich um merkwürdige Beispiele der Erziehung von Tierjungen durch stemde Eltern. Der Oberförster wartet sichtlich ungeduldig, bis der Verwalter mit seiner Geschichte von zwei Kätzchen, die eine Hundemutter ernährt hat, zu Ende ist. Endlich legt er los: Das Alles ist noch gar nichts ... Ich hatte einmal eine Henne mit einem Küchlein und einen Jagdhund. Die Henne starb Plötzlich, und aus Mitleid zog der Hund das verwaiste Küchlein auf--
und denken Sie sich, meine Herren, schließt der Oberförster feierlich — — dieses Huhn bellt jetzt!"
* Verdächtige Gefälligkeit. Köchin: „Was kostet denn der Liter Milch?" — Milchhändler: „Zwanzig Pfennig." — Köchin: „Haben Sie keine zu fünfzehn Pfennig?" — Milchhändler: „Vorrätig nicht — Sie können sie aber gleich bekommen!"
* Eia guter Kerl „Wie sind Sie nur zu der roten Nase gekommen?" — „Die hab' ich meiner Gutmütigkeit zu verdanken!" — „Wie so?" — „Meinem Nachbar, dem Kellermeister, hab' ich immer geholfen Wein abziehen!"
* Unterm Pantoffel. „Es ist eine bekannte Tatsache, daß in der Freiheit manche Tiere die Farbe ihrer Umgebung annehmen, um sich vor Entdeckung zu schützen." — „O, das gibt's beim Menschen auch; sobald Kiesewetters Eduard seine Frau in die Schenke tritt, um ihn — abzuholen, wird der so weiß, wie die Wände ringsherum."
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