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3. Parzeller in Fulda.

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Zeitung

monafsbeilage: „Fuldaer GeschichKblStter".

wochendeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

Druck und Verlag ber Fuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.

lullte«*; Vie *» Wattige petitzette ob« tat* Sam* rs Pfg- NeName* dj« petttzeile 25 Pfg.; hei Wieder­holungen wird entspr Rabatt gewährt.

W.

fulda, Mittwoch, den 22. April 1903.

30. Jahrgang.

*» Die Vorlage zur 5icherung -es Wahlgeheimnisses

ist heute vom Reichstage nach etwa dreistündiger Verhandlung mit großer Mehrheit (allerdings war das Haus nur mäßig besetzt) glatt ange- u o m m e n worden. Das war einigermaßen überraschend. Die konservative Presse hatte zwar versichert, daß die Rechte keine Obstruktion treiben würde, aber doch auch immer betont, daß eine „gründliche Beratung« der Vorlage stattfinden müsse. Man verlangte eine dreimalige Beratung und stellte sogar Ueberweisung an eine Kommission in Aussicht. Von derselben Seite wurden Ab­änderungsanträge angekündigt; und da die Freunde der Vorlage nirgends Neigung bekunde hatten, diese durch solche Anträge zu gefährden, mußte man annehmen, die Anträge würden von der Rechten kommen.

Und der tatsächliche Hergang im Reichstage? Abg. Gröber stellte den Antrag, mit Zustim­mung des Bundesrates nur eine einmalige Lesung vorzunehmen. Abg. Gamp von der Reichspartei widersprach diesem Anträge nicht direkt, sondern bat nur, ihn zurückzustellen und erst den Gang der Erörterung abzuwarten. Nie- maud weiter verlangte das Wort und dann wurde die einmalige Beratung gegen etwa ein halbes Dutzend Mitglieder der Rechten, an­scheinend nur Reichsparteiler, beschlossen. Damit war die Erledigung der Vorlage in der heutigen Sitzung bereits gesichert. In der sachlichen De­batte machten die Abgg. Limburg (kons.) und Gamp (Reichsp.) einige mühsam konstruierte Bedenken geltend, die wirlschon aus der agrari­schen Presse kennen und die die neuen Vorschriften als absurd und lächerlich erscheinen lassen sollten, die aber wegen ihrer Künstlichkeit nur Gelächter erregten. Man hörte aus allem nur zu deutlich heraus, daß die Rechte den einzigen Grund ihres Widerspruches gegen die Sicherung des Wahl­geheimnisses nicht zu nennen wagte.

Die Redner aller übrigen Parteien erklärten sich für die Vorlage, wie sie ist. Alle hätten sich zwar noch etwas Besseres gewünscht, aber sie stellten sich auf den Standpunkt, daß das Bessere des Guten Feind ist, und wollten die Vorlage, die sie als einen ganz wesentlichen Fort­schritt anerkennen, nicht durch Abänderungsvor- schläge gefährden. Unter diesen Umständen hatte die von dem Staatssekretär Grafen Posadowsky veranlaßte Erörterung darüber, ob der Reichs­tag berechtigt sei, die Vorlage abzuändern, oder nicht, nur einen theoretischen Wert. Bei der Abstimmung stimmten nur die Reichspartei und die Mehrheit der Konservativen gegen die Vorlage.

KeimatgWck.

Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.

■ 13 -------- (Nach-ruck verboten.)

Gegen zwölf Uhr fingen -bte Sturmglocken an zu läuten, in allen Häusern brannten die Gewitterkerzen; auch die Geschwister konnten keinen Schlaf finden und auch zu keiner ruhigen Aussprache kommen. Mehrmals wollte Heinrich hinaus, sein Tatendurst trieb ihn zu retten, zu helfen wo es not tat; aber Lenchen klammerte sich an ihn und bat ihn zu bleiben, sich in der finsteren Nacht nicht augenscheinlicher Lebensgefahr auszusetzen

Der Sturm schleuderte in blinder Wut alles zu Boden, brach Bäume um, riß die Dächer ab; heulend und knirschend legte er seine rauhe Faust an alles, was ihm in den Weg kam.

Aus den nahen Bergen drang das Rollen stürzen­der Lawinen und mischte sich mit dem Tosen und Grollen der ungezügelten Naturmacht, die in den herrlichen Wäldern in einer Stunde vernichtete, was Jahrhunderte geschaffen.

An den festgeschloffenen Türen des hochgelegenen Telles der Stadt klopften zitternde Hände. Flüchtige e:*?’0 s!er, .m*t ihrtr besten Habe beladen, begehrten L-chutz und Einlaß. Den gefährdeten eigenen Herd Erlassend, irrten verzweifelnde Mütter mit schreienden Kindern durch die finsteren Gaffen, während die tntmer wieder zurückeilend noch das irgend Mögliche aus den Hütten zu retten suchten.

,ri "~a6 Lenchen, länger tatenlos zusehen

ist sunde; der Regen hat nachgelassen uno beim Morgengrauen kann man doch auch schon was unter­scheiden!«

Heinrich riß fich los und trat hinaus.

„Sei nicht waghalsig, das Eine bitt' ich Dich, denk an dich und mich!« rief chm die Schwester nach

Grau und wüst sah es aus. Das immer mehr steigende Tageslicht zeigte allenthalben Verheerungen

*

Deutsches Zeich

Daß die Gegner, die der Regierung sei Wochen so viel Bitteres über die Aenderung des Wahlreglements gesagt haben, sich schließlich so wenig sträubten, hatte seinen guten Grund. Es konnte nur zu ihrem Schaden ausschlagen, wenn sie sich allzu heftig sträubten. Offene Obstruktion konnten sie nicht wohl treiben, weil sie damit die Obstruktion der Linken gegen den Zolltarif ge­billigt und sich jeder Ausnutzung dieser Ob- struktton im Wahlkampfe begeben hätten. Alle Versuche, eine „gründliche Beratung« herbeizu­führen oder Aenderungen an der ^Vorlage durch­zusetzen, hätten aber nur die Wirkung gehabt, daß chre eigentliche Meinung immer deutlicher hervor­getreten wäre. Unmittelbar vor den Wahlen den Wählern den Beweis zu liefern, daß man die Sicherung des Wahlgeheimnisses nicht will, weil man einen Druck auf die abhängigen Wähler ausüben will, wäre sehr unklug gewesen. Mit der Behauptung, daß die Vorlage nur der So­zialdemokratie nütze, hätte man auch niemand täuschen können. So fügte man sich denn ins Unvermeidliche und lieferte nur noch ein kleines Scheingefecht. Nachdem man einmal Wider­spruch gegen die Vorlage erhoben hatte, konnte man sich ja nicht gut stillschweigend fügen, allein im Interesse der Partei lag es jedenfalls, möglichst wenig zu reden.

Ueber das Geschehene wird man vermutlich der Regierung noch öfters seinen Groll bezeugen. Allein Graf Posadowsky hatte ganz recht : soll die Wahl eine geheime sein, dann ist es Pflicht, alles zu tun, damit das Geheimnis gesichert wird; wer es aber für eine männliche Tal hält, daß der Wähler seine Stimme öffentlich abgibt, der möge auch den Mut haben, die Ab­schaffung des geheimen Wahlrechtes zu bean- ttagen. Den Mut haben die Konservativen nicht und darum haben sie auch nicht das Recyt, die Regierung wegen der Vorlage anzugreifen.

Ob die Aenderung des Wahlrechtes auf den Ausfall der Wahlen einen merklichen Einfluß ausüben wird, muß die Erfahrung lehren. Die Wirkung wird sich vor allein in den Wahlkreisen zeigen müssen, die bisher national liberal oder konservativ gewählt haben und in denen von den Arbeitgebern die bekannten skandalösen Wahlbeeinflussungen durch Beaufsichtigung ufw. der Wähler geübt wurden. Die bisherigen Sieger in diesen Wahlkreisen müssen nicht allzu viel Vertrauen in ihre Sache besitzen, sonst würden sie sich nicht so aufgeregt geberden.

Berlin, den 21. April 1903.

**, ®er Londoner ,Daily Telegraph' hat die Nachricht gebracht, der deutsche Kronprinz werde im Laufe des Sommers einen Besuch in Karlsruhe machen, um dort der Prinzessin Alexandra von Cumberland zu begegnen, aller Art. Noch immer tobte der Wind, aber nicht kalt erschauernd, sondern warm und feucht.

Hinunter zu den Wiesen, zu den Anfängen des Stadtgebietes wandte Heinrich seinen Schritt und — o Jammer, je tiefer er ging, um so furchtbarer ent­rollte sich ihm das Vernichtungswerk einer Nacht.

Auf dem hochgelegenen Straßendamm baute sich ein Chaos von Wirtschaftsstücken aller Art; die lebende und tote Habe der vom Wettersturm überraschten Bewohner jener zur Zeit des Sommers so idyllisch gelegenen Häuschen, während diese selbst bereits bis an die niederen Fensterchen im $8; ff ec standen.

Jammernde Menschen, brüllende Kühe, hungriges Kleinvieh empfingen Heinrich, der mit einem Blick überfah, daß es hier nichts zu tun gab.

Nur warnen konnte er und die Leute bestimmen, immer weiter und höher hinauf in die hochgelegenen Stadtscheuern ihre Habseligkeiten zu befördern. Es war jedoch abzusehen, daß die plötzliche Schneeschmelze in den Bergen noch ungeheure Waffermassen bringen würden, die alle zu Tal strebten und die lieber« chwemmung vergrößern mußten.

Heinrich eilt auf einem kurzen Nebenwege in die Stadt zurück. Jedes Gäßchen, jede Straße hat fich zum rasch abfließenden Bach gestaltet. Mit dunkler, unbestimmter Gewalt zieht es ihn an eine Stelle, wo er vielleicht seine Kräfte brauchen kann.

Der Wind trägt ihm schon ein dumpfes Geräusch und Stimmengewirr entgegen.

„Die Mühle!" fährt es ihm durch den Sinn — „dort — dort ist Gefahr!" Mit einigen hastigen Schritten tritt er aus dem Seiteugäßchen mitten auf die Mühlsttaße ober vielmehr Mühlgaffe, wie man allgemein den Weg nennt, der ziemlich steil abfallend an der wie in einer Bucht liegenden Stadtmühle vorbeiführt. •

Richtig! Der grauende Tag beleuchtet eine Menge Keuschen, die notdürftig gekleidet auf der Straße leben und mehr oder minder gestikulierend dem Schauspiel zusehen, während mehrere beherzte Männer tatkräftig eingreifen.

Diese Meldung ist, schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg.', gegenstandslos, sowohl den tatsächlichen Umständen nach, wie auch namentlich mit Be­ziehung auf die Tendenz, für eine angeblich ge­plante Verbindung zwischen dem Kronprinzen und der Prinzessin von Cumberland Stimmung zu machen. Ebenso falsch ist die aus Gmunden datierte Angabe des ,Hannov. Anzeigers', daß der Kaiser für den Herbst des Jahres einen Besuch am Hofe des Herzogs von Cumberland beabsichtige und voraussichtlich als Jagdgast des Herzogs mehrere Tage in Gmunden verweilen werde.

% Die ,Kreuzztg.' bestreitet, daß sie ihrer Partei wegen nach der Wahlparole der Re­gierung verlange. Sie wünsche nur im Inter­esse der Regierung selbst Klarheit. Der Wähler habe das Recht, zu wissen, was er von der Re­gierung in den nächsten 5 Jahren zu erwarten habe; von den Parteien wisse er'es, denn diese klärten ihn schon darüber auf. Der allgemeine Eindruck im Volke werde, wenn die Regierung auf ihrer Schweigsamkeit verharrt, der sein, daß man sich sagen werde, die Regierung sei zu schwach und sei sich dessen bewußt, daß sie es nicht wage, sich den Wählern gegenüber programmatisch zu äußern, um nur ja auf keiner Seite anzustoßen. — Was die ,Kreuzztg.' hier verlangt, ist keine Wahlparole, sondern ein Arbeits-Programm für feine ganze Legislatur-Periode. Vollständig kann das keine Regierung geben und mit allgemeinen Andeutungen ist den Wählern wenig gedient. Tatsächlich geht auch das Verlangen der ,Kreuz- ztg.' nicht nach einem solchen Programm, sondern nach einem Schlagworte oder einer Parole, etwa „Kampf gegen die Sozialdemokratie", und diese Parole wird nicht im Interesse der Regierung, sondern im Partei-Interesse gefordert; man er­wartet von der Regierung wirksame Wahlhülfe für die Parteien, die sich zu der Parole bekennen.

** Nach den bei der Regierung eingegangenen Berichten über das Verfahren der Gemeinden bei Verwendung der Warenhaussteuer haben sich an einzelnen Orten dadurch Unzuträglich- keite'n herausgestellt, daß infolge erst fpät zur endgiltigen Entscheidung gelangter Rechtsmittel die den Gemeinden überwiesenen Steuersummen herabgesetzt wurden, nachdem das betreffende Steuerjahr abgelaufen und die ursprünglich über­wiesene Summe in Gemäßheit des § 14 des Warenhaussteuergesetzes vollständig zur Ver­wendung gelangt war. In einem Erlaß der be­teiligten Minister an die Regierungen wird hierzu bemerkt: „Es ist zwar daran festzuhalten, daß das Aufkommen an Warenhaussteuer grund­sätzlich denjenigen Kleingewerbetreibenden zugute kommen soll, die während des jeweils in Betracht kommenden Steuerjahrs unter der Konkurrenz der Warenhäuser besonders zu leiden haben, und daß daher bei der Beschlußfassung über die Ver­wendung der Warenhaussteuer der gemäß Artikel 33 Ziffer 6 der Ausführungsanweisung vom 26. September 1900 zu schätzende Betrag nach Mög­lichkeit dem voraussichtlichen Aufkommen ent­sprechend zu bemeffen ist; indes findet fich nichts

Die aus den Bergen stürzenden Wasser haben alle Schützen und Schleusen durchbrochen und sich mit Gewalt in die Mühle ergossen. Es ist schon öfter vorgekommen, daß die unteren Räume der massiv und gut gebauten Stadtmühle bei starken Regengüssen überschwemmt wurden. Da gab es eben einmal gründ­liches „Reinmachen" wie die Müllerin sagte. Die Sonnenlage der Mühle heilte alle Schäden wieder aus. Heute aber floß das Wasser nicht blos durch und wieder seitwärts ab, es staute sich an den hohen Eis­mauern, die wie Felsblöcke die Mühle umstanden.

Man hatte, als man das Mühl werk und den Mühlbach eisfrei gemacht, die mächtigen Schollen auf­einander getürmt, wo sie wie zu Stein festgefroren waren.

Nun bildete das stürzende Wasser einen brodeln­den Kessel, der höher und höher die Straße hinan- tieg, aber auch mehr und mehr bitt Mühle mit seinen Wellen umschloß. Trotzdem glaubten fich die Bewohner der Mühle geborgen, denn sie hatten dieselbe nicht verlassen als noch das Wasser zu durchschreiten war, nur die Mägde waren geflüchtet und standen mitten unter der Menge. Drinnen schaffte man auch das Letzte in die obersten Räume, da man bestimmt dachte, daß der solide Bau dem Ansturm widerstehen würde.

Von außen hatte man lange Leitern zusammenge­bunden und suchte sie nun in die Fenster zu schieben, um das Wasser zu überbrücken. Es war ein Lärm, ein Schreien und Rufen hinüber und herüber. Der Mühlknecht und Stephan halfen die Leitern heran- iioen und befestigen. Reichert aber stand in trotziger Intätigkeit am Fenster und schaute mit verschränkten Armen und finsteren Blicken in die drohende Gefahr.

„Kommt herüber — Alle!" rief der Sternwirt durch das Gurgeln und Rauschen des Wassers.

Der Mühlknappe war der erste, der dem Rufe olgte und fich auf dem gefährlichen Wege in Sicher­heit brachte. — Er wurde von den fich immer mehr anfammelnfcen Zuschauern mit Freude begrüßt.

Immer höher stieg das Wasser und immer dringen­der wurden die Ermahnungen, fich rechtzeitig zu retten.

dagegen zu erinnern, daß an solchen Orten, wo das Ergebnis der Veranlagung keinen hinreichend sicheren Anhalt für diefe Schätzung bietet, das wirkliche Aufkommen des Vorjahres bei der Ver­wendung zugrunde gelegt wird. Ist in einer Gemeinde dieses Verfahren einmal eingeschlagen, so muß es auch in künftigen Jahren beibehalten werden.

* Behaglichkeit im preussischen Parla­ment. Oeffentliche Gebäude wie die der Parla­mente dienen zu Zeiten den fleißigen Besuchern, den Abgeordneten, während des ganzen Tages zum Aufenthalt. Deshalb hat man sich bemüht, Vorkehrungen zu treffen, um den Mitgliedern des Hauses die Möglichkeit der Erholung während etwaiger müßiger halber oder ganzer Stunden zu geben. Restaurationen sind im Reichstage wie im preußischen Abgeordnetenhause vorgesehen, im Reichstage auch ein Baderaum. Sportliebenden Abgeordneten ermöglichen es Räume zum Um­ziehen, ohne Zeitverlust vom Sport zum politi­schen Kampfe zu eilen. Ein Stündchen zu ruhen ist mehrfach Gelegenheit geboten. Der Barbier und Friseur hat im Abgeordnetenhause seine eigenen Zimmer, bis 2 Uhr ist er dort in Tätigkeit. Daß Schreibzimmer, Lesesäle, eine Bücherei rc. zur Bildung des Geistes nicht fehlen, ist selbstver­ständlich. Was aber im Reichstage bisher nur von einem Abgeordneten angeregt, aber nicht be­willigt ist, besitzt das Abgeordnetenhaus, nämlich eine Art Turnsaal für die Aelteren, einen medico - mechanischen Raum, „Erholungs­raum" ist er euphemistisch genannt. Hanteln jeder Größe laden zu Freiübungen ein; die Muskeln stärken Apparate, welche die Anstrengungen beim Sägen, Rudern, Heben, Hobeln, Drehen von Rübenschneidern rc. nachzuahmen ermöglichen, mit Meßinstrumenten, um die Anstrengungen gut z« dosieren. Lungenkräftiger jeder Art, Massier- rollen, Muskelstrecker vervollständigen die Ein­richtung. Wie man sieht, ist auch körperlich für die Herren Parlamentarier in den neuen Geschäfts- gebäuden der Parlamente bestens gesorgt.

** Es wird, wie das ,Berl. Tagebl.' hört, noch einige Zeit vergehen, ehe von deutscher Seite bestimmte Entschlüsse als Antwort auf die zollpolitischen Massnahmen Kanadas ge­faßt fein können. Dies erklärt fich daraus, daß weder das Auswärtige Amt, noch das Reichsamt des Inneren allein entscheiden können, sondern auch noch andere amtliche Stellen sich zu äußern haben. Ferner beabsichtigt man, Interessenten­kreise gutachtlich zu hören. Wie es scheint, ist die kanadische Regierung nach der Ankündigung des Zollkriegs gegen Deutschland doch etwas bedenklich geworden; wenigstens hört die ,Nat. Ztg.', daß in Montreal bereits Milderungen der angekündigtenZollkriegsmaßregeln erwogen werden. Abzuwarten bleibt allerdings, ob es sich dabei nur um kurze Uebergangsbestimmungen handeln wird oder um ein langsames Zurückweichen von der zu weit vorgesteckten Linie, das bann neue Vertragsverhandlungen begünstigen wird. Andern­falls werden deutsche Repressalien die naturge­mäße Antwort auf das Vorgshen Kanadas sein.

Man beobachtete, wie Stephan mit seinem Vater erregte Rücksprache hielt, wie er die Mutter heranzog und sie zu bestimmen suchte, ihm zu folgen.

Der Vater wies ihn schroff zurück und die Mutter wich schaudernd vom Fenster, als sie die gelben, mit Eis und Schnee vermischten Waffermassen erbliche.

„Er ist ein Starrkopf, wie immer," grollte dec Sternwirt. „Wenn nur die Müllerin mehr Mut hätte, so würde sie ihn bestimmen. Es ist ja vielleicht auch keine Gefahr, das Haus hat starkes Mauerwerk!"

„Sie wächst mit jeder Minute, ich beobachte scharf." „Halloh — nun kommt Stephan!«

Ja — er kam. Nach kurzem Abschied von den Eltern schwang er sich heraus mit wachsbleichem Ge­sicht, von welchem die schwarze Binde fich schreckhaft abhob.

Die Menge schwieg, in atemloser Spannung er­wartete man seine Ankunft. Die Leitern schwankten und bogen fich unter dem Ueberschreitenden.

Wenn er fehl trat, so würde er stürzen und die Wucht des Falles würde den Bruch der Leiter ver­anlassen. Und er sah doch nur mit einem Auge!

Unwillkürlich drängte sich Heinrich vor. In seinen Augen glühte Mut und Entschlossenheit, auf feinen Wangen aber brannte die Scham; die schwarze Binde — das war sein Werk. Und was er so gern getan hätte, ihm nun Hilfe zu bringen, das war nicht nötig, denn eben betrat Stephan, von vielen sich ihm entgegen« 'weckenden Annen empfangen, den festen Boden.

Heinrich trat einen Schritt zurück, doch Stephan hatte ihn bereits gesehen. Ein Blick des Haffes, der Verachtung hatte ihn getroffen.

Der Himmel hatte fich wieder verfinstert und in demselben Augenblick ergoß fich ein neuer, wolken­bruchartiger Regen über die Menge. Die Frauen lüchteten in die Häuser und nur die Männer hielten Stand, um die Vorgänge in der Mühle zu beobachten.

„Wenn wir einen Kahn hätten, um hinüber zu obren?"

„Den haben wir eben nicht; der einzige Weg ist dieser, oder hinüber zu schwimmen!"