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M 89.

fuldd, Dienstag, den 21. April 1903.

30. Jahrgang.

** Gegen dar Zentrum.

Dergemäßigte Liberalismus" braucht nach einer Wahlparole nicht mehr zu suchen und auch die Regierung nicht mehr darum anzuflehen. Er hat seine alte Fahne mit der Inschrift:Gegen den Ultramontanismus" wieder hervor­geholt und schwenkt sie nun kräftig vor den guten Wahleruherum. Wir haben niemals etwas anderes erwartet. Was sollte er denn auch sonst für eine zugkräftige Parole ausgeben? Für dienationale" Phrase ist augenblicklich die Zeit nicht günstig, da es an jedem Anlaß fehlt, gerade dennationalen Gedanken" besonders zu betonen. In wirtschaftlichen, sozialen usw. Fragen ist der gemäßigte Liberalismus" so gespalten, oder so unbestimmt, daß er allen Grund hat, den Wählern die Sachlage möglichst zu verheim­lichen. Unter derultramontanen" Fahne allein lasten sich seine Getreuen noch einigermaßen sammeln, wiewohl auch derUltramontanismus" in der Partei sehr starke Nuanzen aufweist. Die Sattler und Friedberg unterscheidenzsich sehr deut­lich von Bassermann.

Mit der ParoleGegen den Ultramontanis­mus" allein ist jedoch noch nicht viel erreicht, wenn man nicht auch andere Parteien dafür gewinnt. Und fo geht denn das Bemühen vor allem dahin, einen dicken Keil zwischen das Zen­trum und die Konservativen zu treiben, die sich in den letzten Jahren auf wirtschaftlichem und kirchenpolitischem Gebiete mehr genähert haben, als demgemäßigten Liberalismus" lieb ist. B e- reitwillig leistet hier der evangelische Bund Hilfe. Seine ,Deutsch-evangel. Korresp/ bringt einen wütenden Artikel gegen die Konser­vativen in Schlesien, namentlich gegen den Grafen Limburg-Stirum. Seit Jahren haben in Schlesien in einer Reihe von Wahlkreisen Konservative und Zentrum gegen Liberalismus und Sozialis­mus gemeinsame Sache gemacht. Den größeren politischen Vorteil haben davon ohne Zweifel die Konservativen gehabt. Es begreift sich daher schon aus diesem Grunde, daß dieantiultramon­tane" Verhetzung bei ihnen wenig Anklang findet. Ob der evangelische Bund nunmehr besseren Er­folg haben wird? Wenn seine Korrespondenz ver­sichert, in der konservativen Wählerschaft habe dasWahlkartell" der Konservativen mit den Ultramontanen" einegewaltige Erbitterung" hernorgerufen, man spreche in Kreisen des kleineren Mannes ganz offen von Verrat an der evangelischen Sache, so redet sie offenbar nicht von den Dingen, wie sie sind, sondern wie der evangelische Bund wünschte, daß sie wären. Wir kennen ja seine Kunst, mit großem Lärm die Oeffentlichkeit zu täuschen und die Gesinnung eines Häufleins von Fanatikern dem ganzen evangelischen Volke unterzuschieben. Warum eigentlich das Zusammengehen der Konservativen mit dem Zentrum etwas so verdammenswertes sein soll, weiß die Korrespondenz nicht anzugeben. Die Wirkungen, die die Wähler auf wirtschaft­lichem usw. Gebiete greifbar vor Augen fehen, find kaum im Stande, ihnen das Zusammengehen

Keirnatgllrck.

Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.

12 -- (Nachdruck »erboten.)

Stephan befand sich in bester Pflege; das verletzte Auge wurde zwar erhalten, aberdie Sehkraft desselben war sehr geschwächt und eine Entstellung des Gesichts würde für immer zurückbleiben So hatten die Aerzte dem Vater berichtet, der darauf eine Anklage wegen Körperverletzung gegen Winter erhoben hatte.

Heinrich Winter wurde gestattet, seine Studien fortzusetzen. Eugen Wollf, sein Freund, der sich an jenem Abend bald auf seine Seite gestellt, hatte ihn mit Erfolg bei den Profefforen verteidigt und durch die wahrheitsgetreue Schilderung der armseligen Ver- hältniffe Heinrich's noch mehr deren Interesse für den strebsamen, jungen Mediziner erweckt. Dem jungen Wollf wurde dies leicht, da er in den hohen Gelehrten- kreisen, durch seinen Onkel, Geheimrat Fischer, den Leiter der Universitätskliniken, heimisch war.

Du kannst mir bei Gelegenheit den jungen Mann mal mit in die Familie bringen Wir haben schließlich tollere Jugendstreiche ausgeführt als er, die Folgen waren zufälliger Weise weniger bedenklich. Es liegt mir daran, seinen Charakter kennen zu lernen!"

Ich danke Dir, Onkelchen; das soll mir eine Freude fein, aber so schnell wird mir das wohl nicht gelingen. Der arme Bursche ist jetzt noch zu sehr in Angst wegen des Ausganges des Prozesses!" erwiderte der warmherzige Neffe fi-urig.

Ja, er war in tausend Acngsten, obwohl feine Freunde ihm bestimmt versicherten, daß es nicht schlimm für ihn werden könnte. Der schlichte und einfache Rxchtsfinn der Gebirgskindes sagte ihm doch klar und deutlich: Du bist schuldig und Du hast mit dieser Tat Dein ganzes Lebensglück vernichtet. Und in nebelhafter Ferne tauchte bei diesem Gedanken vor ihm das Bild der Jugendgeliebten auf. Röschens liebliche

zu verleiden. Weiß die.Deutsch evangel. Korresp/ noch andere anzugeben? Ach nein, sie jammert blos über dieunglaubliche Unkenntnis des Ultra­montanismus", die sich auf konferoativer Seite zeigen soll. Das ist ja eine der immer wieder­kehrenden Lieblingswendungen eines bekannten Führers" im evangelischen Bund, für den das ^Evangelium" noch den Reiz der Neuheit hat.

Daß man sich als Hauptgegenstand des An­griffs den Grafen Limburg-Stirum aus­gesucht hat, beruht offenbar in dem Umstande, daß in seinem Wahlkreise besonders viele Katholiken wohnen. Man kann ihn da hübsch verdächtigen, daß er nur aus Rücksicht auf diese Wähler zentrumsfreundlich sei. Sonst kann er seiner ganzen politischen Vergangenheit nach nicht wohl in den Verdacht geraten, allzu viel Neigung für denUltramontanismus" zu hegen. Da die Konservativen gern die ParoleKampf gegen die Sozialdemokratie" ausgäben, ist es für sie ge­wiß besonders erschreckend, von der ,Deutsch- evangelifchen Korr/ zu erfahren, daß in Schlesien zahllose Stimmen" aus den Kreisen des kon­servativen kleinen Mannesmit dem Ueber­gänz zur Sozialdemokratie drohen". Aber noch mehr ist es bezeichnend für den evangelifchen Bund. Ehe er die gläubigen Protestanten mit den gläubigen Katholiken Hand in Hand gehen sieht, möchte er sie zur Sozial­demokratie übergehen lassen. jDas ist ja nur die Wiederholung der oft gehörten Behauptung: Gefährlicher noch als die Sozialdemokratie ist der Ultramontanismus.

In der Presse desgemäßigten Liberalismus" sucht man in ähnlicher Weise die Konservativen gegen das Zenttum aufzubringen, nur wird dort außer denJesuiten", den hierarchischen Bestre­bungen" des Zentrums usw. dessen Hinnei­gung zur Sozialdemokratie ausgespielt. Man erklärt die jetzigen Konservativen für gänz­lich entartet, weil sie mit dem Zentrum gehen, und preist die konservativen vergangenen Zeiten. Als wenn man nicht früher gegen dieJunker" genau fo gewettert hätte wie heute! Wollten die heutigen Konservativen mit demgemüßigten Liberalismus" gehen, so würde man sie sofort für die wackersten Leute der Welt erklären. Man höhnt über daswunderliche und ungleiche Brüderpaar: Junkertum und Ultramontanismus", aber nur deshalb, weil das noch weit wunder­lichere Brüderpaar: Junkertum undgemäßigter Liberalismus" sich nicht zufammenfinden will.

Pas politische Glaubensbekenntnis öes konservativen Kandidaten für den Wahlkreis Marburg-Uirchhain-Zrankenberg.

Für die bevorstehende Reichstagswahl haben die Konservativen und der Bund der Landwirte im Wahlbezirk Marburg-Kirchhain- Frankenberg einen gemeinsamen Kandidaten auf­gestellt in der Person des Herrn v. Pappen- heim-Liebenau. Derselbe hat nun bereits in einigen Versammlungen den Wählern sein Pro­gramm oder sagen wir: seinen politischen Gestalt, das blasse, fragende Gesichtchen, der erschrockene, gekränkte Blick der dunklen Sterne.

Mit übermenschlichem Eifer warf sich Heinrich auf fein Studium; in diesen Wochen des zu Ende gehenden Wmters legte er den festesten Grund seines späteren Wissens und Könnens.

Immer höher stieg die Sonne und gewann an belebender Kraft. Sie taute nach und nach die harte Schneedecke von den Dächern des kleinen Städtchens, aber sie war nicht im Stande, die starre Feindschaft von den Herzen der tonangebenden Bewohner zu er­weichen.

Es war ein Grollen und Zürnen hinüber und herüber. Reichert betrat den goldenen Friedensstern nicht mehr; dafür ging er in ändere Gasthäuser unb fand auch dort welche, die ihm für generös gespendetes Freibier ihre Meinung verkauften. Der Bürgermeister war verbittert und kummervoll; fein einziges Töchter­chen härmte sich ab um einen Unwürdigen, wegen dessen er am liebsten fein Amt hatte niederlegen mögen.

Auch er ging nicht mehr in den Siern, ebenso wie der reiche Kaufmann, der sich glaubte blamiert zu haben.

So saß der alte Doktor Reismüller trübselig allein am Stammtisch und er war nur froh, wenn er ein­mal benGiftmischer", den Apotheker erwischen konnte.

So lange ich hier bin unb das find an die vierzig Jährchen hat der Zankteufel hier nicht so gewütet wie jetzt alleweil. Selbst die Weiber tommen nicht mehr zusammen unb lassen sogar bie Kaffeetöpfe vertrauern unb versauern. Nur bie Müllerin tut biet, als hätte sie bas große Los gewonnen mit ihrem Stephan, ben sie in der ganzen Runde als Opferlamm ausspielt! Das kann jedem Christen passieren, daß ihm die Hand locker wird bei Hohn und Spot'. Aber deshalb bie Heidenwirtschaft hier, das ist eine Schande für bie ganze Gemeinbe!" schimpfte er.

Ziemlich einsam war es auch fast immer um Leu­chen. Sie nahm keine Arbeit mehr an unb hatte auch feine Zett zum Plaudern, denn am Ende Nwllte doch jedes nur auf das Eine hinaus.

Standpunkt dargelegt, so z. B. am Sonntag, wie schon gestern in der ,Fuld. Ztg/ berichtet, in Kirchhain. Nach den Berichten, die uns u. a. auch in der,Hess. Landesztg/ über die Aeuße- rungen des Herrn v. Pappenheim vorliegen, hat derselbe sich dahin ausgesprochen, daß er eintreten will:

1. für Ausnahmegesetze. Er will nicht nur das Jesuitengesetz aufrecht erhalten wissen, sondern er hat sogar mit aller Bestimmt­heit erklärt, daß er gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes sei. Nun ist aber doch die Aufhebung dieses § 2 gerade von den Kon­servativen beantragt worden. (Der Antrag trägt den Namen des konservativen Abg. von Limburg-Stirum.) Selbst die national­liberalen und freifinnigen Kulturkämpfer haben diesem Anträge zugestimmt, während das Zen­trum die Aufhebung des ganzen Jesuiten­gesetzes gefordert hat und so lange fordern wird, bis der letzte Rest dieses traurigen Ausnahme­gesetzes verschwunden ist. Was also die konser­vative Fraktion des Reichstages ein­mütig gefordert hat, davon will der konservative Kandidat für Marburg-Kirchhain-Frankenberg nichts wissen. Er will, daß § 2 des Jesuiten­gesetzes weiter bestehen bleibe, und zwar will er daszur Wahrung des religiösen Frie­dens" (!!), obschon der Reichskanzler erklärt hat,daß § 2 gerade im Interesse des religiösen Friedens dieser § aufgehoben werden soll, wie denn auch der ehemalige Führer der Nationalliberalen, Herr v. Bennigsen, der gewiß nicht im Verdacht steht, ein Freund derUltramontanen" zu sein, erklärt hat, daß dieser § 2 ein gehässiges Aus­nahmegesetz bilde, welches für weite Kreise ver­letzend wirken müsse. Wie denkt sich Herr von Pappenheim sich den religiösen Frieden, den er wahren will?

2) Herr v. Pappenheim hat sich ferner gegen die Witwen- und Waisenversorgung ausgesprochen. Bekanntlich soll auf Anregung der Zentrumspartei der Mehrertrag aus den Ge­treidezöllen Verwendung 'finden für eine staatliche Witwen- und Waisenversicherung des Arbeiter­standes. Der konservative Kandidat für Marburg- Kirchhain - Frankenberg kann, wenn die ,Heff. Landesztg/ seine Aeußerung richtig wiedergegeben hat, sich mit diesem Gedanken nicht befreunden: er will also, daß die Versorgung der Wit­wen und Waisen in Stadt und Land auch fernerhin als Armenlast den Gemeinden überlassen bleibe. Dagegen ist Herr v. Pappenheim

3) für neue Steuern gleichviel ob Bier- oder Tabaksteuer. Ob die Wähler des Bezirkes Marburg-Kirchhain-Frankenberg für neue Steuern im allgemeinen und für Bier- und Tabak­steuer insbesondere sich begeistern können, scheint uns, soweit wir die Stimmung kennen, doch recht zweifelhaft. Unser Geschmack ist es nicht, und erst recht können wir uns nicht damit befreunden, schon im voraus den noch unbekannten neuen Steuerprojekten zuzustimmen, zumal man auch nicht weiß, wozu deren Erträge Verwendung finden sollen. Zn der notwendigen Aufbesserung des Gehaltes der Unterbeamten will Herr v. Pappen-

Sie hatte noch übernommen, für Käthe die Aus­steuer fertig zu schaffen, denn nächste Pfingsten blühte für diese der Myrtenkranz. In ihrem vielfachen Kummer war es ein Trost^für das einsame Mädchen, daß wenigstens die Frau Sekretär ihr treu geblieben war. Käthe kam oft einmal herüber, um ihr ein Brief­lein vorzulesen oder sich an den Bergen schneeiger, heimatlicher Leinen, die für sie zerschnitten und zu zierlicher Wäsche verarbeitet wurden, Herz und Auge zu laben.

Das braunlockige, neckige Mädchen war nun schon recht innig und sinnig geworden.

Wird er noch zur Blüte kommen bis Pfingsten?" fragte Käthe und steckte ihr Näschen in den herb- duftenden Myrten am Fenster.

Bis zu Pfingsten?" Du mußt ihn recht gut pflegen, denn ich ich bin ja dann schon fort!" Darauf sagte das Bräntchen kein Wort mehr. Auch sie muß ja fort. Wie ändert sich doch alles in der Wett!

Die Schneemauern senken sich und werden schwarz und brüchig. Längst schon klappert die Skadtmühle; man hat die Räder vom Eise befreit und unter dem Schnee auf den Bergen und Wiesen rieselt es in tausend stillen, versteckten Bächlein.

Jeder Tag bringt neue Frühlings ahnung und schneller rasseln die Weberschiffchen in den kleinen Hütten. Es wird Frühling, Sommer ja der muß kommen und wird kommen. So Tag um Tag.

Das kleine Leuchen steht ratlos mitten in einem Wall von alten Körben, Kasten und Kisten. Sie muß packen, packen zum Umzüge? Es ist ja schon weit über ben Ersten im Quartal, am vierzehnten will Heinrich kommen unb fie abholen.

Was soll fie mitnehmen, was hier lassen. Ach Gott, bie ganze Wirtschaft ist alt, abgebraucht, zer­fallen, wertloser Kram unb doch jedes Stück ist ihr an's Herz gewachsen durch Erinnerung und Gebrauch.

Draußen ist unwirtliches Wetter. FrüUmgsstürme brausen nm das Haus unb klatschender Regen schlägt

heim den Ertrag der neuen Steuern nicht ver­wendet wissen, denn er hat sich, wie die ,Heff. Landesztg/ berichtet,

4) gegen die Verbesserung der Lage der Unter- und Subaltern-Beamten aus­gesprochen. DieBegehrlichkeit" der Unterbeam­ten geht eben nach der Ansicht gewisser Leute über alles Maß hinaus. Ueber den Vorschlag, das Gehalt der Oberstleutnants um 1800 A zu erhöhen, scheint der konservative Herr v. Pappen­heim sich noch nicht geäußert zu haben wir finden wenigstens nichts darüber verzeichnet; er wird also wohl mit seinen konservativen Freun­den dafür stimmen, daß das Gehalt der Oberst­leutnants um einen Betrag erhöht wird, der für sich allein von vielen Unterbeamten als ein schönes Gehalt angesehen würde.

Auf die weiteren Wahlreden des Herrn von Pappenheim darf man gespannt fein;- was er bis jetzt'gesagt hat dieRichtigkeit der Zeitungs­berichte vorausgesetzt genügt übrigens schon vollständig, nm zu sagen:Wenn solche An­schauungen die Mehrheit im deutsche« Reichstage bildeten, dann wäre es um das deutsche Volk recht traurig bestellt!"

Berlin, den 20. April 1903.

'** Reichstag und Abgeordnetenhaus treten morgen wieder zusammen, um den Rest der unerledigten Vorlagen möglichst aufzuarbeiten. Die Dauer der Verhandlungen wird auf höchstens 2 Wochen angenommen. Die Sitzung des Ab­geordnetenhauses beginnt um 12 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen: Wahlprüfungen, Nach­tragsetat, Anträge betreffend Bildung kleiner Rentengüter und betreffend Errichtung von Ge­nesungsheimen, Petitionen. Die um 2 Uhr be­ginnende Reichstagssitzung hat folgende Tages­ordnung : Novelle zum Reichsbeamtengefetz, Vor­lage betreffend Aendernng des Wahlreglements, Phosphorgesetz.

** Das amerikanische Geschwader kommt nun vielleicht doch noch nach Kiel. Das Marineamt in Washington soll den Admiral Cotton angewiesen haben, mit dem europäische« Geschwader der Kieler Regatta beizuwohnen, falls dies dienstlich möglich fei. Definitiv bestimmt soll danach dieser Besuch vorläufig noch nicht sein. Einer anderen Washingtoner Meldung zufolge war Präsident Roosevelt über den Be­schluß des Flottendepartements, das Geschwader trotz Ablehnung der deutschen Einladung nach Marseille zu schicken, aufgebracht. Ec verlangte telephonisch Aufklärung von Moody und ordnete, ohne ihn zu befragen an, daß das Geschwader nach Kiel gehen solle. Dann rief er' Baron Sternberg telephonisch auf und versicherte ihm, daß der Besuch in Marseille kein Affront für Deutschland fein solle. Wenn diese Meldung sich bestätigen sollte, so würde sie eine gründliche

an bie Fenster. Auch im Stübchen fallen Tropfe«, heiße, schwere Trennungszähren. Was fie doch alles balaffen muß. Wem soll sie bie Schätze hinterlassen? Da kribbelt es an ber Tür; Leuchen hat fest zuge- fchlossen, um nicht gestört zu werben.

Wer ist da?" fragte fie.

Mach' boch auf, Lenerl, ich bin's!"

Hannerl Du?" Das klingt saft freudig. Die kommt ihr gerabe gelegen. Schnell öffnet Lenchen.

Es regnet als wenn es nimmer wollt aufhöre«; wenn nur nicht groß Messer würbe!" so erzählt Hannerl.Packst schon ein, Lenerl?" unb staunend fehen bie alten Augen bie Verwirrung.

Ja, 's muß sein! Kannst Du was gebrauche« von bem Uebtigen hier? . Dann schenk' ich Diris, Hannerl, wirst's in Ehren halten?" Und Lenchcn schiebt ihr einen ganzen Korb alter Kleider, Lappen, zerbrochenes Geschirr, rahmenlose Bilder vor die Nase. Hannerl ist starr.

Mir willst bas schenken, Lenerl?" Sie muß sich nach einem Schemel umsehen, um sich setzen zu können.

Du lieb's, gut's Lenerl, taufenb Gott bezahl's!" stammelt sie unb mit freubezitternben Händen ergreift fie Besitz von bem Vermächtnis.

Immer wüster wirb draußen ber Sturm und un­heimlich, wüst ist es auch innen im Stübchen.

Lenchen schauert zusammen.

Der wäscht den Schnee gehörig von ben Berge«: wenn erst ber Sturm vorbei ist, wird's schön werden!" sagte sie.

Äciß ber Herrgott, wie's kummen wird; in der Mühle räumm's schon alles uf a Boden!"

Hast Du hast Du den St-phan gesehen?"

Ach, schon viele mal, er is ganz vergnügt!"

Mein Gott, ist's wahr?" Wie sieht er denn aus? ruft Lenchen effreut.

»Ganz hübsch! Um'r Aug hat er 'ne schwarze Binde!"

Lenchen bückt sich tief über einen Koro. Sie weiß