fUlda, Montag, den 20. April 1903
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Föderation
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30. Jahrgang.
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lande untergebracht werden und daß die kleinen und großen Kapitalisten, wie man das in Frankreich und England längst gewohnt ist, ihr Geld in soliden eigenen Staatspapieren anlegen. Es wäre nur zu wünschen, daß es in noch weit höherem Maße geschähe, daß insbesondere die mittleren und kleineren Kapitalisten mehr Reichsund Staatsanleihe kauften und ruhig in den Schrank legten oder noch besser ins Staatsschuldbuch einschreiben ließen.
Die Berliner Großbanken sollen von der starken Ueberzeichnung ganz überrascht gewesen sein und nur eine 15- bis 20sache erwartet haben. Bei früheren Anleihen, namentlich in der ersten Zeit der dreiprozentigen, wurde berichtet, sie hätten zum Scheine am Schluß noch für sich große Zahlen auf die Zeichnungsliste geschrieben, damit das Ergebnis nicht gar so bescheiden aussehe, sondern mit einer anständigen Ueberzeichnung vor der Oeffentlichkeit renommiert werden könne. Das haben sie diesmal nicht notwendig gehabt. Diesmal wird die Sorge der ernsten Zeichner größer sein, ob sie auch wohl so viel zugewiesen erhalten, wie sie wünschten.
Die Zeichnungsstellen sollen nach dem am Samstag gefaßten Beschlüsse durchgängig nur zwei Prozent der bei ihnen gezeichneten Summe zur Verfügung gestellt und ihnen die Unterverteilung überlassen bleiben. Es sollen aber die reellen kleinen Zeichnungen, sowie solche, die zweifellos zu festen Kapitalanlagen, insbesondere zur Eintragung in das Reichsschuldbuch bestimmt sind, besonders berücksichtigt werden. Das gehört sich auch, denn zum Zwecke der Spekulation werden die Anleihen nicht vergeben.
Bekanntlich ist die neue Anleihe gleich der vorjährigen zum Kurse von 92 aufgelegt worden. Das Reich macht jetzt ein erheblich befseres Geschäft als in der ersten Zeit der dreiprozentigen Anleihen. Die erste vom Jahre 1890 erfolgte allerdings noch zum Kurse von 87, die folgende aber nur mehr zu 84,40 und im Jahre 1892 mußte das Reichsschatzamt gar 100 Mk. schreiben, während es nur 83,60 Mk. erhielt. Die Kurse der dreiprozentigen Reichsanleihe find nur in fünf Jahren über 92 hinausgelangt; 100 haben sie nie erreicht; das Höchste war 99,60 Ende des Jahres 1895. Wenn die Reichsanleihe im Vergleich zu den Staatsanleihen Frankreichs und Englands niedrig stehen, so liegt das vorzugsweise daran, daß das kleine und mittlere Privatkapital diese Anleihe nicht so sucht, wie in den genannten Ländern, nicht aber daran, daß sie nicht die gleiche Sicherheit böten. Allerdings eine hübsche Schuldenlast hat das Reich ja in dem einen Menschenalter, seitdem es besteht, schon zusammengebracht. Im Jahre 1875 war es noch schuldenfrei; beim ■ Tode Kaiser Wilhelms I. hatte es 721 Millionen ' Schulden, jetzt sind es schon reichlich 3 Milliarden. 1 Aber dadurch braucht sich der kleine Kapitalist 1 nicht schrecken zu lassen. Bankerott ist es noch - lange nicht und die Zinszahlung wird es nicht ’ einstellen. ;
kehrte in die Stadtmühle der Herr Pfarrer ein und suchte seines liebevollen Amtes zu wirken.
Das wurde ihm bitter schwer, denn schon bei der ersten Erwähnung Heinrichs tobte der Müller auf, ohne noch recht den ganzen Inhalt der Mitteilung erfaßt zu haben.
„Hat man denn keine Ruhe vor diesem Menschen? Weder im Wirtshaus, noch im Amtshaus, noch in den eigenen vier Pfählen? Ich will nichts hören, von keinem der Lotterbuben, von meinem eigenen auch nichts!" wehrte er respektwidrig.
Um so begieriger war seine Fra», etwas zu erfahren, was Heinrich zur Unehre gereichte. Und so groß war der Haß und die Abneigung gegen Winter, daß beinah' die Muttersorge daran erstickte und der Triumph, jenen nun endlich zu Fall bringen zu können, darüber die Oberhand behielt.
„Und solch' einen Totschläger will man auf Stadtkosten großziehen?" wütete der Müller, als er die ganze Sachlage begriffen.
„Das will ich den edlen Herrn sofort auftragen, da sie noch beisammen find!" und ohne Hut, ohne Gruß und Besinnung stürzte er fort. Mit herzlichem Be. dauern wandte sich der geistliche Herr an Frau Reichert.
„Es ist sündhaft, ein immerhin von Gott zugelaffenes Schicksal bcrart aufzunehmen und zum Aerger und Schaden anderer auszubeuten. Das ist ja derselbe Zorn, der Eurem Sohne zum Schaden geworden! Hier bleibt mir nichts zu tun übrig!" Er wandte sich znm Gehen. Nun erst weinte Frau Reichert, halb aus Sorge, halb aus Scham.
Im Ratszimmer aber gab es eine Szene, wie die alten Mauern eine solche noch nicht gesehen. Es fehlte nicht viel, so hätte man den tobenden Müller verhaftet. Die Besonnenen entfernten sich und versprachen nochmals Rat zu pflegen, sobald sich die Anschuldigungen als wahr erwiesen.
Dennoch trugen die Anwesenden die aufregende Nachricht in alle Ecken der Heinen Stadt. Dem friedliebenden Bürgermeister wurde zum erstenmale sein
die Vorgänge in einer Reche von Wahlkreisen ausspricht und die Kartellparteien im schönsten Hader zeigt. Besonders groß scheint der Wirrwarr in Freiburg zu sein. Dort ist dem bisherigen Abg. Dr. Oertel, dem Chefredakteur der landbündlerischen .Deutschen Tagesztg/ von liberaler Seite bekanntlich der Geh. Oberregierungsrat Lusensky, der jüngst auch bei der Nachwahl in Danzig als nationalliberaler Kandidat auserfehen war, entgegengestellt werden. Die .Sächsische Nat. Lib. Corr/ erklärt, die sächsische nationalliberale Parteileitung stehe dieser Kandidatur völlig fern. Die Mitglieder des nationalliberalen Landesvereins würden die von ihrem Vorstande eingegangenen Verpflichtungen gewissenhaft zu erfüllen suchen. Tatsächlich wird aber die Kandidatur Lusensky von nationalliberaler Seite unterstützt; das Komitee, das ihn aufgestellt hat, besteht sogar in seiner Mehrheit aus Nationalliberalen. In der erwähnten Zuschrift der ,Nat. Ztg/ sowie in einer Mitteilung desselben Blattes aus Freiberg wird bestritten, daß dieser Wahlkreis überhaupt in das Kartell hineingezogen worden sei. Eine Reihe von Ausschußmitgliedern des nationalliberalen Landesvereins hätte vielmehr dem Kartell nur unter der Bedingung zugestimmt, daß Döbeln (wo der Antisemit Zimmermann Kartellkandidat ist) und Freiberg vom Kartell ausgeschlossen sei. Die Erklärung der ,Sächs. Nat. Korr/ werde voraussichtlich in allernächster Zeit durch Austritt sämtlicherNationalliberalen im Wahlkreise Freiberg aus dem Landesverein beantwortet werden.
item /-M Rott W >1. gr v.
% Im Königreich Sachsen scheint es trotz des Wahlkartells der „Ordnungsparteien" stellenweise recht bunt herzugehen. Unter der Überschrift „Der politische Bankerott in Sachsen" erhält die .Nat. Ztg/ von einem sächsischen Nationalliberalen, der zwar selbst seiner Zeit für den Abschluß des Kartells eingetreten ist, weil er „eine derartige Verfügung jedes politischen Gefühls, eine solche Hervorsuchung von Nullen als Kandidaten nicht für möglich gehalten hätte", eine Zuschrift die sich sehr unwillig über
Berlin, den 18. April 1903.
** Jüngst sollte bekanntlich das nordatlan- tisrhe Geschwader der Vereinigten Staaten die europäischen Gewässer besuchen. Der Deutsche Kaiser lud es ein, Kiel zu besuchen. Nun kam aber aus Washington Gegenbefehl; man könne nicht nach Kiel kommen, weil das Geschwader überhaupt nicht in Europa anlanden solle. Jetzt wird gemeldet, daß das Mittelmeer-Geschwader der Vereinigten Staaten den Befehl erhalten habe, nach Marseille zu gehen und dort an dem Empfang zu Ehren des aus Algier heimkehrenden Präsidenten der französischen Republik teilzunehmen. Es liegt nahe, aus diesen beiden Geschehnissen Betrachtungen über die Verschiedenheit des Verhaltens Amerikas gegenüber Deutschland und Frankreich zu knüpfen. Die Bülow-offiziöse .Nat.-Ztg., sucht dem jedoch zu begegnen. Sie erklärt, es handle sich bei der jetzigen Behandlung derEntsendung des„europäischenGeschwaders" nicht um dasjenige, das eine Uebungsfahrt unternehmen solle und vom Kaiser nach Kiel eingeladen worden sei. Durchaus unrichtig sei auch die immer noch in der deutschen Presse auftauchende Mitteilung, wonach diese Einladung vom Präsidenten Roosevelt abgelehnt worden sei. Präsident Roosevelt habe vielmehr die Einladung mit großer Genugtuung angenommen. Später erst habe das Marine-Departement geltend gemacht, daß das zu entsendende Geschwader ediglich eine Uebungsfahrt machen sollte, die es hlos bis zu den Azoren führen würde. Dieses Geschwader werde sich bann auch nicht nach Marseille, überhaupt nach keinem europäischen Hafen begeben, da es keinerlei dekorative Zwecke verfolge. Das mit der Begrüßung des Präsidenten Loubet beauftragte europäische Geschwader werde den amerikanischen Admiral Cotton an Bord nehmen. In Deutschland werde es an maßgebender Stelle durchaus für der internationalen Höflichkeit entsprechend erachtet, daß, wie die Geschwader fremder Mächte den Präsidenten Loubet auf der Rhede von Algier begrüßt haben, auch amerikanische Schiffe, die dem- europäischen Geschwader angehören, sich demnächst in Marseille einfänden. So ganz zu klappen scheint uns die Geschichte doch nicht.
KeimcügMck.
Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.
11 ——— (Nachtruck »erbeten.)
Aber sie klagte und weinte nicht und machte ihm auch keinen Vorwurf. Wozu auch? Es war geschehen, und sie sah es, wie schwer er selbst daran zu tragen hatte. Nur als ein unendliches Unglück mußte sie es ansehen. Das war das zweite — ja ein Unglück kommt teilen allein! Heinrich sah auf die kleine, reglose Gestalt, was hatte er diesen schwachen Schultern nicht schon alles aufgebürdet.
„Es ist nicht möglich, daß Du hier bleibst und den ganzen Sturm über Dich ergehen läßt. In den Augen der Gemeinde bin ich ein Geächteter, das weiß ich. Darum komme mit mir, Lenchen, ick kann mich ja doch hier nicht mehr heimisch fühlen und werde wohl auch kaum mehr noch einmal wiederkommen." — Heinrich sagte es leise und zaghaft, er wußte, was er ihr damit bot.
* - Und nun schrie sie auf! Fort — fort von der Heimat? Das krampfte ihr das Herz zusammen, das war der letzte Tropfen im vollen Schmerzensbecher.
Jetzt übersah sie erst die ganzen Folgen der unseligen Tat. Der Verzicht auf die Heimat, das Zusammenbrechen all' der stillen Hoffnungen, die mit Röschen in Verbindung standen. Oj das war zu schwer — das war zu viel!
Heiße Tränen quollen durch die weißen Finger, die sie in unsäglichem Jammer vor die Augen gepreßt.
Unvergeßlich hätte diese Stunde für Heinrich sein müssen, diese Stunde, die ihm mehr als je dieheilige Verpflichtung auferlegte, dies opstrvolle Leben um seinetwillen, einst würdig zu danken und zu lohnen.
kSchwer und langsam tickte die Wanduhr, und bei jedem Ticken dachte das arme Menschenkind: „Wäre ich tvt — ach, wäre ich tot!"
„Ich habe immer gedacht, ich wäre Dir Alles, Lenchen, und jetzt bin ich es Dir doch auch' Fällt es Dir denn so schwer, bei mir zu sein? Mit Deiner Arbeit verdienst Du das dreifache in der großen Stadt; wir können zusammen wohnen und sehen uns alle Tage; können alle Sorgen einander anvertrauen. Hätte ich jemand um mich gehabt, dem ich alles an- verttauen konnte, die ewigen Quälereien Stephan's, da'» wär's vielleicht nicht so weit gekommen. Das Maß war eben voll, und die Stunde zu schlecht gewählt.^ Ich bin überzeugt, daß mich meine Freunde nicht stecken lassen und mir dadurch in meiner Laufbahn fein Hinderniß' erwachsen wird. Noch zwei kurze Jahre — dann bin ich am Ziel und dann muß ich auch jemand haben, der^bei mir bleibt, mich in meinem Berufe pflegt und unterstützt. Das kannst doch auch nur Du iein und dann, Lenchen, kommt die Zeit, wo ich Dir Deine Liebe danken kann."
» Sie reichte ihm die eine Hand, während sie mit der anderen die Tränen trocknete.
„Ich weiß, Du hast die wenigste Schuld dabei, und deshalb komme ich mit!" sagte Re mühsam unter schluchzen. „Bis Ostern bleibe ich hier, um alles in Ordnung zu bringen, bann kommst Du, mich zu holen. Gebe nur Gott einen guten Verlauf."
, 7.
Am anberen Morgen ging Heinrich in aller Frühe wieber seines Weges. Er hatte fast mit niemand ein Wort gesprochen; nun trieb ihn bie Schuld in die Kälte eilends wieder fort.
Nach Ankunft der ersten Post kam ein Bote vom Pfarrhof zu Lenchen.
„Der Studiosus Heinrich möchte mal einen Augenblick zum Herrn Pfarrer kommen!" hieß bie Weisung.
Lenchen erschrak; nun kam es schon, bas Gericht.
„Er ist schon wieber fort!" konnte sie nur antworten.
„Schon wieder fort? Also fühlt er sich schuldig; er hätte sich mir wohl anvertrauen können!" dachte
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** Zum Zollkouflikt mit Kanada erfährt der ,Reichsbote' aus bester Quelle, daß unsere maßgebenden Kreise durchaus der Meinung sind, daß Kanada, im Bestreben, England vor Deutschland einen Vorzug zu gewähren, den Streit begonnen hat. Deutschland hat nun auf die kanadischen Erzeugnisse den autonomen Tarif zur Anwendung gebracht, nicht, weil Deutschland einen Zollkrieg mit Kanada will, sondern lediglich deshalb, weil rechtlich der autonome Tarif Platz greifen muß, wo, wie jetzt Kanada gegen« iber, keine Verträge mehr bestehen. Sollte lanaba die Berechtigung der deutschen Hand- ungsweise nicht anerkennen und weitere Er- chwerungen des deutschen Imports versuchen, dann werden ohne Zweifel die deutschen Regierungen die entsprechende Antwort geben.
** Wie der anarchistische Agitator Weber Paul Frauböse, früher in Görlitz, jetzt in Berlin wohnhaft, den „Genoffen" mitteilt, soll wiederum zu Pfingsten ein Kongreß der deutschen ___
Arbeiter (Anarchisten) ftattfinden.s Diese Föderation hatte sich auch ein eigenes Organ geschaffen: ,Der Föderiertes sah sich aber gezwungen, es nach der fechsten Nummer eingehen zu lassen; die anarchistische literarische lieber« Produktion war eben zu groß; denn es erscheinen nochin Berlin zwei anarchistische Blätter: ,Neues Leben' und ,Der Anarchist'. Der bekannte internationale anarchistische Agitator S. Nacht, der namentlich in Oesterreich für die Bewegung tätig gewesen ist, soll in Gibraltar ergriffen sein
** Vie neue Reichsanleihe
ist 4 7 m a l gezeichnet worden. Statt der verlangten 290 Millionen Mark wurden 13 755400000 Mark angeboten. Das ist zwar anscheinend ein nicht ganz so großer Erfolg, wie der im vorigen Jahre, wo die 115 Millionen- Anleihe des Reiches 61 mal gezeichnet wurde, tatsächlich kann aber die Genugtuung über das Ergebnis der neuesten Zeichnung, nur größer sein, als die über das Ergebnis vom Jahre 1902. Denn wie von verschiedenen Seiten hervorgehoben wird, ist diesmal die Zahl der ernsten Zeichner und die Höhe des von ihnen gezeichneten Bettages besonders groß.
Die „Konzertzeichner", die hohe Summen nur zeichnen in der Voraussicht, daß sie doch nur einen weit geringeren Betrag zugeteilt erhalten, und die nur darauf ausgehen, aus dem Steigen der Kurse einen Gewinn zu ziehen, haben selbstverständlich auch jetzt nicht gefehlt, aber sie sind gegenüber den Zeichnern, die die Reichsanleihe wirklich als Kapitalsanlage benutzen wollen, nicht so stark, roie, früher vertreten. Allein bei der Reichsbank sind nach der ,Voff. Ztg/ nicht weniger als 40 Millionen gezeichnet worden mit der Verpflichtung, daß die Stücke sofort in das Staatsfchuldenbuch eingetragen werden. Auch bei den Privatbanken und Bankiers fallen die meisten Zeichnungen von Anlage suchenden Kapitalisten herrühren.
Wenn bei dein Vergleich mit dem Ergebnis der vorjährigen Anleihe auch darauf hingewiesen wird, daß die wirtschaftliche Lage sich inzwifchen etwas gebessert habe, das Kapital sich also wieder mehr den industriellen Unternehmungen ufw. zuzuwenden beginnt und in der Zprozentigen Anleihe keinen hinreichenden Anlaß zur Spekulation gefunden habe, fo könnte dies allerdings mit der Tatsache, daß sich das Kapitalanlagebedürfnis gerade bei dieser Reichsanleihe in ungewohntem Maße geltend gemacht hat, in Widerspruch zu stehen scheinen. Es braucht aber kein Widerspruch zu sein, da ja die Kapitalanlage suchenden Zeichner dem breiten Publikum angehören werden, während die Großbanken sich an der Zeichnung weniger als früher beteiligt haben, da sie sich jetzt mehr den Industrie-Aktien usw. zuwenden.
Sodann wird hervorgehoben, daß mit Ausnahme von Frankreich sich diesmal das Ausland fast gar nicht beteiligt, insbesondere England und Nordamerika ganz gefehlt habe. Im Jahre 1900 hatte das Reich bekanntlich noch eine 4prozentige Anleihe von 80 Millionen in Amerika ausgenommen. Allerdings geschah dies nicht, weil es bei uns überhaupt fein Geld gab, sondern weil der industrielle Aufschwung so viel in Anspruch nahm und man dem einheimischen Erwerbsleben durch die Anleihe kgmss Schwierigkeiten bereiten wollte. Wenn jetzt infolge des wirtschaftlichen Rückganges wieder viel Geld flüssig geworden ist, so wird . man dies nicht unbedingt als etwas erfreuliches j bezeichnen können. Allein man wird es doch ' auch wieder mit Genugtuung begrüßen müssen, daß die deutschen Anleihen hauptsächlich im In
der von Laurenz zur Vermittelung ausersehene Herr, indem er immer wieder den Bericht durchlas, der eben mit der Post von seinem jungen Freunde gekommen war.
„Das junge, rasche Blut, was hat es nicht schon für Unheil angerichtet. Die Mission ist keine leichte für mich!" Er ließ sich seinen Pelz bringen und machte sich auf den Weg zu der Stadtmühle.
Im wohldurchwärmten Ratszimmer saßen die Ersten des Städtchens und berieten einige Angelegenheiten der Kommune. Die gestern angeregte Frage bezüglich Weiterzahlung der Pension an die verwaisten Kinder des ehemaligen Kämmerers wurde mit Zähigkeit wieder ausgenommen und von der großenMehrzahl, besonders um ihren Bürgermeister zu rechtfertigen und den geldstolzen Müller zu übertrumpfen, angenommen und Zebilligt. Der Bürgermeister dankte und ließ den Sekretär die Bewilligung in die Akten eintragen und etne Urkunde für die Geschwister ausfertigen. Er war ehr ernst und das gute Werk machte ihm heute nicht mehr die Freude. Die hämische Anspielung Reichert's hatte ihm diese verdorben. Er hatte den jungen, trebsamen Mann sehr lieb, war aber viel zu klug, um bestimmte Wünsche und Hoffnungen mit ihm in Verbindung zu bringen. Es ärgerte ihn aber so sehr, daß diese andere v.rmuteten und ihm in rücksichtsloser Weise vorwarfen.
Trotzdem aber hatte er sein Kind nicht damit be- -elllgt; sollte er das harmlose, junge Mädchen erst über Dinge aufilären, an welche es seiner Meinung nach — gar nicht dachte? — So hatte er denn seinen «erger für sich behalten und die ©einigen nicht damit belästigt.
Nach Beschlußfaffung in der dem Müller verhaßten Angelegenheft verließ dieser die Versammlung in größter Aufregung. Während der Amtsbote in steudiger Elle dem vereinsamten Lenchen die Schenkungsnote überbrachte und dadurch das arme Herz in den sonderbarsten Zwiespalt widerstreitender Gefühle versetzte,
Huldaer W Zeitung
2. parzeller "in Md«. wo^enbeuage: ,,3Duftriettc $01lllt(ig$3dtun(|u Monatsbeilage: „Hllldaer GeschlchjsbläRer".