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fUldd, Samstag, den 18. April 1903.

30. Jahrgang.

Erscheint täglich, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, viertel- jShri. Bezugspreis ohne tt?rngerlohn und Vestel^ dir. Hulda und auswärts j Mk. 50 pfg.

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[:] worum handelt es sich?

Reklamen- und Anzeigenteil.

i Drittes Blatt

' Literarisches

Die Zentrumspartei ist infolge ihres Wirt- schafts - Programms und noch mehr wegen der christlichen Weltanschauung, die sie vertritt, ge- halten, in erster Linie für die wirtschaftlich schwachen trolkskrelie, die Bauern, Handwerker und vor allem für den Arbeiterstand einzutreten. Sie hat deshalb von jeher die Sozialgesetzgebung auf das entschiedenste gefördert, und ihr ist es zu ver­danken, daß diese weiter fortgesetzt wird.

A u f k l ä r u n g über die Bedeutung der Reichs­tagswahlen, über die Programm-Grundsätze der

Katholik ist unverrichteter Sache wieder aus der ewigen Stadt gezogen und muß sich sagen: „In Rom gewesen und den Papst nicht gesehen."

Es wäre aber weit verfehlt, aus diesen Um­ständen schließen zu wollen, daß irgend etwas an den mit gewisser Regelmäßigkeit auftauchenden Gerüchten der gegnerischen Preffe wahr sei, daß nämlich der Papst erkrankt oder in einem Zu­stand äußerster Schwäche sei.

Gott sei Dank kann ich den freundlichen Lesern aus eigener Erfahrung berichten, daß Leo X!Ik. trotz seiner vollendeten 93 Jahre sich rüstig befindet und über eine Geistesfrische ver­fügt, der nur die aus seinem ganzen Wesen aus- strahlenhe väterliche Liebe gleichkommt.

Daß aber namentlich der Leibarzt Lapponi mit wohlbegründeter Sorge energisch darüber wacht, daß keine Uebermübung eintrete, ist er­klärlich und berechtigt. So finden auch die kleinen Privataudienzen nur ein um den andern Tag statt und die Kartahe wurden ganz frei gehalten; auch bei den großen Audienzen sieht man auf schnelle Abwickelung aus dem oben- gedachten Grunde.

In Spanien nimmt die im Anschluß an die Studentenunruhen entstandene republikanische Bewegung emstweilen noch zu. Am Sonntag wurden in vielen Lobten Wahlversammlungen abgehalten, in denen heftige Reden gegen die Regierung und die Monarchie gehalten wurden. An einer solchen republikanischen Versammlung in Madrid sollen 15 000, an einer Versammlung in Barcelona sollen 20000 Personen teilgenommen haben.

Ter Mittelpunkt des Lebens eines Rom- prlgers bildet ganz naturgemäß die Audienz beim heiligen Vater. Sie ist das freudige Erwarten vor dem glücklichen Augenblicke, sie bildet nachher die liebste Erinnerung, die man mit zurück in die Heimat nimmt. Alle Empfeh­lungen, die man in der Heimat hat sammeln können, werden an den Mann gebracht: hier ein Besuch und dort ein Besuch, hier als Antwort em bedenkliches Achselzucken, dort gar ein: „In ben nächsten 14 Tagen gar nicht daran zu denken." Es ist in der Tat diesmal um die Osterzeit herum sehr schwer, zum hl. Vater zu gelangen; die vorgesehenen italienischen Pilgerzüge wurden sogar ganz abbestellt und auch mancher deutsche

in sozial- und wirtschaftspolitischer Hinsicht, das ist die Aufgabe, welche gegenwärtig mehr denn ,e von unseren Vereinen und Organisationen erfüllt werden muß. Möge aber auch ein jeder, der die oben dargelegte Notwendigkeit der Zen- trumspartei anerkennt, im Hinblick auf die in kurzem stattfindende wichtige Reichstagswahl ein Agitator für die Sache des Zentrums werden!

Jubiläumrfahüen.

Reisebilder zum Papstjnbilänm.

Bon Jos. Grunau.

(V Anzeigen

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Dem Eifer einflußreicher Freunde der katho­lischen Presse und dem liebenswürdigen Ent­gegenkommen der päpstlichen Behörden ist es zu verdanken, baß ber von vorn herein vorgesehene Termin, 4. April, für die Deputation des „Augustinus-Vereins zur Pflege der katholischen Presse" innegehalten werden konnte. Und so kam denn der Tag, ben mit mir wohl alle bie 22 Teilnehmer zu den glück­lichsten ihres. Lebens zählen werden. In der Form der Zulassung lag für die katholische Presse gleich eine besonders liebevolle Aufzeichnung, die der hl. Vater ausdrücklich gewünscht hatte. Mehr­mals hatte er schon vorher zu seiner Umgebung geäußert, wie er sich freue, die katholifchen leutschen Journalisten bei sich zu sehen. So mite er zum Orte des Empfanges bas vor seiner Bibliothek gelegene private, kleine Empfangs- immer bestimmt, dasselbe, in welchem er zu An- ang Mai auch den deutschen Kaiser begrüßen wird. Daher trug die Audienz, wie uns der reundliche Maestro bi Camera, Exzellenz Bis- e t i, versicherte, ben Charakter einer außerordent­lichen Privataudienz.

Unter dem Baldachin im hochgelegenen Dama- üshose fuhren unsere Wagen vor. Die Posten der Schweizergarbe machten die Honneurs und geleiteten uns hinauf zur zweiten Etage, wo die Palastgarde ben Ehrenbienst versieht. Es folgt eine ganze Reihe von Sälen, in welcher die Pracht vieler Jahrhunderte mit den Geschenken um die Balme streilet, welche bie katholische Liebe un- erer Tage dem Papste gewidmet hat. Hinter )em Gobbelin- und dem Thronsaale an der Schwelle >er geheimen Antikamera machten wir Halt; bet päpstliche Geheimkämmerer Graf Voltolini, ‘in zuvorkommender deutscher Landsmann, ber ich ben Ehrenbienst bes Tages auserbeten hatte, ordnete den Zug: zunächst die Herren und dann sie Damen, hübsch einer hinter dem andern im richtigen Gänsemärsche. Im obengedachten Vor­zimmer befanden sich die Geheimkämmerer und in den reichgestickten Uniformen die Nobelgarde, an ihrer Spitze Graf Maroni, welcher eine Nichte des Papstes zur Frau hat. Wenige Minuten vergingen, dann durften wir weiterschreiten, freu­dig klopfenden Herzens nahten wir uns der letzten Tür, sie ging auf und unmittelbar vor uns faß Leo XI!'. auf einem einfachen Sefsel, der auf einem etwa 15 cm hohen Podium stand. Nach­dem wir beim Eingänge niedergekniet waren, rief der hl. Vater mit laut vernehmbarer Stimme in lateinischer Sprache: „O kommet, kommet alle, ■ rote ich mich freue, euch Deutsche bei mir zu 1 legen." Wie ich zu den Füßen des liebenswür- \ btgen Greisen gelangte, weiß ich nicht, aber ich । bin wohl schnell geeilt. Eine Flut unbeschreib- 1 sicher Gefühle durchwogte das Herz, als die kleine 1 Hand, die so großen Segen der ganzen Welt seit , einem Vierteljahrhundert gespendet hat, mir auf , der Stirne ruhte, als das leuchtende, milde Auge mich so liebevoll anblickte. Man hätte am lieb­sten von dieser Stelle nicht mehr scheiden mögen. Und |o nahten sich alle Teilnehmer und für jeden hatte Leo XL ), ein freundliches, besonderes Wort. Die Erzdiözesanen von Köln beglückwünschte er zu dem neuen Oberhirten Dr. Fischer; er er­innerte daran, wie auch er vor 60 Jahren den ichönm Rhein gesehen und mit Kardinal von Geissel, dem Nachfolger des standhaften D r o st e - V i s ch e r i n g, verehrt habe; die Schlesier erinnerte er an Kardinal Kopp, mit dem er bei seiner letzten Anwesenheit in Rom sehr wich­tige Dinge besprochen habe. Bei den Damen er- mndigte sich der Papst nach den Familien; der ■< Schriftstellerin Antonie Jüngst, die am Tage vorher den Orden „pro ecclesia et pontifice“ er­halten hatte, bemerke er auf deren Dankesworte, daß der Orden wohl verdient sei. Als dann alle

In Holland haben beide parlamentarischen Körperschaften die Streikgesetze endgiltig angenommen. Diese traten dann sofort in Kraft. Der „General­streik" hat die Entscheidung nicht aufhalten können. Obendrein war die Ausstandsbewegung auch durchaus kein Generalstreik. Die Bahnen hielten den Haupt- v^rkehr auf den großen Lin en aufrecht und der Ver­such, die Bäcker, Schlächter usw. in die Streikbewegung hineinzuziehen, hatte nur geringen Erfolg. Die Leitung des Streiks lag zum großen Teil in Händen von Anarchisten, die sozialdemokratischen Parteigrößen Hollands standen dem „Generalstreik" kühl gegenüber. Dagegen war die deutsche Sozialdemokratie Feuer und Flamme. Jeder weitere Schritt zur Verelendung der Mafien erscheint den Herren ja als einen Schritt weiter zum Zukunftsstaat. Das Wohl des Volkes liegt den Herren durchaus nicht am Herzen.

Der ftanzösische Präsident, Herr Loub et, i . - • . . j—«>—......vtl.

hat eine Reise nach Algerien angetreten. Es gilt Zentrumspartei, über bereit positiven Leistungen die einheimische sowohl wie die französische Bevölkerung ''“r' -

zu beruhigen. In Algier liegt viel Gährungsstoff in der Luft. Ministerpräsident Combes konnte die Reise nicht mitmachen. Er hat zu viel Arbeit mit der Vernichtung der Kongregationen.

• In Italien hat ein Ausstand der römischen Buchdrucker viel Lärm gemacht. Auch hier wurde der Versuch unternommen, einen „Generalstreik" in Scene zu setzen. Einige Gewerkschaften schlossen sich den Buchdruckern auch an. Insbesondere streikten viele Angestellte der Straßenbahnen und Omnibusse sowie Bäcker und Metzger. Auch fehlte es nicht an den landesüblichen Zusammenrottungen und Aus­schreitungen auf den Straßen. Die Regierung traf indeß große militärische Vorkehrungen und stellte ins­besondere den Arbeitgebern Soldaten zur Verfügung. Die Aussichtslosigkeit des „Generalstreiks" bewog die Ausständigen dann bald zum Einlenken. In der Nackt zum Karfreitag wurde beschlossen, daß alle Arbeiter mit Ausnahme der Schriftsetzer die Arbeit wieder aufnehmen sollten. Die Schriftsetzer hofften, durch die von angesehenen Bürgern unternommenen Vermittlungsversuchen zu einer Einigung mit den Arbeitgebern zu gelangen, haben aber bald nach den Feiertagen bedingungslos die Arbeit wieder ausge­nommen.

. Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

□ Fulda, 18. April 1903.

Die Tage vor und nach dem Osterfeste find in friedlicher Stille vergangen. Nur in der Preffe herrschte der alte Lärm fort. Dem bösen Zentrum prophezeite man dort eine schlimme Zukunft. Man verweist auf den Zwist im rheinischen Bauernverein; wir beklagen diesen sehr, bestreiten aber, daß dem Zentrum von dort her eine ernste Gefahr drohe. Die Neußer Versammlung hat uns bewiesen, daß die zentrumsfeindliche Minderheit im rheinischen Bauern­verein recht klein ist. Auch die Bemerkungen, die an daS Verhalten der Polen im rheinisch-westfälischen und »berschlefischen Jndustrierevier geknüpft werden, können wir nicht als richtig anerkennen. Wir haben der Polensrage gegenüber stets Sinn für Gerechtigkeit und Billigkeit gezeigt, und es ist uns keinen Augenblick zweifelhaft, wer von dem jetzigen Verhalten der radi-1 taten Polen den Schaden hat. Nicht die deutschen j Katholiken sind es, sondern die Polen.

Ueber die Stellung der einzelnen Bundesregie-1 rungen zum § 2 des Jesuitengesetzes wird fortgesetzt viel hin- und hergeraten. Die Gegner der Jesuiten glauben einstweilen einer Mehrheit gegen die Aufhebung des Paragraphen sicher zu sein; wagen »ber auch nicht mehr zu behaupten, als daß die Ent­scheidung im Bundesrate hinausgeschoben worden sei. Wenn berichtet worden ist, mehrere Regierungen I seien infolge des „Falles Korum" und des Sturzes des bayerischen Ministerpräsidenten Grafen Crails­heim von ihrer Neigung, für die Aufhebung beS § 2 i« stimmen, zurückgekommen, so halten wir das für eine schwere Beleidigung der Regierungen. Denn es heißt, ihnen unterschieben, daß sie ihre Abstimmungen nicht nach fachlichen Gründen, sondern nach Willkür einrichteten. Was haben die Jesuiten mit den ge­nannten Dingen zu tun und was geht es die übrigen Regierungen an, wer in Bayern Ministerpräsident ist?

In Ungarn, wo die Regierung der parla­mentarischen Opposition immer noch nicht Herr ge­worden ist, sucht man jetzt im Lande t.ne Bewegung gegen die äußerste Linke hervorzuruien. In ver­schiedenen Städten und Komitaten wird gegen sie resolviert. Auch in ben Handelskammern und sonstigen wirtschaftlichen Körperschaften, die in erster Reihe die Folgen der Obstruktion zu fühlen haben, regt es sich. In Kroatien kam es abermals zu ungarn- feindlichen Kundgebungen. Kroatiscke Bauern rissen von dem Stationsgebäude bei Zaprefies die ungari­schen Fahnen herab, verbrannten sie und bedrohten die Bahnbeamlen.

vorgestellt waren, richtete sich der Papst, in seinem Sessel auf und sprach zu den Versammelten ins­gemein bie anerkennenden und ermunternden Worte, welche der Telegraph und andere ausführliche Berichte bereits in die Spalten dieser Zev- tung geführt haben. Gewiß haben diese väter­lichen Ermahnungen, die Einigkeit im katholische« Lager zu wahren und mit erneuter Kraft in Zu­kunft für die Sache der Kirche einzutreten, in den Herzen aller ein opferwilliges Echo gefunden. Nein, als hier unser Inneres die Antwort gab, ba hanbelte es sich nicht um eine augenblickliche Gefühlsaufwallung, sondern um die männliche Entschlossenheit, die auch in Kampf und Opf« ihre süßeste Befriedigung zu finden weiß. Wen« irgends, so fällt hier dem katholischen Herren das Scheiden schwer, man kann sich nicht loS- reißen von der Hoheit und Liebe im höchste« Maße vereinigenden Gestalt.

Schon hatte sich das Zimmer entleert und auch ich schickte mich an, mit einer gewissen Weh­mut mich zu entfernen, da winkte den Scheiden­den nochmals der heilige Vater heran und yt seinen Füßen durfte ich nochmals vernehmen, rote sehr ihn der Besuch der katholischen deutschen Presse gefreut habe, wie sehr ihm die Einigkeit der deutschen Katholiken am Herzen liege.

„L’union fait la force“ „Die Einig­keit macht stark," so sagte er und in diesem Sinne wolle er besonders seinen apostolischen Segen allen denen erteilen, welche bei der katho­lischen Preffe Mitarbeiten, wie auch den Leser« derselben.

Wenn nicht der strenge Maestro stets gedrängt, ich wäre wohl noch lange nicht von den Füßen des Papstes fortgekommen, denn immer lebhafter gestaltete sich seine Rede und immer fester preßte er meine Hand. Eine viertel Stunde dauerte das große Glück ber schönen eigenartigen Audienz, wo so ganz alles Ceremonielle fern war, wo jeder sich fühlte, im besten Sinne des Wortes, in der Nähe des liebenden Vaterherzens.

Durch besondere liebenswürdige Vergünstigung war es mir schließlich noch vergönnt, einige Mi­nuten in der Privatkapelle des heiligen Vaters zu verweilen und hier an der Stelle, wo ber Statthalter Christi Tag um Tag das heilige Opfer bringt, wo der Himmel sich niederneigt, u dem, der Ihm auf Erden am nächsten steht, )a quoll aus innerstem Herzen das Dank- und Bittgebet hervor: Gott erhalte uns noch lange uuftrn heiligen Vater, und schenke ihm die Triumphe, welche seine Liebe und seine Weisheit zum Segen der Menschheit verdienen!

Bei den kommenden Reichstagswahlen, deren ganz besondere Wichtigkeit und Bedeutung nie­mand in Zweifel ziehen kann, wird ein jeder Wähler ernstlich sich die Frage vorlegen müssen: Worum handelt es sich denn eigentlich? Es handelt sich, kurz gesagt, um die Verteidigung der christlichen Weltanschauung, es handelt sich daher um die Stärkung derjenigen Partei, die diese Anschauung in der energischsten und kraftvollsten Weise vertritt/ die Stärkung der Zentrumspartei.

Das Zentrum ist die mächtigste und kraft­vollste Vertreterin der christlichen Grundsätze im staatlichen und wirtschaftlichen Leben. Im Interesse der Freiheit unserer katholischen Kirche, der Freiheit und des Friedens unter den christ­lichen Konfessionen, der Verteidigung des Christen­tums gegen den Ansturm des Unglaubens, ist die Erhaltung der Zentrumspartei notwendig. Das liegt im Interesse von Staat und Gesell­schaft. In diesem Sinne ist die Erhaltung und Stärkung der Zentrumspartei gleichbedeutend mit der Erhaltung und Stärkung der christlich enKu ltur. Das wissen alle religions­feindlichen Parteien nur zu gut. Deshalb kon- | zentrieren sie ihre Macht zur Mederzwingung des Zentrums. Gegenüber dieser Aufgabe müssen alle anderen Gründe in den Hintergrund treten.

Die Zentrumspartei rekrutiert sich aus allen Schichten der Bevölkerung, alle Stände sind bei ihr vertrete». Sie ist deshalb eine wahre Volkspartei und keine Klassenpartei. In den wilden Jntereffenkämpfen der Gegenwart bildet sie durch ihre Stärke und ihre vernünftige Politik einen ausgleichenden Faktor. Ihr Wirtschafts- Programm ist: Ausgleich der Interessen auf dem Boden der Gerechtigkeit. Ohne den vernünftigen Ausffleich der sich kreuzenden Interessen ist eine gedeihliche Entwickelung im Staate und in der Gesellschaft unmöglich. Des­halb fördert die Sozialdemokratie den Klassen- kampf und ben Klassenhaß, um die Grundlagen bet heutigen Gesellschaft?- und Staatsordnung zu erschüttern.

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Auf bem Balkan wirb eS unruhiger, jeboch zeigen Oesterreich unb Rußland ben ernsten Willen, in frieblidjem Verein Ruhe zu schaffen. In Albanien wurde ein russischer Konsul ermordet. Die russische Regierung hat zwqr entschiedene Sühnemaßregeln ge­fordert, aber alle Selbsthilfe vermieden. Nach den letzten Nachrichten soll der Mörder zum Tode ver­urteilt sein. Da bei den Albanesen Blutrache herrscht und der Sultan von einer albanefischen Leibwache umgeben ist, bedeutet dieses Todesurteil ein weit­gehendes Zugeständnis an Rußland. Bisher ist noch kein solches Urteil an einem Albanesen vollstreitt worden.

Nach semlla führt uns der verstorbene Redatteur Oskar Hirt in dem 13. Heft der „Alten unb Neuen Welt". Wir lernen hier die eigenartige Schönheit deS sonnigen Südens und seine sonderbaren Sitten und Gebräuche kennen, die uns „kalten, klugen" Nordländer oft sonderbar anmuten. Bon einer gar sonderbaren Schmarotzerpflanze, der Mistel, erzähltuns F. K e mp kenS, die auch in Sage und Dichtung noch von Bedeutmra gewesen ist und nicht minder hat sie beim Aberglauben eine wichtige Rolle gespielt. Welter und Krankheit on1«9o!$’ miteinander in Verbindung, der Aufsatz klärt uns über verschiedenes auf. An erzählen- ben JBeittdgen erwähnen wir in erster Linie die historische Erzählung „Königin und Märtyrin", die in ihren Fort setzungen immer noch gleich spannend und unterhaltenl

Schott weiß in seinem Roman „Der Bauer i» Gefield dem Leben und Treiben in seinen heimatliche» Wäldern immer neue Seiten abzugewinnen, er unte» hält uns nicht bloß, nein, wir denken und fühlen m* diesen Gestalten. Ein kleines Stück der sozialen Frag oder sagen wir besser, unserer heutigen Geschmack» Irrung bringt M. Herbert in der Erzählung „Da».

des Dr. Bindernagel' zur Sprache. Zum Schluffe wollen wir noch die Fortsetzung der etwas elegisch angehauchten Erzählung „Geheimnisse" er- wähnen, die hauptsächlich unsere Leserinnen besonders ansprechen dürste.