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3.ÄÄJÄ«. wochenb-iiag-: „Illustrierte Sonntagszeitung" m°na>;b«u°ge: „Fuldaer Seschichtrblütter".
M 86.
flllda, Freitag, den 17, April 1903.
30. Jahrgang.
Regierung hilf!
Immerfort ertönt von allen Seiten der Ruf nach der „Wahlparole" oder dem Programm der Regierung. Die konservative «Kreuzztg/ sowohl wie liberale Blätter aller Schattierungen, besonders jene, die sich gern als „national" bezeichnen, haben sich in den letzten Tagen daran beteiligt. Man sollte glauben, alle Parteien hätten ihr Programm verbrannt oder verloren, und wüßten sich absolut nicht mehr zu besinnen, was darin gestanden habe, sondern erwarteten von der Regierung Aufklärung darüber, was sie selber eigentlich wollen. Imponierend nimmt sich das jedenfalls nicht aus.
Man sagt nun, die Regierung müße die Wähler noch darüber aufklären, welches Arbeitsprogramm sie dem neuen Reichstage zugedacht habe, damit sie wüßten, was sie zu erwarten hätten und Stellung dazu nehmen könnten. Das sieht ja aus, als wenn die Wahlen der Regierung wegen stattfänden und nur den Zweck hätten, ihr eine gefügige Mehrheit zu verschaffen. Unserer Ansicht nach finden die Wahlen zunächst des Volkes wegen statt; sie sollen zum Ausdruck bringen, was das Volk will, und es ist durchaus nicht nötig, daß das immer dasselbe sei, was die Regierung möchte. Allerdings ist es wünschenswert, daß die Wähler wiffen, welche Aufgaben des neuen Reichstages harren, damit sie sagen können, wie sie darüber denken. Mer wweit ein Arbeitsprogramm heute schon aufgestellt werden kann, ist es bereits bekannt. Einzelheiten über die Vorlagen, die in vier oder fünf Jahren kommen werden, kann doch die Regierung heute noch nichts mitteilen.
Man beruft sich immer wieder auf den Fürsten Bismarck, der eine „Wahlparole" oder ein „Programm" bekannt zu geben pflegte. Aber im Grunde lautete diese Parole oder dies Programm doch immer nur: „Bismarck"! Es wurde den Parteien zugemutet, sich einfach auf den Namen Bismarck einzuschwören und mit diesem Namen bei den Wählern durchzudringen. Was Fürst Bismarck jeweils gerade in der Politik wollte, war Nebensache; die Hauptsache war, daß man sich stumm und blindlings seiner Führung anvertraute. War dieser Zustand so ideal, daß man ihn zu einer dauernden Errungenschaft für die deutschen Wahlen gemacht sehen möchte? Wir können das nicht finden. Wir halten es für bester, wenn die Wählerschaft sich nicht als Hammelherde fühlt und nicht ratlos auf die Führung der Regierung wartet, sondern selbständig vorgeht und ausspricht, was ste will. Die Verhältniffe in den Ländern, wo das Volk alles von der Regierung erwartet und sie demnach auch für alles verantwortlich macht, sind für uns kein erstrebenswertes Ziel. Uebrigens geben die Blätter, die so viel Sehnsucht nach dem „Programm" der Regierung haben, selbst zu, daß die Regierung kaum in der Lage sei, diesen oder jenen Kurs für die nächsten Jahre zu versprechen, da sie es ja gar nicht in der Hand habe, ihr Versprechen zu erfüllen. Wenn man diesen Sachverhalt erkennt, warum drängt man
KeirnatgMck.
ErzüAung aus den Bergen. Bon I. Fichtner.
- (Nachdruck verboten.)
„Er bekam soeben die Todesnachricht von seiner Mutter und in dieser Stimmung provozierte ihn Reichert in rohester Weise!" erklärte Laurenz.
„Der Kerl ist ein Mucker, ich kann ihn nicht leide». Wir möchten die Tatsachen festsetzen!" erwiderte Wollfmit einem teilnahmsvollen Blick auf Heinrich.
Es war plötzlich eine drückende Schwüle und Ruhe im Zimmer.
„Jst'S schlimm? Wird's gefährlich werden?" stagte man leise, sich um Stephan drängend.
„Ich fürchte, das rechte Auge wird verloren sein!" Der hilsteiche Freund sagte es leise und gedrückt, und dennoch schlug diese Bemerkung in Heinrich's Ohren wie ein Donnerschlag.
Vernichtet sank er auf seinen Sitz nieder und war selbst fast einer Ohnmacht nahe.
„Hilf mir ihn fortschaffen, er muß nach Hause. Geh' und hole einen Wagen, Wollf — möglichst schnell!"
Wollf verschwand und Laurenz wandte sich nun an die anderen jungen Leute, mit ihnen schnell die nächsten Maßnahmen gegen Stephan besprechend.
Alle Fröhlichkeit, fast jedes laute Wort war aus dem Kreise gescheucht. Tiefernste Gesichter, Sorge, Teilnahme und Hilfsbereitschaft war an die Stelle des ungebundenen Frohsinns getreten. Das war der gute Geist der Freundschaft und Brüderlichkeit, der nun die Oberhand gewann.
Als Wollf wieder eintretend meldete, daß einige Droschken draußen warteten, ließ sich Heinrich willenlos wie ein Kind hinausführen. Wollf versprach für Stephan Sorgt zu tragen, und Laurenz mm etwas beruhigter, setzte sich zu Heinrich und brachte ihn heim.
sie denn so und verlangt das Unmögliche von ihr?
Unseren Parteiwirrwarr halten wir nun freilich auch für keinen idealen Zustand, und wenn ihm durch das Eingreifen der Regierung begegnet werden könnte, so wäre das gewiß recht schön. Aber wer glaubt denn, daß eine Wahlparole der Regierung an diesem Zustande auch nur das geringste ändern könnte? Der Parteiegoismus und der Meinungsstreit würde trotz der Wahlparole bleiben wie er war, vielleicht gerade infolge des Regierungsprogramms noch zunehmen. Stände augenblicklich eine hochwichtige Einzelfrage allein auf der Tagesordnung, und hätten hauptsächlich über sie die Wähler zu entscheiden, so könnte eine Wahlparole der Regierung ja einigermaßen orientierend und klärend wirken. Allein eine solche Frage kann die Regierung doch nicht nach Belieben herbeizaubern. Die Frage der Handelsverträge ist ja gewiß wichtig genug, aber wir haben schon dieser Tage gesagt, daß wegen des völligen Dunkels, das einstweilen über diesen Verträgen schwebt, mit ihnen als Wahlparole nichts mehr anzufangen ist.
Dies Rufen nach einem „Programm", um welches die Wähler sich scharen könnten, will schließlich nur sagen: „Regierung, hilf uns". Man hat nicht etwa die Absicht, das Programm, das die Regierung aufstellen könnte, sich anzueignen, sondern man erwartet umgekehrt, daß die Regierung sich zu dem Parteiprogramm bekennt, das man selbst aufstellt. Mit der scheinbaren Bereitwilligkeit der Rufer, Regierungspartei zu werden, verhält es sich also so, daß man verlangt, die Regierung solle Parteiregierung werden. Die Konservativen haben sich in letzter Zeit vielfach in Gegensatz zu der Regi'eKrng gestellt. Wenn sie also von der Regierung eine Parole verlangen, so heißt das nur, die Regierung soll sich ihnen fügen. Genau so steht es mit den „nationalen" Liberalen; sie wünschen, daß der Regierungskurs in ihr Fahrwasser einlenke. Man wünscht „Regierungspartei" zu werden, weil man auf die starke Hilfe der Regierung bei den Wahlen hofft.
Unseretwegen mag die Regierung die Sehnsucht nach einem Programm oder einer Parole erfüllen oder nicht. In der Zentrumspartei weiß man auch so, was man will. Die Regierung mag sich aber nur nicht durch die Versicherung täuschen laffen, daß sie mit einem Programm die „nationalen Parteien" um sich sammeln und der Mehrheit der Wähler die Richtung angeben könnte. Dazu besitzt sie denn doch nicht Autorität und Eigenständigkeit genug. Statt als Führerin würde sie nur als Handlangerin gewisser Parteien dienen.
Deutscher Reich.
Berlin, den 16. April 1903.
\ Der Verzicht der Kaiserin auf die Mitreise nach Rom ist, wie die ,Nat. Ztg' erfährt, nicht so zu deuten, als ob der Heilungsprozeß an dem gebrochenen Arm irgendwie gestört wäre oder sonst irgendwelche gesundheitlichen Besorgnisse gehegt
Die kurze Fahrt durch die kalte Winternacht brachte Heinrich wieder zur vollen Besinnung alles dessen, was über ihn in der letzten Stunde hereingebrochen war. Aber kein Wort, keine Klage erleichterte die gepreßte Brust.
Mühsam stieg er die vielen Stufen zu seiner Wohnung hinan, von Laurenz gestützt und geführt. In kalter Oede gähnte ihnen die dunkle Kammer entgegen. Laurenz zündete Licht an und sah sich um. Er war ja schon öfter mal bei Heinrich eingekehrt, doch niemals war ihm diese Armut so ausgefallen als heute. Vielleicht hatte sonst ein warmer Sonnenstrahl das Kämmerchen erhellt und erwärmt, und die ftöh- liche Stimme Heini's war ihm entgegen geklungen. Heut aber machte der traurige Bewohner diese Räume noch öder und unwohnlicher.
„Zu allererst brauchst Du Ruhe, komm lege Dich auf's Bett und suche zu schlafen. Schlafen! Wie ein Hohn schien ihm dieser Rat. Vor seinen Augen sah er wie durch einen blutigen Vorhang das Bild der toten Mutter.
Blut und Tod — gab es etwas Entsetzlicheres auf der Welt? Schaudernd bedeckte er die Augen, und doch sah er nur dies Eine, Schreckliche! Der wärmherzige Laurenz konnte sich mit ganzer Seele in diese Stimmung hineindenken. Wie sollte er hier trösten? Und doch mußte er es versuchen.
„Mach Dir's nicht so schwer, Heinrich!" bat er in herzlichster Weise.
„Es sieht für den Augenblick immer schlimmer aus, als es ist. Deine Mutter — sie ruhe in Frieden — hat ja doch den besten Teil gesunden! Das wirst Du mit Deiner Tugend und den glänzenden Fähigkeiten schon überwinden. Was den Stephan anlangt, so hat er einigermaßen einen Denkzettel verdient.
Jeder andere hätte sich an Deiner Stelle auch nicht halten können. —“
„Sag das nicht, Laurenz, Du — Du wärst der Erste, der dies nicht getan!" kam es heiser von Heini'« Lippen.
werden müßten. Vielmehr hat die Kaiserin im Ganzen ihren Unfall gut überwunden; der heilende Arm bedarf jedoch einer sorgsamen Schonung, wie sie auf einer längeren Reise kaum möglich wäre.
% Nach einem Berichte des stellvertretenden Kaiserl. Vizegouverneurs in Ponape hat der Kommandant des Kreuzers „Kormoran" während der Anwesenheit des Schiffes auf der Jnfel Ruck in den Ostkarolinen dort vier eingeborene Missionslehrer verhaften laffen, nachdem durch verschiedene Zeugen festgestellt worden ist, daß sie sich ungebührlicher Aeußerun- gen gegen die deutsche Regierung und der Aufreizung der Bevölkerung schuldig gemacht haben. Die vier Eingeborenen sind am 1. Februar bei dem genannten Beamten in Ponape eingeliefert worden. Da die Wahrheit der gegen die vier eingeborenen Lehrer erhobenen Beschuldigungen nicht nur von diesen selbst, sondern auch von dem amerikanischen Missionär auf Ruck, Mr. Stimton, bestritten worden ist, hat sich der Kaiser!. Vizegouverneur zur Untersuchung der Angelegenheit selbst nach Ruck begeben. Seine Berichterstattung über das Resultat kann, wie die ,Nordd. Allgem. Ztg/ schreibt, in Berlin nicht vor Anfang Juni erwartet werden.
* Unkenntnis in katholischen Dingen. Das freisinnige,Berliner Tageblatt' schreibt in einem Artikel über den Kirchenbesuch in Berlin am Karfreitag: „Tritt auch in der katholischen Kirche die Bedeutung des Karfreitags hinter der des Osterfestes zurück, so stehen doch entgegen der sonstigen Berliner Gepflogenheit die Kirchentüren den ganzen Tag offen, um den Gläubigen den Zutritt zu der in einer Nische errichteten Grabstätte Christi zu gewähren, und fast den ganzen Tag über wird ununterbrochen Messe gelesen." Und dies am Karfreitage, wo bekanntlich in Erinnerung an das blutige Opfer auf Golgatha das hl. Meßopfer überhaupt nicht dargebracht wird! Diese bodenlose Unwiffenheit hindert aber selbstverständlich das Organ der Herren Moffe und Levysohn nicht im geringsten, über katholische Dinge von oben herab zu urteilen.
% Der .Reichsanzeiger' veröffentlicht einen königlichen Erlaß, wonach zur Verwaltung der staatlichen Steinkohlenbergwerke in Westfalen eine Bergwerksdirektion, einstweilen mit dem Sitze in Dortmund, errichtet wird. Diese Direktion untersteht dem Oberbergamt in Dortmund. Ihr Vorsitzender soll zur dritten Rangklaffe der höheren Provinzialbeamten gehören. Der Geschäftsgang der Direktion wird durch eine von dem Handelsminister zu erlassende Geschäftsanweisung geregelt.
* Keine Bertenerung der Lebensmittel. Nach der neuesten amtlichen Zusammenstellung der Lebensmittelpreise zeigen im Durchschnitt die Getreidepreise nur geringe Veränderungen, ebenso die Preise für Eßkartoffeln und Rindfleisch. Das Schweinefleisch hat seinen Durchschnittspreis weiter um 3 Pfg. ermäßigt und ist besonders in den östlichen Marktorten billiger geworden, ferner Speck, Butter und Eier, während Hammelfleisch und Schweineschmalz ihre
Und nun war der Bann gebrochen. In wilden Selbstanklagen löste sich der Krampf, der das stürmische Herz wie eine Fessel gefangen gehalten. Und mit der Erinnerung an die Ursache, an die für immer verlorene Muttersorge erfaßte ihn ein tiefes Wchegefühl, daß endlich Träne um Träne aus den heißen Augen tropfte und ein herzbrechendes Schluchzen seine Brust erschütterte.
Aus dem einzigen Stuhl sitzend, die Arme auf den Tisch gelegt, das blonde, schöne Haupt in denselben bergend, bot Heini das Bild schmerzlichsten Jammers.
Laurenz wandte sich hinweg; auch ih» ward es heiß vor den Augen und doch war er zuftieden, daß er ihn endlich so weit hatte.
Mit brüderlicher Sorge bereitete er ihm das Lager, und sah verstohlen nach einer Stärkung um, ohne eine solche zu entdecken
Ein Viettelstündchen später verließ er das Stübchen mit der Versicherung, morgen in aller Frühe wiederzukommen.
Heinrich Winter durchkämpfte die schwerste Nacht seines Lebens; erst als der Morgen graute, sank er in einen tiefen, beruhigenden Schlaf.
6.
lieber das kleine Städtchen hin tönte unaufhörliches Trauergeläut. Durch die kristallhelle, windstille Lust drangen die singenden, klagenden Töne weithin in die stillen im Schnee vergrabenen Täler, bis zu den glitzernden, schimmernden Bergkuppen, die gleich Riesenschneemännern in die lichtgrauen Wolken ragten.
In jedem Hause und in jedem Hüttlein des Siädtchens und der Umgegend rüstete man sich, den beiden Verstorbenen das Grabgeleir zu geben. Es kam nicht oft vor, daß zwei der Mitbewohner das letzte Quartier dort an der Berglehne zu gleicher Zeit auffuchten. Für den Totengräber war es eine harte Arbeit gewesen in die Erde einzudringen und Raum zu schaffen.
Preise erhöhten. — Also trotz der Annahme des Zolltarifs gehen die Preise der wichtigsten Lebensmittel zurück oder bleiben mindestens auf derselben Höhe stehen. Dies.ist ein Beweis, daß man auch von Seiten der Händler selbst nicht an die Brot- und Fleisch verteuernde Wirkung des Tarifs glaubt, wie die liberalen Blätter immer ihren Lesern erzählen.
% Die vom Reichskanzler veranlaßten Erhebungen über eine etwaige Herabsetzung der Arbeitszeit gewerblicher Arbeiterinnen sind nunmehr abgeschloffen. Die Arbeitgeber haben sich nahezu ausnahmslos, darunter auch diejenigen, die bereits von ihren Arbeiterinnen nur eine zehnstündige Arbeitszeit bei einer Mittagspause von l*/a Stunde verlang»«, entschieden gegen eine gesetzmäßige Festlegung solcher Arbeitszeit erklärt. Hauptsächlich wird geltend gemacht, daß ein gewiffer Spielraum bestehen müsse, schon damit manche Betriebe, die, wie beispielsweise Färbereien, im Winter das knappe Tageslicht auszunutzen hätten, in der Lage seien, die Mittagspause nur auf eine Stunde ^estzusetzen oder im Sommer elf Stunden arbeiten zu laffen, wenn besonders zahlreiche Aufträge vorlägen. Wollte man ihnen dies durch die vom Reichskanzler ins Ange gefaßte Abänderung des § 137 der Gewerbeordnung unmöglich machen, so würde die Folge sein, daß ste Arbeiterinnen überhaupt nicht mehr oder nur in beschränkter Anzahl einstellen würden. Es scheint demnach von der geplanten Aenderung des § 137 der Gewerbeordnung Abstand genommen werden zu sollen.
* Rom, 15. April 1903. Nachdem der hl. Vater am 12. April 400 ungarische Pilger gesegnet, war der Ostermontag der Ehrentag für 530 württembergische Pilger. Am Mittwoch besuchten dieselben das Kloster Monte- casino. Nach der hl. Meffe, welche Kaplan Rehm zelebrierte, fand ein gemeinsames Esten statt. Der deutsche Erzabt und die Beuroner Benediktiner wurden sehr gefeiert. — Heute Abend ist nach langem Krankenlager im Alter von 62 Jahren der Abgeordnete Professor Bovio gestorben. Der Dahingeschiedene, welcher Beisetzung im Armengrabe ohne Reden und Feierlichkeit verlangte, zählte zu den verbissensten Gegnern von Papst und Kirche.
* Malta, 16. April 1903. Der König von England ist heute vormittag an Bord der königlichen Nacht in Malta angekommen und gegen Mittag an Land gegangen.
* Helsingfors, 16. April 1903. In Fin- land geht es mit der Russifizierung unaufhaltsam vorwärts. Die hiesigen Blätter bringen eine Verordnung von dreijähriger Gültigkeitsdauer über „Verhaltungs-Maßregeln zur Wahrung der staatlichen Ordnung und der öffentlichen Ruhe in
Nun lagen die beiden stillen Wohnungen dicht nebeneinander; grüne Tannenreiser bedeckten die ge- ftorenen Erdschollen, und blinkend im Scheine der kalten Wintersonne grüßten und winkten die vielen Grabkreuze und Denksteine den neuen Bewohnern entgegen.
Immer dringender klangen die Glocken und luden ein, den letzten Erdenweg anzutreten.
So.bewegte sich der lange Trauerzug wie eine schwarze Schlange den Marktplatz hinauf zum hochgelegenen Kirchlein.
Dem ersten Sarge folgten viele Leidtragende, dem zweiten nur zwei — Bruder und Schwester! Beide« Verblichenen aber galt die zahlreiche Begleitung. Jung und Alt, Männer und Frauen, die der schöne« Sitte gemäß, alle in dunklen Trauerkleidern ihre« Gemeindegliedern das letzte Geleit gaben. Selbst da« alte Hannerl fehlte nicht.
Den Zug beschließend, humpelte es betend und weinend, in geliehenes, schwarzes Tuch gehüllt, hintendrein. Das ernste Miserere mischte sich mit de» Klang der Glocken, Weihrauchwolken fliegen mit stummen Gebeten empor zum Schöpfer der Wellen.--
Nicht lange währte es, und die Erde hatte ihre« Tribut erhalten. Trostlos weinend stand Lenchen am Grabesrand und sah hinab, dorthin, wo alle Schmerzen und Sorgen für den Gebetteten ein Ende haben, für die Hinterbliebenen aber oft erst anfangen und beginnen.
Viele tränenvolle und teilnehmende Blicke ruhten auf den Geschwistern. — Man konnte es nur gar nicht fassen, daß der Heinrich gar so still und stumm daneben stand. Frellich sah er aus, wie selbst aus dem Grabe gestiegen, so fahl und leblos.
„Es hat ihn doch zu hart getroffen!" mußte der Sternwirt dem Bürgermeister zuraunen, „er gefällt mir nicht!" — Der Bürgermeister nickte. Und wie diese beiden, so dachten fast alle Anwesenden.
Die Feier war zu Ende, und man drängte sich heran, den Leidtragenden nochmals die Hand z« i drücken. (F. f.)