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Druck und Verlag der Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda s Harmonie) Fernsprecher Nr. 9.
30. Jahrgang.
in fast komischem Lichte erscheinen ließ. Darauf brauch! man nun nicht viel zu geben, aber daß nicht alles an der deutschen Botschaft in Ordnung ist, wird jetzt auch offiziös zugegeben. So schreibt die ,Nat.-Ztg.': „Nach dem innerhalb der deutschen Diplomatie herrschenden Brauche darf der neu auf feinem Posten eintreffende Missionschef iür seine Gattin beanspruchen, daß die übrigen Damen des diplomatischen Korps den ersten Besuch abstatten. Daß von diesem Rechte zuweilen Abstand genommen wird, ändert nichts an dem bestehenden Gewohnheitsrechte. Für die Damen des deuffchen Botschaftspersonals würde überdies in Betracht kommen, daß es sich um den eigenen Vorgesetzten dieses Personals handelt. Im Hinblick darauf, daß nun verschiedene Abberufungen von Mitgliedern des deutschen Botschaftspersonals in Washington erfolgt sind, erfahren wir von unterrichteter Seite, daß diese Abberufungen früher bereits im Prinzip beschlossen waren, durch die jüngsten Vorgänge aber wohl beschleunigt worden sind. Die Schuld an der Veröffentlichung dieser Vorgänge darf jedenfalls nicht dem Gesandten Speck v. Sternburg zur Last gelegt werden." Diesen „früher bereits im Prinzip beschlosfenen Abberufungen" sieht man aus ziemlicher Entfernung an, daß sie eine Verlegenheitsausrede sind.
% Der kommandierende General des _XVI. Armeekorps, Generaloberst Graf v. Häseler, der Ende dieses Monats sein 50 jähriges Dienstjubiläum feiert, hat, wie der ,Berl. Lok.-Anz/ berichtet, den Kaiser gebeten, alsdann in den Ruhestand treten zu dürfen. Die meiste Anwartschaft, sein Nachfolger zu werden, soll der jetzige Gouverneur von Metz, Generalleutnant Stötzer, haben.
% Hofprediger Dr. Stöcker erklärt sich in einer Einsendung an das ,Vvlk' für die Aufhebung des Paragraphen 2 des Jesuitengesetzes. Er schreibt: „Nun ist das Jesuitengesetz noch ein Ueberrest aus diesem Kampfe (nämlich dem Kulturkämpfe), und der § 2 des Gesetzes, um den es sich handelt, ist ohne jede praktische Bedeutung. Der Reichstag hat diesen Paragraphen öfter mit großer Majorität verworfen. Wird er von den Verbündeten Regierungen dennoch beibehalten, so hat die katholische Kirche daran einen beständigen Gegenstand der Agitation: für das Reich aber ist es völlig gleichgiltig, ob er besteht oder nichr. Ich glaube deshalb mit Ihnen, daß dieser Paragraph die Aufregung, welche jetzt gegen denselben geschürt wird, nicht verdient. Ueberdies ist es eine allgemeine Ueberzeugung, daß wir in Deutschland erst zur Ruhe kommen, wenn die Kirche, vom Staate befreit, völlig felbständig ihr Leben führen kann. Ich würde es darum viel richtiger finden, wenn wir Protestanten für unsere Kirche dieselbe Freiheit erstrebten, wie sie die katholische Kirche besitzt. Wir würden dann stärker werden, als wir es sind. — Ich begreife es völlig, daß der große Einstuß Roms und der Katholiken im Deutschen Reich vielen Prolestanten unbehaglich ist. Aber bei der Frage, wie das zu gunsten
fltlda, Donnerstag, den 16. April 1903.
** Pie sozialdemokratische Parteikasse.
Mit Recht hat die letzte Quittung über die Beiträge für die sozialdemokratische Parteikasse einiges Aufsehen erregt. 90000 Mark in einem einzigen Monate bringt keine andere Partei auf, selbst nicht unmittelbar vor den Wahlen, am wenigsten dann, wenn es sich, wie bei der Sozialdemokratie, nicht um eine einmalige Anstrengung handelte, sondern wenn fortgesetzt Leistungen für die Parterkaffe gefordert würden. Keine andere Partei wird auch so leicht „begeisterte Anhänger" findky, die gleich 10000, 15000 oder gar 30 000 Mark spenden. Da die Sozialdemokraten MystisiIlionen lieben, ist allerdings der Verdacht nicht ganz von der Hand zu wer^n, daß die „großen" Spender gar feine Einzelpersonen, sondern sozialdemokratische Parteiunternehmungen sind, die ihre Ueberschüsse an die Parteikasse abgeführt haben. Von den 15000 Mark aus Hamburg dürfte dies sogar feststehen.
Jedenfalls sind Leute, die Tausende von Mark für Wahlzwecke fpenden können, keine „Proletarier". Man weiß ja aber auch, daß die Partei eine Reihe schwer reicher Personen zu ihren „begeisterten Anhängern" zählt. Di^se sind schon moralisch genötigt, ab und zu ihrer „Begeisterung" durch einen tiefen Griff in die Tasche Ausdruck zu geben. Sie würden sonst sehr bald in den Verdacht geraten, nur selbstsüchtige Zwecke mit ihrer Parteizugehörigkeit zu verfolgen. Die ,Kreuzztg/ äußert die Vermutung, daß die reichen Spenden gar nicht von Anhängern der Sozialdemokratie, sondern von Großkapitalisten, insbesondere Börsengrößen herrührtSn, die in der Sozialdemokratie eine zuverlässige Hilfstruppe für Börse und Großkapital und gegen die Junker sähen. Die Sozialdemokraten haben allerdings gegen die Börsensteuer und die Börsen- ceform gestimmt und sich' dadurch, wie durch ähnliche Wirksamkeit im großkapitalistischen Interesse den Vorwurf zugezogen, sie ständen mit der Börse im Bunde und leisteten ihr Dienste. Sie werden gewiß auch für die Revision des Böriengesetzes eintreten. Aber sollten sich Börsianer und Großkapitalisten dadurch veranlaßt sehen, ihnen Tausende zu spenden? Diese Leute pflegen doch keine Idealisten, sondern nüchterne Rechner zu sein, die nichts verschenken. Sollten sie sich nicht sagen, daß Geschenke an die Sozialdemokratie sich gar nicht lohnten, da diese doch nicht imstande fein werden, sich durch Ver- hinde^ng oder Durchsetzung von Vorlagen dankbar zu erweisen?
Die ,Kreuzztg/ meint, die Spender könnten doch nicht Anhänger der Sozialdemokratie sein, die mit den kapitalfeindlichen Endzielen einverstanden wären, und glaubt daraus folgern zu dürfen, daß es nicht sozialistische Großkapitalisien fein müßten, denen die Sozialdemokratie zur Förderung der eigenen großkapitalistischen Jnte- reffen dienen solle. Aber wir sehen doch nun einmal, daß reiche Leute sich zur Sozialdemokratie bekennen. Bei ihnen wäre der „opferwillige Idealismus" doch ebenso erklärlich wie
Keimcrtgluck.
Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.
g —7--- (Nachdruck verboten.)
Das war doch ein Leben in so einer großen Stadt! Längst würde das Bild der einfachen Heimat verblaßt sein, wenn nicht liebe, treue Herzen dort für ihn schlugen.
Lustige Stimmen schlugen ihm aus dem Stammlokal entgegen — ja — sie waren bereits alle da und stürmisch wurde er begrüßt.
Auch Stephan und Laurenz waren eben gekommen; der Sohn des Slernwjrts hatte mit Stefan Reichert eine gemeinsame Wohnung, deshalb waren sie auch fast immer gemeinsam anzutreffen.
,,Hast Du etwas von Hause gehört?" fragte Laurenz, Heini heranwinkend.
„Schon ein ganzes Weilchen nichts besonderes. Es soll ein böser Winter sein in unfern Bergen!" meinte Heinrich und nahm an der Seite des Freun des Platz, wobei er Stephan Reicheit flüchtig begrüßte.
„Ich Habs leider auch gehört! Es sollen ungeheuere Schneemassen lagern, die Radensteine sind vollständig vergraben im Schnee. Wenns nur da kein schlimmer Frübjahr gibt!" äußerle besorgt der bedachtsame Laurenz.
„Siehst schon wieder Gespenster' Wir haben stühe Ostern, so lange wird sich schon der Wint r hinzieben! T.inken wir lieber eins. Einen steifen Grog!" befahl er dem aufwartenden Burschen.
Sie tranken nickt blos noch eins! Wenn auch immer noch mit Maß und Ziel so ging der feurige Trank doch durch alle Glieder und belebte und erhitzte ine Gemüter.
Heinrich, aller Sorgen in solcher Stimmung ledig, war bald einer der Lustigsten. Nur Stephan Reichert hielt an sich und beobacktete ihn scharf. Der an alle ' Ecken und Enden gesuchte Heinrich war ihm bald ein Greuel. Mit haßerfüllten Blicken verfolgte er besten Tun und Treiben.
bei Börsianern, die der Partei fernstehen. Sie lassen sich» doch durch das kapitalfeindliche Endziel nicht einmal abschrecken; und selbst wenn wenn man annehmen will, sie seien keine überzeugten Anhänger der Partei, sondern suchten in der Partei nur die Befriedigung ihres Ehrgeizes, so bleibt ihre Opferwiüigkeit immer noch weit erklärlicher, als die der Börsianer.
Jedenfalls möchten wir nicht auf leere Vermutung hin die sozialdemokratische Partei bezichtigen, daß sie sich von der Börse unterstützen lasse, um deren Interessen zu vertreten. Liberale Blätter; weisen darauf hin, daß die Ueberschüsse der sozialdemokratischen Parteiunternehmungen (Zeitungen, Verlagsgeschäfte) zum Teil aus den Taschen von Nichtsozialdemokraten stammen, die die sozialdemokratischen Preßunternehmungen durch Abonnements und Anzeigen unterstützen. Sollen wir nun für den Boykott der Parteiunternehmungen plaidieren? Wir vermuten, daß die Nichtsozialdemokraten bei dieser „Unterstützung" der Sozialdemokratie doch wohl nur ihr eigenes Interesse im Auge haben und es auch frühen. Wer z. B. in der sozialdemokratischen Presse inseriert, würde dies nicht tun, wenn er damit nicht erheblich mehr Geld aus den Taschen der „Proletarier" in die eigene Kasse leitete, als er für die sozialdemokratische Parteikaffe beigesteuert hat.
Das Forschen nach den Wohltätern dieser Kasse oder das Suchen nach Mitteln, die Füllung der Kasse zu verhindern, hat überhaupt keinen praktischen Zweck. Es bleibt doch alles, wie es ist. Man gibt den Sozialdemokraten nur Gelegenheit, über den Neid der bürgerlichen Parteien und ihre mangelhafte Opferwilligkeit zu spotten. $ie Kassenausweise der Sozialdemokratie sollten lediglich ein Ansporn für andere Parteien fein, eine ähnliche Opserwilligkeit zu zeigen. Man muß nicht so sehr aus die Spenden von 30,000 oder 10,000 Mk. sehen. Es ist nicht nötig, daß man „begeisterte Anhänger" finde, die dasselbe leisten. Die eigentliche Bedeutung der sozialdemokratischen Parteibeiträge liegt in den kleinen Spenden, die groschenweise zusammengebracht werden Gnd an deren die Masse der „Proletarier" sich beteiligt. Darin zeigt sich ein Idealismus und eine Opferwilligkeit, die musterhaft ist, auch wenn man den Zwang und Druck in Betracht zieht, die manchmal auf die Spender ausgeübt werden mögen. Eine Partei, die unter den Massen so viele Taufende opferwilliger Anhänger hat, ist so bald nicht umzubringen. Das füllten sich die Anhänger anderer Parteien recht deutlich vergegenwärtigen. Sie würden sich dann jedenfalls etwas eifriger zeigen, in der materiellen Förderung ihrer Sache, o.hne die es nun einmal nicht geht.
Deutscher Reich'.
Berlin, den 15. April 1903.
% Kaiserreisen. Soweit bis jetzt feststeht, wird der Kaiser zunächst, wie alljährlich, am 20.
Sie waren wohl kaum ein gutes Stündchen zusammen. als der Kellnerbursche mit einem Briefe emtrai und denselben an Laurenz abgab.
M „Oho — per Eilbote? Was ist denn da los?" fragte Laurenz und - ffnete das Kouvert.
E n kleines Briefchen entglitt demselben und fiel zu Boden. Wöbrend Laürenz die Einlage herauszog, beugte sich Sterhan und hob das Briefchen auf.
„Das ist ja g'r nicht für Dich! Sieh Dir einmal die Adresse an!" sagte er zu seinem Freunde.
„Richtig, das ist ja für Winter. Heinrich, wo steckst Du denn? Komm ter — etwas für Dich — von zu Hanse!" rief Laurenz, während in Stephan allerlei böie Gedanken austauchten.
„Bielleicht ein extra Briefchen von irgend wem, wie kommst Du denn aber dazu, den Liebesboten zu spielen?" höhnte er und leerte hastig ein beinahe volles Glas. Heinrich kam heran; erhitzt lachend, — strahlend in jugendlicher Kraft und Schönheit. Er nahm das^Lricfchcn aus der Hand des Freundes und, eckgenoiDken von der Heiterkeit des Augenblicks, wollte er es vorläufig ungelesen in die Tasche schieben, doch Laurenz mahnte: „Lies es nur bald, es^ scheint Eile zu haben!"
„Meinst Du, alter Freund? ha bitte, mach ein bischen Platz; jedenfalls eine schwesterliche Epistel!"
Die lachenden Augen waren plötzlich ernst geworden, die sonst so klare Schrift seiner Schwester war kaum zu erkennen, die Aufschrift war mit zitternder Hand geschrieben. Er setzte sich und riß den Umschlag auf.
Stephan saß ihm gegenüber und faßte ihn scharf ins Auge. Sein Argwohn brachte diesen Brief mit Röscken in Verbindung, und mehr denn je grollte er dem anscheinend Begünstigten.
Kaum hatte Heinrich den Brief entfaltet, als sich schwer und fest die Hand seines Freundes auf seinen Arm legte. Dieser hatte inzwischen die kurze Einlage gelesen.
„Komm hinaus, Heinrich! Sei stark — dies ist nicht Der Ort für eine solche Nachricht!"
April Berlin verlaffen, um bis zum 23. Aprtl zum Besuch des Großher^ogs von Sachsen- Weimar auf der Wartburg zu weilen. Dann wird er am 30. April in Bückeburg an der Hochzeit des Großherzogs von Sachfen-Weimar mit der Prinzessin Karoline von Reuß ä. L teilnebmen, und von dort aus die Reise nach Italien antreten. Er wird am 2. Mai in Rom eintreffen und etwa eine Woche bei den ttalienischen Majestäten weilen. Von Italien wird er sich zunächst nach Donaueschingen zum Fürsten Fürstenberg begeben und alsdann nach einem kurzen Aufenthalt in Straßburg etwa von Mitte des Monats Mai an einen Aufenthalt in Schloß Urville bei Metz nehmen. Gegen Ende des Monats Mai wird er wieder in Berlin, bezw. im Neuen Palais bei Potsdam zurückerwartet. — In München sind hiesigen Blättern zufolge Nachrichten eingegangen, wonach der Kaiser auf der Hinfahrt nach Italien in München eine Zusammenkunft mit dem Prinz - regenten von Bayern haben wird.
% Die Kaiserin sieht sich, wie die ,Nordd. Allgem. Ztg? berichtet, zu eigenem lebhaften Bedauern nach ärztlichem Rate genötigt, auf die Teilnahme an der Reife des Kaisers nach Italien zu verzichten.
** Seitdem im vergangenen Winter Prinz Maximilian von Baden und seine Gemahlin Marie Luise, eine Tochter des Herzogs von Cumberland, am Berliner Hofe zum Besuche geweilt haben und hier mit besonderer Auszeichnung aufgenommen worden sind, wollen, vornehmlich in der auswärtigen Presse, die Gerüchte von der geplanten Verlobung des Kronprinzen mit der Prinzessin Alexandra, der zweiten Tochter des Herzogs von Cumberland, nicht verstummen. Der Besuch des Kaisers in Kopenhagen mußte als Beweis für die Richtigkeit dieser Vermutung dienen. Der Kopenhagener Berichterstatter des ,Daily Telegraph' meldet jetzt, zwischen dem Kaiser und König sei die Cumber- lanbfrage verhandelt worden. Der König sei von dem Ergebnis der Konferenz befriedigt. Es fei befchkoffen worden, der deutsche Kronprinz solle im Laufe des Sommers den Prinzen und die Prinzessin Max von Baden in Karlsruhe besuchen und dort der Prinzessin Alexandra von Cumberland begegnen. Abwarten!
** Unser neuer Vertreter in Washington, Speck von Sternburg, hat sich dort bekanntlich auf eine etwas seltsame Art eingeführt und fein Wort, daß die Welt sich über ihn wundern werde, auch durch einige eigentümliche Reden sehr bald wahr gemacht. Im diplomatischen Korps zu Washington scheint er gleichfalls einigen Rumor gemacht zu haben. Schon neulich wurde berichtet, das ganze deutsche Botschaftspersonal wolle von dort weg wegen Etikettestreitigkeiten, die durch die Gemahlin des Herrn Speck von Sternburg, eine Amerikanerin, herbeigeführt worden seien. Amerikanische Blätter haben die Dinge ihrer Gewohnheit gemäß sensationell aufgebauscht und von Herrn „Speckey" allerlei zu erzählen gewußt, das ihn
Doch er hatte sie schon erfaßt, die kurzen schwerwiegenden Worte: „Komm bald heim, lieber Bruder, Gott hat unsere Mutter zu sich gerufen! Heute Nacht ist sie sanft eingefchlasen. Es ruft Dich Deine todtraurige Schwester Leuchen!"
Wie oergeiftert starrte Heinrich auf das Papier. Fahle Bläffe überzog das lebensvolle, schöne Gesicht. Kalter Schweiß trat auf die ebelgeformte Stirn!
War es möglich? Dieser Todesruf — so jäh — so unfaßbar — mitten hinein ins volle Leben!--
Das laute Stimmengewirr, das Lachen, das Klappern der Gläier — wie unheimliches Brausen klang es in seinen Ohren. — Aechzend drückte er die Hände vor die Augen.
„Heinrich! Ermanne Dich! Komm, ich gehe mit Dir^ ich werde Dich nach Hanse führen!" drängte Laurenz. Jener aber war nicht im Stande, sich zu regen; der Schlag kam zu schwer und unerwartet.
Mitleidlos ruhten die Augen Stephans auf dem früheren Freunde.
„Die alte Winter ist also tot?" fragte er hi nüber zu Laurenz.
Dieser nickte schweigend.
„Nun, da wird wohl das Bettelstudium jetzt ein Ende haben!" —
„Pfui!" rief Laurenz, an welchen die rohe und herzlose Bemerkung gerichtet war.
Doch auch Heinrich hatte sie erfaßt, trotz seiner schmerzlichen Versunkenheit. Mit einem heiseren Schrei der Qual, des Abscheues sprang er auf, sein Atem flog, die Augen sprühten im gerechten Zorn.
„Elender Bube," keuchte er, und in seiner maßlosen Erregung ergriff er das ihm zunächst stehende Glas und schleuderte es dem spötttsch dreinschauenden Stephan in’8 Gefickt. —
Ein wilder Schrei — bann für einen Moment schreckhafte tödliche Stille! Der Getroffene war aufgesprungen, sofort aber wieder zurückgesunken int ohnmächtigen Schmerz.
Ein dicker Blutstrahl ergoß sich von der Stirn über das sahle Gesicht. Die aus ihrer Fröhlichkeit
aufgeschreckten Studenten drängten sich heran. Lärmerei, Schreien, Rufen, Fragen brausten im wüsten Durcheinander um die drei Beteiligten.
Heinrich stand hochaufgerichtet, sich wucklig mit beiden Händen auf den Tisch stützend. Der Ausdruck seines Gesichtes war unbeschreiblich.
Drohende Abwehr, Grauen und Entsetzen über die schnelle Tat, Schmerz und Empörung kämpften in den sonst so klaren, sympathischen Zügen. Wie ein Fremder stand er inmitten seiner Freunde, die ihn mit Fragen und Zurufen bestürmten.
Laurenz wehrte mit beiden Händen. Der sonst so stille, tiitmer zurückhaltende junge Mann war nach der ersten Schreckenslälmmng wie umgewandelt.
. „Laßt ihn! Zurück! — Er hat keine Schuld!" rief er, sich schützend und abwehrend an Heinrich drängend.
„Das ist eine Feigheit — eine grenzenlose Gemeinheit!" riefen einige.
„Er hat unsere Satzungen übertreten! Unser Banner geschändet und blamiert!" schrie einer der Aufgeregtesten.
„Still! Ruhe sag' ich Euch! Ich bin Zeuge, er ist furchtbar provociert ivord n!" schrie Laurenz.
Dies wirtte einigermaßen Staunen, Verwunderung über die so seltene, energische Einmischung überwand für einen Augenblick die Erregung.
Einige hatten sich um Stephan beschäftigt, der ohnmächtig zurückgesunken wor. Weiße Taschentücher bedeckten die Wunde, kaltes Wasser war schnell zur Hand, und kundige Hände und Augen begannen die Verletzung zu prüfen Heinrich stand wie angewurzelt, bas Drängen seines Freundes brachte ihn nicht von der Stelle. Seine ganze Aufmerksamkeit konzentrierte sich nur auf den Verwundeten. Zorn und Erregung war von ihm gewichen, mit angstvoll gespanntem Blick verfolgte er jede Bewegung des jungen Mediziners, der sich besonders um den bewußtlosen Stephan bemühte.
„Was, zum Teufel, ist denn vorgefallen?" ’’ "
hinter Stephan'« Rücken Eugen Wöll?, einer der ältesten des mediztniscken Kollegs.
(Foriietzung folgt.)