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Maer M Zeitung

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Druck »nd Verla, der KuldaerArtiendruckerek in Zulda (hannonief Fernsprecher Nr. 9.

M 84.

fUlda, Mittwoch, den 15. April 1903.

30. Jahrgang.

** Die Aenderung -e§ Wahlreglements.

Die ^Deutsche Tagesztg/ mußte vor einigen Tagen zu berichten, daß zu der Vorlage wegen Änderung des Wahlreglements im Reichstage Abänderungsanträge gestellt werden wür­den, die eine bessere Sicherung des Wahlgeheim­nisses gewährleisteten. Ob diese Anträge die Überweisung der Vorlage an eine Kommission nötig machten, ließ das Blatt dahingestellt. Da das Organ des Bundes der Landwirte sich in Gemeinschaft mit den Konservativen lebhaft gegen die Vorlage ausgesprochen hat, sah diese Ankündigung ziemlich verdächtig aus. Man mußte vermuten, auf der Rechten plane man, wiewohl die konservative Presse es wiederholt bestritten hat, ein Verschleppungsmanöver. Der Reichstag wird kaum noch acht Tage versammelt bleiben. Er hat noch mehrere wichtige Vorlagen zu erledigen. Wenn nun noch wichtige Abände­rungsanträge zu der Wahlvorlage kommen oder diese gar an eine Kommission verwiesen wird, so kann sehr leicht der Schluß der Tagung kommen, ohne daß die Vorlage erledigt ist; oder die Be­ratung kann sich so hinziehen, daß kein beschluß­fähiger Reichstag zusammenzuhalten ist und die Vorlage daran scheitert.

Heute sagt die .Deutsche Tagesztg/, sie, d. h. wohl die Vertretung des Bundes der Landwirte im Reichstage, werden die Abänderungsvor­schläge selbstverständlich genau prüfen, sich selbst aber daran nicht beteiligen, weil sie die ganze Vorlage für zweckwidrig halte. Danach scheinen die Anttäge doch nicht von der Rechten kommen zu sollen. Es ist schade, daß das Blatt nicht sagt, von welcher Seite es die Anträge erwartet. Inzwischen hat auch die Münchener .Allgem. Ztg/ gemeldet, daß verschiedene Ab­änderungsanträge sicher zu erwarten seien. Auch dies Blatt sagt nicht, von wem sie kommen sollen. Wir haben wiederholt bemerkt, daß wir die Vor­lage keineswegs für vollkommen halten und das Wahlgeheimnis durch sie noch nicht ausreichend gewahrt sehen. Wie wir aber darum noch nicht für die Verwerfung der Vorlage sind, so halten wir es auch für bedenklich, gründ­liche Befferungsversuche daran vorzunehmen, eben wett wir fürchten, daß gor nichts zu Stande komme, wenn man nach etwas vollkommenerem streben wollte. Stände nicht das Ende des Reichs­tages bevor, so würden wir allerdings Aende- rungen befürworten, aber so sind wir der Meinung, daß die Vorlage doch zu viel gutes bietet, als daß man sie ihrer Mängel wegen gefährden dürfte.

Wie man es auch macht, die polittsche Er- iahrung dürfte wohl lehren, daß dies oder jenes bester anders wäre. Man wird also vermut­lich später in jedem Fall ändern mästen. Und da die Vorlage unstreitig einen großen Fort­

schritt in der Richtung der Sicherung des Wahl- geheimniffes bedeutet, so nimmt man am besten an, um wenigstens das Gebotene einstweilen in Sicherheit zu bringen. Damit ist nicht gesagt, daß überhaupt keine Aenderungen vorge­nommen werden sollten. Wenn es sich zeigt, daß solche ohne Schwierigkeiten und größeren Zeitverlust durchzusetzen find, warum nicht? $fn diesem Falle mag man sogar gründliche Ver­besserungen vornehmen. Nur wenn zu befürchten ist, daß man mit Abänderungsvorschlägen den grundsätzlichen Gegnern des Wahlgeheimnisses in die Hände arbeitet, soll man darauf verzichten. Wie es scheint, ist selbst die Regierung mittler­weile zu der Erkenntnis gekommen, daß die Vor­lage nicht vollkommen ist. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ meint, es sei überflüssig, daß die Aus­händigung des Umschlages an den Wähler durch eine vom Wahlvorstande in der Nähe des Nebenraumes oder Nebentisches ausgestellte Person erfolge; richtiger wäre es, die Umschläge einfach auf einem Nebentische zum Gebrauche bereit zu legen. Will jemand einen entsprechenden Abänderungsvorschlag machen, so haben wir nichts dagegen, vorausgesetzt, daß er nicht zur Verschleppung dient.

Es ist vielfach darüber gestritten worden, ob der Reichstag die Vorlage überhaupt ab­ändern könne und ob eine ober drei Lesungen notwendig seien. ' Daß der Reichstag Aenderungen vornehmen darf, versteht sich von selbst. Er darf jede Vorlage ändern; es kommt nur darauf an, ob er sich mit dem Bundesrate darüber zu verständigen vermag. Sogar Handelsverträge könnte er ändern, nur wird freilich der Bundesrat seine Zustimmung nicht geben, da er alsdann in neue Verhandlungen mit den betreffenden Staaten eintreten müßte und dazu nach mühsam zu Stande gekommener Einigung mit ihnen keine Neigung haben wird. Was die Frage, ob eine oder drei Lesungen, angeht, so hat es der Reichstag in der Hand, wie er entscheiden will. Die bisherige Praxis spricht jedenfalls dafür, daß er sich mit einer Lesung begnügen könnte, wiewohl diese Praxis vielleicht nicht dem strengen Buchstaben der Geschäftsordnung entspricht. Will er Aen­derungen vornehmen, so wird er um drei Lesungen nicht herum können. Die grundsätzlichen Gegner der Vorlage verlangen durchaus drei Lesungen. Man kann trotz aller Ableugnungen den Ver­dacht nicht unterdrücken, daß damit eine Ver- schlagung beabsichtigt sei. Indes kennt die Mehr­heit die Klippen, die der Vorlage drohen, zu gut, als daß sie irgend etwas zur Unterstützung dieses Manövers tun sollte. Auch wenn sie sich für drei Lesungen entschließt, wird sie alles tun, sie möglichst rasch zu erledigen.

Die ,Nordd. Allg. .Ztg/ hat nochmals ver­sucht, die Vorlage der Konservativen mit der Versicherung schmackhaft zu machen, sie werde jedenfalls den praktischen Zweck haben, jedem Wahlterrorismus, auch dem der Sozialdemokratie ein Ende zu bereiten. Damit findet sie indes keinen Anklang. Mürrisch erklärt die ,Postt, weder vor dem Wahlterrorismus des Kaplans noch dem der Sozialdemokraten schütze selbst die

KeimcttgMck.

Erzählung aus den Bergen. Bon I. Fichtner.

7 -------- (Nachdruck verboten.)

Aber auch dieser erschütternde Herzenston weckte die Schläferin nicht auf. Das Gesicht der Wand zu- gekehrt lag sie regungslos und still. Die sckmale Hand Lencheus legte sich auf die Rechte der Mutter, die kalt unbjtarr auf der Bettdecke lag.

Ein Schrei, herzerschütternd, gellte durch das kleine Stübchen; Lenchen lag in die Knie gesunken, wie niedergeschmettert von unsichtbarer Gewalt am Boden neben _ dem Totenbette der Mutter, die ohne Arzt, ohne Hilfe, still und einsam in die Ewigkeit hinnber- geschlummert war.------------- —

Der erste, klare Gedanke der armen, verlassenen Waise galt Heinrich, ihrem Heini, ihrem Bruder. An sich selbst dachte sie nicht — nur an ihren großen Schmerz und an ihn, und dies brachte sie wieder in die Hülst. „Was soll nun werden? Was soll nun werden?" schrie es in ihrem Innern. „Und wie wird er es aufnehmen, wie wird er es tragen!"

Dann wieder das entsetzlich lähmende Gefühl gänzlicher Bereinsamung, das Bewußtsein ihrer körper­lichen Schwäche, gegenüber der groben, unfaßbaren Majestät des Toses, die in dieser armseligen Be­hausung eben so sehr und erhaben die Schwingen be­wegte, wie im goldstrotzenden Palast des Reichtums und irdischer Macht.

„O Gott," stöhnte sie, „warum hast Du mir das getan? Warum nahmst Du mich nicht mit ?"

Sie grub ihr Gesicht in die Kisien und rang in dieser bitterschweren Stunde nm Kraft und Hilfe, ihr hartes Lebenslos mm allein weiter zu tragen.

Durch die feierliche Stille drang endlich ein leises, anhaltendes Klovfen, welches das arme Lenchen aus den chmerzkiche'n Gefühlen zur Wirklichkeit emporschreckte.

Kaum daß sie sich erheben konnte, um die Tür zu öffnen, so schwer lag die Wucht des Schicksals auf den schwachen Schultern.

Der Riegel ging zurück; fast Verständnis- und teilnahmslos sah Lenchen auf das alte Hannerl, das zitternd vor Kälte mühsam hereinhumpelte.

„Gott grüß, Lenerl, ich wollt's bloß der Frau Muttern sag'n, daß s' vorhin s' Totenglöckle für a Heinzel Frieden geläut hab'n, der ist die Nacht ge- storb'n," meldete Hann-rl, die jede derartige Nachricht zuerst im Städtchen verbreitete.

Lenchen war zurück an das stille Sterbebett ge­treten und warf sich nun laut aufschluchzend über die Tote.

Hannerl war ihr gefolgt und stand nun in starrem Schrecken wie an den Boden gewachsen. Was war denn hier nun für Jammer und Unglück wieder ein­gekehrt !

„Du lieber himmlischer Bater! Jst's denn wirklich wahr, liebes Lenerl? Vielleicht ist's nur ein Krampf und sie kommt wieder zu sich!" stammelte sie mit fast gelähmter Zunge.

Das treue Kindesherz aber, das da in wildem Schmerz zum Himmel schrie, wußte eS nut zu gut, daß die Mutter nicht mehr zurückkommen würde in das Elend der kalten Welt, und heftiger und heißer lösten die Tränen auf das stille, totesstarre Gesicht der Heimgegangenen.

Nun war das alte, vermummte Weiblein in die Knie gesunken; die Hände krampfhaft ineinander ge­altet, fing es an zu beten, oft dazwischen aufschluchzend, denn die Dahingeschiedene war ihr eine liebe Wohl­täterin gewesen. Laut und deutlich durchdrang das eintönige doch so wohlgemeinte Gebet die feierliche Stille; es drang bis an das Herz des verzweifelten Mädchens und zwang es, sich in Demut zu ergeben und gleichfalls in die Knie sinkend dem Herrn das schwere Opfer darzubringen und Trott und Hilfe im Gebet zu suchen.

Nack Erfüllung ihrer Christenpsticht griff Hannerl

sorgsamste äußere Sicherung des Wahlgeheim- niffes. Wenn man doch ein wenig ehrlich sein wollte. Der ,Post' macht im Ernste weder der Wahlterrorismus „des Kaplans" noch derjenige der Sozialdemokraten Sorgen, sondern man will den Wahlterrorismus gewisser agrari­scher und industrieller Arbeitgeber auf­recht erhalten. Deshalb allein haßt man die Vorlage. Alles, was man sonst dagegen sagt, ist Flunkerei.

Berlin, den 14. April 1903.

** Ein parlamentarischer Berichterstatter ver­zeichnet das Gerücht, daß dem Reichstage noch ein Nachtragsetat zugehen werde. Darin soll die von der Budgetkommission und vom Plenum abgelehnte Forderung für den Neubau des Reichsmarineamts in veränderterAorm unter Ermäßigung des Kostenanschlags wieder aufge­nommen werden, nachdem die Besitzer der in Frage kommenden Grundstücke an der Bellevue­straße ihre Angebote erniedrigt haben.

** Wie in Mecklenburg, so macht sich jetzt auch im Königreich Sachsen scharse Opposition gegen den Zusammenschluß der evangelischen Landeskirchen geltend. Hier ist es, wie dem ,Reichsboten' geschrieben wird, in erster Linie die Haltung Preußens in Sachen des Jesuitengesetzes, „welche zu schweren Bedenken Anlaß gibt". Der Zusammen­schluß war gedacht vor allem als die Errichtung eines Bollwerkes römischen Machtgelüsten gegen­über, und man hatte von Preußen gerade eine Stärkung der evangelischen Kirche im Kampfe gegen den Ultramontanismus erwartet. Nun sieht man sich um so ärger enttäuscht, als es dasselbe Preußen, die „evangelische Vormacht", ist, von dem die Anregung zur Beseitigung des § 2 des Jesuitengesetzes ausgegangen ist. 3Ran ersieht sich also nichts gutes für den Bekenntnis­stand der evangelischen Landeskirchen, wenn innerhalb des geplanten, auch in Sachsen freudig begrüßten Kirchenbundes, Preußen einen prä­dominierenden Einfluß erhielte, und es muß einer lebhaften Agitation gegen den Zusammenschluß entgegengesehen werden." Sonst pflegt der Haß gegen „Rom" und die Jesuiten die Protestanten zu einigen. Hier trennt er sie einmal.

** Die .Franks. Ztg/ meint, Graf Bülow habe durch die Ankündigung der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes sehr geschickt einen Zankapfel unter die Zolltarif - Mehrheit geworfen. Dazu bemerkt die ,Kreuzztg/: „Wir wissen nicht, ob der Reichskanzler dieses Lob aus freisinnigem Munde wirklich verdient. Aber wir möchten gewissen konservativen Parteigenossen zu bedenken geben, ob sie klug handeln, wenn sie den § 2 des Jesuitengesetzes als Zankapfel in die konservat ive Partei werfen!" Wir vermögen den Reichskanzler nicht für so kurzsichtig zu hal-

nach ihrer Krücke, empfahl Lenchen dem Schutze Gottes und stolperte eiligft hinaus in den kalten tointerlag, um ihre doppelte Hipbspost von Haus zu Haus zu tragen.

Bald war Lenchen nicht mehr allein; ununterbrochen ging die Tür auf und zu und Alt und Jung kam herbei, ihr aufrichtige Teilnahme zu bezeugen und ihr den ersten Ansturm des Unglücks tragen zu helfen. Der ganze, kleine Kreis, deffen Mittelpunkt sie war und auch darüber hinaus, der Pfarrer, der Doftor, die Frau Bürgermeister und vor allem Röschen kamen sie zu trösten und ihre Hilfe anzubieten.

Ja — es ist doch ein Segen um so eine kleine, engbegrenzte Heimat, wo eines mit dem anderen lebt und stirbt, eines mit dem andreren weint und lacht. In dieser schweren Stunde fühlte es Lenchen mit tröstlicher Genugtuung, daß sie doch nicht verlassen war, und daß sie mehr Freunde hatte, als sie gehofft und gedacht.

5.

Studiosus Heinrich Winter saß auf feiner „Bude" und grollte seinem Namensbruder, der auch ihn ohne Erbarmen mit harter Faust gepackt nun schon seit Wochen hin und hergeschüttelt, daß ihm schier Hören und Sehen verging.

Er, der arme Student, hatte wahrlich keine Ur­sache, seinem Namensvetter irgend welche Konzessionen zu machen. War et es doch, der ihm sein armseliges Studentenleben trotz aller Illusionen feiner kampfes- lustigen, wetterfesten Jugend doch manchmal unerträg­lich machte.

Im unzureichenden Schutz seiner Kleidung, oft burd;froren bis ins Mark, saß er im meistens unge­heizten Zimmer. Seine Borratskammer, bestehend aus einer alten Hutschachtel, zeigte eine fürchterliche Oede, zumeist immer, wenn er am besten bei Appetit wat, und fein Portemonnaie — fast immer leer! — Die „Summen", die Lenchen schickte, wurden nicht erst warm darin: sie wanderten bald in so und so viel leere Hände, die sich begierig danach ausstreckten. '

len, daß er gegen feine Interessen mit Absicht einen Zankapfel unter die Zollmehrheit hätte werfen sollen. Er hat sich nur nicht überlegt gehabt, welches Gehetze der evangelische Bund und seine Schleppträger anstellen würden, wenn nicht auf die Ankündigung im Reichstage alsbald die Ent­scheidung im Bundesrate folge. Das Hin- und Herraten in der Presse über das etwaige Schick­sal des § 2 im Bundesrate dauert fort. Die .Deutsche Tagesztg/ will wissen, daß der Reichs­kanzler den Reichstag nicht auseinandergehen lassen werde, ohne Klarheit zu schaffen. Die Ablehnung des Aufhebungs-Antrages sei freilich ziemlich sicher. Dagegen wollen die ,Dresd. Nachr/ angeblich ganz zuverlässig erfahren haben, daß jetzt für die Aufhebung des § 2 Preußen 18, Bauern 6 und Baden 3 Stimmen abgeben werden. Hamburg habe sich noch nicht geäußert, doch wahrscheinlich werde es gegen die Aufhebung stimmen. Unge­wisser sei, ob Mecklenburg und Anhalt dagegen seien. Es fehlten somit schon jetzt nur 2 Stim­men zur Stimmengleichheit. Somit sei die Ab­lehnung keineswegs gesichert.

* Auf dem internationalen Landwirt- fchastskongretz in Rom wurde heute, wie der Handelsoertrogsverein triumphierend berichtet, in der vorbereitenden geschäftlichen Sitzung beschlossen, den vom Vorsitzenden des Deutschen Landwirts­rats, Grafen von Schwerin-Löwitz, eingebrachten Anttag auf Bildung eines handelspolitischen Kartells der europäischen Staaten als nicht genügend reif und durchdacht von der Tagesordnung abzusetzen, und ihn dem (erst in mehreren Jahren tagenden) nächsten Kongreß zu überweisen. Die Zustimmung der Plenarver­sammlung zu diesem Beschluß soll als zweifellos zu betrachten sein. — Wir haben selbstverständ­lich von dem Anträge nicht sofort ein praktisches Ergebnis erwartet. Aber zur Erörterung stellen hätte man ihn doch wohl können.

** Auf die Resolution des preußischen Ab­geordnetenhauses, in Preußen die staatliche Schlachtviehverftchernng einzuführen, hatte der Reichskanzler eine allgemeine Umfrage an die Bundesregierungen gerichtet, wie sie sich zu einer für das Reichsgebiet gleichmäßigen obligato­rischen Schlachtviehversicherung stellen. Nach der,Allg. Fleischerztg/ nimmt der größte Teil der Bundesstaaten dazu eine ablehnende Haltung ein.

* Haag, 14. April 1903. Da hier Ruhe herrscht, werden die Königin und Prinz Heinrich der Niederlande morgen nach Schloß Loo zurückkehren, wo am Samstag der Geburts­tag des Prinzen Heinrich in Anwesenheit der Königin-Mutter gefeiert werden soll. Die Königin hatte heute eine Besprechung mit dem Kriegs­minister. — Die entlassenen Angestellten der beiden Eisenbahngesellschaften richteten an die

Und doch verlor er den Mut nicht und war seit­her am Ende jedes durchrunzenen Tages der Frohste gewesen von Men, mit denen er sich trotz alledem am Abend zu lustiger Gemeinschaft zusammenfand.

Den armen Studenten, dessen Fleiß und Streben den Herren Professoren nicht verborgen blieb, suchten diese auch zu fördern und zu stützen, wo immer es anging, und er rechnete es sich zur Ehre, ein Sti- pendiuin zu gewinnen, das für arme Studierende be­stimmt war.

Im Kreise seiner Kommllitonen aber Ivar er ein anderer; da fühlte er sich gleichberechtigt, weil gleich­befähigt und keiner hätte es auch gewagt, ihn seine Armut fühlen zu lassen und ihn zu mißachten.

Sein heiteres, sonniges Wesen, die herzliche Liebens­würdigkeit seines Charakters und hör allem sein achtung­forderndes Wissen und Können verschafften ihm eine Geltung und eine Aufmerksamkeit und Freundschaft, wonach manch anderer vergebens strebte.

Was Wunder, wenn er sich sehnte, die doch oft gar zu schwer drückende und beengende Last der Ar­mut in diesem Kreise zu vergessen, sich wenigstens für Stunden darüber hinweg zu täuschen; sich der Jugend zu freuen, sie zu genießen mit vollen, durstigen Zügen, den unvergleichlichen Stunden ungebundener Fröhlich­keit mit Leib und Seele sich hmzugeben.

Lang hatte er sich ja gegen diesen Lebensdurst und -Drang gesträubt, wohl wissend, daß dem Armen die Hallen der Freude und des Genusses zumeist ver­schlossen find, aus naheliegenden Gründen. Er fürch­tete die Unsitte des Schuldenmachens wie das Feuer, die Unsitte, die ja taffächlich oft nicht nur das leib­liche, vielmehr auch das geistige Eigentum des Menschen aufzehrt, besonders jener, die sich in der Bildung zum Menschen befinden.

Da kam man aber dem liebenswürdigen Jüng­linge auf halben Wege entgegen; zuerst der Wirt, dem es nicht darauf ankam, für ihn einen Bären anzu­binden. Dann der Buchhändler, wohl auch der Schuh­macher und Schneider und hier und da ein Freund —