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Druck und Verlag, der LuldaerAetiendruckerei in Zulda (Harmonie). Lernsprecher Nr. 9.
FM 82.
Tlllda. Samstag, den 11. April 1903.
30. Jahrgang.
Wegen des ht. Osterfestes wird die nächste Stummer unserer Zeitung erst am Dienstag ausgegeben.
Deutsches Reich.
Berlin, den 9. April 1903.
** Nach der _ dem Reichstage zugegangenen Geschästsüberficht des Reichsmilitärgerichts waren im Jahre 1902 bei den Senaten anhängig 405 Sachen; davon wurden durch Verzicht erledigt 6, durch Unzuläffigerklärung des Rechtsmittels wurden verworfen 109 Sachen, Die Revision verworfen wurde in 180 Fällen, die angefochtene Entscheidung aufgehoben und die Sache in die Berufungsinstanz zurückoer- wiesen wurde in 72 Fällen; auf Freisprechung erkannt einmal. Unerledigt blieben 37 Sachen. 253 Hauptverhandlungen fanden statt. Soweit die Revisionen. Anträge aus Wiederaufnahme des Verfahrens waren 113 anhängig. Das Reichsmilitärgericht hat davon 72 als unzulässig und 11 als zulässig verworfen, in 6 Fällen die Wiederaufnahme angeordnet, in 5 auf Freisprechung erkannt, in 1 den Antrag abgelehnt, unerledigt geblieben sind 17 Fälle. Von den 56 anhängigen Rechtsbeschwerden sind 7 für begründet, 41 für unbegründet erklärt, 2 ohne Entscheidung erledigt, 6 unerledigt geblieben. Von sonstigen Sachen sind 10186 geprüften Ausstellungen zu den standrechtlichen und kriegsrechtlichen Sachen notiert, von denen 6771 erledigt worden sind. Von 2286 durchgesehenen Urteilen des Oberkriegsgerichts sind 1318 erledigt. Die 4 Zweifel an der Zuständigkeit der Gerichtsherrn sind gleichfalls erledigt. Die Geschäfte für Militäranwaltschaft erstrecken sich u. a. auf 405 Revisionen, 113 Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens, 56 Rechtsbeschwerden, 770 Gnadengesuche, 343 Jmmediatbenchte und 4 Gutachten zu feld- und bordgerichtlichen Urteilen.
* Ein ueue§ Armeekorps? Reichstags- Abgeordneter Sieg hat in einer Wahlversammlung zu Strasburg (Westpr.) die Mitteilung gemacht, daß nach seinen Informationen dem kommenden Reichstage eine Militär-Vorlage zugehen werde, welche die Bildung eines neuen Armeekorps mit dem Sitze der Leitung in Al len sie in fordert. Diese Nachricht ist, so schreibt die ,Elbinger Ztg.', unseres Wissens die erste, welche über den Inhalt der angekündigten Heeresvorlage in die Oeffentlichkeit dringt und dürste daher allseitige Beachtung verdienen.
** Der Vorstand der kirchlichen Landeskonferenz für die beiden- Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklen- burg-Strelitz hat zur Frage desZusammen-
sch lusses der deutschen evange laschen Landeskirchen einstimmig Beschlüsse gefaßt, die im wesentlichen auf einer Ablehnung dieser Bestrebungen hinauskommen. In den Beschlüffen wird die Bekenntnisfrage als ein Haupthindernis des Zusammenschlusses bezeichnet. Ein weitergehender Zusammenschluß, als er in der bereits bestehenden Eisenacher Konserenz bewirkt worden, sei ohne Gefährdung des Bekenntnisstandes und der geschichtlich gewordenen Selbständigkeit und Eigenart der einzelnen Landeskirchen trotz aller dieselben verbürgenden Zusicherungen auf die Dauer unmöglich. Daher verwahrt sich der Vorstand gegen jeden Zusammenschluß, durch welchen der ohnehin durch das Gewicht der Massen übermächtigen unirten Kirche ein überwiegender Einfluß gegeben werde, also insbesondere gegen jeden Zusammenschluß, durch welchen, der Vorsitz der größten unirten Landeskirche zusällt, oder durch den der Sitz der ausführenden Behörden nach Berlin verlegt wird Unter allen Umständen sei jeder Kirche ein Rücktritt aus der Vereinigung voxzubehalten. Die Erklärung schließt mit einem Appell an die Großherzöge, alles zu tun, „was zum Schutz unferer' bedrängten Kirche erforderlich ist, und alle Eingriffe in deren Selbständigkeit und Bekenntnisstand" abzuwehren.
** In der Bersuchsrnüllerei unb Ber- fuchsbäckerei, die mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer in Berlin errichtet werden sollte, sollen nach der ,Korresp. des Bundes der Landwirte' Versuche angestellt werden, wie unvermischtes inländisches Korn am besten unb zweckmäßigsten zu Mehl und Gebäck verarbeitet werden kann. Diese Versuche liegen natürlich daneben auch im Interesse der einheimischen Landwirtschaft und deshalb begünsttgen die preußischen Landwirtschaftskammern die Begründung jener Versuchs- und Lehranstalt.
** Zum ersten Male ist in Berlin ein Handwerksmeister, der es versäumt, den Lehrling zur Ablegung der Gesellenprüfung anzuhalten, auf Anzeige der Handwerkskammer in eine Geld- strafe genommen worden. Die Verfehlung dieses Meisters steht nicht vereinzelt da und hat ihren ganz bestimmten Grund. Wenn nämlich der Lehrling die Prüfung nicht besteht und der Prüfungsausschuß zu der Ueberzeugung kommt, daß die mangelhafte Ausbildung durch den Lehrherrn dies verschuldet habe, so kann die Unterbringung des Lehrlings in einen anderen Handwerkerbetrieb auf Kosten des ursprünglichen Lehrherrn angeordnet werden.
* Dresden, 9. April 1903. Von einem Provinzblatte war dieser Tage das „Gerücht" verbreitet worden, daß der König von Sachsen vor seiner Abreise nach Gardone dem Papste eine namhafte Summe zu dessen freier Verfügung hat überreichen lassen. Auf Grund Information an zuverlässigster Stelle können die «Dresdener Nachrichten' mitteilen, daß an diesem „Gerücht" auch nicht eine Spur von Wahrheit ist. — Es wäre aber auch zu schrecklich gewesen, wenn König Georg dem hl. Vater einen Peterspfennig gespendet hätte!
KeimatgMck.
Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.
5 (Nachdruck verboten.)
Noch hängen die jungen Leute zu sehr an der Heimat, um den auffallenden Unterschied des so beschränkten Kulturlebens, gegen das der großen Stadt zu empfinden.
Für sie liegt noch ein hoher Reiz in den eng und liebgezogenen Grenzen des Familienlebens, dem sie zustreben, und dessen leuchtender Mittelpunkt, an welchen sie alle Hoffnungen und Wünsche knüpfen, sie ja selbst noch find. Noch brauchen sie ja Liebe und Pflege, die stützende Hand des Vaterhauses und noch freuen sie sich an der Achtung und Liebe einfacher Menschen, in deren engeren Kreise die goldene Kinderzeit sich abgespielt, jene selige Zeit des Vertrauens, des Genügens, der allgemeinen Gleichberechtigung an Freude, Spiel und Sonnenschein.
Noch ehe die Straße nach der Mühlengaffe abbog ries Heinrich: „Halt!" riß gleichzeitig den Schlag auf und war hinaus noch ehe die Pferde zum Stehen kamen; dasselbe wiederholte sich an der Marktecke, wo es der „Bürgermeister", wie sie ihn nannten, ebenso machte, und dann tenfte der Wagen in die ziemlich abfallende Mühlengaffe, wo der Kutscher den Hemmschuh in Bewegung setzen mußte, bis Laurenz vor dem „goldenen Stern" anh-.elt und den beiden Brüdern die unten liegende, väterliche Mühle entgegenwinkte.
Der gemütliche Sternwirt stand im Rahmen der Haustür und erwartete vergnügt schmunzelnd seinen Nettesten, der, wie er sich überzeugte, noch immer die Zügel stramm zu regieren vermochte, obwohl die Hände immer weißer und zarter wurden, und das Auge immer mehr nach innen zu blicken' schien. — Die beiden B'üder WeiAert stiegen nun auch ab, und währen- der älteste, mit flüchtigem
Gruß dem Vaterhause zuerlie, ging Stefan gar langsam und zögernd hinterdrein.
„Dort wird's wohl heut' was geben!" meinte der Sternwirt nach der Begrüßung seines Sohnes, als er die Tarschwelle hinter den verschwindenden Brüdern laut rasseln hörte.
„Was? — Meinst Du, daß der Müller ungemütlich wird," fragte Laurenz etwas besorgt.
„Vielleicht hat sich der Sturm inzwischen gelegt; sie sollten meiner Meinung nach den Jungen nicht zwingen — indeß — das ist nicht untere Sache und was sich die Müllerin einfädelt, das ändert keine andere Meinung." Mit. diesen Worten zog der Sternwirt den Sohn hinein in die Küche zum dampfenden Kochherde, wo die Mutter, mit vor Fr- ude und Hitze glühendem Gesicht, ihn bereits erwartete.
Im kleinen und wohlbekannten Stübchen lag Heinrich in den Armen seiner glücklichen Mutter. Am Fenster stand Lenchen und streckte wie ein glückliches Kind beide Hände' verlangend nach ihm aus.
„Du hörst ja gar nicht auf zu wachsen und bist wieder ein Stück größer!" rief sie bewundernd an dein stattlichen Jünglinge hinaufblickend. Dieser Umstand war es wohl auch, warum sie nicht von der Erhöhung herunterkam; ach — sie war doch gar zu klein, zu unbedeutend ihm gegenüber. Als die Mutter sich endlich aufraffte und ihr einfiel, daß der Heimgekehrte wie immer einen recht hungrigen Magen mitgebracht jaden könnte, riß sie sich los, um das sorglich vorbereitete ! leine Mahl aufzutischen.
_ Nun hatte ihn Lenchen endlich ganz allein für sich. Sie zog ihn heran und drückte ihn wie von früher gewöhnt, auf die Stufe nieder. Sv konnte sie ihm am besten in die Augen sehen und noch ließ er das mit ich geschehen und erwiderte den fragenden, besorgten und doch glückstrahlenden Ausdruck des Schwesternauges mit freiem offenen Blick.
3.
„Es ist doch wirklich bald wie ein Wunder, daß wir es ermöglicht haben, den Jungen studieren zu lassen! Meinst Du nicht auch Mutterte?" fo fragte Lenchen, als sie in der Dämmerstunde nur immer dem
Im übrigen verstehen wir nicht, was es sächsische Blätter angeht, wenn der König aus seiner Privarschatulle Ausgaben macht. Da haben doch die „toleranten" sächsischen Zeitungen gar nichts dreinzureden.
* Amsterdam, 10. April 1903. Der Sekretär des Schutzkomitees teilte den Zeitungen den Beschluß rnit, den allgemeinen Ausstand mittags aufhören zu lasfen. Eine Massenversammlung, welche die gesamten Arbeitervereinigungen heute früh unter dem Vorsitze des Schutzkomitees im Jndustriepalaste ab hielten, hat den Beschluß des Schutzkomitees nicht gebilligt. In dem allgemeinen Lärm waren die Komiteemitglieder verhindert, das Wort zu ergreifen. Die Vereinigungen beschlossen, den Ausstand auch ohne das Einverständnis des Komitees fortzusetzen. Infolgedessen dauert der Ausstand heute zwar fort, aber überall erkennt man, daß die Streiklust stark im Abnehmen begriffen ist. Auch aus den übrigen' Städten des Landes kommt die Nachricht, daß das Ende des Ausstandes bevorsteht. Der sozialistische Gewaltstreich ist verunglückt.
* Paris, 9. April 1903. Der heutige Ministerrat im Elysve beschäftigte sich mit dem Programm der Festlichkeiten, welche anläßlich der vom 1. bis 4. Mai währenden Anwesenheit des Königs von England veranstaltet werden sollen. Darnach empfängt der Präsident Loubek, der am morgen des 1. Mai von seiner algerischen Reise zurückkehren wird, den König am nachmittag 4 Uhr desselben Tages auf dem Lyoner Bahnhofe in Paris. Der König wird auf der englischen Botschaft absteigen. Zu seinen Ehren werden im Elysöe ein Festessen und in der großen Oper eine Festvorstellung stattfinden. Die Abreise des Königs wird am 4. Mai morgens erfolgen.
* Rom, 9. April 1903. Fünf Hund ert- undzehn Württemberger sind gestern abend gegen 8 Uhr wohlbehalten hier eingetroffen und von Priestern der Gesellschaft des göttlichen Heilands empfangen worden. Wegen des Streiks mußten die Pilger zu Fuß bei Regen in ihre Quartiere gehen. — Die Nacht ist ruhig verlaufen, die Stadt zeigte heute das gewöhnliche Bild, die Läden sind geöffnet, nur der Fiakerverkehr ist noch eingestellt. Bei den Straßenbahnen wird der Dienst durch städtifche Polizei- beamte versehen. Die sozialistischen Deputierten, welche in Rom anwesend sind, bemühen sich, eine schiedsgerichtliche Entscheidung zwischen den Buchdruckern und ihren Arbeitgebern herbeizuführen, um dem Ausstand ein Ziel zu fetzen. In zahlreichen Werkstätten und Fabriken wird in gewohnter Weise gearbeitet, und da auch die Eisen- bafmangefteüten in Rom sich geweigert haben.
einen herrlichen Gedanken nachhängend, ihre Näharbeit zusammenlegte und nach dem Strickstrumpf griff.
„Freilich, freilich — ich will's meinen. Der Herr gibt Stärke dem Schwachen und Gnade dem Unvermögenden !" erwiderte Frau Winter und drängte ihre vor Frost zitternde Gestalt an den erkaltenden Ofen.
„Friert Dich nicht Leuchen?" fragte sie.
„Gar nicht, Mutter, Du weißt schon, ich mache mir immer warme Gevanken!"
Frau Winter seufzte aber so leise, daß es Lenchen nicht hören konnte.
„Damals, weißt Du wegen dem Anzug — ich dachte, es würde nicht möglich fein, und ba war es wieder fast wie ein Wunder, daß gerade die Auktion von Apothekers Sachen sein mußte; die Aenderung hat ja auch etwas gekostet, aber solch' feines Tuch hätten wir ihm nicht kaufen können und solch feine schwarze Kleidung steht ihm' so gut!" plauderte Lenchen emsig strickend weiter. „Nun find schon wieder zwei Jahre verstrichen und es ist doch hübsch, daß er sich fein Taschengeld selber verdient."
Wieder seufzte Frau Winter und nun hörte es Lenchen; betroffen schaute sie nach der Mutter hin.
„Ist Dir nicht wohl? Hast Du nicht noch etwas Warmes stehn?" fragte sie teilnehmend.
„Ich denke wohl!" war die Antwort, doch merkte man nicht, daß sie es genoß.
„Am längsten hat es nun ja gedauert, die paar Jahre noch, da versteht er alle Krankheiten zu heilen und man darf e« ja gar nicht laut sagen, denn wenn man ein Glück hat, muß man es behüten — eS ist doch aber nichts anders — Bürgermeisters Röschen nimmt keinen andern, als nur unfern Heini, das weiß ich genau, wenn sie's auch still für sich behält; und dann Mutter, ist's aus mit der Not!" „Wenn nicht nur schon früher!" mußte sich die kranke Frau sagen, die vergebens strebte, ihre schlotternden Glieder zu erwärmen.
Es war aber auch eine Kälte, ein Winter, wie er glücklicher Weise selten über das Land, selbst über daS Gebirge kommt.
am Ausstand teilzunehmen, hat derselbe bisher keine weitere Ausdehnung gewonnen.
Madrid, 9. April 1903. Nach Meldungen aus Melilla griffen die Aufständischen gestern abend die Festung Frojana an, wurden aber zurückgeschlagen, wobei viele von ihnen getötet wurden. Auch durch die Explosion einer ihnen gehörigen Pulverkammer wurden viele der Aufständischen getötet.
Petersburg, 9. April 1903. Die einjährige Frist, die Rußland im Mandschureivertrag e vom 8. April 1902 für die Räumung der zweiten mandschurischen Provinz, mit Einschluß von Niutschwang gestellt war, ist am Mittwoch abgelaufen. Nach einer Reutermeldung haben denn auch die Russen feit etwa 14 Tagen begonnen, ihre Truppen aus dem Innern der Provinz zurückzuziehen. Einige sind nach Port Arthur gegangen, andere nach den Stationen längs der Bahnlinie. Tatsächlich hat aber auch nicht eine Truppenabteilung die Mandschurei verlassen. Die Lokalverwaltung ist zu gleicher Zeit wieder den Chinesen übergeben worden. Prinz Tsching hat feiner Befriedigung darüber Ausdruck gegeben, daß Rußland dem Abkommen gemäß handle.
Zur Reichstagswahlbewegung.
(*) Wahlkreis Hanau-Gelnhausen-Orb. Der Tabak-Interessenten-Verein in Orb hat an den Kandidaten der Zentrums - Partei, Herrn Richard Müller in Fulda, ein Schreiben gerichtet, worin er anfragt, welche Stellung derselbe zu Steuererhöhungen auf Tabak einnimmt. Herr Müller hat hierauf geantwortet, daß er nicht allein jetzt eine ablehnende Haltung gegenüber allen Projekten, welche die Erhöhung der Tabaksteuer betreffen, einnehme, sondern auch in feiner Reichstags - Tätigkeit in den Jahren 1894 und 1895 durch die Tat bewiesen habe, welches seine Ansichten über diese Frage sind. Bekanntlich hat Herr Richard Müller in diesen beiden Jahren, namentlich im April 1894, die dem Reichstage vorgelegte Tabak-Fabrikatsteuer, welcher schon eine Mehrheit gesichert sein sollte, durch seinen Ein- fluß zu Fall gebracht, weil er es nicht- für zulässig ansah, die ärmeren Volksklassen noch mehr mit indirekten Steuern zu belasten und viele Tausende von Tabakarbeitern in ihrer Existenz zu schädigen. Natjonalljberale und Konservative haben damals für diese SteuSk, welche 60 Millionen Mark jährlich auf bringen sollte, gestimmt und sind auch heute noch eifrige Verfechter derselben. Noch im Jahre 1902 brachten die Nationalliberalen einen Antrag ein, den Tabakzoll von 85 auf 125 J&. pro 100Kilo zu erhöhen; Herr Richard Müller hat auch diesen Antrag in der Zolltarif-Kommission zu Fall gebracht. Während der Tabaksteuer - Verhandlungen im Jahre 1894 war ein Konservativer, Herr Stroh, Abgeordneter für Hanau- Gelnhausen - Orb. Da dieser für die Tabak-Fabrikatsteuer eintrat, wandten sich die
Im weißen Totengewonde lagen Berg und Tal da und der Schnee glitzerte und knisterte wie Glas. Die in allen Fugen und Ritzen mit Moos verstopften Fenster ließen nur ein mattes Licht hindurch, denn sie waren fast den ganzen Tag gefroren und mit Eisblumen bedeckt. Der Ofen spendete nur geringe Wärme, weil man leider nur sehr spärlich einheizen konnte. Es waren traurige Aussichten für die Gebirgsbewohner, besonders für die vielen Armen in den kleinen Weber- Häuschen, denn der Lohn mar gering und der Winter, der so viel Anforderungen an Licht und Heizung stellte, hielt sich in den sonst fo anmutigen Bergen immer gar zu lange auf. Auch Lenchen und ihre Mutter gehörten zu denen, kie den Winter nur als drückende Last verspürten, dennoch aber klagten sie nicht.
Gab cs nicht noch viel Aermere als sie waren? Und hatten sie nicht ihre Hoffnung, ihren Sonnenschein, ihre Zukunft?!
Mit einem fast bewundernswerten Heroismus ertrug besonders Lenchen die schweren Jahre von nie endenwollender Arbeit. Das kleine Kapital, welches ihr sorglicher Vater für sie zusammengespart hatte, war nahezu erschöpft — dies aber grämte sie nicht. Und wenn der Tag nur noch einmal 24 Stunden länger gewesen, so würde ihre Geduld doch nicht ermattet, ihre Finger nicht erlahmt sein.
Frau Winters Brustleiden, das sich zur Sommerszeit in der stärkenden Gebirgrluft immer wieder hob, trat in diesem strengen Winter wieder recht bösartig auf und oft erschütterte ein krampfartiger, anhaltender Husten die ganze hinfällige Gestalt. So auch jetzt wieder.
Durch die fast feierliche Winterstille innen und außen, die hier und da nur durch das hereintönend e Schellengeläute eines vorübergleitenden Schlittens unterbrochen wurde, drang plötzlich wieder der guälende Husten, der Leuchens Herz in banger Angst stocken machre und sie so ort von ibr-’m Stuhle aufscheuchte.
„Alin Mutter, Tu hast Dich gewiß wieder erkältet — ich bitte Dich, leg Dich bierlnr, ich will Dich recht warm zudecken!" Sie raffte die Arbeit, die auf dem