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flllda, Samstag, den 11. April 1903.

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Reklamen- und Anzeigenteil

Drittes Blatt <

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rchristleiter:Zos.Vaum

Z parzeüer in Znlda. Wochenbeilage:Illustrierte Soimtagszeitung

täglich, Wit Insnuifine der Sonn- AnbZeieriage. viertel- sttzrl. Bezugspreis »hu« Sriogerlohn und vestelgtldmznldannd «xswärts l M. 50 psg

30. Jahrgang

O Paris, 6. April 1903.

(Nachdruck verboten.)

Die Fragen häufen sich," so schrieb gestern ,Le Radical', das leitende Organ der Radikalen, mit einer Raschheit, welche beängstigend wäre, wenn die Republikaner sich nicht bereit hielten, die eine nach der anderen energisch zu lösen. Das Arbeitsfeld ist reichhaltig und Regierung und Parlament müssen methodisch und hartnäckig vor­gehen." Als ob es in den gegenwärtigen Zeit­läuften, in welchen der französische Kulturkampf den Höhepunkt der Heftigkeit erreicht, noch einer derartigen Aufmunterung seitens des offiziellen Parteiorgans bedürfte! Wie die modernen Ja­kobiner ihre Aufgabe verstehen, und daß sie nach ganz neuen Methoden sie lösen, darüber hat uns die letzte Woche wieder eingehend aufgeklärt.

Am 1. April hat der (radikal-sozialistische) Abgeordnete Paul Meunier den Minister des Auswärtigen, Herrn Delcässe, schriftlich be­nachrichtigt, daß er ihn überdie Umtriebe ge­wisser, an die belgische Grenze ausgewanderter französischer Frauenkongregationen" interpellieren werde. Ferner wurde derselbe Herr bei derselben Adresse mit der Frage vorstellig:Ist es nicht angezeigt, in dieser Angelegenheit auf den be­treffenden belgischen Minister einzuwirken?" Was wird denn nun jenen Kongregationen zur Last gelegt? Antwort: Sie erteilen einigen Schülerinnen benachbarter französischer Grenz­orte Unterricht in ihrer Muttersprache. Man könnte demnach an einen Aprilscherz glauben, wenn man nicht von vornherein wüßte, daß ein Radikalsozialist niemals spaßt. Die Radikalen also milchten einen belgischen Minister einladen, an der Aurftihrun, des französischen K»n-

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Adolf Srieder* Co. Z&rioh

Muhamedaner vergewaltigen, sondern auch die Christen brandschatzen und zur Beteiligung an der Revolution nötigen, wächst mit jedem Tage. Sie verheimlichender Bevölkerung, daß Rußland Ruhe will, und reden ihr vor, es wünsche den Ausstand. In Albanien sind es die muhamedanischen Arnauten, die revolutionäre Ausschreitungen begehen. Sie wollen die Reformen nicht, weil ne die Gleichberechtigung oder auch nur eine größere Rechtssicherheit für die Christen nicht wollen. Die Türkei macht große militärische Anstrengungen, um Mazedonier und Arnauten zur Ruhe zu bringen und hat den Mächten gleichzeitig nochmals versichert, daß sie die Reformen durchführm werde.

In Serbien hat der König am Dienstag die schon seit längerer Zeit geplante Verfassungsänderung, die er Verfassungs-Suspension nennt, die aber in Wahr­heit ein Berfassungsbruch ist, vollzogen. Der Senat, dessen radikale Mehrheit ihm unbequem ist, wurde be­seitigt, der ebenfalls unbequeme Staatsrat »zur Dis­position gestellt", die Skupschtina aufgelöst, das Preß­gesetz und andere Gesetze aufgehoben. Dann wurden neue Senatoren und Staatsräte ernannt und die Ver­fassungwieder in Geltung gesetzt". Der Minister des Aeußeren und der Kultusminister hatten schon vorher ihr Amt niedergelegt, weil sie mit der beab­sichtigtenVerfassungsrevision" nicht einverstanden waren." In Belgrad kam es am Sonntag zu bedenk­lichen Straßenkundgebungen gegen die Verfassungs­änderung. Dabei wurden vier Personen (2 Gendarmen) getötet und viele verwundet.

Der Kaiser von Rußland hat in Finland die Diktatur des Generalgouverneurs Bobrikoff proklamiert. Bobrikoff hat mit der Anwendung der diktatorischen Gewalt alsbald begonnen, indem er den Gemeindevor- ständen auf dem Lande und den Magistraten in den Städten befahl, in jeder Landgemeinde einen und in jeder Stadtgemeinde drei bei der vorjährigen Aus­schreibung ausgebliebenen Wehrpflichtigen zu verhaften und nach Helsingfors schaffen zu lassen, wo weiteres veranlaßt werden solle.

In Marokko wird die Lage für den Sultan immer bedenklicher. Alle Nachrichten, die in letzter Zeit von dort kommen, melden von Fortschritten des Prätendenten. Seine Anhängerschaft 'wächst und er­ringt Erfolge über die Truppen des Sultans.

In den Vereinigten Staaten hat Präsident Roosevelt eine neue Rede-Rundreffe angetreten. In Chikago sprach er am 2. April über die Monroelehre. Die Vereinigten Staaten hielten ihre Interessen in Amerika für größer als den irgend einer europäischen Macht und müßten darüber wachen, daß keine der großen Militärmächte in die Rechte der Nachbar­republiken ein greife, auf deren Kosten territoriale Rechte erwerbe, sei es durch Gebietswegnahme oder Ausübung einerKontrolle". Der Präsident sprach insbesondere über die Venezuela-Angelegenheit und teilte mit, der deutsche Botschafter v. Holleben habe die persönliche Versicherung des Kaisers überbracht, daß dieser nicht die geringste Absicht habe, auf dem Festlande oder den Inseln Fuß zu jassen. Schließlich mahnte Roosevelt sie Amerikaner, für genügende Streitkräfte, inbesondere eine starke Marine zu sorgen, um die Monroelehre durchführen zu können. Sehr abfällig äußerte er sich über das Prahlen und Rühmen und beleidigende Schimpfereien, wie sie bei den Amerikanern so beliebt sind. In Milwaukee redete er wieder allerlei ziemlich unbestimmte Dinge über die Trusts und ihre Einschränkung. Daß nichts Ernstes geschehen soll, war deutlich zu erkennen. In Minneapolis sprach tr über die Zollfrage und erklärte sich für Aufrechterhaltung der Schutzzollpolitik.

wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

Fulda, 11. April 1903.

Der Kaiser weilte anläßlich des 85. Geburts­tages des Königs von Dänemark mehrere Tage in Kopenhagen. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß der dänische Hof und das dänische Volk das Jahr 1864 vergessen haben. Man hab sich in den Verlust von Schleswig gefügt und die Freundschaft Deutschlands schätzen gelernt. Reichskanzler Graf Bülow wellt zur Erholung in Italien. Man vermutet wohl nicht mit Unrecht, daß er Anlaß nehmen wird, sich über die schwebenden Handelsvertragsfragen mit der italie- uischen Regierung ins Einvernehmen zu setzen ver­suchen wird. Die Wahlbewegung ist tüchtig im Gange. Mit Genugtuung begrüßen wir, daß es sich auch in der Zentrumspartei kräftig regt Leider ist eine Verständigung mit den Polen im rheinisch-westsälischen Kohlenrevier durch die Unvernunft der radikalen Polen gescheitert. Hoffentlich gelingt es, die be- sonneren Elemente davon zu überzeugen, daß polnische Sonderkandidaturen nicht im polnischen, sondern nur Äi soziclldeßwkratischen Interesse find. Der .Vor­wärts' hat sich mit seiner Behauptung, die Regierung habe das Land mit der frühen Anberaumung der Wahlen auf den 17. Mai überrumpeln wollen, gründ- stch blamiert. Was er für eine Verfügung der Regierung hielt, war nichts als eine Bureau «ntoeifung, die für das städtische Wahlbureau in Berlin seitens des Chefs dieser Kvmmunalbehörde ausgestellt war. Man wollte fich die Riesenarbeit der Ausstellung der Wählerlisten in Berlin dadurch ver­einfachen , daß man sie vorläufig schon bis zum 17. Mai fortführte. Den .Vorwärts' geniert der Reinfall nicht und seinen Lesern sucht er weiter schwarz weiß zu machen. Das preußische Herren­haus ging nach Erledigung der Etatsberatung am 3. April in die Ferien. Eisenbahnminister Budde teilte mit, daß die Eisenbahneinnahmen sich in der zweiten Hälfte des Etatsjahres 1902 so gebessert haben, daß das befürchtete Defizit von 35 Millionen völlig beseitigt ist.

In Holland ist am Montag plötzlich ein neuer Ausstand der Transportarbeiter ausgebrochen. So­wohl die Eisenbahnangestellten, wie die Hafenarbeiter xnd Fuhrleute streiken. Da ein Teil der Eisenbahner fich indeß dem Ausstande nicht angeschlossen hat, konnten die Bahnen den Personenverkehr in beschränktem Um­fange wenigstens einstwellen aufrechterhalten. In den Häfen von Amsterdam und Rotterdam stockt der Ver­kehr. Es sind umfassende militärische Vorbereitungen getroffen worden, um die Ord-ung aufrecht zu erhal­ten. Insbesondere find die Bahnhöfe militärisch besetzt worden. Es haben indeß in Amsterdam schon Aus­schreitungen und Zusammenstöße mit der Polizei statt- Sfunden. Die Ausständigen suchen auch die übrige rbeiterschaft zum Anschluß an den Streik zu bewegen. Zum Teil ist ihnen das auch schon gelungen. Der AuSstand richtet sich hauptsächlich gegen die Streik­vorlagen, deren Beratung am 30. März begann. Die Sozialdemokraten hatten die Beratung vor Ostern verhindern wollen. Da ihnen das nicht gelungen ist, versuchen sie die Vorlage durch den Streik zu Fall zu bringen. Zum Teil wollten sie mit dem Eisen- bahnaurstande den Abgeordneten, die am Ende der vorigen Woche nach Hause gereift waren, unmöglich machen, sich am Dienstag, wo die Weiterberatung ftattfinden sollte, in der Kammer wieder einzufinden. Voraussichtlich wird es ihnen aber nicht gelingen, die Vorlage zum Scheitern zu bringen. Die Beratung wird ruhig fortgesetzt.

In Frankreich ist den Kongregationen nunmehr amtlich mitgeteilt worden, daß ihre Genehmigungs­gesuche abgelehnt worden sind. Die Predigerorden müssen fich binnen 14 Tagen auflösen. Die unter­richtenden Kongregationen erhalten eine längere Frist, die für den Mittelschulunterricht bis zum Ablauf des Schuljahres, Ende Juli, reicht. Gegen die Grande- Chartreuse haben die Ausweisungsmaßnahmen bereits begonnen. Für die Liquidation des Vermögens der Karthäuser hat die Regierung einen Bevollmächtigten eingesetzt. Sie will sich, scheint es, überall des Ver­mögens der K»ngrrgationen bedienen, um die mild­tätigen Stiftungen, welche die Kongregationen auf- Jeben wollten, auf deren Kosten zu unterhalten. lebet 28 Pfarrer, die den Katechismusunterricht in der bretonischen Sprache erteilten, verhängte Combes die Gehaltssperre. Der Bischof von Quimper erhob Einspruch dagegen. Darum kümmert sich selbstver­ständlich ein Mann wie Combes nicht.

In Spanien fanden in verschiedenen Universitäts­städten Studentenkrawalle statt, die einen republikanischen Charakter hatten.

In Portugal war König Eduard von England zu Besuch. Der Lehnsherr war bei seinem Vasallen. In England hofft man, daß Portugal demnächst die Delagoabay abtritt.

Ixf der Balkanhalbinsel wird von zwei Seiten gegen die Reformpolitik gearbeitet. Die maze- donis chen Komitees suchen einen allgemeinen Auf-' stand hervorzurufen, um die Reformen überhaupt nicht «6t wirksam werden zu lassen und die LoSreißung WstDdanien» von der Türkei durch eigene Kraft oder M Hälfe der Mächte zu erzwingen. Die Zahl der **«« Aufständischer, die übrigen* nicht nur die

* Dir Rindfleisch-Lektion. Talleyrand wat der Ansicht, daß man im gesellschaftlichen Umgang auch bei den kleinsten 'litten Rang und Stellung nicht unberück­sichtigt lassen müsse; denn nichts sei im Punkt der Etikette gleichgiltig. In dieser Beziehung teilt Fürst Gortschakoff folgende Beobachtung mit, die er als junger Attache in Talleyrands Hause gemacht, und die er die Rindfleisch-Lektion" nennt. Talleyrand hatte eine An­zahl Personen zu Tische geladen und bot, nachdem die Suppe abgetragen war, seinen Gästen Rindfleisch an. Zu dem ersten sagte er, das beste Stück aussuchend, sehr ehrerbietig:Herr Herzog, kann ich die Ehre haben. Ihnen Rindfleisch anzubieten?" Zu einem zweiten mit dem artigsten Lächeln:Herr Marquis, kann ich das Vergnügen haben, Ihnen'Rindfleisch anzubieten?" Zu einem dritten mit Leutseligkeit:Lieber Graf, kann ich Ihnen Rindfleisch offerieren ?" Dann zu einem vierten wohlwollend:Baron, nehmen Sie Rindfleisch?" Und einem am Ende der Tafel sitzenden Herrn rief der Fürst endlich mit einer Kopfbewegung, einem wohlwollenden Lächeln und die Fläche seines Messers zeigend, zu: Rindfleisch?"

* Veränderte Situation. Gattin:Ich wünschte, ich hätte den Brief gestern nicht geschrieben." Gatte: Welchen Brief?" Gattin:Ich bestellte darin einen neuen Hut, finde ihn aber doch zu teuer." Gatte (in die Tasche greifend):Herr,eh, den habe ich ganz vergessen, hier ist er noch!" Gattin:Aui Dich ist auch wirklich kein Verlaß, von jetzt ab werde ich meine Briefe selbst zur Post tragen."

* Vorsorglich. Richter (zum Angeklagten):Ihr . Beruf?" -- Angeklagter:Ich bin Akrobat." Richter (zum Amtsdiener):Schließen Sie das Fenster!"

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Labatt gewährt.

Druck und Verlag der Sulbaer Actiendruckerei monatstotage:Huldaer GeschichtrbMrr".

losbrechen, wo die Fröres de Ploörmel, weicht einige hundert Schulen leiten, nicht Miene machen, das Feld so ohne weiteres zu räumen. Zudem weiß der in diesen Dingen sonst gut unterrichtete ,gigaro' folgendes zu berichten:Der Ver­teidigungsplan (der Orden) ist ganz einfach. Die Vorsteher schicken ihre Unterstellten in dem ge­setzlichen Zeitraum weg, bleiben aber selbst mit zwei bis drei Ordensmitgliedern zurück, um noch eine Kongregation zu bilden. Wenn sie auf Grund des Juligefetzes vom Jahre 1901 verklagt werden, dann schicken sie sich an, sämtliche Ge­richtsinstanzen in Anspruch zu nehmen; sie machen sich zwar keine Illusionen über das Endergebnis, aber die Geldstrafe werden sie nicht entrichten und sich auch nicht auflösen. Was wird die Re­gierung beginnen? Wird sie die Mönche mit Waffengewalt auf die Straße setzen? Was auch kommen mag, der passive Widerstand bis an's Ende ist beschlossen worden." (Das trifft natür­lich nicht auf sämtliche Männer-Kongregationen zu.)

Man sieht, es werden für den Minister-Präsi­denten noch nächstens Tage kommen, von denen er sagen muß:Sie gefallen mir nicht." Um jedoch die Kulturkampfs-Keule im Schwünge zu halten, Hal Herr Combes sein Augenmerk wieder der Bretagne zugewandt und dort, wie die ,8emaine reiigieuse1 von Quimper berichtet, die Gehaltsfperre über 28 Priester verhängt, weil sie auf bretonifch Religions-Unterricht er­teilten. Aus demselben Grunde wurde die Ge­haltssperre über die von ihr am 9. Januar schon betroffenen 31 Geistlichen auf drei weitere Monate verlängert.

Der Marineminister C. Pellet an fucht fich als echter Radikaler seines Chefs würdig zu machen. Bevor dieser Herr seine politische Propagandareise in den Süden unternahm, spielte er den Kultur­kämpfer damit, daß er die Zahl der Schiffs - geistlichen auf das kleinste Maß herabfetzte, ebenso ihre Seelforgertätigkeit und sie schließlich aus den Marine-Spitälern, in denen sie bisher Kost und Logis hatten, verwies. Die Geistliche» dürfen von nun an nur dann das Krankenhaus oder das Militär - Gefängnis betreten, wenn sie von einem Kranken oder Gefangenen eigens ver­langt werden. Gebete und gottesdienstliche Hand­lungen find in den Sälen unterfagt, und die Spendung der hl. Sakramente ist nur dann zu­gelassen, wenn sie von jemand befonders verlangt wird. (!!)

Verfolgung der Orden bis in fremdes Gebiet hinein, Gehaltssperren der Priester einer Provinz, in der teilweise die Hungersnot wütet, Entchrist- lichung der Schule und der Marine..... Jakobiner-Methoden.

gregationsgesetzeS teilzunehmen! Die Radikalen wollen den verbannten Orden das Asylrecht bestreiten, das sogar jeder politische Verbrecher genießt. Dieselben Radikalen, welche dieses Recht des Asyls seit einem Jahrhundert in besonderen Schutz nahmen, verlangen heute von einer fremden Macht, daß sie französische Verbannte belästige. Jakobinermethoden! Der gut republikanische und von Protestanten gegründete ,Temps', das an­gesehenste Blatt Frankreichs, bemerkt dazu:Der­artige Propositionen sind der Kammer und des Landes unwürdig und sollten nicht einmal diskutiert werden. Wenn die äußerste Linke die Ueberlieferungen der imperialistischen Polizei wieder einführen will, so müssen wir ihr dafür die alleinige Verantwortung überlassen."

Das Abgeordnetenhaus an der Seine ist unterdessen nicht müßig gewesen. Mit seiner 100 Stimmenmajorität, die ihm wieder zurück­gekommen ist, hat es in echt jakobinischem Sinne an demAusbau", d. h. an der Verschärfung des Waldeck-Rousseauschen Kongregationsgesetzes gearbeitet. Mit der Justiz hat die Regierung bekanntlich nicht immer günstige Erfahrungen ge­macht. Unabhängige Richter sind oft genug für die Rechte der Ordensleute eingestanden. Das paßt nicht in den Kulturkampfkram. Die Radi­kalen haben nun eine neue Methode für die lang­wierige Arbeit der Ordensgüterabwicklung entdeckt. Jedes Zivilgericht, das den Liquidator einer religiösen Genossenschaft ernennt, .ist allein auch in Klagefachen, die gegen diesen Liquidator gerichtet find oder von ihm ausgehen, zuständig. Die Frage, welche von außerordentlicher Trag­weite ist, schwebt zwar noch in der Kongregations­kommission des Senats und wird erst nach Ostern enbgütig entschieden. Das Gerücht geht indessen, daß die zahlreichen kommenden Güterprozesse nur vor etwa 3 Gerichtshöfe gelangten, welche sich die Regierung nach ihrem eigenen Ebenbilde, wie etwa den Staatsrat, schaffen kann. Das bedeutete natürlich nichts anderes als direkte Einsackung der Klostergüter. So würde das den So­zialisten abgegebene Versprechen, ihnen die Mönchsmilliarde" zu überlassen, wenigstens teil­weise eingelöst. Man muß doch guten Willen zeigen.

Freilich zu sozialen Reformen wird nicht viel übrig bleiben. Kaum ist das alte Budget mit seinem 250 Millionendefizit mit Ach und Krach und nach einer letzten 27stündigen Kammersitzung unter Dach gebracht worden, als im Budget 1904 schon jetzt wieder eine Finanzlücke von 100 Mil­lionen gähnt. Dazu kommen die riesigen Aus­lagen, welche das Kabinett Combes dem Lande mit seiner Ordenspolitik auf den Hals ladet. Orden vertreiben ist weit einfacher als sie ersetzen. Durch den Erlaß der Schulschließungsdekrete und die neulichen Kammervoten wurden nicht weniger als 2257 neue staatliche Schullokale nötig, ebenso etwa 3000 Laienlehrkräfte. Gut, fagte die Kammer, dem ist leicht abzuhelfen; wir machen ein neues Gesetz.

Das Ergänzungsgesetz das Kongregations- gesetz fetzt fich nächstens nur noch ausEr­gänzungen" zusammen ist merkwürdig genug, damit ihm einige Zeilen gewidmet werden. Bekanntlich haben fich vor einigen Monaten 1075 Gemeinderäte gegen und nur 458 für den Laienunterricht ausgesprochen. Die Oppositionsgemeinden waren natürlich keineswegs gewillt, die großen Schullasten von heute auf morgen zu tragen. Das vom Palais Bourbon vorige Woche mit 331 gegen 212 Stimmen an­genommene Schulbautengesetz zwingt sie nun einfach dazu, indem es den Gemeinden das Selbstbestimmungsrecht in dieser Frage nimmt und dem von der Regierung abhängigen Prä­fekten überträgt. Die staatlichen Schulpaläste werden jetzt über Nacht wie Pilze aus dem Boden wachsen. Nach dem Berichterstatter Morlot ist dazu eine einmalige Ausgabe von 60 Mill. Franks und eine laufende von 101 /a Mill, nötig. In der Tat find diese Ziffern aber noch weit zu niedrig.

Unterdessen läßt sich Herr Combes von seinen Getreuen intgroßen Kampfe gegen die Mönchs- finsternis" nicht übertreffen. Den Präsidenten Loubet will er nicht einmal auf dessen Reise nach Algier und Tunis begleiten, denn seine Gegen­wart könnte, meinte er im Parlament, in Paris um jene Zeit nötig, werden. Welch' ein Pflicht­eifer ! Freilich, man spricht vom Widerstände ge­wisser Orden, die nur der Gewalt weichen wer­den. Tatsache ist, daß einige Männerkongre­gationen, die vor einigen Tagen teils durch Poli- zeikommiffäre, teils durch Präfekten von den Be­schlüssen der Kammer offiziell in Kenntnis gesetzt und denen ein Zeitraum von 15 Tagen bis zu 4 Monaten zur Räumung der Klöster angekÜn- digt wurde, es zurückwiesen, das Schreiben deS Kultusministers vorläufig zu unterzeichnen. Der Widerstand wird auch wieierfin der Bretagne s