30. Jahrgang.
fUlda, Mittwoch, den 8. April 1903
M 80
jahr.
eben alle, und der Bummler fertig! —
kenn zwei
i Erstes ZIstt
Deutsches Rekl)
deren Zinsenertrag zur Befriedigung des Bedürfnisses genügen würde, nicht zu denken ist; um so weniger, wenn, wie es in den beiden letzten Jahre» geschehen ist, die Jnvaliden-Pensionen und Untertützungen noch weiter erhöht werden — was mrchaus zu wünschen ist. Allerdings wird die Zahl der Kriegsveteranen, die Pension bejro. Un- erstützung beziehen und für die der Jnvaliden- onds in erster Linie bestimmt war, mit jedem Jahre geringer. Das wird aber mehr als aus- zeglichen durch die Erweiterung und die Erhöhung )er Bezüge. Jetzt schon müssen, soweit der In- validenfonds dazu nicht ausreicht, die Pensionen auf den laufenden Etat übernommen werden; päter der ganze Betrage
** Am 2. und 3. April fand in Berlin unter dem Vorsitz des Oberberghauptmanns von Velsen eine Sitzung der Stein- und Kohlenfallkommission statt, an der sämtliche Abteilungen der Kommission teilnahmen. Nach einer Erörterung lber die Ergebnisie der im Jahre 1901 im amt« ichen Auftrage von Mitgliedern der Kommission ausgeführten Reisen nach Großbritannien, Frankreich, Belgien, Oesterreich und dem Königreich Sachsen zum Studium der dortigen Maßnahmen gegen Stein- und Kohlenfall und über die Nutzanwendung dieser Ergebnisse für den preußischen Steinkohlenbergbau berichteten die einzelnen Abteilungen über die in ihren Bezirken auf einer Reihe von Gruben in den letzten zwei Jahren angestellten Versuche mit neuen Abbau- und Aus- »aumethoden und mit der Acetylenbeleuchtung. In der Erörterung hierüber wurde, wie der ,Reichsanzeiger" berichtet, allseitig anerkannt, daß es dringend erwünscht sei, diese Versuche, insbe- öndere^die mit dem Spielversetzverfahren und dem systematischen Ausbau, die nach den bisherigen Erfahrungen geeignet erscheinen, die Ge- ahr von Stein- und Kohlensall erheblich zu vermindern, in umfangreichem Maße weiter fortzusetzen. Nach Ablauf von etwa 2 Jahren gedenkt die Kommission sodann wieder zusammenzutreten, um auf Grund der bis dahin vorliegenden Sr- gebnisfe der Versuche und der sonstigen im Inlands und Auslande gemachten Erfahrungen end- giltige Maßnahmen zur Verhütung von Stein- und Kohlenfall in Vorschlag zu bringen.
solch' Verstudierte draußen im Sraunaf idje1, wo ich mein Getreide kaufe. — Einer ist Bogtnschreiber und der andere, na — der ist halb übergeschnappt und zu gar nichts zu gebrauchen."
„Da muß er auch von vornherein nichts getaugt haben. Gewiß gidt's solche, aber es sind doch seltene Vögel. Das schäm aber doch beim Winters Heinrich nicht 'raus!" besänftigte der Sternwirt.
„Der Stadtmüller aber goß sein Bier hinunter, stieß sein Glas aus den Tffch und meinte:
„Was verstehen auch die Weiber in diesen Dingen? Es müßt ihnen jemand aus dem Traume helfen, wie's weiter kommt! Herrjeh, wenn ich denk', was mich meine Jungen kosten" — er fuhr sich mit beiden Händen in die mehlbestaubten Haare „und da nennen mich die Leute den reichen Stadtmüller." Ich wünscht,
Haffe und sehen nicht mit verbissener Wut zu, wenn der sozialdemokratische Bürgermeister mit ihm spricht.
Uebrigens würde der Kaiser vermutlich auch unserer Sozialdemokratie nicht so scharf entgegen« reten, wenn sie sich etwas manierlicher be- mhmen und etwas mehr deutsche Gesinnung gekündeten.
Wir wollen nicht leichtfertig den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit erheben, zumal da wir ;anz gut wissen, daß die Masse der Sozial- ' »emokraten ganz und gar nicht so „international ist wie sie sich geberdet, aber daß den Kaiser »te zur Schau getragene undeutsche Gesinnung reizt, ist doch ganz natürlich. Aus der andern Seite müssen wir indeß auch sagen, daß unsere Scharfmacher nicht zuletzt mit schuld sind, an der Unmanierlichkeit unserer Sozialdemokratie. Wenn man selbst den berechtigten Bestrebungen der Arbeiterschaft mit Gewalt entgegenzutreten versucht, dann muß das verbitternd auf sie wirken und man darf sich nicht allzusehr wundern, wenn bei uns die Sozialdemokratie in manchen Dingen schroffer auftritt als anderswo.
ür den russischen Export, wobei insbesondere >ie sanitätspolizellichen Maßregeln Deutschlands ins Auge gefaßt sind.
% König Christian von Dänemark vollendet morgen sein sünfundachtzigstes Lebens-
leieiiei: »k wr (Faltige petttzeile ober beten Rannt }S psK. Reklamen die Petitzeile 25 psg.; bei Wiederholungen wird etrtfpr Rabatt gewährt.
Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie).
Fernsprecher Nr. 9.
Aus diesem Anlaß schreibt die ,Nordd. Ällg. Ztg/: „Umgeben von zahlreichen Mitgliedern seiner Familie, die in Siebe und Verehrung zu ihrem Haupte emporblicken, begeht der König das Fest in seltener Frische des Geistes und des Körpers, von der er noch in den Tagen während des Besuches Sr. Majestät des Kaisers erfreuliches Zeugnis abzulegen mannigfache Gelegenheit hatte. Mit den Angehörigen des Herrscherhauses vereinigt sich das dänische Volk, um den Ehrentag des Monarchen zu begehen, unter dessen bald vierzigjähriger weiser Regierung das Land auf allen Gebieten des geistigen und materiellen Schaffens einen überaus großen Aufschwung erlebt hat. Auch von Deutschland werden dem ehrwürdigen Herrscher des Nachbarlandes die aufrichtigsten Glück- und Segenswünsche dargebracht und mit ihnen die Hoffnung verbunden, daß die Vorsehung König Christian noch lange Jahre ungebrochener Gesundheit und Tatkraft gewähren möge, die in den Dienst des Volksrechts zu stellen immerdar das Lebensziel des hohen Jubilars gewesen ist."
* Der Reichsinvalidenfonds belief sich nach der dem Reichstage zugegangenen Mitteilung Ende Februar noch auf rund 323 Millionen Mark, hat sich also von seiner ursprünglichen Höhe, 500 Millionen, bereits um rund ein Drittel vermindert. Wie der Reichsschatzsekretär Frhr v. Thielmann kürzlich im Reichstag mitgeteilt hat, wird der Fonds, da er künftig für eine Reihe von Jahren stärker als seither in Anspruch genommen werden wird, bis zum Jahre 1910 voraussichtlich vollständig aufgebraucht sein, da unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen an eine allmähliche Ergänzung desselben bis zu einer Höhe,
»Mtiet läßlich, «it Dnaatzmt äer §»«- «b rrirrtagr. Wertet M»l.ve;usrpreir Une Vringerlohn unb vdtellgelb in Julba unb ^»ärtstmtsopfg
Verantwortlicher
Sternwirt und dieser, sonst ein äußerst gutmütiger, kein Wasser trübender Mann, rückte sein buntes Käppchen auss andere Ohr und nickte dazu; denn recht hatte der Stadtmüller ja eigentlich doch sehr.
„Und, toimt unsere Söhne Pfarrer werden sollen, so braucht der doch richt gerade nach dem Doktorhüte zu langen!" brummte jener weiter, während er sich vor seinem Glase Bier breit machte. „Der Junge wird dem Lenchen noch die Haare vom Kopse studieren und dann —"
„Und bann?" fragte der Sternwirt, um doch auch etwas zu sagen.
„Dann? — Dann fällt sie der Gemeinde zur Last!"
Gr mmig rollte der Stadtmüller die kleinen Augen.
„Nicht doch, Nachbar! So was glaubst Du ja selbst nicht! Da müßte einer b'a8 Lenchea nicht kennen; lieber wirb sie sich bie Finger von ben Händen arbeiten. Dann wäre auch wohl Heinrich der Erste, der zu sorgen hätte."
„Wenn er überhaupt dazu kommt! Erst bie Probe barauf machen, ob je rin Doktor aus ihm wirb. Es geht so lange wie's geht. Und ist's alle, bann ist's
*« Keifer und Bürgermeifter.
Kaiser Wilhelm hat sich in Kopenhagen den jüngst zum Bürgermeister der dänischen Hauptstadt erwählten Sozialdemo- kratenJensen vorstellen lassen und sich lange und freundlich mit ihm unterhalten. Das hat sowohl in der dänischen wie in der deuffchen Preffe zu vielen Kommentaren Anlaß gegeben. Besonders die sozialdemokratische Preffe sieht sich veranlaßt, den Vorfall zu erläutern, in Dänemark mehr, um zu renommieren, bei uns mehr, um zu entschuldigen.
Diese Presse hat natürlich ein Interesse daran, die Inkonsequenz möglichst auf Seite des Kaisers erscheinen zu lassen; aber der Kaiser konnte doch wohl nicht anders handeln, als er gehandelt hat. Herr Jensen trat ihm nicht als Sozialdemokrat, sondern als Bürgermeister der dänischen Hauptstadt entgegen, und der Kaiser konnte den Mann, den die eigene Regierung nicht beanstandet hat, nicht schroff abweisen, sondern tat selbstverständlich, als wisse er von dessen politischer Gesinnung nichts.
Wenn eine Inkonsequenz vorliegt, so liegt sie auf Seiten des Herrn Jensen. Aber auch das ist wohl nur nach deutschen sozialdemokratischen Begriffen der Fall. Bei unfern „Genossen" herrscht eine lächerliche Verbissenheit gegen alles, was an die Monarchie erinnert. Das geht so weit, daß der ,Vorwärts' den Ausdruck „Kaiser- Wilhelm" möglichst zu vermeiden sucht und in der Regel „Wilhelm II.“ sagt. Wären die „Genossen" in Dänemark von demselben .Geiste, so hätte Herr Jensen die Begrüßung des Kaisers mit Enttüstung ablehnen müssen. Es fiel ihm aber nicht ein und die Genossen haben ihm das offenbar auch gar nicht übel genommen.
Daß Dort ein anderer Geist der Sozialdemokratie herrscht, ersehen wir schon daraus, daß das Hauptblatt der dänischen Sozialdemokraten dem Kaiser einen sympatischen Begrüßungsartikel widmete. Bei uns wäre es ganz undenkbar, daß der .Vorwärts' einem zum Besuche nach Berlin kommenden fremden Monarchen ein freundliches Wort sagte. Das litte das „Prinzip" nicht.
Unsere.deutscheSozialdemokratie,oderwenigstens ihre Wortführer sind eben ganz anders geartete Leute, als die Sozialdemokraten des Auslandes. Sie schwelgen in der „internationalen“ Phrase und reden möglichst verächtlich von ihrem Vaterlande und von nationaler Gesinnung. Die französischen, englischen, dänischen usw. Sozialdemokraten haben Liebe und Interesse für ihr Vaterland, das sie nicht durch internationale.Phrasen ersticken lassen. Darum können sie sich noch aufrichtig freuen über das, was ihrem Vaterlande nützt und deshalb verfolgen die dänischen „Genossen" den deutschen Kaiser nicht mit blödem
* Amsterdam, 7. April 1903. Der Ausstand der Eisenbahnangestellten, Verkehrs- und Transportarbeiter hat zwar einen erheblichen Umfang angenommen, jedoch eine vollständige Lahmlegung des Verkehrs ist glücklicherweise nicht gelungen. Die Regierung war ans den Streik durch die Drohungen der sozialistischen Führer bei der Einbringung der Streikgesetze vorbereitet und hatte die entsprechenden Maßnahmen getroffen. Der Aus st and der Eisenbahner und Verkehrsarbeiter scheint sich nach den neuesten Meldungen doch zu einem allgemeinen aus- ich hätt's erst anägeftanben mit den beiden Blau- kappen. Du magst's glauben ober nicht, Sternwirr, hinter den zwei Weibern steckt blos der leidige Hochmut, der sie dazu treibt, sich wegen des Jungen aufzuzehren."
Den Schluß hatte ber Stabtmüller nicht aus seinem Kopfe; diese Behauptung war Eigentum seiner Frau unb bie wochenlange Einflüsterung saß nun fest.
Er erhob sich zum Gehen, unb ber bewegliche Wirt mit ber Pfeife im Munde strich bas Biergeld ein, als sich die Tür öffnete und der Bürgermeister eintrat. Seiner Würbe gemäß trug er dunkle Kleidung, unter welcher sich eine überaus gemütliche Persönlichkeit barg, mit stattlicher Figur und hoher Stirn, unter welcher ein Paar lebhafte Augen klug unb schalkhaft sofort alle Vorgänge umfaßten. Als alt Eingesessenen bes Ortes war bem Stabtmonarchen jeber seiner Untertanen bekannt und vertraut. Er hielt immer hübsch Ordnung im städtischen Haushalt, und das war nicht gerade schwer, denn dem Städtchen gehörten ansehnliche Waldungen, deren Ertrag die meisten Lasten deckle, sodaß er die Bürgerschaft für kommunale Zvecke fast gar nicht zu belasten brauchte. Das gefiel natürlich Allen, und so war er denn fast mit Jedem gut Freund.
„Da treffe ich Euch ja gerade hübsch beisammen und können wir gleich die Sache abmachen."
Der Bürgermeister legte bei diesen Worten Hut und Stock auf das Billard. „Du willst eben gehen,. Müller? Setze Dich nur noch einen Augenblick, ich habe Dir etwas zu sagen." Der anfängliche ftohe Ton war etwas ernst geworden.
„So — etwas jür mich? Ich denke, es gilt uns beiden!" gab ber Müller mißtrauisch zurück, während er den verlassenen Platz wieder entnahm. Der -Wirt war schnell hmausgeschlüpst, um seinem Freunde das Stammseidel zu füllen.
(Fortsetzung folgt.)
Berlin, den 7. April 1903.
% Das Befinden der Kaiserin ist andauernd zufriedenstellend. Der Heilungsprozeß des Armbruchs verläuft völlig normal. In» Laufe des gestrigen Tages wurde eine nochmalige Röntgenaufnahme des gebrochenen Armes im Gipsverband angefertigt.
Gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes wollen nach einer Berliner Meldung der .Hamburgischen Korresp.' auch Baden und Hessen stimmen. Es wird daraus geschlossen, daß die Ablehnung eines Aushebungs- anttages sicher sei. Fast zu derselben Zeit wird aber aus Karlsruhe einem Blatte gemeldet, Baden sei für die Aufhebung. Im ,Hamb. Korresp/ wird der Wechsel in der Stimmung der Bundesstaaten, der seit der bekannten Erklärung des Grafen Bülow int Reichstage ein- getreten sein soll, zurückgeführt auf den „Fall Korum" und den Sturz des bayerischen Ministerpräsidenten Grafen Crailsheim. Aber was haben denn diese Dinge mit § 2 des Jesuitengesetzes zu tun? Die Frage ist einfach: ist die Aufrechterhaltung dieses Paragraphen mit dem Rechte und der Gerechtigkeit zu vereinbaren? Wenn nein, so muß man ihn aus Gründen der öffentlichen Sittlichkeit aufheben, unbekümmert um fernliegende Dinge.
** Am Montag beendete in Petersburg, wie von dort gemeldet wird, die unter Vorsitz des Gehilfen des Finanzministers, Timiviatew tagende Spezialkonferenz die Besprechungen des deutschen Zolltarifs und formulierte die wünschenswerten Veränderungen u. Ermäßigungen
Unb — hatte sie nun nicht wie alle anberen jungen Mädchen auch ihre Z kunft? Während jene oft in Kummer und Ungewißheit klagten und zagten, so war sie ja st tS im Vorteil, denn sie hatte ihn ja sicher — ihren klugen, schönen Bruder, ihren einzigen Heini, an ben um so mehr ihr Herz sich anklammerte, je mehr sie für ihn arbeitete unb — darbte.
Bon letzterem durfte er freilich nichts erfahren. In leider schon sehr kurzer Zeit hatte es sich f eraus- gestellt, daß es mit fcm „Studieren" doch keine so leichte Sache sei, als die beiden Frauen in ihrer Unerfahrenheit gedacht. Obwohl der junge Gymnasiast so einfach als möglich untergebracht war, so hatte seine stets freubig erwartete Heimkunft zu ben Ferien doch immer einen bitteren Beigeschmack burch die Rechnungen, bie er mitbrachte. Und dabei war nicht ein Pfennig für unnötige und übeiflüisige Dinge. Sein Taschengelb oei biente er sich schon, denn es war ihm geglückt, einige ber kärglich bezahlten unb doch so erstrebten Nachhilfestunben erteile^ zu hülfen. Frau Winter begann nach und nach einzusehen, daß sie ihre Kräfte überschätzte. Senden aber ließ es zu keinen Klagen kommen. Tapfer unb opferwillig nahm sie das von ihrem Vater binterlassene Sparkaffenbuch, schickte es mit dem Botemichel in die Kreissparkaffe und hob eine zehn Taler um die andern ab.
Dies büeb jedoch nicht so ganz verborgen, wie sie es wünschte und hier und da erhoben sich Stimmen, die dieses Tua mißbilligten.
Diejenigen, welche in diesem Sinne sich darüber aussprachen, waren gerade jene, welche mit reichen Mitteln gesegnet waren und ihre Söhne ohne jede Einschränkung ausbilden lassen konnten.
Wie an jedem Orte so wuchs auch hier Neid und Mißgunst und versteckte sich am liebsten unter dem freundschaftlichen Manie! des guten Rats unb ber scheinbaren Teilnahme.
„Es gibt ja noch viele Wege, auf welchen man zu Brot unb Ansehen gelangt, muß es benn gerabe ein jo teurls Stubinm sein?" meinte ber Stabtmüller zum
KeimcttgWck.
Erzählung aus den Bergen. Von I. Fichtner.
H —----- (Nachdruck verboten.)
2.
Oft schon hatte der Frühling Einkehr gehalten in den Bergen, mit stürmischem Odern den Schnee aus den Schluchten fegend, die schlummernden Blüten wach- küffend und Baum und Strauch mit schimmerndem Grün schmückend.
Im Städtchen drehte sich noch alles im gewohnten Gleise, fein noch so welterschütterndes Ereignis störte den stillen Frieden der Bewohner. Die wenigen Beffer- situierten, welche die Welt gesehen in ihrer Jugend und das Hasten und Ringen da draußen kannten, waren froh, einen Winkel gefunden zu haben, wo sie in behaglicher Genügsamkeit ihre Tage beschließen konnten, und die Mehrzahl l bte ihrer Arbeit und ihrer eigensten Interessen. Noch unberührt von dem Verkehr beschränke sich die Weltkenntnis auf bie Nachrichten aus den Zeitungen, bie schon ziemlich ab gekühlt hier anlangten und die friedlichen Gemüter nicht allzu sehr erregten.
Lenchen Winter goß und pflegte wieder andere Myrthenstöckchen, da die ersten längst ihre Bestimmung erfüllt hatten. Nun machten schon wieder so und soviel andere junge Freundinnen von ihrer Hingebung und Opfermilligkeir den ausgiebigsten Gebrauch.
Noch mehr als je war sie die Seele ihrer Umgebung, und immer weiter zogen sich die Kreise, die von ihrer menschenfreundlichen Tätigkeit berührt wurden. Getragen von bem Bewußtsein, daß ihr armes Dasein boch einen Zweck habe und ihr Fehlen eine Lücke bilden würde, vermochte sie mehr »nd mehr über ihr körperliches Unglück h nwegzusehen und sich für gleich- berechi igt zu halten, da doch Jeder ihr in Achtung und Liebe entgegenkam. Dies gab ihr auch Sicherheit unb immer neuen Lebensmut.
MdaerW Zeitung
SäI woch-nb-ii-g-: „Illustrierte Somttagrzeitung" m-n-ttd-u-gc- »guldaer Geschichtsblatter".