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Maer W Zeitung
woch-nd-iiag«: „Illustrierte Sonntagrzeitung" ***!^^ir* Momkbeiiage: „Zllldaer Geschichtsblätter".
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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Fulda (Harmonie) Fernsprecher Rr. 9.
flllM Dienstag, den 7. April 1903.
M 79.
30. Jahrgang.
। Zweites Blatt
± Unsere letzten Benediktiner.
Mitgeteilt von Jos. Grau.
Nachdruck verboten!
Zum hundertjährigen Gedächtnis teilten wir unlängst das Verzeichnis jener Konventualen des ehrwürdigen Benediktinerstiftes ad 8. Salvatorem mit, welche die alte Klosterherrlichkeit zu Grabe getragen haben.
„Nun verstummte der Sang der Hora in den hehren Räumen des Domes, (welcher die Klosterkirche war) und die hell erleuchteten Fenster strahlten nicht mehr in die stille Nacht hinaus", schreibt der ungenannte Verfasser des Schriftchens: Der Dom zu Fulda (Fulda 1855) über jene verhängnisvolle Wendung. „An einem der letzten Tage, und so viel wir wissen, an dem Sylvesterabende jenes Jahres traten die Konventualen zum letzten Male in ihre Chorstühle und über dem Grabe des heiligen Märtyrers ertönten die Gesänge der Komplet. Es war der Abschiedssang, mit dem die Hüter des Grabes von diesem schieden; um aus ihren stillen Zellen hinaus zu wandern, die den Meisten von ihnen längst fremd geworden war und in der sie sich nicht heimisch fühlen konnten. —"
Unter den Lebenden ist keiner mehr, der den Untergang des Klosterbestandes noch erlebt hat; aber — „Pater Isidor, Pater Rab an, Pater- Damian, die haben wir noch wohl gekannt!" rufen die alten Fuldaer aus, wenn sie plötzlich die halbvergessenen Namen hören, und persönliche Erinnerungen werden wach an den einen oder den anderen jener würdigen Männer, die als Exbenediktiner, einer vergangenen Zeit nachtrauernd, in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts hier ihr Dasein verbrachten. Freilich, die meisten Namen und Erinnerungen sind verschollen. Aber gerade deshalb ist es hohe Zeit, alles was man noch über Herkunft, Eigenart, Wirksamkeit der letzten Benediktiner erfahren kann, aufzuzeichnen und vor gänzlicher Vergessenheit zu retten) Denn auch die, welche die lange, stolze Reihe der bis auf St. Sturmi zurückreichenden Ordensmänner beschließen, auch sie haben sich auf den verschiedensten Gebieten Verdienste erworben, welche die Nachwelt nicht vergessen darf. Und weil ihre Namen für alle Zeiten unlöslich verknüpft find mit der hochberühmten Stiftung des Apostels der Deutschen, so haben sie auch ein Recht darauf, als geschichtliche Persönlichkeiten gefeiert zu werden.
Doch bevor wir über „Heimatland und Los der Männer", die da an jenem denkwürdigen Sylvesterabende zum letztenmale zu den Sitzen traten, uns verbreiten, ist es wähl nicht überflüssig, erst einmal aufzuzählen, was dem neuen Regenten vermöge der Säkularisation nur vom Benediktinerkloster — ohne der domkapitularlichen Güter und Propsteien zu gedenken — in den Säckel geflossen ist.
Das Benediktinerkloster ad 8t. Salvatorem besaß als Eigentum:
1) Den alten Bau dahier mit zugehörigen, in der Nähe gelegenen Güterstücken;
2) Die dahier gelegenen Klostergärten;
3) Den Oberziehershof mit Zubehör nächst der Kalten Herberge;
4) Den Unterziehershof (mit Schäferei) nach dem Petersberg zu;
5) Den Winnenhof nächst Oberrobe;
6) Nicht unbeträchtliche Waldungen;
7) Die eigenen hiesigen Klostergebäude, die Kirchnerswohnung samt Pfarrschule und ein Haus zu Kämmerzell mit Gärtchen, welches der Konventsjäger inne hatte.
Dazu kamen noch die beträchtlichen Lehenschaften u. s. w.
Dieses Konventseigentum nebst allen Rechten und Gefällen wurde "den fürstlichen Domänen einverleibt. Zum Glück erhielten die der Kathe- dralkirche angefchlofsenen Klostergebäude, wo die Söhne Benedikts mehr als ein Jahrtausend gelebt, wieder eine würdige Bestimmung: sie wurden dem Klerus zum Priesterseminar überlassen, welches bereits am 14. Februar 1803 von seinem seitherigen Sitz, dem in der Stadt liegenden Seminarbau (jetzt Stadtschulbau) in die verlassenen ehrwürdigen Räume übersiedelte.
Alles Mobiliar, Silber (jeder Klostergeistliche hatte bei seinem Eintritt ein Servier: Löffel, Messer, Gabel, Becher von Silber mitgebracht), Holz, Wein, Viktualien usw. usw. wurde versteigert und aus dem erzielten Betrage „aus besonderer Gnade" jedem Konventualen 25 Gulden (!) verwilligt. Die Pensionen aber wurden folgendermaßen festgesetzt: Der Pater Prior erhielt jährlich 700 Gulden, der Sub- prior 550 und ebensoviel der Senior des Konvents; die neun ältesten Konventualen erhielten jeder 500 Gulden, die zwölf folgenden 450 und die jüngsten 400. — Alle Expositi — so wurden die Mönche genannt, welche außerhalb des Klosters in der Seelsorge oder in anderer Art tätig waren — behielten ihre Stellen und Einkünfte. Auch wurde altersschwachen oder kränklichen Konventualen, die ihr Klosterheim nicht verlassen konnten, das Wohnrecht darin weiter belassen.
Mit den Lebensabrissen der Klostergeistlichen werden wir im nächsten Artikel beginnen.
Aus -em Jahresberichte -er tzan-els- kammer.
IV.
Das Jahr 1902 war sür den Absatz von Wein-Destillaten und Obstbranntwein insofern nicht ungünstig, als die reichlichen Brennerei-Produkte der Vorjahre zur Verfügung standen Derfelbe bewegte sich denn auch in normalen Grenzen. Dagegen waren die Erträgnisse der Obst- und Weinernte der diesjährigen Kampagne (Herbst 1902) sehr unbefriedigend. Zwetschen und Kirschen reisten in so minimalen Quantitäten in der hiesigen Gegend, daß sie für Brennzwecke gar nicht in betracht kämen. Das Brennen von Obst wurde deshalb auf das absolut notwendige
Maß eingeschränkt, zu welchem Zwecke Bezüge aus weiteren Entfernungen vorgenommen werden mußten. — Aehnliches trifft für Wein-Destillate zu. Gesunde deutfche Weine der diesjährigen Ernte sind zu teuer, um für die Brennereien in betracht zu kommen und auch die Weine der Charente sind sehr erheblich teurer als im Jahre vorher. Dagegen scheinen dieselben in Qualität etwas besser zu sein.
Im Spirituosen-Geschäft waren recht schwierige Verhältnisse. Der Preis des 70er Rohspiritus ist seit Mitte Dezember v. I. von 32 auf 42 Jt>. gestiegen. Dadurch ist naturgemäß für diejenigen Betriebe, welche Spiritus verarbeiten, eine erhebliche Verteuerung eingetreten, und es wird sich wohl für das nächste Jahr auf äußerst ungünstige Resultate schließen lassen, da eine Abwälzung der erheblichen Preissteigerung auf den Konsum nur vereinzelt möglich ist. Für das abgelaufene Jahr war die Deckung des Bedarfes zu billigen Preisen möglich, und da der Absatz befriedigend war, so ist int allgemeinen mit angemessenem Nutzen gearbeitet worden.
Sehr zu klagen ist über das außerordentlich lange Ziel, welches seitens der Kundschaft in Anspruch genommen wird. Die Kreditverhältnisse in dieser Branche liegen ganz ungewöhnlich ungünstig und der Aufwand an Kapital, sowie das Risiko für die Ausstände wächst immer mehr und steht in keinem Verhältnis weder zum Umschläge noch zum erzielten Nutzen.
* Das Paradies der Langlebigkeit. Ceylon ist, wie der Londoner ,Daily Chronicle' versichert, daß Paradies der Langlebigkeit. Auf Ceylon leben, nach einer letzten Statistik nicht weniger als 145 Personen, die ein Älter von über 100 Jahren besitzen. 71 der
selben sind männlichen, 74 weiblichen Geschlechtes. Von diesen sind 43 Männer und 52 Frauen genau 100 Jahre alt, während das Höchstalter eine Frau mit 120 Jahren erreicht hat. Sie darf indessen nicht als die älteste lebende Person bezeichnet werden. Auf einer Farm in der Kapkolonie lebt eine alte Dame Namens Mrs. Anne Charsley. Sie ist im Jahre 1781 geboren und zählt demnach 122 Lenze.
* Die Nationaleigentümlichkeit. Deutscher (aus einem Ozeandampfer): „Darf ich mich Ihnen vorstellen? . . . Ich bin aus Deutschland — »-ein Name ist Schulze!" — Ausländer: „Sie sind Deutscher? . . . Welches Buch haben Sie geschrieben?"
Gbst- und Gartenbau, vlumenpflege.
Kalkanstrich der Ob st bäume, lieber diese gerade jetzt besonders zeitgemäß zur Ausführung kommende Obstgarten-Arbeit äußerte vor einiger Zeit Oekonomierat Garde in einer Gartenbau-Zeitschrift sich sehr abfällig, verwarf deren Vornahme als ein überflüssiges Obstbanmschutzmittel. Hiergegen wenden sich zwei alterfahrene und rühmlichst bekannte Autoritäten auf Obstbaumkultur- und Obstbaumschutzgebiete, Oekonomierat Fritz Lucas-Reutlingen und Heinrich Freiherr Schilling von Cannstatt-Friedrichshafen in der Zeitschrift „Der Lehrmeister im
Garten und Kleintierhof", und zwar bezeichne: beide den Kalkanstrich der Obstbäume als ein ausgezeichnetes Mittel, die Obstbaumrinde gesund undvonUngezi efer frei zu erhalten. Die näheren, hochinteressanten Ausführungen beider bringt Nr. 22 der ebengenannten Zeitschrift, welche Nuntmer unseren Lesern auf Verlangen von der Verlagsbuchhandlung Hachweister & Thal kostenlos zugestellt wird. Aus denselben möge hier nur hervorgehoben sein, was Frhr. v. Schilling u. a. mit folgenden Worten sagt: Der Hauptwert des Kalkanstrichs liegt darin, daß er die Rinde der Bäume, welche durch ihre Sprengung rauh zu werden beginnen, gesund erhält und die den Rinden durchaus nachteilige „Baumkrätze" nicht aufkommen läßt. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch wissenschaftlich bewiesen. Auf der Rinde lebender Bäume, besonders der Obstbäume, siedelt sich in einem gewissen Alter eine Reihe von Laubmoosen, namentlich der Orthotrichum-, Hypnum- und Neckera-9trten an, fast immer in Gesellschaft von festaufsitzenden Flechten. Alle diese, obgleich nicht ausgesprochen« Schmarotzer, sind für die Lebenstätigkeit der Bäume lästis und schädlich. Diese Ueberzüge, die besonders in feuchtet Lagen stark wuchern,nennt maninderGesamtheitBaunt krätze. Letzter es chadetdurchihre starke Vermehrung, bei der sie zuviel Feuchtigkei ansammelt und die Außenteile der Stämme und Zweige an ihrer Ausdünstung hindert. Die Folgen sind Bersten der Rinde, Neigung zu KnollenkrebS, Absterben und Dürrwerden von Zweigen, auch Unfruchtbarkeit. Werden derart kranke Bäume vondero ft dick aufsitzenden Baum- krätze befreit und dann mit Kalkanstrich versehen, so ist das für sie eine wahre Wohltat. Den Wert des Kalkanstrichs als unmittelbaren Bekämpfers tierischer Schädlinge halten wir für weniger hoch; er wirkt aber mittelbar in dieser Hinsicht wertvoll, denn, da er die Baumstütze und das krankhafte Bersten und Gerissensein der Rinden nicht auskommen läßt, nimmt er eine Menge verborgener Unterschlupf- und Ueberwinte- rungsgelegenheiten für mancherlei Baum- ungezieser. Des näheren aus alle diese Tatsachen, auch auf die nicht stichhaltigen, gegenteiligen Behauptungen einzugehen, ist hier nicht Raum. Letztere werden den altbewährten Kalkanstrich niemals zu Fall bringen. Er wird,bleiben, was er ist: eines unserer wertvollsten Mittel der Obst bäum pflege.
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