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Maer W Zeitung

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, JSS'i. wochenbeilag-:„Zllustn'ette Sonntagrzeitung"

Erscheint täglich, N»tt Unrnahme de» Sonn- sxb Zeirrtagr. viertel»

JVo 77.

fUlM Samstag, den 4. April 1903.

30. Jahrgang.

Zweites ßlatt <

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

C Fulda, 4. April 1903.

Die Reichstagswahlen sind auf den 16. Juni anberaumt. Es ist genau dasselbe Datum, an dem vor 5 Jahren der jetzige Reichstag gewählt wurde. Die Wahlbcwegung hat überall begonnen. Im libe­ralen Lager läßt man munter die alte Kulturkampf­fahne wehen; da man keine zugkräftige Wahlparole fand, wird jetzt an die antikatholischen Instinkts des protestantischen Volkes appelliert. Dem katholischen Volke wird dadurch rechtzeitig vor Augen, geführt, daß es sich bei den Wahlen dock um mehr handelt als nm wirtschaftliche Fragen. Die ,Kreuzzeitung' bestreitet, daß ein zentrumsfeindliches Kartell der Konservativen, Landwirtsbündler und Nationallibe­ralen bestehe; aber tatsächlich halten die drei Par- leien doch in vielen Wahlkreisen gegen das Zentrum zusammen.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat an Stelle des verstorbenen Frstherrn v. Heereman den Zentrumsabgeordneten Dr. Porfch einstimmig zum 1. Vizepräsidenten gewählt. Die Beratung des Etats hat man am 26 März zu Ende geführt. Da die Zeit bis zum 1. April zu kurz war, als daß das Herrenhaus bis dahin die Etatsberatung hätte be endet haben tonnen, ist der Regier-mg bic Ermächti­gung erteilt, schon jetzt Ausgaben auf "Grund des Etats zu machen. Bevor das Abgeordnetenhaus in die Osterferien ging — 30. März — hat es noch den Ausgleichsfonds für die Eisenbahnverwaltung be­willigt und die Sekundärbahnvorlage an die Budget- kommisfion verwiesen. Rack Ostern dürfte der La d- tag nur noch kurze Zeit zusammenbleiben. Das Herrenhaus begann am 1. April mit der Etats­beratung. Minister von Podbielski kündigte die Veröffentlichung von Erhebungen an, die den Nachweis führen sollen, daß an der letzten Fleischteuerung die Landwirte keine Schuld hatten.

In Frankreich hat die Deputirtenkammer die Genehmigungsgesuche der Predigerorden und der wirtschaftliche Zwecke verfolgenden Kougrega ionen (Karthäuser) in Bausch und Bogen verworfen. Nun kann also die gewaltsame Austreibung der Orden vor sich gehen.

In Oesterreich hat der Reichskriegsminister den Offizieren den Beitritt zu der Antiduellliga ver­boten, da für die Armee Ehrengerich e zur Behand­lung von Ehrensachen beständen und daneben keine andere Instanz, die sich in diese Angelegenbeiten rinmischen könne, bestehen dürfe. Es liegt auf der Hand, daß man den Zweikampf in der Armee beibe- halten will. Hoffentlich gelingt es der weite-en Arbeit der Antiduellliga, das Unhaltbare dieses Zu­standes auch in den Militäi kreisen klar zum Bewußt­sein zu bringen.

In England hat die Regierung einen neuen Versuch unternommen, die irische Landfrage zu lösen. Sie will es den irischen Pächtern ermöglichen, ihren Landbesitz von den Gutsherren käuflich zu erwerben. Der Staat will den Pächtern die erforderlichen Gelder vorschießen. Es handelt sich um 2 Milliarden. Man hofft in 15 Jahren die Umwandlung vollziehen zu können. Die Vorlage wurde sowohl von den „Landlords" als auch von den irischen Nationalisten und der liberalen Opposition günstig ausgenommen. Hoffentlich kommt sie zu Stande und beseitigt die scharfen Gegensätze zwischen Irland und England.

In Bulgarien ist es zu ein-r Mimsterkrisis gekommen. Sie hat damit geendet, daß der den Mazedoniern freundliche Kriegsniin ster aus demMiniste- rinm ausgeschieden ist.

In Marokko verschlimmert sich die Lage des Sultans. Das ganze Gebiet z > ischen Fez und der algerischen Grenze soll im Aufstand sein.

In Venezuela hat der Präsident Castro feine Rücktrittsgedanketi wieder aufgegeben. Er hat offen­bar nur ein Vertrauensvotum des Kongresses herbei- ffnhren wollen und hat dies ja erreicht.

Iubiläumzfahrten.

Reisebilder zum Papstjubiläum.

Von Jos. Grunau.

(Nachdruck verboten.) III.

Es wäre Unrecht, wollte man von Mai­land, wo die meisten Deutschen ihre italienische Reise, nachdem sie die Reize der herrlichen Seen genossen, schon abschließen, scheiden, ohne der von den Deutschen zu allen Zeiten so viel um­worbenen Stadt ein freundliches Wort zu widmen.

Es geht hier ein großer Zug durch die Be­völkerung, deren Gewerbefleiß namentlich auch in den letzten Jahren recht gut belohnt wurde. Von großen Gedanken zeugt vor allem auch der in seinem blendenden Weiß säst märchenhaft in die Höhe strebende Dom, an Flächeninhalt nach der St. Peterskirche in Rom das größte Gottes­haus. Da gibt es zu viel zu schauen, das Auge weiß die reiche Gliederung mit den 100 Türmchen

und 2000 Bildsäulen nicht zu fassen, unruhig irrt es hinauf bis zu der turmgekrönten Kuppel und wieder hinab zu den weiten Seitenflächen, die uns ein unabsehbares, steinernes Bilderbuch scheinen. Und wie ganz anders ist der Eindruck, wenn unser Fuß die Schwelle überschreitet; das vorher vom Licht geblendete Auge weiß sich in dem Dunkel lange nicht zurecht zu finden. Die Wirkung der Kunstwerke im Innern geht völlig verloren; teilnahmlos schreitet man die weiken Hallen entlang und erst dort, wo die Ampeln über der Begräbnisstätte des heiligen Karl Borromäus glühen, findet sich die Seele wieder und beugt sich das Knie heute doppelt gerne bei den Ueberresten des Apostels der Nächstenliebe, weil unserer Zeit die schöne Tugend so oft mangelt und sie dieselbe doch besonders not­wendig hätte, um die schweren Wunden, aus denen sie blutet, zu heilen.

Anders meint es allerdings das moderne Italien, das sein Denkmal gerade der Kirche gegenüber auf dem weilen Platze in dem Reiter standbild Viktor Emanuels H. aufgepflanzt hat. Roß und Reiter sind in unbezähmbarer Wildheit aufgefaßt und doch ließ der ausführende Künstler das Pferd vor der majestätischen Kirche sichtlich zurückprallen, während dagegen der am Sockel des Postaments ruhende Löwe den Schild mit der stolzen Aufschrift Roma mit fester Pranke umklammert hält. Ob der Bildhauer ein Prophet für kommende Zeiten war, das muß die Geschichte erweisen, das ist aber gewiß, daß Roß unö Reiter niemals über die Kirche Hinwegsetzen werden, und daß auch unter der fesselnden Löwenklaue der Schild Rom's unzerbrochen bleibt und daß die Völker ihn befreien werden, wenn nicht schließ­lich der Löwe selbst es vorzieht, fürder nicht sein Bedränger, sondern sein Hüter zu sein.

Uns treibt es heute schon zur Mittagsstunde weiter. Die Hitze ift der lombardischen Ebene ist groß und ein Mittagsschläfchen hilft uns über die öde Landschaft hinweg. Wie wir uns aber dem Meere nähern, da schieben sich langsam zu beiden Seiten felsige Kulissen ein, die immer höher werden und schließlich in ihrem wildroman­tischen Cbarakter an den Gotthard erinnern. Vielen kleinen folgt endlich ein langer Tunnel und wie wir hinaustreten, da sind wir nicht allein mitten im lachenden blühenden Frühling, sondern in der üppigen Vegetation des gesegneten Meer­busens von Genua, zu dessen beiden Seiten sich die Rivieren im Schmuck der Palmen, der Citronen und Orangenhaine, der wunderlich blühenden und duftenden Blumen anschließt.. Was kümmerlich bei uns das Treibhaus zur Mittel­mäßigkeit bringt, das gedeiht hier an der Brust der Natur in erhebender Freiheit.

Noch einmal entriß uns das schmutzige In­dustrieviertel von San Pier d'Arena dem Zauber der Natur, dann laufen wir in den ebenso schmutzigen Bahnhof von Genua ein, der mit einer monumentalen Fronte nicht ahnen läßt, wie miserabel es hinter den Mauern aussieht. Doch das haben wir bald überwunden, wenige Schritte nur und wir stehen vor dem mastenreichen, weit- gedehnlen Hafen, der den ganzen Fuß der im Halbkreise an den Berg gelagerten Stadt umspült. Gutem Rate folgend, sitzen wir bald im Nachen und lasten uns durch das Schiffsgewimmel hin- durchrüdern, um dann vom Meere aus den ersten Blick der Stadt zu genießen. Ja, das ist herrlich, wie sich die Niesenkolosse der Paläste einer über dem andern emporreckt, dazwischen die Palmen und Baumgruppen der öffentlichen Anlagen, höher hinauf der Kranz der reizenden Villen und schließlich über den waldigen Höhen, wie feste Burgen aus ritterlicher Zeit von den Bergspitzen in's Tal hinabschauend, die modernen massiven Befestigungswerke.

Italienische Städte soll man immer erst aus der Vogelperspektive anschauen, dann hat man ein ungetrübtes Bild, das man mit fort trägt. Unsere Barke legt in der Nähe des auf weit in's Meer vorgeschobener Landzunge stehenden Leucht­turmes an. Auf 179 Stufen steigen wir die Treppen hinan und haben dann die Mitte des gigantischen Bauwerkes und damit einen der schönsten Blicke erreicht, welche die Küste bietet. Noch einmal schauen wir in die Stadt im lachenden Sonnenschein, dann aber hält uns das Meer, das herrliche, in den mannigfachsten Farbentönen spielende Meex fest gebannt. Zu unfern Füßen ist's dunkelblau, dann geht's in's Grüne über immer Heller werdend, bis am Ende des Horizonts ein rosig angehauchter Dunstkreis dem Schauen ein Ende gebietet. Wie kleine Rauchwölkchen schweben in der Ferne die großen Ozeandampfer daher, wie tanzende Fragezeichen spielen die mit weißen Linnen bespannten Barken auf den Wellen unter uns.

Es ist eine unbeschreibliche Sehnsucht, welche hier das Herz erfaßt und in diesem Augenblicke, wo die Majestät des Meeres so ganz das Herz

durchglüht, da mag man verstehen, wie es einst von dieser Stätte aus Christoph Columbus trieb, eine neue Welt zu entdecken. Die Vater­stadt hat dem kühnen Seefahrer ein hübsches Marmorstandbild gesetzt und in dem Museum des Palazzo bianco zeigt man uns neben einigen von der Hand des Christoph Columbus her­rührenden Briefe in goldnem Behälter auch eine kleine Partikel von seinen sterblichen Resten. Der kühne, auf Seeuntertlehmungen gerichtete Geist ist der Stadt aber anscheinend ganz erhalten ge­blieben, denn in dem vorzüglichen, riesengroßen Hafen, da wogt es ein und aus. Und auf das bunte Treiben schaut ein mächtiges Standbild mitten aus den Häusern herab, es ist dasjenige des Herzogs von Galliern, der hochherzig 20 Millionen Lire aus eigener Tasche opferte. Manche Stgdt auch in unserem lieben Vater­lande möchte sich einen solchen guten Herzog wünschen.

Durch enge Gäßchen, die unten noch mit allen möglichen Verkehrsgegenständen, von (der Leber­wurst bis zum Kleiderschrank, bestellt sind, und in denen über unseren Köpfen die mehr . oder minder gut gewaschene Wäsche flackert —..eine sonderbare Art zu flaggen — klettern wir zur mittleren Stadt hinauf, wo hochragende, präch­tige Paläste ein gut Teil Weltgeschichte verkünden. — Gefallene Größen! Heute rollt in ihnen das Geld, meist haben größere Banken hier ihr Heim aufgeschlagen, in andern tagen die Behörden, einige gute Kunstsammlungen verkünden noch den ehemaligen Glanz. Auf der Terrasse des einen Palastes trinkt man eine ganz gute Tasse Kaffee! Wie würden sich die alten Edelfräulein wundern, die einst von hier aus ihre Blumen herabge­worfen, sähen sie uns freche Eindringlinge hier an ihrer Lieblingsstelle.

Genua ist reich an prächtig ausgestatteten Kirchen, wie an halb zerfallenen Gotteshäusern. Vom religiösen Leben merkt man in der Stadt wenig, wer dieses sucht, der muß hinauswandern in's Bisagnothai, wo der schönste und reichste Kirchhof der Welt ist. Eine Stadt ganz in Marmor, ein Museum des Todes, wo Kunst und frommer Glaube sich vereinigt haben, um dem herben Trennungsschmerz seinen Stachel zu nehmen. Welcher Reichtum von Ideen, welch zarter Aus­druck von echter das Grab überdauernden Liebe tritt uns hier entgegen. Hier reicht die Mutter das kleine Kind auf ihren Armen dem Bilde des Vaters zum Abschiedskuß, hier klopft ein kleines Mädchen an der Grabtüre, als wollte es sagen: „Väterchen, bist du noch da?" Hier auf dem Kirchhofe ist alles Glaube, in das Reich des Todes wagt sich die Gottlosigkeit nur selten, und wenn sie einmal frech ihre Stirne übör oas Grab erhebt, so schaudert man zurück. Es ist ein titanenhafter Trotz, der das Herz vereisen macht, während Glaube und Siebe erwärmen und mit hellem Sonnenstrahl aus dem erstorbenen Erdreich des Himmels leuchtende Frühlingsblumen ersprießen machen!

Genug für heute - auf Wiedersehen in Rom.

△ Uimzell unö sein Uirchlein.

Frühling wirds mit aller Macht, hinaus in Gottes freie Natur zu schauen, wie es sprießt, wie es grünt und blüht, wie es aus der Erde schoßt. Hei! welche Lust zum Wandern, von einem Ort zum andern. Dieser Gedanke kam mir, als ich nach gehabter Mittagsruhe hinaus­blickte auf die Sttaße, und die Sonne ihre alles belebenden Strahlen zur Mutter Erde hernieder­sandte.

Aber wohin? Da fiel mir ein, daß ich mir schon lange vorgenommen, das nahegelegene Künzell und sein neu erbautes Kirchlein zu be­suchen, dessen Schönheit mir Freunde schon so oft gerühmt hatten.

Also nicht lange gesäumt, und aufgebrochen!

Die Sonne lachte vom Himmel und blau wölbte sich des Himmels herrlicher Dom über die Auen, Felder und Fluren, — ein Sonntag Nachmittag, der so recht zu einem Spaziergang in den schönen Gottes garten, in die herrliche Natur, einladet.

Bald lag die Stadt hinter mir und vorbei am Friedhof, über den Eisenbahnviadukt gings hinauf gegen Künzell zu.

Auf der Höhe angekommen, wurde ein kurzer Umschau über die ganze Umgebung gehalten. Rechts grüßt der aussichtsreiche Florenberg, links sein Rivale, der Petersberg mit dem dahinter liegenden bewaldeten Rauschenberg, zurück grüßen die Türme der lieben Vaterstadt Fulda mit dem Frauenberg im Hintergründe. In der Ferne ringeln weiße Wölkchen, die sich, immer näher kommend, immer mehr verdichten; ein O-Zug kommt daher gebraust, und stört meine stillen Naturbettachtungen. Geradeaus tagt aus dem

spärlichen Grün der Bäume, keck und luftig ein Türmelein hervor, gekrönt mit dem Zeichen des Kreuzes, uns gleichsam den Weg zeigend nach dem Hause des Herrn, nach der Stätte des Ge­betes. Ein heller Giebel, bestrahlt von leuchten­dem Sonnenschein, in schönem Kontrast mit dem saftigen Blau des Schiefer und dem leuchtenden Rot der Glockenfensteröffnungen, winkt uns ent­gegen. Es ist das Ziel meiner Wanderung, das Sankt Antoniuskirchlein zu Künzell. Ich folgte diesem Wegeweiser und rüstig schreite ich fürbaß durch das schmucke Dorf und stehe alsbald über­rascht vor dem schönen, in gotischem Stile er­richteten Gotteshause, das die Gemeinde Künzell ihrem Herrn und Meister, dem Allerhöchsten, ihrem Gotte als Wohnung, als Zuflucht aller Mühseligen und Beladenen, als Gebetsstätte aller um irgend ein Anliegen um Erhörung Flehender hat errichten lassen.

Ja fürwahr, ein würdiges Hous Gottes!

Ich trete näher, betrachte das schmucke Hauptportal mit dem schönen Maßwerkfenster darüber, und bewundere die schöne Statue des Kirchenpatrons, des hl. Antonius, mit dem schön geformten Baldachin; mein Blick schweift weiter zum Giebelkreuz an dem schlanken Dachreiter enl- lang bis zum Kreuz und Hahn in lustiger Höhe. Meine Betrachtungen führen mich außen um das Kirchlein herum, überall die schönen rudigep Formen bewundernd, nichts Aufdringliches, alles mit Maß und Ziel schön abgewogen in den Formen; fürwahr, das Werk lobt seinen Meister

Gespannt betrete ich das Innere, ein heiliger Schauer durchrieselt mich, überall derselbe schöne Formensinn, überall das schöne Ebenmaß, alles von dem Meister mit gleicher Liebe und Sorg­falt durchgebildet; ein Raum fürroahr würdig zur Wohnung des Allerheiligsten, ein Raum stimmend zur Andacht und zum Gebete.

Milde fällt das Licht durch die schön ver­glasten, in den Maßwerken gemalten Fenster und gibt dem Ganzen noch jenen stimmungs- und weihevollen Ton, der unser Herz erschauern macht und zur Andacht stimmt.

Nachdem ich mich dem Gefamteindruck eine Weile ganz' hingegeben, lasse ich mir auch die Einzelheiten nicht entgehen. Befriedigt über den Bau selbst, muß ich leider sehen, daß für die innere Einrichtung des Kirchleins noch manches, ja fast noch alles erst beschafft werden muß; so der Hochaltar, die Seitenaltäre, die Kanzel, der Beichtstuhl, die Orgel, noch Bänke, die Stationen und noch manche kleineren Gegenstände, die zur Kircheneinrichtung gehören. Die Gemeinde Kün­zell hat schon dis jetzt getan, was in ihren Kräften stand. Hier gibt es für fromme Seelen noch viel zu tun, ein Werk zu fördern zum Lobe und Preise Gottes, damit auch int Innern das Haus Gottes zur würdigen Wohnung des Herrn werde. Möge der heilige Antonius, der Schutz­patron der Kirche, durch seine Fürbitte bei Gott dem Kirchlein noch manchen Wohltäter zuführen; Die hl. Fastenzeit bietet hier die schönste Gelegen­heit zur Ausübung eines guten Werkes „OHerr, ich liebe die Zierde deines Hauses"! Diesen Ausspruch Salomons möchte ich allen ins Gedächtnis rufen und sie dabei an das Künzeller Kirchlein erinneren. Ich nehme Ab­schied vom lieblichen Kirchlein, das am Wald- faunte der „Künzeller Tannen" so herrlich gelegen, vom freundlichen Dörfchen und feinen lieben, braven Bewohnern und lenke meine Schritte wieder meinem trauten Heim zu mit dem Wunsche, daß der Herr noch viele Wohltäter sende, damit das schöne Werk auch in schöner würdiger Weise ganz durchgeführt und vollendet werde. Hier erhebt sich eine Lerche und trillert im Aufsteigen ihr Loblied dem Schöpfer dieser herrlichen Natur in die Lüste, dort schwirrt eine Schar sonstiger gesiedeter kleiner Sänger durch die Lüfte. Jetzt verschwindet die Sonne unter einer Wolke, ein Schatten huscht über die Gefilde; ein trauliches Geläute ruft mir von rückwärts noch einen Gruß nach, in Künzell läutet man das Ave Maria, ein letzter Abschiedsgruß, welchen ich gleichsam mir als letzte Mahnung noch auslege: Vergiß nicht das schöne Kirchlein in Künzell!

Unpolitische Zeitkäufe.

(Nachdruck verboten.)

, (0 Berlin, 2. April 1903.

In welchem Stande gibt es die zahl­reichsten und jüngsten Familienväter? Der sozialdemokrattsche Gelehrte Bernstein sagt: Bei den gewerblichen Arbeitern. Dieser Bernstein ist bekanntlich ein Ketzer unter den roten Genossen. Er macht sich das Vergnügen, einen Lehrsatz des sozialdemokratischen Programms nach dem andern anzugreifen. So hat er z. B. die Lehre von der fortschreitenden Verelen­dung bekämpft; es sei nicht wahr, daß es der