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MdaerW Zeitung
3,K‘.*"äk wochenb-iiag-:,.IllustrierteSonntagsjtitung“ Momtsbeilage: „Fuldaer Geschichtsblatter .
flllda, Samstag, den 4 April 1903.
30. Jahrgang.
Vir »irr obere» Masse» der Volksschule und die litt untere» Mallen der höhere« Schulen.
Ein Mahnwort an die Eltern.
Von den Schülern, die in die Sexta der höheren Unterrichtsanstalten eintreten, geht ein Teil schon am Schluffe dieser Klasse zur Volksschule zurück »der versucht sein Glück in einer anderen Schule; von den übrigen erreichen viele nicht einmal die Reife für Obersekunda, mit der das Zeugnis zum einjährig-freiwilligen Dienste verbunden ist. Die Unfähigkeit der Jungen, ihr Mangel an Fleiß oder die wirtschaftlichen Ver- hältniffe der Eltern sind die Veranlaffung, daß diese Schüler mit vollendetem 14. Jahre von der Anstalt weggenommen und einem Berufe zugeführt werden. Im günstigsten Falle, d. h. wenn der Schüler immer gestiegen ist, hat er bis dahin das Ziel der Untertertia erreicht, manche müssen zur Erreichung dieses Zieles allerdings noch ihr 15. Lebensjahr opfern oder gehen schon von Quarta ab. ,',Aber sie können später sagen, daß sie auf dem Gymnasium gewesen sind. Das ist doch eine andere Sache!" Diese bemerkenswerte Antwort gab vor kurzem ein Vater dem Lehrer, dSr ihm davon abriet, seinen recht mittelmäßig beanlagten Sohn Ostern einer höheren Schule zuzuführen. Wie es mit der „anderen Sache" wirklich steht, lehrt ein Vergleich zwischen den Lehraufgaben der sich entsprechenden vier unteren Klaffen der höheren Schulen und der vier oberen Klassen der Volksschulen.
In der Religion sind die Lehrstoffe im allgemeinen dieselben; wir vermissen in den Lehrberichten der höheren Schulen allerdings die Behandlung der sonntäglichen Evangelien, die sür die Einführung in das kirchliche Leben von großer Wichtigkeit sind. Die Gründlichkeit der Durchnahme kann aber nicht dieselbe sein; denn in der Volksschule stehen für diese Stoffe in den vier Jahren (das Jahr durchschnittlich zu 40 Schulwochen gerechnet) 160 x 5 = 800 Stunden zu geböte; auf einer höheren Schule in Sexta 40 x 3 — 120 Stunden, in Quinta, Quarta und Untertertia 120 X 2 — 240, zusammen 360 Stunden, also nicht einmal die Hälfte der Zeit. Das soll kein Vorwurf für die höheren Schulen fein. Ihr Lehrplan ist auf Schüler berechnet, die mindestens die Unterfekunda absolvieren, und diese erhalten in den beiden folgenden Jahren noch 80 x 2--^ 160 Religionsstunden; was da noch an der Stundenzahl fehlt, wird durch das reifere Alter der Zöglinge ersetzt. Aber daß Schüler, die aus Untertertia abgehen, in religiösem Wissen hinter den gleichalterigen Volksschüleru zurückstehen, ist klar.
Auch in Deutsch decken sich die Lehraufgaben der Klaffen im wesentlichen; aber das Gymnasium
Die Auktion.
Erzählung von Peter B l i ß.
------- (Nachdruck Verbotes.)
(Schluß.)
Bieter Augen richteten sich auf ihu. Den mocht' ich wohl haben, dachte Mancher, und überlegte, wie weit er aus ihn bieten wolle, wenn er zur Versteigerung käme
Der Knabe stellte fib an die Wand unter das Bnuer. „Den Vogel bekommt Niemand", dachte er, „den hat mir der Vater geschenkt."
Die Auktion begann. Die kreischende Stimme des Schreibers, der die Formel: „Zum ersten, zum zweiten u«b zum dritten Male!" in alther.ebrachter Weise ableierte, ging der Frau durch Mark und Bein; jeder Schlag des Hammers, der das Zeichen war, daß sie wieder um ein Stück ihrer kleinen Habe ärmer geworden war, schien ihr Herz zu treffen. Blaß und zitternd saß sie in dem Winkel und hörte nicht das „Immer lustig!" das jetzt der Vogel aus allen Kräften schrie. Sie dachte an den tiefen See und den hohen Uferrand, den die schöne Engländerin heute so bewundert batte. Es war ihr, als hörte sie unter sich die Flut rauschen und eine dumpfe Stimme ans derselben rufen: Komm herab, hier findest du Ruhe! — Aber da fühlte sie plötzlich die weiche, warme Hand chres Kindes auf ihren blassen Wangen Mit einem Angstrus drückte sie das Kind an sich, und sein siisches Gesichtchen ward von chren heißen Tränen benetzt.
Man sah manch mitleidig Gesicht unter den Leuten, allein ein Jeder dachte: „Was hiltt's? kaufst du nicht, so kauft's ein anderer!"
„Ist die Schuld getilgt?" fragte der Gerichtsvollzieher den Bauer.
„Noch nicht zur Hälfte", lautete die Antwort.
„Nun so seht Euch um und sagt, ob Ihr noch etwas sehet, das auktionsfähig ist."
hat in den Vergleichsjahren nur 440, die Realschule 560, die Volksschule 960 deutsche Unterrichtsstunden. Bei den wenigen Wochenstunden, die hier den höheren Schulen möglich sind, kann höchstens eine Stunde für deutsche Lektüre benutzt werden, die Volksschule nimmt zwei; die Lesestunden sind von besonders hohem erzieherischem und unterrichtlichem Werte. Auf Grammatik legen die höheren Schulen mit Rücksicht auf die fremden Sprachen mehr Gewicht als die Volksschulen; die vielen Stunden in Latein und Französisch kommen auch dem Verständnisse der Muttersprache zu gute; der Untertertianer wird deshalb im grammatikalischen Wissen dem Volksschüler des 8. Schuljahres überlegen sein, aber nicht im sprachlichen Können, z. B. in der Kunst der schriftlichen Darstellung. Die Volksschule beginnt schon im 4. Schuljahre mit der Anfertigung kleiner Llufsätze und fetzt diese Hebung fünf Jahre fort; ihre Schüler fertigen jährlich etwa fünfundzwanzig Aufsätze an, in den vier Jahren, die hier in Betracht kommen, also hundert. Die Realschule beginnt den Aufsatzunterricht in Quinta, das Gymnasium erst in Quarta. Da die höheren Schulen nur alle vier Wochen einen Aufsatz schreiben, stellt sich die Gesamtzahl der Arbeiten auf dreißig bezw. zwanzig. Dazu kommt, daß in den Volksschulen der Unterricht in Geschichte, Erdkunde und Naturbeschreibung mehr als in den höheren Lehranstalten dem schriftlichen Ausdrucke dienstbar gemacht wird. Aufsätze aus diesen Gebieten kann die Volksschule auch öfter als. Hausaufgaben verwerten, die Gymnasien müssen fremdsprachliche Hebungen aufgeben. Wir erwähnen ferner noch, daß der Volksfchüler im Schönschreibunterrichte des 7. und 8. Schuljahres in der Ausfüllung der gebräuchlichsten Formulare und in der Anfertigung von Geschäftsaufsätzen unterwiesen wird. Auf diesem Gebiete hat der Volksschüler also eine eindringlichere Uebung hinter sich als der Untertertianer, und das kommt auch der Rechtschreibung zu gute.
Im Rechenunterrichte bildet das Sextapensum keinen Fortschritt gegen das Volksschulpensum des vierten Schuljahres. Der Sextaner macht fast das ganze Jahr hindurch Aufgaben, die er bereits im vergangenen Jahre in der Volksschule gelernt hat; seine früheren Mitschüler, die in das fünfte Schuljahr der Volksschule stiegen, lernen in dem Jahre die ganze Rechnung mit Dezimal und einen Teil der Rechnung mit gewöhnlichen Brüchen, die im sechsten Schuljahr vollendet wird. Da die höheren Schulen die gewöhnliche Bruchrechnung vor der Dezimalbruchrechnung lehren, treffen sechstes Schuljahr und Quinta in ihren Rechenstoffen zusammen. In den beiden folgenden Jahren, also den letzten, die wir in Vergleich stellten, gehen dagegen die Ziele des Rechenunterrichts der "beiden Schulgattungen auseinander. Die höheren Schulen lehren in Quinta die Dezimalbrüche, einfache und zusammengesetzte Regeldetri und Aufgaben aus dem bürgerlichen Leben in zwei Wochenstunden. In Untertertia notiert das Gymnasium kein „Rechnen" mehr, sondern statt dessen die Anfänge der Algebra;
Der Gerichtsvollzieher hoffte, der Bauer werde sich nun zufrieden geben Dw besten Sacken der armen Wirtschaft waren dahin und befanden sich bereit vor der Tür. Aber er irrte sich. Der Bauer zeigte auf das Vogelbauer und sagte: „Da ist noch etwas!"
„Bringe das Vogelbauer her, mein Sohn", sagte der Beamte.
„Der Star ist mein", versetzte der Knabe mit heller Stimme.
„Hast Du Dir den Vogel gekauft oder gefangen?" fragte der Beamte.
„Vater hat mir den Star geschenkt", ries der Kleine; ans seinen Augen leuchtete Trotz und Schmerz.
Der Gerichtsvollzieher sagte zum Bauer leise: „Ich dächte, Ihr ließet ihm den Star."
„Das sollte mir entfallen!" rief der Bauer. „Gib her, dummer Junge", sagte er, indem er aufstand, und ergriff das Vogelbauer am Ringe. Aber der Knabe Helt ihn unten an beiden Händen fest und schrie unablässig und mit lautem Weinen: „Das ist mein Star, den hat mir der Vater geschenkt!" Unter den Leuten erhob sich ein Gemurre; die Wittwe rief mit Tränen ihrem Sohne zu. das Vogelbau-.r loszu- lasseu. „Herr Gerichtsvollzieher", rief der Bauer mit zorniger Geberde, „verschaffen Sie mir mein Recht!" Der Vogel aber, wild gemacht durch das Hin- und Herzerren des Bauers, schrie alles, was er gelernt hatte, durcheinander: „Spitzbub! Spitzbub! — Immer lustig! immer lustig! — Vertrau auf Gott!"
Da beugte sich ein schönes Bauernmädchen herab zu dem Knaben und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Augenblicklich schwieg er still und ließ das Vogel- tauer los.
Der Bog l stand jetzt auf dem Tische und ward vom Schreiber cngekündigt. Der Bauer bot zei Groschen zum Ersten. „Einen Taler!" rief der Knabe. Der Bauer bot nicht weiter. „2er und einen Taler zahlen!" dachte er. „Laß es nur zum Zuschlägen kommen, dann bekommst du den Star doch, und dann willst du ihm schon den Spitzbuben anstreichen. Peter,
die Realschule gibt in dieser Klaffe Aufgaben aus dem bürgerlichen Leben und dem kaufmännischen Rechnen — zwei Stunden, sie hat für Algebra zwei besondere Stunden. Die Volksschule hat in diesen Jahren wöchentlich drei Rechenstunden, deshalb kann sie die Regeldetri und die bürgerlichen Rechnungsarten sehr eingehend lehren; ihr Lehrplan enthält Prozentrech- nung,Zinsrechnung, Rabatt- und Diskontorechnung, Gewinn- und Verlustrechnung, Durchschnittsund Mischungsrechnung, Rechnungen über Staatspiere und Aktien, dazu, seit etwa zehn Jahren Belehrungen und Aufgaben über Kranken-, Alters- und Jnvaliditätsversicherung. Bei der zur Verfügung stehenden Zeit ist eine gründliche Besprechung der Sachverhältnisse und die Anknüpfung volkswirtschaftlicher Belehrungen möglich. Die Stoffauswahl zeigt deutlich die Rücksicht auf das praktische Leben, in das der -Schüler bald eintritt. Der Realschüler hat in Tertia auf die Stoffe bei weitem nicht soviel Zeit verwenden können, der Gymnasial-Untertertianer hat an diesen Dingen nur genippt; es ist darum keine Frage, wer im Rechnen sür einen Beruf besser vorgebildet ist, das ist der Volksschüler. Viel Algebra hat der Schüler der höheren Schule in dem einen Jahre auch nicht lernen können; für den Schüler, der jetzt abgeht, ist die Zeit verschwendet.
Noch ungünstiger liegt für den Untertertianer das Verhältnis in Geometrie. Er hat in Quarta und Untertertia Lehrsätze über die Geraden, Winkel, Dreiecke, Viereck und Kreise gelernt, auf das Praktische, die Berechnungen, konnte nur wenig Zeit» verwandt werden. Die Volksschule beginnt mit der Raumlehre ein Jahr früher, mit dem sechsten, in manchen Schulen schon mit dem fünften Schuljahre. Das Ziel des Unterrichtes ist die Befähigung zum Messen und Berechnen der Parallelogramme, Dreiecke, Trapeze, Vielecke, Kreise, Ellipsen, Prismen und Cylinder, Pyramiden, Kegel und Kugeln. Diese Berechnungen werden im praktischen Leben von dem Handwerker, dem Landwirt und dem Mittlern Techniker verlangt. Dem Untertertianer fehlt dieses Können teils ganz, teils ist er nur in unzureichender Weise darin geübt.
Nicht besser steht es in Hinsicht auf das Leben im Geschichtsunterricht, in der Erd- und Naturkunde.
Daß die Handschrift des Volksschülers besser ist als die des Stud. Lit., ist bekannt; wir brauchen auch nicht auseinanderzusetzen, wie wichtig eine flotte Hand gerade für diese Jungen sein kann. Deshalb haben viele höhere Schulen für die schlechten Schreiber der Quarta und Tertia besondere Nachhilfekurse eingerichtet, im allgemeinen schließt ihr Schreibunterricht mit Quinta. Im Zeichnen sind die Ziele der beiden Schularten, gleich; dem Körperzeichnen, wie es seit etwa zwölf Jahren in der Oberstufe der Volksschulen betrieben wird, messen wir wenig Wert zu.
Wir betonen zum Schluffe noch einmal, daß wir weit davon entfernt sind, in dem Vergleiche den höheren Schulen einen Vorwurf zu machen.
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der Kaier, frißt Vögel so gern als Mäuse!" — Jude ß. war der Hammer gefallen. „Ja hast du denn nun auch das Geld, Klübchen?" fragte der Beamte. Da trat der Knabe mit leuchtenden Äugen und brennenden Wangen herzu, warf ein Talerstück auf den Tisch und ergriff mit beiden Händen das Vogelbauer. „Vertrau auf Gott!" rief der Star. Der Knabe eilte ntu demselben zur Mutter, die, durch seine Freuden- äußerungen aufgeregt, aus einen Augenblick ihren Kummer vergaß.
Jetzt kam ein Schemel an die Reihe. Es bot jemand einen Groschen.
„Einen Taler!" ertönte es von der Tüte aus. Alles sah sich um Das Gebot war aus dem Munde des Mädchens gekommen, das dem Knaben den Taler in die Hand geft ckr hatte. Noch von Verwuitdemng ergriffen hörten die Leute von einer »männlichen Stimme die Summe van fünf Talern bieten. „Zehn Taler!" sagte das Mädcken. „Zwanzig Taler!" tief der Manu. Alle saben einander an. Der Schreiber hatte kaum sein: „Zum ersten Mal!" angefangen) da bot das Mädchen vierzig Taler, und der Mann folgte mit achtzig Talent. „Vertrau auf Gott!" rief der Star; da sagte das Mädchen: „Hundert Taler."
Die Mutter stand auf, sie war vor freudigem Schreck noch bleicher als vorher; Furcht und Hoffnung machten sie zittern.
„Ebe die Auktion weiter geht," sagte der Beamte, „muß ich pfl chtmäßig fragen, ob diejenigen, die den Schemel zu solcher Höhe heraustreiben, auch im Stande find, die gebotene Summe sogleich bar zu zahlen?"
Da hat ein großer Mann an den Tisch. Seine Kleider bedeuteten den Bauer, nicht aber seine Häute. Er öffnete eine feine Brieftasche und ließ, ohne ein Wort zu sagen, den Beamten einen Blick hineintun, wonach sich dieser verneigte und sich als zusriedenge- stcllt e klärte Auch das Mädchen trat heran. Die Wangen ihres feinen Gesichts schienen mit Purpur übergossen. Sie öffnete eine Perlenbörse, aus der Helles Gold hervorbiitzte.
„Nun denn in Gottes Namen weiter!" sagte der
Was wir in dieser Hinsicht beim Religion?-Unterrichte sagten, gilt für alle Unterrichts-Fächer. Es ist oft genug seitens der Oberlehrer ausgesprochen worden, daß Schüler, die sich mühsam bis Tertia quälen, ein Ballast für die höheren Lehranstalten sind. Wir geben gern zu, daß die vielen fremdsprachlichen Stunden der höheren Schulen nicht spurlos an dem Schüler vorübergehen; wir wiesen schon oben auf ihre Bedeutung für den deutschen Unterricht hin und unterschätzen nicht die formale Bildung, die in der Beschäftigung mit stemden Sprachen liegt. Aber die wird in demselben Maße durch den Unterricht der Volks- und Mittelschule erreicht an Stoffen, deren Kenntnis im bürgerlichen Leben unbedingt notwendig ist. Der Vergleich soll nur eine ernste Mahnung an die Eltern sein, ihren Söhnen etwas Ganzes zu bieten: die ganze Volksschule, die ganze Realschule, die Ober-Realschule und das Gymnasium mindestens bis zur Reife für Oberfekunda. Alles andere ist Halbheit und für das spätere Fortkommen der jungen Menschen von großem Nachteil.
Kommunale Sozialpolitik zur Sortierung ties hantiwerks.
Alle äußeren Mittel, welche zur Erhaltung und Hebung des Handwerks angewandt werden können und der Gemeindeverwaltung — z. B. die zweckentsprechende Handhabung des Submissionswesens — zu Gebote stehen, werden auf die Dauer nichts fruchten, wenn nicht das Handwerk auch von innen heraus erstarkt, d. h. leistungsfähiger wird, um im Konkurrenzkämpfe besser bestehen zu können. Daher ist nicht nur die Heranbildung eines tüchtigen Nachwuchses durch Verbesserung des Lehrlingswesens und Fürsorge sür tüchtigen, gewerblichen Fortbildungsund Fachunterricht von großer Wichtigkeit, sondern auch die technische und kaufmännische Weiterdildung des Handwerksmeisters und der älteren Gesellen. .Es gilt also, diesen die Gelegenheit zu solcher Weiterbildung zu schaffen, und hierbei müssen nicht nur die Staats-, sondern auch die Kommunalverwaltungen mitwirken.
Insbesondere ist dieses Verlangen in den Kommissionsberatungen des preußifchen Landtages über den Antrag Trimborn betr. die Gewerbeförderung zum Ausdruck gekommen. Die Gemeindeverwaltung soll zunächst die sogenannten Meisterkurse fördern durch Zuschüsse, Bereitstellung eines geeigneten Lehrsaales, Geldunterstützung geeigneter Handwerker, die an auswärtigen größeren Meisterkursen teilnehmen. Zu letzterem Zweck haben sich z. B. anläßlich der in den letzten Jahren in Posen und Hannover veranstalteten Kurse manche Gemeinden an der Aufbringung der Geldmittel beteiligt. Da der Erfolg der Meisterkurse um so besser ist, wenn sie in Meisterwerkstätten abgehalten werden, die alles an Maschinen, Werkzeugen rc. enthalten, was zu einem lohnenden Arbeitsbetriebe erforder- ■iim——
Gerichtsvollzieher, dem es heiß und naß in den Augen ward. Er nahm seine Mütze vorn Kopfe uü9 forderte dm Schreiber wiederholt auf, fortzufahren. Aber obgleich derselbe feit 20 Jahren bei vielfachen Gelegenheiten die wenigen bekannten Worte abgeleiert hatte, stotterte er jetzt mehrmals, ehe er in Gang kam. Es folgten noch einige Gebote, bis das fr-inde Mädcken den Schenck für 500 Taler zugeschlagen erhielt. Sie trat an den Tisch und zählte das Geld auf.
Der fremde Mann sprach mit dem Beamten, worauf derselbe dem Gläubiger sein Geld schnell ausbezahlte, und ihn, sowie die übrigen Lentenaus dem Dorfe bat, nunmehr das Hüttchen zu verlassen.
Da kam die arme Frau mit ihren Kindern und fiel dem Mädchen zu Füßen. „Du bist ein Engel Gottes," sprach sie, „und gekommen, um mich und meine armen Kinder vom Verderben zu erretten!" lind das fremde Mädchen hob die Frau liebreich empor, küßte die Kinder und weinte die süßesten Freudentränen.
Der Vater aber redet- erst Uvt dem Beamte«, und der versprach ihm mit Hand nD Mund, sich der Witwe mit Rat und Tat anzunehmM. Er übergab ihr zunächst 480 Taler, die ihr bar zufielen. Darauf reichte der Engländer und seine Tochter allen die Hand, gingen, begleitet von heißen Segenswünschen, nach ihrem in der Nahe stehenden Wagen und fuhren eilends davon.
Wr jetzt die Landschaft von jenem Punkte sieht, der in unserer Geschichte bezeichnet ist, der wird nicht mehr das farbige Zauberhäuschen erblicken, wohl aber an feiner Stelle ein neues Haus mit hellen Wänden und mit einem Blumengarten vor der Tür, auch wird er hinter dem Hause eine Scheune wahrnehmen, di« den Segen des Feldes birgt, und einen Stall, aus dem er von Zeit zu Zeit die Stimme wohlg-nährter Haustiere hören kann
Diesen kleinen Bauernhof bewohnt jetzt die Witwe mit ihren drei Kindern im Wohlstände und vergißt nie zu Gott für die zu beten, die ihr einst in finsterer Nacht des Unglücks als Helle Engel erschienen.