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30. Jahrgang.

fUlda, Freitag, den 3. April 1903

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> Zweites Llütt

kranke kath olischer Konfession" ins Leben gerufen worden, dessen Aufruf und Satzungen der ,Volksfreund gegen den Alkoho- lismus und für Gesundheitspflege' (Nr. 3) ver­öffentlicht. Der Verein, der seinen Sitz im Kamillushause Werden (Ruhr) hat, will für die Opfer der Trunksucht sorgen durch Unterbringung in Heilanstalten, deshalb durch Gründung oder Unter st ützung solcher Anstalten, durch Gründung von Mäßigkeitsvereinen u. s. w. Der Jahresbeitrag ist 1,50 Mk. Der Verein sucht ferner Geldmittel aufzubringen, indem er sich bemüht um die Gründung von Freistellen ä 6000 Mark zur Unterbringung eines Patienten für sechs Monate im Laufe eines Jahres, sowie um Schenkungen und Stiftungen in kleineren Beträgen mit Zinsenvorbehalt (4 Prozent) auf Lebenszeit. .

Welches Interesse man auch staatlicherseits den auf Bekämpfung des Alkoholmißbrauches ge­richteten Bestrebungen entgegenbringt, zeigt u. a. ein Erlaß des preußischen Ministers des Innern an die Polizeibehörden über das Verabreichen geistiger Getränke und Maßregeln gegen Trunk­süchtige. — Der erste deutsche Kongreß zur Förderung ber Mäßigkeitsbestrebungen findet in der Osterwoche dieses Jahres in Bremen statt. Auch solche, die verhindert sind, persönlich teil­zunehmen, können der Mäßigkeitssache einen Dienst erweisen durch Zusendung des Namens und des Mitgliederbeitrages (5 Mk., Kassierer Suhling II, Bremen, Schlachtpforte 5). Für den Beitrag wird später der stenographische Bericht zugesandt, welcher die Reden und Nebenver­sammlungen enthält und so einen Ueberblick über die Alkoholfrage in ihren Hauptzügen bieten wird. Unter den Rednern befinden sich auch mehrere kath. Führer der Mäßigkeitsbestrebungen, so Nationalrat Dr. Ming (Schweiz) und Pfarrer Neumann und Kapitza (Deutschland). '

Es muß jedoch auch immer wieder betont werden, daß die Bekämpfung des Alkoholismus nur dann durchgreifende Erfolge erzielen kann, wenn sie mit anderen fozialen Re­formen Hand in Hand geht. Denn es ist kein Zweifel, daß der Alkohol - Mißbrauch zum großen Teile in sozialen Mißständen, unbefriedigen­den Arbeits- oder Wohnungsverhältnissen seine Ursache hat. Es gilt also nicht nur Trunksüchtige zu bekehren, sondern vor allem die Quellen der Trunksucht zu verstopfen, d. h. fortschreitende soziale Reformen auf allen Gebieten!

«scheint täglich, mit Rurnahmr der Somt= snb Zrirrtagr. viertel »hrl. Bezug,preir ohne vringerlohn und Veftellgeld in Zulda und «urwärtr l Ulk. 50 Pfg.

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X«$eige«: Vie ein­spaltige Petitzelle »der deren Raum 15 pfg. Reklamen di« petttrelle 25 Pfg.; bei wcher- holungen wird entspr.

Rabatt gewShrt.

Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Hulda (Harmonie)

Zernsprrcher Rr. 9. '

:: Voppel-Resonanz-Pianos.

Unter den neueren Fortschritten im Klavier­bau, die von größerer Bedeutung sind, verdient die geniale Erfindung eines katholischen Geistlichen, Dr. Moser, die des „Doppel- Resonanz-Pianos", eine besondere Würdigung. Wohl fast alle unsere be­deutenden Klaviermeister, Komponisten, Musik- und Fachkenner der Gegenwart haben sich in Anerkennungen mannigfachster Schattierung über die wirksamen, eigenartigen Klangeffekte dieser Instrumente ausgelaffen, welche die Fabrikanten, die Herren W. Ritmüller u. Sohn, durch eine dem' Geigenkörper ähnliche Ausgestaltung des Resonanz­bodens erzielen und so einen Fortschritt in der Klangfähigkeit der Instrumente schufen, der das Klavierspiel in hohem Maße verbessert und verschönert. Die „Stimmhaltung" darf als ganz ausgezeichnet beurteilt werden und zeigt eine große Widerstandsfähigkeit.

Wir entnehmen der ,Woche' vom Dezember 1902 u. a. folgendes:

„Was unsere Zeit verlangt, das „orchestrale Klavier" ist konstruiert! Die Lösung ist ein­fach wie die Natur, die Wirkung des Instruments ist wunderbar wie die Wirkung der Natur. Dieses Klavier ist die Vereinigung von dem ehemaligen Klavier und Harmonium in unübertrefflicher Einfachheit. Das Klavier konnte bisher nur getrommelt werden, nun kann es das „Universalinstrument" für das Musikstudium werden."

Ueber die Konstruktion des „neuen Systems", das in 16 Staaten patentiert ist, führt Herr Dr. Maurer, Düfseldorf, aus:

„Der Patent-Doppel-Resonanzboden bedeutet eine hervorragende Neuerung im Klavierbau, der mit einer althergebrachten, wenn auch durch die Theorie durchaus nicht ge- stützten Anschauung bricht, der Anschauung näm­lich, daß der Resonanzboden möglichst dünn sein müsse, um leicht in Schwingungen zu geraten. Offenbar ist dabei die Vorstellung vorherrschend, daß der Resonanzboden als Ganzes Transversal­schwingungen mache, ähnlich wie die Rembrane einer Trommel, oder eines Telephons oder auch daS Trommelfell selbst. Indessen ist das mcht der Fall. Die Schwingungen der Saiten werden durch den Steg als Longitudinalschwingungen auf

[] Sozialdemokratische Wahlagitation.

Arbeiter' Handwerker! Bürger und Bauer! begreift ihr nun, wie töricht eine Abneigung gegen die Sozialdemokraten ist?" so heißt es nämlich zum Schluß in einem der vielen Flugblätter, mit welchen die Genossen gegenwärtig Wahlagitation treiben. Dem Arbeiter ist diese Liebeswerbung der Sozialdemokraten nicht ftemd. Es wird ihn nur wundern, welche Geschicklichkeit die „Genossen« im Kuliffenschieben besitzen. Bis an die Zähne gewappnet, mit tollem Schwertergeklirr geht doch sonst der Eroberungszug in das bürgerliche „Philister"-Land. Jetzt nimmt man den Hut m die Hand, macht lammfromme Verbeugungen und — damit Stimmung in die Bude kommt — schiebt man in den Hintergrund die aufsteigende Morgenfonne des sozialistischen Paradieses, m dem es jedem Genossen, dem Handwerker und Bauern wie dem Arbeiter kannibalisch wohl er­gehen soll. Wenn die „alleinige Arbeiterpartei", für welchen Titel sie bisher den Befähigüngs- schein fteilich nicht zu erbringen vermochte, sich, wie gewöhnlich, nur an den Arbeiter wenden würde, so könnte man das verstehen.

Aber auch dem Handwerker, Bürger und Bauer will man helfen?! Woher denn diese Liebe?! Wo bleibt da der „Klassenkampf bis aufs Messer", die „unüberbrückbare Kluft«, das „verrottete Bürgertum" und wie die grundstürzenden Programmsätze sonst lauten mögen?!

Also der Handwerker soll auf die Sozialdemo­kratie schwören? Nicht übel. Der selbständige Handwerker wird vergebens in dem Entwürfe des sozialdemokratischen Zukunftsstaates seinen Platz suchen, da der Handwerkerstand „natur« notwendig« nach sozialdemokratischer Lehre dem Untergange geweiht ist. Und nun dieses köstliche Bild: Die Sozialdemokratie als „Mittelstands­retter", sie, die sonst die „Mittelstandsretterei« des Zentrums für Humbug erklärt. Ohne mit der Wimper zu zucken und mit dem ehrlichsten Gesichte von der Welt steckt man das zerknitterte Programm in die Tasche und bewirbt sich um die Gunst des „Bruders im Handwerk", den man programmäßig längst auf den Opferaltar ge­legt hat.

Aber die „Genoffen" verfügen über noch köst­licheren Humor. Auch den Bauer will man liebevoll in die Arme schließen. Man glaubt in einer Karneoalszeitung zu lesen, wenn ein iozial- demokratisches Flugblatt also schreibt: „Und der verschuldete Bauer, der sich mühsam abrackert, um aus seinem kleinen Grundstück die hohen Zinsen für die Hypothekengläubiger herauszu­wirtschaften, und wenn er den Gläubiger nicht befriedigen kann, wenn dann dieser kommt und dem Bauer sein Stück Land unter den Hammer bringt« . . . Man sieht, wie den „Genossen" die Tränen fließen von Mitleid mit dem Bauer, dem sie kurz vorher in feiner wirtschaftlichen Not­lage nicht helfen wollten. Man stelle sich vor die unwürdigen Szenen, welche die Genoffen im Reichstage während der Zolltarifberatung auf­führten, um den Schutz der Landwirtschaft ge­waltsam zu verhindern: den wütenden Singer, die tobsüchtigen „Genossen" Ullrich und Säubert u. s. f. und sehe dann die heiße Liebesmüh' der „Genossen" um den deutschen Bauer!

Das sind dieselben Leute, .deren offizieller Parteischriftsteller Kautzky 1895 auf dem Partei­tage in Breslau erklärte: „Für die Er­haltung des Bauernstandes einzu­treten, haben wir keinen Grund«, deren anerkannter Führer in der Reichstagskommiffion am 27. April 1895 bei Erörterung der schwie­rigen Sage des Bauernstandes den Ausspruch tat: „Wenn Sie mir sagen, in zwei Jahren werde die ganze Landwirt­schaft kaput sein, so würde das für mich die erfreulichste Aussicht sein." „ Fürwahr, es gehört eine dreiste ©time dazu, nach einer sozialpolitischen Vergangenheit, wie M die Sozialdemokratie hat, die nicht einmal fifr den Arbeiterstand etwas Praktisches zu Wege gebracht hat, sich auch noch als Freund und Retter des gewerblichen und bäuerlichen Mittel­standes aufzuspielen.

Sur Bekämpfung des Alkoholismus. wird seit einiger Zeit von den verschiedensten Seite, eine eifrige Tätigkeü entfaltet. Abge­sehen von dem Verein für GasthauSreform ist «rzljch IMmmu westdeutschen MäßigkeitSausschnß ein „Herein zur Fürsorge fit »lkohol-

den Resonanzboden übertragen und pflanzen sich dort in ähnlicher Weise innerhalb des Holzes, aber als Transversalschwingungen fort. Be­rührungen des Bodens und Abdämpfen desselben üben daher feinen ober nur geringen Einfluß auf bie Tonstärke aus, wie Versuche an einer Geige leicht erkennen lassen. Der Resonanzboden braucht also nicht desonbers bünn zu fein, er muß vielmehr eine große Masse unb vor allem eine starke Elastizität besitzen. Diese Eigenschaft erfüllt aber ber Doppel-Resonanzboden vermöge feiner Dicke unb feiner gewölbten, nach ber Mitte verstärkten Form — Linsenform — wesentlich besser als ber alte Rippenboden. Die Be­lastung ber Saiten verteilt sich über ben ganzen Boben, so baß eine gleich­mäßige Elastizität bes Bobens hervor­gebracht wirb. Mit der Masse und der Elastizität hängt aber wesentlich das Fortklingen des Tones zusammen, so­daß erklärlich wird, warum der Ton der neuen Instrumente einen weichen, singenden und weittragenden Charakter hat."

Die ganz neuen, eigenartigen Klang-Effekte, die mit dem neuen Patent-Doppel-Resonanz-Piano erzielt worden sind, bewegten u. a. Herrn Dr. C. Krebs, Professor an der König!. Hochschule, Senator der Akademie der Künste, Berlin, zu folgender Niederschrift:

„Ein wunderbar runder, singender, ianghallender Ton, im Forte voll wie Orgelklang und noch im zartesten Pianissi- mo körperlich - das ist die überraschende Eigen­schaft der mit dem neuen Patent-Doppel-Resonanzboden versehenen Instrumente.

Eine unserer hervorragendsten Pianistinnen schließt sich den noch tausendsälttg vorliegenden Anerkennungen mit der Versicherung an:

„Bis in die tiefste Seele getroffen von der erträumten Vollendung, die auch ein Klavierton Hervorzurusen imstande sein müßte, fühle ich mich nach dem Genüsse der Vorführung Ihres herrlichsten Flügels fast wie in.eine neue Welt versetzt. "

Das neu entdeckte „Doppel-Resonanz-System" wird ausschließlich jn Ritmüller-Pianos umgesetzt und hat den gesamten in- und ausländischen Klaviermarkt int Sturm genommen. Die Firma W. Ritmüller u. Sohn G. m. b. H., Göttingen, ist die älteste PianofortefabrikDeutsch­lands, sie wurde im Jahre 1795 gegründet und steht durch eine Verwendung dieses „Patent- Doppel-Resonanz-Systems" im Brennpunkt ihres expansiven Aufschwungs. Wir glauben allen denen einen empfehlenden Hinweis auf vorge­nanntes Fabrikat führen zu sollen, deren Etat die Anschaffung eines wirklich ganz neuge­arteten Instrumentes zu regulärem Mittelpreise gestattet.

Die Fabrik hat in Fulda in der Hof Musi­kalienhandlung von Aloys Maier ihren Vertreter, woselbst jederzeit das „singende" Klavier aufs bereitwilligste vorgespielt wirb.

* Ei« armloser Maler. Bristol (England) ist die Vaterstadt eines armlosen MalÄs, der es zu hoher Fertigkeit in seiner Kunst gebracht hat. Mr. Hiles (das ist der Name des Artisten) zeigte schon in seiner stützen Kindheit Neigung für die Malkunst, aber sein Schicksal schien besiegelt, als der achtjährige Knabe bei einem Straßenbahnwagen-Zu­sammenstoß in Bristol beide Arm^ verlor. Hiles versuchte zunächst seine Kunst mit den Füßen auszu­üben, als ihm dies aber nicht wünschenswert gelang, begann er, den Pinsel zwischen die Zähne zu nehmen und auf diese Weise zu malen? Eine ununterbrochene, sechsjährige Hebung brachte ihn dahin, mit dem Munde das zu vollführen, was seine Kollegen mit der Hand taten. Auf der technischen Hochschule in Bristol zeichnete sich der junge Mann später im Modellieren mehrfach aus, und durch die Unterstützung eine» Gönners, des Malers Matthew Hale, brachte eS Hiles als 16 jähriger Bursche in der LandschastS- malerei zu einer hohen Stufe. Ein von ihm ver­fertigtes Gemälde wurde auf der Akademie der Schönen Künste in Bristol zur Ausstellung zugelaffen und fand alsbald einen Käufer. Ein Stipendium von 100 Guineen veranlaßte den jungen Künstler nach London (zu gehen. Er studierte dort an der königlichen Akademie der Künste unb erwarb sich eine silberne unb zwei bronzene Medaillen. Seine Studie« beendigte der armlose Künstler in Paris. Königin Viktoria war eine eifrige Verehrerin der künstlerischen Fähigkeiten Hiles, und wie sie, so haben auch König« Alexandra, Mr. Walter Crane und andere Sammler und Kunstrichter Arbeiten des Artisten erworben. Seine Aquarelle werden auf allen Ausstellungen zu­gelassen, und der Künstler verschmäht es, auf feilt körperliches Gebrechen Hinweisen zu lassen, da auch ohnehin seine Arbeiten ausnahmslos Käufer finden.

* Was ist ein Stammgast? Wenn in einem Restaurant ein Herr das Bierglas in die Höhe hebt, einen prüfenden Blick hindurchgehen läßt und der Wirt springt hinzu und fragt ängstlich und voll Er­gebenheit: „Wohl trübe?" Und der Herr antwortet: „Nein, nur ein Keines Stückchen Pech, es hat fich schon gesetzt, tut nichts«, der Wirt aber das Glas er­greift, damit zur Bierausgabe stürzt, unterwegs zwei Kellner maulschellt und dem Herrn ein frisches GlaS Bier mit der Bitte kredenzt, zu entschuldigen usw., so ist der Herr ein seltener Gast. Wenn ein anderer Herr das Bierglas in die Höhe hebt, durchfieht und sagt: „Heute recht viel Pech int Bier" und der Wirt antwortet: „Ja, das kann vorkommen", dabei aber dem Kellner ein Zeichen gibt, das Bier umzutauschen, so ist der Herr ein regelmäßiger, aber kein täglicher Gast. Wenn aber ein Herr ins Bierglas guckt und bald darauf mit einem Hölzchen eine Menge Pech herausfischt, bann ganz bescheiden zum Wirt sagt, der, die Hände in den Hosentaschen ruhig zufieht: „Aber das muß das letzte vom Faß fein, das kann man vor Pech kaum trinken", und der Wirt wird feuerrot und schnauzt den Herrn an: „Na, Ihrem alten einfältige« Magen schad'ts doch nicht, wenn er einmal ausgepicht wird!" so ist das ein Stammgast.

* Bon einem klavierspielende« Pudel wird be« richtet: Auf einer Spezialitätenbühne in London er­schien kürzlich, als noch nie dagewesenes Wunder ent klavierspielender Pudel — als ob es noch nicht genug klavierspielende Menschen gäbe. Natürlich wurde das begabte Tier von den Zuschauern gewaltig angestaunt, während es am Instrument saß und demselben richtige zusammenhängende Stücke entlockte, bis ein dreister Bengel von der Galerie heruntenief: „Ratten." Das war zu viel für den in dem talentvollen Vierfüßler schlummernden Nimrod. Er verließ schleunigst seinen Sessel und begann zum großen Ergötzen des Publi­kums nach seinen Todfeinden zu suchen. Das beste aber war, daß das Klavier auf der Bühne auch ohne den Hund weiterspielte — natürlich auch zum Ergötzen der Zuschauer. Am nächsten Tage war der klavier­spielende Hund vom Programm und vom elektrisch« Klavier verschwunden.

* Die Körpergröße unb die Jahreszeite«. Eilt ausländischer Statistiker will auf Grund von Material, das er in Europa, wie in den Bereinigten Staaten gesammelt hat, herausgebracht haben, daß die Jahres­zeiten und sogar die Monate der Geburt mit der künftigen Körpergröße der Individuen im Zusammen­hang stehen. Was die Knaben anbetrifft, so find die­jenigen, die im November das Licht der Welt erblicken, im allgemeinen die kleinsten; im Gegensatz dazu werden die im Monat Juli geborenen für gewöhnlich die größten. Im Durchschnitt erreichen auch die Kinder, die während des Herbstes und während des Winter» zur Welt gekommen find, nicht die Größe derjenigen, die während der beiden anderen Jahreszeiten geboren find. Bei dem weiblichen Geschlecht steht die Sache etwas anders. Die größten Frauen find gewöhnlich im Monat August geboren, die kleinsten im Monat Januar. Frühling und Winter scheinen für die Eva- töchter die Jcchreszetten zu sein, in denen fich die kleinsten Figuren ergeben, während die im Herbst ge­borenen bestimmt zu sein scheinen, mindestens ziemlich groß zu werden.

• Glänzendes Zeugnis. Hiermit bezeuge ich ber Köchin Anna Schulze, daß ich, so lange sie meine Küche geführt, in jedem Jahre zweimal eine Marien« habet Kur machen mußte. Rentter Emll Fresle.

* Das höchste der Gefühle. „Gell, Großpapa, bie Eintagsfliegen leben bloS einen einzigen Tag?" — „Jawohl!" — „Da haben bie'S aber gut, da haben die ihr ganze» Leben lang Geburtstag!«

* Naturgemäß. Leutnant A.: „Wie konnte sich Kamerad Z. nur mit der Tochter des Kommerzienrats Müller verloben? Mädel ist doch schon recht abßv- welll." — Leutnant B.: „Muß man bei Blume aef Draht eben mit in Kauf nehmen."

' Die Retter der Nation. In seinen Memoiren, die soeben zu erscheinen begonnen haben, erzählt der Elsässer August Schneepers interessante Episoven aus der Zeit des großen Krieges zwischen Deutschland und Frankreich. Schneepers reifte als Delegierter mit zur National-Bersammlung. Auf dem Bahnhof in Bor­deaux trafen die Elsässer gleichzeitig mit zahlreichen Leuten ein, die von überallher zur Versammlung herbeiströntten. Während fie auf dem Perron blieben und warteten, da alle Omnibusse und Kutschen im Nu besetzt waren, wartete zugleich ein merkwürdig aussehendcr Herr, augenscheinlich ein Abgeordneter, der mit gewalttgem Pathos von seinem Mandat sprach. Auf dem Kopf ein weitkrempiger Hut, über den Schultern ein weiter Heberrock,' in den er sich male­risch drapierte, so ging er stolz auf dem Trottoir auf und ab, von Zeit zu Zeit heftig gestikulierend. Da hörte man ihn plötzlich in unverfälscht provencalischern Accent ausrufen: „Wie? meine Wähler haben mich hierher geschickt, um für den Krieg bis aufs äußerste zu stimmen — und ich finde nicht einmal einen Om­nibus!" Ein würdiges Pendant zu diesem Eisen­fresser, der unbedingt einen Omnibus brauchte, trafen fie bald darauf in einem Kafee. Neben ihm saß eine Gruppe von Offizieren, und unter ihnen der wunder­barste aller FrankttreurS: ein herrlicher Filzhut mit blauweißroten Federn; ein Anzug von blauem Sammet, ganz sunkelnagelneu; tadellose Gamaschen, ein pracht­voller Karabiner. Mit laut erhobener Stimme dekla- mirte er gegen die Feiglinge, die noch nicht zu den Truppen gestoßen waren. Einer der Abgeordneten drehte sich um und machte ihn darauf aufmerksam, daß er doch selber auch «och in Bordeaux sei. „T6!" erwiderte lachend ber Franktireur, „es muß doch einer zurückbleiben, um bie anberen zum Ashmarsch anzufeuern!« Dieser Franktireur personifizierte ben Süden . . .

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