30. Jahrgang
flllda, Dienstag, den 31. März 1903,
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(Nachdruck derbsten.)
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erstes BMtt
Deutsches Reich,
katholischen Wahlkreisen „das in dem emge- tretenen Umfange nicht erwartete Erwachen des liberalen Widerstandes gegen die klerikalen Wahlgelüste". So besonders beunruhigt fühlen wir uns denn doch nicht, da wir wohl wissen, daß hinter dem liberalen Lärm nicht so viel Macht steckt, wie man uns glauben mache» will. Aber allerdings haben wir auch keinen Anlaß, uns einschläfern zu lasten, da wir wissen, daß, wenn der Liberalismus einigermaßen wieder emporkommen sollte, er auch bald eine willige Gefolgschaft in kulturkämpferischen Elementen anderer Parteien fände.
Her Kaub auf der Lömzsdmg.
Ovi-inalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
er anstrebte. Fast stand er am Fuß jener vorausgeschauten Wendeltreppe, als aus einem Nebengange schwere Schritte sich näherten und ein Lichtstrahl über die Steinfliesen zitterte. Kaum hatte Omar noch soviel Zeit, ins schützende Dunkel der Treppe zurückzutreten, al» ein Diener mit einem Oellämpchen hervorkam und auf eine Türe zuging, die er langsam erschloß. Ahe er dieselbe wieder hinter sich schließen konnte, war Omar hinzugespiungen, hatte sich durch die Spalte hindurchgeschoben und stand vor dem entsetzten Diener.
Ihm den Dolch auf die Brust setzend sagte er: „Kein Laut! Dein Leben liegt in Deiner Hand! Gib mir Dein Licht und die Schlüffe! und verrate mir, wohin diese Zimmer alle münden. Ich sehe vor mir eine ganze Zimmerreihe, beschreibe mir sie alle gena» und Dein Leben sst Dir geschenkt." Unter vielem Zureden löste sich das Entsetzen des also Ueberraschten soweit, daß er Rede und Antwort stehen konnte.
„Dieses hier," begann er angstzitternd, „darin wir uns befinden, ist die Waffenkammer — aber nicht wahr, guter Bandit, Du hältst Dein Wort und läßt wich am Leben? — an dieses reiht sich der Rittersaal — aber was stierst Du nach den Waffen? Barmherziger Gott, Du willst mich wirklich töten?" Omar war kreidebleich geworden.
„Unglückseliger," stieß er hervor,,,schaue Dir dieses zerbrochene Schwertstück an und sage mir, was es bedeutet." Der Diener deutete auf das gewaltsam gebrochene Eisen.
„Eine lange Geschichte, guter Bandit, ich will Dir nur verraten, daß dies fehlende Stück sich weit, weit weg auf der Rotberburg befindet. Wenn Du Dir also ein ganzes verschaffen willst —!" Omar winkte ihm zu schweigen, nahm ihm die Schlüffel ab, schloß die Türe, nahm auch das Licht und trat in den angrenzenden Saal ein, auch jene Türe hinter sich schließend. Der Diener schien seine Gefangenschaft saft mit stillem Triumph übcr sich ergehen zu lassen und nur darauf bedacht zu sein, Omars Mißtrauen nicht zu erregen. Dieser indeffen war weit entfernt davon, ihm seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. (F. f)
Xn)tt<t»: Vie einspaltige Petiheile ob« deren Baum 15 pfg. Beklamen die Petttjelle 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entspr. Babatt gewährt.
Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in $ulöa (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.
erörtert. Das stenographische Protokoll wird in gleicher Weise wie bisher im „Reichsanzeiger" veröffentlicht werden.
** Infolge der Bewilligung von Mittel« durch den Reichstag zur Fortführung der Usam- barabahn bis Mombo hat das kolonial-wirt- fchaftliche Komitee Maßnahmen eingeleitet zur Förderung der Eingeborenenkulturen längs der geplanten Bahnlinie. Auf Anregung des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg verhandelt das Komitee ferner mit dem kaiserlichen Generalkonsul in Neapel über die Einführung der Seidenzucht, insbesondere des widerstandsfähigen indischen Tussor-Spinners in Deutsch-Ostafrika. Größere Mengen Seidenraupeneier werden nach den Bezirken Tanga und Wilhelmsthal überführt.
% Die Anarchisten wollen sich zum ersten male auch an den Reichstagswahlen beteiligen. Allerdings werden sie nicht für einen der aufgestellten Kandidaten stimmen, sondern ihre Stimmzettel mit den Worten: „Hoch der Generalstreik!" beschreiben. Da diese Zettel nicht einmal gesondert gezählt, sondern im Verein mit vielen anderen einfach für ungültig erklärt werden, kann diese Demonstration nicht einmal den Zweck erfüllen, eine Art Heerfchau der deutschen Anarchisten zu bilden. - Das Anarchisten-Blatt ,Der Föderierte', Organ der vereinigten revolutionären Arbeiter Deutschlands, hat wegen mangels an Mitteln sein Erscheinen eingestellt.
* Die sozialdemokratischen Gewerkschaften haben bei der Gewerbegerichtswahl in Essen mit 5871 gegen 5252 Stimmen der christlichen Gewerkschaften gesiegt, während bei der letzten Wahl die christlichen Gewerkschaften mit 2700 gegen 1600 Stimmen siegten. Das wird von einigen Blättern als eine schwere Niederlage des Zentrums ausgegeben. Wir leugnen nicht, daß wir die Niederlage der christlichen Gewerkschaften für eine sehr bedauerliche Tatsache halten. Aber gleichbedeutend mit dem Zentrum sind diese Gewerkschaften doch nicht, denn zu ihnen gehören auch zahlreiche evangelische Arbeiter. Die Niederlage der christlichen Gewerkschaften ist aber auch nicht so schwer, wie die liberalen und sozialdemokratischen Blätter sie darstellen, denn sie haben ja immerhin noch etwa 2500 Stimmen gewonnen, also ihre Stimmenzahl nahezu verdoppelt. Tatsächlich ist der Sieg der Sozialdemokraten, wie auch der, Vorwärts' selbst zugibt, durch den Fall Krupp und den Druck, der aus Anlaß desselben auf die Arbeiter ausgeübt wurde in der Absicht, sie zu Kundgebungen für den Kaiser und für Krupp zu veranlassen, bewirkt worden. Solche Dinge rächen sich immer!
** Admiral Dewey ist vom Präsidenten Roosevelt wegen seiner Aeußerungen über die deutsche Flotte zur Rede gestellt worden. Er wurde am Sonntag nach dem Weißen Hause berufen und erklärte dem Präsidenten, er halle nicht erwartet, daß seine offenen Bemerkungen veröffentlicht werden würden, und sei über die Veröffentlichung sehr überrascht gewesen; gleichwohl habe er aber nicht beabsichtigt, dem Interviewer etwas zu sagen, was der deutsche Kaiser oder die deutsche Regierung als Beleidigung
Afcheiut täglich. -it Kuseafimt der Sann« »u» $tiertage. viertel- lttrl. Bezugspreis «tue Bringerlohn und Bestellgeld in Zulda und auswärts 1 BH. 50 pfg verantwortlicher
** Der (6. )um.
Diesmal ist der ,Vorwärts' mit seinem Versuche, den „Reichsanzeiger" für Geheimsachen zu spielen, verunglückt. Er wollte durchaus nicht zugeben, daß der 16. Juni als Termin für die Reichstagswahlen in Aussicht genommen sei, sondern behauptete noch am Sonntag, „mit bündigster Bestimmtheit", es werde am 17. Mai gewählt werden, und bezeichnet es als ein „plumpes Manöver", den Termin zu verheimlichen und einen falschen zu nennen. Da nicht abzusehen ist, warum er seine Behauptungen frei aus der Luft gegriffen haben sollte, so scheint es jemand, der ihn für die häufige Veröffentlichung geheimer Aktenstücke strafen wollte, gelungen zu sein, ihn zu täuschen. Die Ausrede, der Termin sei nachträglich verlegt worden, verfängt in diesem Falle «icht. Denn erstens war die Wahl an einem Sonntag von vornherein durchaus unwahrscheinlich, zweitens ist nicht abzusehen, welchen vernünftigen Zweck die Regierung mit der Irreführung beabsichtigt haben könnte, drittens war die Verordnung, wodurch die Wahlen auf den 16. Juni anberaumt werden, bereits am Sonnabend vollzogen worden. Es scheint auch von vornherein kein anderer Termin in Aussicht genommen gewesen zu sein. Die unbestimmte Fassung der ersten offiziösen Meldung erklärt sich nach der Angabe eines kleinen Blattes daraus, daß der Reichskanzler kurz vor Antritt seiner Urlaubsreise den Bundesregierungen amtlich mitteilen ließ, es sei beabsichtigt, die Wahlen auf den 16. Juni anzuberaumen, und sie ersuchte, ihm möglichst bald auf telegraphischem Wege anzuzeigen, ob sie mit diesem Wahltermin einverstanden seien. Sobald dann die zustimmenden Antworten sämtlicher Bundesregierungen eingegangen waren, ist der Wahltermin amtlich bekannt gegeben worden.
Wie schon bemerkt, ist der 16. Juni genau derselbe Tag, an dem vor fünf Jahren die Wahlen stattfanden. Man bestimmte ihn, wie die,Nordd. Allg. Ztg.' ausführte, deshalb, weil man einerseits nicht durch Verlegung der Wahl auf einen spätern Termin ein reichstägsloses Vacuum schaffen, andererseits vermeiden wollte, daß infolge früherer Wahl zwei Reichstage gleichzeitig vorhanden wären und der gegenwärtige aufgelöst werden müsse. Es sollen der Staatssekretär Nieberding und der preußische Justizminister Schönstedt gewesen sein, die die Anberaumung der Neuwahlen auf den 16. Juni, als de« Tag, mit dem die Legislaturperiode des jetzigen Reichstags ablaufe, betrieben hätten. Wir meinen, gar so überängstlich hätte man in dieser staatsrechtlichen Frage nicht zu sein brauchen, zumal da dem theoretischen Streite der Gelehrten über den Beginn der Legislaturperiode durch die Entscheidung deS Bundesrats
Hast g schritt Omar dahin, in ihm tobte und Mrmte es, ein furchtbarer Plan tauchte in ihm auf. Ja, er wollte die Burg erforschen, ihre geheimen Hänge und ihre tiefften Verließe, und benn wollte er le führen, die verworfene Rotte, hinab zu den Schätzen, aber nie wieder zu dem Tageslicht zurück. — Es dunkelte bereits, als er vor dem Stadttore anlangte und wartend hinter einen dicken Baum, der auf der Landstraße stand, trat. Aber seine reduld hatte eine harte Probe zu bestehen. Vereinzelte Sterne traten schon aus den Wolken hervor und noch immer zeigte Ach der Erwartete nicht. Kaufmannsjüze zogen durch das Tor aus und ein, fahrende Gesellen, Spielleute, Söldner, bewaffnete Reiter, ehrsame Bürger, — alle paffierten in bunter Folge das Tor, als endlich ein einzelner Mann heraustrat und Umschau hielt. Es Var der Torschreiber. Schon wollte Omar sich enttäuscht Hinwegwenden, als der Unbekannte den Arm hob, die Hand beschattend über die Augen legte und — nach Westen schaute. Eiligst trat Omar zu ihm heran und sprach die ihm in den Mund gelegten Worte. Der Mann sah ihn eine Weile schweigend an, dann srug cr: „Wer sendet Dich?"
„Der Bund — die schwarze Bande." Schweigend winkte er, ihm zu folgen. Sie gingen längs der Mauer «hte Strecke entlang und durchschritten eine engt, unreinliche Gaffe. Omar schien die Umgebung so bekannt, daß er seinen schweigsamen Führer fragte: „Das Tor, durch das ich eintrat, ist mir zwar ein fremder, dennoch Vermute ich, daß diese Stadt — Düren ist." Er erhielt kein« Antwort darauf, sondern bezweckte nur, daß sein Führer um so rüstiger vorausschritt. Es war «zwischen ganz bunfel geworden, und Omar konnte
Berlin, den 30. März 1903.
% Im Abgeordnetenhause sind eingegangen ein Nachtragsetat wegen der Eisenbahnverstaatlichungen, eine Vorlage betreffend die Bebauung von Wallgrundstücken in Frankfurt a. M. und die Gesetzentwürfe betreffend den kirchlichen Hilfsfonds für neu zu errichtende katholische Pfarrgemeinden, sowie betreffend die Bildung von Gesamtverbänden in der katholischen Kirche. — Das Abgeordnetenhaus wird morgen (Dienstag) in die Ferien gehen.
** Am 25. und 26. März d. I. sind die kontradiktorischen Verhandlungen über das inländische Kartellwesen mit Erörterungen über die oberschlesische Kohlenkonvention und das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat, soweit dessen umstrittenes Absatzgebiet in Frage kommt, fortgesetzt worden. Außer den Vertretern der beteiligten Behörden waren, wie der „Reichsanzeiger" berichtet, etwa 70 Sachverständige anwesend. Der Vorstand der oberschlesischen Kohlenkonvention gab eine eingehende Schilderung der Organisation dieses Verbandes. Die Darlegungen boten Anlaß zu Erörterungen über den Wettbewerb der oberschlesischen Kohle mit der Kohle anderer Absatzgebiete sowie über die hierdurch bedingte Preispolitik der Verbände. Im weiteren Verfolg der Besprechung wurde die Wirkung der Braunstoffverbände auf Landwirtschaft und Industrie behandelt. Insbesondere fand ein lebhafter Meinungsaustausch zwischen den Vertretern der Landwirtschaft und denen des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats statt. Auch gelangten die geschäftlichen Beziehungen zwischen den Betrieben der oberschlesischen Eisenindustrie, welche nicht eigene Kohlengruben besitzen, und der oberschlesischen Kohlenkonvention, sowie die Verhältnisse der Eisenverarbeitungsindustrie in Nord- und Mitteldeutschland und in Elsaß-Lothringen zur Besprechung. Schließlich wurde die geschäftliche Lage einer Anzahl anderer Gewerbezweige, wie der Textil- und Zementindustrie, der Glasindustrie, der Gas- und Wasserwerke und des Verkehrsgewerbes unter dem Einflüsse der Kohlenkartelle haben? Sie war längst vom Erdboden verschwunden! Er wollte weiter gehen, aber eine unsichtbare Macht schien ihn zurückzuhalten. Er legte sich auf den Rasenplatz unter die Baumgruppe und versuchte die Jahre Hinwegzudenken, die zwischen jetzt und dem Augenblicke lagen, da er dort schlafend geruht. Er fühlte die Kälte der ftosterslarrten Erde nicht, ein lauer Wind umfing ihn, die Sonne lag heiß und sengend auf dem Blätterdach der Baumriesen. — Er fühlte sich sachte, ganz sachte emporgehoben — er fühlte e» mit schwindenden Sinnen — in eiligem Laufe trug man ihn davon — er erwachte — der Item stockte ihm, er erstickte fast, ein warmes Tuch lag auf seinem Munde, er stthnte — ächzte.--Erregt sprang Omar empor. Hatte er
geträumt, schlief er wirklich oder war rr wahnsinnig? Er schlug sich vor die Stirne. Welch ein Tor er war, zum hundertsten Male das auszuträumen, was ihn stets mit neuer Trauer erfüllte. Was konnte es ihm nützen? Aber wunderbar; in seiner Erinnerung hatte bisher der Schauplatz dessen gefehlt, dem er Wort lieh — hier war er!
Das war schon ein Trost, er hatte eine kurze Minute sich glücklich gewähnt. Vorsichtig schritt er weiter über den Pfad dahin, schlich um das ummauerte Bassin und stand vor dem Eingänge der Burg. Er schritt dahin, ohne zu fehlen, als fei er durchaus mit der Oertlichkeit vertraut. Ein dunkler Gang führte ins Innere, die Treppe über den Söller hätte ihn dirett zu den bewohnten Gemächern geführt, aber das wollte er eben nicht, so tastete er sich im Dunkel vorwärts. Welcher Geist kam über ihn? Er war wie ein Nachtwandler, eine unsichtbare Hand schien ihn zu lenken. Fast mit Bestimmtheit rechnete er darauf, daß am äußersten Ende des Ganges e ite Wendeltreppe zum Turme hinaufführte. Niemand hatte es ihm kund getan, aber er wußte eS, so bestimmt, daß er fast zurückschreckte vor der Wandlung, die sich in seinem Inneren vollzog. Es war ihm, als folge er einer Stimme, die durch ihr Wort das Dunkel vor ihm erhellte und feinen Fuß nach jener Richtung lenkte, die
und ihrer Begründung doch kein Ende gemacht wird. Unseres Erinnerns hat man sich niemals peinlich an den Tag gehalten, an dem die Legislaturperiode zu Ende ging. Sonst hätten ja immer, wenn keine vorzeitige Auflösung des Reichstags erfolgt war, die Wahlen an demselben Tage stattfinden müssen wie vorher. In Zukunft aber müßte immer am 16. Juni gewählt werden, solange keine vorzeitige Auflösung stattfindet. Unter Umständen würden also die Wahlen auch an einem Sonntage oder am Fronleichnamsfeste stattfinden müssen. In ruhigen Zeiten schadet es unseres Erachtens nicht im geringsten, wenn für einige Tage oder Wochen das Vacuum eintritt, in dem kein Reichstag vorhanden ist. Anders stände es mit der früheren Anberaumung der Wahl. Zwei Reichstage zugleich zu haben, wäre jedenfalls ein etwas abnormer Zustand. Die Auflösung des alten aber brächte die unbequeme Notwendigkeit mit sich, den neuen mitten im Sommer einberufen zu müssen, auch wenn nichts für ihn zu tun wäre. Der Auffassung der Deutschen Tageszeitung", diese Unbequemlichkeit wäre gering, werden wohl die wenigsten Abgeordneten zustimmen.
Das Blatt des Bundes der Landwirte findet allerdings die Unbequemlichkeit einer Wahl am 16. Juni noch weit größer. Es hat schon längst geklagt, dieser Tag sei äußerst ungünstig wegen der Heuernte. Uns will scheinen, daß es arg übertreibe, um sich wieder ein wenig an der bösen Regierung reiben zu können, die auf die Landwirtschaft keine Rücksicht nimmt. Neuerdings nimmt es nun auch noch schweres Aergernis daran, daß die „stille, schöne Zeit des Pfingstfestes von dem häßlichen Lärm der Wahlen erfüllt wird." Aber wenn die Wahlen, wie das Blatt wünscht, einige Wochen früher stattgesunden hätten, so würde der Wahllärm in die Zeit des Osterfestes oder des Himmelsahrtsfestes und der Stichwahllärm vielleicht wieder in die Zeit des Pfingstfestes gefallen fein. Der 16. Juni ist der zweite Dienstag nach Pfingsten, da ist doch das Pfingstfest schon eine Weile vorbei. Die ganze Jahreszeit mag für die Wahlen ungünstig sein, aber man soll die Sache auch nicht unnötig ausbauschen oder gar, wie die ,Deutsche Tagesztg." es tut, so eine Art Begünstigung der Sozialdemokratie aus der Wahl des 16. Juni machen.
Nun der Wahltermin feststeht. und die vom ,Vorwärts" befürchtete „Ueberrumpelung" durch die Regierung nicht mehr eintreten kann, ist es Sache der Parteien, dafür zu sorgen, daß sie nicht durch eigene Schuld „unangenehme lieber« raschungen" erleben. Die ,Nat.-Ztg." meint, das Zentrum suche feinen Wählern mit allerlei Kartellen, die gar nicht existierten, bange zu machen, um sie fo sicherer an die Urne zu führen. So möge uns das Blatt einmal die Wahlkreise aufzählen, in denen die anderen Parteien nicht gegen das Zentrum zufammenhalten werden. Nach Ansicht der ,Nat.-Ztg." ist, ' was die „Klerikalen" beunruhigt, außer den von polnischer Seite bereiteten Schwierigkeiten und der Machterweiterung der Sozialdemokratie in überwiegend nur noch bemerken, daß sie in eine völlig unbewohnte Gegend ewgelenkt waren. Endlich stand der Torschreiber still und händigte Omar einen Schlüssel ein, der fast die Schwere eines Hammers hatte.
„Trete näher," flüsterte er, „Du siehst jene kleine Pforte. Diese öffne; aber sei vorsichtig." Omar tat also und schob sich durch die Spalte hinein. Soviel er bemerken konnte, befand er sich im Burggarten. Entblätterte Bäume ragten empor, beschneite Pfade dehnten sich vor ihm aus. Im Anschauen versunken, hörte er nicht, wie sich die Pforte leise hinter ihm schloß und der Schlüssel abgedreht ward. Behutsam tat er einige Schritte in den Garten hinein und blieb wieder stehen. Hinter den Bäumen zog sich ein langgestrecktes Gebäude hin, au» dessen Fenstern hier und da ein Lichtlein austauchte. Vor ihm in unmittelbarer Nähe, nur durch einen mit einem Bassin gezierten H»f getrennt, stieg die majestätische Herrenburg empor, von deren zahlreichen Rundbogenfenstern nur zwei erleuchtet waren. Dorthin mußt« er trachten zu gelangen. Dieses mußte feuer Ansicht nach da» Rittergemach sein. Schnell legte er die Maske an und schritt auf eine Baumgruppe zu, die vor einem peinlich gesäuberten Rasenplatz stand, und da war es ihm, als sei es nicht das erstemal, daß er dort gestanden. Er stellte sich vor, als sei diese seines Vaters Burg — waren doch alle in jener Zeit nach einem Schema gebaut — im taufrischem Grase hatte er gelegen und schlief, als die Burg von Fehde überzogen ward, das stand noch deutlich vor seinem Geiste. Im Schatten eines Baumes hatte er gelegen — das mußte jene Baumgruppe sein. Aber ging seine Erinnerung nicht weiter? Blieb denn gar nichts mehr in seinem Geiste haften? Er sann und grübelte, aber je mehr er sich in die fernere Erinnerung vertiefte, desto verworrener und unklarer wurde sie. L . .
Schließlich schmerzte ihn sein Kopf und tote ein dichter Nebel lagerte es sich vor seine B-rgangenheit. Aergerlich raffte er sich empor. Was fiel ihm denn ein? Glaubte er die Burg seine» Vater» gefunden zn
ruldaerM Zeitung
Wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagsrettung" Monakbeilag«: „Fuldaer Seschichtsblätter".