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Druck und Verlag der Zuldaer Actiendruckerei in Zulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 0.
JVff 72.
ftllda, Montag, den 30. März 1903.
30. Jahrgang.
Kestrllnnseu Ms das 2. (Quartal 1903 der ,Fuldaer Zeitung' werde« jederzeit eo« allen Postaustalten, Landbriefträgern »nd von unserer Expedition (Harmonie) entgegengenommen.
% Die liberale Wahlparole.
Im liberalen Lager traut man offenbar der Wahlparole „Gegen den Brotwucher, für Handelsverträge!" keine rechte Zugkraft zu. Man sucht deshalb nach einer neuen, wirksameren, und da kommt man denn zu feiner alten Liebe zurück: „Kampf gegen den Ultramontanismus". Aas ist ein gemeinverständliches Wort, selbst der einfältigste Wähler ist damit zu bezaubern, ja, dieser vielleicht besser, als irgend ein anderer; dabei Hilst diese Parole über alle Gegensätze und Schwierigkeiten innerhalb des Liberalismus hinweg. „Kampf gegen den Ultramontanismus", das genügt vollkommen als liberale Wahlparole; man braucht über andere heikle Dinge nicht viel zu reden und schlüpft über kitzliche Fragen hinweg mit der Erklärung, daß es jetzt die Hauptsache für jeden liberalen Mann sei, den Ultramontanismus niederzuhalten.
Schon seit dem nationalliberalen Parteitage in Eisenach sehen wir das Bestreben, den „Kampf gegen den Ultramontanismus" zum Feld- geschrei des Liberalismus im Wahlkampfe zu machen. Wurde in dem Ringen gegen die Zollvorlage dieses Feldgeschrei weniger vernommen, so erschallt es seitdem um so lauter. Die ganze wilde Jesuitenhetze wird vom Liberalismus getragen. Die Macher sind dieselben Leute, die die „antiultramontane Wahlvereinigung" gründeten. Warum denn auf einmal die ungeheure Aufregung, nachdem man seit sieben Jahren der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes mit ziemlicher Gemütsruhe ent- gegengefehen hat! Nun, weil eben die Wahlen bevorstehen. Man glaubt erkannt zu haben, daß die Ankündigung des Reichskanzlers sich gut für die Wahlagitation verwerten laffe, und demgemäß setzt man Himmel und Hölle in Belegung, um die Wähler mit der Jcsuitenangst ins liberale Netz zu treiben. Dieser Zweck der ganzen Hetze liegt so klar zutage, daß nur die ganz verblendeten Fanatiker und die gutmütigen Leute ihn nicht merken, die zu schieben glauben, während sie geschoben werden. Die Drahtzieher bei dieser Bewegung haben in Wirklichkeit die zur Schau getragene Furcht vor den Jesuiten durchaus nicht, aber sie glauben von der Furcht anderer bei den Wahlen profitieren zu können.
Auch der Lärm über den „Fall Korum" war in erster Linie ein wahltaktisches Manöver. Man merkt es besonders deutlich an dem Feuereifer -des freisinnigen Herrn Barth, der fürchtet, die Nationalliberalen möchten allein ihren Parteitopf an diesem Kulturkampffeuer wärmen, und es deshalb groß zu blasen suchte, damit auch sein Par-
Dtt Kaub auf der Sänigaburg.
Originalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
4g ------ (Nachdruck Verbote«.)
„Zurück!" rief sie gebietend, „zurück! — Hier ist GotteS Ort!" Bleich wie der Tod taumelte Omar rückwärts, mit der Hand die Augen bedeckend, und riß die Nachströmenden mit sich hinab. Einen Moment trat Todesschweigen ein, umso beängstigender nach dem Tumulte!
Sie standen alle wie erstarrt. Auf der Schwelle des Kirchleins aber stand unbeweglich und marmor- bleich die Jungffau, der andrängenden Kohorte das Erlösungszeichen entzegenhaltend, und aus dem Inneren des Gotteshauses drang der Chor der Beterinnen: „O, Maria hilf!" Da löste sich der Bann, mit erneuter Wut drangen sie vor. Omar aber schwang sein Schwert und donnerte ihnen entgegen:
„Zurück! Sie steht unter dem Schutze des Bundes! Mit meiner Seele habe ich sie losgekauft! Zurück, sage ich Euch, und krümmt kein Haar ihres Hauptes!" Mir seinem Schwerte drang er auf die Rotte ein, der Anführer erschien — ein langgezogener Pfiff — — und in weniger denn einer Minute war der Klosterhos geräumt, die Räuber wie vom Erdboden verschwunden. — Die Klosterfrauen drängten sich mit Freudentränen in den Augen um die mutige Mit- schwestcr, die in den Armen der Aebtissin wie leblos zusamwenbrach.
Ein Haufe bewehrter Bauern kam herangezogen — sie fanden nichts weiter zu tun übrig, als vor der erbrochenen Klosterpforte die Nacht über Wache zu halten. Mit bewegten Herzen lauschten sie dem Hymnus, der durch die Stille der Christnacht drang. De Teum laudamus! Das Kindlein hatte sein „Nazareth" gerettet! — In der einsamen Zelle aber liegt auf dem harten Lager hingebettet die Trägerin des Kreuzes und ihre Lippen murmelten:
teitopf Platz daran hätte. Daß daS Zetergeschrei über den „Vorstoß deS Ultramontanismus in Bayern" im Grunde nur aus wahltaktischen Gründen erhoben wird, wird von den Schreiern selbst zugegeben. Das A und Z ihrer Brandreden ist ja, alle Liberalen müßten bei den Wahlen zusainmenhalten, um das Zentrum niederzuwerfen. In Baden operirt der Liberalismus mit der Kapuzinerfurcht, um die erschreckten Wähler einzufangen. In Sachsen sucht man sie mit den blödsinnigen Fabeln zu betölpeln, die man an den „Fall Giron" geknüpft hat. Und so wird"überall an die kulturkämpferischen und katholikenfeindlichen Instinkte der protestantifchen Bevölkerung appelliert zur größeren Ehre und zur Vermehrung der Wahlstimmen des Liberalismus. Nichts läßt man sich entgehen, was zur Aufregung der Gemüter brauchbar erscheint, sogar die Vorträge des „Exjesuiten" v. Ber- lichingen in Würzburg werden „ausgeschlachtet". Der nationalliberale ,Hannov. Kurier' hält es denn auch nicht mehr für zweckmäßig, noch länger hinter dem Berge zu halten. Er gibt offen die Wahlparole „Kampf gegen den Ultramontanismus" aus und ist selbstverständlich der Meinung, daß sich für diesen Kampf der Liberalismus allein eigne. Er ist „das Gewissen des deutschen Volkes" und „der protestantische Geist des Volkes" besitzt „keinen stärkeren Hort als den Liberalismus". Die Konservativen kommen gar nicht in Betracht. Wenn Luther noch lebte, würde er es nicht mit den Orthodoxen, sondern mit dem Liberalismus halten. Der ,Kreuzztg.' ist diese Renommisterei denn doch zu arg. Sie verwahrt sich gegen die Beschlagnahme Luthers für den Liberalismus und weist die 'konservativen und positiven Kreise nochmals warnend darauf hin, daß sie die Geschäfte des Ultra-Liberalismus besorgen, wenn sie sich an der antiultramontanen Bewegung beteiligten. Die Erfahrung sollte sie doch belehrt haben, „daß, wenn der Liberalismus die Führung übernimmt, es sich in Wahrheit nicht mehr um einen Kampf des Evangeliums gegen den Ultramontanismus, sondern um einen Kampf gegen den Glauben als solchen handelt, und daß der Kampf gegen den Ultramontanismus nur das Aushängeschild ist, durch welches gläubige Christen getäuscht und zur Mitwirkung an der Wiederbelebung des glaubensei ndlichen Liberalismus mißbraucht werden ollen. Durch enge Verbindung mit dem poli- ischen wie kirchlichen Liberalismus, auch wenn ie angeblich allein zur Abwehr ultramontaner Übergriffe dient, stärkt er nur den Unglauben, ohne nach der Richtung der Kräftigung des evangelischen Bewußtseins, wie ein gläubiger Christ dasselbe auffassen soll, einen Erfolg zu erzielen."
Für uns hat die liberale Wahlparole weder etwas Ueberraschendes noch Erschreckendes. Wir sind uns keinen Augenblick zweifelhaft darüber gewesen, daß der Liberalismus im „Antiultra- montanismus" seine Lebenskraft fehe und sofort seine religiöse und kirchliche Tyrannei erneuern würde, wenn er wieder die Oberhand gewänne.
„Sw steht im Schutze des Bundes. Mit meiner Seele habe ich sie losgekauft!" Nun wußte sie, wohin er gegangen auf Nimmerwiederkehr. — Arme Marina di Pauli, du hast umsonst gelitten, umsonst — entsagt!
13. Kapitel.
Wer vermöchte es nachzufühlen, was Omar in diesem Augenblicke empfand, als er an der Spitze der stürmenden Rotte, ein Bandit, die stolze Grasentochter geschaut — als Klosterfrau! Seitdem war die Lethargie seines Geistes und Körpers einer grenzenlosen Verzweiflung gewichen. Wie verworfen, wie elend er war! Immer weiter ging es die abschüssige Bahn hinab und er durfte nicht einmal an der Kette raffeln, die ihn tiefer und tiefer, langsam, aber um so sicherer zum Abgrund hinunterzog. Welch ein Bewußtsein! Den Tod suchen und ans Leben gebunden zu sein, Bandit ohne Ueberzeugung! Aber dieses Leben mußte geendet sein, er würde wahnsinnig werden, müßt: er es noch länger ertragen. Mit wahrer Todesverachtung focht er nun im Kampf« bei räuberischen Ueberfällen; wo die größte Gefahr lauerte, da stürzte er sich hinein, als erster erkletterte er die Mauern — aber keine barmherzige Hand fand sich, die ihm den Todesstoß versetzte und feine Leiden beendete. Düster und drohend schweifte sein Blick über seine Kampfgenossen. Ein gefürchteter Räuber war er geworden in ihrer Mitte, seinen Namen nannten mit Schrecken die Bewohner des weiten Umkreises. Der schwarze Adler auf seinem Helm, der die Flügel ausbreitete, kennzeichnete ihn vor allen. Der „schwarze Aar" hieß erim Volksmunde, alle fürchteten, keiner haßte ihn, denn kein Meuchelmord lastete auf seiner Seele, und wo der „schwarze Aar" seine Bande zum Angriff leitete, da bezeichnete keine blutige Spur ihren Weg und keine Greueltat schändete seinen Ruf.
Warum fiel er nicht in diesem stets erneuten Kampfe? Mit dieser Frage beschäftigte sich Omar, da wir ihn, über sein entsetzliches Los nachgrübelnd, in der Felsenhöhle wiederfinden. Da mußte er sich denn I gestehen, daß unter jener Bande chm ein unberufener
Es ist aber ganz gut, daß seine Absicht jetzt so klar ausgesprochen worden. Auch der vertrauensseligste Zentrumswähler sieht nun doch, worum es sich bei den Wahlen eigentlich handelt. Die Katholiken und das Zentrum bleiben der „Feind", den man bekämpfen muß. Daß das konservative Hauptorgan feine Freunde vor dem Liberalismus und der Förderung seiner antiultramontanen Absichten warnt, verdient gewiß Dank und Anerkennung. Nur werden die Zentrumswähler sich nicht in den Glauben wiegen dürfen, daß es viel helfe. Sie brauchen sich ja nur umzusehen, um zu bemerken, wie Konservative und Land- wirtsbündler mit den kulturkämpferischen Nationalliberalen in einer ganzen Anzahl von Wahlkreisen Hand in Hand gegen das Zentrum gehen. Mögen sie sich nicht durch wirt- schastliche, zollpolitische und ähnliche Fragen verleiten lassen, ihre Aufmerksamkeit von der Hauptsache abzuwenden. „Kampf gegen den Ultramontanismus !" ist die liberale W ah lp arole und diese findet nicht bloß bei denLiberalenAnklang.
Berlin, den 28. März 1903.
** Die Kaiserin wird voraussichtlich am nächsten Mittwoch nach Schloß Bellevue übersiedeln. Das Befinden der Kaiserin wird gegenüber den zahllosen teilnahmsvollen Nachfragen der auswärtigen Höfe, der in Berlin und Potsdam wohnenden Fürstlichkeiten und der Hofgesellschaft als befriedigend bezeichnet. Man rechnet mit der normalen und glatten Heilung der Bruchstelle; der Verband fall Mitte der nächsten Woche gewechselt werden. An der italienischen Reise im Mai dürfte die Kaiserin sicher teilnehmen; wenigstens verlautete heute, daß bis dahin die vollständige Genesung erwartet wird.
* Der Herzog von Sachsen-Altenburg hat in Mentone durch Ausgleiten auf der Treppe des Hotels ein Bein gebrochen. Der Unfall ist eine Folge der Beschränkung des Gesichtsfeldes des Herzogs, die nach der ©taar Operation eingetreten ist. Der Herzog wandte sich im Hinabsteigen und eifrig sprechend einer Dame zu, wobei er umknickte und ausglitt. Er fiel so unglücklich, daß er sich nicht selbst wieder erheben konnte und in Ohnmacht fiel. In der Annahme, es liege nur eine Quetschung vor, wurde Massage angewendet, wobei sich aber bald herausstellte, daß das Bein gebrochen war. Eine Röntgenstrahlen- Untersuchung ergab einen Schenkelhalsbruch, der bei dem hohen Alter des Patienten — der Herzog steht im 76. Jahre — nicht unbedenklich ist. Sobald der Kranke transportabel ist, wird er nach Altenburg übergeführt werden.
% Reichskanzler Graf Bülow wird dem ,Frünk. Kurier' zufolge während seines Aufenthaltes in Italien am 4. April mit dem
Beschützer erstanden war, der ihn nie verließ. Ein Arm war es immer, der ihn aus tötlicher Umarmung herausriß, eine Hand immer, die den Todesstahl von ihm ablenkte, und deutlich erinnerte er sich der Worte, die, als er sich tollkühn in ein gezücktes Schwert stürzen wollte, ay sein Ohr drangen: „Halt! Duwirst zu Besserem aufgespart!" Mit einer Regung des Zornes gestand er sich, daß es jener Mann war, der seinen Verdacht verschiedentlich wachgerufen. Wie wünschte er sehnlichst die Gelegenheit herbei, ihn zu entlarven — war gerade diese Stunde, da alle schlafend umherlagen, nicht die seinem Zwecke am günstigsten? Schnell wie der Gedanke ihm auftauchte, führte er ihn aus. Dort lag er, berauscht unter den andern, den er vor ollen am meisten verachtete, eingehüllt in seinen Mantel. Behutsam näherte er sich ihm, mit peinlicher Vorsicht jedes geringste Geräusch vermeidend. Schon berührte er mit seinem Fuße feinen Mantelzipfel, als die Wache unter den Eingang trat. Den Atem dielt er an und harrte, bis sie wieder vor die Höhle hir-austrat. Es waren todesbange Minuten, bis ihre Schatten um die Felsecke verschwanden. Nun beugte er sich über den Schläfer und hielt den Hauch zurück. Welche Grausamkeit traf ihn, wenn jener jetzt erivachtc. Mit zitternder Hand faßte er die Maske, hob sie empor und neigte sich tief herab. — Aber fast wäre er vor der furchtbaren Erkenntnis zurückgetaumelt. Sein Verdacht war ichrecklich wahr geworden. Desien Werkzeug er bislang gewesen war, dem er entflohen war mit Gefah' seines Lebens, in dessen Arm - war er wieder geeilt! Hier fand er ihn wieder, vor ihm lag er — der schwarze Ritter! Hohn des Schicksals! — Die Sonne stand im Mittag, als allgemach die Schläfer sich erhoben und ein reges Treiben wieder begann. Feuer wurden entzündet und ein edles Wild gebraten. Omar wies wpeise und Trank zurück, er sann auf endliche Erlösung! Da trat einer der Anführer herzu und rief die Namen von sechs Banditen, darunter auch denjenigen Omars.
„Nehmet Eure "Waffen und folget mir," lautete der kurze Befehl. Omar erkannte in jenem den
italienischen Minister des Aeußeren Prinettl und auf der Rückreise mit dem österreichisch-ungarischen Minister des Aeußeren Grafen Goluchowski eine Zusammenkunft haben.
** Der Rücktritt des Kriegsministers v. Gostler, der jüngst schon in der Presse angekündigt, alsbald aber widerrufen wurde, dürfte, wie das,Berl. Tagebl.' erfahren haben will, nur eine Frage kürzester Frist sein. An seine Stelle „dürfte" der Kommandeur des 1. Armeekorps, General Frhr. Colmar v. d. Goltz treten, mit dem der jetzige Kriegsminister seine Stelle tauschen würde. — Das ,Berl. Tagebl.' ist im allgemeinen keine sehr zuverlässige Quelle.
** Deutschland und Amerika. Der „Sieg" der Amerikaner über die Spanier, insbesondere der „Sieg" über die jämmerliche spanische Flotte hat bei den amerikanischen „Seehelden" eine Art Größenwahn erzeugt. Man erinnert sich der Renommistereien des Kapitäns Coghlan und seiner Beleidigungen gegen Deutschland. Jetzt hat auch der damals von ihm ausgespielte Admiral Dewey selbst eine schwere Taktlosigkeit gegen Deutschland begangen. In einer Unterredung mit dem Vertreter eines in New- Aork erscheinenden Blattes soll Dewey gesagt haben, daß die jüngsten amerikanischen Flottenmanöver im Karaibischen Meer den Zweck gehabt hätten, Europa und insbesondere Deutsch- land ein warnendes Beispiel zu geben. Die deutsche Marine werde in bezug auf ihre Leistungsfähigkeit in einem etwaigen Seekriege stark überschätzt. Die Ausbildung und Intelligenz der deutschen Matrosen ließen sich mit der der amerikanischen nicht vergleichen. Die deutschen Matrosen seien vor allem unselbständig und könnten ohne jedesmalige Weisung nicht das Geringste ausführen, während der amerikanische Matrose an größte Selbständigkeit in der Erfüllung seiner Aufgaben gewöhnt sei. — Coghlan wurde s. Z. disziplinisch bestraft, und Präsident Mae Kinley sprach dem deutschen Botschafter sein Bedauern über den Vorfall aus. Das Gleiche wird wohl jetzt geschehen müssen, auf daß dir Ueberhitze Deweys sich abkühle. Nach einerMeldung des ,Daily Telegraph' aus Washington gibt Dewey das fragliche Jnterwiew als im wesentlichen richtig zu. Die Behörden seien der Ansicht, daß diese Aeußerungen für die gegenwärtige Zeit als sehr unglücklich bezeichnet werden müßten. Das Staatsdepartement hätte hiervon bis jetzt offiziell noch nicht Kenntnis genommen, man erwarte indes, daß Deutschland bei der Regierung der Vereinigten Staaten über die Auslastung des Admirals vorstellig werden würde. — Den Aeußerungen des Admirals Dewey gegenüber ist von Interesse, wie man in deutschen Marinerreisen über die amerikanische Flotte denkt. So schreibt matt aus Kiel: Daß die nach der europäischen Station gehende Schlachtschiffflotte der amerikanischen Union Kiel nicht aufsucht, ist zum Teil dadurch begründet, daß die sieben zu einem Geschwader- verbande vereinigten Linienschiffe sechs verschiedene Typen darstellen. Da die europäischen schwarzen Ritter und sann vergebens darüber nach, zu welchem Zwecke dieser nicht, wie üblich, die schwarze Maske, sondern den Helm mit Visir angelegt. Darüber blieb er allerdings im Unklaren, nicht so über den Zweck dieses Einzelzuges. Sie mochten reichlich eine Meile schweigend zurückgelegt haben, als der Ritter am Ausgange Wirtes Gehölzes stehen blieb und Omar an seine Seite rief:
„Schau in die Ferne," begann er mit verstellter Stimme, die indeffen nichts von ihrer Schärse einbüßte, „dort wo Du die Türme und Mauern hervorragen fiehest, lenke Deine Schritte hin. Warte an dem Stadttore, bis ein Mann heraustritt und, die Augen beschattend, nach Westen blickt. Zu diesem gehe hin und frage: „Wenn ich derjenige bin, den Du suchest, so führe mich." Er wird Dich zu einer Burg g-leiien, deren geheime Gänge Du erforschen sollst. B gebe Dich zu den Wohnräumen und ergründe, auf welche Weise unsere Bande am sichersten eindringen kann, wo die Schätze lagern und von welcher Seite uns Entdeckung drohen könnte. Hast Du meine Befehle gehört und wirst Du sie achten?" Die Frage barg eine Drohung, denn die Dolche der übrigen Banditen richteten sich auf einen Wink des Ritters auf seine Brust.
In Omars Augen bl tzte es auf. Ein furchtbarer Entschluß stieg in ihm auf.
„Ich werde handeln, wie Du mir geboten," erwiderte er scheinbar ruhig, steckte die Waffen zu sich, warf den Mantel um und ging davon. Mit über der Brust verschränkten Armen blickte der schwarze Ritter ihm nach. Wer in diesem Momente hinter die Maske jenes Mannes hätte schauen können.
„Gehe bin. Argloser!" murmelte er mit unterdrücktem Triumph, „meine Rache geht ihrer Vollendung entgegen. Ich sende Dich hin, Dich, des Fürsten Sohn, als Räuber, der dem Gesetze verfallen, geächtet, 6er» fehmt. Hab, freue Dich, Fürst Jbichau, der Langverlorene kommt! Breite die Arme aus, nenne ihn „Sohn" und — verabscheue ihn!" Hr winkte den Raubgesellen und folgte in gemessener Entfernung dem Jüngling.
(Fortsetzung folgt.)