höret Euch nicht!" wenn er uns nicht seinen Retter senden würde."
Die Aebtisfin hörte jene mutvollen Worte mit gesenktem Haupte, nun hob sie den Blick und sah in ernster Frage eine nach der anderen an. Ueberall fand sie die gleiche Ansicht. Schweigend ging sie hinaus und verkündete den draußen Harrenden ihren Entschluß. Ein Wutgeheul brach los, Drohwotte und die schrecklichsten Verwünschungen wurden laut, und donnernd fuhren die wuchtigen Schläge gegen die Pforte.
Sie trat gefaßt und ruhig in die Kapelle zurück. Dort lagen die Jungfrauen in inbrünstigem Gebete vor dem Kripplein und rangen in stummem Flehen mit Golt.
Der Lärm von außen nahm zu, Steine kollerten aus der Mauer und flogen in die Fensterscheiben der Kirche, so daß die Scherben klirrend niederfielen. Schlag auf Schlag wurde gegen die Klosterpforte geführt. Es war ein gräßliches nächtliches Schauspiel. Mit lauter Stimme begann die Aebtrssin die Litanei von der immerwährenden Hilfe zu beten, und ver- ttauensvoll fiel der Chor der Beterinnen ein: „D, Maria hilf!" Da erschütterte ein dumpfer Knall die Luft, daS eiserne Tor batte nachgegeben, mit wildem Triumphgeschrei ergoß sich die Rotte in den Klosterhof.
„£), Maria hilf!" Keine Wimper zackte, kein Angstruf erscholl. Der Welterlösir war unter ihnen — O, Maria hilf! Schon näherte sich der wutbrüllende Haufe der Kapelle, da erhob sich aus der knieenden schar der Beterinnen eine hohe Gestalt, eilte die Stufen des Altars hinauf, nahm das Kruzifix vor dem Tabernakel hinweg und eilte den Räubern entgegen.
Mit anhaltendem Triumphgeschrei wälzte die Rotte sich durch den Klosterhof der Kirche zu. Schon stürmte sie die Steinstufen zu der Kapelle hinauf, als Omar sich Bahn brach und — von den Unmenschen alles besürchtend — an die Spitze ver Rotte trat. In diesem Augenblicke flog die Kirchentüre auf, eine Lichtflut drang aus dem Gotteshause, und auf der Schwelle erschien wie eine himmlische Lichtgestalt die Jungfrau mit dem hocherhodenen Kruzifix in der Hand. (F. f.)
unser werden muß. Sehet ihr den Kirchturm — und das Kloster daneben? — Sittsame Jungfräulein bewohnen es. „Zu Nazareth" nennen cs die frommen Mägdelein. Ei nun, wir wollen ihnen die Erlösung bringen — nämlich von den reichen Klosterschätzen!" hohnlachte er, und die Raubgesellen lohnten ihn mit Beifall, „seid also meines Winkes gewärtig und ziehet in aller Stille taleinwärtS, auf daß die ehrsamen Bürger nicht vorzeitig aufgeweckt werden und in frommer Begeisterung zur Mistgabel und zum Dresch- flegel greisen." Omar hörte dies alles und konnte ein Grauen nicht überwinden. Seinen Nebenmann anredend fragte er:
„Höre ich recht, ihr wollt ein Kloster plündern?" Der maß ihn mit funkelndem Blick.
„Nun, hoffentlich gehörst auch Du zu den Stürmern, oder sticht Dich der Haber schon wieder?"
„Welchen Tag haben wir denn heute?" fragte Omar ablenkend, „und warum läutet es unten im Tal!" Wie ein himmlisches Geläute drang der Ton eines Silberglöckchens zu ihnen der.
„Man sieht," lachte der Andere, „daß auch Dich das milde Wetter und der lange Sommer anno 1371 in der Zeitrechnung irre gemacht. Ich denke mir also, das Glöcklein, das da unten wimmert, ruft die Jüng- ferleia zur Krippe, denn heute ist Christnacht!" Omar stand erschüttert.
„Christnacht," wiederholte er empört, „und wir wollen den Frieden dieser hl. Nacht also stören?"
„An dem Frieden liegt uns verzweifelt wenig," lachte der, „die Hauptsache ist für uns, daß gerade in jener Nacht die Kuttenträger ihre verborgenen Schätze holen und um das Kripplein stellen; so find wir der Mühe überhoben, nach eingemauerten Schränken zu suchen."
Kaum vermochte Omar mit seinem Zorne zurückzuhalten. Da er aber gegen die Gewalt nicht ankämpfen konnte, so wollte er wenigstens in der bevorstehenden Greuelscene der einzige sein, der menschliches Erbarmen hegte und ausübte.
Die Nacht war kalt und sternenhell, als die Jung-
frauen des Klösterchens „Zu Nazareth" in die hell- erleuchtete Kapelle einttaten und vor dem Krippchen in die Kniee sanken. Tiefgebeugt, im Gebete versunken lagen sie vor dem Welterlöser und über chnen zog die Andacht wie ein Segenshauch, ein Gotteswort durch das stille Gotteshaus. Da kündete das Glöckchen mit sanftem Getön die Mitternachtsstunde und weich melodisch, wie Engelgesang, drang der frommen Beterinnen Chor durch die fülle, die heilige Nacht: Gloria in excelsia! — Da wurden wuchtige Schläge gegen die Klosterpforte geführt und mit entsetzensbleichem Gesicht stürzte die Pförtnerin herein und berichtete:
„Räuber stehen draußen vor dem Tore und fordern Einlaß. Im Falle unserer Weigerung erstürmen sie das Kloster!" Der hehre Judelgesang war verstummt. In jähem Schrecken fuhren die wehrlosen Jungfrauen empor und umstanden ratlos die Aebtiffin. Angst und Besorgnis sprach aus den bleichen Gesichtern, aber die himmlische Ruhe und Ergebenheit in den Willen Gottes ließ keine Verzagtheit, keine feige Furcht auskommcn. Die Aebtiffin tat i inen Blick gen Himmel und sagte dann ruhig:
„Wir vermögen den Männern keine Gewalt entgegenzusetzen, es sei denn Gott selber, der seinen Rächerarm ausstreckt. So wollen wir denn auf Gott vertrauen. Das Jesukindlein wird fein Nazareth nicht den räuberischen Händen preisgeben. Ich gehe, den Männern selber zu öffnen und um Schonung zu bitten.* Da trat ans der Mitte der Klosterfrauen eine Hobe gebietende Gestalt vor und hielt die Aebtiffin zurück.
„Geben wir uns keiner falschen Hoffnung hin," sprach sie mit wohltönender Stimme, über ihr Mar- morantlitz zuckte ein Strahl von Opfermut, „Schonung kennt jene Horde nicht," und ihre Stimme klang herb und bitter, „wir find verloren, wenn sie in unser Kloster eindringen," ein erneutes Gepolter an der Pforte zeigte die Ungeduld der Räuber, „darum spreche ich für Gewalt. Lasset sie die Mauern erstürmen, hier um unfern Heiland wollen wir uns scharen, unv ich müßte mit EtiaS ausrufen: der Golt, den ihr ar rufet,
Her Rmb auf ta Limigsburg.
Originalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
------- (Nachdruck verboten.)
„Du hast meinen Befehl gehört und weißt, was Deiner harret, so Du Dich der geringsten meiner Anordnungen zu widersetzen wagest. — Gebet ihm zu esien," gebot er wieder den Knechten und sie brachten ihn hinweg. Zusammengesunken saß Omar vor der Speise und marterte sein Gehirn mit der Frage, wo ihm dieser schrecklichste aller Menschen schon begegnet sei. Ein Verdacht, den er schon einmal zurückgewiesen, flieg wieder in ihm auf und nahm immer mehr Form und Gestalt an. Neue Lebenskraft durchströmte seine Aoern, noch blieb ihm eine- — den Schleier zu lüften, der jenen Tyrannen verhüllte und dann zur Vergeltung zu schreiten.---------
Die Sonne war hinter den Bergen verschwunden, als die schwarze Bande der Waldhütte entstieg und vereinzelt durch Feld und Wald ihren Weg suchte. Rach langem ermüdetem Umherschleichen langten sie auf einem Hügel an, von wo aus sich ihnen eine wette Aussicht eröffnete. Die Anführer traten zusammen, pflogen Beratung und versammelten alsdann ihre Raubgesellen um sich. Bei dem Lichte des aus dem zerriffenen Gewölk hervorttetenden Mondes überschaute man vorn Hügel aus eine schneebedeckte Flur, weißgestrichene vereinzelte Häuschen leuchteten daraus hervor, wie tüt Silberstreifen zog sich ein Mühlenbach durch das erstarrte Feld, und hoch über den kleinen Häusern empor ragte ein Kirchturm mit einem daran sich schließenden Klösterchen. Dorthin deutete der An- fichrer. „Schaut hinüber, wo die Lichtlein vereinzelt aufblitzen, das ist Mariaweiler, ein elendes Nest, in dem kein Heil für uns zu finden ist. Aber in unmittelbarer Nähe desselben liegt der fette Brocken, der
30. Jahrgang.
fuldcl, Samstag, den 28. März 1903.
Druck und Verlag der Sulbaer Actiendruckerei in Hulda (Harmonie) Hernsprecher Rr. 9.
Anzeigen: Die einspaltige petitzeil« ober deren Raum 15 psg. Reklamen die Petitzeile 25 Pf9 ; bei Wiederholungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Lothringen. Auf Steinkohlenbergwerken, deren Betrieb auf achtstündige Schichten eingerichtet ist, dürfen bei der Beschäftigung derjenigen jugendlichen Arbeiter männlichen Geschlechts über 14 Jahre, welche über' Tage mit den unmittelbar mit der Förderung der Kohlen zusammenhängenden Arbeiten beschäftigt sind, die Beschränkungen des § 136 Absatz 1, 2 der Gewerbeordnung mit folgenden Maßgaben außer Anwendung bleiben:
1) Die Beschäftigung darf nicht vor 5 Uhr morgens Beginnen und, wo in zwei Tagesschichten gearbeitet wird, nicht nach 11 Uhr abends schließen; keine Schicht darf einschließlich der Pausen länger als 8 Stunden dauern. Die Beschäftigung darf am Tage vor Sonn- und Fffttagen um 4 Uhr morgen« beginnen und, wo in zwei Tagesschichten gearbeitet wird, am nächsten Werktag um 1 Uhr nachts schließen. 2) Zwischen zwei Arbeitsschichten muß den jugendlichen Arbeitern eine Ruhezeit von mindestens 15 Stunden gewährt werden. Die den Arbeitsschichten an Tagen vor Sonn- und Festtagen vorausgehende und die den Arbeitsschichlen an Tagen nach Sonn- unb Festtagen folgende Ruhezeit muß mindestens 13 Stunden dauern. 3) Zwischen den Arbeitsstunden müssen den jugendlichen Arbeitern an jedem Arbeitstag eine oder mehrere Pausen in der Gesamtdauer von mindestens einer Stunde gewährt werden; von diesen müssen zwei mindestens je eine Viertelstunde oder drei mindestens je zehn Minuten betragen. Während der Pause darf den jugendlichen Arbeitern eine Beschäftigung im Betriebe nicht gestattet werden. — Auf Steinkohlenbergwerken dürfen jugendliche Arbeiter männlichen Geschlechts über 14 Jahre in höchstens sechsstündigen Schichten unter Wegfall der im § 136 der Gewerbeordnung vorgeschriebenen Pausen mit ihren Kräften angemessene Arbeiten Über Tage beschäfttgt werden, sofern die Art des Betriebes an sich Unterbrechungen der Beschäftigung mit sich bringt. Wegen des Beginnes und des Schluffes dieser Besckäftigung und wegen der zwischen zwei Arbeitsschichten zu gewährenden Ruhezeit gelten die oben unter 1 und 2 mitgeteilten Bestimmungen. In der vorstehend bezeichneten Art dürfen jugendliche Arbeiter unbeschäfttgt werden, wenn durch das Zeugnis eines von der höheren Verwaltungsbehörde zur Ausstellung solcher Zeuguiffe ermächttgten Arztes uach- gewiesen ist, daß die körperliche Entwickelung des Arbeiters die für denselben in Aussicht genommene und genau anzugebende Beschäftigung aus dem Werke ohne Gefahr für feine Gesundheit zuläßt. Die höhere Verwaltungsbehörde kann einzelne Betriebe, in denen jugendliche Arbeiter nach Maßgabe der obigen Vorschriften beschäfttgt werden, auf Antrag von der Angabe des Beginnes und Endes der Pausen in der nach § 138 der Gewerbeordnung zu erstattenden Anzeige und von der entsprechenden Angabe in dem Aushange für solche im einzelnen namhaft zu machenden Beschäftigungszweige entbinden, bei denen nach der Art der Arbeit regelmäßig mindestens Arbeitsmtter- brechungen von der unter 3 bestimmten Dauer eintreten. Diese schriftlich zu erteilende Genehmigung ist jederzeit widerruflich. Die vorstehenden Bestimmungen haben für 10 Jahre Giltigkeit.
* ®otya, 27. März 1903. In der heutigen Sitzung des gemeinschaftlichen Landtages der Herzogtümer Koburg und Gotha wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche besagt, die herzogliche Staatsregierung möge ihren Bevollmächtigten zum Bundesrctt anweisen, einer weiteren Erhöhung der Reichsausgaben entgegenzutreten, auf jede
Berlin, den 27. März 1903.
* Die Kaiserin stürzte heute bei einem Ritt durch den Grünewald mit dem Pferde und zog ich einen Bruch des linken Unterarmes zu. Der Infall ereignete sich auf dem Wege von Wil- -elmsturm nach dem Jagdschloß Grünewald. Die Kaiserin begab sich in einem sofort herbeigeholten Wagen nach dem Jagdschlösse, wo die herbeigeholten Aerzte, Generalstabsarzt Leuthold, Generalstabsarzt Zuncker und Oberstabsarzt
Krschett-i täglich, wtt Ausnahme bet Somt= «w zeiertage. viertel- iäbrl. Bezugspreis ohne Bringerlohn unb wefteUgelblnSulbaunb ensroSrts 1 Mk. 50 psg.
verantwortlicher
* Staat und Stadt.
Die Vorteile, welche die Stadt Berlin aus ihrer Stellung als Hauptstadt des Deutschen Reiches und des Königreichs Preußen zieht, sind in der letzten Zeit wiederholt im Reichstage wie im preußischen Abgeordnetenhause berührt worden. So hat das Abgeordnetenhaus die Forderung für den Erwerb eines Bootshauses, das die Regierung sehr voreilich schon gekauft hatte, um dadurch das Schülerrudern auf der Spree zu fördern, trotzdem mit Recht abgelehnt, nicht nur weil es sich von der pädagogischen Wichtigkeit des Schülerruderns nicht zu überzeugen vermochte, sondern auch weil kein Grund vorlag, die Stadt Berlin in solche» Weise vor anderen Städten zu bevorzugen. Die städtische Verwaltung Berlins hatte für die Unterstützung des Schülerruderns kein Geld übrig; nun der Staat hat es erst recht nicht nötig, für die körperliche Entwickelung oder das Sportbedürfnis der Berliner Jugend Geldopfer zu bringen.
Aehnlich wird ferner in Berlin die Ablehnung eines Neubaues für das R e i ch s m a r i n e- amt durch den Reichstag vielfach als eine Unfreundlichkeit gegen Berlin aufgefaßt, weil dieser ablehnende Beschluß zugleich einem anderen Projekte den Garaus mache, das den Ankauf des jetzigen Reichsmarineamts am Leipziger Platz durch die elektrische Hoch- und Untergrundbahn vorsah; diese möchte ihre Linie vom Potsdamer Bahnhof geradlinig in das Herz der Hauptgeschäftsgegend von Berlin fortsetzen und wollte zugleich einen Fußgängertunnel zwischen Potsdamer Bahnhof und Leipziger Platz Herstellen zur Entlastung des jetzt allerdings mit einem geradezu lebensgefährlichen Verkehr belasteten Potsdamer Platzes. Aber auch hier handelt es sich doch zunächst, ja fast ausschließlich um ein Bedürfnis der Stadt Berlin, und wenn diese fich nicht einfach auf den Konkurrenzstandpunkt stellen wollte gegenüber der elektrischen Hoch- unb Untergrundbahn (sie plant nämlich eine Untergrundbahn in städtischem Bettieb), so wäre es das Naheliegendste und Natürlichste, daß sie stch wegen Erreichung jener Wünsche mit der Hoch- und Untergrundbahn verständigte.
Mit vollem Recht ist ferner im preußischen Abgeordnetenhause die Forderung auf gestellt worden, daß die Stadt Berlin zu den Erweiterungsbauten des Charito-Krankenhauses einen Beitrag leisten sollte. Andere Universitätsstädte stellen fteiwillig dem Staate ganze Kliniken zur Verfügung. Berlin hat für solche Zwecke noch keinen Pfennig ausgegeben, dafür aber hat es vermöge einer königlichen Schenkung aus dem Jahre 1835 das Recht auf 100 000 freie Krankentage an der Charite für feine unbemittelten Kranken. Das ist gleich einem Geldwert von
jährlich 400 000 Mk. Obendrein werden orts- anne Geisteskranke von Berlin in der Jrren- station der Charite unentgeltlich verpflegt. Als nun der Staat sich gezwungen sah, die Charite umzubauen, erwies sich die Stadt Berlin jo schäbig, jeden Beitrag hierfür rundweg abzu- lchnen Der Bau kostete den Staat 11 Millionen, 5 Millionen gleichzeitig die Verlegung des Botanischen Gartens vor die Tore der Stadt nach Dahlem. Und nun verlangten die Berliner Stadtväter gar, daß der Staat ihnen den alten Botanischen Garten, aus dessen Verkauf der Staat Hoch auch einige Millionen lösen mußte, um jene Kosten teilweise zu decken, als Volkspark erhalte, also ein weiteres Mlllionengeschenk mache!
Und dann beklagen sich die Berliner freisinnigen, daß bei der Regierung und bei Hofe eine gewisse Gereiztheit gegen Berlin bestehe! Ebensowenig will man in Berlin die mancherlei anderen, unmittelbaren und mittelbaren Begünstigungen anerkennen, die es doch in seiner Eigenschaft als Hauptstadt, als Sitz aller obersten Reichs- und Staatsämter, des Reichstags und des Landtages, als Residenzstadt und als Verkehrsmittelpunkt des ganzen Reiches genießt. Wer schafft denn hier aber die großen Werte? Wer bewirkt z. B., daß ein Haus am Potsdamer Platz seinem Besitzer über 80000 Mk. Miete jährlich einbringt? Doch ganz allein nur die Nähe von zwei großen staatlichen Bahnhosen. Andere Städte haben bei weitem nicht solche Vorteile und werden obendrein für alle möglichen staatlichen Ausgaben noch mit großen Beiträgen herangezogen. Und nun gar das platte Land. Mag hier der Staat auch noch so freigebig fein (er ist es nicht immer!) hinsichtlich des Baues von Nebenbahnen, Unterstützung von Klembauten, Straßenbauten usw., er wird doch nie bannt die großen Leistungen erreichen, womit er den Großstädten den Verkehr des Landes zuführt und reiche Geldquellen öffnet. Darum ist es nur recht und billig, daß Reich und Staat die Gelegenheiten, wo sie an anderen Stellen auch der Landbevölkerung nützen können, nicht versäumen. Wägt man alles gegeneinander ab, so haben die Großstädte vorn Staate doch immer den größten Nutzen.
Jlberg, einen Verband anlegten. Der Kaiser kehrte zu Pferde, die Kaiserin im Wagen nach dem hiesigen Schlöffe zurück. Das Befinden der Kaiserin ist den Umständen nach gut.
% Bei der Beisetzung des Freiherrn von Heereman wird der Vorstand der Zentrumsfraktion des Abgeordnetenhauses durch die Abgeordneten Herold und von Grand-Ry vertreten fein, denen sich einige westfälische Abgeordnete anschließen werden. Aus lokalen Rücksichten soll die Beisetzung in kleinem Kreise statt- finden.
* Gras Bülow ist wohlgemut nach dem sonnigen Süden abgedampst, um hier in der Heimat feiner Gemahlin, wie alljährlich, feinen Ofterurlaub zu verbringen. Nachdem er also so früh als möglich den „Evangelischen Bund" auf die „Gefahr" der Aufhebung des § 2 des Jefuitengefetzes aufmerksam gemacht hat, läßt er dem Bunde Monat um Monat Zeit, eine Einzelregierung nach der anderen gegen die Abschwächung des Jefuitengefetzes scharf zu machen. Und eine nach der anderen, so jetzt wieder die von Sachsen-Meiningen, erklärt, im Bundesrate gegen die Aufhebung des § 2 des Jefuitengefetzes stimm?« zu wollen. Auf diese Weise erspart sich Graf von Bülow auf die bequemste Art von der Welt die Einlösung seines den deutschen Katholiken gegebenen Versprechens. Wieder ein Beweis für die Katholiken, wie wenig angebracht jede Art von Vertrauensseligkeit ist.
% Der „durch seine Erfindungsgabe bekannte" Konstantinopeler Korrespondent des ,Berl. Tage- blattS' hat unterm 25. ds. Mts. gemeldet, der deutsche Botschafter Frhr. v. Marschall habe „die ökumenischen Patriarchen und bulgarischen Exarchen" aufgesucht und ihnen nahegelegt, doch in ihren Diözesen allen Einfluß zur Aufrechterhaltung der Ruhe geltend zu machen. Der Korrespondent kritisiert diesen angeblichen Schritt des Botschafters als nutzlos. In Wahrheit hat, schreibt die ,Nordd. Allg. Ztg/, der Botschafter dem ökumenifchen Patriarchen gegenüber lediglich einen ihm von diesem abgeftatteten Höflichkeitsbesuch wiederholt, ohne dabei irgendwie eine Andeutung in dem behaupteten Sinne zu machen. Den bulgarischen Exarchen hat der Botschafter überhaupt nicht besucht.
** Die Oster-Ferien des Abgeordnetenhauses sind offiziell noch nicht bestimmt. Es wird aber gehofft, daß der Anfang derselben bereits am 1. April sich wird ermöglichen kaffen. Bis dahin werden noch die Verstaatlichungs-Gesetze und der Gesetzentwurf betr. den Ausgleichs- Fonds erster bezw. zweiter Beratung unterzogen werden.
* Die Krankenkasseu-Kommisfion des Reichstags hat am Donnerstag die erste, am Freitag die zweite Lesung der Vorlage beendigt und damit ihre Aufgabe erfüllt. Damit steigen die Aussichten der Vorlage wieder.
* * Der,Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Bekanntmachung betreffend die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter ans Steinkohlenbergwerken in Preußen, Baden und Elsaß-
Huldaer W Zeitung
ÄÄ«. wochmbeiiage: „Illustrierte Sonntagszeitung" Momtsb-Uage: „zulöaer Seschlchtsblatter.
i Erstes Blatt__