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Huldaer M Zeitung

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'M 71.

flllda, Samstag, den 28. März 1903.

30. Jahrgang.

Wochen-Rundschau.

(Nachdruck verboten.)

□ Fulda, 28. März 1903.

Nne Woche der freudigen und der traurigen Ereignisse für die deutschen Katholiken liegt hinter uns In Münster haben sie den allverehrten Weih­bischof Cramer zu Grabe getragen, im „heiligen Köln" ist Erzbischof Fischer im hohen Dome feier­lich inthronisiert worden, und wieder haben diese beiden urkatholischen Städte gezeigt, wie sie ihre Kirchenfürsten zu ehren verstehen. So haben wir das tröstliche Schauspiel in diesen schweren Zeiten, wie das katholische Volk trotz oHebern immer noch treu zur heiligen katholischen Sache hält.

Em schwerer Schlag für die politische Vertretung der Katholiken in Deutschland ist das nicht uner­wartete, aber doch überaus schmerzlich empfundene Hin­scheiden des langjährigen Zentrumsführers Abgeord­neten Freiherrn Heereman von Zuydwyt. Es ist nicht leicht in kurzen Worten zu sagen, welche Be­deutung dieser schlichte, glaubensrreue Mann, ein echter Vertreter alten westfälischen Alxls, für die Sache der deutschen Katholiken in langjähriger Tätig­keit, die sein Leben ausfüllte, gewonnen hat. Er war keiner jener temperamentvollen Kämpfer, wie sein Stammgenosse Burkhart von Schorlemer-Alst, der mit den wuchtigen Streichen seiner schneidigen Klinge dem Gegner zu Leibe ging. Er war der Mann der milden Form, wenn er auch stets in der Sache scharf und korrekt den katholischen Standpunkt ver- ttat. Demut war neben tiefer Frömmigkeit sein Hauptcharaktermerkmal. Seine Lebensgeschichte ist in den Blättern allen Lesern ins Gedächtnis zurück­gerufen worden; darum möge es genügen, einige wenige Worte über die Verdienste des seltenen Mannes auch an dieser Stelle zu sagen. Auch er starb in dem Monat, in dem uns ein Windthorst ent- risien wurde; auch er erlag, kaum ein Jahr älter, -derselben tückischen Krankheit; auch er starb in Berlin, inmitten einer Fülle von Arbeit. Sie starben auf dem Felde der Ehre, die alten Kämpen der Zentrums, denen die Katholiken es zu verdanken haben, daß man ihnen heute nicht mehr, so wie vor dreißig Jahren, den Fuß auf den Nacken setzen darf.

Wahrlich: Solch ein Mann, der solchen Todes als treuer Katholik und Verfechter der heiligen katho­lischen Sache stirbt, muß den jüngeren Kräften, die sich dem politischen Leben widmen, ein Vorbild für alle Zeiten sein. Er hätte, wie viele andere, eine glän! enbe Karriere im Staatsdienste machen können: Er hat das alles in die Schanze geschlagen, als es galt, die Uebergriffe des Staates während des Kultur­kampfes zurückzuweisen. In unserer Zeit der ewigen Jnteressenkämpfe ist ein derartiges Vorbild nicht hoch genug anzuschlagen. Freiherr von Heereman war eine Nathanaelseele, von hohen Idealen erfüllt. Heute entzweien sich Parteien und selbst Parteifreunde um die Forderung einiger Tarifpositionen, die an und für sich wünschenswert, ja notwendig erscheinen. Aber man möge einen Blick auf die Großen werfen, die uns Katholiken in Deutschland zu einer Machtstellung geführt haben, um einzusehen, daß nur die selbst­lose Unterordnung unter das gemeinsame Ideal, die Einigkeit im Wirken für die große, katholische Sache zu ersprießlichem Erfolge führen kann! Das ist eine Lehre, die namentlich im bevor­stehenden Wahlkampfe immer und immer wieder den Wählern und Arbeitern in der Agitation vor Augen schweben sollte. Selbst den Gegnern ge­winnt ein solches Verhalten Achtung ab, wie man aus den Nachrufen der nichtkatholischen Presse auf unfern unvergeßlichen Heereman leicht entnehmen kann. Wenn gar atheistische Blätter des verewigten Führers in ebenso warmen Worten gedenken, wie einst des dahingeschiedenen Windthorst, so müssen wir Katholiken, die wir noch treu an unferm Zentrum hängen, uns sagen: „Ja, diese Männer haben nicht umsonst gelebt; es kann „die Spur von ihren Erde­tagen in Ewigkeit nicht untergehen."

In den Parlamenten, Reichstag und Ab­geordnetenhaus, wird diese Woche Kehraus gehalten. Der Reichstag ist bei der Etatsberatung leider noch durch (ine Reihe unmotivierter Zänkereien zwischen den Sozialdemokraten und dem Abg. Stöcker unge­bührlich aufgehalten worden. Noch am letzten Tage setzte !sich der bekannte „Hausleerer", Genofle Stadt­hagen, ein Denkmal, indem er sich durch heftige An­griffe einen doppelten Ordnungsruf zuzog. Das Ab­geordnetenhaus wird wohl noch bis anfangs nächster Woche zusammenbleiben muffen. Die dritte Lesung des Etats ist am 24. d. M. beendet worden. Dagegen liegt noch eine ganze Reihe von unerledigten Arbeiten vor. Sehr bezeichnend ist die Art und Weise, mit welcher die Beschwerden des Zentrums über Wahl-Beeinflussung innerhalb der fis<- Malischen Bergwerksbetriebe von der Regierung ab­gewiesen wurden. Die Regierung weiß von nichts, und die nattonalliberalen wie freikonservattven Grand­seigneurs weisen dergleichen Borwürfe, wie immer, mit Entrüstung von sich. Das alte Spiel! Man weiß aber leider zu gut, wie im Königreich Stumm und im Saarrevier die Bergleute und Eisenarbeiter gerade bei den Landtagswahlen terrorisiert werden. Kommen unsere Ad geordneten mit Sinzelsällen, so ist natürlich zu beweisen, daß Jemand wegen seiner Ueberzengung

gemaßregelt worden ist. Und dies, nachdem die Wahlprüfungskommission fast regelmäßig die dortigen Wahlen kassiert, mindestens beanstandet hat!

Bei den Reichstagswahlen wird die neue von den Verbündeten Regierungen vor gelegte Ab­änderung %er Wahlvorschrift zum Schutze des Wahl- geheimniffes einige Besserung herbeiführen. Bei dem plutokrattschen Landtagswahlrecht wird in absehbarer Zeit an einen besseren Schutz in dieser Hinsicht kaum zu denken sein. Es find zwar auch gegen die neue Wahlvorschrift, das sogenannte Klosetgesetz, noch einige Bedenken zuläffig. Immerhin aber bleibt es ein un­vergleichlicher Fortschritt im Vergleich zu den trau­rigen Zuständen, die in Jndusttiegegenden wie im Osten bei den Landtagswahlen zu Tage treten.

Ob die Erklärungen des Reichskanzlers Grasen Bülow über die auswärtige Politik des deut­schen Reiches im Auslande Erfolg gehabt haben ober nicht, barüber streiten sich bie politischen Weisen. Jebenlalls ist es kein Zufall, baß Präsident Castro von Venezuela seinen Rücktritt in einer Bot­schaft angekünbigt hat. Castro tut in seiner Botschaft, bie er am Sonntag dem venezolanischen Kongreß vor­gelesen hat, als ob er über Nacht zur Vernunft ge­kommen sei. Er spricht von Irrtümern, in benen seine Lanbsleute befangen sinb, unb wendet sich dann gegen die Eingriffe der verbündeten Mächte, um schließlich für sich einen guten Abgang zu finden. Er nimmt das Verdienst in Anspruch, alles gut zu Ende geführt zu haben, und möchte jetzt, daß ein anderer für ihn die Kastanien aus dem Feuer holt. Unter heuchlerischen Aufforderungen, bie Fremden gut zu behandeln, hetzt er gegen bie Mächte. Nach ben Proben, bie Venezuela in ben letzten Monaten von ber Energie ber Exekutionsmächte empfangen hat, ist ber Rücktritt Castros wohl zu erwarten gewesen. Dümmer konnte er es aber nicht gut anstellen. Die Mächte werben eben einig sein, bis Venezuela „be­rappt" — ob ein Castro ober ein anberer Gauner Präsibent ist. Nachträglich hat übrigens Herr Castro seine Amtsnieberlegung toieber rückgängig gemacht.

Iubilaumssahtten.

Reisebilder zum Papstjubiläum.

Bon Jos. Grunau.

(Nachdruck verboten.) I.

Nun soll er zur Wahrheit werden, der selige Traum der Jugend; nun soll es Erfüllung finden, das heiße Sehnen, das die Mannesbrust so manches Jahr hat zurückdrängen müßen; das Heimweh der katholischen Seele wird nun gestillt, und mit dem großen Zuge der Liebe, welcher heute die katholische Welt durchflutet, geht's zur ewigen Stadt, um welche sich in diesen Tagen der Jubiläen ein neuer festlicher Glanz legt.

Rom, Italien, sonniger Süden, wie lockt und zieht es dahin mit tausend schönen Feffeln, und uun soll es ja keine Fata morgana sein, die Trugbilder vorgaukelt, sondern selige Wirklichkeit. . Wie schnell ist das Ränzel geschnürt!

Wenn es dem Zuge des Herzens nachgeht, wird uns Menschenkindern der Abschied nicht schwer, es greift die Ungeduld Platz; langsam vergehen die letzten Minuten, bis endlich der Schaffner beim Türschließen fein „Fertig" der Lokomotive zuschnarrt und dann die Räder sich ganz langsam in Bewegung setzen. Die Tücher wehen aus allen Fenstern, bis an der ersten Biegung der Bahnsteig den Blicken verloren geht und langsam die ganze Besatzung des Koupe's sich daran gibt, sich möglichst häuslich einzurichten. Mein Sach' ist bald bestellt, aber das behäbige Ehepaar mir gegenüber hat mit seinen 27 Taschen, Körbchen und Schachteln eine Aufgabe zu lösen, die ihnen manchen Schweißtropfen entlockt, die zehnmal beendet, immer wieder verworfen und dann zum elftenmale schließlich noch besser (?) gemacht wird.

Eben sage ich, doch mit etwas Scheideweh in der Brust, den stolzen Türmen des sich im leichten Nebelduft verlierenden Kölner Domes Lebewohl und bin so ganz versunken in Ge­danken, welche die leichte kühne Brücke vom Rhein zum Tiber schlagen, da — ruck, setzt der Zug mit einem unsanften Hopser über eine Geleis­kreuzung und dicht an meiner Nase vorbei saust ein niedliches Körbchen, seinen Inhalt mit einem halben Dutzend Schinkenbröten und ebenso vielen Eiern gastlich auf meine über die Knie geschlagene Reisedecke ausbreitend. Guten Appetit.

Du lachst, steundlicher Leser, und da die Eier hart gekocht waren, habe ich das gleiche getan, während meine eben geschilderten Reisegefährten unter tausend Entschuldigungen chre Schätze bergen, um dann zum zwölftenmale eine Gepäck- revoluüon zu veranstalten.

Der kleine Zwischenfall hat übrigens das Eis gebrochen und eine Unterhaltung zwischen uns dreien angebahnt.

Nichts ist abscheulicher, als wenn man auf langen Reisen sich gegenseitig stumm von oben bis unten beficht und über seine Schicksals­genoffen Rätsel zu lösen versucht.

Es ist ein biederes Rentnerpaar, so in den fünfziger Jahren, das nach redlicher Arbeit fein Schäfchen im Trocknen hat. Die böfe Influenza haj bei der etwas korpulenten Frau ein Hüsteln zurückgelaffen. Das hindert sie aber nicht, ihrer Zunge freien Lauf zu lassen, sodaß ihr „Albert", der ziemlich resigniert in die Ecke gelehnt ist, nicht eher zu Worte kommt, bis ihr ein kleiner Husten­anfall Waffenstillstand gebietet.

Nun verrät mir der Mann seinen ganzen Schmerz darüber, daß er seinen Stammtifch mit dem leckeren „Münchener Bier" und dem feudalen Abendskat habe verlassen müssen, weil der „lausige Doktor" gemeint, an den oberitalienischen Seen werde sich der Husten der Madame jetzt schneller und gründlicher ausheilen.

Die Miene des edlen Gatten hellte sich aber wesentlich auf, als ich ihm aus früherer Er­fahrung berichten konnte, daß es auch in Lugano, zu Füßen des tiefblauen See's im Angesicht der stolzen Berge, die den Frühling mit dem Winter an ihrer stolzen Brust vereinen, — ein gut Glas Münchener gebe. Allerdings 50 Centimes den halben Liter.

Und als ich dann gar erzählte, daß wir nach einem Aufftieg zum prächtigen Monte San^Salva- dore das herrliche Schauspiel eines Sonnen­unterganges genossen und schließlich uns zu mehreren biedern Deutschen aus allen Wind­richtungen noch zu einem recht langen Skat im gutbewirffchafteten Hotel zusammenfanden, — da klärte sich sein Gesicht völlig auf; fein er­leichternder Seufzer mochte wohl bedeuten: also gibt es auch in der wilden Gegend noch — ordentliche Leute!

Während wir so munter mit einander plau­derten, geht es den Rhein entlang, durch's Nahe­thal, durch die waldbestandenen, jetzt so frostig dreinschauenden Gebirgszüge der Pfalz, in die Ebene des Elsaß hinein. Ueberall noch die Er­wartung auf den Frühling, der nur erst in einigen Schneeflöckchen und spärlichen Veilchen uns seinen ersten Gruß entbietet.

Wir nahen uns Straßburg und über die öden Festungswälle, über das bunte Gemisch der alten und neuen Häuserreihen reckt sich, als kühner Gigant, das Meisterwerk Erwins, das formenschöne Münster empor, dessen einen Turm in der Tat so kunstvollendet ist, daß sein nur bis zum Helm gediehener Zwillingsbruder das Bild und vor allem die liebgewonnene Erinne­rung nur stören würde, wollte er zur gleichen Höhe streben.

Recht sauber liegt sie da vor uns „die wunderschöne Stadt", zu der sie sich in der Jetzt­zeit mit der Reihe glänzender Bauten mehr denn je herausgeputzt hat, während die alten Wahr­zeichen, die großen Storchennester über den Kaminen, wenigstens noch nicht ganz ver­schwunden sind.

Aber heute gilt kein Locken, selbst die luftigen Studenten, die zum Gruß sich auf dem Bahn­hofe eingefunden haben, und mit der bunten Mütze und dem farbigen Band die frohen Stunden der Jugend wieder wachrufen, halten den Fuß nicht auf!

Weiter geht es, in's weinreiche Oberelsaß, angeschmiegt an den Fuß des Wasgau, wo die Berge sich abwechselnd schmücken mit den Zeugen ritterlicher Zeit und stammen Glaubens. Zer­fallen zumeist die Burgen, aber fortlebend der biedere aufopferungsfähige Sinn im Volke und unverwüstlich der göttliche Glaube, der vom Tale stets die Menschenkinder hinaufzieht zur Höhe

Nun sind wir just mit Eintritt der Dunkel­heit in Basel angelangt, auf einem Bahnhofe, der für seinen Riesenverkehr, verbunden mit der Zollrevision, alle nur denkbaren Unbequemlich­keiten an sich trägt. Hier empfindet man so recht das Angenehme mit möglichst leichtem Gepäck zu reisen. Der prüfende Blick der recht zuvor­kommenden Zollbeamten hat gleich erfaßt, daß ich nicht zu den Schmugglern gehöre, und auf mein ehrliches Gesicht hin, sein weißes Kreide­kreuz auf das Ränzel als Passepartout gesetzt. Mögen die andern mit ihren Siebensachen herumwursteln, Angst schwitzen und schließlich darüber debattieren, ob Schuhe, Hemd und Hose schon getragen sind, ich zieh' in den Wartesaal, wo man gut versorgt ist.

Die halbe Stunde Aufenthalt ist bald ver­flogen und wieder geht's im Zuge weiter. Die erste Schönheit der Berge bleibt uns in der Dunkelheit verwehrt, und da uns in der Folge der Reise Besseres beschieden, mag man den Schmer ertragen. Drei Stunden nachher laufen wir in den prächtigen Bahnhof Luzerns ein, das uns für heute gastlich Obdach bieten soll. So majestätischen Willkomm bieten nicht viele Städte der Welt. Wenige Schrstte und wir be­finden uns auf der Brücke, die eines der herr­lichsten Panoramen bietet Vor uns die „Leuchtenstadt" angeschmiegt an ben ruhigen

See, der ihre Lichter wiederspiegelt ; hinauf bis zu den Höhen steigen die freundlichen Häuser, oroeit das Auge nur reichen mag.

Ein eigen Ding ist's hier auf der stolzen Brücke, zur Rechten der Vierwaldstädter See, der kaum im leisen Wellenschlag die Ufer küßt, und zur Linken tritt in breitem, brausenden Strom die Reuß hervor, die auf dem weiten Weg durch den See ihre Natur des ungestümen Felsenkindes noch nicht verloren hat.

Doch, was halten wir so lange den Blick nach unten gebannt, im prächtigen Mondenschein will uns die Alpenwelt ihre majestätischen Wunder entrollen. Da liegt er ja vor uns in der klare» Lust, als ob wir ihn mit den Händen greifen könnten, der Rigi mit dem breiten Rücken, den er auch notwendig hat, weil er so manche hinauf­gelockt bei schönem Wetter und statt der vielge- mefenen Aussicht den mühsamen Weg nur mit undurchdringlichem Nebel lohnt.

Und selbst der böse Geselle „Pilatus" in unserem Rücken hat heute die Nebelklappe abge­zogen und zeigt sein wildes, zackiges Gestein bis hinauf zu den schnceumflochtenen Spitzen. Und weiter dann die Engelberger Alpen überragend )en weiten Thalgrund, wie es blitzert und glitzt in allen Farben des Diamants. Da ragt empor das kühngeschwungene Stanserhorn, als wollte es die Freiheit des Landes in alle Welt posaunen, und ihm gürten sich in der Runde an der Bürgenstock, der Urirothstock, der an seinem Fuße das historische Rütli, die Geburtsstätte der Eid- genossenschaft birgt, der Bristenstock und die Berge weiter in schneeglänzender Kette bis im Hinter­gründe die beiden Myten mit ihrem regelmäßigen spitzen Dreieck das Thal abfchließen.

Wer so zuerst die Alpenwelt erblickt, der trägt ein Bild mit sich fürs ganze Leben, dem hat sich tief ins Herz gedrückt das Siegel des allgewal­tigen Schöpfers, auf dessen Ruf die Berge sich zum Himmel erhoben, der sie Jahr um Jahr mit ber wandelnden, immer neue Schönheiten hervorzaubernden Pracht seiner Liebe umkränzt.

So schwer das Auge sich von dem fesselnden Bilde trennen mag, es ist Zeit, unser Hotel auf­zusuchen, und Luzern hat den Vorzug in der „Union", ein mit allem Komfort der Neuzeit ausgerüstetes, billiges katholisches Gesellschafts­hotel zu besitzen, wo man zu später Stunde am Stammtisch noch mit biedern Gesinnungsgenossen ein Wörtlein reden kann, um dann in Morpheus Armen noch einmal vom Traume verklärt das stolze Bild, ben ersten „Gruß der Schweiz" zu durchleben.

* Ter Humor in den Gerichtssälen hat eine bebeutenbe Literatur, die indes zumeist Richter und An­geklagte als redende Personen auftreten läßt. Einige hübsche Beispiele des Zeugenhumors in den englischen Gerichlssälen bringt ein Londoner Korrespondent der ,Allg. Ztg.'. Einer der gewöhnlichsten Tricks ist, die Zeugen durch wiederholte eindringliche Hinweise auf die Verantwortung als vereideter Zeuge einzuschüchtern und zu verwirren. So fragte einst ein von seiner eigenen Persönlichkeit sehr eingenommener Anwalt vor dem Handelsgericht einen Zeugen, ob er schon einmal bankerott gemacht habe, was der Zeuge verneinte. — „Nun", sagte der Anwalt hierauf, indem er sich hoch aufrichtete, „seien Sie vorsichtig in der Beantwortung meiner nächsten Frage, — .haben Sie jemals Ihre Zahlungen eingestellt?" — „Ja," lautete die Antwort. — „Aha," schmunzelte ber Anwalt befriedigt. „Ich dachte mir schon, daß wir dahin kommen würden. Nun erzählen Sie dem Gerichtshof, wann das gewesen ist." — „Als ich alle meine Schulden bezahlt hatte," erklärte der Zeuge unter dem schallenden Gelächter aller An­wesenden, mit Ausnahme des Anwaltes. — „Wollen Sie mir gefälligst den Mann beschreiben, den Sie in der Nähe der Szene des Verbrechens gesehen haben," fragte in einem Mordprozeß ein Verteidiger einen bie­deren Landmann. „War es ein großer Mann?" — „Ach nein, absolut nicht", lautete die Antwort. „Im Gegenteil, es war nur ein kleiner, unscheinbarer Kerl — etwa wie Sie." — Aehnlich wurde ein anderer An­wall von einem Zeugen aufs Eis geführt, den er etwas zu hart bedrängt hatte. — „Sie haben zugegeben, daß Mr. Robinson Ihr Freund war," fragte er. — „Ja." — „Ist er hier?" — „Rein." — „Wissen Sie, wo er i{t?" — „Nein." — „Nun, mein Herr", sagte der An­walt ungeduldig, „ich warne Sie, bedenken Sie, daß Sie unter Ihrem Eide aussagen. Sie sagen, daß dieser Mann Ihr Nachbar ist und bis vor kurzem intim mit Ihnen befreundet war — und Sie sollten nicht wissen, wo er zu finden ist. Sagen Sie sofort dem Gerichts- S, wo er ist." — „Das weiß niemand", kam die ver-

ffende Antwort zurück, „er ist tobt"

* Aus de« Schulaussatze eines kleinen Mädchen» ans dem Lande. „. . . Meine Tante hatte auch einen Brand; es tat aber weiter nichts; bar Bieh konnte gerettet werden!"

* Lernngläckte» Kompliment. Heitere Dame: „Ach, trenn uh ein Mann Wäre, würbe ich a»ch Offizier geworden sein." — Leutnant: „O, dem« wäre» Gnädige sicher schon längst General!