30. Jahrgang
fUlda, Freitag, den 27. März 1903.
M 70
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(Nachdruck »ertöte».)
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DeutochesRekl),
Kestellungeu auf das 2. Aarlal 1903
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ohne Geld gemacht werden, und man darf wohl behaupten, daß die Angehörigen anderer Parteien sich in dieser Hinsicht weit opferwilliger zeigen, als die Zentrumspartei.
Dringend möchten wir fodann empfehlen, nicht zu vergessen, daß für 5 Jahre gewählt wird. In der Wahlagitation pflegen die Fragen allein eine Rolle zu spielen, die augenblicklich auf der Tagesordnung stehen, diesmal also Zolltarif und Handelsverträge. Nach einem Jahre dürften aber diese Gegenstände für lange Zeit von der Tagesordnung verschwunden sein. Der Reichstag aber stellt dann noch keineswegs seine Arbeit ein, sondern ist noch 4 Jahre weiter tätig. Man tafle sich also nicht verleiten, lediglich das Tagesinter- effe bei der Wahl im Auge zu haben. Das gilt besonders für die Landwirte. Der Bund der Landwirte möchte ihren Blick ja ganz auf das nächstliegende bannen und ihnen einreden, es komme nur darauf an, solche Abgeordnete zu wählen, die das Interesse der Landwirtschaft bei den Handelsverträgen ausreichend wahrnehmen. Der einsichtige ländliche Wähler wird sich aber die Kandidaten nicht lediglich darauf ansehen, wie sie zu dieser neuen Frage stehen, sondern auch fragen, wie sie zu den zahlreichen idealen und materiellen, den religiösen, sozialen, wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Fragen stehen, die den Reichstag im weiteren Verlaufe der Legislatur-Periode be- fchäftigen werden.^Da dürfte doch mancher, der auf den ersten Blick empfehlenswert ausfieht, die Probe nicht bestehen.
Leider werden die Wahlen aller Wahrscheinlichkeit nach vor sich gehen, ohne daß die Regierung vorher sich für die Einführung von Tagegeldern erklärt hat. Wir möchten aber glauben, daß die Diätenfrage diesmal nicht mehr erschwerend auf die Lösung der Kandidatenfrage zu wirken brauchte. Wir sind überzeugt, die Mitglieder des nächsten Reichstages werden Tagegelder beziehen, auch wenn sie unter dem Zeichen der Diätenlosigkeit gewählt werden. Lange kann die Regierung ihren Widerstand nicht mehr aufrechterhalten. Es ist vielmehr unter Kundigen die Annahme stark verbreitet, daß sie schon bald nach Beginn der nächsten Session eine Diätenvorlage machen werde. Also kann man unseres Erachtens getrost wählen, als wenn es schon Diäten gäbe, und hat bei der Auswahl der Kandidaten nicht mehr nötig, ängstlich zu fragen, ob der Erwählte auch in der Lage sein werde, das Opfer der Mandatsausübung bringen zu können. Im übrigen hat ja auch die bisherige Rücksichtnahme auf die Diätenlosigkeit kaum praktischen Wert gehabt, geschwänzt wurde ja doch.
Der Raub aus der Dnigsburg.
Originalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
(*) Die Reichstagswahlen werden also am 16. Juni stattfinden, wenn das auch noch nicht „amtlich" festgestellt ist. Der Zeitpunkt erscheint der .Deutschen Tageszeitung' nicht günstig; sie hätte einen etwas früheren Termin gewünscht, falls man die Wahlen nicht bis zum Spätherbst vertagen zu können glaubte. Die Regierung hat den Tag, an welchem vor fünf Jahren die Wahlen stattfanden und die Legislaturperiode des jetzigen Reichstags zu Ende geht, wohl hauptsächlich deshalb gewählt, um nicht Anlaß zu großen staatsrechtlichen Kontroversen zu geben. Es ist schon genug hin und her gestritten worden über Anfang und Ende der Legislaturperiode und über die Folgen etwaiger Neuwahlen vor oder nach dem 16. Juni. Durch die Wahl des 16. Juni wird alledem der Boden entzogen und da keine schwerwiegenden Gründe gegen diesen Termin sprechen, hat die Regierung gut daran getan, ihn zu wählen.
Die Wahlagitation wird nun wohl mit verdoppeltem Eifer betrieben werden. Die Zentrumspartei läßt es hoffentlich an sich auch nicht fehlen. Wir müssen uns immer wieder vergegenwärtigen, daß wir im Grunde genommen doch ganz allein stehen und auf die Hilfe keiner andern Partei rechnen dürfen. Das zentrumsfeindliche Kartell, von dem wir schon berichtet haben, zeigt uns vielmehr,' daß wir immer auf ein Bündnis aller anderen gegen die Zentrumspartei vorbereitet sein müssen. Wir wollen nicht die bei Wahlen so beliebte Behauptung aufstellen, daß die Wahl, die gerade stattfindet, die wichtigste von allen jemals dagewesenen sei. Aber die eminente Wichtigkeit der nächsten Wahlen liegt doch auch auf der Hand. Der neue Reichstag hat über die Handelsverträge zu entscheiden, also dem vor Weihnachten beschlossenen Zolltarif ist praktische Bedeutung zu verleihen. Die fieberhafte Tätigkeit der tariffeindlichen Parteien wie der Gegner des Tarifes auf der äußersten Rechten muß jedem Wähler die Bedeutung dieser Tatsache zum Bewußtsein bringen. Für das Zentrum kommt noch ganz besonders in Betracht, daß es seine ausschlaggebende Stellung behaupten muß. Wir fürchten zwar nicht, daß es den verbündeten Gegnern gelingen werde, es daraus zu verdrängen; aber unsere Zuversicht stützt sich doch nur auf die Voraussetzung, daß die Zentrumswähler und ihre Führer überall ihre Pflicht tun. Gs heißt jetzt organisieren, wo es noch nicht hinreichend geschehen ist, und agitieren, vor allem aber auch Opfer bringen.
Die anderen Parteien schwingen jetzt überall lkräftig den Klingelbeutel. Zu den Wahlen gehört Geld; auch Zentrumswahlen können nicht
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J. parzeller in Fulda. Wochenbeilage: „Illustrierte Sonutagszeitung
Berlin, den 26. März 1903.
*t Die Trauerfeier für den verstorbenen Frerherrn von Heereman, die heute Morgen ihn nach Jülich zurück, e« war Omar I Sein Entschluß war gefaßt, er wollte dem Grafen bi Pauli Nachricht von den Seinen bringen und ihn bitten, ihm einen Dienst bei dem Herzog zu verschaffen. Der Traum, ein Ritter zu werden und für feine Ideale zu kämpfen, war vorüber. Sein Ehrgeiz verstieg sich nur mehr zu der Errungenschaft eines Landsknechtes und — Ideale hatte er keine mehr.
Wie er so in recht unerquicklichen Gedanken dahinritt, glaubte er hinter sich einen schnellen Hufschlag zu vernehmen. Sich im Sattel emporhebend und um sich schauend, gewahrte er einen Reiter, der mit gezücktem Schwerte zu ihm heransprengte. Schattenhaft stob er heran, grau und unkenntlich, denn sein Gesicht verhüllte eine Maske. Bei dieser Wahrnehmung konnte Omar über Ziel und Zweck des nächtlichen Reiters keinen Zweifel mehr hegen. Die schwarze Bande sandte ihren Abgesandten. Omar griff sein Schwert fester zur Hand, als der unheimliche Verfolger in voller Wucht auf ihn losstürmte und sein Schwert schwang.
„Stirb, Verräter! Die Rache des Bundes trifft Dich!" Der gezückte Stahl glänzte im Mondlichte, aber ehe er den tätlichen Schlag ausführen konnte, drang ihm Omars Schwertspitze in die Brust. Röchelnd sank er vom Pferde herab. Mit einem Sprung war Omar ihm zur Seite, riß das Wamms des Reiters auf und suchte vaS hervorquellende Blut zu stillen. Da sprach eine wohlbekannte Stimme stöhnend:
„Laß es, Omar Teskereh, ich bandelte als Werkzeug des Bundes. Bester ist's, Du trafest mich, so bin ich zufrieden." Mit schnellem Griffe riß Omar ihm die Maske ab. Er sah in Jonny» schmerzentstellter Gesicht. Mit einem leisen Ruf des Schmerzes prallte Omar zurück. Jonny aber flüsterte:
„Nein, nein, mein Freund, beklage e» nicht, einer von uns mußte eS sein. Wärest Du meinem Schwerte entgangen, mein Leben wäre dennoch verwirkt gewesen; aber töten follte ich Dich nicht, mein Auftrag lautete. Dich zum Krüppel zu machen, Dich zu blenden!" Erschauernd wich Omar zurück.
„Gott stehe mir bei! Ich habe einen Geist gesehen," sagte sie bleich vor Schrecken und bekreuzigte sich.
„Am Hellen Tage, Agnesia?" l-chte Jsengard; aber diese fuhr überzeugend fort:
„Er hatte genau sein Gesicht und seine Augen! Meint Ihr denn, wohledles Fräulein, so etwa« ber« geffe sich? Ich, die ich ihn auf den Armen gewiegt? Mag er durch wen immer gestorben fein, für mich lebt er fort, ich verfolge die Tage seines Leb nS, ich sehe chn im Geiste heranwachsen, und so — so müßte er sein, wenn er noch lebte." Der Leser möge sich hier erinnern, daß der damals verschwundene Knabe allgemein für tot galt und von der Fürstenfamilie das Geheimnis seines Verschwindens aufs strengste gewahrt wurde. Bei Agnefias Worten vollzog sich aus dem Gesicht der Fürstin ein jäher Farbenwechsel.
„Agnesia, wen sähest Du?" Ihr zur Seite trat in atemloser Spannung Jsengard.
„So wahr mir Gott helfe — unfern Ethelred oder — seinen Doppelgänger!" Ohne ein weiteres Wort eilte die Fürstin zur Burg zurück, gefolgt von Jsengard und Agnesia. Dem Wachtsoldaten unter dem Torbogen rief sie zu:
„Sähest Du nicht einen Mann, der sich soeben in der Nähe ber Burg aufhielt?"
„SBoH sah ich einen, Fürstin! Es war, so deucht mir, ein fahrenber Landsknecht. Als Ihr aus dem Tore hervortratet, muß er meiner Meinung nach hinter den steinernen Bau getreten sein." Alle begaben sich dorthin. Die Stelle war leer, niemand befand sich dort.--------------—
Der Mond war aufgegangen, als ein Reiter auf «infamer Landstraße dahinsprengte. Sein Weg führte
in der Hedwigskirche stattfand, machte einen würdigen, erhebenden Eindruck. Die Kirche zeigte Trauerschmuck. Inmitten der großen Rotunde stand der Sarg mit der Leiche. Zu der Feier waren u. a. erschienen: Als Vertreter des Kaisers Oberstleutnant v. Plüskow und Prinz Albrecht, als Vertreter des Prinzen Friedrich Heinrich sein Adjutant Rittmeister v. Wollwarth, als Vertreter des Reichskanzlers Geheimrat Conrad; die Minister und Staatssekretäre Graf Posadowsky, Freiherr von Richthofen, Studt, Freiherr von Hammerstein, Budde, Freiherr von Rheinbaben, Möller, ein Vertreter des Reichsmarineamtes; als Vertreter des Kriegsministeriums Generalmajor v. Gallwitz; ferner der Generaladjutant FMG Anton v. Radziwill, General v. Einem, Generaloberst v. Loö, der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld, der Chef der Generalordenskommiffion Prinz Salm, die Präsidenten des Reichstages und des Abgeord- netenhaufes Graf Baüestrem und v. Kröcher; als Vertreter des Präsidenten des Herrenhauses der Vizepräsident Freiherr von Manteuffel; der Vizepräsident des Reichstages Graf Stolberg; Vertreter sämtlicher Fraktionen des Reichstages und des Landtages; dann die Chargierten sämtlicher BeMner katholischen Studentenkorporationen mit ihren Fahnen und ebenso die Abordnungen sämtlicher katholischen Vereine mit den Fahnen. Nachdem der sürstbischöfliche Delegat Prälat Propst Neuber die feierlichen Exequien am Sarge des Entfchlafenen vollzogen hatte, hielt der langjährige parlamentarische Freund des Verewigten Weihbischof Herrmann aus Frauenburg die Trauerrede. Dann vollzog Prälat Neuber die Absolution ad tumbam. Während der Thor von St. Hedwig ein Trauerlied anstimmte, trugen hiernach Diener des Abgeordnetenhauses den Sarg auf. den bereitstehenden vierspännigen Leichenwagen. Ein anderer Wagen barg die zahlreichen kostbaren Kranzspenden. Vor dem Leichenwagen nahmen die Vereine mit ihren Fahnen Aufstellung. Die ganze so gewählte Trauerversammlung gab dem Toten das Geleite bis zum Lehrter Bahnhof. Zunächst schritten hinter dem Sarge die Abgeordneten: Im Walle und von Hagen mit den Ordenskreuzen des Verewigten, dann kamen die Verwandten und die Präsidien der Parlamente, die sämtlichen Mitglieder der beiden Zentrumsfraktionen, die Deputation der parlamentarischen Fraktionen und der Behörden. Der Zug ging über die Linden durch ein Seitenportal des Brandenburger Tores am Reichstag vorbei zum Lehrter Bahnhof. Nachdem hier der Sarg auf dem Hauptbahnsteig in den bereitgehaltenen Wagen gehoben war, löste sich der Trauerkondukt auf. Die großartige Feier steht in scharfem Kontrast zu der übermäßigen Bescheidenheit, die den Lebenden zierte; sie zeigte, wie große Verehrung man unserem Freiherr von Heereman auf allen Seiten entgegenbrachte und wie man feine Verdienste schätzte.
* Heber bett Stand der Diätenftage werden unter dem Scheine halbamtlichen Ursprunges jeden Augenblick andere Angaben ver-
„Welch bestialische Grausamkeit!" rief er abscheu- ersüllt „unb was erwartet bie, bie ich mit meinem Schwur losgekauft?"
„Dasselbe Schicksal", hauchte ber sterbende Bandit, „sofern Du vor bem TageSgrauen nicht an ber Wald- yütte um Einlaß bittest. Omar brang aus ihn ein, näheres barüber zu berichten, aber er redete zu einem stummen Zeugen einer furchtbaren Tat. Er legte bie Hanb auf Jonny's Herz — e« schlug nicht mehr!
AufS hSchste erregt bestieg Omar sein Pferd, nachdem er den Toten auf den Rücken seines Renners gebunden und es beim Zügel griff. Schweigend mit gesenktem Kopfe ritt er mit feinem Toten durch die sternenhelle Nacht. Siu Aufruhr tobte in ihm, Jonny's letzte Worte widerhallten ihm dröhnend in den Ohren. Gab es für ihn noch eine Wahl? Schnell warf er sein Pferd herum, ritt bis zum Hohlweg zurück und verschwand alsbald im Dunkel des Waldes. —
Aus dem Keller der Waldhütte drang wildes lärmen. Berauscht lagen die wilden Gesellen auf den Teppichen umher, andere fchwangen den vollen Becher, ließen die Würfel rollen und spielten um Menschenleben. Abseits von jenen, im Schatten ber Felswand lehnte ber unglückliche Omar unb starrte vor sich hin. Seine Seligkeit, Ehre unb Gewissen hatte er dahin- gegeben unb nur ber Hinblick barauf," daß er für andere, für seine Wohltäter sich geopfert, rettete ihn vor der Selbstverachtung. Er hatte sich dieser furchtbaren Macht verschrieben, nun gab es keine Umkehr mehr zum besseren Leben. Auf seine Waffe durfte er nicht mehr stolz sein wie einst, denn diese huldigte von nun ab dem Meuchelmord, keines ehrlichen Menschen Angesicht durfte er mehr schauen, er war geächtet, entehrt, verfehmt — ans der Gesellschaft ehrlicher Menschen ausgestoßen. Es gab kein Zurück mehr ohne Tod und Verderben. Eine tief in einen Mantel verhüllte Gestalt, die ihn lange sHweigeud beobachtet hatte, trat zu ihm heran und legte ihm bie Hand auf die Sch alter.
breitet; der eine Offiziofus schlägt den anderen tot. Unter diesen Umständen ist es das beste, allen diesen Meldungen mit größter Ruhe und Vorsicht gegenüberzustehen. Nach wie vor wird der König von Sachsen als Gegner der Diäten bezeichnet; neuerdings auch der Prinz - regent von Bayern. Das glauben wir aber nicht, denn gerade Bayern hat ein dringendes Interesse an der Einführung von Reichstagsdiäten. Viel wahrscheinlicher dünkt uns, daß mit allen solchen Meldungen nur die Tatsache maskiert werden soll, daß der Hauptwiderstand nach wie vor von preußischer Seite ausgeht, ob nun von hoher oder höchster Stelle, mag dahingestellt bleiben. Andererseits bleiben wir bei dem, was wir schon während des Zolltarifkampfes mitteilen konnten, daß nämlich nach der Ansicht sehr gut unterrichteter Politiker die Diäten trotz allen Widerstrebens über kurz oder lang doch kommen werden, wahrscheinlich in der nächsten Session des Reichstags. Aber der jetzige Reichstag wird sich schwerlich noch mit dieser Frage zu befassen haben.
% Die Fiuanzkommission des Herrenhauses begann heute die Beratung des Etats für 1903. Dem Grafen Zieten-Schwerin, welcher der Kommission seit 25 Jahren ununterbrochen angehört, hatten seine Kollegen ein prachtvolles Blumen-Bouquet gewidmet. In der Generaldebatte betonte Graf Königs mark die Notwendigkeit einer Reichsfinanzreföcm. Finanzminister v. Rheinbaben stimmte dieser Forderung in langen Ausführungen zu. Im gleichen Sinne äußerten sich die Herren Frhrn. von Lucius, von Graß und Becker-Köln. Im Laufe der Debatte wurde eine entsprechende Resolution für die Plenarberatung angekündigt. In der Spezialdiskufsion knüpfte sich eine längere Diskussion an den Einnahmetitel „Gebühren für die Fleischbeschau" des landwirtschaftliche» Etats. Auf mehrfache Anregung erklärte sich Minister von Podbielski bereit, dahin zu wirken, daß die Amtsvorsteher auf Grund des Fleischbeschaugesetzes nicht mit neuen wesentlichen Arbeiten belastet werden.
* Die erfreuliche Steigerung der Eisen- bahn-Betriebseiuuahmen, die schon seit dem November v. Js. festzustellen war, hat auch im Februar ds.Js. angehalten, wie die imReichs- eisenbahnamt und eben veröffentliche Uebersicht der Betriebsergebnisse deutscher Eisenbahnen im genannten Monat ergibt. Darnach haben 77 Bahnen, die schon im Februar 1902 im Betrieb waren, diesmal gegen das Vorjahr mehr erbracht: aus dem Personenverkehr 1,421,501 Mk.; aus dem Güterverkehr 6.763,189 Mk.; insgesamt ein Mehr von stark 8 Millionen Mk. Für den Ende Februar abgelaufeuen Teil des Etatsjahres hatten alle Bahnen insgesamt aus dem Personen- und Güterverkehr gegen das Vorjahr ein Mehr von rund 42 Millionen Mk., ein Ergebnis, mit dem man bei den gedrückten wirtschaftlichen Verhältnissen, die namentlich noch während der ersten Hälfte des Jahres andauerten, wohl zufrieden sein kann. Das verhältnismäßig ansehnliche Plus im Februar fällt um deswillen besonders ins Ge-
„Warum stehst Du abfert», wo andere bem W ine huldigen? Auf! trinke — trinke und berausche Dich gleich den andern, der Wein ist bie einzige göttliche Kraft, bie bie Seele loslösen kann vorn Leibe." Omar fühlte seinen Zorn überschäumen, mit einer Geberde des Abscheues fließ er die Hünengestalt hinweg, mit solcher Kraft, daß der ohnehin schon Berauschte taumelte und zur Erde fiel. Mtt Wutknirschen suchte er sich emporzurichten.
„Knechte!" keuchte er, „bindet, knebelt ihn, werfet ihn in das tiefste Felsenloch!" Brüllend stürzten bie Banditen auf ihn zu. Er wurde an Händen unb Füßen gebunben unb in eine tiefe Felseneinsenkung geworfen. Von jetzt ab beschränkte sich fein Verkehr mit ber Außenwelt einzig barauf, bie Räuberschar kommen unb gehen zu hören. Wie lange seine Gefangenschaft bauerte, konnte er nicht bestimmen, er fühlte nur an bem nagenben Hunger unb bem Durst, ber ihn quälte, daß Tage schon vorübergeschwunden waren. Schon glaubte er, daß man ihn rinem langsamen Tode preiSgeben wolle, als Stimmen sich näherten und ein Seil herab gelassen wurde. Man gebot ihm, an demselben herauszuklettern. Als er oben anlangte, fiel er ermattet zu Boden. Die andern lachten:
„Das Bürschchen ist nun zahm! Sie schleppten ihn über den Felsenboden vor die versammelten Anführer. Einer derselben trat einen Schritt vor.
„Richtet ihn auf!" gebot er. Omars geschundene» Gesicht und seine Hände bluteten.
„Habet acht, ihr Knechte," begann ber Hauptmann mitleidlos, „ihr kennt diesen Wink —“ er bewegte feine Hand, „so ihr diesen von mir sehet, werfet Euch über jenen Burschen, stoßet ihm bie brennende Fackel inS Gesicht. Habet Ihr verstanden?" — „Jawohl," antwortete ber Chor, „wir warten ‘auf den Wink Deiner Hanb, Hauptmann." Dann wanbte sich dieser an den fast leblosen Jüngling.
(Fortsetzung folgte