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Maer

Zeitung

MonaKbeilage: „zuldaer Geschichtrblätter".

Wochenbettage: „Illustrierte Sonntagszeitung"

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Druck und Verlag der ZuldaerActiendruckerei in Hulda (Harmonie). Fernsprecher Nr. 9.

30. Jahrgang.

. fuldcl, Donnerstag, den 26 März 1903.

JV» 69.

Wellungen aus das 2. Guartal 1903 der ,Fuldaer Zeitung^ werden jederzeit von allen Postanstalten, Landbriefträgern und von unserer Expedition (Harmonie) entgegengenomme».

** Das neue Uartell.

Zwischen der nationalliberalen Partei, den Konservativen und dem Bunde der Landwirte ist ein Wahl-Kartell für die bevorstehenden Reichstags - Wahlen abgeschlossen worden, welches den Zweck hat, das Zentrum in Bayern, Baden, Hessen, den Regierungs-Bezirken Kassel und Wiesbaden, der Rheinprovinz und Westfalen zu bekämpfen.

So unwahrscheinlich es klingt, daß die Natio­nalliberalen, die in der Zolltarif-Frage noch vor kurzem die schärfsten Gegner des 'Bundes der Landwirte gewesen sind, sich mit diesem verbinden würden, der Haß gegen das Zentrum und das Bestreben, diesem seine ausschlaggebende Stellung im Reichstage zu nehmen, hat die feindlichen Brüder geeinigt. Man ersieht daraus, daß für den Bund der Landwirte die wirtschaftlichen Jn- : ereffen alsbald zurücktreten, wenn sich dieMög- ichkeit bietet, dem verhaßten Zentrum zu schaden, onst hätte man doch wohl annehmen sollen, daß >ie Haltung des letzteren in der Zolltarif-Frage dem Bunde der Landwirte eher Anlaß gegeben hätte, es gegen die Nationalliberalen zu unter­stützen.

In solchen Kreisen, wo nebenher noch ein sozialdemokratischer oder freisinniger Kandidat in Frage kommt und das neue Kartell durch seinen Zusammenschluß nun an Stelle des Zentrums mit einer der ersteren beiden Parteien in die Stich­wahl kommt, rechnet man gleichwohl für die Stich­wahl auf das Eintreten der Zentrumswähler zu Gunsten des Kartell-Kandidaten.

Es dürfte jedoch in jedem Falle genau zu überlegen sein, ob die Zentrumswähler dazu bei­tragen wollen, ihre eigene Partei im Reichstage kaltzustellen, der Reaktion die Wege zu ebnen, das geltende Wahlrecht zu gefährden und einem neuen Kulturkämpfe Vorschub zu leisten, indem sie bei Stichwahlen das neue Kartell unterstützen. Die Wirkungen der Abmachungen zeigen sich be­reits bei der Aufstellung der Kandidaten, soweit diese bis jetzt bekannt geworden sind. Im Wahl­kreise Wiesbaden wird der nationalliberale Bartling gegen das Zentrum von den Kon­servativen und dem Bunde der Landwirte unter­stützt, ebenso in Höchst-Homburg-Usingen der Nationalliberale G o esch e n gegen denZentrums- Kandidaten Jtschert, in Limburg derBündler Hotzmann von den Nationalliberalen gegen den Zentrums-Kandidaten Cahensly, in Hanau- Gelnhausen der Nationalliberale Lucas von den Konservativen und dem Bunde der Landwirte gegen Müller-Fulda. In Marburg-Kirch­hain treten die Nationalliberalen für den Kon­servativen v. Pappenheim ein, in Würz-

der toli ms der Äm-sdm-.

Originalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.

42 ------ (Nachdruck Verbote«.)

„Gedenke Deines Schwures und der Folgen — falls Du ihn nicht einlösest. Ehe also die Sonne dreimal zur Neige geht, bist Du — an der Felsen­höhle!" Damit verschwand er, während die übrigen Banditen den Wagen eskortierten. In starrem Sinnen mit gesenktem Haupte ritt Omar neben dem Wagen her, bin und da tauchten unheimliche Gestalten aus dem Dickicht auf und «da zeigte sich, wie sehr den Reisenden der Schutz der Banditen zugute kam.

Der Morgen graute bereits, als die Mauern der Stadt Düren in dem Dämmerlichte emporprangten. Stumm wie sie neben dem Wagen hergeschritten, ent­fernten sich die Räuber. Als die Türmer der Stadt die dritte Morgenstunde verkündeten, hielt der Wagen vor dem Philippstore. Der Torschreiber trat aus der Hütte neben dem Tore und musterte die Fremden.

„Wohin wollet ihr?"

„Zum Karmeliterhaus. Kannst Du den Weg dorthin angeben?" nahm Omar das Wott.

„Fahret nur immer zu, diese Gaffe entlang an dem Benediktinerhaus, das Ihr da vor Euch sehet, vorbei. Ihr könnt alsdann da« Kloster und die Kirche vor Euch sehen."

„Ich danke Euch." Nach einer Weile hielt der Wagen vor der Klosterpforte. Auf Omars Pochen trat ein Mönch an das Guckloch der Pforte und fragte noch dem Begehr der Reisenden.

Der Name der Herzogin öffnete ihnen Tür und Tor, war doch der Prior des Klosters ein Sproffe de- Palmirischen Herzoghauses. — Im Refektorium saßen sie wie eine Keine Famllie beisammen, die Herzogin, Marina und Omar, und stärkten sich an den ihnen vorgesetzten Speisen. Der Prior, der ein«

bürg haben sich die Bündler und Nationallibe- ralen gegen den Zentrums-Kandidaten THaler geeinigt. Die nächsten Wochen werden noch eine ganze Reihe solcher Kandidaturen des neuen Kartells gegen das Zentrum bringen.

Große Zuversicht erfüllt deshalb auch schon jetzt die Führer der Nationalliberalen, sie hoffen aus diese Weise dem verhaßten Zentrum im Westen und Süden Deutschlands etwa 10 12 Reichs­tags - Sitze abzunehmen. Auf dem vor wenigen Tagen stattgehabten Diner bei dem Geh. Finanz­rat B üd in g äußerte bereits der Handelsminister Möller (früher nationalliberaler Abgeordneter) in Gegenwart der Mitglieder der nationalliberalen Reichstags-Fraktion: „Die Aussichten für die künftigen Reichstags-Wahlen seren viel günstiger, als es die politischen Gegnerrechtsund links zu geben wollen." Die Wahl-Komitee's der Zentrums-Partei dürften gut daran tun, diese Vorgänge mit Aufmerksam­keit zu verfolgen und ihre Maßregeln so zu tref­fen, daß die Wahlen keine unangenehmen Ueber- raschungen bringen.

Berlin, den 25. März 1903.

% Der,Kreuzztg.' schreibt man: „Beider Kontroverse über Abschaffung des § 2 des Jesuitengesetzes läßt sich nicht verkennen, das einzelne Blätter die Jesuitengefahr ganz erheblich übertreiben, und dies läßt sich gerade aus den erwähnten Blättern selbst nachweisen. Es gibt nämlich keinen Großstaat, in dem die Jesuiten so. viel Bewegungsfreiheit haben, und fö viel Rechte genießen, wie in Oesterreich. Sie haben dort eine ganze Anzahl höherer Schulen; zwei ihrer Gymnasien (in Karlburg und Feldkirch) haben sogar das Oeffentlichkeitsrecht, das heißt, ihre Zeugnisse sind denen der Staatsgymnasien gleichwertig. Daß die Jesuiten in Deutschland ähnliche Gerechtsame erlangen könnten, ist, bei­läufig bemerkt, total ausgeschlossen. Der Kern­punkt der Sache ist aber dieser: Wenn die Jesuiten solche Hexenmeister wären, wie es von einigen Blättern geschildert wird, so hätten sie gewiß ihre Talente in Oesterreich am besten beweisen können, das ja das „Rhodus" ist, wo sie „tanzen" können. Was haben sie nun der Los von Rom- Bewegung gegenüber erreicht? Wir informieren uns darüber aus eben denselben Blättern, und diese erklärten einstimmig: „Gar nichts." Unter anderem wurde darauf hingewiesen, daß ihr Hauptquartier in Nordböhmen der vielgenannte Wallfahrtsort Mariaschein zwischen Aussig und Teplitz ist; dprt seien nicht nur viele Jesuiten als Wallfahrtspriester tätig, sondern auch eine ganze Anzahl als Lehrer eines Gymnasiums bezw. Knabenseminars. Trotzdem hätten sich aber in nächster Nähe dieses Jesuitenklosters mehrere evangelische Los von Rom-Gemeinden gebildet, und alle Predigten und Mahnungen der Jesuiten,

getreten war, hatte sich neben die Herzogin gesetzt und besprach mit ihr lebhaft die Ereignisse der Tage. Bon dem Abenteuer mit den Räubern hörend, ver­nahm der Prior auch die Errettung aus ihrer Hand durch Omar. Die Herzogin aber scherzte:

„Ich vermute, Omar hat ihnen Schätze versprochen. Was nun, wenn wir sie nicht leisten?"

„Ich habe nicht mehr versprochen, als ich zu leisten vermag", erwiderte er. Marina sah ihn von der Seite an, als die Herzogin sich mit dem Prior wieder in ein Gespräch vertiefte, wandte sie sich zu ihm:

„Ihr habt Euch den Rändern verkauft, was leug­net Ihr es." Er bewahrte seine Ruhe und sprach:

„Kann ein Mensch seine Seele, die er nicht mehr besitzt, verkaufen?" und als sie ihn staunend ansah, „diesen Fall denket Euch bei mir. Ihr wendet vielleicht ein: Was nützt ihnen dein geistige» Eigentum, sie ver­langen deine Kraft, deine Verwegenheit. Nun, so wiffet, daß ich diese nur anwenden werde — sie zu vernichten!" Sie schien beruhigt.

„Darnach kehret Ihr zu meinem Vater zurück und nehmet durch seine Vermittlung Dienste am herzoglichen Hofe?" iEr wandte seine Augen hinweg.

„Ueber meine Zukunft habe ich noch nicht nach­gedacht. Mir liegt ein Ziel so nahe, daß ich es mit verbundenen Augen zu erreichen trachte", und er dachte in diesem Augenblick an die Felsenburg und seine Rache. Als die Stunde des Abschiedes herannahte, war allen das Herz schwer. Die Herzogin umarmte ihn und sprach zuversichtlich:

„Ihr stürzet Euch wieder in den Schlachtenlärm, aber ich weiß, der Graf bringt Euch uns zurück. Gott mit Euch!"

Besorgt blickte ihm Marina nach. Sie wußte, daß er fich den Banditen verschrieben hatte, um fie und ihre Tante zu retten und um einer Rache zu ge­nügen, deren Veranlassung ihr unbekannt war.

12. Kapitel.

Omar war auf die Straße hinausgetreten. Als er in die Nähe des Marktplätze» kam, sammelte fich

die Katholiken vom Beitritt abzuhalten, hätte nur Oel ins Feuer gegossen und desto mehr Uebertritte zum evangelischen Glauben veranlaßt. Wenn diese Erfahrung in Oesterreich gemacht wurde, so kann die bloße Abschaffung des § 2 'm Deutschen Reiche sicher nicht fo fürchterliche Katastrophen nach sich ziehen."

** Zu toll wird es nachgerade selbst extrem katholikenfeindlichen Blättern, wie die angst­bebenden Bundespastoren und ihre Preßhelfer die Agitation gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes betreiben. Selbst das ber­liner Tageblatt', dem es doch gewiß nicht an einer überaus üppigen Phantasie fehlt, macht sich lustig über den „Erguß einer glühenden — die Freuzzeitung' würde sagen: „echt orientalischen" — Phantasie" in der von einem Herrn Schin- dowsky gezeichneten,Deutsch-Evangel. Korrespon­denz'. In einem Stil, der feuilletonistisch sein soll, impressionistisch meinetwegen, hebt es an:

„Ter Kanzler plauderte. Schwere Arbeitslast lag hinter ihm. Dankbar wollte er sein den Gehilfen. Solche Gesinnung tat er im Reichstage kund. Im häuslichen Plauderton sprach er über die Lage, und unbedacht sprach er ein Wort. Lautlos ver­nahmen es die Räte, schweigend das hohe Haus.

Als Donnerschlag aber wirkte dieses Wort da draußen unter den Menschen. Das erste Dröhnen eines aufziehenden Orkans ließ sich vernehmen und pflanzte sich mit der Eile der Naturkraft über das Land fort. Der Zentumsturm wuchs schwan­kend ins Riesengroße. Aus seinen Fugen drangen schwarze Rotten hervor, gleich als ob die Erde jene Rotte Korah wieder ausgespien hätte, die einst der Zorn des Gottes von Sinai im Abgrunde versenkte. Aber auch der Quadernbau des deutschen Bundesstaates geriet ins Wanken . . . Eine Flut­welle geistiger Pfeile (!), Strömen (!!) lebendigen Wassers gleich, lief gegen die dunkeln Mauern des fremdartigen Turmes an und drohte sie zu unter­spülen. Deutschland ist wach. Der Kanzler ist sprachlos . . . Die Welt hat ein anderes An­gesicht . . . Ein Wort vermag alles. Wie lautet das Wort, das so große Dinge vollbracht? Man spricht es ganz leise, ganz vorsichtig aus: — Jesuit."

Entsetzlich! Wir empfehlen Herrn Schin- dowsky und seinen Hintermännern eine Kalt­wasserkur. Oder sollte gar — sollte Herr Schindowsky--hineingelegt worden fein?

Aber von wem? Wer mag das getan haben? . . ;■ „Man spricht es ganz leise, ganz vor- sichtig aus: — ein — Jesuit!

* Ueber die Haltung Bayerns im Bundesrate gegenüber der Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetze s veröffentlichen die Münchener Neuesten Nachrichten' folgendes: „Die Tägliche Rundschau läßt sich aus München berichten, die Mitteilung, die bayerische Regierung werde auch diesmal im Bundesrate gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes stimmen, beruhe auf zuverlässigen Erkundigungen und könne auch jetzt noch aufrecht erhalten werden. Diesen Mitteilungen der .Täglichen Rundschau' gegen­über, die unmöglich auf zuverlässigen Erkundi­gungen beruhen können, sind wir in der Lage, auf das bestimmteste zu versichern, daß die bayerische Regierung ihre Vertreter in Berlin schon im Februar, als die Frage zuerst ventiliert wurde, angewiesen hat, für die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes zu stimmen. Die bayerische

vor dem Rathause eine größer werdende Volksmenge an. Das Gerücht hatte sich verbreitet, daß die Feinde befiegtnnd Herzog Wenzel gefangen sei. Der­selbe werde bereits mit seinen Getreuen Peter von Bar und dem Landesedlen Herrn von Serau nach der Burg Niddeggen eskortiert. Diese Nachricht ent­hob Omar einer Zentnerlast. Durfte er nun doch hoffen, daß die Herzogin mit ihrer Nichte unter dem Schutze des Grafen genugsam gegen die finstern Pläne der schwarzen Bande gefeit fet, um sich selber von dem erzwungenen Schwure, der so fürchterliches for­derte, entbunden zu betrachten. Niemals, das stand bei ihm fest, würde er zu jenen schrecklichen Menschen zurückkehren, die seine Unerfahrenheit, seinen jugend­lichen Ungestüm dazu benutzt, um ihn in ihre Fall­stricke unentrinnbar hineinzuziehen. Ueber das weitere, das ihm zu tun verblieb, war er indessen ebenso im unklaren, als über die Antwort, wohin er sich nun wenden sollte. Er hatte in einer Pilgerherberge nahe dem Rathause Aufnahme gesucht, doch war er fich be­wußt, daß Düren nicht der Ort sei, wo sein Lebens», schicksal fich weiter gestalten solle. Er wollte und mußte diejenige fliehen, von der ihn, den Verurteilten aus der „verlorenen Schar", jetzt eine noch größere Kluft trennte, als damals, da deren Vater ihn eher dem Verderben überließ, als seine Tochter mit ihm zu vereinen. Und diese selber? Hatte sie nicht deutlich S durch ihre Abreise unter des Finkenburg» Schutz

Jen, daß es ihr ernst war mit dem Entschluffe, ihrer Liebe zu entsagen! Und er sollte nicht weniger stark sein! Und dennoch überwältigte ihn das Ber- langen, einen letzten Blick auf das geliebte Mädchen z» teerfen und mit diesem stummen Gruße Abschied von ihr auf ewige Zeiten zu nehmen. Noch ein an­derer Beweggrund trieb ihn zur Königsburg. Er mußte erforschen, ob der Fürst zurückgekehrt und in dem einen oderx in d-m andern Falle seinem Ver­sprechen nachkommen. Fast bangte er, die ent­scheidende Frage zu tun. Wenn er nun hinkam und den Trauenyimpä von der KönigSburg wehen scch?

Regierung hat seither ihre Ansicht nicht ge ändert."

\ Der Fürsorge-Erziehung sind im Jahre 1901 auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1900 nicht weniger als 7787 Kinder und jugendliche Personen überwiesen worden. Diese Ziffer über­steigt die bei Erlaß des Gesetzes angenommene jährliche Durchschnittsziffer sehr erheblich. Unter der Gesamtzahl befinden sich 4949 männlichen und 2838 weiblichen Geschlechts. 5366, näm­lich 3582 Knaben und 1722 Mädchen standen noch im schulpflichtigen Alter. Nach der Berufs­art der Eltern waren 5596 Kinder, also mehr als 2/s der Gesamtzahl aus dem Arbeiterstand hervorgegangen; 2340 Ueberwiesene hatten einen städtischen Tagearbeiter zum Vater. 2375 standen unter Vormundschaft, 1342 waren unehelich ge­boren. Von den Zöglingen waren 2051 bereits bestraft, darunter 1584 mit Gefängnis. Dem Betteln oder Landstreichen waren 2038 ergeben, der Unzucht 932, darunter 812 weibliche; unter letzteren waren 101 noch schulpflichtig.

** Die Krankenkassen - Novelle ist, wie wir wiederholt betonten, stark durch die Maß­losigkeiten der Sozialdemokratie gefährdet. Trotz­dem soll der Versuch gemacht werden, das Gesetz zustande zu bringen. Die Kommission wird da­her noch etwa 8 Tage in Berlin versammelt bleiben, um ihre Arbeiten zu beenden.

* Zur Ausführung des Süßstoffgesetzes. Die halbamtliche ,Berl. Korresp.' schreibt: Mit Bezug auf die Ausführungsbestimmungen zum Süßstoffgesetz vom 7. Juli 1902, das am 1. April d. Js. in Kraft tritt, sind dem Reichstage Peti­tionen von Drogenhändlern zugegangen, welche fich gegen eine angebliche zu weit gehende Be­schränkung des Verkehrs mit süßstoffhaltigen Waren wenden. Die Petenten gehen davon aus, daß durch die Ausführungsbestimmungen nicht nur der Vertrieb der süßstoffhaltigen Nahrungs­und Genußmittel, sondern auch derjenige der sonstigen süßstoffhaltigen Waren, wozu u. a. ge­wisse kosmettsche Mittel gehören, den Apotheken vorbehalten sei. Diese Voraussetzung beruht auf Irrtum: Bezüglich der nicht zum menschlichen Genüsse dienenden Waren sind beschränkende Vorschriften nur für den Fabrikanten getroffen. Der Bezug und die Weiterveräußerung wird hierdurch nicht berührt, und der Verkauf dieser Waren kann also nach dem Inkrafttreten des Süßstoffgesetzes auch seitens der Drogisten in demselben Maße wie vorher erfolgen.

* Die Budgetkommission des Abge­ordnetenhauses hat am Dienstag den Gesetz­entwurf über die Bewilligung von 12 Millionen zur Förderung der Wohnungsverhältnisse der in den Staatsverwaltungen angestellten Be­amten und Arbeiter unverändert angenommen.

* Münster, 24. März 1902. Der Kaiser hat aus Anlaß' des Hinscheidens des Frhrn. vonHeeremanan dem Neffen des Entschlafenen, Frhr. Clemens v. Heereman, folgendes Beileids­telegramm gerichtet: „Ich nehme aufrichtigen Anteil an dem Hinscheiden Ihres Oheims, des ersten Vizepräsidenten, des Abg. Freiherrn von Heereman, und spreche Ihnen, sowie Ihrer

Er hatte den Klausner als seinen Vater geliebt, den Grafen liebte er als seinen Wohltäter, aber die Neigung, die er dem Fürsten entgegenbrachte, die unterschied sich von derjenigen des Klausners sowohl als von der, bte er für den Grafen hegte. Das war ein unenträtselbares Drittes, ein Gefühl, für das er keinen Namen wußte. — Nun lenkten sich seine Gedanken auch wieder auf das Kleinod, das der Fürst ihm anvertraut und zum ersten Male unterwarf er eS einer genaueren Be­obachtung. Mit seinem schweren Golde und feinen echten Steinen repräsentierte es, wie der Fürst ihm schon gesagt, ein Vermögen, doch würde er eher darben und am Notwendigsten Not leiden, als jemals dieses teuere Andenken in fremde Hände geraten lassen. — Erstaunt sah er auf das Schmuckstück m seiner Hand, er mußte unversehens eine Feder berührt haben, davon da» Medaillon aufgesprungen und em Bildnis bloß legte, das seine Blicke bangend festhrelt. Unverwandt schaute er daraus hin, als müsse rhm m diesem Bilde ein Mysterium sich enthüllen. WaS rhn an diese» Bild fesselte, war nicht nur seine Schön­heit, das goldige Haar, das über den fanftgebeugten Nacken fiel, die blauen seelenvollen Augen, die rhn anlächelten, da» war eine Regung feiner Seele, bte sich wohl empfinden aber nicht beschreiben läßt. — Er lebte sich in dieses Bild hinein, er drückte eS an seine Lippen und gab ihm den süßen Namen — ^Mutter." Aus ferner, ferner Erinnerung stieg fern nebelhaftes Bild vor seiner Seele auf — eine blonde, sanfte Frau, die ihn, den nunmehr von aller Well Verlassenen, ihr Kind genannt.

Wenn Jsengard an das mütterliche Herz appellierte, er wollte es auch — in jenem Bilde!

Der finkende Tag sah ihn auf dem Wege jur Königsburg. Er durchschritt langsam die damals noch winkeligen Straßen und fragte einen vorüber­gehenden Fischverkäufer: _

„Wessen Wohnsitz krönen jene beiden Sprtzturme, die über die Giebelhäuser emporragen?"

„Wenn Ihr um diese Kaufhalle bieget," belehrte