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w°chenb-ttag-: „Illustrierte Sonntagszeitung"
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Monatsbeilage: „Zuldaer Geschichtsblätter".
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3". Jahrgang.
fllldd, Samstag, den 21. März 1903.
66.
* Der Abschluß der Etatsverhandlung der Budgetkommisfion der Reichstags hat heute stattgefunden und das Ergebnis gehabt, daß sämtliche von den Zentrumsabgeordneten Speck und Müller-Fulda gestellten Anträge zum Hauptetat, zum Etatsgesetz und zum Schuldentilgungsgesetz nahezu einstimmig angenommen werden.
Die Anträge zum Haupt-Etat und Etatsgesetz lauten:
im Haupt Etat
VII. Zuschuß zu den Ausgaben des ordentlichen Etats entsprechend den beschlossenen:
Minder-Ausgaben im ordent
lichen Etat..... 7,275,000 Mk.
und Mehr-Einnahmen im ordent
lichen Etat . . . . . 15,000,000 „
um 22,275,000 Mk. zu vermindern, mithin anstatt 95,000,000 Mk. und 72,725,000 Mk. zu genehmiuen.
Dementsprechend Haupt-Etat Einnahmen: Zuschuß des außerordentlichen Etats gleichfalls anstatt 95,000,000 Mk. nur 72,725,000 Mk. zu genehmigen, ferner im Haupt-Etat-Einnahme: 1. Kapitel 22 Titel 1 a aus noch offenstehenden
Krediten der Jahre 1901 und 1902, welche für die Expedition nach China bewilligt, aber nicht verausgabt, anstatt 14,797,816 Mk. zu beschließen: 34,776,130 Mk.,
2. ferner Titel 1. zu einmaligen Ausgaben für Rechnung aller Bundesstaaten, anstatt 194,666,739 Mk.
entsprechend der Erhöhung
des Titels la um . . 19,978,314 Mk. und entsprechend der Verminderung des Titels (Zuschußanleihe) um . . . 22,275,000 „ und entsprechend den Abstrichen bei den einmaligen Ausgaben des außer
ordentlichen Etats. . . 17,225,000 „ von zusammen 59,478,314 Mk.
nur zu genehmigen 135,188,425 Mk.,
3. dementsprechend im Etatsgesetz § 2 anstatt 219,921,730 Mk.
Anleihe nur zu genehmigen 160,443,425 Mk.
Antrag zum Etatsgesetz § 2 nach „Der Reicys- kanzler wird ermächtigt" einzuschalten: „vorbehaltlich der Bestimmungen des Gesetzes, betreffend Verwendung von Mehrerträgen der Reichseisenbahnen und Ueberweisungssteuern zur Schuldentilgung".
Danach wird also die Konsequenz aus den vom Reichstage beschlossenen Gesamt-Abstrichen gezogen, welche 24,500,000 A. betragen, ebenso aus der Mehreinnahme an Zuckersteuer von 15,000,000 und den ersparten Krediten für die
chinesische Expedition von 19,978,344 A in der Weise, daß die Gesamt-Anleihe (einschließlich der Zuschuß-Anleihe) anstatt mit 219,921,739 A nur mit 160,443,425 A bewilligt wird. Von dieser müssen jedoch 72,725,000 A. (als Rest der ursprünglich mit 95,000,000 A. geforderten Zuschuß - Anleihe) vorab getilgt werden. Es sind dafür auf Grund des gleichfalls von den Abgg. Speck und Müller-Fulda beantragten Schuldentilgungs-Gesetzes, welches in folgendem Wortlaut an die Stelle der Regierungs-Vorlage tritt:
§ 1.
„Uebersteigen in den Rechnungsjahren 1902 und 1903 die den Bundesstaaten zustehenden Ueberweisungen aus den Erträgen an Zöllen, Tabaksteuer, Branntweinverbrauchs - Abgabe und Zuschlag, sowie an Reichsstempel - Abgaben das Etats soll, so ist der Mehrbetrag an den den Bundesstaaten aus dem Ertrage der Zölle und Tabak steuer zu überweisenden Beträge zu kürzen und zur Tilgung der durch den Reichshaushalts-Etat für 1903 bewilligten Zuschuß - Anleihe von 72,725,000 A. zurückzubehalten. Die Tilgung erfolgt durch entsprechende Absetzung vom Anleihe- Soll. Soweit geeignete Anleihe-Kredite nicht mehr offen stehen, wird über die Art der Tilgung durch den Reichshaushalts - Etat für das Rech- rungsjahr 1904 und 1905 Bestimmung getroffen.
In gleicher Weise sind erforderlichenfalls die Ueberschüffe zu verwenden, die sich etwa im Rechnungsjahrei 903im eigenenReichshaushalt ergeben." § 2.
„Insoweit die in § 1 bezeichneten Ueberschüffe und Mehrerträge zur Tilgung der Zuschußanleihe von 72,725,000 Mark nicht ausreichen sollten, sind auch die Mehrbeträge zu dieser Tilgung zu verwenden, um welche in dem Rechnungsjahr 1904 und den folgenden Ueberweisungen an die Bundesstaaten die Matrikularbeiträge übersteigen.
Die Bestimmungen in § 1 finden im übrigen entsprechende Anwendung, und "nd zunächst zu verwenden: die ca. 11,000,000 Mk., welche aus den Ueberweisungssteuern von 1902 schon jetzt als Ueberschüffe nachgewiesen sind, ferner alle Ueberschüffe aus reichseigenen Einnahmen im Rechnungsjahre 1903 und die Ueberschüffe aus den Ueberro eifunfl8ft eitern gegen das Etats- foll, welche sich im Jahre 1903 ergeben.
Wenn auch diese noch nicht ausreichen, den Rest der Zuschußanleihe zu decken, so werden auch noch die Ueberweisungssteuer-Ueberschüffe der folgenden Jahre so lange zur Deckung herangezogen', bis diese Anleihe gänzlich getilgt ist."
Die Vorschläge der Zentrumsabgeordneten führten die Behauptungen der,Köln. Ztg.', daß das Zentrum den Bundesstaaten das gesamte Defizit als Matrikularbeitragslast aufbürden wolle, ad absurdum, sie fanden die rückhaltslose Zustimmung aller Parteien und auch die des Finanz-Referenten im Bundesrat.
Seitens des Abgeordneten Richter war zuerst noch ein anderer Vorschlag gemacht worden, derselbe zog solchen jedoch zu gunsten der Zentrumsanträge zurück.
Auf diese Weise hat der Etat für das Jahr 1903, so ungünstig solcher von vornherein auch schien, doch eine verhättnißmäßig befriedigende Regelung auf solider Grundlage gefunden.
Berlin, den 20. März 1903.
% Eine Pille für unsere Polenfeinde. Graf Bülow hat wohl gewußt, warum er sich in der Reichstagssitzung vom Donnerstag gegenüber den Beschwerden über die Unterdrückung des Deutschtums in Ungarn so kühl verhielt. Jedes Wort des Bedauerns über diese Politik der herrschenden Magyaren hätte sich gegen feine eigene Politik im preußischen Osten gewendet. Sehr verständlich antwortet daher auf die alldeutschen Klagen im Reichstage schon das offiziöse Echo vom Pester Donaustrande, der ,Pester Lloyd': „Wenn der mächtige preußische Staat, der sich übrigens aut die Macht und Stärke und das Nationalgefühl des ganzen deutschen Volkes stützen kann, aus aller Kraft und mit allen Mitteln bestrebt ist, die gegnerische Bewegung seiner polnischen Untertanen niederzuhalten, so wird kein Deutscher von gesundem Verstände und gesundem Rechtsgefühl der ungarischen Regierung es verdenken können, wenn sie offene Auflehnung gegen die ungarischen Staatsgedanken nicht dulden mag und feindseligen Umtrieben im eigenen Lande Einhalt gebietet." Diese Anklagen gegen die Deutschen in Ungarn stehen zum Teil freilich auf ebenso schwachen Füßen, wie die meisten Vorwürfe gegen die Polen. Auch in Ungarn ist man übernervös und macht aus Mücken Elefanten. Die Chauvinisten sind eben überall einander gleich, ob sie nun Alldeutsche oder Nurmagyaren, Jingos oder Irredentisten heißen.
* „Sozialistenspiegel." Unter diesem Titel ist kürzlich int Verlage der ,greif. Ztg.' ein kleines B - C- Buch erschienen, welches auf 6 Druckbogen in 90 kleineren und größeren Aufsätzen die Sozialdemokratie charakterisiert. Es wird der Zukunftsstaat in seinen Wirkungen auf die einzelnen Erwerbsklaffen und der Ueber- gang zum Zukunftsstaat, entsprechend der Darstellung der Sozialisten, unter Benutzung der neueren Schriften von Kautsky (Am Tage nach der Revolution) und der das sozialistische Programm zersetzenden Kritik von Eduard Bernstein geschildert. Der Sozialistenspiegel behandelt weiterhin das Verhalten der Sozialdemokratie in der Gegenwart zu den bürgerlichen Parteien, kennzeichnet die Stellung derselben im Reichstage, insbesondere auch bei der Obstruktion gegen das Zolltarif- Gesetz. - Der.Vorwärts' ist darüber schon ganz unwirsch geworden und zetert:
Da wird der wackere Totengräber des Freisinns wieder wie bei seiner schmählichen Haltung während des parlamentarischen Zollraubzuges das Lob der .Deutschen Tageszeitung' und der.Neuesten Nachrichten' ver
zückt einschlürfen können. Dieser Thersites des Liberalismus hat vor beginnender Wahlkampaane kerne größere Sorge, als der Reakrion ein täppisches Pamphlet gegen die Sozialdemokratie zu liefern.
Der .Vorwärts' muß demnach doch wohl Furcht vor dem „Sozialistenspiegel" haben.
288. Sitzung vom 20. März 1 Uhr.
Die Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes, Titel Staatssekretär, wird fortgesetzt.
Abg. Bernstein rsozd.) kommt zunächst zurück auf die Liebesdienste der deutschen Polizeibehörden gegenüber Rußland und auch die internationale Ueber- wackung der Anarchisten. Diese seien sehr verschiedene Leute, zum Teil sehr harmlose Theoretiker, teils aUer- dmgs auch leidenschaftliche Vertreter der Tat. Weiter kommt Redner noch zu sprechen auf die Lage der jÜd i- sch en Bevölkerung ist Rumänien, für die Deutschland als Mitunterzeichner des Berliner Vertrages mitverantwortlich sei. „
Abg. Qertcl-Sachken (kons.): Die rumänische Frage berührt uns allerdings ein wenig wegen des Berliner Kongresses. Aber Rumänien ist nicht der A lsicht, den Vertrag gebrochen zu haben. Jedenfalls haben wir hier im Reichstage keinen Anlaß näher auf diese Frage einzugehen Redner spricht dann den Regierungen das Recht zu, die Anarchisten zu Überwachen.
Staatssekretär v. Richthofen: Der Herr Abg. Gradnauer scheint von dem Amtskreise des Auswärtigen Amtes unrichtige Begriffe zu haben. Er hat auch von Ehre und Würde gesprochen. Es freut mich, dergleichen von dieser Seite zu hören. Ich glaube aber, ich befinde mich mit dem ganzen Hause in Einklang, wenn ich sage, daß das Ansehen und die Würde des Reiches durch den Import fremder Anarchisten nicht gestärkt wird. . > .
Abg. Schrempf (kons.) will nicht die Meinung aufkommen lassen, als bestände im deutschen Reichstage mehr Jntereffe für rumänische Juden und russische Anarchisten, als für die Deutschen in Ungarn.
Die Abg. Ledebour «Sozialdem.i und Schrader (freis. Ver.l gehen nochmals auf die „russischen Fälle "ein
Abg. Metzger «Sozialdem. führt Beschwerde über die Behandlung deutscher Seeleute seitens unserer Kon- sule im Auslande, namentlich in Hongkong.
Staatssekretär v. Richthofeu erwidert, solche Beschwerden dürften nicht einseitig betrachtet werden; sehr oft hätten sie sich als unbegründet erwiesen. Die Konsule hätten sich als Stütze der Seeleute tm Auslande bewährt. _ . ,
Nach nochmaligen Bemerkungen der Abg. Derlei, Ledebour und Metzger wird Titel Staatssekretär genehmigt. a . .
Der ganze Rest des Auswärtigen Amtes wird debattelos erledigt.
Morgen 10 Uhr:Kolonialetat,Zölle, Verbrauchssteuern rc.
Schluß 6“ Uhr.
J{u$ demjandtag j
Abgeordnetenhaus.
49. Sitzung vom .0. März 1903.
Das Extraordinarium des Kapitels „Höhere Lehranstalten" im Kultusetat wird ohne Debatte bewilligt und dann die Beratung über die in den Etat des
Der Rand auf der Duigstmg.
Originalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
39 —--- (Nachdruck verbot««.)
„Nennt mir den Einen." Seine flammenden Augen richteten sich auf jene.
„Wenn Ihr's zu wissen begeht et, Herzogin — es war Euer Gatte!" Diesmal zuckte sie wie unter enem Dolchstich zusammen, wie Omar mit stiller Genugtuung bemerfte. O, er hätte ihr die ganze Verachtung seines Herzens für sie zeigen mögen
„Du kennst ihn, wo ist er?" Omar sah zu ihr hinüber, ihre Stimme klang hohl und dumpf.
„Er starb!" Kein Laut kam Über ihre Lippen, aber eine tödliche Bläffe begann sich über ihr Gesicht -uszubreiten. Eine Weile herrschte TotenMe, dann fragte sie weiter:
^j>3w welcher Schlacht starb er und wo ist sein
»Er starb zu den Füßen seines Gottes, in der Waldklause; fern in den Jülicher Landen ist sein Grab." richtete sich langsam und müde im Sessel auf; ihre Augen bargen eine angstvolle Frage.
»ba^t mir alle», wie starb er?"
„Wolle Gott, wir fänden alle ein gleich friedliches Ende; er starb als Klausner, verlassen und einsam." Me lehnte sich wieder zurück, ihre Augen mit der beschattend. War da« die Reue? Omar konnte den Blick nicht von ihr loßreißen, o, daß er sie hassen .«»nie, wie er gewollt- aber sein Herz ließ sich betören, tote einst jener Edle betrogen wurde — durch *en Stempel der Unschuld und Herzensreinheit, der «ff ihrer Stirn zu turnen schien. O, über die Falsch- |eit im schönen Gewände! Er wandte sich von ihr <6. Da aber stand sie neben ihm. Sie las in seinen Äugen die Anklage.
„Omar Teskereh!" rief sie, „wessen beschuldigt Ihr
mich?" Er trat zurück, empört und gewaltsam sich zur Ruhe zwingend, sie aber forderte dringend:
„Antwortet, ich verlange Wab heit."
„In dem Schlamm wühlen, heißt seine Hände beschmutzen," erwiderte er mit verächtlicher Geberde. Da aber erwachte die Herzogin in ihr. Gebietend, in stolzer Größe trat sie vor ihn ihn, ihre Anges begegneten furchtlos seinem drohenden Blick.
„Wahrheit fordere ich, Omar Teskereh! Weigerst Du mir diese, so sage ich Dir: Du bist ein gemeiner Lügner! Deine Augen erzählen eine Schande, die Dein Mund nicht auszusprechen wagt. So lange Du noch schweigest, ruhet diese Schande auf Dir!"
Konnte ein Dämon boshafter und verstockter sein, als jenes Weib vor ihm, das die gräßliche Wahrheit forderte! Er trat dicht zu ihr heran, nahm den Helm vom Haupte und zeigte ihr sein ganzes zornsprechendes Antlitz.
„Herzogin" begann er mit gedämpfter Stimme und sein heißer Atem drang wie ein Gluthauch über ihre Wange. „Ihr wollet die Wahrheit wissen, wohlan, so höret sie. Herzogin von Palmire! Ihr seid eine — Ehebrecherin!"-------
Mit einem unterdrückten Weheschrei prallte sie zurück, beide Hände vor's Gesicht schlagend. Wenn Omar Rache gekucht — er konnte vollauf Genüge finden. Der Klausner war gerächt; er sah sie vor sich, eine Beute ihrer Gewissensqualen, vernichtet, gebrochen. In seinem Herzen war kein Erbarmen um sie; nun, da ihre Schuld riesengroß vor ihm stand, erwachte auch seine alte Verachtung für diejenige, die das Leben des edelsten der Menschen vergiftet.
„Run, Herzogin," begann er streng, „wenn Ihr also Eure Schuld in Eurer Seele brennen fühlet, so denket be6 Mannes, der um Euch das Zehnfache litt bis zum Tode." Sie sank in den Sessel nieder, die Hände krampfhaft im Schoß verschlungen.
,O, mein Gott", murmelte sie, „und alles vergebens! Gelitten, gekämpft, gerungen nm ein Schemen, um eine Schuld, die keine war!" Er sah sie ver- ständniskas en.
„Linus, mein edler Gatte l" rief sie im höchsten Seelenschmerze aus, „hättest Du doch nur ein Wort des Verständnisses gesucht, alle die kummervollen Jahre wären unS erspart geblieben!"
„Für seine edeldenkende Seele gab es keine Sühne für solche Schuld," fiel Omar strenge ein.
„Warum die Sühne, wenn keine Schuld sie verlangte?" entgegnete sie erschöpft. „Nein, Omar Teskereh, er ist ein Märtyrer geworden aus einer Ueberzeugung, die keine war; er hat umsonst gelitten!" Er beugte sich halb zu ihr herab, ine unklare Empfindung einer entsetzlichen Gewißheit stieg in ihm auf.
„Die Worte, Herzogin," er sprach stockend, überwältigt von der bangen Ahnung „lassen nur eine Deutung zu — sie kann, sie darf nicht Wahrheit sein —
„Und ist es doch!" Sie. hatte stch emporgerichtet und saß nun vor dem Jüngling in ihrer ganz ruhigen Würde. „Der Mann, in dessen Armen mich mein Gatte fand, war mein als Kreuzritter au« dem heiligen Lande heimgekehrter Bruder, Karol di Pauli!" Er wich zurück, bestürzt, erschüttert. „Der Herr hat über ihn gewaltet; was der Sarazene in dem Jahrzehnt seiner Abwesenheit nicht vermocht, mißlang auch dem Schwerte meines Gatten. Es hat ihn nicht getötet!" Eine ergreifende Sttlle trat ein, die Herzogin hatte in heftiger Gemütsbewegung chre Augen beschattet. Da fühlte sie leise ihre Hand ergriffen und sah den ttotzigen Jüngling tieferschüttert zu ihren Füßen.
„Ich finde nur eine Erwiderung darauf: Verzeihung für ihn, der unendliche» gelitten, der ge- sÜhnet mit seinem Leben! Verzeihung mir, der ich zweifeln konnte an Euerer edlen, reinen Seele! Herzogin, Ihr seid ein Engel, zu dem ich die Augen verhüllend emporschane — Ihr seid eine Märtyrerin!" Leise pochte jemand wider da» Holzgetäsel des Einganges.
„Der Gras erwartet Euch," sagte die Herzogin und erhob sich. Da trat dieser schon über die Schwelle. Ein Bück auf ihn sagte Omar, daß er Senge dieser
Unterrcöung war. Er ging auf die Herzogin zu und schloß sie in seine Arme.
„Ich halte es auftecht in seiner ganzen Bedeutung: sie ist ein Engel, eine Märtyrin! Lebe wohl! e» Gott mich schützet, kehre ich wieder!"
Auch Omar bot ihr seinen Scheidegruß. Sie umarmte ihn in tiefer Rührung und führte ihn dem Grafen zu.
„Wache über ihn, daß er heimkehrt, mein Bruder Ich erhebe Anspruch aus ihn, er ist mein Sohu!"
Noch ein stummer Gruß und sie verließen die Herzogin. Omar mußte daran denken, daß der edle Gatte jener zweifach edlen aber so tief verkannten Frau, die ihn ihren Sohn geheißen, ihm Vater sein wollte. Durfte er noch mit dem Geschicke hadern? Er war nicht mehr heimatlos, nicht mehr verlassen und ungeliebt, und nun ging's — zum Tode! Der Graf brach daS Schweigen.
„Meine Tochter läßt Euch Lebewohl sagen" — er brach ab, er sand kein entschuldigende» Wort. Ein Zug von Bitternis trat um des Jünglings Mund Unversöhnlich und stolz bis zum Letzten!
Das KriegSheer stand marschbereit. Ei» lang- gezogener Trompetenstoß erscholl, der Feldtromml« schlug den Wirbel und dann setzte sich die fast nniiber- sehbare Schar in Bewegung.
Die Waffen schlugen kriegerisch zusammen, die Söldner aber fangen:
Und Gerd ich nun erschossen
Erschössen auf breiter Haid--."
Gegen Mittag hatten die Jülicher beten» den befestigten Flecken Aldenhoven erreicht und erhielten bett durch ausgffandte Kundschafter die Nachricht, daß Herzog Wenzel mit seiner Streitmacht nördlich «off BEweiler zuziehe. Herzog Wilhelm gab Befehl z» lagern, doch verordnete ec, daß die Harnische nicht abgelegt werdet, füllten.
„Wenn der Brabanter heute noch Baesweiler erreicht, müssen wir ihm vor Sonnenuntergang mch eine Schlacht liefern", bestimmte der Fürst.