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E3

fUlM Freitag, den 20. März 1903.

Ns 65

*

♦

dem Hause Der Graf Wunsch er-

30. Jahrgang.

1 *

Nach dem Reichskanzler sprach am Donners­tag der nationaUiberale Abgeordnete Dr. Hasse, der aber nicht — wie nachher Dr. Paasche ausdrücklich konstatierte, namens der National­liberalen sprach, sondern die ausschweifende Poli­tik der Alldeusschen vertrat und dabei besonders zornig gegen die Ungarn zu Felde zog, die das Deutschtum unterdrücken und beschimpfen. Von Venezuela hätte er auch eine besondere Sühne gewünscht. „Hättet wir denn noch eigens einen Sühneprinzen verlangen sollen?" antwortete da­rauf Graf Bülow unter schallender Heiterkeit, „ich habe an dem einen chinesischen Sühneprinzen

„Ich sterbe, wenn er nicht bald aus geht

„Er wird gehen — morgen schon!" war in das Frauengemach getreten.

„Du kommst vom Herzog. Ist Dein

genug." Im übrigen wies der Reichskanzler die an sich berechtigten Aeußerungen Hasses gegen Ungarn mit realpolitischen Gesichtspunkten scharf zurück, wobei er sich auch wieder auf Bis­marck, wie das bei ihm Gewohnheit ist, berufen konnte. Freilich müßte er, wenn er es nicht ab­lehnen wollte, Beschwerden deutscher Untertanen in Ungarn oder Rußland unterstützen, auch ge­wärtigen, daß man ihm die preußische Unter­drückungspolitik gegen die Polen vorhielte. Fer­ner suchte der Kanzler auch noch Herrn Speck von Sternburg, unseren Bevollmächtigten in Washington gegen Vorwürfe von Haffe und Dr. Oertel (tonf.) zu rechtfertigen, indem er meinte, bei dem bekannten Interview müßte er „mißverstanden" worden sein. Dieses Interview, das im .Berliner Tageblatt' stand, ist übrigens nach Ansicht des Abg. Schraders also des Führers der freisinnigen Vereinigung, der das ,Berl. Tagebl.' dient, nur dem Sensationsbedürf­nis entsprungen. Eine nette Ohrfeige für das Blatt von so befreundeter Seite! Weiter unter­stützte Herr Schrader Beschwerden des Abgeord­neten Dr. Gradnauer (Soz.) über die Aus­weisung von Ruffeu, die dagegen von Staats­sekretär Frhr. von Richthofen verteidigt wurde. Nachdem dann noch die Abgg. Dr. Paasche (natl.) und Beckh-Koburg (frs. Vp.) die fried­liebende Politik des Kanzlers im allgemeinen gebilligt, wurde die Weiterberatung auf Freitag vertagt.

seiner Wähler zu erreichen. Das Zentrum wird selbstverständlich nicht „nationalpolitisch streiken" oder eine unsachliche Politik treiben, aber es gibt daneben doch noch Gegenstände genug, bei denen man sehr wohl verschiedener Meinung sein kann, und wo auch im Zentrum die Ansichten geteilt sind. Welche Veranlaffung follten nun die Führer des Zentrums haben, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, um die Partei geschloffen auf einen Standpunkt zu führen, wel­cher der Regierung angenehm ist, wenn sie anders mit allen, auch den bescheidensten Wünschen stets nur Körbe sich holen? Das Gerede der.Natztg.' läuft darauf hinaus, daß die Regierung auf die Parteiverhältniffe gar keine Rücksicht zu nehmen hätte — also ein kaum verhüllter Absolutis­mus in den Spalten eines „liberalen" Blattes! Aber freilich, ganz ist die Sache nicht so gemeint; es heißt auch hier: „Und der König absolut — wenn er uns den Willen tut!" Eine starke liberale Partei sollte die Regierung einmal nicht berücksichtigen! Verlangen die bankerotten liberalen Parteien doch selbst bann, daß es nach ihrem Willen geht, wenn *'e in hoffnungsloser Minderheit sind — vergleiche Schulgesetz, lex Heinze und Zvllobstruktion! Die Aufhebung des Jesuitengesetzes aber ist von einer großen Mehr­heit des Reichstages beschlossen worben, unb erst recht die bloße Aushebung des § 2. Das soll aber nun alles nicht gelten, weil bie Liberalen, ober vielmehr nur ein Teil derselben, jede Ge­rechtigkeit gegen die Katholiken verabscheuen! Echt — „liberal!"

% Neuerdings wird der 9. Juni als Termin der Reichstagswahlen genannt, das wäre der Dienstag nach der Pfingstwoche. Es sind nunmehr so ziemlich alle Tage aus dem Anfang des Juni als Wahltage genannt worden. Einer von ihnen wird es ja wohl jein. Der 9. Juni wäre jedenfalls ein ganz geeigneter Tag.

* * Zur Aufhebung des, 8 2 des Je- sniteugefetzes erhält die .Kreuzzeitung' von einem evangelischen Geistlichen eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: „Wenn die evan­gelischen Christen in festem Glauben sich auf ihr Bekenntnis stützen unb sich nicht durch den Wind allerlei Irrlehren umtreiben lassen, wird ihnen weder Rom noch seine Garde, bie Jesuiten, ge­fährlich werben. Wer aber keinen festen Glaubens­boden unter sich hat, ihn sich durch die moderne Theologie und die liberale Presse hat unter­graben lassen, der wirb eine gar leichte Beule RdM? werben. Lese ich da wieder einmal in des seligen D. Büchsels „Erinnerungen äu? meinem Berliner Amtsleben" (1886); da finde ich folgenden kurzen Satz: „In Berlin perhorres- ziert man den Katholizismus mehr als Unglauben unb Gottlosigkeit!" Nun, heute gilt das ja nicht blos für Berlin! Ernste Christen und gar Geistliche glauben getrost gegen Rom sich mit den aggressivsten Vertretern des Unglaubens und der Gottlosigkeit verbünden zu dürfen, freilich nur aus „nationalen" Gründen! Man fürchtet für den inneren Frieden Deutschlands von den Jesuiten das Schlimmste und weist den Ein­wand, die Sozialdemokratie sei doch in Deutsch-

Mauern des Herzoglichen V erließ cS. Heda, Krregsleute, fasset ihn."

Einige trunkene Söldner versuckiten auf ihn loszu­stürzen. Rasch sprang Omar zur Seite, dem Torein­gange zu, wo die Wache stand.

„Gebt mir einen Speer," rief er unb streckte die Hand aus. — Da fühlte er einen scharfen Stahl ins Fleisch bringen. Schnell zog die Wache ihn in den Hof hinein.

„Gottlob Ihr seid gerettet! — Aber Ihr seid verwundet. Ich sehe Blut."

„An der „blutbefleckten Hand eines Räubers und Juwelmdiebes" bedeutet das weiter nichts," sagte er herb.

Sie erglühte dunkelrot; die Worte, die sie einst gesagt, erschienen ihr doppelt grausam, nun da sie die­selben au» seinem Munde so voll bitteren Borwurfs wiederklingen hörte.

In stlstzer Ruhe trat sie vor ihn.

„Warum zürnet Ihr, Omar Teskereh? Die Hand, welche die todbringende Waffe nach mir gerichtet, diese nämliche Hand hätte ich ohne Groll in Freundschaft drücken sollen? Sprecht, wen empörte da- nicht?"

Er stand vor ihr, feine Augen flammten, seine Wangen glühten im Zorne: „Wenn aus dem Sumpfe des irregeleiteten Wanderers Hand sich Euch hülfe- heischend entgegenstreckt, wenn er flehend begehrt was Menschenrecht: Erbarmen 1 mit welchem Rechte schleudert Ihr diese Hand zurück und gebet ihm Hohn statt Ge­rechtigkeit und nehmet ihm den letzten Halt, den Glauben an die Menschheit und zwingt chn tiefer hinab m den Sumps, ins Verderben. — Antwortet mir, Marina di Pauli."

Da flog auch ihr Haupt stolz in deu Nacken.

„Ich sehe Omar Teskereh, daß über bie Kluft, bie uns trennt, keine Brücke führt. Ich kau». Euch Berzechung zu gewähren aber — Ihr verdienet sie nicht!"

„Ich begehre sie nicht!" erwiderte er stvlz unb ging.

Berlin, ben 19. Marz 1903.

* Das Befinden des Frhr. v. Heere- man ist leider so schlecht, baß sein Ableben stündlich zu erwarten ist. Um so mehr Veran­lassung für das katholische Volk, dem ehrwür­digen Vorkämpfer seiner Rechte dankbar in inniger Fürbitte zu gedenken.

* Echt „liberal!" Die nationalliberale Berliner,National-Zeitung' tut sich viel darauf zu gute, baß sie den Kampf gegen Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes bisher streng sachlich geführt habe, und sie wünscht vergeblich, daß die konfessionellen Gegensätze nicht verschärft werden. Die „Bedenken" auf protestantischer Seite wür­den aber „wesentlich verstärkt", wenn festens des Zentrums auf dessen parlamentarische Macht gepocht und innerhalb der Regierung, wie ein Artikel der ,Nordd. All gern. Ztg.' erkennen lasse, bie Bereitwilligkeit bekundet werde, dieser Taktik Rechnung zu tragen. Wenn das Zentrum „nationalpolitisch streiken" wolle, so sollte man es ruhig einmal daraus ankommen lasten. Also die Regierung darf sich nicht daran erinnern, daß das Zentrum die größte und aus­schlaggebende Partei im Reichstag ist, und das Zentrum darf immer nur bewilligen, aber niemals von seiner Macht Gebrauch machen, um auch einmal etwas im Sinne seines Programms und

* Die auswärtige Politik öes Grasen Bülow.

Qfai gtei&Stucic tun ®onner§tag bie Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes dem Reichskanzler Grasen Bülow alsbald Ge­legenheit, seine auswärtige Politik zu recht- fertiaen und über verschiedene bedeutsame Fragen Auskunft zu geben. Den Anlaß dazu boten ihm Anfragen des Adg. Dr Frhrn ° H-rtling (Ztr.) über Venezuela, den Dreibund und die mazedonische Frage.

Demgemäß verbrettete sich der Kanzler zuerst Über die Venezuela-Angelegenheit. Es handelte sich dabei, so betonte er, weder um territoriale Machterweiterungsgelüste, noch um Gloriolen, sondern um die Abwickelung eines durch die Unzuverlässigkeit des Schuldners schwierig gewordenen Geschäfts mit außer- gew ähnlichen Mitteln, daneben auch darum, unsere Ehre zu wahren. Auch England habe ja mit Gewaltmitteln vorgehen wüsten, entgegen den ■ Traditionen seiner Handelspolitik. Daß dieses Vorgehen trotzdem auch vom deutschen Standpunkte nicht unbedenklich war, fühlte Graf Bülow wohl selbst, denn geflissentlich hob er hervor, daß wir uns in einer Zwangslage be­funden hätten, und daß es sich nur um einen Ausnahmefall handle. Unzweifelhaft recht hatte er dagegen, als er sich gegen die perfiden Ver­dächtigungen der deutschen Politik in der aus­ländischen, insbesondere der amerikanischen Presse wandte, die allerdings, wie er meinte, an der Loyalität der Regierungen und an der Ehrlich­keit unserer Politik gescheitert sind. Der Reichs­kanzler skizzierte dann das Abkommen mit Vene­zuela, wobei er bemerkte, die Kosten der Blockade würden von Deutschland und Eng­land getragen, aber sie seien gering.

Waren diese Ausführungen nicht eben her­vorragend und teilweise auch gewiß nicht unan­fechtbar, so waren um so erfreulicher die Er­klärungen des Kanzlers über den Dreibund. Dieser, so betonte er, legt den Beteiligten keine anderen Schranken auf, als die durch die Rücksicht auf Erhaltung des status quo, d. h des Friedens geboten sind. Daß vor gut einem Jahre „etwas nicht in Ordnung" war, erkannte der Reichskanzler unumwunden an, aber er führte die damaligen Quertreibereien in der italienischen, englischen und französischen Presse auf bie innere Opposition in jenen Ländern zurück. Wie der Reichskanzler so optimistische Auffassungen vortragen kann, verstehen wir nun allerdings nicht Was zwischen Italien und Frankreich vorging, vollzog sich doch nicht zwischen den Oppositionsparteien dieser Länder, sondern von Regierung zu Regierung. Nicht ohne Absicht betonte der Kanzler doch wohl auch so entschieden: „Für uns wird der Dreibund unbedingt seinen bisherigen defensiven Cha­rakter behalien und auch ohne jede Einschränkung und Abschwächung bewahren. Wir halten gegenüber unseren beiden Verbündeten mit deutscher Treue fest." Allerdings fügte er be­ruhigend hinzu: „Wir haben aber auch Bürg­

bahnten sich ihren Weg durch bas Gewühl. Aus seinem Maultier ritt der Mönch eines nahe gelegenen Klosters daher und kaufte Nahrung ein; ihn drängte das stolze Gefolge eines mächtigen Ritters bei Seite, der zum Rathause ritt und von den Stadtherren den üblichen Ehrentrunk erwartete. Am Ziehbrunnen schwebte an der Kette der Doppeleimer unaufhörlich auf und nieder, unb plaubernbe Bürgersfrauen stauben baneben unb erzählten sich grausige Märlein von 'Kriegsn ten.

Aus der Herberge dringt lauter Lärm. Dort fitzen fie vom schweren Trünke erhitzt um den langen Tisch, Herr und Gefind, Ritter und Knecht, Bürger und Bauer, kreischende Weiber neben sittsamen Mägdlein im bunten Durcheinander. Vor ihnen stehen die ver­schiedenen Speisen in großen Schüsseln, denen der Dampf der warmen Gerichte entsteigt. Brühe und Gemüse gemischt, Pöckelfleisch, gesottene Fische, auch ein Hirsegemüse unb zuletzt Schweinskeule mit Gurken. Da wirb tüchtig mit den Händen zngegriffen, denn Gabeln kennt man nicht und außerdem steht neben dem Ofen ein Kübel stinkenden Wassers zum Reinigen der Hände.

Omar suchte sich seinen Weg zurück durch die un- gepflasterte tiefgeleisige Straße, darin wie in den meisten mittelalterlichen Städten das unreine Wasser seine Furchen zog unb überall sumpfige Pfuhle bildete.

Die Sonne war imtergegongen unb m den engen Straßen wurde es zeitig dunkel. Dann aber mußte jeder Verkehr aufhören, und Omar beeilte sich, die Herzogburg zu erreichen. An der Mauer nahe dem großen Tore war ein Diener damit beschäftigt, Schwefel­ringe in einer Pfanne zu entzünden und diese primitive Leuchte in Ermangelung besserer Sttaßenbeleuchtung dortselbst anzubringen. Da Omar hülfebereit hinzutrat, erkannte ihn der Diener als denjenigen, den man auf Befehl des Herzogs an jenem denkwürdigen Tage ein­gekerkert hatte, unb er wies den Jüngling mit den höhnischen Worten hinweg:

„Du vollführst Teuselrkünste, denn Du sprengst die

Beim Morgengrauen brach anhaltender Lärm vor den Mauern der Burg aus. Reiter sprengten in den Hof und eilten zu dem Herzog, ihm bie Kunde zu überbringen, daß Herzog Wenzel bei Herzogenrat die Wurm überschritten und mit großer Streitmacht in die Jülicher Lande eingefallen sei. Daraufhin ward der Befehl zum Aufbruch gegeben. Vor dem Abmarsch des Heeres traf noch die Kunde ein, daß der Königs- burger, der zur Zeit sich auf einem Fehdezug befinde, denselben unterbrochen und auf dem Marsche zum Heere stoßen werde.

Herzog Wilhelms Heer setzte in drei Abteilungen über die Rur bei Linnich, Jülich und Düren, diese drei Heeresabtellungen follten auf dem Marschweg zu­sammen treffen.

Bon dem Fenster der Kemenate aus betrachteten die Edelftauen die Aufstellung des Heeres. Wie ans Erz gegossen, hielten die Panzerreiter mit ihren langen Spießen vor dem Tore, auf reichgeschirrten Stoffen ritten die Grafen und Fürsten heran, gefolgt von ihren Spießträgern, umgeben von der Schar der Knappen unb Troßkmbeu.

Hörner schmetterten, Trommeln wirbelten, Rosse wieherten und der Troß der Söldner rief dem Herzog Wilhelm Heilrufe entgegen.

In dem Rittergemache des von Graf di Pauli bewohnten Burgzimmers stand Omar in glänzender Rüstung.

Um feine Brust schloß sich der prächtige Harnisch, seinen Kopf bedeckte, entgegen der bei den Söldnern üblichen Blechhaube, der mit Adler verzierte Helm nebst Bifir. Wagerecht, quer vor der Mitte des Körpers, hing der kurze breite Degen, während seine Hand prüfend einige Dolche wog, deren besten er aus­suchte unb zu sich steckte. Gegen die Wand zwffchen zwei Fenster lehnte die 16 Fuß lange Lanze, deren Spitze im Strahle der aufgehenden Sonne blinkte. Dank der Fürsorge des Grafen, seines edlen Wohl­täters, sah Omar seinen Wunsch erfüllt unb sich über gebührendes Maß hinaus in einer Weise »er seinen

schäften dafür, daß in allen den beim Abschluß des Dreibundes vorgesehenen Fällen auch unsere Verbündeten fest und treu zu uns stehen." Wir wollen dies mit Befriedi­gung hinnehmen, glauben aber doch nicht zu irren, wenn wir in den Ausführungen des Kanzlers noch vielmehr eine eindringliche Mah- nung, speziell an die Adresse Italiens, als die Konstatierung einer Tatsache erblicken. Das gibt auch von dem folgenden Satze, daß das Drei­bundsverhältnis nicht mit Dingen, für die es nicht ins Leben gerufen wurde, also namentlich nicht mit zoll- und handelspolitischen Fragen verquickt werden darf. Dieser Satz wurde von der Rechten und vom Zentrum mit Beifall aufgenommen.

Der Reichskanzler rechtfertigte dann feine frsihere Aeußerung, der Dreibund sei für Deutsch­land keine Notwendigkeit. Diese Aeuße­rung habe zur Erneuerung des Dreibundes wesent­lich "beigetragen, da fie gewissen ausländischen Elementen, welche die Sache so darzustellen "be­lieben, als ob Deutschland den Dreibund am meisten nötig hätte, die Waffe aus der Hand riß. Mit gutem Humor fertigte der Kanzler die „be­trübten Lohgerber" in der Auslandspreffe ab, die an der Bedeutung des Dreibundes zu mäkeln suchen, denen aber mit seiner Erneuerung ihre Felle weggeschwommen sind, unb erteilte dabei auch dem" französischen Minister des Auswärtigen einen gelinden Nasenstüber, freilich in einer so feinen Form, daß Herr Delcaffo wird gute Miene zum böfen Spiele machen müssen.

Schließlich wandte sich j^raf Bülow zu den orientalischen, insbesondere Dr mazedonischen Frage. Danach bleibt es für ihn ein funda­mentaler Grundsatz der deutschen Politik, daß wir im Orient feine aktive Politik treiben und für niemanden die Kastanien aus dem Feuer holen, aber jeder Maßnahme sympathisch gegen­überstehen, welche dort eine Besserung der Ver­hältnisse anstrebt, ohne den Besitzstand der euro­päischen Türkei zu gefährden. Deutschlands Mit­wirkung — so betonte der Reichskanzler zum Schluffe — werde niemals fehlen, wo es sich um Erhaltung des allgemeinen Friedens handelt. Das Haus nahm diese Erklärungen beifällig auf. Im allgemeinen wird dies auch im Lande der Fall fein. Soweit sie aber Mah­nungen an das Ausland enthalten, kann man nur "den Wunsch hegen, daß diese überall gehört und betiergigt werden.

füllt?" fragte bie Herzogin

„Der Fürst überhäufte mich mit Huldbeweisen", erroiberte der Graf, „Omar ist als mein Spießträger dem Söldnerheere einverleibt. So wirb er immer um mich sein im Kampfgetöse und — so bet Himmel uns gnäbig ist — k hren wir siegreich heim." Die Herzogin atmete auf.

„So weiß ich Dich beschützt von starken Armen unb von Treue umgeben, Karol, ich lassejDich nun beruhigt ziehen, ich weiß, Du kehrest wieder, aber unser junger Freund! Wer sein Leben so gern in den Kampf hinein- trägt — per kehret nicht Wieder!"

»Ich will ihm die Botschaft bringen, darnach er bedangt", sagte der Graf und verließ ernst und be- «mmert das Gemach.

Nun da Omar sich nicht mehr als Gefangener zu «trachten glaubte, zog ihn das laute Treiben bet ®ölbner vor das Tor hinaus unb er Ward bald von "EN lärmenden Scharen mit fortgebrängt durch die °*9en Gaßlein. In denselben herrschte ein regeS Leben; Menschen unb Tiere drängten im bunten Ge- ^ihl an einander vorüber, dort lärmende Söldner- fcharen vor den Kaufläden um die Waren feilschend, das Pfund Rindfleisch zu 2 Pfennig, zu teuer findend, anbere den Eimer besten Weines für chren Sotdherm M 40 Pfennige erstehend. Hier trieb der Hirt seine Thafe durch die Menge, Kühe trabten dachet und

Der auf brr toigatag.

Originalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.

Zg ------- (Nachdruik verboten.)