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Monakbevage: „Zulöaer Geschichtsblätter".
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Wochmb-Ilaze: „Illustrierte Sonntagzzeitung"
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w. JVo «4.
Tlllda, Donnerstag, den 1§. März 1903.
30. Jahrgang.
% Die Agitation gegen die Aushebung
-es § 2 -es Iesuitengefetzes
wird jetzt auch von der.Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' einer kritischen Würdigung unterzogen. Ist es schon an und für sich bedeutungsvoll, daß das offiziöse Blatt ui dieser Sache das Wort ergreift, so verdient mcht minder Beachtung die Schärfe, mit der es die Hetzer anfaßt. Etwas sachlich neues kann es natürlich kaum sagen, da alles, was gegen die jesuitenfeindliche Agitation vorzubringen rst, bereits von anderen Blättern, namentlich der Zentrumspreffe, gesagt worden ist.
Mit der .Kreuzztg.' hält die ,Nordd. Ällgem. Ztg.' der jüngst in Berlin abgehaltenen Protestversammlung des Evangelischen Bundes vor, daß von all' den Dingen, gegen die sie sich in ihren Resolutionen „mit Emphase" wendet, in dem § 2 .des Gesetzes gar nichts steht. Es handele sich in dem § 2 auch gar nicht einmal um eine bestimmte Vorschrift, sondern er gebe den Landespolizeibehörden lediglich eine fakultative Anweisung und diese sei in den Bollziehungsbestimmungen noch dahin eingeschränkt worden, daß die Anweisung des Aufenthaltes in bestimmten Bezirken oder Orten der Regel nach auf diejenigen Fälle beschräntt werden solle, in welchen der Ordensangehörige sich außerstande erkläre, selbst einen bestimmten, ihm nicht versagten Aufenthaltsort zu wählen. Seit dem <;ahre 1873 seien Maßnahmen auf Grund des § 2/ wenn überhaupt, nur noch vereinzelt angeordnet worden. Wenn daher die Bestimmung jetzt auch formell beseitigt würde, so wäre dies lediglich die gesetzliche Anerkennung eines seit Jahren tatsächlich in völliger llebereinstimmung mit den gegebenen Verhältnissen bestehenden Zustandes.
Jesuitengesetz, wie es jetzt bestehe, sei das Ergebnis längerer Kompromißperhandlungen innerhalb der Mehrheitsparteien des damaligen Reichstags. Die ursprüngliche Vorlage habe wenig mehr als die Bestimmungen des jetzigen § 2 enthalten. Hätte der Reichstag sie angenommen, so würde es an einer reichsgesetzlichen Vorschrift über die Auflösung der Niederlassungen des Jesuitenordens und das-Verbot seiner Ordens- Niederlassungen fehlen. Die Aufrechterhaltung des tz 1 gehe somit über den ursprüngliche« Standpunkt des Bundesrates weit hinaus. All das scheine aber der großen Mehrheit der Pwtestreden wie der Zeitungen, die sich über eine Aufhebung des § 2 erregten, völlig unbekannt zu sein.
Warum, so fragt die ,Nordd. Allg. Ztg.' weiter, haben die Kreise, die die Aufhebung des § 2 für eine so große Gefahr erachten, bis jetzt
8tr Naud auf der. AmMrz.
Origiualerzählung aus der Geschichte der ehenraligen Jülicher Lande von Alrca Ruth.
37 ------ (Rachdrmk verboten.)
„Vielleicht steht sie schon auf dem Plünderungs- plan."
„Marina, Du bist schrecklich!" Die Herzogin erhob sich, nahm den Arm ihrer Nichte und ging mit ihr zum Burggarten hinab.
Eie mußte noch lange über das sonderbare Be- uehmen des Jünglings ihr gegenüber nachdenken, daß ein tiefer Haß gegen sie diesem zu Grunde lag und sie ward in dieser Meinung durch sein ferneres Benehmen noch immer mehr bestärkt. Unter seinem immer drohenden Blick fühlte sie sich unbehaglicher denn je. So gerne sie dem schönen Jüngling ihre volle Sympathie entgegengebracht, ebenso fürchtete sie ihn und mied seine Wege.
Das Umgekehrte war bei ihrer Nichte der Fall. Die stolze Gleichgiltigkeit des Jünglings ihr gegenüber, ja die Art und Weise, wie er ihre Anwesenheit zu ignorieren verstand, reizte und stachelte sie zu immer größerem verachtenden Stolze gegen ihn auf. Sie suchte förmlich seine Nähe, um ihn zu demütigen und fand ihre grausame Genugtuung darin, Um unter ihren brüsken Beleidigungen in verwundetem Stolze zusammenzucken zu sehen.
„Ihr macht mir dieses Haus zur Hölle," stieß er «nmal in überquellendem Zorne hervor.
„So verlasset es," gab sie zurück, „die Beharrlichkeit sst fürwahr eine Eurer stolzesten Tugenden."
„Ich bin der Gefangene Eures Vaters," erwiderte er ruhig, „der sich mit seinem Ehrenworte verpflichtet für mich. BeiGoit, schwer genug trage ich an diesem Zwiespalt in mir!"
kr ging davon, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen. Man sah es ihm an, er war tief verletzt.
sieben Jahre lang geschwiegen und mit ihrer Bewegung nicht schon 1896 eingesetzt, als die Mehrheit des Reichstags sich für die Aufhebung aussprach und die nationalliberale Partei sogar durch keinen Geringeren als von Bennigsen? Gegenüber der Behauptung, ohne § 2 entbehre das Gesetz jeder Handhabe zu seiner Durchführung, verweist das offiziöse Blatt auf den §3 und auf die, Bundesrats - Verordnung vom 5. Juli 1872, wonach die zur Vollziehung des Gesetzes in einzelnen Fällen zu treffenden Anordnungen von den Landespolizeibehörden verfügt werden. Sache der letzteren bleibe es also nach wie vor, darüber zu wachen, daß die Jesuiten keine Niederlassung bilden und keine Ordenstätigkeit ausüben. Alle diese Ausführungen vergegenwärtigen uns nur aufs neue, wie gering die praktische Bedeutung der Aufhebung des § 2 ist. Di .Nordd. Allg. Ztg.' hätte auch noch auf die Gesetzgebung der Einzelstaaten verweisen können, die den Jesuiten die Niederlassung unmöglich macht.
Die Agitations-Bewegung erhält, bemerkt sie sodann, einen eigentümlich künstlichen Charatter aber nicht allein dadurch, daß sie sich auf die Gesamtheit^des Gesetzes richtet, die gar nicht in Frage steht, sondern auch gegen die Gesamt- Politik des Reickskanzlers, weil er seine Bereitwilligkeit erklärt hat, einem seit 7 Jahren wiederholt gefaßten und von wohlerwogenen Gründen der Führer der Mehrheit getragenen Beschlüsse des Reichstages näher treten zu wollen, einem Beschlüsse, der, wie gesagt, „nur den seit 30 Jahren bestehenden tatsächlichen Verhältnissen entspricht." Besonders wird auf eine Zwickauer Versammlung verwiesen, in der drei protestantische Geistliche das Wort gegen „die Wiederzulaffung der Jesuiten" führten. Den Reichskanzler bezeichneten sie als „Hausmeier ves Ultramontanismus", er befinde sich bei den Jesuiten „in bester Gesellschaft"; das Zentrum lasse in seinem römischen Bettelsack „einPrivilegium nach dem andern" verschwinden. Aus diesen Reden erhelle, daß die geistlichen Redner entweder gar nicht wüßten, um was es fich handele, oder sich nicht die Mühe genommen hätten, ihre Reden sachlich vorzubereiten. Ist ein Superintendent wirklich die berufene Persönlichkeit, um darüber zu befinden, „daß kein Mann weniger geeignet sei, den Reichskanzler- Posten zu bekleiden als Graf Bülow", und um die kleinen deutschen Staaten aufzurufen, „daß fie Preußen vor seiner Regierung schützen?" Der Herr Superintendent sei mit seinem Studium der Kirchenpolitik Bismarck's, auf den er Hinweise, ersichtlich in den Anfängen stecken geblieben Graf Bülow haße die besten Beziehungen zur päpstlichen Kurie Äs Hinterlassenschaft aus Bismarck's Zeit vorgefunden und sei, als v. Bennigsen seine Erklärung zu § 2 abgab,., noch Botschafter am Quirinal gewesen. Seine „Taktik" könne daher die innere Einheit nicht geschädigt haben; sie sei ohnehin darauf gerichtet „die unser Volk innerlich trennenden Momente tunlichst auszuschalten, wobei eine zuverlässige nationale Mitarbeit des Zentrums nur erwünscht sein kann. Auch das Zentrum in seiner jetzigen Stärke hat Graf Bülow vorge-
Sie hätte ihm »achstürzen, ihm die ganze Verachtung ihres Herzens für ihn zeigen mögen. Sie beleidigte ihn mit grausamer Wonne, aber der Stachel kehrte sich gegen fie. Jener, der mit erhabenem Schweigen ihre Kränkungen hinnahm, konnte nicht unglücklicher sein als fie. — Auf der Frauendiele begegnete chr die Herzogin.
„Du hast ihn wieder brüskiert, Marina."
„Ich glaubte bisher nicht, daß das Interesse einer Herzogin von Palmire fich so tief versteigen könnte," erwiderte die junge Dame kalt.
„Doch, Marina, doch! ich schütze ibn gegen Deine rückhaltlose Schroffheit. Ich höre, wie Du ihm in einer Weise die Gastfreundschaft dieses Hauses kündigst, die den Bettler empören müßte, und doch weißt Du recht gut, daß, wenn er unter diesen Umständen noch länger bleibt, eS mit Rücksicht auf das verpfändete Ritterwort seines Wohltäters geschieht. Hast Du denn kein Verständnis für diese seine verzweifelte Lage?"
„Du vergißest immer, daß wir hier nicht mit dem Ehrgefühl eines ehrlichen Mannes zu rechnen haben", versetzte fie kalt, „auf Verbrecherehre — die es ja auch geben soll — verstehe ich mich nicht."
„Marina, denke, daß er ein Unglücklicher ist, der unser volles Erbarmen verdient. Ich möchte ihn lieben — wenn ich ihn nicht fürchten müßte."
„Nach un'erm tete-ä-tete mit ihm im Walde, finde ich das Letztere sehr begreiflich."
„Du bist schrecklich, Marina." Die Herzogin gab es auf, sie zu überzeugen.
11. Kapitel.
DaS Dürener Heer kam mit flottem Trommelwirbel durchs Stadttor dahergezogen, unter steigendem Jubel von der Bevölkerung empfangen. Die Söldner hatten ihre Sturmhaupen von liebender Hand mit Laub geschmückt und schwangen, feurigeKriegslieder singend, ihre Lanzen. Siegverheißend wehten der Dürener Fähnlein im Winde und der wirre buntzusammengewürfelte Haufe wndringte fie im Bollbewußtsein ihrer Bedeutung,
funden und muß als Staatsmann mit gegebenen Größen rechnen." Das offiziöse Blatt schließt:
„Im Interesse des konfessionellen Friedens, zu dessen aufrichtiger Bewahrung beide Teile, Evangelische wie Katholische, sich polittsch und religiös verpflichtet fühlen sollten, wünschen wir, daß der Vorgang in Zwickau vereinzelt bleibe und zum Einhalt, zur Umkehr Anlaß geben möge! Die nach den Erfahrungen mehrerer Jahrzehnte gerechtfertigte Entwicklung einer Frage der Staatspolizei, die durch die Aufhebung des § 2 zum Abschluß gelangen, ist erheblicherweise mit einer Bedrohung der protestantischen Freiheit nicht in Verbindung zu bringen und gibt niemandem das Recht, einen Zwiespalt zu erneuern, durch dessen Wirkungen Deutschland, wie die Geschichte lehrt, jederzeit im Innern wie nach außen geschädigt worden ist.
Es ist erfreulich, endlich einmal ein kräftiges Wort von dieser Seite gegen die gewissenlosen Hetzer zu hören. Noch besser aber als durch Worte könnte Graf Bülow ihr durch Taten ein Ende machen. Er braucht nur möglichst rasch die Entscheidung im Bundesrat herbeizuführen. Dann würde der ganze Lärm, der jedoch nicht einer wirklichen Erregung und der Besorgnis weiterer Volkskreise vor den Jesuiten entsprungen ist, sondern nur den Versuch eines Häufleins von Fanatikern darstellt, die Regierungen einzuschüchtern, sehr rasch verstummen. Wir nehmen jetzt an, daß die Nachricht von der beabsichtigten Hinausschiebung der Entscheidung falsch war. Möge man nun auch keinen Augenblick länger zögern. Je weiter man die Entscheidung hinausschiebt, um so mehr Gelegenheit gibt man den Hetzern, mit Lügen und Gehässigkeiten die Leute aufzuregen.
*. bozkal-emokratische Theologen.
Herr Professor Harnack hat niemand einen größeren Dienst mit seiner Antwort auf das Handschreiben des Kaisers an seinen Freund, den Admiral Hollmann, erwiesen, als dem vorwärts' und der Sozialdemokratie. Seit Wochen schlachtet das sozialistische Hauptorgan mtt sichtbarem Wohlbehagen die Affäre „Babel und Bibel" aus; und dies, wie man zügeben muß, mit einer raffinierten Konsequenz. Was eignete sich wohl auch beffer dazu, die Gemüter der Menge zu verwirren, als die leichtfertige und oberflächliche Behandlung der wichtigsten Gegenstände der christlichen Lehre, wie sie Profeffor Delitzsch beliebt hat? Jahrelange Wühlarbeit der protestantenvereinlichen Theologie hat nicht zerstörender gewirkt, als dieses Schlagwort, das weiter nichts ist, als ein gewöhnlicher Kalauer und dazu noch ein ganz frivoler; denn die Wissenschaft: wohlgemerkt, nicht nur die theologische, in der Herr Delitzsch ebenso Laie ist, wie jeder Arbeiter, sondern die assyriologische hat dem Schlagwort alsbald den Garaus gemacht und Herrn Delitzsch fasten lassen.
fast eroberten sich die reichgeschirrten Pferde der Grasen von Morede, von Tomburg, Schellart u. a-, die alle mit ihren Söldnerscharen erschienen waren, kaum so viel Raum in dem ungeordneten Haufen, um voranzudringen. Einer von den lehuspflichtigen Herren ward allgemein in dieser Schar vermißt, der Königsburger, und man erging sich in Vermutungen, die mehr oder weniger der Wahrheit nahe kamen. — Bor der Herzogburg machte der Haufe halt und traf Anstalten, auf dem weiten Vorplatze ein Kriegslager herzustellen. Die Feuer half man ihnen anzünden, und bald hatte sich das Bild jenes hervorragenden Platzes bedeutend geändert. Die Knechte hocken um die Feuer, drehten die Fleischstücke am Spieß und sprachen fleißig dem Humpen zu. Schaulustige drängten fich herzu und hörten andächtig die Märfein dieser fahrenden Männer und geizten auch nicht mit Verabreichung von kräftigen Speisen und e nem frischen Trünke. Omar stand unter dem Torbogen, der zur Ballei führte und lehnte wider den Brückenpfosten. Marina, die auf der Estrade faß, konnte sein vom trüben Ernst beschattetes Antlitz, auf welchem beim Anblick der kampflustigen Krieger ein unsagbarer Zug von Trauer lag, sehen. Trotz der verachtenden Kälte, womit fie ihm begegnete, fühlte ihr Gemüt bei diesem Ausdruck tiefsten Seelenschmerzes eine Regung von Mitleid.
„Wie gebenft der Herzog weiter über diesen — Teskereh zu entscheiden?" überraschte sie den Vater mit dieser plötzlichen Frage.
„Das weiß er selber noch nicht, Kind. Es ist eine mißliche.Sache damit und ganz dazu angetan, das unter der Asche glimmende Fünkchen zur Flamme zu entzünden. In des Jünglings Interesse wünschte ich, daß er mir entfliehen würde. Das wäre — wenn ich mich nicht sehr irre — auch für den Herzog die geeignetste Lösung Sein sehnlichster Wunsch ist allerdings, am Kriege teilzunehmen. Er ist eine Heldenkrast, das konstatiere ich mit besonderer Genugtuung. Ich werde, sobald nur etwas Ruhe herrscht, dem Herzog diesen Ausweg Vorschlägen."
Darauf kommt es nun freilich für Leute vom Schlage der ,Vorwärts'politiker nicht viel an. Ihnen ist es eben ein „gefundenes Fressen", daß man sich wieder einmal so recht behaglich in religiösen Bierttschgesprächen ergehen- und dabei gleichzeitig nach Anhängern für die alleinseligmachende sozialistische Völkerbeglückuygslehre krebsen kann.'
Harnack hat sich in seinem Arttkel in den preußischen Jahrbüchern' zwar stellenweise sehr vorsichtig ausgedrückt, wie es einem braven preußischen Profeffor rukommt. Anderseits aber hat er sich zu einigen U.ußerungen verstiegen, die den .Vorwärts' in helles Entzücken versetzen. Dieser greift nachträglich noch einige Stellen heraus, in denen Harnack zugibt, daß ein Teil der „Mythen und Legenden" des alten Testamentes aus Babylon stammen; daß diese „Tatsache" der landläufigen Vorstellung von Inspiration des alten Testamentes tötlich sei, habe ebenso fest gestanden. Harnack gibt damit also den Glauben an eine Offenbarung gründlich preis. Selbstverständlich nagelt der .Vorwärts' das fest, ebenso den Stoßseufzer, daß diese Erkenntnis wohl vorhanden gewesen, aber kein Gemeingut des Volkes geworden sei, denn: „Kirche und Schule im Bunde haben diese Erkenntnisse niedergehalten, indem sie sie aus ihren Grenzen verbannten. Sie sind freilich nicht allein die Schuldigen. Trägheit und Angst kamen ihnen entgegen."
Solche Worte eines Königlich Preußischen Professors gehen dem ungläubigen ,Vorwärts' natürlich ein, wie eitel Honigseim. Er gibt Harnack den verdienten Bruderschmatz und fällt dann über den orthodoxen .Reichsboten' her, der es gewagt hatte, die Lehre von der Gottheit Christi Harnack gegenüber zu verteidigen. Das protestantssche Pastorenblatt stellte nämlich die auch uns Katholiken geläufige Alternative: „Wenn Christus nicht Gott wäre, so wäre erkeinJdeal- mensch, sondern ein gotteslästerlicher Schwärmer und Betrüger, eben, weil er selbst sein göttliches Wesen behauptet hatte!
Das bringt nun den .Vorwärts' ganz auS dem Häuschen. Das Atheistenblatt schwefelt in hellem Zorn den Arbeitern folgendes vor:
„Kein Atheist wird eine solche freche Beschimpfung des Märtyrers Christus jemals aussprechen, wie dieses orthodox wahnsinnige Blatt hier in hypothetischer (bedingungsweiser) Form. Wie Christus sich als Gottes Sohn symbolisch schwärmerisch bezeichnet haben mag, so nennen sich Fürsten symbolisch „von Gottes Gnaden"."
Der.Vorwärts' weiß recht gut, daß er hier eine ganz erbärmliche Rabulisterei begeht. Er weiß aber leider ganz genau, wie er seinen Leserkreis geistig einzuschätzen hat. Es ist dummdreist und frech zugleich, über Berdummungspläne von Kirche und Schule zu reden und dann im selben Atemzuge einen ungeheuerlichen und klar auf der Hand liegenden Verdummungsversuch zu unternehmen.
Dabei findet das Sozialistenblatt noch recht hohe und patzige Töne:
Marina erhob fich und schaute über die Brüstung hinunter. „Wenn Du jetzt diesen Auftrag vollführeu willst, so kommst Du eben recht. Ich sehe die Räte aus der Herrenburg kommen."
Der Graf erhob fich sofort und begab sich zur Pfalz hinüber.
Omar kehrte indessen durch die Ballei zurück. Als er unter der Estrade vorüber wollte, fiel ein klirrender Gegenstand vor ihm nieder. Er bücke fich darnach und hielt eine Armspange in der Hand. Nach oben schauend gewahtte er die stolze Grafentochter und wollte schon das aufgefundene Schmuckstück wieder an seine Stelle niederlegen, als er sich dennoch eines Bessern besann und gegen seinen Willen die Treppe zur Estrade emporstieg, um einen Dienst zu erweisen, für welchem ihm kein Dank bevorstand. Marina sah dieses minutenlange Zögern, und wenn jemals eine Regung ihres Innern für ihn gesprochen, so schwand fie bei dieser Wahrnehmung vollends. Mit Ufaer ganzen stolzen Kälte erwartete sie ihn, der ruhig vor sie hintrai und das Schmuckstück ihr darreichte. Die Pflicht der Höflichkeit, die ihn zu jener Dienstleistung zwang, stand zu deutlich bei ihm ausgeprägt, um von der stolzen Dame übersehen zu werden. Empört richtete sie fich auf.
„Ans dieser Hand nehme ich nichts entgegen. Menschenblut klebt daran!" rief fie erregt.
Er schaute sie fast entsetzt an, dann stieg dunkle Röte in seinem Gesichte auf, und zornig schleuderte er das Schmuckstück zu Boden. Dann ging er, ohne fie eines Blickes zu würdigen, hinaus. Mau wußte in diesem Augenblicke nicht zu unterscheiden, waS größer war, Marinas Erstaunen oder ihr beleidigt« Stolz. Die Herzogin aber richtete sich auf dem Divan im Innern, des Frauengemaches halb empor und rief Marina zu:
„Da hast Du einen Beweis von „Verbrecherehre" !" Zornesttänen traten der stolzen Edeldame in die Augen.
Fortsetzung folgt.)