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M 63.

fttlda, Mittwoch, beit 18. März 1903.

30. Jahrgang.

.* Professor und Schuhmacher.

In der hessischen zweiten Kammer wurde jüngst von dem antisemitischen Abg. Köhler, der Bürgermeister eines kleinen Marktfleckens ist, die Forderung erhoben, daß an der Universität Gießen neben der bestehenden Professur für Nationalökonomie noch eineordentliche Professur für Ncktionalökonomie des physiokratischen Systems " errichtet werde. Er dachte dabei an die Berufung des bekannten agrarischen Professors Ruhland und griff den gegenwärtigen Inhaber des national­ökonomischen Lehrstuhls in Gießen, Professor Biermer, wegen seinermanchesterlichen Einseitig­keit" scharf an. Herr Köhler blieb nicht allein; 35 von den 50 Mitgliedern der Kammer brachten einen Antrag ein:" In Erwägung, daß es im volkswirtschaftlichen Interesse liegt, daß auf der Landesuniversität auf dem Gebiete der National­ökonomie die verschiedenen wissenschaftlichen Strö­mungen angemessene Vertretung finden, die groß­herzogliche Regierung zu ersuchen, neben der be­stehenden Professur eine weitere Professur für Nationalökonomie zu errichten, in welcher die agrarwissenschaftliche Richtung ihre Vertretung findet." Auch nationalliberale Abgeordnete unter­schrieben den Antrag.

Dieser Vorgang hat bei der liberalen Presse großen Zorn erregt. Sie schreit wieder einmal, daß dieFreiheit der Wissenschaft" bedroht sei und spottet über Herrn Köhler und die übrigen Antragsteller. Willkommenes Material hat ihr Professor Biermer geliefert, der ein Pamphlet gegen Ruhland veröffentlicht hat, worin er dessen wissenschaftliche Wandlungen und persönlichen Erlebnisse in wenig kollegialer Weise schildert. Herr Ruhland ist nicht unser Mann; wir haben ihn nicht zu verteidigen, sondern überlassen das chm selbst und dem Bunde der Landwirte. Aber wir finden es sehr unschön und unvornehm, daß gerade Professor Biermer es unternimmt, ihn zu vernichten". Er hätte das billigerweise einem andern überlassen können, denn jetzt gewinnt es doch allzu sehr den Anschein, als habe er einen gefürchteten Konkurrenten aus dem Felde schlagen wollen. Ein Gelehrter, d er sich seiner Würde und seiner wissenschaftlichen Bedeutung bewußt ist, greift nicht zu solchen Mitteln, um dieKon­kurrenz" eines andern fernzuhalten. Die Presse, die das von Biermer gelieferte Materialaus­schlachtet", steht auf derselben Höhe der wissen­schaftlichen Unbefangenheit.

Was für eine Persönlichkeit Ruhland ist, darauf'kommt es gar nicht an. Diejenigen, die auch die agrarwissenschaftliche Richtung an der Universität vertreten wissen wollen, haben sich mit ihm nicht identifiziert. Ist er nicht brauch­bar für den Lehrstuhl, so folgt daraus noch keines­wegs, daß die Forderung eines neuen Lehrstuhles unberechtigt ist. Die liberale Presse aber behauptet dies ohne weiteres. Was Professor Biermer lehrt, ist in ihren Augen alleinWissenschaft. Wer etwas anderes lehren will, ist kein Vertreter der Wissenschaft, sondern nichts als ein Parteimann, und da er kein liberaler Parleimann ist, auch selbstverständlich ein Charlatan. Als ob die

Mtionalökonomie eine exakte Wissenschaft wäre wie die Mathematik, und nicht die verschiedensten wissenschaftlichen Richtungen mit vollem Rechte in ihr vertreten wären. Herr Köhler mag sich schlecht ausgedrückt haben, indem er einen Ver­treter des wiffenschyftlich Überwundenenphysio­kratischen Systems" verlangte, aber daß auch die agrarwiffenschaftliche Richtung ihre Vertretung finde, ist ganz berechtigt. Die liberale Presse würde ganz anders urteilen, wenn ein ausge­sprochener Agrarier den Gießener Lehrstuhl inne hätte. Dann würde sie lebhaft der Forderung zustimmen, daß auch ein liberaler und minder agrarischer Nationalökonom berufen werde, und durchaus nicht zugeben, daß es üur eine einzige einheitliche nationalökonomifche Wissenschaft gebe.

Herr Köhler sagte in der hessischen Kammer, er stehe der Nationalökonomie ungefähr gegen­über wie seinem Schuhmacher! Wenn ihn sein Schuh drückt, so verlange er, daß der Schuh­macher ihn ändere, bis er passe; und wenn ihm als Bauer ein Nationalökonom nicht paffe, so fordere er einen anderen. Das ist nun allerdings recht ungeschickt und wenig respektierlich ausge­drückt, sodaß die liberale Presse leicht Spott hat. Aber handeln die Liberalen tatsächlich anders? Schon daß sie sich dem Verlangen nach einer angemessenen Vertretung der agrarwissenschafl- lichen Richtung widersetzen, beweist ja, daß sie genau wie Herr Köhler sagen: Wenn mir eine Wissenschaft nicht paßt, hinweg mit ihx! Und dann brauchen wir uns nur an die protestan­tischen Theologie-Professuren zu erinnern. Welcher Lärm wird erhoben, wenn die gläubigen Pro­testanten auch Dozenten ihrer Richtung verlangen oder wenn gar neben einem liberalen Theologie­professor einpositiver" angestellt wird. Dann wird gehöhnt über dieStrafprofeffur" und ohne weiteres die Wissenschaftlichkeit allein für den liberalen Professor in Anspruch genommen. Zn anderen Fakultäten, namentlich in der Medizm, herrscht dieselbe wissenschaftliche Unduldsamkeit.

DieFreiheit der Wissenschaft" führen die Liberalen im Munde, aber es muß immer die Wissenschaft sein, die sie meinen. Verlangt eine andere Richtung ebenfalls zu Worte zu kommen, so ist das einAttentat" auf die Freiheit der Wissenschaft". So sind es tatsächlich die Libe­ralen, die den Professor wie den Schuhmacher behandeln.

** Das Befinden des Abg. Dr. Frei­herrn von Heereman hat sich besorgnis­erregender Weise verschlimmert. Heute früh wurde folgender Krankheitsbericht ausgegeben: Die Nacht war unregelmäßig mit Fieberp'hanta- sien. Die Morgentemperatur war 37,8, die Herztätigkeit unregelmäßig und schwach: demnach schlechter wie gestern". Im Lauf des Tages

k

Berlin, den 17. März 1903.

hat sich das Befinden nicht gebessert. Die Kräfte nehmen ab.

** Regierungspräsident v. Brandenstein hat, wie die,Preuß. Corresp. schreibt, ehe er sein Abschiedsgesuch eingereicht, den Wunsch gehabt, dem Kaiser persönlich in seiner Angelegenheit Vortrag halten zu dürfen, hat aber die erbetene Audienz nicht erlangen können. Da Herr Brandenstein bei Einreichung seines Abschieds­gesuches einen Antrag auf Bewilligung der gesetzlichen Pension nicht gestellt hat, ist seine Stellung zur Disposition anstatt der Verab­schiedung entgegen der Auffassung eines Teils der Presse keineswegs ein unfreundlicher Akt, sondern eher das Gegenteil eines solchen.

**' Herr Endell sieht sich durch Zeitungs­meldungen über die bevorstehende Maßregelung von Beamten der Posener Land Wirtschafts­kammer veranlaßt, in der Presse das Wort zu ergreifen, um festzustellen, daß seine Person mit diesem Verfahren nichts zu tun habe. In der Tat zeigt seine Erklärung aber nur wieder, wie merkwürdige Zustände in der Verwaltungseiner" Kaffe geherrscht haben. In der Erklärung des Herrn Endell heißt es:Es ist wahr, daß seitens der königlichen Regierung zu Posen gegen den Generalsekretär Eberl das Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist. Es ist nicht wahr, daß meine Person mit diesem Verfahren irgend etwas zu tun hat. Im März 1901 stellte ein Mitglied der Kammer den Antrag, Eberl die Leitung des Landwirtschaftlichen Zentralblattes', des offiziell en Organs der hiesigen Kammer, welches Eberl in eigener Regie und eigener Geldverwaktung hatte, abzunehmen, weil es schlecht geleitet sei. Eberl berichtete der Plenarversammlung, daß die Leitung des Blattes sehr schwierig sei, und daß er in den zwei Jahren seiner Verwaltung stets Geld zu- gelegi und jährlich viele hunderte Mark aus der eigenen Tasche zugesetzt habe. Nachträglich ist durch Zeugen feftgestellk mordest, daß Eberl in jedem Jahre 34000 Mk. Reingewinn gehabt Hai. Als der jetzige Vorsitzende der Landwirt­schaftskammer Einsicht in die Bücher forderte, verweigerte Eberl dieselbe und hat diese Bücher, die zweifellos Eigentum der Kammer waren, bei Seite geschasst. Was"ssre Kässenangelegenheit angeht, so teile ich mit, daß der Kaiser im No­vember v. I. Allerhöchst entschieden hat, daß ich in meinen Handlungen als Vorsitzender der Po­sener Landwirtschaftskammer die Standesehre, des Offiziers nicht verletzt habe. Diese Allerhöchste Entscheidung ist und bleibt für mich maßgebend." Um die Entscheidung, auf die Herr Endell sich beruft, beurteilen zu können, müßte man ihren Wortlaut kennen.

* Im Präsidium des Abgeordueteu- hauses soll eine Stellvertretung eingerichtet werden. Bekanntlich ist der erste Vizepräsident Freiherr v. Heereman schwer erkrankt, und der zweite Vizepräsident Dr. Krause ist für einige Tage verhindert, an der Sitzung teilzu­nehmen. Deshalb soll nun auf Wunsch des Präsidenten v. Kröcher ein Stellvertreter für den erkrankten ersten Vizepräsidenten Dr. Frei­herr v. Heereman bestellt werden. Der Senioren­

konvent des Abgeordnetenhauses wird daher am Mittwoch zusammentreten, um einem Anträge seine Zustimmung zu geben, der dahin geht, den Abgeordneten Dr. Porsch zu ermächtigen, für die Dauer der Behinderung des Frhr. v. Heere­man die Funktionen des ersten Vizepräsidenten zu übernehmen und auszuüben.

* Totale Verwirrung aller sittlichen Begriffe findet es neuerdings die halbamtliche Leipziger Zeitung' in der Art und Weise, wie gewisse Schichten der Bevölkerung,die übrigens ziemlich hoch hinauf reichen" die Ehe­irrung im sächsischen Königshause ausgenommen und breitgetreten haben. In ernsten, würdigen Worten richtet das halbamtliche Blatt ein Mahnwort an das Sachsenvolk", dem man im großen und ganzen nur beitreten kann. Statt in dem Vorfall ein unverschuldetes Unglück des Königshauses in alter Sachsen­treue mitzuempfinden, gewährte es manchen eine Art förmlicher Berauschung, die Verantwortung von der Schuldigen ab auf das Königshaus zu wälzen; als ob die unglückliche Frau, die sich selbst vergaß, ein Opfer freien Menschentums und nicht ihrer Schuld gewesen sei. Das un­begreiflichste aber war das Bestreben, mit solcher Inschutznahme der Schuldigen dem Katholi­zismus in Sachsen zu schaden; als ob nicht umgekehrt gerade die traurige Tatsache selbst un­endlich mehr dem Katholizismus, als dem Pro­testantismus, mehr dem katholischen Königshause, als dem evangelischen Volksteil schaden müsse. Dieses Mahnwort an das Sachsenvolk kann als an alle Zeitungsleser gerichtetgelten. Nur das Sensationsbedürfnis der liberalen und unparteiischen Presse hat den sächsischen Fall so gründlich ausgebeutet. Der Katholik sollte nur ein Blatt halten, das sich von solcher Sensations­mache fernhält, wie es unsere katholische Presse Gott fei Dank! noch tut.

** Der Vorstand des evangelischen Bundes hat am 10. und 11. d. Mts. in Halle getagt und eine Eingabe an den Bundesrat gegen die Aufhebung des § 2 des Jesuitenqesetzes beschlossen. Auf den Inhalt dieser Eingaben brauchen wir wohl nicht näher einzugehen. Es ist dasselbe Gemisch von Unwahrheit und Heuchelei, das wir seit langem kennen: Die Nstramontanen taugen nichts, die römische Kirche taugt nichts, die Jesuiten taugen nichts; die Protestanten, ins­besondere die evangelischen Bündler sind flieh» liebend und frei vo» jeglicher Uudyldsamkeir. Wie den.Dresdener Nachr.' aus Berlin geschrieben wird, will die sächsische Regierung für die Aufhebung des § 2 stimmen. Bisher wurde immer das Gegenteil berichtet und das ist auch entschieden glaubhafter. Wäre wirklich die sächsische Regierung für die Aufhebung, so wäre die Mehr­heit dafür gesichert und der Reichskanzler sollte sich beeilen, dem ganzen hetzerischen Spuk durch Herbeiführung der Entscheidung möglichst rasch ein Ende zu machen.

** Die Ltipcudieu des dentschen Ost- marken-Bereins sind, wie berichtet wird, dies­mal zu 20 Prozent an Katholiken gegeben worden. Im ganzen wurden 26 Beihilfen in Höhe von

Der Rand auf der DnWurK.

Originalerzählung aus der Geschichte der ehemangen Jülicher Lande von Aleca Ruth.

36:---- (Nachdruck verboten.)

Das Fraueugemach zeigte eine für d e damalige Zeit äußerst reiche Ausstattung. Golddurchwirkte farbenprächtige Teppiche bedeckten die Wände und bt n steinernen Fußboden. Inmitten des Gemaches i'and ein mit reichem Schnitzwerk und eingebrannten Orna­menten versehener Tisch, während der längst der Wand binlausende Divan mit einer goldourchwirkten Decke aus arabischer Seide belegt war. Dem Eingänge gegenüber stand der Kamin, der mit seinem Schlot- mantel sich weit und bauchig vordrängte. Eine Fort­setzung des Gemaches nach der Schmalseite bildete die Estrade, die mit dem glänzenden Grün der Blatt­pflanzen völlig überwuchert war. Zu dieser hinauf führte vom Burghof aus eine Treppe, welche in eben dem Augenblicke der Graf di Pauli erstieg, als Omar sich von seinem Fenster weg dem Innern des Zimmers zuwandte. Er war überrascht, als der Gras bei ihm eintrat und ihn freundlicher denn je anredete.

Ihr habet noch nichts genossen, junger Freund, wurde mir soeben bekannt. Erlaubt, daß ich mich mit Euch zu Tische lade" und er winkte dem Diener, der ihm mit Speisen und Getränk folgte, den Tisch zum Male herzurichten. Omar ward dunkelrot vor Befangenheit; denn nur allzudeutlich war aus des Grasen Benehmen zu ersehen, daß er die Ursache wußte, warum sein Gast dem gemeinschaftlichen Mahle semgedlieben. Aber des Grafen ungeminderte Freund­lichkeit und dessen Taktgefühl, über peinliche Momente hinwegzugehen, erwarben ihm des Jünglings Ver­trauen voll und ganz. Alsbald schwand der düstere Ernst von seiner Stirne, er lat nach dem Beispiel des Grafen und mit ungeschmälertem Appetit.

Gegenstand dec lebhaftesten Erörterung bildete der bevorstehende Krieg.

Die ausgesandten Boten brachten soeben die Nachricht," begann der Graf,daß Herzog Wenzel bereits mit seinem Heere aufgebiochen und demnächst in die Jülicher Lande einfallen dürfte. Für diesen Full sind wir vorbereitet und haben alle unsere Streitkräfte gesammelt. Wir erwarten bloß noch die Dürener und die Söldnerschar des Fürsten von Jbichau. Doch hat man allen Grund zu glauben, daß die Königs­burger noch auf Fehde sich befinden. Was erschrecket Ihr, mein Freund? Kennt ihr den Königsburger?"

Mit feinem Namen taucht ein verlorenes Glück meiner Vergangenheit vor meinem geistigen Auge auf," versetzte Omar gefaßt,die Königsburger, sch hörte von ihnen, find eine tapfere Schar."

Darum vermissen wir ihre Anwesenheit. Doch gibt der Herzog die Hoffnung nicht auf, daß fie auf dem Marsche noch zu uns stoßen. Die Dürener erwarten wir spätestens vor Anbruch des neuen Tages." Dann legte der Graf unvermutet die Hand ans des Jünglings Arm.Mein junger Freund, Ihr scheuet es von der Vergangenheit zu reden, und dennoch wäre es, in Euerem Interesse geraten, wenn Ihr dies verhängnisvolle Schweigen brächet und Euer Unglück denn nur als solches kann ich Euere Verirrung bezeichnen, mir erzählet. Ich mißtraue Euch nicht," fügte er bei, als er Omär zusammen­zucken sah,aber nicht alle beßtzen meine lieber- zeugungstreue, denn fie stehen Euch fern, also redet und sprechet Euch frei vorn Drucke." Omar wußte, daß diese Forderung einmal an ihn herantreten würde und war fest entschloss-!,, feine Beziehungen zu der schwarzen Bande nicht zu offenbaren.

Ohne ihu mit einem Worte zu unterbrechen, lauschte der Graf seinen vielfachen Schicksalen und fühlte ein tiefes Mitleiden mit dem unglücklichen, fteund- und heimatlosen Jüngling, seine Teilnahme für ihn stieg umso höher, da auch der letzte Zweifel an seiner Ehrenhaftigkeit an ihn schwand.

Ich danke Euch," sprach er ausstehend,Ihr habt mir den schönsten Beweis Eueres Vertrauens gegeben. Meine Freundschaft und meine Hülfe, wenn es Not tut, jst Euch sicher."

Ich lerne wieder an die Menschheit glauben," versetzte Omar tiefbewegt,wäre es mir nun noch vergönnt, für des Herzogs Sache auf dem Felde der Ehre zu verbluten, dann wollte ich diesen Abschluß meines Lebens als den schönsten begrüßen." Der Ritter sah finnenb vor sich hin.

In dieser Zeit tüt jeder starke Arm Not, doch bezweifle ich, daß diesem Eurem Begehren Folge ge­geben werden kann. Indessen will ich meinen ganzen Einfluß bei dem Herzog verwenden und ein Weiteres für Euch erwirken. Kommet nun und begrüßet die Herzogin und meine Tochter." Er schritt dem Jüng­ling voraus, ohne auf dessen Erbleichen zu achten, und schob den Vorhang znm Frauengemach zurück. Dieses durchschritten sie und gelangten zur Estrade. Die Herzogin malte und zeichnete noch immer in ihrem Buche, während Marina auf der Marmorbrüstung saß und Blumenblüten auf ihrem Schoß achtlos zerpflückte. Bei dem nahenden Geräusch von Schritten richtete fie ich zu ihrer ganzen stolzen Größe auf und erwartete den verachteten Feind.

Hier bringe ich Euch meinen jungen Freund und Lebenserretter," begann der Graf herzlich,werdet mit ihm bekannt und lernet ihn kennen, wie ich ihn lenne und schätze."

Das Srfterc," fiel Marina mit scharfem Worte ein,geschah unsererseits am Walde auf der Jülicher Landstraße." Omar ward dunkelrot und seine Augen blitzten zornig zu ihr hinüber, aber der Gras nahm ihn beim Arm und führte ihn vor die Herzogin.

Diese reichte chm herzlich die Hand entgegen, die er kaum berührte.

Seid mir willkommen, Omar Teskereh," redete ie ihn freundlich an,möget Ihr Euch unter dem Dache der Herzogburg wohl fühlen. Wir genießen hier selber die Gastfreundschaft des Herzogs, und können

Euch nur das gewähren, was wir selber empfangen. Meine Burg liegt einsam

Auf der kahlen Hochebene nahe dem Vichtbach," vollendete er kurz und rauh, und seine Blicke ruhten fast drohend auf ihr. Sie zog erstaunt die feinen Brauen empor. Was bedeutete dieser rauhe Ton? Das klang ja säst wie eine Drohung.

Kennt Ihr denn die Herzogburg?" fragte sie ziemlich mißtrauisch.

Jawohl," lautete die kurze Antwort und dann blieb er allen liebenswürdigen Bemühungen der Herzogin und dem Grasen gegenüber steif und fast unheimlich in feinem düsteren Schweigen. Diese Frau wollte er hassen und nun schickte fie ihr unschuldvoller Lächeln gegen den Wall, der sein Herz umgürtete, und machte ihm den Glauben an ihre Verworfenheit so schwer. Welche Bosheit und Verschlagenheit mußte in einem Ge schöpfe wohnen, das über seine innere Verworfenheit einen solchen Schein der Schuldlosigkeit zu werfen verstand.

Er beobachtete fie schweigend, wie sie mit dem Grafen plauderte und da schien es ihm, als ob trotz aller äußeren Heiterkeit, trotz dem Frohsinn ihres Wesens ihr fröhlich plaudernder Mund in herbem Weh zusammenzuckte, als erzähle der müde verschleierte Blick eine unvergeßliche Geschichte.

Mit schnellem Seitenblick nahm zuweilen Mch die Herzogin von ihm Notiz, aber jedesmal erschauerte fie unter dem drohenden Blitz, der aus seinen Augen fie traf. Es war derselbe durchbohrende beängstigende Blick, womit er in jener schrecklichen Stunde auf der Landstraße die Schußwaffe nach ihr gerichtet. 83ew sie sich doch dieser rätselhafte Wesen erklären könnte. Im weiteren Verlaufe des Gespräches gab die Herzogin der Besorgnis Ausdruck, ob die Herzogburg bei dem ausbrechenden Kriege genügend Sicherheit für schutz­lose Frauen biete.

Mehr als daheim auf der einsamen Burg," ver­sicherte d« Graf,Deine Gelder find in unser« Schatz - gewölbe in Sicherheit, Deine übrigen Kostbarkeiten hergeschafft und unter Verschluß