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Drulk und Verlag der ZuldaerActiendruckerei in Hulda (Harmonie).

Fernsprecher Nr. 9.

M «2.

fUldd, Dienstag, den 17. März 1903.

30. Jahrgang.

Ser Rimb auf der Köuigsdurg.

Originalerzählung aus der Geschichte der "ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.

35 ------- (Rachdrnck »erbaten.)

Unbewußt drängte er voran, als müsse er mit den blinkenden Lanzen zu Kampf und Sieg ziehen.

Argwöhnisch beobachteten ihn die Umstehenden. Er -trat schnell zurück, da fiel ihm das lautlose Schweigen der Menge auf. In reicher Pracht defilierte der Frauenzug, an der Spitze die Herzoginnen, vorüber. Er fühlte ein kaltes Augenpaar durchbohrend auf fich ruhen, welches die Spannung sah, womit er den Mar­schall verfolgte, auch sein Zusammenschrecken sah, als er fie nun gewahrte. Es war die Nichte der Herzogin von Palmire! Bestürzt wollte Omar, eine Entdeckung fürchtend, zurückweichen, da sah er ihren Arm nach ihm herdeuten, und ein Ruf schlug an sein Ohr, der ihn erschauern ließ: „Räuber!" Entsetztwollreer fich den Weg durch die zusammengestaute Menge bahnen, da packten ihn nervige Arme und zwangen ihn zurück. Eine Bewegung entstand, Lärm und Rufen, aber ganz deutlich hörte er die aufgeregten Worte:

„Tante, da ist der Räuber, der unsere Juwelen nahm." Er sah sich in einer furchtbaren Lage, und die erbitterte Volksmenge hätte ihn gelyncht, wen« nicht ein starker Arm ihn unter den Fäusten der Wütenden hervorgeholt hätte. Da erschienen schon die herzoglichen Diener und ein Hauptmann und nahmen den Jüngling auf Befehl des Herzogs gefangen. Sein Sttäuben und Wehren hatte nur den einen Erfolg, daß ihm Handschellen angelegt wurden und der tiefste Setter sich ihm öffnete. Als die Diener ihn hinweg­schleppten, fiel sein Blick auf den Mann in höfischer Tracht, der ihn dem wütenden Pöbel entrissen. Der stand rnhig und kalt und sandte ihm einen Blick nach, der Omar trofe seiner verzweifelten und gefährlichen Lage noch hoffen ließ.

Vie Lage Oesterreichs.

In Folge der nationalen Kämpfe in Oester­reich und namentlich in Folge der" hochverräteri­schen Los von Rom-Bewegung, die nach dem Zeugnisse des Erzherzog-Thronfolgers in Wahr- heü eine Los von Habsburg-Bewegung ist, hat man sich innerhalb und außerhalb' des Donau- reiches vielfach an eine gewisse Schwarzseherei ge­wöhnt. „ Daß die Länder der Habsburgischen Krone über kurz ober lang auseinanderlallen müssen, gilt bei vielen Politikern — und nicht nur solchen, die dem stammverwandten Reiche feindlich gesinnt sind, für eine ausgemachte Sache. Zn der Tat werden gerade aufrichtige Freunde Oesterreichs zu allerletzt geneigt sein, die Gefähr­lichkeit der inneren Feindseligkeiten in der Habs­burgischen Monarchie gering zu achten. Aller- dmgs ist in der Los von Rom-Bewegung als solcher ein unverkennbarer SÄllstand einge- Feindschaft zwischen Schönerer und Wolf und die unsauheren Geschichten, die bei

Streite ans Tageslicht gekommen sind, waren natürlich nicht geeignet, die „alldeutsche" Bewegung zu fördern. Aber man darf sich frei­lich keiner Täuschung darüber hingeben, daß hier­mit die Bewegung noch keineswegs überwunden rst. Vielmehr zeigten die Begleiterscheinungen des alldeutschen Bruderkrieges nur zu deutlich, ba^ weite Kreise der deutschen Bevölkerung Oesterreichs wie ihrer Kirche und dem Staats­gedanken, so auch den sittlichen Grundsätzen, welche die Kirche aufstellt, innerlich schon der­maßen entfremdet sind, daß sie selbst durch die gegenseitigen moralischen Hinrichtungen der all­deutschen Führer nicht allzu tief berührt werden konnten. Was aber noch näherliegende Besorg­tste weckt, ist der Umstand, daß in Verwaltung und Justiz immer mehr jene unzuverlässigen und innerlich korrumpierten Elemente Hineingelagen, die aus den liberalen und alldeutschen Studenten- Vereinigungen an den Hochschulen hervorge- Dangen sind.

Weiter soll auch keineswegs verkannt werden, welche Gefahr für den ungeschmälerten Bestand der Großmacht der Habsburger aus dem politisch gänzlich korrumpierten Ungar lande droht. Die Art, wie gegenwärtig die Koffuth - Partei die Wehrvorlage bekämpft, wie sie die Volksleiden- fchaften aufwühlt und zu feindseligen Kundgebun­gen gegen die Herrschaft der Habsburger in Un­garn aufreizt, ist in der Tat nicht geeignet, das Vertrauen auf das Magyarenvolk als Stütze des Gefamtreiches zu stärken.

Trotzdem möchten wir nicht in den Chorus derjenigen einstimmen, welche Oesterreich-Ungarn für unrettbar dem Untergänge verfallen erklären. Zunächst ist doch nicht zu bestreiten, daß die innere Lage Oesterreichs sich unter dem Regime

des gegenwärtigen Ministerpräsidenten Dr. von Körber entschieden gebessert hat. Mehr aller­dings durch geduldige Beharrlichkeit und geschmei­dige Gewandtheit als durch Festigkeit und ener­gisches Draufgehen hat Herr v. Körber eine ganze Reihe gefährlicher Klippen klug umgangen und das Parlament aus seiner Arbeitsunfähigkeit wieder aufgerüttelt und auch die Parteien an ein größeres Maß von Besonnenheit gewöhnt. Wohl durfte er vor einigen Tagen im Parlamente ausrufen: „Oesterreich ist! Das ist die große Wahrheit, in deren Namen wir den Staat verwalten. Wir werden über die Schwierigkeiten hinwegkommen!" Dieses Wort hat bei allen guten Oesterreichern freudigen Anklang gefunden. Es ist ja schon viel gewonnen, wenn nur der stumpf vor sich hin­brütende , tatenlose Pessimismus überwunden ist. Das Wort zeigt auch, daß Herr v. Körber, trotz der Vorsicht und zuweilen als Schwäche erscheinenden Geduldigkeit seiner Politik Energie genug besitzt. Daher darf man hoffen, daß er auch noch des Eindringens alldeutscher Elemente in die Verwaltung Herr werden oder dafür sorgen wird, daß sie keinen Schaden anrichten können. Die straffe, flott, und sicher arbeitende Ver­waltungspraxis, die er in den Staatsämtern ein­geführt hat, rst in dieser Beziehung eine gute Vorbedeutung. Von dem „östereichischen Schlen­drian" kann man mit Bezug auf die heutige Verwaltung nicht mehr sprechen.

Was aber Ungarn angeht, so werden alle vernünftigen Elemente sich schon zu rechter Zeit besinnen, daß Ungarn ohne Verbindung mit Oesterreich ein Kleinstaat wäre, der sich der slavischen Umklammerung nicht erwehren könnte. Von außen aber droht Oesterreich-Ungarn keine Gefahr, solange es in sich selbst gefestigt bleibt. Die Alldeutschen machen im Deutschen Reiche zwar auch viel Geschrei, haben aber gar nichts zu bedeuten. Kein Zurechnungsfähiger nimmt sie ernst. Auch Rußland wird Oesterreich nicht angreifen, solange dieses seine Slaven im Zaume zu halten weiß. Es kommt also. Alles in Allem, auf die politische Leitung Oesterreichs selbst an, wie seine Zukunft beschaffen sein wird.

Berlin, den 16. März 1903.

** Der Kaiser begibt sich morgen, Dienstag, nach Dresden, um dem Könige Georg von Sachsen seinen Gegenbesuch abzustatten. Die An­kunft auf dem dortigen Hauptbahnhofe erfolgt um 3 Uhr nachmittags, die Rückreise nach Berlin ist auf 8 Uhr abends angesetzt. Der Besuch des Kaisers auf der Wartburg bei Eisenach, welcher seit Jahren in den letzten Tagen des Monats April zu geschehen pflegte und den Auerhahn- jagden in den Forstrevieren des Großherzogs ge­widmet war, wird in diesem Jahre ausfallen und zwar mit Rückficht auf die Ende April statt-

Jn dem Hauptsaale des Palastes, der Kemnate, *) wohin die fürstlichen Frauen und Edeldamen zurück­gekehrt waren, stand jener Unbekannte vor der zum Mittel­punkte des Gesprächs geworbenen Nichte der Herzogin.

„Unglückselige! Was tatest Du?" Diese schaute ihn in stolzer Verwunderung an.

„Was ich tat? Ich überlieferte den Verbrecher der Gerechtigkeit. Ich setze voraus, daß auch mein Vater mir die Anerkennung nicht versagt."

„Nein!" rief er erregt, „die Anerkennung Deines Vaters hast Du nicht. Derjenige, den Du der Ge- rechtigkeit mit so viel Genugtuung überliefert hast, ist mein Lebensretter, der einzige Mensch, dem ich zu unauslöschlichem Danke verpflichtet bin. Ich muß in diesem Augenblick noch zum Herzog und Gnade für ihn erwirken." Und ereilte hinaus.

»Ich fasse die Güte meines Vaters nicht," sagte fie zu der herzukommenden Herzogin, ihres Vaters Schwester, „er glaubt fich einem Räuber verpflichtet. Ich Haffe, daß der Herzog deu Gnadeuakt verweigert."

Der Ritter stand vor dem Herzog.

„Mein Fürst, Gnade für einen Unglücklichen!" und er sank ihm zu Füßen.

»Wie, Herr Ritter, gnadeheischend und zu meinen Füßen?" rief der Herzog verwundert aus, „hebet Euch empor, Euer Platz ist an meiner Seite."

„Nicht eher, bis Ihr Gnade gesprochen und Euer fürstliches Wort mir verpfändet."

»Wer ist's, für den Ihr bittet? — Euch soll Ge­währung werden!"

„Ein Räuber! — aber ich bin sein Schuldner. Edeler und mutiger wie er kann kein Ritter Eure» Landes an mir handeln." Die anwesenden Fürsten schüttelten mißbilligend die Köpfe und sahen erwartungs­voll den noch immer schweigenden Fürsten an. Der Ritter aber fuhr überzeugend fort:

*) Kemnate hatte auch im Mittelalter die Be­deutung eines kleineren Frauevgemaches, welches an der Viebelseite des Palastes (agj

findende Vermählung des Großherzogs Wilhelm Ernst mit der Prinzessin Karoline von Reuß ä. L. Dagegen wird die Teilnahme des Kaisers und der Kaiserin an den Vermählungsfeierlichkeiren für das genannte Fürstenpaar bestimmt erwartet. Die Hochzeit findet am 28. April statt. Von da geht der Kaiser mit der Kaiserin nach Rom.

** Der deutsche Kronprinz ist, wie schon telegraphisch gemeldet, in Luksor in Egypten von den Masern befallen worden. Die Krank­heit nimmt, wie bei dem Prinzen Eitel Friedrich, einen normalen Verlauf. Der Kaiser hat an­geordnet, daß ein Arzt und eine Krankenschwester aus Alexandrien nach Luksor abgehen. Die An­steckung des Prinzen Eitel Friedrich soll in Bonn auf einem Kommerse erfolgt fein. Zu diesem war ein Student, unmittelbar und ohne sich umgekleidet zu haben, aus dem Zimmer seiner an den Masern erkrankten Schwester gekommen. Infolgedessen liegen in Bonn 6 Teilnehmer jenes Kommerses krank danieder. Der Kronprinz hat sich jedenfalls erst von seinem Bruder angesteckt.

.* Der Kriegsminister General v. Gossler soll, wie der ,Königsb. Hart. Ztg.' berichtet wird, amts müde fein und nicht mehr lange auf seinem Posten bleiben wollen. Schon bei dem Amtsantritt des Ministers Budde wollten einige Blatter wissen, daß der Kriegs­minister nicht mehr lange in seinem Amte bleiben werde. Bei den jüngsten Erörterungen über die Krupp'schen Preise fiel es auf, daß Herr v. Goßler die Angriffe sehr gewagt zurückwies. Man hatte schon früher wissen wollen, daß der Kaiser diese und andere Dinge nicht ganz so beurteile wie der Kriegsminister. Was an diesen Ge­rüchten und Meldungen ist, vermögen wir nicht zu beurteilen.

** lieber das Befinden des Abg. Dr. Frhr. v. Heereman wurde von dem behandelnden Arzte heute Montag früh folgender Bericht aus­gegeben: Nacht unruhig mit leichten Erregungs­zuständen. Herztätigkeit wieder regelmäßig. Temperatur gestern Abend 38,5, heute Morgen 37,6. Nahrungsaufnahme genügend. Subjek­tives Befinden: große Mattigkeit.

Der .Vorwärts.' verbreitet nach dem Fas­ler Volksblatt' eine als politisches Geheimnis aufgeputzte Geschichte, wonach dem verstorbenen Professor Franz Xaver Kraus für seine in der,Allg. Ztg.' veröffentlichten „Spektator"-Briefe vom „Reichskanzleramte" seinerzeit eine Summe von 12000 Mark ausgezahlt worden sei; ein Rechnungsbeamter des „Reichskanzleramtes" habe nach dem Tode des Profeffors Kraus di« Rück­zahlung des Geldes gefordert, diese sei von der Freiburger Universität als Erbin verweigert worden, und um „die verräterischen Spuren im Sande zu verwischen", hätten „die Politiker des Reichskanzleramts" die Rückzahlung nachgelassen. Dazu bemerkt die ,Nordd. Allg. Ztg.': „Diese phantastische Erzählung läßt sich auf folgende unpolitische Tatsachen zurückführen: Im Jahre 1901 ist dem Professor Dr. Kraus von Reichs­wegen eine Summe von 12 000 Mk. ausgezahlt worden, selbstverständlich nicht für seine publi­zistischen Privatarbeiten, sondern zu einer archä-

„Aus dem tiefsten Kerker des gefürchteten Raub­nestes hat er mich errettet, mich, der ich tnein Leben schon geendet glaubte, der Freiheit wieder zugeführt. Er hat mir das Leben doppelt wiedergegeben und da» seine der fichersten Gefahr ausgesetzt. Während er mir den Weg zur Flucht zeigte, kämpfte er mit unseren Verfolgern, reichte seine Brust den totbringenden Waffen dar, während meine Brust unter dem Freibeitsodem sich hob. Darum, Gnade, mein Fürst, Gnade für einen Unglücklichen!"

»Ist es jener Jüngling," fragte der Herzog, „den Eure Tochter, die stolze Marina, unserer Gewalt überliefert? — Welch ein Widerspruch! Der Vater fordert zurück, was sein eigen Kind unnachsichtlich uns zugewiesen!"

„Ich sehe nur Erbarmen, wo mein Kind die schwarze Schuld sieht!" rief der Ritter warm.

„Und dennoch, Herr Ritter, Euer Verlangen ist unbillig. Ich soll den Räuber ungestraft fteigeben, jetzt wo das Fünklein überall am Glühen ist, wo die Augen des weiten Reiches auf diesen ungerechten Akt sich lenken würden?" Da rief der Ritter zuversichtlich:

»Und zöge selbst des Kaisers gewaltiges Heer gegen dieses Herzogtum darob zu Felde, ein Fürstenwort erschüttett es nicht. — Und daS besitze ich!!"

Der Herzog sah fich durch sein voreiliges Ver­sprechen gefangen und schaute nachdenklich und äußerst unbehaglich drein.

„Was haltet Ihr davon, Herr Schwager? wandte er fich au den Herzog von Geldern in dieser Ange­legenheit.

„Es ist mcht ratsam," erwiderte dieser, „in unserer bewegten Zeit durch solchen Gnadenakt noch mehr Zwietracht in die Welt hineinzutragen. Wenn der Kaiser uns den Herzog Wenzel zur Ausrottung der Räuberveste hersendet und fich nicht scheut, darob den Krieg heraufz«beschwören, wenn ferner jener Jüngling der Valksjustiz nur wtt Mühe und Not entgangen, bann gewinnt dieser Akt, dessen Vorspiel i» die Oeffent- llchteit z«rückliegt, an unheilvoller Bebeutxng. Gben-

ologischen, kunsthistorischen und kirchengeschicht­lichen Ausgaben bestimmten Studienreise nach Italien und Aegypten. Diese Beihilfe ist nicht geheim gewesen, sondern aus dem offenen Dis­positionsfonds des Reichskanzlers verliehen wor­den. Die Nachweisring darüber findet sich in der dem Reichstage vorgelegten Uebersicht der Reichsausgaben und -Einnahmen für 1901, Seite 597, Nr. 5. Als Professor Kraus schon am Ausgang desselben Jahres in Italien starb, stellte das Reichsschatzamt ordnungsmäßig -Er­kundigungen darüber an, wie weit die angewiesene Summe im Sinne des erteilten Austrages bereits verwendet worden und ob ein ast das Reich zu­rückzuerstattender Betrag verblieben sei. Nach Prüfung des Ergebnisses wurde mit Genehmigung des Reichskanzlers von einer Rückforderung Ab­stand genommen."

% In einem Erlaß der Kolonialabteilung an das Gouvernement von Deutsch-Ostafrika werden bestimmte Wünsche des Kaisers mit bezug auf die Schreibweise in amtliche« Berichten zur Kenntnis gebracht Ter Kaiser hat anläßlich eines Spezialfalles befohlen, daß die Berichterstatter sich einer kurzen und klaren Schreibweise befleißigen sollen. Er wünscht ins­besondere lange, schleppende Sätze und Ein­schaltungen, sowie das Stellen des Zeitwortes an das Ende des Satzes vermieden zu sehen. Der Erlaß verweist dann als auch für die koloniale Korrespondenz geltend auf das, was v. König in seinem Handbuch des Deutschen Konsularwesens' (§ 24) sagt: „Demgemäß soll der Ausdruck in der Konsularischen Korrespondenz klar und ein­fach, gemessen und ernst sein, sich von jedem Niedrigen wie von rhetorischem Pathos fern­halten. Unnütze Umschreibungen und Beiwörter, gesuchte Ausdrücke und Fremdwörter einerseits, Gemeinplätze anderseits sind fernzuhalten. Lange Perioden erschweren oft das Verständnis und sind daher zu vermeiden."

** Der Lübecker Senat erklärte der Bürgerschaft, er werde im Bundesrat gegen Aufhebung des § S des Jesuitengesetzeck stimmen. Ferner beschloß der Schaumburg- Lippische Landtag einstimmig, das Ministe­rium zu ersuchen, im Bundesrat gegen die Auf­hebung des § 2 des Jesuitengesetzes stimmen zu lassen.

*** Ein neues Flugblatt des Bolks- vereins (Soz.-pol. Flugblatt Nr. 26), betitelt: „Was haben die Bauern an der neuen Zollgesetzgebung?" liegt zum Versand bereit und ist für die Orte, an welchen der Volksverein für das kath. Denffchland eingeführt ist, gratis und franko in jeder Anzahl zu beziehen. Das Flugblatt erörtert im einzelnen die voraussicht­liche Wirksamkeit der neuen Getreidezölle, beleuchtet die neuen Bestimmungen bezüglich des Getreidehandels, die Vieh- und Fleischzölle, die Gärtnereischutzzölle und die Erhöhung des Generaltarifs für die meisten landwirtschaftlichen Punkte. Sodann werden die Vorzüge der neuen Zollgesetzgebung vor der alten im allgemeinen gewürdigt.^ Das Flugblatt Nr. 25: „Was haben die Arbeiter an der neuen Zollgesetzgebung"

sowenig aber darf ein Fürstenwort erschüttert werden. Darum mache ich den Vorschlag, den Jüngling seiner Kerkerhaft zu entziehen und bis auf weitere Anord­nung und Verfügung dem Ritter auSzuliefern."

Der Herzog atmete auf, und feine Stimme glättete fich wieder.

„So fei es denn — aber, Herr Ritter, Ihr bürget mir für ihn, bei Euerer Ritterehre!"

Dankerfüllt küßte der Ritter des Herzogs Hand und eilte davon.

In einem feuchten mit Moderluft erfüllten Ver­ließe war Omar eingekerkert. Seine dumpfe hoffnungs­lose Stimmung konnte unmöglich einen noch höheren Grad erreichen. Da hörte er wie Schritte fich dem Kerker näherten und im Glauben, daß dies der barsche Kerkermeister sei, wandte er sich nicht einmal um. Die schwere Eisentüre ward schnell und geräuschlos geöff­net, und dann trat jemand über die Schwelle und blieb lauschend stehen. Omar wandte fich erstaunt nach der Türe und sah eine hohe Gestalt, die er in dem herrschenden Dunkel nicht erkannte.

„Tritt näher, Jüngling," redete ihn der Unbekannte an „ich führe Dich der Freiheit zn." Omar glaubte zu träumen und erwiderte:

„Wer seid Ihr, daß Ihr nicht zurückschreckt, mit trügerischer Hoffnung ein verzweifeltes Gemüt zu er­füllen?" Da stieß jener den Holzladen, der das Lug­loch versperrte, zurück, so daß das helle Tageslicht hereinströmte und ihn umfloß. Omar sah eine ehrfurcht­gebietende Gestalt mit weißem, wallendem Barte, die­selbe, die ihn der Volksgewalt entriffen.

„Schaue mich an; wir kennen unS einander?" Prüfend hingen des Jünglings Blicke an der Ritter­gestalt. Eine schwache Erinnerung schien in ihm auf­zutauchen — an ein verheißendes Wort:

»Wtt sehen uns wieder, denke an —" Da kam ihm der Ritter zuvor.

„Ich bin di Pauli! Hast Du meiner vergessen? Dem Leben hattch Du mich wiedrrgegeben, nun führe ich Dich der Freiheü zu. Raffe Dich auf, mein edler