Jahrgang
fuldft, Montag, den 16. März 1903
wie daß mit und
ist, so daß sie es ablehnen, weiter an der beite ihrer schlimmsten Feinde zu kämpfen? Wir wagen es nicht zu hoffen. Aber wer den Vorteil von der Hetze hat, das kann nunmehr feinen Urteilsfähigen mehr zweifelhaft fein.
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*, wer hat de« Dorteil?
In tob auf brr toigebirg.
Originalerzählung aus der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
34 ------- (Nachdruck »ertraten.)
Jonny warf einen schnellen Seitenblick nach dem Jüngling. „In gar keinem, mein Freund, in gar feinem," beteuerte Jonny sichtlich erleichert, „ich floh einfach aus des Ritter- Sold und ließ mich von der schwarzen Bande anwerben. Da ich Dich entwischen ließ, kannst Dn's mir glauben, daß ich da nicht mehr auf Rosen gebettet war." Omar fühlte sich von Zweifeln uud Fragen bedrängt.
„Ich muß Dir gestehen, hier stche ich nicht an meinem Platze. Mein Ehrgeiz ist es nicht, ein Räuber zu sein," Maß er erzürnt.
„Ich beschwöre Dich, sei vorfichttger in Deinen Aeußerungen," raunte ihm Jonny zu, „Du bringst Dich und mich dadurch in Gefahr."
„Ei, wem sollte e- denn einfallen, uns zu belauschen — hier in diesem Ameisennest, wo jeder nur im Geschäfte aufgeht?" Jonny rückte ganz nahe an den Sprecher heran.
„Schau um Dich, schau überall hin," flüsterte er, „Du findest Dich bei jedem Schritt von Mit- gliedern, von Spähern umgeben, sie alle, die dort al- harmlose Arbeit-knechte die Fässer rollen und die Säcke schleppen, hast Du schon neben Dir mit Schwert und Speer gesehen —"
„Diese wären —— „Deine Spießgesellen aus der Felsenhöhle! Wohin Du gehst, wo Du stehst, folgt Mr die allschende Macht. Du bist nicht einmal fähig, einen Gedanken zu fassen, den sie Dir nicht von der Sttrne ablesen."
„Aber warum in aller Welt diese Verwandlung!" sagte Omar, „warum heute friedlich, morgen lider- lich, heute ein frommer Arbeitsmann, morgen ein Bandit?"
Wir haben schon darauf hingewiesen, bedenklich es der Zreuz-Zeitung" erscheint, gläubige Protestanten in Gemeinschaft liberalen, und ausgesprochenen Materialisten .Archenfeinden die Hetze gegen die Jesuiten betreiben. Es will dem konservativen Blatte nicht
in den Sinn, daß der Materialismus eine willkommene Bundesgenossenschaft in einem Kampf ftr das Evangelium fein soll. Und das „Evangelium", „unsere teuere evangelische Landeskirche" und das „Erbe der Reformation" wird
Berlin, den 14. März 1903.
** Die jesuitenfeindliche Presse verbreitet mit steigendem Eifer ungünstige Nachrichten über das Jesuitengesetz. Jetzt versichert ein Blatt sogar „auf Grund eingeholter Erkundigungen", Bayern werde im Bundesrate auch diesmal gegen die Aufhebung des § 2 stimmen. „Auch diesmal"? Hat es das denn schon einmal getan? Die .Deutsche Tagesztg/ glaubt nicht, daß der Reichskanzler die Erledigung der Angelegenheit hinausschieben werde. Nachdem er im Reichstage die Aufhebung in Aussicht gestellt habe, könne er die Sache nicht gut ad calendas Graecas vertagen, ohne eine empfindliche Einbuße an seinem parlamentarischen Ansehen zu erleiden. Das ist richtig, aber was „kann" man bei uns heutzutage nicht alles?
** „Wider den Konfesfionalismns" erhebt die nationalliberale ,Köln. Ztg." ihre Stimme, indem sie namentlich gegen das Verlangen nach konfessionellen Friedhöfen auf dem linken Rheinufer wettert. Darauf erinnert die konservative .Kreuzztg/ das nationalliberale Organ daran, daß imJahre 1885 auch die national- liberale Partei des preußischen Abgeordnetenhauses dem Zentrums - Anträge auf Zulaffung konfessioneller Friedhöfe nicht widersprochen hat in der Erkenntnis, daß der Ausnahme-Zustand, der bezüglich der konfessionellen Kirchhöfe in einem Teile der Rheinprovinz und in Hessen- Nassau besteht, nicht aufrecht erhalten werden kann. Tatsächlich handelt es sich »ämlich, so bemerkt das Hauptorgan der konservativen Partei, um einen Ausnahme-Zustand. Die .Kreuzztg/ führt in dieser Beziehung aus: „In dem ganzen Staatsgebiete hält man das Recht der kirchlichen Gemeinden auf Anlage konfefsio- neller Friedhöfe für selbstverständlich, so weit es nicht durch die Gesetze ausdrücklich gegeben ist. Nur in einzelnen Gebieten jener beiden Provinzen wird auf Grund eines aus der Fremdherrschaft stammenden Gesetzes, des sogen. Prärial- Dekretes, angenommen, daß die.Anlage neuer Begräbnisplätze den Kirchengemeinden nicht gestattet ist. Das wunderbarste an der Sache ist aber, daß dieses Verbot auf die jüdischen Gemeinden nicht anwendbar ist. Eine derartige Zurücksetzung der christlichen Kirchen in einzelnen Gebieten hinter den gesamten übrigen Teilen der Monarchie und selbst hinter den jüdischen Gemeinden in jenen Gebieten erscheint uns auf die Dauer unhaltbar. Wir verkennen keineswegs die Schwierigkeiten, die sich ihrer Beseitigung entgegenstellen. Aber wir halten sie nicht
fürs Leben der schwarzen Bande verfallen. Dein Leben ist verwirkt, sobald Du eine solche Absicht laut werden lässest."
„Ich wüßte nicht, was ich dem geheimen Bunde nützen könnte."
„Darnach fragt er nicht."
„Ei nun, was hält er mich auf Tod und Leben?"
„Du weißt zu viel!" Mit diesem Bescheid mußte er sich begnügen, denn Jonny war von der ersten Stunde an äußerst wortkarg geworden, es schien, als bereue er seine zu große Aufrichtigkeit. Omar indeffen verrichtete mißvergnügt einen Tag um den anderen die ungewohnte Arbeit. Da fiel, wie er eine Kiste vom Boden emporhob, sein Blick auf einen flachen Stein, auf den folgende Worte eingegraben waren: „Omar Teskereh! Am zweiten Tage nachdem Du die- gelesen, mache Dich auf zur Herzogburg. Stelle Dich am südlichen Tore der Burg auf und achte auf die rote TroddA am Marschallstabe."
Betroffen stand Omar und hielt den Stein in der Hand. Wer kannte seinen Stamen, den er sich nicht erinnerte, genannt zu haben? @r sah sich von Rüffeln umgeben.
Da trat ein neues Ereignis ein. Die Kriegs trompeten erschallten im Laude und riefen zum Kampfe gegen die Macht der Raubritter die in den Jülicher Landen ihr Wesen trieben, aber Herzog Wilhelm verwahrte fich gegen den Einbruch in fein Land und rüstete ebenfalls gegen den vom Kaiser ausgesandten Herzog Wenzel. Herzog Wflhelm selber wollte Heerschau über die Scharen halten, und Omar gedachte ebenfalls als Schaulustiger dieser groß» artigen Zeremonie beizuwohnen, vielleicht ergab sich für ihn eine Gelegenheit, sich dem kampfbereiten Heere anzuschließen.
Omar teilte am Abende dem Freunde seinen Enffchluß mit.
„Ich gehe zur Herzogburg, wenn auch mein Herz zerreißt, wenn ich sehen muß, wie wahre Helden
für unüberwindlich, sofern man nicht etwa auf die finanziellen Interessen der Gemeinden en« übertriebene Rücksicht zu nehmen gewillt ist. Wir haben in Preußen viele konfessionell gemischte Gebiete, in denen das Begräbniswesen überwieaartz von den Kirchengemeinden gehandhabt wird. Vo« einer empfindlichen Schädigung des konfessionellen Friedens hat man hier nicht- gehört. Man wird deshalb die allgemeine Zulaffung konfessioneller Friedhöfe nicht gut mit dem Hinweise auf die Möglichkeit der Gefährdung des konfessionellen Friedens bekämpfen dürfen."
*# Die Nationalliberalen haben eine wenig vornehme Manier, ihre Fraktionsgenoffen, die zu Unrecht im Reichstage sitzen, vor der lln- giltigkeitserkljirung ihres Mandates zu bewahren. Als es fich vor einem Jahre darum handelte, die Wahl oes Abg. Prietze zu beanstanden, bezweifelten sie die Beschlußfähigkeit des Hause-. So kam der Reichstag erst Ende April dctzu, die Beanstandung auszusprechen und die Veranstaltung von Erhebungen über die in dem Wahlproteste behaupteten Taffachen zu beschließen. Bis heute sind die Akten noch nicht an den Reichstag zurückgelangt und es ist nicht mehr daran zu denken, daß die Wahl, wie es fich höchst wahrscheinlich gehörte, für ungiftig erkläÄ wird. Herr Prietze sitzt also bis zum Ende dec Legislaturperiode im Reichstage, wiewohl er sein Mandat zu Unrecht besitzen dürfte. Heute sollte über die Wahl des nationalliberalen Abg. Sieg, die den Reichstag schon wiederholt beschäftig hat, entschieden werden. Die Wahlprüfungskommission beantragte die Ungiltigkeitserklärung. Der nationalliberale Abg. Bassermann beantragte aber Absetzung der Wahl von der Tagesordnung und bezweifelte, als der Antrag Widerspruch sand, die Beschlußfähigkeit des Hauses. S« konnte auch heute die Enffcheidung noch nicht getroffen werden. Wenn über diese Wahl überhaupt noch enffchieden wird, so ist jedenfalls das Ende der Legislaturperiode so nahe gerückt, daß Herr Sieg, nur an sehr wenig Sitzungen nicht mehr teilnehmen darf. Ist es schon ein großer Üebelstand, daß wegen der Umständlichkeit und Langwierigkeit, mit der die vom Reichstage veranlaßten Erhebungen vorgenommen zu werden pflegen, über eine Anzahl Wahlen erst Beschluß gefaßt werden kann, wenn dieser Beschluß kaum noch praktische Bedeutung hat, so ist es geradezu unschön, die Beschlußfaffung auch nock) durch Ausnutzung der Geschäftsordnung zugunsten der von dem Beschluß bedrohten Abgeordneten hintanzuhalten. Wird denn ein zu Unrecht erworbenes Mandat dadurch giftig, daß man den Reichstag hindert, es für ungiftig zu erklären? Es müßte doch jedem Abgeordneten peinlich fein, ein Mandat, das die Kommission als giftig nicht anerkennen kann, auch nur einen Tag länger innezuhaben. Jeder vornehm denkende Abgeordnete müßte, wenn nicht ganz erhebliche Gründe gegen die Richtigkeit des Kommissionsvorschlages sprechen, keinen dringendem Wunsch haben, als möglichst bald die Entscheidung des Plenums herbeizuführen.
kämpfen wollen. «Kannst Du mir näheren Auffchluß über die Ursachen der Zurüstungen geben?"
Jonny neigte sich ihm zu:
„Laß einmal sehen. Die Ereignffse im Laude draußen haben fich zugespitzt. Herzog Wenzel rüstet fich zum Einzüge in die Jülicher Lande, um auf Beranlaffung Kaiser Karls dem Raubunwesen zu steuern. Nun läßt Herzog Wilhelm die Werbetrommel erschallen und rüstet auch seine Schar zum Kampf. Der Krieg ist im Gründen, da wird auch an uns bald der Ruf zu den Waffen ergehen. Richt unmöglich ist's, daß wir dann Seite an Seite kämpfen — im ehrlichen Kampfe, wie Du immer wünschest."
„Der Himmel gebe e8." Zwei Tage darauf hatte Omar von Jonny und dem berühmten Jmniche- haus fich verabschiedet und trat seinen Weg zur Herzogsburg an.
In den Straßen herrschte schon da- Vorspiel zum bevorstehenden Kriege. Landsknechte „aller Herren Ehren" zogen lärmend umher, sangen ihre Lieder und behelligten durch Wort und Tat die erregten Bürger. Die Straßen und Gaffen starrten von Bewaffneten, von heranziehenden Fürsten mit ihren Scharen, die dem Herzog Wilhelm zu Hülfe zogen. Heute sollte der Herzog Heerschau hälfen, und da diese Zeremonie fich mit allem fürstlichen Pompe und unter Teilnahme der am Hofe anwesenden fremden Fürsten und sonstiger hervorragend« Persönlichkeiten in Scene setzen sollte, so strömten Schaulustige von nah und fern herzu und erhöhten noch die Verwirrung, die aller Orten herrschte. D« Hanpffammelplatz war das südliche Tor der Herzogburg. Dort bewegten sich die angeworbenen Söldner in chren WLmmsern, mit ihren Blechhauben, den langen Lanzen und kurzen Schwertern umher und scharten fich lärmend «m die Hauptpersöulichkeit in diesem Treiben, den Feldobersten, der ihre Anwerbung und ihnen auch die Geldmittel versorgte. Zwischen chnen hindurch drängten die Hauptleute mit
doch immer vorgeschoben, wenn es gegen die Jesuiten geht. Diese hohen Güter müsse man schützen gegen die geschworenen Feinde.
In der Tat, es gehört eine arge Verblendung u«b Geistesverwirrung dazu, nicht zu sehen, daß die Liberalen ganz etwas anderes im Auge haben, als den Schutz des „Evangeliums". Ihr Ideal ist doch immer, außerhalb des Schattens der Kirche leben und sterben zu können, das Christentum ist für sie ein überwundener Standpunkt und die Kirche eine Anstalt zur.Knechtung und Verdummung des Volkes. Mit der Kultur- fämpferei hatten sie es nirfjt blos auf die katholische Kirche, sondern auf jede Kirchengemein- toaft und jede positive Religion abgesehen. Die gläubigen Protestanten, ob sie nun kurzsichtig den Kampf mitgemacht hatten oder nicht, haben denn auch bald genug bitter geklagt, daß der «»scheinend gegen die katholische Kirche allein geführte Kampf der protestantischen Kirche weit schwerere Wunden geschlagen habe, als der katho- kffchen.
Die Hauptmacher bei der jetzigen jesuiten- feindlichen Bewegung sind natürlich wiederum die Liberalen, die ehemals den Kulturkampf gemacht haben. Die Liberalen waren es auch, die m den jüngsten. Wochen wieder Funke» aus der «ften Asche zu blasen suchten, indem sie den „Trierer Fall", die Straßburger Fakultäts- «ugelegenheit und ähnliches benutzten, um konfessionelle Erbitterung zu erregen. Es ist doch felbstverständlich, daß sie heute noch dieselben kirchenfeindlichen Ziele im Auge haben wie früher, und daß es sich, wie die Redner des ^Zentrums und der Konservativen rund heraussagten, in der Gegenwart um eine« Kampf zwischen Glauben u«d Unglauben handelt, wobei die Liberalen den Unglauben vertreten. Es ist ihnen gewiß herzlich wenig daran gelegen, ob die Jesuiten eine Gefahr für das „Evangelium" und die -evangelische Kirche sind. Aber sie wissen, daß die Jesuiten den positiven Christenglauben wirksam verteidigen, und darum muß gegen sie gehetzt werden. Daß auch der evangelische Bund im Grund nichts ist als eine Vereinigung von kirchlich Liberalen im Dienste des Liberalismus, Hal man ja auf gläubiger protestantischer Seite längst zeargwöhnt oder erkannt. Oft genug ist ihm vom ,Reichsboten' und von verwandter Seite vorgehalten, daß er kein klares positives Bekenntnis habe, insbesondere sich sehr unbestimmt über seine Stellung zur Gottheit Christi ausspreche. Der Bund ist trotz aller Anzapfungen
bei feinem sehr verschwommenen Bekenntnis geblieben und hat fich damit ausgeredet, daß er die Protestanten aller Richtungen zur Abwehr „römischer Uebergriffe" einigen wolle und daher eine „Vermittlungs"- Stellung einnehmen müsse.
Jetzt ist aber in schwacher Stunde einmal von bündlerischer Seite ein offenes Bekenntnis zum kirchlichen Liberalismus erfolgt Die ,Voff. Ztg/ hatte sich gekränkt gefühlt, weil in dem Organe des evangelischen Bundes, der,Deutsch-Evangel. Korrespondenz", Vorwürfe gegen die freisinnige Volkspartei wegen ihrer Stellungnahme in den jüngsten kirchenpolitischen Streitigkeiten erhoben worden waren. Der Herausgeber der Korrespondenz, Herr Kurt Schindowski (sollte der Mann nicht vou Hause aus Pole und Katholik sein, wie auch der Herausgeber der im Dienste des evangelischen Bundes stehenden ,Tägl. Rundschau", bei der er angestellt ist, von Hause aus Katholik ist?) fühlte infolge der Zurechffetzung durch die,Voss. Ztg." bittere Reue über fein unbedachtes Wort und schrieb an das freisinnige Blatt: „Auch Sie haben bisher seitJah^ehnten für die Freiheit der evangelischen Kirche gekämpft. Auch Sie haben bisher die Rückständigkeit in der evangelischen Orthodoxie mit der Abhängigkeit einer großen Mehrzahl evangelischer Pfarrer vom Patronatsherrn bezw. Feudaladel erklärt und sind gegen diesen Mißstand ausgetreten. Auch Ihnen ist bisher fiene Form des Christentums zuwider gewesen, die sich der jesui- tisch-ultramontanen nähert." Und die ,Voss. Ztg." antwortet: „Das alles ist richtig, und aufrichtig hoffen wir, nach dem vorliegenden Zwischenfalle wieder mit der ,Deutfch-Evangel. Korr." für die Freiheit der evangelischen Kirche und gegen die Rückständigkeit der evangelischen Orthodoxie kämpfen zu können. Ihre Bundesgenossenschaft werden wir nach wie vor zu schätzen wissen." Noch deutlicher sagt das Blatt an einer andern Stelle: „Wirksamer als das Jesuitengesetz ist es, wenn die protestantische Gewissensfreiheit gestärkt wird, wenn Wissenschaft und Kunst von den Schranken befreit werden, die Engherzigkeit über sie verhängen möchte."
Zu diesen Herzensergüssen zweier gleichgesinnter Seelen bemerkt die „Kreuzztg.": „In den Armen liege« sich beide. Man sieht hieraus einmal wieder, daß der Kampf gegen Jesuitismus und römische Uebergriffe sowohl dem Freisinn wie dem kirchlichen Liberalismus eine Frage von untergeordneter Bedeutung ist gegenüber dem Kampf gegen die evangelische Kirche und ihre bekenntnistreuen Glieder. Die positiv gläubigen Mitglieder ?bes „Evangelischen Bundes" aber kämpfen an der Seite dieser ihrer schlimmsten Feinde, davon sie doch nur ein Gegenstand der Mißachtung sind. Wer kann uns diese wunder- liche Verirrung erklären?" Sie erklärt sich eben daraus, daß' in gewissen fanatisierten Köpfen der Haß gegen Rom alle vernünftige Urteilskraft gelähmt und alles Verständnis für das Interesse der eigenen Kirche getrübt hat.
Wirkt nun das offenbare Bekenntnis über die Absichten des evangelischen Bundes, der doch der eigentliche Treiber bei der ganzen Jesuitenhetze
„Alles zu feiner Zeit, unweiser Freund. Die schwarze Bande verschwindet, als habe die Erde sie verschlungen. Da» ist das Geheimnis, das sie umgibt, und während ber Henker nach ihr sucht, fitzet sie bei ihm zu Tisch oder wandelt friedlich unter den Bürgern."
„Aber," wandte Omar ein, „unter dessen Dach ihr Euch einzuschmuggeln verstanden habt, wird er Euch nicht zum Verräter?" Jonny lächelte.
„Wie sollte er! — Er ist ja selber ein Bandit!" Omar stand starr. Sein Freund ab« sprach weiter: „Das Haus Jmuich und Kettelheid weiß seinen Weltruf zu wahren. Hat es doch mächtige Gönn« bis zum Herzogsstuhl hinauf. Aber unt« seiner Flagge segelt die furchtbare, schwarze Bande; die Waren die Du siehst, stammen größtenteils von ge- plünd«ten AaufmannSzügen h«, die von Brabant h«. üb« kommen."*)
„lieber eines bin ich noch im Ungctoiffen," versetzte Omar, „die Unsichrer können unmöglich gewöhnliche Räub« sein. Ich halte sie für Stifter und sonstige ReichSedle. W« find sie?" Da «der wandte fich Jonny von chm weg.
„Ich habe bereits zu viel gesagt. Zu dies« Antwort fft mein Mund verschlossen."
„Jonny, mein Freund, vertraue mir. Ich will nicht länger im Ungewissen sein."
„Du wirst es immn bleiben," entgegnete dies« und wandte fich zum Gehen, „hege ich doch selb« nur Vermutungen. Spräche ich sie vor Dir aus, Du würdest mich für verrückt halten."
„Höre Jonny," Omar war dicht an chn heranqetreten, „die fchwarze Bande hat mich die längste Zeit als chr Mitglied gesehen. Ich fliehe; wage es mit mir, Jonny, Du bist zu gut für ein Banditenlos/' Jonny hielt ihm den Mund zu.
„Unvorfichtiger! Ich will Dein Schutzgeist sein und Dich vor solch ein« Maßnahme hüten, Du bist
*) Geschichtlich.
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