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mit JinterhaktungsBeilage „Illusirirte Sonntags-Zeitung"

M 60.

Jefuitenfabeln.

Xm Berlin wird der »Köln. Vftg/ geschrieben: Daß Riewate so viel gelogen wird, al« rührend «ine« Kriege», vor einer Wahl und nach einer Jagd, «« der Letbspruch de« verstorbene» Ab- geordneten Loai« Berger (Witten). Und da jetzt die Wühlen bevor stehen, blüht natürlich auch der Weizen der Lügner. Wir haben schon neulich in einer protestantischen Kirche»,eitung die Schaudermär gelesen, <« der Umgegend von Berlin würde» die Protestanten von den Römischen derart gra«' famlich verfolgt, daß sie stch ihre« Glauber» -ar nicht mehr freuen könnten und stch nicht,u sagen getrauten, sie seien evangelisch. Im,Reich«- boten (» >. 54) aber lesen wir eine Zuschi ist au» Posen, welche ein frohlo<ke»d Lieblein anstimmt über die dort blühenden Konfirmandenanstalten, die evangelischen Erziehnng^vereine und da» Diakontffen-Mutterhau« mit 340 Schwestern, aber in stöhnendem Jammer also endigt: „Wie würde anf all diese knospend« hoffaung« volle Frühling-- arbedt ein tödlicher Reif fallen- wenn die — AeMe« wieder einzögen in die deutsche Ostmark!"

Ja*9e ®ir Leitungen lesen, und da« ist schon sehr lange her, haben wir noch nie mit Mößerer Berblüsfung «InenZeitungsartikel zu Ende gelesen, al» den vo: stehenden. Hoffentlich dringt um dieser Posener Jeremias nächstens auch die Lösung seine« Räts.l«. Werden die Jesuiten di« 340 Schwestern „abmurisen^, die Konfirmanden- Onstalten demolieren und die Mitglieder der evan­gelische» Erztehungrvereine in unterirdische Ber- »eße einsperren? Etwa» ähnliche« scheint jawohl Lefürchtet zu werde». Am katholischen Rhein mag mancher denke», gebildet« Leute könnten sich über die Jesuiten unmöglich so lächerlich« Vorstellungen

Wir aber, die wir fast unsere ganze Leb«»«,eit in protestantischer Umgebung zugebracht habe», wissen, daß nichts so lächerlich ist, «a» nicht non den Jesuiten geglaubt wird. Nach Ländern und Provinzen ist da« freilich verschieden; r« allgemeinen wird man finden, daß di« Berliner am vorurteilsfreiesten und vernünftigsten, die Sachsen dagegen am abergläubigsten find, oft genug unterhielt ich mich mit akademisch gebildeten Leuten, besonder« Theologen, welche über Jesuiten in einer Weise sprachen, daß man Analphabeten vor stch zu haben glaubte. Nicht selten hatte ich die Empfindung: wenn jemand behauptet hätte, die Jesuiten verständen, ihre Personen von Physikalischen Gesetzen, z. B. dem der Schwer«, zu «mauzipier«», ober st« hätten Tarnkappen, mit den«» fi« fich unfichtbar mache» könnten, so würde «« geglaubt werden.

Ma« glaubte d«n hellsten Blödsiin, nur wenn Einer gegen den Blödfinn polemisiert«, glaubte «an ihm nicht, »eil man dann den Verdacht schöpfte, der Mann sei selber «in Jesuit. Od«r wenn e« ein« Dame war, «ine .Jesuitin". And da sage man nicht, es gebe keine Jesuitinne». Da«, wird «bensswenig geglaubt, wie die Ab­leugnung einer überführten Raubmörder«. Selbst die Größten der Erd« sind von solchem Aberglauben nicht frei. I» der ersten Zett der Miquelsche» Ministerschaft spräche» die ,Hamb. Nachr/ den Verdacht au«, der Finanzminister sei ei« Jesuit »von der kurzen Robe". Ich könnte von der ver­ewigten Fürstin Bi«marck eine lustige Geschichte erzählen, wie sie einmal in der Nähe von Kiffingen groß« Angst vor einem königlich bayerischen Bau­beamten bekam, weil sie ihn »eg« seine« langen Sommerüberzieher« für einen Jesuiten hielt, und bi« Equipage wenden ließ, damit der Jesuit nicht ihren Mann ermorde (notabene auf offener Landstraße). Ueberhaupt würde ich gar nicht damit zu Ende kommen, wenn ich ähnliche Histörchen mitteilen wollte, auch nur die selbster­lebte«. Das alles gehört mit zum Aberglauben, der unantastbar ist. Wenn vornehm« Krris« daran glauben, daß mit den Augen getöteter Krähen sämtlich« Krankheiten geheilt w«rd«n können, warum sollen sie fich denn nicht von den Jesuiten «ine Vorstellung mache», die ein Gegenstück!zum Hexenwahn de« Mittelalters ist? Wie viel aus JesuUeufurcht dressiert« Protestanten, selbst Theo­logen, würden dann ruhig «inschlafen könne«, «««« sie «in Schlafzimmer mit «ine« Je- fuite» teilen müßte»? «nter hundert höchsten« «in« oder zwei.

6et Aode» so bereitet ist, kau» ei»e fkrnpelloseAgi t a ti o «natürlich leicht die kräftigste« Otflpfi»«,«» erziele«, *«b so ist a au#- keine,- *«|1 »»-geschloffen, daß die ode« t wähnte P»s«er Korrespondenz de» ,Reichsboten i« bei Heseme jene« Blattes die Verstell«», «re <gt, die würden gegen die protestantisch , kirch-

Ost«-»ach Art der ch" estsche» Jrfuitzeufarcht gehört auch

Irrföa, Samstag, den 14. März 1903.

30. Jahrgang.

mit zu den geistigen Erkrankung«», welche, wie alle großen Jbernbeweguvgev, gezeigt habe», epidemisch austrete« und tatsächlich ansteckend wirke». Kenner der Geschichte wisse«, wie z. v. di« sranzöfische Revolution viele Menschen in einen Zustand versetzte, den normale Menschen al« »verrückt" bezeichnen würden. In meiner Heimat lebte zu meiner Jugendzeit fi« alter Uhrmacher, der bi« zu seinem 60. Lebensjahre ei« loyaler Staatsbürger gewesen war und fich nie um Politik bekümmert hatte. Da kam die Revolution von 1848, und nun stieg «r allabendlich tm Wirtshause aus den Tisch, benahm fich wie rasend und sorderte zu Mord und Todschlag ans. Er hantierte mit Messer und Revolver, so daß fich alle fein« Be­kannten vor ihm fürchtete«. So bald Sie Bewe­gung zu Ende war, wurde er wieder ganz ver- nünstig, erinnert fich nur mit Unmut seiner früheren ffjneffe, bi« er al« ein« ihm selbst unverständliche geistig« Erkrankung bezeichnet« und starb später al» ein warmer Anhänger der konservativen Partei. Ma« steht hieran», daß die Menschheit nicht nur von körperlichen Epidemie», wie Cholera und Typhus, heimgesucht wird, sondern daß «i auch geistige Epidemie«« gibt, di« fir auS dem Gleichgewicht bringen. Dazu gehört die jetzt grasfierende .Jesuitenkrankheif, welche den Betroffenen eine fixe Idee einimpft, die fir de» normalen Gebrauche» ihrer Vernunft beraubt, so bald ste auf diese« Thema zu spreche« kommen, «ährend ste in alle« a«derr« Dinge» völlig klaren Geiste» find.

Die Frauen im Mittelalter.

Kulturhistorische Skizze von Dr. Alfred Schacht.

(Rachdruck verboten.)

Der Zweck diese» Aufsatzes soll dahin gerichtet sei», die deutschen Frauen deS Mittelalter» j» Betreff der Stellung, die ste im Hause und in der Gesellschaft dem Gesetz und der Sitte ge- mSß einnahmen, historisch treu zu schildern, da» also gewissenhaft wiederzugeben, was uns hierüber anerkannt gute Schriftsteller der älteren und neueren Zeit hinterlassen haben.

Wir beginnen mit der Erziehung, die dem junge« Mädchen zuteil ward, bevor das­selbe als vollendete und gereifte Jungfrau selb­ständig inS Lebe« trat. ES »erste-t fich von selbst, daß die Wohltat des Unterrichtes im 11., 12. und in den folgenden Jahrhunderte« meist nur de« Töchter» der vornehme« Geschlechter zuteil wurde, den» Volksschulen »ach unsere« heutigen Begriffe» gab eS damals roch nicht. Nur in den Klöstern pflegte man Wissenschaften und deshalb lag in den Händen der Geistlichen und der Mönche auch größtenteils bet Unterricht. Daß fich derselbe nur in sehr seltene» Fälle» Über die Fertigkeit deS Lesen- und Schreibens hinaus erstreckte, be­darf wohl kaum der Erwähnung, und auch selbst dieS war zu Ende des 12. Jahrhunderts noch etwa» ziemlich Seltenes und wurde als eine Sache, die besondere Bewunderung verdiente, hervorge. hoben. Konnte aber eine Dame lesen, so bildeten fast ausschließlich heilige Schrifte« ihre L-ktÜre, bis eS später Mode ward, wie in unserer Zeit, auf den Toilettentischen Gedichte und Romane aufzulegen. Daß man eS aber damals de« Frauen fast ausschließlich überließ, die Kunst deS Lesens u«d Schreibens zu erlernen, geht unter Anderem aus dem Umstande hervor, daß die meinen Dichter, wie Wolftam von Eschenbach, Ulrich von Lichtenstein zc, hierin nicht bewandert waren, und deshalb mußte auch Letzterer zu seiner Be­trübnis einmal einen Brief feiner Dame mehrere Tage ungelesen mit fich Herumtrage«, weil er seinen Schreiber, der zugleich das Amt eines Vorleser» versah, nicht bei der Hand hatte. Wa» fich an griechischer und lateinischer Bildung bei den Frauen jener Zeit vor findet, muß man wohl am meisten in bett Klöstern suche», dagegen wurde e« schon im 13. Jahrhundert i» vornehme» Häuser« Brauch, französische Sprachlehrer zu halten.

Bei diese« nähere« Beziehungen zum Unter, richt und bei dem Umgänge mit Dichtern und Minnesängern oder Trobadure« kam e» denn auch, daß schon ftühzeitig von den Frone« die Poesie gepflegt und selbst geübt würbe. So muß man al» erste deutsche Dichterin ein« Steyr» «Metin, Namens Ava bezeichne», die in der erste« Hälfte de» 12. Jahrhunderts lebte und dar Leben Jesu i« Versen darstellte, auch hier­zu all Anhang eine Darstellung deS AntichristS und der jüngste« Gericht- gab.

MU der Poesie, die selbstredend ihre« nächste« Platz t« de« Herze» der Frauen hat, gi»g Musik und Gesang Hand i« Hand. Daher achten auch diese beide« letztere» bald «iue» iu. h*r Grziehuug au». Daß natürlich in einer Zeit, « überall nur erst die Anfänge der Ton- knnst |em dreie», die Instrumente sowohl wie Spiel und Gesang sehr einfach wäre», »ersteht

stch von selbst. Herumztrhenbe Sptellrute. na­mentlich Provengale« und Italiener, gaben dabei die Lehrmeister ab; die Harfe, die Fiedel, die Leier, bte Zither bildete« die Hauptinstrumente, deren man sich bediente.

Aber auch die äußeren AnstaudLregel« bildeten im Mittelalter bei de« Flauen einen Hauptteil der Erziehung, man nannte dieS,Mo- talitüt* oder Anstands begriffe, d. h. die Kenntnis, wie man feinen Kö per zu hatte«, wie man in Gesellschaft feine Rebe ei»zurichte«, wie man daS, was man in feinem Inner« dachte, geschickt zu verberge», wie man fich endlich in der Kleidung zu trage« habe. Die Et'quette, welche stch hier zwischen beide Geschlechter stellte, war sehr groß, man verlangte von der Frau die größte Zurück­haltung, die im 10. und 11. Jahrhundert soaar so wett ging, daß die Letztere da» nicht anfaffen durfte, was ein fremder Man« berührt hatte. AIS da» höchste Vergehe» gegen die WeiblichkeU wurde u. a. da» Anlegen vo» Männerkleider» betrachtet, wie die» viele Gedichte und Sagen der damaligen Zeit, ja sogar einige hierauf bezughabende Verbote der KUche dartun. Ebenso bestanden strenge Regeln der 6tiq nette, wie die Damen fich zu verhalte« hatte«, wenn sie auSginge«.

Bei öffentliche« Festlichkette», wo Frauen an der Tafel teilnahmen. gebot eS der Anstand, daß dieselbe» sowohl im Effen wie im Trinken strenge- Maß hielte«. Der linke Arm ruhte dabei auf dem Tische, Bewegung und Sprache zeigten Zu­rückhaltung. Sine andere Sette de» weibliche« SkziehunpSwesenS, deren Ausführung vorzugs­weise die Mütter übernahmen, war der Unterricht in weiblichen Handarbeiten: Spinne», Webe», Sticke», ja selbst da» An fertige» der MannSkleider bildete» bis zum Ende de- 13. Jahrhunderts eine Obliegenheit der Frauen, und hier bei letzterem waren «S besonder» die feinen Nähte und die schöne« Verzierungen an den­selben, auf welche man vorzugsweise hielt, was wohl teilweise in der meist bunten Zusammen- setzung der Stoffe seine Erklärung findet. Be­sonders ober scheinen fich die deutsche» Fraue» schon in der früheste» Zeit in der Geschicklichkeit, kunstreiche Stickereien anzufertige», ausgezeichnet zu habe», die teils zu Satteldecken, zu Kleidern, Hauben, Vorhängen und Tapete« verwendet und reich mit Gold, Silber und edlen Steine« ver­sehe» wurden. Die Wahlsprüche der Rttter, deren Wappen oder historische Gegenstände wett- lichen Ursprungs bildete», dabei die Gegenstände der mit der Nadel auszuführenden Kunstsachen. Auf diese Weise wurden die Taten der Zeit von zarten Frauenhänden verherrlicht; oft barg fich freilich darunter auch manch' süßeS Geheimnis und der eigene Schmerz. So stickte Sudm« eine Tapete, welche auf die Ermordung SigurdS Bezug hatte — so verfertigte die Gemahlin Wil­helm deS Eroberers ein anderes Kunstwerk, daS die Besiegung Haralds in der Schlacht bei Hastings darstellt.

Trat auf diese Weise herangebildet und in ihrer Erziehung vollendet da» Weib i« das gesellschaftliche Leben, so hatte sie dann natürlich auch daS Recht an alle» Vorteilen oder Begünstigungen, welche dasselbe ihr bat, teil zu nehmen. Hierzu gehörte vor allem der de» Frauen gewidmete MlUnedienst. Obgleich bei den germanischen Völkern daS Weib nie i« eine vollständige Mündigkeit trat und nur bedingungs­weise disposition-fähig erscheint, so ist diese Zu­rücksetzung doch wieder durch die Hochachtung ausgeglichen worden, der an fich die deutschen Frauen schon von ältesten Zeiten her zu erfreue» hatte». Bei keinem Volke ward daS Lob der Frauen in so gartet und ehrerbietiger Weise im Liede zu jeder Zeit verherrlicht wie bei den Deutschen, nirgend- find die Rechte der Haus­frau höher gehalten worden als bei ihnen.

Begleiten wir nun die Frauen de» Mittel­alters einen Schritt weiter, lassen wir da» Individuelle bei Seite und sehr» wir, welche» Platz dieselben im gesellschaftlich«» Lebe» ein­nehme». Auch hierbei begegne» wir sogleich eixem charakteristischen Zuge, welcher recht deut­lich die Stellung der Frau bei einem so kriege­rischen Volke, wie daS germanische ist, bezeichnet. Vermochte dieselbe nämlich auch nicht an der Seite de- MauneS zu fechten, fa teilte fi« doch wenigst«»- di« Freuden und Gefahre« der Jagd mit ihm. Zu Pferde sprengte die Fra« an der Seite ihre- Gemahl», ihre» Bruder» oder ihrer Freunde Über Berg und Tal, durch Wald «nd Sumpf «nd gab fich mit nicht minderer Begier, wie die Männer, der fcho» frühzeitig so beliebte« Lust der Falkenbeize hin oder führte wohl gar de« Jagdspieß ««d de« Boge« — »ach voll­brachten Waidwerk aber bereitete fi« im Dunkel de- Walde- da- labende Ruhl für die ermüdeten Jäger.

Wie die- ju anch «och heutzutage der Fall ist, so kamen im Mittelatter die Frauen «nd namentlich die Han-ftanen am meiste« in Be­wegung nmmeiu-est gegeben werbe, denn in

solchen Fäll«« forderte e» der Gebrauch, sowohl für bte Herrschaft wie für das Erfinde, neu« Kleider anzuferttgen, ja selbst für die Gäste mußte hiervo« ein Vorrat vorhanden sei». Die Zimmer bedurfte» einer neue» Ausschmückung an Teppiche« «nd bettartigen Sitzen, welche die Wände ent­lang standen; der Fußboden endlich wurde ent­weder mtt Decken belegt oder mit frischen Blume« bestreut. Hatte man die Gäste vor der Burg empfange», ste dorthin geleitet und durch eine« Trunk er q ttckt, so begab man fich, ehe die wirk­liche« Feftlichk iten begannen, «ach der Kirche, »m d'e Messe zu höre«. Hierbei wurde von alle« Teile» möglichste Pracht u*b ritterliche- Wese» entwickelt. Ein besonderer Gebrauch waltete da­bei aber auch noch infofetn ob, daß, um hier­durch eine besondere Ehrenbezeugung an den Tag zu lege», jede Frau zu beide« Seite« von einem Ritter mit gezogenem Schwerte begleitet wurde, dessen Pflicht e- Übrigen- auch »och war, mög­lichst für die Unterhaltung der Dame zu sorge«.

Bei den Mahlzeiten bestanden in Bezug auf die Frauen, je nach der Auffassung-weise der verschiedene» Völker, auch verschiedene Vor­schriften. Bei den Deutsche« aßen beide Ge­schlechter in der erste« Zeit de» Mittelalter- i« getrennten Räumen oder an abgesonderte» Tische«, und nut die Wirtin erschien zeitweise an der Tafel der Männer, um die Honneur- zu mache«. Ja Frankreich dagegen saßen beide Geschlechter gemeinschaftlich und paarweise zu Tisch, man aß von einem Teller, trank auS einem Becher und die Dame schnitt dabei in der Regel ihrem Herr« die Speisen vor.

Eine schöne und heilig« Sitte hatten auch bte Frauen in bezug auf di« Ausübung bei Gast­recht« zu erfüllen. In den ersten Zeiten bei Mittelalters, wo die Sitten fich »och sehr einfach und rein erhalte« hatten, war e« namentlich bei den nordischen Solle flämmen Gebrauch, daß die Hausfrau jede« vorüberziehende» Wanderet ein­lud, unter ihr Dach zu treten und e« fich darin wohlsein zu lassen, ober daß ste, wenn diese Ein­ladung an bet Sette ihre« Gemahl« geschah, der­selbe« den Bewillkommnungskuß hinzusügte, was stch jedoch nur auf Ebenbürtige erstreckte. Später freilich fanden auch hierbei wesentliche Umwand­lungen statt, denn bevor der Gast empfange« wurde, mußt, er sich erst anmelden lassen, auch seinen Mantel ablege» und sein Schwert abgeben.

Es ist bereit« erwähnt worden, daß di« Be­reitung feiner Leinenzeuge schon frühzeitig eine Kunst war, die fich die deutschen Hausfrauen z« eigen gemacht hatten, weshalb auch bi« in« 13. Jahrhundert hinein bei den Frauen da« leinene oder wollene Unterkleid, über welche« der Rock fiel »nd der dann wieder durch den Mantel bedeckt wurde, die allgemein gebräuchliche» Bekleidung«- gegenstände bildeten. Bei näherer Bekanntschaft mit de» Byzantinern, mtt den Arabern und mit dem Kunstfleiße, der fich in Italien entwickelte, wurde diese Einfachheit aber bald verdrängt und die Leinwand mußte den feinen Wcllenzeugen und der Seide weichen, wozu dann auch feine Ver­brämungen von Gold und Pelzwerk kamen; letztere eine bereits in den frühesten Zeiten beliebte Zier­rat de« deutschen Volke«.

Zum Schluß fei noch einige«über die recht- liche Stellung bet Frauen gesagt, welche diese dem Gesetz gegenüber im Mittelalter i*ne hatte». Der Heirat einer grau ging immer ihre öffentliche, feierliche Verlobung voran» und a» diese knüpfte fich al» unerläßliche Notwendigkeit von Seite» bei Bewerbers der „Brautkauf", weil für ih» hieraus die Erwerbung aller Rechte in bezug auf da« Vermögen der grau und bic vo» dem Gesetz begehrten Bedingungen in bezug auf die Gültigkeit einer Ehe hervorging, ja davon sogar lediglich abhängig war. Al» Gegensatz feiten» der grau gesellte fich bann die „Mitgift", die bi« zum 14. Jahrhundert ausschließliche» Eigentum, derselben blieb. Nach dem Tode bei Manne» hatte die grau die Wahl, entweder ihr „Eingebrachtei" zurückzufordern oder da» ihr au-gesetzte „Seibgebinge" anzunehmen. Waren Kinder vorhanden, so leitete zwar die Mutter die Erziehung derselben, blieb aber in de« meiste« Fällen unter Vormundschaft. Verheiratete fich die Sittwe wteber, so fielen die bisherige« Erb» genüffe fort und ste trat von neuem in eine der ersten Ehe zu Grunde liegenden Recht-forbe.unge« und Rechtsfolgerunge».

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