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30. Jahrgang.
Iut'da, Freitag, den 13. März 1903.
M 59
Deutsches Reich
brechen.
------ (Nachdruck verboten.)
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Druck i«6 Verlag der suldaer Lctttudruckeret, xclersgaSe R*. 2 (tx«m»nie).
Ser Laub ms der Löchsbms
Origiualerzählung auS der Geschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Sleca Ruth.
Partei? Der Liberale der,Hamb. Rott/ meist nur, sie würden nichts erreichen, wenn sie ihre Angen beständig nach oben richteten uns die helfende Gunst der Regierung ei flehten. Diese «erde ihnen zu Siebe den ersehnte« Syrern- wechsel nicht vornehmen, weil sie sich dabei völlig inS Leere setzen könnte. Der Liberalismus oder das liberale Bürgertum müsse, gleich den Agrariern,
das klare Wasser. Diesen nannte man de» Mühlen« stieg. Uebct jenen mußte man hinüber, wenn man in der Erweiterung deS Baches jenseits der Mühle ein erfrischendes Bad zu nehmen gedachte. AIS steter Besucher dieses primitive» BadebasstnS galt der Ritter von TmbSbüren, der am Hofe deS Herzogs Wilhelm von Jülich eine hochangesehene Stellung einnahm.
Omar mit seine» Genossen war angewiesen, sich in der Mühle bis auf rin gegebenes Zeichen verstickt zu halten, während der Anführer hinter dem Stützpfeiler des StegeS auf den Erwarteten lauerte. Omar fragte sich, »le S möglich sei, daß eine Bande so genau mit de» Berhältniffen der höhere» Gesellschaft vertraut war, fand aber für dieses ebensowenig wie für vieles andere eine
ES mußte der erwartete Hoskavalter sei», der höllischen Mächten in Verbindung da er wußte, Gras von EmbSbüren. Echo» hatte er den Fuß was nur ihm allein bekannt war? _ . aus den Mühlenstieg gesetzt, da trat der bis zu " “"u' ** * * "
den Zähne» bewaffnete Anführer auS seinem Brr. steck hervor und stand vor dem Ueberraschten. Dieser fuhr beim Anblicke des Vermummten und auf derartige Ang'iffr vorbereitet blitzschnell t» seine Brusttasche und wollte dir dort verborgene
Waffe bervorziehrn.
„Lasset nur st ckrn, Edler von E-n»büren,- raunte ihm drr Urbekannte zu und legte seine Hand schwer auf dessen Arm, „Gewalt ist hier nicht von Nöte», wen» Ihr nicht allzu störrisch seid," fuhr der Unheimliche fort, „Ihr traget unter Eurem WamS eia Dokument bet Euch, i»
dar ich Einsicht nehmen möchte,- und er streckte in unzweideutigem Verlangen se.ne Hand auS. Der Gras fuhr entrüstet, brttcffr» zurück.
„Was kommt Euch in den Sinn? — SBBaS waget Ihr! Hebet Euch hinweg, ich trage kein Dokument von irgend welcher Wichtigkeit bet mir.** Hinter der Maike schien eS höhnisch zu lächeln.
„Edler von EmbSbÜreu, ihr scheinet mir vrr« geßlich zu sei». Ich will Euer SevSchtni, auf« frischen. Am 24. dieses Monats ließ der Herzog von Brabant Euch durch einen kaiserliche» Boten et» geheimes Schreiben zukommen, das Ihr nicht sicher in Euer» feuersichere» Truhen wähnet. Ihr traget es eirgenäht unter Eurrm Rockfutter — unter dem linken Aermel. Hier habe ich schon daS Messer bereit, ich werde eS euch heraus« trennen, daß auch nicht ein Sridenfädlet» Gares RockeS darunter leidet."
tute ts»r|»u i yvium, v»c »wiyiwm pvy "»“■ । Der Hofmann war erbleicht, er e sich
des Mühlbaches und dem Mühlenstieg näherte, hilfesuchend um. Stand je»« Unbekannt« mit
„Eher strebe ich!" stieß er mit de« Mut« der Verzweiflung hervor, „als daß ich mich des Verrates an dem Herzog schuldig mache!"
„Nun — dann stirb!* sagte der Anführer in kalter Ruhe und zog feine» Dolch hervor. „Es ist für mich nur ei« Umweg zum Z el."
Aber auch der Gras hatte seine Waffe her- vorgeholt. „Wohlan, wage» wir de» gieren Kamps!- rief et entschloss«.
Der Anführer stieß einen langgezozenen Pfiff auS, worauf zehn wrttere bewaffnete Gestalten aui der Rühle traten und ihre Lanzen »ach dem Grasen richteten. Eines Augesdl-ck noch schien
„Darüber werdet Ihr nichts erfahre«, es sei denn, daß Ihr bereit seid, mir alsbald dorthin z« folgen.- Antworte Dm ar dem Hauptmann.
„Das geht nicht, dies« Nacht ziehen wir zu neuem Unternehmen au?. Die nächste Zeit geht völlig In unseren Plänen auf. In dem Jülicher Lande gähret es, bet Zündstoff hat sich in erschreckendem Maße angehäuft. Der Verwrgene fehlt nur noch, ter die Lunte an die zündende Masse hält Flr uns aber ist'« Erntezeit. Da dürfen wir nicht müß'g fein. Habe also Geduld und warte, bis Deipe Stunde kommt."
Wirklich ward mit Einbruch drr Dunkelheit gerüstet. I» lautloser St.lle zogen sie tiefer in den Wald hinein. Die Schar hatte sich in kleinere Häuflet« abgezweigt und jedes trachtete auf möglichst geräuschlose W«ise nach dem vereinbart«« Zele zu gelangen. Omr;» Hause trat um die Mitte der Nicht in ein Gebirge ein und bahnte sich mühsam seinen Weg über die steilen Höhen. Als einige schon erschöpft kurze Rast hatten wollte«, bl-tzte in der Ferne ein Lichilem auf, das alle mit freudigem Gemurmel begiüßten.
„Wohin führt unser Weg?- fang Omar ben Hauptmann. DKser winkte Schweigen gebietens) mit der Hand, und Dnur sagte sich, daß dieser Mann mit dem weltmännischen Wesen und der gebietende« Haltung kein gemeiner Bandit sein
Erklärung.
Usterbiffew wurde seine AusmerkiamkeU auf eine Gestalt gelenkt, die langsam sich dem Ufer
könig vor 150 Jahren bet Löberitz abhielt, einen Denkstein zu setzen. Um nun für die Enthüllung»- feierlichketten einen militärischen Hintergrund zu schaffen, ist der Plan gefaßt worden, in diesem Jahre die FrühjahrSparade auf dem Temprlhofer Felde ausfallsn zu lassen und im Zusammenhänge mit dem alljährlich am 29. Mai stattfindenden Exerzieren der Raiserbrigade die Truppen bei Garde-Rorp» in Löberitz zu einem Gefecht»- exerzieren zusammenzuziehrn.
4- Der erste Bhsrpräfident des Abgeordnetenhauses Abg. Ar. Ireihrrr vou A--"«-'» wurde heute Mtttag im Abzeordnetenhause von einem heftigen Unwohlsein, verbunden mit Schüttelfrost, befalle». Settt FrakiionSge»osse Sanitätsrat Dr. Ruegenberg leistete ihm ärmlichen Beistand und brachte ihn mtttelS Droschke nach seiner Wohnung. Von einem Schlaganfall, von dem verschiedene Blätter wissen wollte», ist gar keine Rede. Freiherr von Heerema» war schon seit einigen Tagen unwohl infolge starker Erkältung. «...
X Die Agitation gegen die Aufhebung deS § 2 deS Jesuitengesetzes wird selbst der ,Kreuzztg/ zu arg» die von sich ftlbst. sagt: „ES gibt sicherlich kernen schärferen Gegner deS JrsuttiSmuS als uns". Am Mittwoch h.tte der evangelische Bund in Berlin eine Versammlung veranstaltet, die mit allen gegen eine Stimme eine Resolution annahm, worin gegen die „Wiederzulaffung der Jesuiten- Protest erhoben und die Regie» ung ersucht wird, „die Jesuiten fernzuhaltenDie »K-euzztg/ fragt, ob denn nicht einer in der Versammlung gewesen sei, der den § 2 auch nut dem Sinne nach gekannt habe, sa es sich bei seiner Aufhebung doch gar nicht um die „Wiederzulaffung- und die „Rückkrhr- der Jesuiten handle. Dis Debatte habe, bemerkt daS Blatt weiter, sich in allgemeinen Angriffe» auf die Jesniie» beschränkt. Mit einigen Ausführungen könne sie sich wohl einverstande» erkläre», nicht aber mit ihrer Tendenz. „Wenn der erste Referent, Prof. Dr. Scholz sagte, das Schicksal ces Jesuiten gchtzeS sei geradezu eine Ehrensache für den Protestantismus, fo ist das eine so groteske LUbertidbueg, daß wir als Mitglieder der evangelische» Rirche unS doch entschieden gegen einen solchen Appell an unsere Ehre verwahren müssen. Ob deutsche Jesuiten Überall in ihrem Vaterlande wohnen dürfen, oder nur in Straßburg, Memel, Reichenhall oder Schleswig, das hat mit unserem Protestant.Ehrgefühl nichts, mit unserem SertchtigkeitSgefÜhle aber um fo mehr zu tun." Dis Sozialdemokraten bekännten sich als geschworene Gegner der evangelischen Kirche und des Reiches; die Juden ständen dem Evangelium noch viel feindlicher gegenüber als die Jesuiten. „Will man wirklich die Jesuiten schlechter behandeln alS die Juden und Sozialdemokraten? Und soll daS eine Forderung des protestantische» Ehrgefühls sein? — Auch die Bemerkung deS Predigers Weser, wenn die Jesuiten bei uns hereinkämen, «erde es mit der Einigkeit und Herrlichkeit deS Vaterlandes vorbei fei», fei eine rethorische Phrase, die man nicht ernst nehmen könne. Zum Schluß sei der To» der Bersamm- lang geradezu roh geworden; ein Redner habe die Jesutten „Kreuzottern- genannt. Mit großem
denke« mit der Parole „Ramps gegen den IttramontanlsmuS- Geschäfte machen zu können. )aS ist aber offenbar nur eine VerlegenheitS-
{arole. Zu ihr greift man, weil man keine an- ere hat; sie ist kaum geeignet, die Wählermaffeu die realeren Fragen, die heute auf der Tagesordnung stehe», vergessen zu lassen. Wenn National- liberale und Freisinnige Bereinigung in de» liberalen parlamentarifche» Rörperfchaste» mit ein bischen Kulturkampf Stimmung zu mache» suchten, so geschah eS am Ende auch wohl weniger in der Hoffnung, dem Liberalismus insgesamt damit auf die Beine helfen zu können, als aus Rivalität gegen die weniger kullurkämpferifche Richtung im Liberalismus.
Je mehr eS an Mitteln man gilt, um den Liberalismus ben breiten Massen deS Volkes zu empfehlen, um fo dringlicher wäre die Her- stellung der Eintracht unter den verschiedenen liberalen Fraktionen. Dan» könnte er wenigstens einigermaßen eine ansehnliche Macht darstrllen. Aber wer glaubt noch an die Utopie der „großen liberalen Partei"? Der Liberale deS ,Ham- burger Rorr/ und die ,Rat. Ztg/ predigen der freisinnigen Volkspartei, sie solle die Opposition in Fragen der nationalen Wehrkraft, der Weltpolitik und der Rolonialpolitik aufgeben. Rur wenn der Liberalismus in diesen Frage« „zuverlässig" fei, könne die Regierung sich ihm zu- wenden. Solange das nicht der Fall sei, können sie beim beste« Willen von den Agrariern und dem Zentrum nicht loskomme«. DaS wird natürlich tauben Ohre» gepredigt sein. Aber auch wen» eS helfe, so glaube» wir dock «och nicht, daß der Liberalismus dan» die Macht sein müibe, die er sein möchie. Es blieben »och bte wirtschaftlichen Gegensätze, die ihn spalten und selbst wenn diese überwunden würden, so wäre doch in absehbarer Zeit nicht daran zu denken, doß die Liberalen eine Mehrheit, auch nicht im Bunde mit ank eren Parteien, zu stellen vermöchten. Woher sollte sie komme»? Alle Parteien, die sitzt die Mehrheit blUen, haben ei» wirtschaft- licheS Programm, baß der vereinigte Liberalismus schwerlich ccc.-ptleren würde. Die anderen Parteien werden also zusammenhalten und natür» lich auch die Regierung nötigen, chre wirtschaft- lichen Forderunzen zu berücksichtigen. Muß sie aber das, fo wird sie auch die übrige Politik möglichst mit diese» Parteien machen. Die „große liberale Partei- wäre also trotz aller „Macht- und alles „Willens zur Macht- nicht viel mehr als das fünfte Rad am Wagen.
Wer die Wahlbewegung auch nur oberflächlich verfolgt, weiß, daß die liberalen Parteien die Gegensätze nicht einmal soweit zu überwinden vrrmözen, um als Liberale gemeinsam gegen die Nichttiberalen tn den Wahlkampf zu ziehe». Ein ganz unmögliches Verlangen ist, daß sie mit der Absicht gemeinsam in den Wahlkampf ziehen sollten, der Rkgiermg eine zuverlässige Stütze tn Frage der Wehrkraft und der Wett- polttik zu verschaffen. GS ist somit kaum zu erwarten, daß der Liberalismus „die ihm gebührende- Stellung wieder erringe, und wen« sich »och fo viele feiner Gönner den Kopf zer-
□ Liberale Sorgen.
Trotz aller scheinbaren Vertrauens auf die Parole: „Gegen die Zollwucherei 1* sieht man im liberalen Lager den kommenden Wahlen mtt starken Beklemmungen entgegen. Nur polttisch fo urteilS- und bedeutungslose Blätter wie daS ,Berl. Tagebl.' können leichten Herzens mit dem „kräftigen Aufschwung" renommirr», den der Liberalismus im Lande gewonnen haben soll, und große liberale Wahlerfolge prophezeie«. Die be- sonnene Presse weiß nur zu gut, daß das eitel Selbsttäuschung ist und eS dem Liberalismus schwerlich gelingen wird, den „reaktionären Bann- uT.b „schweren Druck-, der „auf dem deutschen Volke lastet", zu breche». Sie ergeht sich in trübselige Betrachtungen, warum eS so tief abwärts mit dem Liberalismus gegangen fei, und rote er sich wohl de» ihm „gebührenden" Einfluß
dem Zentrum und ben Sozialdemokraten, engere Fühlung mit den breiten Massen des Volkes, ihre» Interesse» und Bedürfnissen fache». Schade nur, daß die liberalen Grundsätze den breiten Massen fo wenig greifbares biete*. Mit „idealen- Redensarten wollen diese sich nicht mehr absprisen lassen, sie wollen für ihre materiellen Interessen gesorgt wissen. Die Parole: „Revision des Börsengesetzrs- ist kaum geeignet, die Massen zu gewinnen. Ebenso wenig die Parole: „Gegen den Zcllwucher-, denn entweder will die M,sse , deS Volke» gerade den Zollschutz, ober, wenn sie ihn nicht will, fo sucht sie nicht bei de» Liberalen, sondern bei den Sozialdemokraten ihre Vertretung.
Verschiedene liberale Blatter glauben noch immer an die Zugkraft deS RutturkampseS und
könne. Seine Begierde, nähere« zu erfahren, wurde durch diese Wahrnehmung nur erhöht.
Endlich langten sie vor einer Köhlerhütte an, woselbst sie die übrigen Scharen roieberfanben. Unter der Tür bet Hütte stand bet Röhler, eine markige Männergr statt mit struppigem Barte und düster msammengezogenen Augenbrauneu. Die beiden Anführer traten mit ihm in die Hütte, und Omar sah durch bas Fenflerloch der Lehmhütte, Haß diese Dreie mit flüfternder Stimme Rat hielten. Darauf trat einer der Anführer wieder heraus, fammclte die Genossen und zog mit ihnen ab. Omar mit zehn anderen bliche» zurück. Nicht lange dau-rte eS, so trat der Köhler aus der Hütt^und brachte einen Riug Gerstenbier und Brot.
„Stärket euch,- befahl er ia seiner rauben barschen Art, „euer Hauptmann befiehlt euch» ihm nach dem Mühliiez zu folgen und dort den Erzkavalier vom Jülicher Hofe, Graf von EmbSbären, beim Baden auszulauern. Er trägt wichtige Pspiere bei sich, tu welche d:t Bund Einsicht nehme« muß. R>chtet euch also genau nach de» Winken bei Hauptmanns."
Da trat dieser schon über die Schwelle und winkte ihnen, ihm zu folgen.
Da geschichtlich festgestellt ist, daß die Beschützer des Raubrittertums bis in die Umgebung drs Kaisers hinauf zu fhben waren, wird der nun folgende Vorfall nicht Überraschen.
Drr grauende Morgen brach schon durch dis Wölk», als fir eine alte halbzrrfallene Mühle erreichten. Der Mühlbach hatte die Mauern schon halb weggespült und auch daS Mühlrad aus feiner Achse geriffrn. Ungefähr zehn Schritte von der Mühle entfernt führte ein schmaler Steg über
wiedergewinnen könnte.
AIS die Hauptursachen der polttischen Ohnmacht deS Liberalismus er kennt man feine Zersplitterung in dr i ober vier Fraktionen, die sich meist gegenteilig auf bas heftigste befehden. Zu sammen find die Liberalen im Reichstage erheblich stärker als die beiden konservativen Fraktionen, aber waS für eine Rolle spiele» sie im Vergleich zu dieser? Im »Hamburg. R^rr/ stellt ein Mann, „der feit mehr als dreißig Jahren im politischen Leben steht,- ihnen ihre Lage eindringlich vor. Er findet eS ganz selbstverständlich, daß die Regierung sich an die Konservativen und daS Zentrum hält; denn wen» sie auch noch so gern liberale Politik treibe, sie müsse doch mit ben gegebenen Machtverhältniffen rechnen; bet Liberalismus aber stelle gar keine Macht vor, au die sie sich stützen könnte. Die Frage ist also, wie gelangt der Liberalismus wieder zur Macht, ober wie bilde« die Liberalen wieder eine stark«
Berlin. 12. März 1903.
* Die Ansprache, hie der Hoch». Herr Erz- bischof von Köln gestern vor der Ablegung des HuldigungSeideS an Ge. Majestät den Kaiser richtete, hatte folgenden Wortlaut:
Euer Majestät
haben die Suade Gehabt, zu meiner Erwählung als Sr,< bisch-f von Köln Allerhöchst Ihre Zustimmung zu geben, und haben nach erfolgter Wahl und Bestätigung durch Seine Heiligkeit den Papst Leo XIII. mich hierher ,n befehlen geruht, um in die Hand Eurer Maj stät den Eid der Xteue ,u schwören und nach abgelegtem »id die Allerhöchste «nrrkennungsurkunde zu empfangen.
Ich danke alleruutertänigst für diese Beweise Königlicher Huld und stehe bereit, vor Gotte» Angesicht den Schwur der Treue zu leisten. Ich tue eS nicht bloS tn dem Bewußtsein der Pflicht, die mir von SotteS Wort anferlegt wird, daS Gehorsam gegen die von Sott einaesetzte Obrigkeit gebietet: ich tue eS auS innerem Herzensdrang. Denn ich verehre Eure Majestät m tiefster Seele alS den er ha- denen Herrscher, dem daS Wohl aller seiner Untertanen, auch — ich freue mich, e» hier auSsprechen to tonnen — seiner katholischen Untertanen am Herzen liegt. Ich verehre in Eurer Majestät den mächtigen, tarkräftigeu Fürsten, der in einer Zeit, wo vielfach Unglaube und Gottlosigkeit sich brüstet uns an den Fundamenten deS christlichen Volkslebens rüttelt, vor aller Welt kein Hehl macht auS feiner christlichen Neber,eugun, vielmehr bei den verschiedensten Gelegenhe ten seinen demütigen Glauben an die Majestät Jesu Christi, alS deS menschgewordenen Gottessohnes und Erlösers der Menschheit, kundgegeben hat.
AlS künftiger «i,bischof von Köln darf ich bei dieser feierlichen Gelegenheit au d-e bedeutsamen Worte zu erinnern mir erlauben, die Eure Majestät im ver- floffenen Sommer tn der zum Kölner Erzbistum zählenden allen Kaiferftadt Aachen ausgesprochen haben, durch die Eure Mojestät Allerhöchst Ihre Person, sowie daS Kaiserliche HauS und Heer und Volk unter den Schutz deS Kreuze» stellten.
Die erhebenden Worte, an denkwürdiger Stätte vorgebracht, haben weithin, namentlich tn unserem rheinischen Volle, jubelnden Beifall gesunden und helle Begeisterung wachgerufen für unseres erhobenen Kaiser» Majestät von «otteS Gnaden. Einem solchen Herrscher Treue schwören ist kein bloßeS kaltes Pflichtgebot, ist eine Pflicht, die mit warmem Herzen und mit freudigster Zustimmung geleistet wird.
Ich übernehme mit dem Amte, daS ich antreten soll, eine schwere, eine verantwortungsvolle Aufgabe. Ich bin mir deffen wohl bewußt, aber verzage nicht. Ich vertraue auf die An h äng li ch k e i t eines bewährten KleruS und eine» braven, gläubigen Volke», da» treu zur Kirche und treu ,um Vaterland steht. Ich vertraue namentlich auch auf den wirksamen Schutz und da» gnädige Wohlwollen Eurer Majestät und bitte alleruntertänigst, mir diesen Schutz zu bewahren, diese» Wohlwollen zu erhalten. , , „
Gott schütze, segne und erhalte Eure Majestät: Da» ist mein Wunsch und mein Gebet Er schütze, segne und erhalte auch Ihre Majestät die Kaiserin und daS ganze Kaiserliche Haus!
4- Da» Ausfall«« drr IrLHj«hr»P«rtid- unb dis Abhaltung einer größeren militärischen Usbung auf dem Döberitzer Gelände hängt mit der Ab 'cht des Kaisers zusammen, Friedrich dem Großen auf dem genannten Urbungsfelde zur Erinnerung an bis Manöver, die der alte P ceußen-
•'"fWOnfmU ». Parzelle» txfltiba. *’ mtt Zlnterhattungs-Meilage „Zllufirirte Sonntags-Zettung"