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ttt 3x\mU 3.p««gelUi t« *’ mit Unterhaltungs-Anlage „Illuürirte Sonntags-Ieitung"

M 56

JuLöa, Dienstag, den 10. März 1903.

30. Jahrgang.

Ist in der Gewalt des schwarzen Ritters,

wie zu Stein erstarrt unb ihre Lippen stammelten:

treder Reich

Berlin. d.^Mär, 1903

»Der First!" stieß er schreckensbleich hervor, »der Fürst, der zurücklehrt von der Verfolgung de« schwarzen Ritter«." Doch gleich darauf prallte er zurück. Es war ein Trauerzuz, der nahte, mit düster« Schweigen! Die Fürstin stand schon am Fenster. Ihr spähende« Auge traf da« reich, geschirrte Pferd, auf welchem der Reiter fehlte.

»Wo ist der Fürst?" ri;f sie, unb in ihren Augen glühte die tötlichste Angst, »ich sehe den Fürsten nicht!" Jsengarb riß st.» mit sanfter Ge« walt von dem Fenster hinweg; ihr Blick hatte den Kriegertrupp wahrgenommen, der auf Lanzen gebettet eine unbewegliche mtt dem Reitermantel bedeckte Gestalt daherbrachte.

„Fasse Dich, Teure", redete fie sanft und mit Gewalt ihre eigene Fassung bewahrend, »schon ist der Gras hinab, um Nachricht zu bringen. S, mein Gott! Mein Gott", rief sie in der Der« zweiflung ihre- Her^nS, als sie die Fürstin totenbleich unb sterben-matt zurückfinken sah, »fasse Dich, um Deine- Gatten — Deine- «ohne- willen!"

ficht, daß die gläubigen Elemente beider Konfessionen zum Schutze der christlichen Welt­anschauung zusammenhalten müssen. Diese« fried« ltche Zusammengehen wird von unserer Seit« immer gefördert werden; wir verlangen nicht« weiter, al« daß man un« nicht in unseren Rechten al« Katholiken verletz« und un« hinter unseren protestantischen Mitbürgern nicht zurücksetz«. Ran sollt« mehien, auch di« Regierung hätte ein Interesse an dem gemeinsamen Kampfe gegen de» Unglauben. Sie erschwert ihn aber, wenn sie Forderungrn der Katholiken abweist, die sogar die Konservativen als dnrchau« berechtigt anerkennen, wie di« in der Orden«« und in der Kirchhoftfrage.

Folge gab. Ich stand und rührte mich nicht, sein Hütferuf drang zu mir her, er sah mich an — o, dieser Blick, der mir keine Ruhe läßt! Ich schwankte, ich wollte der bessere» Ein­flüsterung Gehör schenken — da verschwand er — sie hatten ihn mit fich hinabgezogen. Nunmehr empfand ich nur et» Gefühl der Erleichterung, ich eilte hinweg, ich wünschte nur das Glück, ha8 Leben-glück meines Kinde- gesichert, — unb »un diese- Entsetzliche, Unfaßliche!" Er legte sie flache Hand an die Stirn unb schwieg reueerfüllt, während seine Tochter mit leisem Stöhne» auf den Divan zurücksank un > den entsetzlichen Schmer- ihre- Innern nicht ertragen zu können glaubte. Ihre Jammerlaute schnitten dem Burggraf« ins Herz.

„Jsengarb," stieß er rauh und heiser hervor, »sag« Du den armen Eltern, daß ich der Mörder ihre« Sohne» bin, und bitte fie, daß fie mir ver­zeihen." Damit eilte er hinaus, während daS laute und verzweifelte Weinen seiner unglücklichen Tochter durch bett stillen Raum drang. —

Die Fürstin hatte mit zitternder Hand beu Vorhang zurückgeschoben unb sah den ermattet auf dem Lager htugestreckten Fürsten, der bei ihrem Anblick vergeben« ein Lächeln auf seine Lippe» zu bannen suchte. Sie neigte sich voll unsagbarer Liebe über ihn.

»Deinen Sohn, Deinen Sthelred habe ich Dir zuführen gewollt," flüsterte fie mit erstickter Stimme, »aber nun komme ich wieder mit leeren Hände«. Ach! Udo, unsere Leidenstage stad noch nicht z» Ende. Wie muß ich Dich wiederfinden!" Er og fie herab und winkte ihr, ihr Ohr seine« Munde nähr zu brirzrn.,

»Frau Fürstin", sprach er schnell, »bet Fürst verlangt nach Euch. Ec ist verwundet. DeS Ritter- Lanze traf ihn am Fuße unb durchschnitt ihm eine Sehne. Gefahr ist ausgeschlossen." Und er leitete die fast zusammenbrechende bleiche Frau

I hinunter. Jsengard sah fich allein; nun war ei auch mit ihrer Fassung zu Ende. Schluchzend | sauk sie auf den Divan nieder unb schlug beide Hände vor's Gesicht. Mit wieviel Hoffaunßen war fie heimgekehrt, nun sah fie alle vernichtet. Sie wußte noch immer nichts Über Omar's Ver­bleib, aber daß et nicht mehr in der Waldklause war, sagte ihr ihres Vaters Erbleiche». Hier lag etwas vor, das eine Schuld in fich schloß.

»Jsengard!" Sie sah empor. Ihr Vater stand vor ihr, bleich — wie ein Schuldiger.

»Eine härtere Strafe konnte mich nicht treffen, al« daß dieser Falkner deS Fürsten Sohn ist." Sie sah ihn fest und ernst an.

„Du hast ihn getötet, gestehe eS nut. Ver­schone mich nicht," tief fie in au-brechendem Seelenschmerz, »mit seinem Leben ist auch da- meinige verwirkt. Du kannst uns das gemein- schaftltche Grab gönnen." Sein Haupt sank auf die Brust. v

»Dann nur lieber tot! — Omar! Omar!" stöhnte fie in heißem Schluchzen, »nun weiß ich, daß Du mit auf immer verloren bist!"

„Die Hölle hat ihn mir geschickt," begann der Burggraf hastig, al« dränge e« ihn, seiner Schuld fich zu entlasten, „al« er kam und zum Schutze her Burg mir seine Kraft anbot. Da stieg schon bet finstere Gedanke in mir auf. Ich Überlieferte ihn bereit willigst bet Gefahr. Wenn der feindliche Speer ihn traf und er auf der Wahlstatt ver­blutete, bann war er au-gestrichen au« ber Liste der Lebendigen, hinweggeraumt au« dem Leben«- kreise, ohne daß mein Gewissen eine Schuld drückte. Aber er kam ander«," sprach er düster vor fich hin, „die Urbermacht ber Feickde ließ unser fichere« Verderben vorausseh«», da trat er im Gewühl« de« Kampfe« vor mich hin und forderte al« Sieger­preis meine Tochter, mein einzige« Kind, meinen Stolz. Ja ber Verwirrung bes Augenblicks figte ich zu, ich hätte mein Todesurteil unterschrieben in diesem entsetzlichen Momente, wo die Plünderung meiner Burg durch jene gefürchtete Bande bevor- stand. Und dann sah ich ihn mit Löwenmut in bat ärgste Gemetzel stürzen, sah ihn fechten und ringen — der Sieg mußte unser sein, aber ich hatte keine Freude mehr daran. Der Preis dieses Siege« war mehr, al« ich geben konnte, ich be­reute tief. I« diesem Momente der tiefsten Grolle- über den kühnen Sieger sah ich diesen von den Schare» des Raubritters umzingelt, leraöe als ber Ruf von ber Ankunft ber KvaigSburger zu un« her drang Sein Blick flog flchend, hülfeheischend zu mir her, schon faßte ich mein Schwert zum wuchtigen Schlage, >a kam mir ber gräßliche Gedanke, dem ich

* A« AeichvmSnze« wurde» ausgeprägt im Monat Februar für 1787700 Mk. Doppel- krönen, 3 429 900 Mk. Kronen, 2831370 Mack ! Fünfma kgücke, 2040970 Mark Zweimarkstücke, \ 183083 3KI. Ei»Markstücke, 14276 M . Zeh». rf,n'iflW 36983,25 Mark Fünfpfennigstücke, 21075,28 Mark Einpfennigstücke.

+ In ten Eisenbahn «Dir ektionSbe- «irkin Posen nsd Bromberg stehe» zum 1. April zahlreiche Aerseßnn-en, besonders von mitil-ren und unteren Beamten, bevor. Es werden in beiden Direktionsbezirken nahezu fäm:« liche Beamten polnischer Nationalität nach dem Westen des Reichs versetzt werden. Ihre Zahl beläuft fich gegen 300. So sollen z. B. aus dem Direktionsbezirk Posen 94 Fahrbeamte ihre Versetzung nach dem Westen erhalten haben. An Stelle oer versetzte» polnischen Beamte» trete» deutsche auS ber Gegend von Elberfeld, Hannover, Hamburg, Provinz Sachsen rc. Die tonfefftoneöe Frage hat, so versichert dar ,Pos. Tagebl/ bei

+ Aerr Jr. Kart-, ber sich immer mehr ium Führer bes „Gesamtliberalismus" aufzu« schwingen sucht, kandidiert nicht wieder in Wittenberg-Schweinitz für den Reichstag, und zwar, wie er seinen Wählern erklärte, „weil er den Konservativen den Wahlkreis Kolberg- Köslin abnehmen wolle". An feiner Stelle kandidiert in Wittenberg eine andere Berliner Freistnnsleuchle, der Landgerichtsrat a. D. Dove. Wie nun, wenn ber „Gesamtliberalismus" ba« durch Wittenberg-Schweinitz verliert, ohne Kol- berg-Kösli« zu gewinnen?

+ Die freisinnige WolKrpartet hat ihre Wahlbe-verber für die Provinz Ostpreuße» jetzt ernanm: 4 Rechtsanwälte für Labiau (Roiher), Königsberg (Syfiling), Fischhausen (Lichtenstein)

»Getötet habe ich ihn nicht," sagte er dumpf, aber habe ich nicht Schlimmeres getan, indem ich ihn seine» Feinden überlieferte?" Sie preßte , seine» Arm und sah ih» entsetzt an.

»Meine Kraft ist,»Ende", hauchte die Fürstin, „Sprichst Du nie Wahrheit?" preßte fie her-

»Herr, mein Gott, mache es kurz mit mir." Da | vor, »ist eS nicht ein bitterer Trost, den Du mir kehrte der Burggraf zurück. Krampfhaft richtete geben willst. Ornat —"

sich die Fürstin empor. Jsengard« Atem stockte „Ist in der Sewatt deS schwarze» Ritters," momentan. WaS sollte fie jetzt hören? Aber der stieß er mit heiserer Stimme hervor. Sie saß Graf atmete auf. | wie zu Stein erstarrt unb ihre Lippen stammelten :

Die Zurücknahme des Trierer Publikandums

wird in bet gesamten nichtkatholifchen Presse als «in großer Erfolg deS Grafen Bülow unb bet preußischen Diplomatie, als ein schwerwiegender Sieg der Staatsgewalt übet die klerikalen Uebergtisfe und als eine rmpfindlicheN iederlagedrS Bischofs so» Trier sowie seiner Verteidiget in der Presse und im Parlamente gefeiert Die verzückte,Nat.« Ztg.' meint sogar, eine solche Unterwerfung eine- Bischof- unter die Staatsgewalt sei in Preußen «och nicht dagewesen, einen Teil deS Verdienstes beansprucht daS Blatt indes für die National- Metalen, die mit ihrer Interpellation da« Vor­gehen ber Regierung veranlaßt unb bis Bedeutung

Trierer Zwischenfalls vor dem Laube festge- rstellt habe. Blätter, die ben Nationalliberalen ßanz so freundlich gefinrt find, nehmen eben Teil des Verdienstes für die »öffentliche Meinung" und die Presse in Anspruch.

Diese Ansprüche werden vom Grafen Bülow »whl nicht anerkannt werden. Er weiß seine Erfolge" immer gut in Szene zu setzen, ein «e»ei«, wieviel ihm daran liegt, Bewunderung für seine diplomatische» Leistungen zu ernten, unb deshalb wird er wohl auf kein Titelchen feine« Erfolge- verzichten wollen. Billigerweise sollte die Genugtuung über diesen Erfolg auS> teichen, um aller Klagen über die Nachgibigkeit ^«Mtoirale Ansprüche" verstummen zu machen. Eine Regierung, die so schneidig aufzutreten und f- glatt und rasch zu siegen weiß, sollte doch fortan vor jebem Verbuchte gesichert sein, «bet aftbafo mischt fich bei einem großen Teile ber griffe in die Freube bfe bange Fruge, mit welchen Opfern ber Erfolg verknüpft fein möge?

Nun hat frellich ber Kultusminister im Ab« geordnetenhause sofort erklärt, die von bet Regie« ru«0 in dieser Angelegenheit nach Trier gemachten Aitteilungen ginge» über ben Rahmen ber von be» Ministerpräsidenten unb ihm gegebenen Er. «ärnngen nicht hinan- unb die .Nordb. Allg.

sagt dasselbe, aber mißtrauische Gemüter daßdieseErklSrungen det»Nachgibig. fett weiten Spielraum lassen, und daß später und an anderer Stelle ja noch »eitere Zuge« 'Zändniffe gemacht »erben könnten. Wer ben Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über de» KultuSetat gefolgt ist, »ird frellich finden, daß von nichts weniger als Nachgiebigkeit ber Regierung gegen „klerikale Forderungen" die Rede fein kann, aber gewisse Leute schreien ja schon bann über „schwächliche Nachgibigkeit", Een» die Regierung ber katholische» Kirche gegen« Übet keine schroff feinbliche Haltung einnimmt.

Der KultuSm nister sprach die Hoffnung auS, daß nunmehr bie Erhaltung eines friedlichen Ver­hältnisses in Trier ermöglicht fei, unb die,Nordb. I ÄHgem. Zig.' freut fich, baß ber Angelegenheit Ihre für ben konfessionellen Frieden bedenkliche Bedeuiung genommen sei. Wir wollen auf eine

4- «m heutigen Godeota-e Kaiser Mk- Helm« I, war dessen Ruhestätte im Mausoleum zu Charlottenburg mit frischen Blumen dicht be­deckt. Von 8-9 Uhr läutete die große Glocke der Kaiser Wilhelm - »edächtnißkirche. »ege« 8x/i Uhr war der Seh. Rat Mießne r mit dem Kranze für daS Kaiserpaar am Mausoleum ein« getroffen, dann kam der diensttuende General- Adjutant von Scholl und Prinz Heinrich. Kurz nach 9* 1/« Uhr erschien ber Kaiser unb die Kaiserin unb legten bie auS Rosen unb anbeten weisen Blumen gewundenen Blumen sp«nden auf den Sarg Kaiser Wilhelm L nieder. Such ber Sroßherzog unb die Großherzogin von Baden, sowie das erbgroßherzogliche Paar hatten Kränze ■Überlegen lassen, wie solche auch von Offiziere» aller derjenige» Regimenter, deren Chef der Kaffer gewesen, gespendet wurden.

+ 3®«t Torpeboöoot ■ Ikotitke« werben « diesem Sommer formiert »erben; die erste, welche Korvetten - Kapitän Hipper befehligen soll, wird am l.Juli zusammentreten, die zweite am 30. Juli. Ehef derselben ist der Kapitän- Leutnant Lange. Die Flotille setzt fich auS Wei Divifionen zusammen, d'e Dioistons - Ehest Pud die Kapttän-LeutnaniS Tie-meyer, Köthner undv.Manteuffel; Kapitän-Leutnant Lange, Ches der zwellen Flotille, ist auch gl.ichzettig! DioifionS.EHef. I

und Gumbinnen (Stein); 2 Lehrer für Braun-« berg (Swett) und Stallupören (Nickel); dann dem ländlichen Chatattet der Provinz zuliebe 1 Gutsbesitzer für Heiligenbell (Bielke), Rastenburg (Hornung) und Ragntt (Franke); endlich in Tilsö den Stadttat Dältz und inAllenstein den Mühlen« besitzet Hermann. Besonders wird die Kandidatur de- au« dem Trakehner Schulprozeß be­kannte» Lehret- Nickel bemerkt werden.

X Die Stichivaht im württembergffehe» Landtags Mahtkteffe Münsingen ist der „Ober­leitung" deS Bundes ber Landwirte arg in die Quere gekommen. Als die Bundesleitung den Beschluß ber Vertrauensmänner diese- Kreise-, für den Zentrumskandidaten zu stimmen, gegen bie ZentrumSpreffe au-fpielte, hatte bie Stich­wahl bereits siattgefunden und getreu bet Überall geübten Praxis hatten bie Bündlet dem Gegner deS Zentrums zum Siege verhalfen. Die .Deutsche Tageszeitung' bedauert diese „Disziplin­losigkeit" und verstchert, die Leitung des BunbeS sei nicht dafür verantwortlich. Daß die „Leitung", gllst waS ihr unbeqiem ist, auf die „Set« ttauenSmännet" und die Mitglieder deS Bunde- abschiebt, wisse« wir ja längst. Die Suche nach dem Verantwortlichen ist ganz überflüssig. S- ist einmal Tatsache, daß der Bund immer unb Überall zu ben Gegnern des Zentrums hält. In Münstngen ist eS wieder bestätigt worden und in Hildesheim wird eS fich »»hl auch be« stättgen. Die.Deutsche Tageszeitung' möchte die Schuld dem Zentrum zuschieben, dem e- nicht gelungen sei, bei den BundeSmiigliedem Set« trauen zu erwecken. Ja, woher soll denn da- Settrauen kommen, wenn wir sehen, daß die Bündlet fich überall zunächst al- Protestanten fühlen, wenn fie einen Katholiken wählen sollen? Man gebe uns doch irgend eine Tatsache ap, wodurch ber Bund fich daS Vertrauen de- AenttumS und ber Katholiken verdient hätte. UebrigenS find wir über Münfizen keine-weg- unglücklich. Diese Stichwahl kommt gerade gn rechter Zeit, um vertrauensselige katholische Land­wirte vor dem LiebeSwerbe» der Bunsesagitatoe« zu warnen, die so schön von den gemeinsam« Interessen der Landwirte beider Konfessionen gu reden wissen.

l prinzipielle Erörterung deS nunmehr zurückgenom­mene« Erlasses nicht eingehen. Aber das wird doch jeder Unparteiffche zugeben müsse», daß der Regierung ein ganz erheblicher Teil der Schuld zusällt, wenn nach ihrer Ansicht ber konfessionelle Fried« gestört oder gefährdet worden ist. Sie gibt ja mit bet Bereitwilligkeit, »Un- zuträßlichkiten und Inkongruenzen" zu beseitige», selbst zu, daß Grund zu Beschwerden aus katho­lischer Sette vorlag. Sogar bie .Nat.-Ztg.' wogt bas nicht ganz in Abrebe zu stellen. ES ist un­nütz, jetzt noch darüber zu stretten, ob der Bischof bie Abstellung ber „Inkongruenzen" auf andere Weise hätte erlangen können und ob bie Regie- rung »iht verpflichtet gewesen wäre, fie längst abzuschaffen. Durch die Zusage, ben Wünschen ber Stierer Katholiken gerecht zu werben, hat bie Regierung dem Bischof zum Teil recht gegeben. Bon einer Niederlage des Bischofs zu reden, wie eS die liberale Presse tut, wäre nur bann be­gründet, wenn er den Erlaß hätte zutüSnehmen müssen, ohne daß ihm die geringste Aendetung des bestehenden Zustandes in AvSstcht gestellt worden wäre,

Jndeß auch die Frage, wer den größeren Erfolg, wer die größere Niederlage zu ver- zeichnen habe, ist praktisch bedeutungslos. Die Hauptsache ist, daß nunmehr friedliche unb er­trägliche Zusiäede in Trier hrtg,stellt werben. Wir bfirfen wohl erwarten, baß bie Regierung baldigst dafür sorge» wird. Die rasche und den Liberalen zu so hoher Befriedigung gereichende Erledigung deS Trierer »Zwischenfalles" hat handgreiflich gezeigt, daß es sich hier nur um einen durch die lokalen Verhältnisse hervor­gerufenen Fall handle, nicht um ben AuSbruch eines allgemeinen „klerikalen Kampfes gegen bie Schule," nicht um eine „klerikale Herausforderung" unb eine „von langer Hand vorbereitete Friedens­störung," Vom Zentrum ist daS sofort behaup­tet worden, allein man wollte ihm daS nicht glauben, um den Fall möglichst aufbausche» und ausbeuten zu können. Auch jetzt noch wird man nicht gern zugeben, daß man sich geirrt hat. Die ,Nat. Ztg.' erklärt kategorisch, eS könne gar keine Rede davon sein, „daß durch die Desavouierung des Trierer Bischofs seitens der Kurie an der Be­urteilung der von dem KlerikaltSmuS in Deutsch- land gegenwärtig drohende» Gefahren etwas ge» ändert würde." Dem Sinne »ach äußern fich andere Blätter ebenso. Also etwas kon­fessionelle Hetze und Kulturkämpferei muß um jeden Preis gemacht werden.

Glücklicherweif« ist, wi« bie Kultusdebatten im preußischen Abgeordneter hause wiederum gezeigt habe», bie Stimmung dafür nicht säuberlich „lebhaft". Auch in konservativen Kreisen hat man fich ja, wie die Rede be« Abg. Dr. v. Heydebranb zeigt«, etwa« breinfluss m lassen durch bas Geschrei über bi« Bevorzugung der Katholiken und die schmählich« Nachgibigkeit ber Staatsgewalt, aber man ist dort doch auch vorfichtig genug, um darauf zu achten, woher beim diese« Geschrei vorzugs­weise kommt. Und da erkennt man dann leicht, daß es bl« liberalen Parteigänger bes Un- glaubens find, die fich am meisten durch das „Vordringen be« Klerikali«»»«" beunruhigt fühlen. Demgegenüber verschließt man fich nicht der Ein­

Vrr M auf btt ümgslmg Origtualerzühlung aus der Geschichte der ehemalige» Jülicher Lande von «leca Ruth.

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