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M 55.
MuL-a, Montag, den 9. März 1903.
30. Jahrgang.
T Die „Bevorzugung" der Katholiken
ist heute ein beliebtes Thema bei allen, die aus der koufeffionelle« Abneigung weiter protestantischer Volkskreise gegen die Katholiken politischer Kapital schlagen zu können hoffen. Die Nationalliberalen und die gretfinnigen Wadenstrümpflrr wetteifern im Landtage und Reichstage im Gebrauch dieses Schlagwortes. Wir Katholiken können es nur als Hohn empfinden. Wo zeigt sich denn diese Bevorzugung? Gleich der erste Tag der KultuSdebaiten im Abgeordnetenhause hat uns wieder lebhaft not Augen geführt, wie eS in der Wirklichkeit steht.
Der 86g. Dr. Sattler behauptet, immer mehr Katholiken würden in den Staatsämtern angestellt. Wenn er uns doch wenigsten- im Kultusministerium, dessen Etat zur Debatte stand, die Menge der Katholiken hätte nennen Annen. Der Abg. Dr. Dauzen berg glaubte Grund zu der Beschwerde zu haben, daß in diesem Ministerium die Katholiken viel zu wenig vertreten seien. Wenn in irgend einem Ministerium spezifisch katholische Angelegenheiten erledigt werden und katholische Jntereffrn wahr- zunehmen find, dann gerade im Kultusministerium. Der Minister aber hat nicht einmal den Versuch gemacht, die Beschwerde DauzenbergS als unbegründet zu erweisen. Er berief sich nur darauf, daß der König allein die Beamten zu ernennen habe und er selbst die Verantwortung für alle Handlungen der Beamten seines Ressort« übernehme. Darauf kommt eS iudeß nicht an, sondern darauf, daß katholische Angelegenheiten mit Sachkenntnis und Objektivität entschieden werden. Ist dafür Gewähr geboten, wenn fast ausschließlich protestantische Beamten entscheiden?
Man braucht gar keine bewußte Parteilich- tat anzunehmen, aber was würden der Sattler und Geuoffen sagen, wenn im Kultusministerium vorwiegend katholische Räte säßen und in proteflanttschen Angelegenheiten zu entscheiden Hütten? Das würde als eine geradezu unerträgliche Bevorzugung der Katholiken mit Recht empfunden werden. Dann soll man aber auch nicht über Bevorzugung der Katholiken klagen, wenn die Dinge genau umgekehrt liegen.
Wie steht es weiter auf dem Schulgebiete? Weder in bezug auf die konfesfiouelleu Schule« aller Art noch in bezug auf die vchulaufstcht find die Katholiken bevorzugt. Im Gegeuteil. Und waS vom Bereiche deS Kultusministeriums gilt, gilt von allen übrigen Ministerien. Ganz besonders unangebracht war die Behauptung von der Bevorzugung der Katholiken und der Nach- giebigkettder Regierunggegenüberden „Ansprüchen der Hierarchie", nachdem der Kultusminister ge- radr einen recht krassen Beweis dafür geliefert hatte, daß die Katholiken nicht einmal den Anspruch auf Gleichberechtigung durchsetzen können. Bor zwei Jahren hat das Abgeordnetenhaus mit großer Mehrheit den Antrag Fritzen-Heereo an angenommen, daß die Hinderniffe, die dem freien Mrken der katholischen Krankenpflegeorden auf dem Gebiete der Nächstenliebe noch immer ent-
In Laub auf btt Läuigsburz.
Origtrralerzählunz auS der Sefchichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
28 ------ (Nachdruck verboten.)
„Hörst Du nicht, Agnesta? Eoelred, der Geraubte, wird in die Burg seiner Väter einziehrn!" Und fie eilte der Fürstin nach. Agnesta kreuzte die Hände über die Brust.
„Zwei Menschen auf einmal närrisch geworden," seufzte fie, „wer hätte solch ein Ende vor. ausgesehen 1"
Die letzten auf der KönigSburg zurückgebliebenen Wachmannschaften wurden aufgeboten und unter solch bewaffneter Begleitung die Reise zurück nach der Rideggburg angetreten. Ver- gebens war JsengardS Einwand, daß fie möglicherweise mttten in den Kampf hineigeriete«, die Fürstin war fieberhaft erregt, ihre letzten Leben?- kräfte flackerten auf, und fie stählten fie gegen die Strapazen der unbequemen, in dieser Zeit nicht ungefährlichen Reise. Konnte man dem Mutterherzen, das so lange entbehrt, die Eile verargen, die eS nach dem geliebten Sohne trieb? Jseugard beobachtete fie mit geheimer Sorge. Sollte fie einer abermaligen Täuschung entgegen« gehen, dann war ihre Lebenskraft aufgezehrt. Isen- gard fühtte die Tränen in ihre Augen steigen, als fie die von Sehnsucht nach chrem Kinde verzehrte bleiche Frau in d.n Kiffen deS Wagens ruhen sah. Wer hätte jene Wendung vorau-gesehen! Omar der Sohn des Fürsten von Jbichau, nicht mehr der ungeachtete Falkenier. Sie durfte wieder glücklich sein, durste hoffen. Ach, Gott! auch
gegenstehen, beseitigt werden und die Orden den Diakonissen gleichgestellt werden möchten. Heute erklärte der Kultusminister, die Regierung habe beschloffen, dem Anträge keine Folge zu geben. Die Begründung ist Die altbekannte: die katholischen Orden find organisch mit der Kirche verbunden, hängen von kirchlichen Oberen ab, haben ein dauerndes Gelübde abgelegt, kurz, find etwas wesentlich anderes al« die Diakoniffen, die sich unter das bürgerliche Gesetz gestellt haben und von der Kirche unabhängig find, und rnüffen daher anders behandelt werden alS diese.
Also unsere Orb en mflffen unter Polizeiaufsicht stehen, während die ordensähnlichen Organisationen der Protestanten völlig frei find, und das nennt man dann nicht allein Parität, sondern sogar Bevorzugung der Katholiken! Wir sehen ganz davon ab, daß Abg. Dr. Porsch den organischen Zusammenhang auch der Diakoniffen mit der Kirche nachwies, sondern fragen nur: Wo haben die katholischen Ordensschwestern irgend etwas getan, wodurch fie verdient haben, mit Mißtrauen behandelt, unter Polizeiaufsicht gestellt und den Diakonissen gesetzlich nachgestellt zu werben? Der Kultusminister selbst zollte ihrem Wirken Anerkennung. Warum behandelt man ste denn nicht auch dementsprechend? Daß die OrdeuSpersonen und OrdenSniederlaffungen sich seit einigen Jahren bedeutend vermehrt haben, wird von der Regierung ja regelmäßig als Beweis deS ihnen gegenüber betätigte« Wohl, wollens angeführt. Aber, wie Abg. Dr. Porsch mit Recht hervorhebt, sind in noch viel stärkerem Maße, alS die Orden, die Aufgaben für die Orden gewachsen, und jedenfalls ist ihre Zunahme kein Beweis, daß sie gerecht und paritätisch behandelt werden.
Auf die Behauptung, die Regierung komme dem Zentrum und der katholischen Kirche immer weiter entgegen und zeige eine immer größere Nachgibigkeit gegen die Ansprüche der Hierarchie, hat Abg. Dr. Porsch mit der Aufforderung geantwortet, ihm in der Gesetzsammlung auS der ganzen verflossenen Legislaturperiode doch ein einziges Gesetz zu zeige«, welches daS bestätige. Herr Dr. Sattler hat diese Aufforderung unbe- achtet gelassen und nur die Behauptung wiederholt. Dadurch wird fie nicht wahrer. Der Kultusminister beruft fich, wie feine Vorgänger, sobald die Abtragung der Reste der Maigesetz- gebung gefordert wirb, darauf, daß die bestehende kirchenpoltttsche Gesetzgebung auf einer Vereinbarung mit dem hl. Stuhle beruhe. DaS klingt, alS fü.chte man des Vertragsbruches geziehen zu werden, wen« man die Gesetze ändere. Und doch weiß man ganz gut, daß die Vereinbarung nur einen modas vivendi Herstellen sollte, der das Mindeste bot, was die Kirche beanspruchen mußte. Die Voraussetzung war, daß die Regierung sich später zu weiterer Revision der Gesetze bereit zeigen werde. Wäre etwas von der Nachgiebigkeit der Regierung und der Bevorzugung der Katholiken vorhanden, von der die Kulturkämpfer reden, so hätten die Gesetze längst geändert werden müssen.
ihr bangte so sehr. Konnte fie die Größe ihres Glückes nicht fassen? Die Fürstin fuhr empor.
„Hörst Du'S läuten, Jseugard?" Sie horchten in den stillen Abend hinaus. Von rah und fern tönten die Glocken über die tauige Flur.
„Gottesfriede!" murmelten dankerfüllt die Frauen. Jene vier Tage bet Woche wurden ein geläutet, an welchem Die Fehde ruhen sollte. So kamen fie eben recht in den FriedenStagen, wo der Glockenmund weit und breit den Gottesfrieden verkündete, um auch ihn, den Heimat- und Friedlosen, heimzu führen zum häuslichen Glücke.
In nebelgrauer gerne stiegen bereits die Türme von Burg Nideggen empor. Die Fürstin lehnte fich durch das Wagenfenster und sandte ihre Blicke suchend auS.
„Udobald, llbobalb!" flüsterte fie, „dein Sohn steht neben dir, und du kennst ihn nicht."
Sie hatten den Felsen erreicht. Spuren deS Kampfes waren noch stchtbar, Steine aus der Mauer gerissen, Blutlachen ringsum, nieder- getretenes Gras und entwurzelte Über den Graben gelegte Baumstämme.
Jseugard richtete fich empor und sah die Mauern hinauf. Da schmetterte deS Türmers Horn und die bewaffneten Zugführer schlugen mit den Waffen zusammen. Hinter den Mauern wurden Stimmen laut. Die Zugbrücke raffelte herab, der schwere Reisewagen rollte darüber und in den Burghof hinein. Welche beängstigende Stille!
An daS Fenster deS Rittergemaches trat der Burggraf und schaute von dem Geräusche deS heraurollendeu Wagens aufgeschreckt in den Burghof hinunter.
„Die Fürstin!* rief er staunend aus und
Berlin, 7. März 1903.
X Aer ,ewftM<tramo*fa*<* Vereint- g«ng", Die nichts ist als der Evangelische Bund unter einer anderen Firma, schreibt die kouser- vativr ,Kreuzzeitung' ins Stammbuch, daß ste lediglich als Erzeugnis einer ebenso hartnäckigen wie unfruchtbaren Preßogilatiou anzusehen sei. „Wie kann man fich darüber wundern, daß diese Agitation bei ihrer Unermüdlichkeit auf uupo- lische Gemüter endlich in dem Sinne einwirkt, daß fie sich zur Tat aufraffen, um dann natürlich etwas ganz Verkehrte« zu tu« und der Sache, der fie »Ützen wolle«, wahre „Bären- Dienste" zu leisten? Hinterdrein jammert man dann, daß man die gerufenen Geister nicht wieder loS wird, oder sucht, was klüger ist, seinen Aerger schweigend herunterzuwürge«, wie eS z. B. die ,Nat.-Ztg.' tut, die fast täglich lange Auslassungen über die Trierer Vorgänge bringt und unmöglich „Stop" rufe« kann, wenn weltfremde Professoren, die diese Philippiken morgen« und abends zu lesen bekomme«, schließlich wild werden und eS für ihre heilige Pflicht halten, gegen Rom von sich auS mobil zu machen, ohne vorher bei der Parteileitung anzufragen, ob ihr das auch genehm wäre." Dieser Spott des protestantisch-konservativen Blatte- ist bitter, aber vollkommen berechtigt.
+ Unsere Behauptung, der Kund der Land wirte sei bei den Wahlen stet« und Überall mit den Gegnern des Zentrums gegangen, glaubt die Korrespondenz des Bunde- widerlegen zu können mit dem Hinweis auf Hildesheim und Meiningen, wo die Vertrauensmänner des Bundes beschloffen haben, für de« Kandidaten des Zentrums zu stimmen. Stolz ruft die Korrespondenz aus: „DaS sind zwei Nachrichten auS der allerneuesten Zett, die von einem einmütigen Eintreten der Vertrauensmänner des Bundes für ausgesprochene Zentrums-Kandidaturen berichten. Hier wie dort steht der Entschluß der lokalen VerttauenSmänner in vollkommenen Einklang mit den Anschauungen auch der Oberleitung bei Bundes in Berlin. Daß eS sich hier etwa um Wahlkreise handele, in bene« die Stimmen der Bun- beSmitglleber nicht ins Gewicht fielen, das wirb doch selbst die ZentrumSpreffe nicht zu behaupten wage«." Jawohl, das sind zwei Nachrichten „aus der allerneuesten Zeil". Aber wo find die Nachrichten gleicher Art aus der Zeit, die vir der Aufstellung unserer Behauptung liegt? Mit nachträglichen Beschlüssen der Bündler kann man doch eine Behauptung nicht widerlegen, die sich auf eine frühere Zeit bezieht. Im übrigen wollen wir abwarten, wie die Bündler in Den beiden Kreisen Wort halte« und wie fie fich anderswo benehme«.
ft Der Vorsitzende der Zrntrumsfraktion im preußischen Landtage, Herr Landesrat Iritze«, fM—HT7
konnte sich deren unerwartete Ankunft nicht erklären. Ehe er indessen hinuntereilen konnte, wurde der Türvorhang hastig zurückzeschoben und von Jsengard gefolgt hat Die Fürstin über die Schwelle.
„Gras — meinen Gatten suche ich und — meinen Sohn!" rief fie in zitternder Erregung, und ihre Augen durchflogen ängstlich forschend daS leere Gemach. Der Burggraf führte die völlig erschöpfte Fürstin zu dem Sessel am Kamin und drückte fie sanft nieder.
„Laßt uns in Ruhe reden", sagte er, der der Sache verständnislos gegenüberstand, „was bringt ihr für neu'S Unheil, Fürstin?"
„Ich soll ruhig sein? O, Graf, schon allein der Anblick eurer Rahe tötet mich! Wo ist mein Gemahl? Wo ist mein Sich»? —
„Wo ist Omar?" flüsterte Jsengard und ergriff deS BaterS Arm. Dessen Brauen zogen sich zusammen, aber Jsengard sah sein Erbleichen.
„Vater," sagte fie dringender, „weißt Du, daß Omar in der Waldklause ist?" Der schüttelle ste heftig von fich ab.
„WaS kümmert Dich der Falkner? Der soll Deine Wege nicht mehr kreuzen!"
„Ich gehöre qu ihm. Vater. Wir find gekommen, uns nimmermehr von ihm zu trennen!"
„Unglückliche" herrschte fie der Erzürnte an, „nenne mir den feilen Knecht nicht mehr, der es gewagt, feine Augen zu der Tochter beS mächtigsten Ritters zu erheben! Jener Elende, der fich mit verräterischen Plänen auf meine Burg eingeschlichen, der Bube —."
„Höre auf — Vater, eS ist Unrecht —
„Unrecht?! Welches Recht hat jener Knecht zu beanspruchen?"
hat fich aus Gesu^dyeliSrückfichten für einige Wochen nach Meran begeben, wo zur Zeit auch Herr Abg. Dr. Bachem weilt.
X Astg. von Aardorff veröffentlicht in der »Post' einen Artikel, worin er fich gegen offiziöse Angriffe auf den Bund der Landwirte in den Kreis blättern auSspricht und dem Bunde großmütig das Zeugnis ausstellt, daß er in völlig loyaler Weise Den Frieden in Den Wahlkreisen nach Möglichkeit aufrecht zu erhalten suche. Herr von Kar dorff hat bekanntlich seinen Austritt auS dem Bunde erklärt, nachdem der „engere Vorstand über die Reichs Partei die Bundesacht verhängt" hatte. Jetzt erklärt er, anerkenne« zu müsse«, daß der Bund bei de« Wahlen mit weiser Mäßigung vorzugehen scheine, um nicht agrar« feindlichen Kandidaturen Vorschub zu leiste«. Nachdem auch von de« führenden Herren im Bunde anerkannt sei, daß fich auf Grund des angenommenen Zolltarifs Handelsverträge abschließen lassen, welche der Landwirtschaft wesentliche« Nutzen schaffen, könne ma« eS ihm aller- dingS nicht verdenken, wen« ste namentlich bei neuen Kandidaturen sich die Herren darauf ansehen, ob diesen je zuzutrauen ist, daß fie bei ungenügender Berücksichtigung der Viehzölle resp. Gärtnereizölle gleichwohl den neuen Handelsverträgen zustimmen würden. — Im Gegensech zu Herrn von Kardorff, der fürchtet, der Klein- krieg in den Kreisblättern gegen den Bund könne Den umgekehrten Erfolg haben als den gewünschten, findet die »Post' erklärlich, daß in den «rett« blättern den extrem - agrarischen Forderungen gegenüber die nötige Aufklärung gegeben werbe. Die ,Deutsche Tagesztg.' teilt dagegen die Ansicht Kardorffs und meint, die Kreisblattartita seien eine durchaus ungeschickte Maßregel, die dadurch nicht besser werde, daß die Redaktion der ,Post' fie zu billigen erkläre.
4- Von der freiüonseroativen Iraütio« de« preußischen Abgeordnetenhauses ist folgender Antrag zu der zweiten Beratung de« Kult««- «tat« eingebracht „worden: „Die Kgl. Staatsregierung zu ersuchen, baldigst den Entwurf eine« Gesetzes vorzulegen, durch welche« die Unterhaltung der Volksschule nach Maßgabe der Berfaffung geregelt und unter entsprechender Höhung der StaatSzuschüffe den Uebelständen abgeholfen wird, welche ans der großen Ungleichheit der Leh'erbesoldungen für Schule und Lehrer, sowie für die Volksschulbildung weiter Kreise der Bevö!k..urz erwachsen." Der Antrag bezweckt, schreebt bk .Post', die Verwirklichung der allen Fz.^run^ der Partei auf Erlaß eines Schul- dotattonsgesetzi« zu fördern, einer Landflucht der Lehrer und schwerer Schädigung der Volksbildung auf dem flachen Lande vorzubeugen und berechtigte« Beschwerden der Lehrer gerecht zu werden.
fr Das Avgeordnetentza«« war bei bet heutigen Beratung des Kultusetats Mr schwach besucht, wie Überhaupt in letzter Zett. Ganz besonders mußte eS auffallen, daß so viele Mitglieder deS Zentrums de« Verha«dlunge« ferngeblieben waren.
ft Der Kriegsminister hat de« Generalkommandos der Armeekorps mitgeteilt, daß besonderer Wert darauf gelegt werben müsse, daß
„Ich beschwöre Dich! Er ist nicht das, wa8 er geschienen."
„Ein Schurke ist er. ein Verräter —."
„Er ist mein Sohn!" Stolz und ruhig stand die Fürstin vor ihm. Er wich betroffen zurück.
„Frau Fürstin, wer log euch dieses?"
„Mein Herz und meine Siebe", sprach ste mit einem verklärenden Lächeln, da» in diesem Augenblick ihrem Wesen etwas Engelhafte« gab. Da trat Jsengard vor.
„Er floh von der Felsevburg", fügte fie erklärend bei, „erst von der Fürstin erfuhr ich, daß dorthin der letzte Fehdezug sich gerichtet. Seine LebenegeschlLte stimmt auffallend mit den uns bekannten Tatsachen. Er kann kein Zweifel vorwalten, er iü's!"
„Eilet, Graf, führet uns zur Waldklause", brärgte bie Fürstin, „ach! so nahe dem Glücke meine« Leben« begreife ich nicht, wie ich bie Entbehrung so lange ertragen konnte." Der Burggraf war erdfahl geworden.
„Euer Sohn", stammelte er und stützte fich schwer auf die Lchne bet Sessel«, „der Falka« Euer Sohn!" stöhnte er und sank erschüttert in den Sessel.
Jsevgarbs Blicke hirgm mit ängstliche« Forschen an ihm, und e« entging ihr Der jähe Farbenwechsel ans seinem Gestchte nicht. Namenlose Angst schnürte ihr Her, zusammen. Welche neue Unruhe harrte ihrer! Befremdet, bestürzt wollte die Fürstin mit weiteren Fragen in ihm dringen, da schmetterte abermals de« Türmer« Horn, und Signalhörner wurden vor den Manern laut. Der Burggraf fuhr empor.
(Fortsetzung folgt.)