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JK 54.
AulSa, Samstag, den 7. März 1903
30. Jahrgang.
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(Nachdruck verboten.)
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MWb und bei
Der Konti onf der Kömgsbnrg
Origtualerzählun» a«S der Beschichte der ehemaligen Jülicher Lande von Aleca Ruth.
Aber des Fürsten bezwingender Heldenmut blitzt au« diesen Augen, seine Gestalt hat fast des Fürsten Heldengröße erricht — so stolz wie et kann überhaupt kein Fürst da« Haupt tragen."
»Du machst mich traurig," sagte die Fürstin, „Du schilderst meinen Edelred, meinen unvergeßlichen «naben, wie er sein könnte, — wenn, ja wenn wir ihn wieder hätten."
Isengard seufzte.
„Unstillbare Wünsche! Tote werden nicht wieder
WiffenS, bei ihrer MisfionSpredigt an die Heiden in den Vordergrund gestellt; ste appellierten an die Vernunft, „der Glaube kommt vom Anhören" (Röm. 10, 13 — 17). Wer also meint, der Glaube bedeute den Verzicht auf das eigene Denken, blinde Unterwerfung unter der Lehrautorität, der hat keine Ahnung von der Bedeutung des rationabile obsequiem, der Unterwerfung, die aus den klar erkannten Tatsachen, die Gegenstand der wiffenschastlichen Erkenntnis stnd, hervorgebt.
Daß das Christentum als Glaube, kraft feiner Beweises aus der Kraft des Geistes und der Wahrheit, Annahme fand bei Griechen und Römern, widerleg! allein schon die romantische Schrulle Schleiermachers: Religion sei Sache deS Gefühls und Herzens, also schließlich der Phantasie und Autosuggestion Bot denn die alt- heidnische Eölterwelt, welche die ganze Natur, Last und Meer, Quellen und Haine mit Göttern und Göttinnen füllte, dem Gefühl nicht mehr Anregung, als dar Christentum mit seinen schweren fiktlichen Anforderungen an jeden! Schiller hat, tu dieser romantisch - schwärmerischen Gefühls- Wertung der Religion, seine „Götter Griechenlands" geschrieben und mit der Klage: „Einen einzigen zu bereichern, mußte diese schöne Götter- welt vergeh'n" eine Bestätigung geliefert für den eben ausgesprochenen Gedanken.
Rein, der Glaube ist nicht Sache deS Gefühls, sondern Sache der Vernunft, er bedeutet eine = Bereicherung des menschlichen WiffenttriebeS, ein Zmporheben desselben auf eine Höhe, die ihm sonst nie zugänglich geworden, einen Aufschluß über die letzten Ziele deS Menschen. AuS diesem letzteren folgt dte Berechtigung des R-ligionS- unterrichieS in den Schulen, welche btt Juden- dkwokratie, von der man ja nicht erwarten kann, daß ste Verständnis hat für dar Neue Testament, ein Stein de« Anstöße« ist.
„Daß stimmt nicht; er ist ein echter Germane und trägt eine glänzende Fülle blonden Haare«, von jenem eigentümlichen braungold — ja sicherlich, wie ich es bisher nur bei Dir gefunden, — —
uns gestehen, daß die richtige Auffassung, wir sie eben gezeichnet, nicht immer gehegt betätigt wird, auch im gesellschaftlichen Familienleben der Christen nicht. Ja,
vielmehr dar tröstliche und erbauliche Gefühl, daß der unsterbliche Geist sich nach und nach befreie von den irdischen Srlacken und da« göttliche im Menschen von dec Materie stch loS- löse. Man könnte sagen, bei dem hohem Greise»« alter findet der Anfang der Verklärung schon im DieseitS statt.
DaS Jubelfest des greifen Papstes, der in geradezu wunderbarer Frische des Geistes weit über daS Maß der menschlichen Lebenskraft hinauSschreiiet, ist auch von allen E -eldenkenden unter den Andersgläubigen in respektvoller Teilnahme mitbegangen worden. Wenn ste auch die Göttlichkeit des Amtes nicht erkennen, so beugen sie sich doch mit uns vor der Heiligkeit der Person, die leuchtend emporragt über der irdischen Menschheit gleich dem hohen Berggipfel, der von der Sonne deS kommenden TaaeS schon verklärt wird, während die übrige Welt noch im Dunkeln harrt. —
»Im allgemeinen," lächelte die Fürstin, „ist der Liebenden Blick befangen."
„In diesem Falle t ifft bie« nicht zu. — Ich könnte ihn nur einem vergleichen."
„Und dieser wäre?"
„Dem Fürsten! So stelle ich mir ihn al« Jüngling vor."
„Das muß ich am besten wißen," meinte die Fürstin mit süßschmerzkichen Lächeln, „denn so habe ich ihn geliebt. Demnach muß er tiefschwarze« H?.ar haben."
WaS heißt denn überhaupt Wißen? Nun, nichts anderes als eben wissenschaftliche Erkenntnis, d. h. die sichere Etkennlnis einer Sache auS ihren Gründen, also nicht bloß, daß etwas ist, sondern auch, wie und warum es ist und nicht anders "sein kann. Glauben hingegen heißt etwas für wahr annehmen auf die Autorität eines andern hin. So steht daS Wißen absolut gesprochen als Erkenntnis form höher als der Glaube, weil es den inneren Kern einer Er- kenntni«zegenstandes durchdringt; und befriedigt daher den Erkenntnistrieb deS Menschen in einer vollkommeneren Weise, als der Glaube. Gleichwohl besteht kein Gegensatz zwischen beiden.
Denn die Gegenstände, aus die sie sich beziehen. find sehr verschieden. Dem menschlichen Wißen find Grenzen gezogen, über die es nicht hinausdringen kann, hier setzt der Glaube ein, um dem wahrheitssuchenden Menschengeist einen Bl ck tun zu laßen in die höheren Gebiete, die sonst dem Menschengeiste verschloßen wären n»d die kennen zu lernen doch ein unausrottbarer Naturtrieb ihn zwingt. Deshalb ist dieser Glaube nicht un- und nicht wioeroernüistig, sondern ü b e r vernünftig, und et”bleibt die Er- kenntnissorm des Menschen für die Dinge der Uebernatnr so lange, bis in der ewigen Vollendung diese unvollkommene ErkenntniSform ersetzt wird durch die vollkommenere deS klaren und sicheren „SchauenS": „Unser Wißen ist Stück, werk; jetzt sehen wir durch einen Spiegel rätselhaft, alsdann aber von Angesicht zu Angesicht." 1. Kor. 13, 12.
So stehen sich Glauben und Wiße« nicht entgegen. Das Wißen geht dem Glauben voraus, ermöglicht denselben und bildet seine Unterlage.
Denn, wenn Glauben ein Fürwahrhalten einer Sache auf gründ der Mitteilung eine« andern ist, so ist die Tatsache dieser Mitteilung Gegenstand deS WiffenS. Ich muß wiffen, daß mir dieser oder jener eint Mitteilung macht, ehe ich die Mitteilung als wahr hinnehme.
Hat der Glaube, der christliche Glaube, eine solche durch die wissenschaftliche Erkenntnis kon- statierbare und konstatierte tatsächliche Mitteilung als Unterlage?
»flKmtieertli»: Sfif He Eetattioa Jof. Bente, H» Jntefate 3. paezell«» ht Aulda.
10. Kapitel.
Im blühenden Garten der Königsburg lustwandelten in traulichem Geplauder zwei edle Frauengestalten. Die ältere der beiden, auf den Arm der jugendlichen Begle terin gestützt, trägt unverkennbar dea Stempel de« Leiden« und de« nagenden Kummets tu dem zarten, krankhaft bleichen Antlitz. Ist das die einst vielumworbeue, stolze, sieghaft schöne Fürstin von Jbichau? Jene zarte ätherische Gestalt, die bereit» einer anderen Welt anzugehören schien!
Aber die Augen, die gütigen, di« unergründlichen, die waren dieselben geblieben, di« nahmen wie «Hedem Herz und Sinn gefangen.
Rahig und mütterlich teilnehmend hatte sie die lange Erzählung ihrer Begleiterin gehört.
„Isengard," erwiderte sie dann, mit schwachem Drucke des Mädchen« Arm an sich preßend, „nach «Bem wa« Du mir berichtet, kann ich nur bedauern, daß sein Herz allzu früh erwacht. Die Erkenntnis traf Dich allzufrüh Du kostest schon die bittere Qual, kaum daß Du den Tropfen Süßigkeit empfunden."
„Ich war glücklich durch ihn geworden", sagte Isengard gepreßt, „um dieser Stunde meinet Seligkeit willen verzeihe ich ihm, daß et mich unglücklich macht." Sie schwieg, denn Tränen verdunkelten ihren Blick.
ES wäre ein Glück, wenn bei dieser Gelegenheit die Menschheit wieder die gehörige Achtung vor dem Alter lernte. Denn leider müsse»
„Kann denn hier noch ein Zweifel obwalten? > Dcr Knabe wurde geraubt und im Weiher ertränkt."
,.D-S Erstere wohl; beim zveilen obwaltet der Zweifel. Komm liebe« Kind, setze Dich hier neben mich auf die Moosbank. Ich will Dir alle« erklä-en."
Und sie erzählte Ihr die Geschichte jener Züt, die noch so deutlich tn ihrem Gedächtnisse stand, noch einmal mit allen Einzelheiten. Als sie geendet, wartete sie vergebens auf eine Erwiderung. Isengard hielt in tiefem Nachdenken den Kopf gefenkt.
„WaS sinnest Du, Sieb?" frug die Fürstin.
„ES ist wohl töricht, aber mir fällt dabei die LebenS^eschichle Qmar'S ein. Die seine könnte die Ergänzung zu der Deinigen sein."
„WaS sprichst Du da, Isengard?"
„Ich kann nicht anders, ich bringe diese beiden mir selber unbewußt zusammen, aber errege Dich nicht," unterbrach sie sich, als sie die Fürstin erblassen sah, „ich sehe eben alles im Lichte meiner unglückseligen L ebe."
„Nichtsdestoweniger wäre ich Dir dankbar, wenn Du mir deS Falkners LibenSgßchlchte offenbaren wolltest."
„Höre selber, ob Dir die Aehnlichkeit mit der Deinen nicht avffällt. Er erzählte mir von seiner Mutter, der schönen blonden Frau, der er noch in schwärmerischer Zuneigung gedenkt. Er erinnert sich deS schönen, blühenden Gartens, der weite», hohen Burg, und dann stehl es lebendig noch vor seiner Seele, wie er, der im Schlafe gelegen, plötzlich unter dem Mantel einet 9t etter« erwacht», bet ibn mit ratch-m R tt' bi?o t'u?i"
E ich eckr hte-l ft- m.ie. D.e Ftcstt t hall«
; raten und sprechen, so werden ste rückgängig ! und eigensinnig gescholten. Im alten Rom hieß der hohe Rat „Senat", d. h. Verständigung der f Greise, und bi« in die neuere Zeit hinein war« I! den bie Vorsteher der Körperschaften „Aelteste" genannt. Man wußte dte abgeklärte Erfahrung-« weiSheit w würdigen. Jetzt stnd derartig« s T.tel oerrö«t. Die Jugend würde es sehr Übel nehmen, w an man die Rats- und Ehrevstelle» sür -ras h?! <?re Alter reservieren wollte; fis will ftUHeS Sturm und Drang, kühne Versuche nach Theorien. DaS Et will klüger sein als die Henne.
Die mo-erne Jugend macht eS ähnlich so, wie ich als studierender Gelbschnabel eS einmal meinem Vater gegenüber versuchte. Bei einer Fußreise kamen wir vor ei» große« Torfmoor, hinter dem der Turm unseres ReisezirleS schon heroorleuchtete. „Jetzt müffen wir hier im Bogen herumgehen", sagte der Vater. Ich schätzte den Umweg auf mindestens eine Stunde und trat de» „Beweis" an, daß der Grund bei dem gegenwärtige» Sommerroetter tragfähig genug fei; der Durchmesser sei ja gar nicht so »groß, wir würden schon für diese kleine Strecke
i Aber sicher: Denn diese Unterlage ist ja »ichtS anderes als eben die Tatsächlichkeit der Natur und die Geschichtlichkeit der Erscheinung Christi. Erstere wrist in verschiedenen Richtungen auf Gott al« ihren Urheber, Gedankengänge, bie in den verschiedenen Gottes beweisen zusammen- gestellt find.
Wen» nun hinsichtlich dieser Sottesbeweise die »Franks. Zig.' (a. a. O.) schreibt:
„In seiner Kritik der reinen Vernunft hatte Kant alle angeblichen Beweise der Existenz (Botte« als da« erwiesen, war sie find — als SephiSmen," so wiederholt ste nur bie in Deutschland eingebürgerte, den tatsächlichen Umständen gar nicht entsprechende Legende, der Denker von Königsberg Nabe die Uuhaltbarkeit der GotteSbeweise bargetan. Diese Legende ist so weit verbreitet, daß viele mit Hinweis auf Kants Kritik der reinen Vernunft. die ste freilich nur vorn Hörensagen ober vom Titelblatt kennen, der Meinung huldige», bie Frage nach der Beweitbarkrit GotteS sei ein wiffenschaftlich abgetanes Problem. Aber wiffen denn diese Leute nicht, daß Kants Leugnung der Be iriSbarkeit Gottes nur eine Folge feiner subjektiven Erkenntnis-Theorft ist? Will man deren Unhaltbarkeit erkennen, so genügt eS, daran zu erinnern, daß bei Kant'scher Anschauung bie Ur- fache und das den Ursachen - Zusammenhang der Natur zum Ausdruck bringende Gesetz der Ursächlichkeit nichts ist, alS eine subjektive Geistesfunk- tion, und nicht ein Gesetz mit allgemeiner, objektiver, wirklicher Gültigkeit.
manchen heidnischen Völkern der vorchristlichen Zeit war die Ehrfurcht vor dem grauen Haupte streng;r gewahrt, als in der modernen Zeit. Die moderne Jugend ist -u aufgeblasen und zu eigennützig, um daS Alter recht schätzen und ehren zu können.
Mit Schul- und Bücherweisheit wird der Nachwuchs genudelt und bildet stch bann ein, er wisse und verstehe alles viel beffer als die älteren Jahrgänge aus Erfahrung «Weisheit, welch« sich bas Alter angefammelt hat, wird von den modernen Treibhaus-Früchtchen gering geschätzt, ober gar alS versteinerte Beschränktheit verachtet. Die Grünlinge, die etwas gelesen, wenig gedacht und nichts erlebt haben, vermessen sich, alles ne» f und beffer zu machen, und wenn die Alten ab«
trennt. Er sieht den ungleichen Kampf voraus und zum Leben erweckt, und ein tote« Herz birgt keine verzichtet. Da« nimmt mich sehr für ih.. ein/Hoffnungen mehr." Plötzlich stand die Fürstin still. Denn er offenbart dadurch einen edlen großenIsengard, ich muß Dir etwa« gestehen, wa« Charakter, der sich von euer aiufichislosen Leiden-, ich btt her stumm im Herzen geborgen. — Wir schäft nicht überwältigen läßt." ' wißen nicht, ob jene Totengruft hinter den blühen-
„Wenn Du ihn gesehen hätttst, wäre Dein'den Jasminbüschen unfern toten Knaben birgt." Urteil doppelt überzeugend." ' Zftenoard schaute sie verständnislos -n.
)( Wissenschaft und Glaube.
In einer Besprechung der Babel-Bibel-Ange- legenheit kommt bie .Franks. Ztg/ (Nr. 52, Abendblatt vom 21. Februar 1903) auch auf daS Verhältnis von Wissen und Glauben zu sprechen und führt da auS:
WaS man beweisen kann, was also Gegenstand »er Wissenschaft sein kann, braucht man nicht zu „glauben", denn „man weiß eS ja." WaS dagegen den Inhalt des Glaubens auSmacht, das kann man nicht beweisen — man glaubt er einfach oder man glaubt eS nicht. Glaubt man, so ist dar in der Tat Gefühls-„HerzenSsache". Glaubt man nicht mehr, so wird da allerdings häufig die Wissenschaft mit ihren Ergebnissen hineingespielt haben.
„Ich sehr nur Unmöglichkeiten und keinen Lichlpunlt in Deiner Zukunft, mein Liebling. Deinem Vater ist al« Eldam kein Besserer al« der Ritter Finkenburg willkommen. Und in der Tat, dieser besitzt alle Eigenschaften, die einen ehrgeizigen ____... ______________________
Mann wie den Grafen befriedigen können. So - und auch Deine dunklen Augen hat er. Nun weiß gern ich Dir zur Seite stehe, liebes Kind, aber sich auch, waS mich beim ersten Anblick schon zu ich kann nicht vor Deinen Vater treten und sagen: \ ihm hinzog. Ich fand da« Trautbekannte wieder. Gibt den Falkner Eurer einzigen Tochter zum Eheherrn." Isengard schütt-lte traurig da« Haupt.
„Und schlüge der Kaiser selber ihn zum Ritter, und wären meine« Vater« Arme geöffnet, ihn zu empfangen — »c« nützt e«? Er selber hat verzichte. Er leidet, aber sein Wille ist unbeugsam, er hat sich Gott angelobt.*
„Glaube mir, Isengard, daran trägt nicht zum mindesten die Ansicht Schuld, daß eine unüber- steigliche Kluft den Falkenier von seiner Gebieterin trennt. Er sieht den ungleichen Kampf voran« und
mit Ituterhattungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung"
Daß aber eine solche Anschauung unhaltbar ist, zeigt eben bie Anerkennung, welche diese« Ur* süchlichkeitS-Gesetz (nichts ohne Ursache) in allen Wissenschaften findet, weil seine Leugnung einfach den Tod aller wissenschaftlichen Erkennt» s bedeuten würde. Woher aber hat die Menschheit dieses Gesetz oder zunächst den Begriff der Ursächlichkeit? Der Fuubort dieses Begriffes ist die innere Erfahrung. Oder ist der Mensch stch nicht klar bewußt, daß er selbst das hei vorbringende Prinzip zahlreicher und verschiedener Aenderungen ist, indem er feine Gedanken und Willens • Ent- schlüffe au der ihn umgebenden Außenwelt ner» wirklrcht? Auf dem Wege dieser Selbsterfahrung kam die Menschheit zum Begriff der Ursächlichkeit und die Betrachtung der Außenwelt bestätigte diese Gedanken als ein allgemein und objektiv gültiges Gesetz, deffen Leugnung heute aufgegeben ist.
Aber eben dieses Gesetz der Ursächlichkeit weist den menschlichen WiffenStrieb auf einen Weg, an deffen Ende der Thron GotteS steht, so ist der Glaube an Gott nicht Gefühl- und Herzenssache einzig und allein und in erster Linie, sondern Sache klarer, bewußter Erkenntnis, und erst die Erkennt- «iS des seienden Gottes gibt dem Menschenleben und Mensche»herzen jene innere Befriedigung, welche manche al« das Wesen bet Religion be- trachten.
Noch eine andere Tatsache, die Grzerstrnd des Wissen« ist, ist Grundlage deS christlichen Glaubens, das ist die Offenbarung GotteS durch Christus und deffen Auferstehung. Diese — hier nur al« historisches Ereignis betrachtet — legitimiert da« Christentum in vollkommenster Weise. Deshalb haben die Apostel diese Tatsache al« Gegenstand der geschichtlichen Erkenntnis, des
„Siebe Jsergard, ich habe Drch Immer für stark und selbstbewußt gehalten, willst Du Deiner Liebe so viel Gewalt über Dich einräumen, daß sie Dich am Leben verzweifeln läßt?"
„Laß mich weinen," bat st« fajfungtfo«, „ich bin noch so glücklich, dieses zu können. Wie bald kommt die Zeit, daß auch viefts der stillen Erinnerung angehörrn muß!"
Die Fürstin strich ihr liebkosend über da« wallende Haar.
Unpolitische Zeitläufe.
(Nachdruck verboten.)
® Berlin, 5. März 1903.
Ja die Freude der Jubiläen kommt ein weh- wütiger Einschlag. Ein hervorragende« IM. läum mutz mit hohem Alter erkauft werden, und wenn man die Verlängerung der Tage dankbar bewundert, so drängt sich doch der ernste Gedanke an die unabwendbare Scheidestunde auf.
Vor dem Alter sollen wir Ehrfurcht haben und vor dem grauen H aupte aufstehen, auch wenn das graue Haupt nicht gekrönt und gesalbt ist. Jeder Greis, der feine Jahre in Ehren trägt, hat etwas Würdevolles, HttligeS an sich. Diese Ehrfurcht ist nicht blos in der Vergangen- beit begründet, sondern auch in der Zukunft. Wir fühlen, daß der Greis nahe vor der Verklärung steht. Und wenn er gar über die neunzig hinaus gttommen ist, dann will eS uns scheinen, als ob er schon die Schwelle deS Himmels mit dem einen Fuß berührt habe. Der ehrwürdige GretS bildet eine Verbindung zwischen der diesseitigen und jenseitigen Welt. Daher auch das allmähliche Schrumpfen und Scheiden der kö:perlichen Kraft und Frische, nicht das gewöhnliche drückende Mitleids sondern