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JuLöct, Mittwoch, den 4. März 1903.

30. Jahrgang.

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Grandlage, zu schreiten. Durch solche Gründungen wird in jeder Stadt die Bewegung in richtige Bahnen gelenkt; die Interessenten werden zu praktischer Mitarbeit veranlaßt, die öffentliche Meinung gleichzeitig aufgeklärt und durch diese- Ausklärungswerk für die gerechten Bestrebungen gewonnen. Durch ernste Beratungen und ent­sprechendes Studium des einschlägigen Materials dürsten unmögliche Forderungen von vornherein ausgeschieden und nur auf Erreichung des wirk­lich Möglichen hingearbeitet werden.

Diese Gründe, so schließt der beachtenswerte Aufruf, werden unserer Aufforderung als dank­bare Unterlage dienen und wesentlich beitragen, daß solche auf fruchtbaren Boden fallen wird. An alle unsere Stan desgenoffen richten wir die Bitte, unserem Beispiele zu folgen und ohne Auf­schub zur Gründung ähnlicher Kommisfionen zu schreiten.

Wer zuletzt lacht ♦ . .

Der Direktor des * Theaters schrieb eine so unleserlich schlechte Schrist — „Maus- sagten seine Freunde — daß selbst sei« Aureaupersonal und die nächsten Bekannten oft den Sinn seiner schriftlichen Anweisungen und Briefe nicht mit Sicherheit zu entziffern vermochten. Kürzlich weilte der Drrektor in einer rheinischen Stadt, wo das Prrsonal des Theaters ein längeres Gast­spiel absolvierte.

Zu einer Premiere war das Haus schon mehrere Tage vor der Vorstellung auSoerkauft, selbst um hohes Aufgeld vermochte der Assessor Schulze, ein eifriger Theaterfreund, keine Karte auszutreiben. Aber er mußte die Vorstellung doch besuchen. Er hatte den Direktor vor mehreren Jahren einmal in der Hauptstadt flüchtig kennen gelernt, und gestützt auf diese gelegentliche Be- kanntschaft, ersuchte er ihn brieflich, ihm doch, wenn irgend möglich, zwei Billets zu der Vor- stellung zur Verfügung zu stellen.

Mit umgehender Post trifft am Morgen drS Premiertages die Antwort ein. Em paar freund« ltche Worte und die Anweisung auf zwei Logen-

□ Pensionsversicherung der Privat­beamten aus staatlicher Grundlage.

Zum Studium dieser Frage hat fich in Aachen eine Kommission aus allen Kreisen der Privatbeamtenschaft gebildet. In einem Aufrufe weist dieselbe nun auf die erfreulichen Resultats hin, welche bereits in kurzer Zeit durch den gemeinsamen Zusammenschluß erreicht werden konnten und fordert im Anschluß daran zur Gründung weiterer derartiger Kom­missionen auf. In dem Aufrufe heißt es u. a :

Keine zweite Standesfrage ist in gleicher Weise geeignet, als einigendes Moment innerhalb der deutschen Privatbeamtenschast segensreiche Wirkungen auszuüben. Alle BerufSgrupprn un­seres Standes haben ein gleiches Interesse an der gedeihlichen, baldigen Lösung dieser Frage. Der kaufmännische oder technische Angestellte, der Landwirtschaftsbeamte, der Privatlehrer oder Prioatsekretär, die Angestellten im Notariat- und Advokaturfache, die Vertreter des Redakteur- standes, alle müffen teilnehmen an der zu ihren Gunsten eingeleiteten Bewegung, alle sollen be- strebt sein, diese nach Kräften zu fördern. Allen schwebt das gleiche Ziel vor, an alle tritt dieselbe Pflicht heran! Die glücklichste Art dieser Pflicht- Betätigung dürfte in dem engeren Zusammen­schlüsse erblickt werden, in der Weise wie Aachen, Düffeldorf, Barmen und Hagen i. W. fie ge­wählt haben. (Tine im Vertage von Jos. Deterre, Aachen, erschienene Broschüre, Preis 25 Pfg., gibt näheren Aufschluß über die Bestrebungen der Aachener Kommission.)

An allen größeren Orten des deutschen Vater­landes, so heißt es weiter, sollten es fich diebe­stehenden Interessenvertretungen der Prioatbe- amtenschaft angelegen sein kaffen, diesem Beispiele zu solg-n, um baldigst zur Gründung gleicher Kommisfionen, aufgedaut auf völlig neutraler

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Pen, Doktorchen. Ha, ha, ha! Wirklich ein Hsuptulk!"

Abends am Stammtisch ließ der Profeffor Müller ungewöhnlich lange auf fich warten. E« wird 9 Uhr, es schlägt 10 Uhr. Endlich um halb 11 Uhr tritt er ganz aufgeregt in das behagliche Gastzimmer.

„Großartig, Kinder! Unbeschreiblich schön, einen solchen Genuß!"

„Ja, aber wo kommst Du denn her? Und zu so später Stunde?" unterbricht ihn der »ffeffor.

„Was, Du fragst? Du hast mir ja selbst die Anweisung vom Direktor auf zwei prächtige Logen­platz« zur heutigen Premiere geschickt I Ich war mit meiner Braut da. Großartig! sage ich Dir. Uebrigens nachträglich meinen besten Dank!"

Am Stammtisch im braunen Hirsch war lange nicht mehr so viel und so herzlich gelacht worden, wie an diesem Abend, am lautesten aber lachte der lustige Profeffor, der den Scherz seine« Freundes richtig verstanden und, dank seiner Uebung im „Rejept"-lesen, die Antwort der Direktors richtig entziffert hatte. Seinen Freunden hatte er einen trefflichen — Magenbitter gebraut.

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1 karte», die bei der Theaterkasse zu erheben find. Das hat der Direktor zwar geschrieben, aber — der Assessor Schulze kann eS nicht lesen. Zum Glück ist gerade sein Freund, der junge Doktor Lehmann, bei ihm zu Besuch.

„Sieh mal hier, Doktorchen, steht das nicht gerade wie ein unleserliches Rezept auS, wie ihr Mediziner es zu schreiben pflegt? Kannst Du vielleicht dieses Gekritzel enträtseln?"

Der Doktor tut fein bestes, aber mit Sicher­heit kann er auch nicht dahinter kommen.

Nach langem Mühen und Buchstabieren glauben aber die beiden schließlich doch herauszufinden, daß das Schreiben eine Ablehnung enthielt.

„Schade,* sagte Affrssor Schulze, „aber apropos, das Ding steht wirklich wie ein Rezept aus. Weißt Du was? Ich habe einen famosen Ge­danken. Wir wollen unseren Freund, den Professor Müller, damit einmal ordentlich in Verlegenheit sttzm. Hier, unterschreibe Dein „Dr. Lehmann" und nun . . . Maria, tragen Sie dieses Rezept sofort zur Löwenapotheke, sagen Eie, Sie sollen auf die Medizin warten, und fragen Die gleich, was es kostet, hier find 10 Mark.

Maria bleibt eine halbe Stunde fort.

„Na, der scheint schön darüber zu grübeln," sagt der Assessor; „famoser Ulk . . . den Müller wollen wir heute Abend am Stammtisch einmal ordentlich ärgern."

Endlich kommt die Dienstmagd zurück und fiellt eine ungewöhnlich große, gefüllte Arznei- fla.che auf den Tisch,

„Der Herr Professor läßt schön grüßen. Von der Medizin wären stündlich zwei Eßlöffel voll zu nehmen, kostet 7 Mark, hier find 3 Mark zurück."

„Nun wird's aber erst gut!* sagte der Assessor und schüttelte fich vor Lachen. „Ist unser Profeffor wirklich auf den Seim gegangen und bat ein Rezept herausgetiftelt. Md was für eins! Eine ganze halbe Literflasche. Etwas teuer zwar mit 7 Mark, aber schadet nichts, so viel ist der ?paß wert. Na, der wird ein Gestcht machen, wenn ich heute Abend die „famose Medizin" am Stammtisch zeige; das R z pt muß er dann ver-

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