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KuUmerMZeitung

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30. Jahrgang.

Iut'Sa, Mittwoch, den 4. März 1903.

JK51.

Dnf nn» Verlag der Snldaer «ettentrnaeret xeteragaS« Nr. 2 «Darmcmies.

•TSSi* »i.’SSJVäS“' mit Zinterfiattungs-Aeilage „IDlßrirle Sonnlags-Ieitung"

Q Wahlparolen und Wahlkartelle.

Die Wahlparole, die mehrere oder wom3g» lich alle „bürgerliche»" Part eie» einige» könnte, ist »och immer nicht gefunden. Vergebe»- mahne» einige utopistifche Scharfmacher immer von neuem zum Zusammenschluß gegen bie Sozialdemokratie. Scheinbar hat diese Parole wenigsten« in Sachsrn Anklang gefunden, denn dort habe» die „Ordnu»gSparteien" ein Kartell abgeschlossen, wo»ach der gegenwärtige Besitz- stand der beteiligte« Parteien „anerkannt"' und daS sozialistische Bärenfell brüderlich verteilt wird. Aber rS ist keineswegs die Parole: „Kampf gegen die Sozialdemokratie", die das bewirkt hat, sondern die Angst der Ordnung-. Parteien, insbesondere ker Rationalliberalen die meisten sächsischen Ma»date zu verlieren. Ohne das Kartell würde» von de» elf Ma»daten, die die „Orinmngsparteien" bisher »och besitzen, wahr­scheinlich sechs oder sieben an die Sozialdemo­kraten verloren gehen.

Die Rationalliberale» fühle« sich bei diesem Kartell durchaus nicht behaglich. Sie haben im Bunde mit de« Konservativen daS sächsische Landtagswahlrecht verschlechtert und sehen nun zu ihrem Schrecken, daß sie nach Vertreibung der Sozialdemokraten aus der Kammer sich selbst zur Bedeutungslosigkeit verurteilt und den „Agrar- konservativtsmus" zum Herrn der Sage gemacht habe». Sie möchte» daher das Wahlrecht mög­lichst bald wieder verbessern und haben daher beim Abschluß des Kartells den Vorbehalt ge­macht, daß es für die nächste» Landtags wählen nicht gelte» soll. Höhnisch bemerkt di« »Kreuz- zeituno', daS sei nur brr Brccke», der dem liebe- roten Gedanken zugeworfrn werde, um das Zusammengehen mir der Rrchte« weniger bedenk­lich er scheine zu lsffn. Wenn es zu den Landtags wählen komme, werde man sich den Konservativen schon wteoer zu »Sheru Kiffen. Es sei ganz vergebliche Mühe, wenn die Natio­nalliberalen sich den Folgewirkurgen der Webl. Veränderung entziehe» wollten; damit würden sie sich nur zwischen zwei Stühle setzen.

Grausamer ist einer Partei kaum jemals dar „Mitgegangen, mitgehangen" »ugerufeu worden. Dis Nationalliberalen sind Mitschuldige der Kou- servativeu geworden und können nun »en ihnen nicht wieder loskommen. Sobald sie (S versuchen, stad sie bei den Wahlen verloren. „Angenehme Kartellgenoffm!" seufzt die ,Nat.-Ztg.' und mancher sächsisch« Rationalliberale wird zähneknirschend das­selbe sage«. Hatte die Partrikorrespouden, der Nationalliberalen Sachsen« doch vor einigen Wochen noch erklärt, für di« Wahlen müff« bie Parole „Lor vom Bunde der Landwirte" aurge- geben werden. Und nun muß man wohl oder übel ein Kartell mit Konservativen, Landwirt«- Händlern und Antisemiten eivgchen.

Diese« Kartell ist wahrlich nicht dazu angetan, zur Nachahmung zu reizen. Di« entschiedeneren Rationalliberale« sind daher um so eifriger be«

Ser Naub auf der LSchsburg. Origtnalerzählun« auS der Geschichte der ehemalige» Jülicher Lande von Äleca Ruth.

24 ------ (Nachdruck verboten.)

Omar hatte inzwischen den Wald erreicht. Mit einet gewiss m Beklemmung trat er In de« hohen Wrldvom ein. J-tzt, dem unmittelbare« Eirfluß seiner Liebe entrückt, trat umsomehr die Sorge um den väterlichen Freund hervor. Wie mochte er ihn wieder finden? krank — stech — auf dem Sterbelager? O, welche Borwürfe er sich nun «achte, so lange von der Klause fern geblieben zu feie! Mit welcher Bitterkeit mochte sein edler Freund seiner gedenke»? — Wie mochte er das Geständnis seiner Liebe aufnehmen? Je tiefer er inbeffen in den Waltnsschatteu eindrang, jemehr der hohen Baumwipfel geheimnisvolle« Rausche» und der Vöglein süßmelodisches Gzwttscher an fein Ohr kräng und er die Plätze einer trauten Erinnerung wiederfaud, desto mchr schwand der Druck von seinem Gemüt« und die Trauer au« seinem Herzen. Er färb sich wieder al« den ge­retteten Jüngling aus der Waldklause, der feine Seele frei fühlte von jeglicher Sorge, der in der Waldeinsamkeit die Off-nbanmg be« Gottesfriede»« fand. Da« edle gramdur tzfmchtr Antlitz des Klausners trat lebhaft vor sein innere« Auge, er sah die dürftige arme Klause m't den kahle« Wänden und dem schlichten Hausrat und dachte daran, welche Leidensgeschichte sie umschloß.

Deutlich vernahm er seine sonore Stimme wieder, die mit so warmem Hrrzer.stone zu ihm gesprochen. Är sah sich einer vergangenen Zett.

fiattsdies Reich

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einer andern Welt wieder zurückgegeben, er fühlte sei«, miss daß ein schwergetragener Leben mit der Herz erwärmen wie ebedem. da er in dem Frieden«»' scheidenden Sonne hinübergezangen. Mein letzter

müht, ein Bündni« aller Liberalen zustande zu bringen. I« Hannover und im Osten glauben fie hie und da Ausficht zu haben. Vor allem aber sttze« fie ihre Hoffnung auf Süddeutschland, in«, besondere Bayern uvd Baden. In Bayern ist an» qrstcht« be« Mintsterwechsel» bie Furcht vor dem Zentrum i« liberalen Lager weit verbreitet. In gtab«n werden weite Kreise von der Furcht vor dem Kapuziner beherrscht. Wir seh«« aber in Bayern auch wieder, wie wirtschaftliche und polttische Gegensätze die verschiedenen liberalen Richtungen nicht zufammenkommen lasten wollen und wie in Bade« überdies die Nationalliberale« nicht einmal unter sich recht einig find. Einige ZeUungsartikel und einige Versammlungen, in denen dem Zusammenschluß aller liberalen Par­teien das Wort geredet wird, helfe« nicht über die Verwirrung hinweg.

Wenn die Einigung in Süddeutschland auf die Parole: „Gegen daS Zentrum!" gelänge, so wäre ein sehnlicher Wunsch des Evangelischen Bundes so halb und halb erfüllt. Er möchte ja nach seinem bereits erwähnte« Aufrus alle Pro- testante« gegen bie Katholiken vereinen. Die Verhandlungen in ber Moutagsfitzung beS preußischen Abgeordnetenhauses habe« aber deutlich genug gezeigt, daß die Kulturkampfs- parole nicht zieht. Auch wenn ma» noch die Jesuiten als Einpeitscher für daS .antiklerikal«" Kartell benutzt, wird man keinen Erfolg habe«. „DaS deutsche Volk ist — sagt bie .Deutsche Tageszeitung' — in seiner überwiegenden Mehr, beit des Kulturkampfes und seiner Treibereien herzlich müde und wünscht nichts sehnlicher als bei konfessionellen Frieden."

Das Blatt des Bundes der Landwirte meint nicht mit Unrecht, bie wirtschaftliche« Frage» würde« bei ben Wahlen im Vorbergrunde stehen, vnb deshalb sei eS vergebliche Mühe, durch Sr- ftebuwg von Wahlparo'e« andere Fragen künstlich i» ben Vordergrund zu ziehe«. Die Kanbibaten müßte» daher ei»dringlich nach ihrem wirtschaft- lichen Glaubensbekenntnis gefragt werden. Sie müßten off«« nnb unzweibeutig Farbe bekennen, ob ste di« Lebensintereffen deL Mittelstandes und der Laut wirtschaft mit aller Entschiedenheit wahre» wollten. Mit dieser Forderung find wir einverstanden, «ur würde» wir wohl nicht immer bte Antworten verlangen, die der Bund der Landwirte erwartet. Auch genügt es uns nicht, allein «ach dem wirtschaftliche» eiaube*8beten«tni8 zu frage». Wir m Affen vor allem auch ein soziales und kircher politisches sordern.

fein G« ficht in der rauhen Kutte.

„Mein Vater! Mei« Va'er!" jammerte er, „der Einzige, der mich wie fein Kind geliebt — und ich »erließ ihn!" 6t nahm die wachsbleichen Hände de« Toten, die so fest be« Kreuzlein, da« Symbol seine« Lebe««, umklammerten, in die seinen und schaute in da» milde, noch im Tode so edle Antlitz des stillen Dulder«. Der Widerschein de« himmlischen Friedens lag räch darauf, al« habe eben erst der lichtemwobere Engel, der seine Seele nach oben trug, die kleine Klause ver lasten.

Omar verharrte stumm und erschüttert vor der Leiche. Es war ja sein Vater, fein Beschützer, sein einziger Freund aus der großen weiten Welt, ben er tot, kalt und stumm roieberfanb. Nu» stand er wieder fteundlo« und einsam und ohne Halt al« ber eater« und heimatlose Jüngling. So klein diese Zelle, fie «ar sein Baterhau«, seine Heimat, zu ber er sich hatte zurücksehne« dürfen. Nun war all-» zu Ende; er war wieder ein Fremd­ling überall.

Die Sonne ging unter, und die Abeudschatte« lagerten über Baum und Strauch und auch über dem grauen Gemäuer der Klause, darin ber trauernde Jüngling an der teuersten Leiche die Totenwacht hielt. Die Nacht war lang für ben» j-«igen, ber fie schweigend durchwachte, und viele» ging t« diesen einsamen Stunden stiller Enk hr in ihm vor. Da ward klargelegt, wa« bisher dunkel in ihm war, mancher Kampf überwunden,

Mau ist enttäuscht, daß der Reichskanzler nicht entschiedener aufgetreten ist 8«) dem Bischof von Trier nicht mit staatlichen Maßnahmen gedroht hat. Auch, daß er sich »ach Rom gewandt hat, »efällt gar nicht. Endlich muß man sich zu einem große« Leidwesen gestehen, daß daS Ende der ganze« „Affäre" vorauSfichtlich die Ab- iellung verschiedener Uebelstände am Trierer rehrerinnenfeminar sein wird. Graf Bülow hat ich ja bereit erklärt, vorhandene Unzuträglich- leite« zu beseitige«, und ber Kultusminister hat bereits verschiedene Mißstände bezeichnet, denen abzeholfen »erben soll. Der Bischof, be« man am liebste« „gemaßregelt" sehe« möchte, wirb also seine« Zweck wenigstens zum Teil erreichen. Die Interpellanten »erben auch bemerkt haben, baß ihre Abficht, für bie Wahlen Kapttal aus ber £adje zu schlagen, »ur sehr unvollkommen erreicht worben ist. Herr Dr. Barth, ber auS Konkurrenzneib gegen Herrn Richter so gewalttg inS Zeug ging, hat oie Sache der Interpellanten »ur kompromittirt. Man nimmt ihn nicht ernst. Die .KreuzzeUung' meint ironisch, die Debatte müßte selbst die Nationalliberale» befriedige». Sie wollen ja vom Kulturkampf nichts mehr wiffen; dieser befferen Einsicht im national- liberalen Saget könne man sich freuen. Nur bliebe zu wünfchen, daß die Redner dieser Partei das Bestreben der Regierung, ben „Fall Komm" als einen Einzelfall von lokalem Charakter zu be­handeln, verstanben und unterstützt hätten, weil nur so ber Gefahr eines neuen Kulturkampfes Dorpebeugt werde« könne. Der Abgeordnete Hackenberg habe statt beffen ben Streit auf das Gebiet der Prinzipien hinüberzuspielen ge­sucht, auf dem nun einmal, wie der „Kultur­kampf '««seligen Andenkens" gezeigt habe, eine Verständigung zwischen dem preußischen Staate und ber Kurie völlig ausgeschloffen sei. — Der ,ReichSbote', ber natürlich wenig zufrieden ist, meint u. a.: „Soviel hat biete Affäre wieder gezeigt, baß wir Evangelische!» alle» daran setzen müssen, die evangelisch - konfessionelle Schule zu erhalten; ben« wir sehen hier, wir die katholische Kirche mit der größten Rücksichtslosigkeit darauf bestcht, daß in der paritätischen oder Simultanschule alles das ans bem Unterricht entfernt wirb, was irgenbwie noch an die Reformatio« und an evangelische Auffassungen erinnert, namentlich auS bem Un­terricht iw Lese«, in ber Geschichte und im Ge­sang, sodaß bie Schule dadurch ihren wahrhaft erziehend:«, charakterbildenden Einfluß verliert." Würde dann aber der.Reichsbote' damit ein­verstanden sein, daß in dem Unterrichte an nur paritätische« Schuten die katholische Auffassung zur Geltung käme? Die «Post' meint, wenn die Ratte nicht in einer ben Staat befriebigeabe» Weise bte Sache regle, so müffe ber Staat zu staatliche» Repreffiomaßregel« greifen. Nur nicht so hitzig!

+ K» geht gegen die Katholiken! Die fteikonseroative «Post' hat angesichts beS Trierer Schulstreite« plötzlich ihr liberales Herz entdeckt; fie schreibt: „Erfreulich ist auch das Bewußtsein, daß in entscheidende« Fällender deutsche freie Geist immer wieder auf der Wacht steht, um reaktionäre Bestrebungen auf geistigem Ge-

kreise jene» bessern beschaulichen Leben« gestanden.

Da lichtete sich der Wald und kündete ihm die Nähe ber Klause a«. Bei biefem Anblick empfand fei« Herz nicht«, al« lauterste Freude — die Freude de« Wiedersehen«. Er schmückte sein mtFalken- febern geziertes Barett mit Laub nnb jubelte ein fröhliches Weidmann-lieb in den kir-stellen Wald. So schritt er fürbaß, bl« da« Türmchen ber Waldkspelle zwischen ben Bäumen austanchte.

„Heioho!" stieß et jodelnd au« und gl«, übte jeden Augenblick dls Klausner» hohe G statt an der Pw'te zu erblicken. Aber alle« blieb still. Nun stand er vor der Klause. Auf deren Ferstercheu lag bet warme Strahl der scheidenden Seine. Laut pochte er mit dem eiserne« Schläger gegen die Pforte — keine Antwort erfolgte. Dem Drucke ferner Hand gab die Pforte nach, ste war mwersch offen. Saut verhallten seine eilende» T>ttt« auf den Stein fließ en be« Ganze« — bann st end er vor ber Zrllenthür, die nur angel-HM war. Er tat einen tiefe« Stemzvg, ehe er leise öffnete und zögernd eintrat. Aber nur einen Schritt tat er über die Schwelle, dann stand er wie ange­wurzelt, alle Farbe wich au« feinem G» sichte und feine Blicke hingen entsetzensstarr auf der zusammen­gesunken en Gestalt be« Klausner«, der halb fitzend, halb liegend auf der harte« Ruhestatt lag, ba« Haupt tückwä t« gegen die Wand gerichtet, als suche fein starrer gläserner Blick dort noch etwa«.

Omar« Lugen richtete« sich dorthin. — Da stand mtt Kohle auf die »eißgetünchte Wand ge­schrieben mit zitternder, ersterbender Hand:

„Wenn du kommst und «ich also findest, so

mancher Rückblick auf die tetztertschwundene« Tage geworfen und mit rücksichtsloser Klarheit die Zukunft, die ihm »ach Sage brr Dinge be- vorfiehe» mußte, vorgefsthrt. Ein Entschluß reifte i« ihm, brr entscheidend war für sei» ganzer Leben, er war bem, den er eigennützig verlass«, eine Sühne schuldig, »aS er ,hm im Lrbrn nicht sein wollte, daS wollte er im Tobe sein — sei« Nachfolger in ber Klause!

Die einsamen Stunde» ber Nacht, bie kleine Zelle wußten, welche» unsägliche« Kampf eS ihm gekostet, wie er mit sich gerungen unb der All­gewalt seiner Liebe. Aber küh» wie er seine Worte betätigte, also war er auch schnell zum selbstlosen Handel». ES war bat Resultat deS ersten stürmische«, mit st ll m Vonyurs gepaarte« Schmerzes, ber erste übereilte Entschluß. Sr begrub ben Leib des toten Freundes vor dem AUare der Kapelle und errichtete ei« schlichtes Kreuzte!« darauf. Dann kehrte et in die Klause zurück und begann sein Einstebterleben voll Entbehrung unb innerer Kämpfe. Vielleicht war eS so beffer, baß sei» Lebe« diesen Abschluß erhielt. Sr fühlte fich mit einem Male so arm an ernstem Strebe«, so mübe, ben Kampf zu wa»en. So hörte er wie einst bie Waldvöglei» ihre jubelnde« Weise« in ben Laub- krönen ewporfchmettern, trank rote einst aus bem klaren Wald quell — unb doch war eS nicht »ie einst! Sr trug ein Grab in fich, unb was eS barg, waren bte Geister der Vergangenheit, tote Liebe, begrabenes Hcffm--— bte Ruhe

ber Verzweiflung! Seine Blicke ruhte« an bem Mene Tekel an ber Wand. „Wenn Du kommst unb mdh also findest. . ." Ach, baß bieseS Zuspät auSzulösche» wäre aus ftinem Leben! (F. f)

G-dsrkr geb- t Dir, Sott segne Dich, mein Sohn."

Da stieß Omar einen Schrei au», warf sich vor der Leich« nieder und barg laulaufschluchzend

biete mit bem erforberlichen Nachdruck zurüeh«' weisen." Dazu bemerkt daS wilbeste «itter den Berliner Kultmkas pfSblätter», baS .Berliner Tageblatf: „MerkwÜrbig, baß die ,Post", nur bann von bem Wese» des »deutschen freie» Geiste» in ben Rebe« liberaler Männer etwas zu spüre« vermag, »en« eS gegen bte Katholiken geht!" DreseS GeftänbniS beS katholiken- feinblichen.Berliner Tageblattes' (Nr. 113 vom 3. März) ist wertvoll. Bisher hatten u«S bte Gesinnungsgenossen dieses Blatter, ferner bie Herren Hackenberg, Friedberg, Barth u. s. w. glauben mache« wolle», fie bezweckte» «ur bte Abwehr „geistlicher Übergriffe" be« Bischofs u»b ber Pfarrer von Trier; jetzt aber gesteht baS Blatt, baß ber Sturm „gegen bie Katholiken" überhaupt gerichtet ist. Die Nutzanwenbung für bie Katholiken ergibt sich baraus von selbst.

+ A0Snbermrg be« preußischen Kin- Kommenstener-Gesetze» verlangt folgenber, vom Abg. Kirsch (Düffeldorf) mit Unterstützung der Z niramS-Fraktion im Abgrorbnetenhause gestell- tut Antrag:

„Sinziger Artikel.

3n bem § 9 Abs. I Ziffer 4 beS Einkorn- me»steuer-Ge;etzes vom 24. Juni -1891 werben vor bem Worte „birekten" bie Worte „Gemeinde- Abgabe« unb* eingeschoben."

Die Gemeinde-Abgabe» solle» demnach bei Berechnung bes steuerpflichtigen Einkommens auch in Abzug gebracht werden könne«.

+ tsine Ilnchk ber Siseuvahudireütoren auS vem Amte wird von einigen Blättern ange- kündigt. U. a. berichtet die .Post'aus Hannover : „Der Präsident der hirsizen Eisenbahnbirektion bat sein Abschiedsgesuch eingereicht. Auch andere ChefS von SisenbahnbirektionSbrzirke sollen beab­sichtigen zurückzutreten. Der Grunb hi-rfür soll bte vom Ministerium eingesetzte „UederraschungS- kommisfion"sein,welche unangemeldetir. Direkttons- bezirken erscheinen soll, um etwaige Miß stäube adzufielle». — Der,H.n». Cour.' bestätigt, daß Herr v. Eickhoff, genannt Reitzenstein am 1. Juli von seinem Amte zurücktrete« werde.

X Der soziakdemosiratische Zfarteivor- stand hat zwei Entscheidungen in Frage« der sozialdemokratische« «ittenlehre er- taffen. Auf bie Frage: „Rann es mit ben In­teressen ber Partei für vereinbar erachtet werben, baß Parteigenosse« als Redatteure oder Mitar­beiter a« bürgerliche« Preßunternehmungen tätig find, in bene« a« der fozialbemokratischen Partei gehäfize ober hämische Kritik geübt wirb?" ant­wortet er mit: Nein! Auf die Frage: „Rann ein Parteigenosse Redakteur ober Mitarbeiter eines bürgerlichen Blattes fein, auf welches obige Voraussetzung nicht zutrifft?" antwortet er: Ja, soweit Stellungen in betracht kommen, in bene» ber Parteigenosse nicht genötigt wirb, gegen bte sozialdemokratische Partei zu schreiben oder gegen dieselbe gerichtete Angriffe aufzunehmen. Im In­teresse der Partei sowohl wie im Interesse der in solchen Stellungen befindlichen Parteigenoffen liegt es jedoch, daß ben letzteren keine Vertrauens- stelluuge» übertragen werde», weil solche fie fttUjer oder später i« Rar.füll mit sich unb ber Partei bringen müssen. _____

Berlin, 3. März 1903.

X Jr länger unb genauer bis liberale Presse fich bte Verhanb lange» über bie InkerpeKation wegen ber frierer Kehalansekegeer-eit «»steht, um so weniger zufrieden ist fie bamti. I» den Morgenblätter» überwog noch die Be- srtebigung; in be» Abendblättern macht fich be­deutend mehr bie Unzufriedenheit bemerklich.