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J$50.
Iu0öa, Dienstag, den 3. Marz 1903.
30. Jahrgang.
AnS den diesjährigen Fastenhirtenbriesen der deutschen ^Bischöfe, ni.
Der Hirtenbrief deS Hochw. Herr» Bischof» Wilhelm von Hfaderöor« handelt über die göttliche Tugend der Hoffnung. Wer sich mit seinen höchsten Zielen und seinen heißesten Wünschen nicht mehr an oie Pforten der Ewigkeit klammert, der ist ohne festen Halt den Stürmen de« Leben», den Stößen unb Schlägen eine» erbarmungslosen Weltgetrtebe» preisgegeben, der steht keinen Licht« strahl in die finsteren Abgründe des menschlichen Elende« hineinfallen. Da» rechte Heimweh nach dem Himmel ist nicht eine finstere weltschmerzliche, tränenselige Stimmung, die fich im Jammern über dar Erdenletd nicht genug tun kann. E» ist auch nicht eine arbeitsscheue, lebensmüde, oder gar lebenrfeindltch« Gemütrverfaffung. E« drückt nicht nieder, sondern zieht empor. E» verleitet weder zu quälendem, tatenlosem Grübeln, roch zu nutz' losem Weinen und Wehklagen über di« Not und Schlechtigkeit in der Welt, sondern treibt an zu mutigem Kampfe gegen die Weltübel und zu freudiger Arbeit im Berufe, stärkt zu mannhaftem Standhalten in allen Mühsalen und zu geduldigem Aurharren in jeder Bedrängnis.
Der Hochw. Herr Bischof Hermann von Münster behandelte di« zweite Quelle unseres Glücke«: Di« Arbeit, nachdem der Oberhirt die erste Quelle, dar Gebet, bereit« wiederholt be« handelt hat.
„Arbeit ist ja nach Gotte« heiligem Willen, so heißt er in dem Htrtenschreiben, unser aller Ls« hier auf Erden- E« kommt nur darauf an, daß wir diese« Lo«, welche« vielen Menschen so hart und schwer vorkommt, in seinem innersten Kern recht erfassen. Dann wird un« einleuchten, wie kostbar, ja wie überaus edel die Arbeit ist und wie segensreiche Früchte fie bringt. Dann werden wir erkennen, daß unser« in rechter Weise geübte Arbeit eine nie verfiegbar« Quell« ist, au« der unschätzbare« Glück sich ergießen wird in unser diesseitiges und in unser jenseitige» Leben."
Nachdem der Herr Bischof sodann auf die hohe edle Abkunft der Arbeit hingewtesen, heißt e» weiter: „Arbeit steht als lichter Engel de» Friedens und der Freude an der Wiege der Menschheit; Arbeit wandelt Hand in Hand mit den unschuldigen Stammeltern durch da» unentweihte Paradies; Arbeit ist der älteste Adel, den es auf Irden gibt; denn er geht zurück bis auf den Ur stand be« Menschen, la, er stammt an« den lichten Höhen de« Himmel« selber, wo die Arbeit de« Menschen in dem Wirken und Walten Gotte« ihr »naus« sprechlich hohe« Vorbild hat. Jndeß, der Adel der Arbeit ging im Süudenfall^ verloren, immer tiefer sank die Menschheit, bi« Gotte» Sohn aus Erden erschien. „Er hat wieder die Arbeit ge« adelt, und getreu seinem Beispiele hat die katho« lisch« Kirche den Adel der Arbeit hoch gehalten durch all« Zeiten ihre« Bestehen«. Von den Tagen der Apostel an hat fie auf die Emporhebung der verachtetsten und ärmsten Arbeiter hingewirkt, au die Abschaffung der Sklaverei. Ohne Umsturz der bestehenden Verhältniffe war freilich dieselbe nich plötzlich zu entfernen. Darum hat die Kirche nicht überstürzt und gewaltsam gehandelt, sondern all« mählig, entsprechend dem Fortschritt der christlichen Kultur und dem Wohle d«r Völker, die Fesseln der Sklaverei erst gelockert und dann vollend« abgestreift. Für die gottgewollt« Arbeit ist die Kirche durch Wort und Tat in jeder Weise eingetreten. Auf Arbeit hat sie von Anfang an ihr große« Werk gegründet. Ihre edelsten Kinder, die Glaubensboten und Missionäre, haben al» Träger und Bahnbrecher d«r christlichen Kultur die Arbett, auch die Arbeit der Hände, Ackerbau und Handwerk, geübt und gelehrt, fie haben alle
Völker Europa« zur Arbeit de« Körper» und de» Seifte« angeleitet und dadurch der christlichen Religion und der Zivilisation den Boden bereitet, fie in ihrem Fortschritt unablässtg begleitet und zur Blüte gebracht. Die Orden«famtlieu der katholischen Kirch« find nach de« Willen ihrer Stifter ohne Ausnahme Stätten der Arbeit zur Ehre Gotte» und zum Wohle der Mitmenschen." Trostreich ist die Lehre unserer Kirche über die hohe Würde und den Adel der christlichen Arbeit: „Präget fie recht tief in Euer Herz, geliebte Diözesanen! diese Lehre Eures Glauben» und Eurer Kirche! Sie ist ein erqnickender Balsam für alle Mühsal de» Leben». Ja, laffet uns arbeiten, alle wie wir find! Arbeit ist unser Lo» und Gotte-
Ville. Al« Kinder Gott!« wollen wir arbeiten mit reinem Herzen, mit guter, gottgefälliger Meinung, mit Frohsinn und Geduld, mit Auf- »ietung aller unserer Kraft und Sorgfalt, aber auch voll unerschütterlichen Vertrauen« und kind- icher Zuverficht auf Botte« Vatersegen. Um Gotte» Hilf« und Beistand wollen wir beten bei der Arbeit und weder über die Arbeit da« Gebet vergeffen, roch über da« Gebet die Arbeit. Ernste, ehrliche Arbeit und da« Flehen ein«« reumütigen Herzen« wollen wir miteinander verbinden be- ander« in dieser hl. Fastenzeit, die für un« alle a eine Zeit der Buße und Abtötung fein soll."
Der Hirtenbrief de» Hochw. Herr» Bischofs Hubertus von HaaaVnück handelt vo» der Erziehung der Kinder und richtet im S.nne des hl. Vaters ein Mahnwort an die Elter», in deren Hände» die Zukunft des menschlichen Geschlechter liege. Sott hat, wie in dem Hirtenschreiben aus- geführt wird, die Kinder, die er für Zelt und Ewigkeit glücklich mache» will, den Eltern als kostbarstes Unterpfand feiner Liebe anvertraut, und diese sollen hierbei an erster Stelle Mitwirken, Groß unb schwer stob in dieser Beziehung bie Pflichten unb bamit auch die Verantwortlichkeit bet Eltern. Damit aber bie Kinder nach den Grundsätzen und Forderungen deS Christentums erzogen werden könne», ist es zunächst notwendig, daß die Eltern selbst religiös und christlich gesinnt find und einen christlichen Lebenswandel führen. Die göttliche Vorsehung hat bie zu einer guten Erziehung erforderlichen Eigenschaften unter beide Elter» weise verteilt, )O daß Vater u»d Mutter fich gegenseitig ergänzen und gemeinsam am Werke der Erziehung arbeiten müffrn. Die gemeinsame Erziehung muß aber harmonisch und einheitlich sein, beide Elter» mflffen deshalb dieselben christlichen Grundsätze haben unb diese einmütig in der Erziehung zur Geltung bringen. Weiterhin ver. weist der Hirtenbrief u. a. auch auf bie betrübenden Zustände, die wir zur Zelt in der menschlichen Gesellschaft, besonders bei der Heranwachsenden Jugend, zu beklagen haben; auf daS unbegründete Sklbstbewußtsein, bie Unbotmäßigkeit, die Widersetzlichkeit und Verachtung bet geistlichen unb weltlichen Obrigkeit, bie überhandnehmende Genußsucht unb Sittenlosigkeit^ Erscheinungen, bie ihren Grunb allein barin haben, daß i» den Rin- bet» nicht schon früh daS Gefühl bet bankbaren GotteSllebe, gleichwie der hilfsbereiten Nächstenliebe erweckt und jene Tugenden, welche bie unerläßliche Bedingung eines christlichen Lebenswandels find: Demut, Gehorsam und Keuschheit gepflegt wurden. Darum sollen christliche Eltern ihre Kinder bescheiden und anspruchslos erhalte», bet de»felben keine Anmaßung und Rechthaberei dulden, von denselben unbedingten und pünktlichen Gehorsam sordern, die Kinder von Jugend aus an Selbstüberwindung und Entsagung gewöhnen, auch nicht in blinder Liebe ihnen alle ungeord. neten Wünsche erfüllen oder gar gegen deren Unarten unb Fehler gleichgültig fich verhalten. Sie christlichen Eltern solle» ihre Rinbet besonders sorgsam vor dem Genuffe geistiger Getränke hüte» und vor allem i» ihre» Kindern daS Gefühl der Schamhaftigkeit, diese Schutzwchr gegen bie Gefahren, welche bie Unschuld bedrohen, schützen unb pflegen. Nach Eintritt bet Schulpflicht sollen die Sttetn in Verbindung mit den Geistlichen unb der Lehrerschaft, deren Autorität fie zu stützen
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habe», tm christlichen Geiste verständnisvoll daS Werk bet Erziehung fort setzen unb später nach Volladung bet Schulzeit noch wettet auSdehne» da biese Jahre vielleicht bie gefährlichsten im Leben sind. Darum auch ganz besonders Pflege deS christliche»Familienlebens. AmSchluffe deS Hirtenbriefes ergeht an bie Etter» bie Mahnung, bie hl. Fastenzeit zu bet Erforschung zu benutzen, ob unb Inwieweit sie (bie Eltern) ihren Pflichten in bezug auf die Kindererziehung nachgekommen find, und ernstlich zu prüfen ob unb was fie noch nach zuhole» ober zu unterlasse» haben, um vor Gott unb ihrem Gewissen bestehen za könne».
Vermischte*.
* Erklärlich. A.: „Wird fich beim Ihre Tochter immer noch nicht verheiraten? Sie ist doch alt genug." — B.: „Nein, fie will noch warten." — A.: „Worauf denn?" — B.: „Auf einen Freier!"
* Kritisch, vast (zum Kellner, der ihm auf Bestellung einer Portton Holländer Käse einen sehr schäbigen Rest gebracht hat): .Sagen Sie mal, Fritz, da» ist wohl der Abfall der Niederlande?"
Mark bet Seneralarmenkaffe zufließen sollen. Der Magistrat ist biefet Ansicht und dement- sprechenb ist bie Summe in bie Rechnung be# Jahres 1901 in Einnahme gesetzt. Die Sache wurde zur Kenntnis genommen.
6) Rechnungsprüfungen unb
7) Haushalts-Boranschlag für 1908 unb 1904 würben von bet Tagesordnung abgesetzt.
8) Beschlußfassung über Vornahme einer Ersatzwahl. Dieser Gegenstand ist bereit» unter Nr. 1 erledigt.
9) Aenderung bet geplante» Breite »er Schildeckstraße. Diese Sache hat schon in bet vorigen Sitzung zur Beratung gestanden und wurde bamal» der Flnchtlinien-Kommisfion ttt Vorberatung überwiesen. Die Kommission hat ich gegen bie Herabsetzung der ursprünglich ge- ilanten Breite der neuen Straße aulgesprochen. Der Referent Herr Stadtv. Fleischmann sprach ich entschieden in demselben Sinne an«. Herr Stadtv. Fritz wat dagegen der Anficht, daß der neue Plan, der eine geringere Breite dieser Straße ,7,5 m statt 11 m) vo.sieht, allen Bedürfniffen röllig gerecht werde; er empfahl deshalb, die Vsr- age de« Magistrat« anzunehmen. Herr Stadt». G. I. Schwarz «ic« darauf hin, daß schon ein ehr großer Teil der Straße in bet Brette von 11 Meter fertlggestellt sei; e« fei nicht angängig, jetzt eine geringere Breite einzuführen. Geringere Kosten würben dadurch keine«weg« entstehen. Er empfahl deshalb Annahme be« Anträge« Fleischmann. E« entspann fich nun eine lange Debatte, in der mehrere Anträge gestellt wurden, die aber nachher zum Teil wieder zurückgezogen wurden. Herr Stadtv. Fritz beantragte, die Brette bet Straße auf 8,50 m herabzusetzen. Der Herr Referent beantragte, e« bei 11 m Breite zu belasten. Herr Stadtv. Georg Schwarz beantragte Rückverweisung bet Vorlage an ben Magistrat. Zunächst wurde der Antrag Georg Schwatz abgelehnt, der Magistratsantrag und bet Antrag Fritz ebenfalls abgelehnt. Damit ist ber Antrag be« Referenten, e« bei ber ursprünglich geplanten Breite von 11 m zu belasten, angenommen.
Schluß ber Sitzung 9 Uhr 45 Min.
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Stadtverordneten-Bersammlrmg.
□ Fulda, 3. März 1903.
An bet gestrigen Sitzung bet Stadtverordneten nahmen 22 Stadtverordnete teil; der Magistrat war durch Herrn Oberbürgermeister Dt. Antoni vertrete»; außerdem war Herr Baurat Schirm meyet anwesend.
Aus bet Tagesordnung standen 9 Punkte:
1) Geschäftliche Mitteilungen. Der Vorsitzende, Herr Rechtsan walt Gegenbaur, teilte mit, daß das Komitee für bie Papstselet eine Einlabung an die Herren Ctadtverordneten zur Beteiligung an bet Feier gesandt habe. Er habe durch Rundschreiben die Herren Stadtverordneten davon m Kenntnis gesetzt. Die Sache ist unterbtffen erledigt. — Weiter teilte bet Botfitzenbe mit, baß beim Magistrat ein Antrag bet Herren Stadtv. Euler und Reith eingegangen sei, baß baldigst eine Ersatzwahl für den verstorbenen Herrn Stadtv. Knittel statt- finde» möge. Eine Beratung dieser Angelegenheit wat ohnehin in bet Tagesordnung unter Punkt 8 vorgesehen. Die Versammlung sprach sich mit großer Mehrheit im Sinne des Antrages aus. Al» Beisitzer für ben Wahlakt würben die Herren LouiS Thiel und Heinrich Lederle, zu Stellvertretern die Herren Ronrab Wählet unb Hetman»Reinhardt gewählt. — Weiter wurde noch mitgeteilt, baß Herr Maurermeister Schmitt eine Eingabe gemacht hat, in Betreff ber Bau- erlaubniS bezw. Aufhebung deS Verbotes zum Wettetbau eines Neubaues an ber Adalbert- straße. Das Schreibe» wurde zur Re»ntnl8 genommen und soll an be« Magistrat zur weiteren Behandlung weitergegeben werben. — Herr Oberbürgermeister Dr. Antoni machte Mitteilung übet den Bau dreier Eisenbahn-Anter- fÜbrunge» in Essen, wo die Stadt zu zwei Muter, ührungen über 400,000 Mk. Zuschuß zahle, während zu ber ander» Unterführung nichts von ber Stabt zu zahlen fei mit Rücksicht auf frühere Verträge. — ES entspann fich benn noch eine längere Debatte übet bie Beratung deS HauS- haltSetatS. ES würbe als »otwenbig erkannt, um ben Etat rechtzeitig feststellen zu können, be- sonbere Extrafitzunge» abzuhalten. Die erste soll schon am nächste» Freitag stattfinde»; in derselben wirb Herr Oberbürgermeister ben Bericht über bie städtische Verwaltung erstatten, ber nach be» Bestimmungen ber StSdteverordnung vor ber Beratung beS neuen Etats zu erfolgen hat.
2) Verpachtung von st abtischen Aeckern. Ein Teil deS für den neuen Friedhof angetansten Ackers ist in 8 Parzellen auf 6 Jahre verpachtet worben. Die Summe der Meistgebote beträgt 407 Mark Pachtzins pro Jahr. Da ber in Rede stehende Teil deS Ackers für die Anlage des Friedhofes zunächst nicht in Betracht kommt, stimmte die Versammlung der Verpachtung an bie Meistbietenden zu.
3) und 4) Löschung«.Freigabeurku»- ben. Die Löschung von vier zurückgezahlten Schuldsummen wurde genehmigt.
5) Mitteilung deS Walter'schen Testament-. Die Eheleute Joh. Jak. Jos. Walter haben in ihrem Testamente u. A. der Rleinkinderbewahranstalt in Fulhfl und ben Armen ber Stadt Fulda je 300 Mk. vermacht. Ei handelt fich um die Frage, ob die letzteren 300
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