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KuldaerMZeitung i

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30. Jahrgang.

Iut-a, Samstag, den 28. Februar 1903.

JK48.

»ruck und Verlag »er Aultaer Letteutruckeret xelerogage N». 2 ldaruunies.

Mil Nnlerhaltungs-Aeilage „Mustnrle Sonnlags-Ieilung

□ Rechnen — schwach!

Die M i l i t» r v e r » »l t u n g hat am DoiuerS. tag her Bubgetkommisfion de» Reichstage, «ine großeUeberrasLung berettet. Vie mußt, nämlich mit dem Geständniffe herauSrücken, daß fie sich bei de» Forderungen für den Truvpen- Übungsplatz für bal S. Armeekorps in vchlesteu ganz kolossal verrechnet hat. Der betteffende EtatStitel fordert als 5. Rate VI» Millionen Mark. Bewilligt find in de» Bor- jähren bereits 4130000 Mark. Der Überschlag dettägt »ach »eueren Ermittelungen 9 Millionen Mark, während die Kosten ursprünglich auf 6 Millionen berechnet waren. Also eine lieber- schreitu»g vo» 3 Million-» Mark!

General v. «allwitz gab in der Kommission an, daß ma» sich bei der Bor-Einschätzung in stühereu Jabre» geirrt habe. Redner gibt eine eingehende Darstellung über die Mehrkosten, die Befremden in der «ornmiffion hervorruft. SS fei ungemein schwer, bei der Erwerbung einer NebungSplatzeS die richtige Schätzung zu treffen. Im vorliegende» Falle ha»dle eS fich um Wald, das erschwere de» Voranschlag ungern em. Auch ließe» sich die Entwässerungsanlagen erst »ach Fällung der Bäume übersehen. Neu hinzu komme eine Mehr-Forderung vo» Vit Millionen Mark vom »rasen Dohna-Mallmitz. ES hätte» drei Schätzungen stattgefunde». Et» Hektar stelle fich auf auf 663 Mk.. i» Doberitz habe et über 1000 Mark gekostet. Ma» habe keine geschulte» Arbeitskräfte gehabt, ma» habe um die Landwirtschaft nicht zu schädigen Arbeiter auS Rußland und Oesterreich angenommen. Man habe fich auch bei der Wertbestimmung des Holzes geirrt. Die Mehrausgabe» seien um 100 bis ISO'/, gestiegen, die Einnahme» um 15 bis 50% gesunken. Bei zwei Waldbrände» feie» 1020 Hektar abgebrannt, das habe Verluste und Mehrkosten im Gefolge gehabt. Anstatt er» hofft« Einnahmen habe ma» Mehrkosten von 1 Million gehabt. Der KreiS Lag« habe nach­träglich betreffs der «ege Forderungen gestellt, auf di« er ursprünglich verzichtet habe. Rotte» fetent Graf Bonn (kons) bemerkte, man habe mit UedungSplätzen schon oft ttaurtge Erfahrungen gemacht, aber diese lleberschreitunge» seien un» glaublich. Ss seien ganz enorme Preise sür den Boden gezahlt worden. Müller-Fulda (Ztr.) mahnte zur Borficht bet künftigen Anlagen für solche Plätze. Die Militärverwaltung hab« in» korrekt gehandelt, indem fie die Befltzungen deS »rafen Dohna zu einem höheren Preise kaufte, alS ihr vom Reichstag bewilligt war; fie hätte Huvor an den Reichstag mit einer neuen Forderung her an trete» müssen.

Dr. Paasche (natl) tadelte, daß die Rllitärverwaltung daS Terrain viel zu teuer gekauft habe, fie hätte in der Nähe große zu- sammenhängenbe Flächen viel billiger habe» tonnt«. Künftig werbe die Kommission genaue

ütr Lmb ms btt LöchrbW.

Originalerzählm, cmS der »eschichte bet ehemaligen

Jülicher Lande von Aleca Ruth.

21 ------ (Nachdruck verboten.)

»Daß er mehr alS ,baS kann, baS, beucht mir, hat er uefl gezeigt«, erwiderte er und klopfte dem Jüngling auf die Schulter, „du verdienst meine Anerkennung, Falkenier!«

Darntt wandte er fich dem Waldschlößchen zu, gefolgt von den übrigen, »ut bei dem Finkenburg schien die Angelegenheit, bei der er schon heimlich triumphiert, in solcher Art nicht erledigt, inSbe» sondere da er in de» Auge« ber tbelbame» fei» Renommee noch zu retten hatte.

z-Heba, ritterlicher FalkenierI« tief er höhnisch, bet Du ein so vielseitiger Seist, Du wirst a»ch mir sage» könne», wo meine Falkenschnur hinge- kommen. Dein Lockruf tut ja Wunder!"

„DaS, denke ich, müßtet ihr selber am besten wiffe»«, erwiderte Omar gelassen und wandte fein Roß. Der Finkenburg aber sah daS Lächeln ans aller Mienen und stürzte dem Jüngling nach.

.Willst Du mir wohl Rede stehen?« schrie er ihn a», .oder —", und drohend hob er seine Pferdepe,tsche.

Keine MuSkel in dem Antlitze OmatS zuckte, aber fein Arm hob fich unmerklich.

.Ehe Ihr so weit kommt«, sagte er ruhig, aber drohend, „liegt Ihr zerschmettert am voorn.«

Fast in dem gleichen Augenblicke sauste die Peitsch« durch die Lust.

„Da nimm blei!* Aber gewandt war Ornat bei Seite gewichen, nun stand et blitzenden AugeS vor dem Ritter, de» Arm drohend erhoben.

Veranschlagungen verlange». Dr. Müller- Saga» (stets. Bp.) wieS daraus hin, daß er vor Jahren schon vor dem Ankauf dieses Geländes gewarnt habe. General vo» Gollwitz ver- teibigte die Militärverwaltung, sie habe in dem waldigen Gelände tte Kosten nicht im voraus abschätze» könne», «flfieg (natl.) betonte, eS bleibe auf der Militärverwaltung bet Vorwurf sitzen, fie fet ohne genügende Prüfung an die Sache herangetreten, wodurch fie eine lieber« fchreitung von Millionen verursacht habe. Müller-Fulda stellte folgende Resolution:

„Der Reichstag wolle beschließen, den Herr» Reichskanzler zu ersuchen, bei künftige» An­forderungen für neue Truppenübungsplätze zuvor genaue Entwürfe und Kostenanschläge sestzu- stellen und etwa in Betracht kommenden Gr and­er werb durch Vorverträge sichern zulaffen.

Gro«bet (Ztr.) tadelt« aufs Schärfste bas Verfahren ber Militärverwaltung in btefem Falle. Kriegsminister o. Goßler verwies darauf, daß er fich sehr gründlich informiert habe und fich Habs Gutachten über das Gelände abgeben laffen. Müllet»Fulda begründete feine Resolution. Ans allgemeine illusorische Schätzuugen hin könne dis Kommisston Millionen nicht bewilligen."

Referent Roer en (Ztr.) und Korreferent Graf Roon beantragten, 500000 Mk. ab;»- streichen, und den Titel 115: artilleristische Einrichtungen auf diesem UebuugSplatz, 1. Rate 120000 Mk., ganz zu streichen.

Die Kommission nahm diese Anträge an, bewilligte also als 5. Rate für den Truppen­übungsplatz selbst nur 1 Million Mk.

Die Resolution Müller-Fulda wurde einstimmig angenommen.

Die Angelegenheit wird sicher auch im Plenum noch eingehend behandelt werden. Besonders auf­fällig ist, baß die Militärverwaltung die große Mehrsorderung des Grasen Dohna glatt bewilligt hat, obwohl ihr dazu die Befugnis fehlte. Diese Sette der Angelegenheit bedarf allem An­schein nach noch melieret Aufklärung, darntt nicht der Verdacht entstehe, daß die Militärverwaltung sich durch Rücksichten persönlicher Art habe be» ein Hüffen laffen! (Der Bericht über die weiteren Beratungen der Kommiffio» findet fich im ersten Blatte. D. Red.)

Unpolitische Zeitlönse.

(Nachdruck verbot»».)

E> Berlin, 26. Februar 1906.

Gut bekommen? Die Frage ist üblich »ach sogen. Vergnügungen. Wenn jemand regelrecht gearbeitet hat, so fragt man nicht erst, wie «S ihm bekommen fei. ES gilt als selbstoerständ- lich, daß die Arbeit gut bekommt. Aber Festlich, teilen, deren Zweck daS Vergnüge» ist, sollten eigentlich erst recht wohlbekömmlich fei»; doch scheint daS nicht so selbstverständlich zu fein. Man fragt erst nach, und auf die freundliche Frage be- kommt ma» häufig eine unwahre Antwort. „AuS- gezeichnet," antwortet einer, dem alle Haare wehe tun. „Ziemlich amflfkrt,« versichert ein anderer, dem Aerger und Gewissensbisse am Herzen freffen. „So waS möchte ich alle Tage mit«

„Ich verbiete meinem Falkenier, bte Hand gegen oe» Ritter aufzuheben!" rief da eine Stimme auS der Mitte der Edeldamen. Sei» Blick wandte fich schnell dahin — eS war Jsengard, deren Auge» ba»»e»d auf ihm ruhte». Trotzig schaute er zu ihr hinüber. Der Ausführung seines Snt- fchluffeS kam jetzt daS Edelfräulein von Richten­blicke» zuvor.

„Lasset uns eilen; bas, deucht mir, ist kein anmutend Schauspiel für Frauenaugen/ und fie ging den bereits rauf gegangenen nach; bte nebligen taten ein gleiches.

Finkenburg fühlte wohl den Vorwurf für sich heraus und biß sich auf die Lippen.

„Warte, Knabe," wandte er sich drohend zu de« Jüngling, „wir haben bas letzte Wort noch nicht mUdnanber gesprochen. Du sollst nicht mehr lange meinen Augen einen Greuel sein.«

Omar sah fich allein, er dachte nicht weiter über die Worte nach. I» feinem Herzen brannte nur die erlittene Unbill, die er nicht heimzahle» durfte. Er gab den Knechten das Roß und schlug fich in die Büsche. Dort, wo ihn keines Menschen Auge sah, warf er sich inS Gras und barg bas Antlitz in beide Hände.

Von dem Waldschlößchen her drang Becher- Hang, Lachen und Scherzen und schnitt dem Ein­samen, Berlaffenen, Gekränkten in die Seele. Was in ihm vorging, wer konnte es raten?

In dem Baumwipfel über ihm raschelte te, ein dicker Vogelkopf lugte neugierig durch die Zweige und dann ließ es sich mit sanftem Flügel- schlag herab; es war Zero! Er flog auf den Rücken des regungslos Daliegenden, pickte feinen Meister beim Ohrläppchen, kraute ihm schmeichelnd

machen,« prahlt der dritte, ber mit bitterer Sorge barflber nachdenkt, wie er das große Loch in feinem Gelbbeutel wohl stopfen könnte.

Ach, ber bittere Rachgeschmack vom sogen. Vergnüge»! Die Erbe ist wirklich ein Jammer- toi, wo eS keine ungemischte Freube gibt Ober finb bir Mensche» so töricht u»b »»geschickt, daß fie kein Vergnüge» ver»ü»stig genießen kön­nen? Sei eS Verhängnis, sei eS Schuld — der Katzenjammer ist eine ber häufigsten, verbreitet- ften und schmerzhaftesten Seuchen, zu bereu Be- Mmpfung leider daS ReichS-GesundhettSamt nichts tut. Worüber sollten wir am Tage nach Ascher­mittwoch bester reden, alS über den Katzenjammer.

'Da man bei allen gelehrten Untersuchungen „unterscheiden« muß, so nehme ich drei Sorten Katzenjammer: 1) Den körperliche» oder pHYfi­schen, 2) be« moralischen und 3) be« finanzielle«. Der erste hat seine Refide«, im Magen unb Kopf, ber zweite im Herzen unb Gewiffen unb ber dritte im leeren Geldbeutel. Jede Sorte kann für fich allein kommen, aber wenigstens kommen je zwei, ober oft auch alle brei Kater zusammen. Bei dieser Häufung und Mischung entstehen verschie* bene Grabe beS Jammers, bie fich von einem ganz kleinen Kater bis zum grauen Elenb, von einer leichten Unbehaglichkeit bis zur abgründige» Verzweiflung erstrecken ka»n. Der eine sagt: „Mr ist heute nicht so recht extra,« u»b bet andere stöhnt: „O, wäre ich nie geboren ober weing- stenS gleich nach meiner Geburt wieber gestorben!"

Der lörperlich« Katzenjammer ist ein Beweis, baß baS „Vergnügen« größere Strapazen mit fich bringt, als die Arbeit. Göthe f-gte auS Er- jahrung, nichts fei schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen. Er hätte auch sagen können: Eine Reihe von vergnügten Stunden. Da muß Drescherarbeit geleistet werden von de« Muskeln und dem Herzen, dem Magen und dem Skhirn. Man tanzt und stolziert umher, man springt und tollt, ma« arbeitet mit de« Beinen und de« Arme« und dem ganzen Leibe viel stärker, als in der Werkstatt Daß die Sache schweiß­treibend ist, wirb schon burch bie ZwangSfitte ber Hanbschnhe belaubet; bie handschuhlosen Hände würden ja Schweißflrcken hinterlaste«. Die körperliche Anstrengung schadet gesunden Menschen nicht, wenn fie nur nicht zu lange dauert und ein gehöriger Schlaf hinter fich hat. Die Aus­dehnung der Vergnügungen bis zum stützen Morgen unb ber Mangel an ruhigem Schlaf bildet die erste Grundlage deS Jammers, verschärft wird bie Sache durch die seelische Aufregung: Ge­fallsucht und Neid, Liebe unb Eifersucht, Triumph und Aerger, oft sogar Zank und Streit zerren an den Nerven herum und lasten baS erregte Herz noch wilder schlagen. DaS Weitere besorgt dann der unvermeidliche Alkohol, zu dem sich vielfach «och daS Nikotin gesellt. Also Arbeit, Ausregung und Vergiftung auf einmal. DaS ist für einen HrrkuleS genug, für einen ge­wöhnlichen Körper zu viel.

Wenn wir unsere Feste mit lauter Limonade feier« wollten, würden fie u»S bester bekomme». ES ginge auch noch an, wenn nur dünnes Bier de» Festdurst stillte. Aber sobald die Sache fein werden soll, muß Wein getrunken werden, und

der Wein ist ei» edleS Getränk, daS den Schei« im Nacken hat. Namentlich für bte, welche nicht alle Tage Wei» trinken. 3« ber ersten Festes­freude trinken fie alle ben teichtflüsfigen Wein so flott herunter, alS ob eS harmloses Bier wäre, unb ba stellt fich bann infolge beS stärkeren Ge­haltes an Alkohol unb Säure balb ein wachsender Durst ein, ber zu fortgesetztem Trinken verlettet. Spürt man nun schon Alkohol i« ben Nerven, so stürzt man fich um so eifriger in ben Fest­trubel, uns a»S btefer erhöhten Anstrengung ent­wickelt fich wieder neuer Durst. So verstrickt ma» fich in bie Unmäßigkeit, ohne fich selbst recht klar zu werde». WaS ber SchnapS anrichtet, brauche« wir nicht erst zu sage«.

AlS KlugheitSregel« möchte ich empfehle«: 1. Sei im Anfang bei Vergnügens ganz beson­ders vorfichtig im Trinken. In be« ersten Stun­den nur ganz kleine HöflichkeitsschlÜckche«, soweit fie unvermeidlich find. Damit sicherst du dir bie Fähigkeit, bein Vergnügen vernünftig einzu- richten «nb wirkliche Freude zu haben. WaS bu im Trinke« etwa versäumst, läßt sich nachher immer nachholen; aber was bu im Anfang zu viel nimmst, ist mit feinen unangenehmen Folgen nicht wieber zu befestigen. 2. Suche von Zett zv Zeit etwas frische Luft zu genießen. Zum körper­liche« Katzenjammer trägt ber anbauernbe Aufent­halt in ber verbrauchte», verstaubte» oder gar ver­räucherte« Saft sehr viel bei. Wer inzwischen mal i» einem Rebenraum ober bei roainvn Wetter im Garte« eine Weile bessere Lust schöpft, erfrischt unb beruhigt unb ßärktfich wesentlich.Natür- lich muß man fich vor Erkältungen bauet hüten.

Bedenke dos Ende, sagt ein uralter WriS- heitSspruch. Bei Vergnügungen soll man erst recht daS Ende bedenken: bleibst bu mäßig u«b vernünftig, so hast bu am anberen Tage Behagen unb eine angenehme Erinnerung; wirst bu un­mäßig unb leichtsinnig, so fist ber Katzenjammer dein Loos, und baS ist ein dickes unb bittere» Ende. Da wiegt bet Schmerz schließlich schwerer alS ber Scher,.

Auch auf dem Gebiet beS körperliche« Katzen­jammers gibt eS Kurpfuscher. Diese sage«, mit einem fausm Hering läßt fich alle» wieber in S Loth bringen. Aberglauben, ein altes Vertrauen auf Unioerfalmittel I Der krank« Magen muß langsam durch milbe, leichte unb beruhigenbe Sachen wieber in Ordnung gebracht werben; manchmal ist eS am besten, ihn vorläufig ganz in Ruhe zu laffen. Für ben leibenbe« Kopf und bie angegriffenen Nerven ist ftifche Luft baS bringendste Erfordernis. Schlimmer noch als die Herings-Kurpfuscherei, find die Homöopathen beS Kater», b. h. diejenigen, bie ber Jammer durch neuen weiteren Alkohol, also durch einen neuen Rausch vertreiben wollen. DaS ist frevelhaftes Spiel. Wer klug ist, ttägt die göttliche Sünden- ft-cfe in Geduld unb stört den allmählige« HeilungSprozeß im Körper nicht.

Die Sewifsensbiffe, bie bem sog. rnora» lischen Kater zu Grunbe liegen, finb gewiß in ben meisten Fällen vollberechtigt. Unter ber körperlichen Schwäche unb ber Erregung ber Nerven kommt eS aber nicht selten zu einer krank­haften Verzagtheit, einer Art Verzweiflung. Da»

im Haar und stob bann mit einem Male auf­kreischend davon.

In dem Gebüsch war unvermutet eine Gestalt aufgetaucht, bi« sich dem Regungslosen nähert« und seine Schulter leise berührt«.

„Omar Teekereh!« Er sprang empor und stand — dem Edelsräuletn gegenüber. Sem Auge aber wandte sich grollend von ihr «eg.

„Wie kann in eines Menschen Inner» so viel Trotz Raum finden!« sagte fie.

„Wie kann ein Mensch so viel ertragen und — schweigen!« erwiderte «r bitter.

Ein Schatten flog über ihr Antlitz.

„Du scheinst immer wieder zu vergeffe«, daß jeder in seinem Stand« groß sein muß", sagt« fie bedeutungsvoll, „berjenige aber, ber bienet — im Schweigen!«

„Nein!« rief er in über quellender Bitterkeit, „das kann ich nicht vergeffe». Jede Stunde tritt bi«fe grausame Forderung an mich heran. Ich schweige — aber ich knttsche!« Ties betroffen trat fie von ihm zurück.

„Omar, ich erkenne Dich nicht wieder!«

„Richt wahr,« rief er in immer wachsender Bitternis, „daß diese Kreatur noch schäumen kann.« Nun ward fie ernstlich böse.

„Nimm diesen Falken,« gebot ft«, „und beeile Dich, nach ber Burg zurückzukehre»! Ich fürchte neue Mißhelligkeite» I" Er aber erwiderte ge- wattfam sich zur Ruhe zwingend:

„Erküret andere willenlose Geschöpft zu diesem Dienste a»S. Ihr habet deren ja so viele. Ich kehre nicht wieder zur Burg zurück!« Sie znckte unme.klich zusammen.

„Du kehrst nicht wieder zur Burg zurück?"

.Rein.«

„Woh » willst Du denn?«

„Ich gehe dahin, wo ich den Frieden «einer Seele znrückließ.« Sie wußte, daß er die Wald- Hanfe meinte.

„Das ist ober unmöglich!" stieß fie hastig hervor und, fürchtend zuviel verraten zu haben, fügte sie schnell hinzu, „waS soll alsdann mit Zero geschehen?"

Er lächett« spöttisch.

„Wen« kein »tfferer mich vermisset, scheide ich mit um so leichterem Her^n."

„aber das geht nicht," rief sie ungeduldig. „Du bleibst! Ich kann Dich nicht ziehen laffen!"

„Und ich kann nicht bleiben!"

„Nein, nein! Du bleibst! — und geschähe es selbst gegen Deinen Willen.«

„Ich wüßte nicht, wer imstande wäre, mich gegen meinen Willen zurückzuhalten I« entgegnete er stolz. Sie trat dicht zu ihm heran. —

„Ich, Omar Teßkereh! Ich!« Er schaute fie zweifelnd an. Welche Bideutung durste er diese« Worten geben? In seinem Herzen wohnte noch so viel Groll, soviel Bitternis — da spürte er ihre Hand auf feinem Arm, er fühlte, daß sie bebte.

„Ich, Omar Teskereh," wiederhotte sie leise, ^ich halte Dich zurück!,Was vermagst du mir da­rauf zu erwidern?«

Ec stand unfähig ein Wort z» sprechen «nb starrte sie verständnislos an.

Da wurden Stimmen laut, Pferbegetroppü erlöste.

„Was erwiderst Du?« schlug (S zwingend a» sein Ohr. tt rang mit sich, er wehrte fich ver­zweifelnd gegen die warme Regnng, bie ihm über­wältigend zum Herze« drang, gegen ben Glück«»- rausch, ber ihn erfassen wollte.