FuldaerMZeitung
30. Jahrgang.
MuL-a, Samstag, den 28. Februar 1903.
M 48.
ANNOS. MVLTOS
Druck und Verlag der Fuldaer Lctiendrmkeret Veteregafle Nr. 2 (Harmonie).
Regieruug,Präsidenten von Waldow zum Nach- folger von Bitter'» ernannt. Herr von Waldow war vor dreizehn Jahren noch Regierunc«»Affkffor. Dann wurde ihm da« Rieder-Bornimer L'ndrat«- amt übertragen, dem er bi» Anfang 1898 vorstand, worauf er unter Ernennung zum Ober- Prästdialrat nach Königsberg versetzt wurde. Er ist zu Berlin am 31. Oktober 1856 geboren. Seine Ernennung zum Posener Oberprästdenteu hat allgemein überrascht. Sein Name war bisher gar nicht genannt worden.
4- Die «Deutsche Tageszeitung' hegt Besorg- niffe wegen der Wahltätigteit her Aawdräte. Sie bat Mitteilungen erhalten, wonach die Land- Täte sich sehr eingehend um die Wahl kümmern, Vertrauensmänner«Versammlungen anwohnen, und dort für die Aufstellung eines bestimmten Kandidaten wirken. Durch die Autorität oer Landräte sollen die Wünsche und Auffassungen' gerade der kleinen als Vertrauensmänner hinzu- gezogenen Leute des Mittelstandes und der Landwirtschaft wesentlich zurückgedrängt werden, insofern, als diese nicht recht wage», im Beisein deS Landrats eine abweisende Meinung zum Ausdruck zu bringen oder gar nachdrücklich zu vertreten. Richtig verstanden heißt das wohl, di« »Deutsche Tageszeitung' fürchtet, daß der Einfluß der Landräte zu Ungunsten deS Bundes der Landwirte wirksam sri« könnt«. Allerdings gibt sie für ihre Mahnung an die Landräte, zurückhaltend und vo.sichtig zu sein bei den Wahlvorbereitungen, de« Grund an.
X 5>er neue Lotterieplan der preußischen Regierung hat heute die Billigung der Budget- kommisfion gefunden. @< sollen die Chancen insbesondere bezüglich der mittlere« Gewinn- günstiger gestaltet und zu diesem Zwecke der Lo-preiS für jede Klaffe herabgesetzt, dafür aber «ne fünfte Klaffe eingeführt werden. Die Z ihl der Einsatzgewinne und damit der Freilose «erden vermindert, die der Stammlose aber vermehrt. Hierdurch wird daS Spielkapital jeder Lotterie von 32545500 Mk auf rund 33950000 Mark «höht. Die hieraus sich ergebende Mehr- kinnahme des Siaatts von etwa 300000 Mark soll den Spielern in Form einer Prämie wieder zu Gute kommen. Dieser Plan soll mit der 209. Lotterie in Kraft treten, dieselbe wird aus 196000 Stama-. und 28000 zu den Gewinnen der 4 erste« Klaffen auszugebenden Freilose» bestehen. Die Kommission nahm dann noch eine Resolution an, welche eine reichsgesetzliche Ordnung deS Lotteriespiels unter Belassung desselben bet den Eirizelstaaten sowie eine Lotteriegemein- schäft sämtlicher -oundeSstaaten und eine Verschärfung der Strafbestimmungen gegen de«
Prioatloiehandel fordert.
* Mönche«, 27..Febr. 1908. Der Papst- kommerS der hiesigen 14 katholischen Studentenkorporationen im Deutsche« Theater war vo» 800 Aktiven und mehreren hundert Philister«, sowie zahlreiche« Damen be- sucht. Im Ganzen mochten über 2000 Personen anwesend sein. Der KommerS bot et« feenhaftes Bild, wie eS gleich großartig in München noch nicht dagewefen. Anwesend waren die Prinzen Ludwig und Alfons, der Nuntius Ma echt, ser Erzbischof Stet», Kultusminister Wehner, die Reichsräte Graf Preysiugund Baron vonSoden, Kamme PräsidentOrtetet, Reichsarchiodirektor Dr. Baumann, zahlreiche Universitätsprofessoren, Eister Bürger-
richt nicht erstattetsjworden. Aengstlich frage» einige Blätter: Hat etwa daS Jesuitengesetz auf der Tagesordnung gestanden? Die,Nat. Ztg.' kann sie beruhigen. N.ch ihrer Angabe hat der BundeSrat über die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes noch nicht Beschluß gefaßt. Es wird nach dem genannte» Blatt angenommen, daß, falls der preußische Einfluß ei»e Mehrheit für den von dem Grafen Bülow an gekündigt en Antrag PreußenS bewirkt, doch die Minderheit eine starke sein wird. AIS sicher sür die Aushebung des § 2 werde« bis jetzt nut dir 18 Stimmen PreußenS mit Waldeck und die sechs Stimme» Bayerns, also 24 unter 58 angesehen. Die.Magd. Ztg.' hält eS indeß für sicher, daß dir Aushebung bei § 2 beschlossen werden Iwird, da Gräf Bülow mit seiner Erklärung nicht hervorgetreten sein würde, wen» er nicht sicher gewesen wäre, daß nicht nur di« Mehrheit, sondern die große Mehrheit des Bundesrats sich auf Seite Preußens stelle« würde.
X Wechsel i* de« hohen Keamleustelle«. Die Abschiedsgesuche deS Ober Präsidenten der Provinz Pose«, Dr. von Bitter, und der Re- gierungSprästdente» vo« Tepper-LaSki in Köslin und von Arnstedt in Magdeburg sind, schreibt die »Notdd. »llgem. Zeitung', genehmigt worden. Infolge dieser Verabschiedungen und der durch den Tod des Regierungspräsidenten vo« Holleufser in Düffeldorf und die Wahl deS Regierungspräsidenten Re»verS in Arni« berg zum Landeshauptmann der Rheirprooinz eingetretenen Vakanzen wird innerhalb der höhere« Verwaltungsstellen eine größere Anzahl von Verschiebungen und Beförderungen statt- finden. Zum Oberpräfidenten in Posen ist der bisherige RegierungSprästvent von Waldow in Königsberg ernannt, der in seiner bisherigen Stelle durch den Oberprästdialrat von Werder daselbst ersetzt wird. Die Stellung als Re- gierungSpräfident in Düsseldorf erhält der mit den Verhältnisse« dieses wtchtigen Bezirkes auS früherer Amtstätigkeit vertraute Regierung^Präsident Schreiber in Minden, au dessen Stelle der aus Westfalen stammende Regierungspräsident Kruse aus Bromberg tritt. Regierungspräsident In Bromberg wird der früher als Landrat und beim Oberpräfidium in der Provinz Posen angestellt gewesene Geheime Oderfinanzrat von Günther auS dem Finanzministerium. Für die Stelle in Arnsberg ist der Oberprä- fidialrat Dr. Freiherr vo« CoelS vo» der Brügghen auS Koblenz i» Aussicht genommen. Der RezierungSprc'fident vo» Brandenstein in Hannover rückt in die gleiche Stellung i« Magdeburg, während die Stelle in Hannover durch den RegierungSpräfidente» vo» Philips- dorn i» Hildesheim besetzt wird, für welche» der der Provinz Hannover entstammende Oberprästdialrat Fromme auS Kassel RegierungS- Präsident in Hildesheim wird. In Köslin wird der Polizeipräsident Graf Schwerin aus Hannover Regierungspräsident und erhält zu feinem Nachfolger in Hannover de» charakterisierten Polizeipräsidenten Steinmeister aus Kassel. Letzterer wird durch den Regierungsrat Grafen Berg in Hannover ersetzt. ES find ferner »ir Polizeipräsidenten von Schrötker von Stettin nach Kiel und von Puttkamer vo» Kiel «ach Stettin versetzt worden.
+ Sie Ao lener Hoerpräßdenlenkrage ist uuu gelöst. Der König hat den Königsberger
Leo XIII. pontIfeX. IVbiILarIs. InsIgnIs GRATlA. ACCEPTA. DeL VIVAT.
zustrai»: Di« einspaltige Petit« leite oder beten Rauml 5 Pfa.,Re- Kamen die Petit» jeite 25 Pfg.; bei Wiederholungen wird entsprechend. Rabatt gewährt.
A»s dem Keichsta-e.
269. et|img vorn 27. Februar 1908, 1 Uhr.
Das wiederum nur ganz schwach besetzte Ha« erledigt zunächst zehn Petitionen ohne Debatten nach den Anträge» der PetttionS-Kommissto».
Auf der rageSorduun, steht ferner die erste Lesung der Novelle zumKrantenverficherungSgesetz.
Staatssekretär Graf ^»fadowaliy: Bei Beratung deS JnvaltdenverficherungSgesetzeS sprach daS Hau« durch Rfolutiou den Wunsch auS, daß die Kranken» unterstüyuntz nicht schon mit Ablauf der 18, sonder» erst mit Ablauf bei 26. Woqr nach Beginn bet «rank» bett en&cn so-'e. Die Vorlage erfüllt bieten Wunsch und füll' oabuttt die bisher bestehende Lücke »wischen R anleuverst perungtpstege und FevaltdttätS verfiche- rungSpflege au8. Ebenso dringlich erscheine den Verbündeten Regierungen zwei weitere Aufgaben: die Bei» längerun, der Wöchneriunen-Unterstützung von 4 auf • Wochen, und außerdem Beseitigung der hygienisch nicht aufrecht zu erhallende» Maßregel, wonach zur Zeit de» »efchlecklSkranlen ein Krankengeld »och nicht gemäht wird- 61« Anzahl weitergehender Wünsche, welche i» der OeffenUichkeit laut geworden find, habe» die Ver- bündetea Regierungen geglaubt, zmückstellen zu müffe». Die drei vo» den Verbündeten Regierungen vorgeschlagenen Aenderuuge» stelle» jedenfalls einen so große« sachlichen Forischritt dar und warne» so dringend, daß wir fie nicht länger verschieben zu können glaubte». Eine spätere Aufgabe wird es fein, alle die drei Gesetze Kranke»-, ltrfall- und JnvalidttätS-Ber- ficherung in eia einheitlicher Arbeiter-Fürsorge-Besetz zu verschmelze», v e Aerztefrage ist in der Vorlage unberückstchtigt gebliebe», denn fie ist »och so streitig, daß bei Berückstchtigung derselbe» die Hoffa»», auf Erledigung der Borlaqe in dieser Sfffiou hätte aufgegeben werde» müffen. Betrachten Sie, meine Herren, dieser Gesetz lediglich als eine Etappe auf dem Wege einer fortschreitende» Sozial-Reform Dieser Reichstag hier hat be< eit» die Rev fion des Unfall, und die Reoifiou deS JnvalitätS-VelstcherungS-Gesetzes durch,«fahrt. GS wird et» schöner Ruhm für diesen Reichstag fei», wenn et jetzt auch diese Refoim der Krankenveificherun,
meister Bor sch t. Prinz Ludwig wurde stürmisch begrüßt. Die Festreden waren sehr gediegen. Der NuntinS erwiderte lateinisch. An den Papst wurde ein Hnldigungstelegramm gesandt. Bei« Semesterreiben wurde unter stürmischem Jubet ein Salamander auf die 186 Semester deS PspsteS gerteben.
TlWt»A>«pM f. d. 11. Armeekorps
in der Mndgetkommiffion le» Zürich »tag».
Utbtr den Truppenübuugeplatz für das 11. Armeekorps, wrlair bei Ohrdruf geplant ist und wofür 800 000 Mark als 2. Rate gefordert find, der jedoch im Ganzen etwa 9000000 Mk. koste« soll, referirte in der Budgetkommission am Freitag Abg. Müller-Fulda:
Nach der gestern beschlossenen Resolution Gehe Leitartikel b« zweiten BlatteS. D. Red.) fei die Genehmigung dieser Forderung auSge- schlosse«, erst müffen genaue Voranschläge und Vorverträge über da« anzukaufende Grundeigen- Ium vorgelegt werden. Er beantragt, für solche Vorverhandlungen 25000 Mark zu genehmigen, die Forderung von 800000 Mark dagegen ab* ,«lehnen. Weiter erklärte er den Platz bei Ohrdruf sür ungeeignet, eS müßten dort tausende vo« Existenzen vernichtet «erden, um einen «ebungsplatz zu schaffen, deffe» Wert dazu noch fraglich erscheine. Die Gemeinde Mühlberg habe fich auch dagegen ausgesprochen, fie verliere 2600 Morgen Land, wodurch ein großer Test der landwirtschaftlichen Betriebe eingehen würde.
Abg. Müller-Fui da beantragt mit Unter- stützung aller Parteien folgende Resolution:
-Der ReichSta, welle beschließen, den verrn Reichs- Äanzler zu ersuche», bei der Erricht»», vo» neuen Truppenübungsplätze» solche Projekte grundsätzlich aus- »«schließe», bei welchen fich die Schädig»», einer größere» Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe erforderlich mache» würde."
Dieser. Ausführungen schließt sich Korreferent ^Araf Roon in allen Punkten a« und erklärt M Platz bei Ohrdruf zudem sür ganz ungeeignet. Der Kriegsminister spricht fichfüreine erneute Prüfung der Verhältnisse auS und will dazu die vorgeschlagene Bewilligung vo« 25,000 Mark für Vorarbeiten verwenden. ES sei lehr schwierig, für das 11. Armeekorps einen geeigneten Plitz zu finden, eS seien im ganzen 14 Projekte in betracht gekommen, schließlich habe man fich sür den Platz bei Ohrdruf entschieden. Müller-Gagan erklärt den Platz für ganz ungeeignet, schon wegen der schwierigen Wafferver- hältniffe. Der Vertreter SothaS v. Boni« spricht fich gegen die Petitionen auS, die Bauern Antritten ihren Jnteressenstandpunkt. Alle Par- teien sprachen fich für die Resolution Müller- Fulda aus und eS erfolgt deren einstimmige Annahme. Abg. Gröber wendet fich gegen die Ausführungen des Kriegsministers und verlangt, daß ein anderer Platz gewählt werde, welcher die Jatereffen der Landbevölkerung mehr schont. Nachdem auch der Herr Kriegswinister fich bereit erklärt, die 25,000 Mark für Vorarbeiten auf «nderen Plätzen als bei Ohrdruf zu verwende«, wird dieser Be.rag (25,000 SRI.) unter Ablehnung der 80,000 Mk mit 23 gegen 4 Stimmen bewilligt.
durchsetzt.
Abz. Hamp (Reichsp) bedauert, daß die spruchreif Arrztefraze nicht t» der Vorlage geregelt sei. ES sei ei» Skandal, wie gering von de» u»ter sozialdemokratischer LeUung stehende» Rraehntaff«» akademisch gebildete Aerzte beioloet würden. (Lachen bei de» Sozial- demokraten.) DaS Verlange» der Sozialdemokraten, da» Krauk«ukaffr»gesetz<auf dir Landwirtschaft anSMdeh»«, fei durchaus unbereuligt. Die Landwirtschaft trage •» obligatorische Sorzr für ihre erlrantten Arbetter im Herzen, (»elächter bi den Sozialdemokraten) Ihr törichte, Lachen (zu de» Sozialdemotratrn) schafft dies« Tatsache nicht au« der Welt! Redner empfiehlt schließ- lich Verwerfung der Vorlage an eine Kommisfion.
Präsident Traf Lallestrem bemerkt »och dem Vorredner: Herr «6g„ das Lache» von Mitglieder» dies«» HauseS ist »irmalS töricht. . „ . .. .
Aba. Kpuh» (Ztr.): Meine Fremrdr find mit mir der Meinung, daß wir die Vorlage nicht mtt noch weitere» Dinge» bepacke», jedenfalls aber »och in dieser Sessto» erledige» sollte»;, daher halte er eine kommiffmische Vorbereitung »icht für nötig. Aber nachdem dieselbe einmal von dem Vorredner beantragt worden ist, möchte ich wenigstens die Bitte an die Mitglieder der Rom, Mission richten, schnell zu arbeite» und fich auf da» ix der Vorlage Bvrgeschlagene zu beschränken. Die Verlängerung der Rraatenunterf ützung von 13 auf 26 Doch« ist, wie schon i» der Begründung und tn der Denlschrift ausreichend dargeta», vollauf angrzeigt WaS aber de» 2. Hauptpunkt anlangt, ob in tz 6» die Worte „geschlechtliche Ausschweifungen- gestrichen werden sollen, so sollte» wir doch Anstand nehmen» dieS zu beschließe». Stute», welche durch eigene Schuld in solcher Weise erkrankt find, sollte man eS überlaffrn, für fich selbst zu sorgen. Auch di« Motivierung dieses Vorschlages der Vorlage erscheint dem Redner nicht ausreichend, um ihn tu,
S«»»-und Feiertage, viettüjährl. |ipt,e,rele ohne Bringerlohn »Ä> Bestellgeld in Fulda und auswärts IM.bOW.
mit Anterhaltungs-Ieilage „Illufirirte Sonntags-Zeitung
-utscyes
Berlin, 27. Februar 1903
4- Heber die Verhandlung in der Dienstag- Sitzung des Annßesral» ist der übliche Be- [