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mit Anlerhattungs -Beilage „Ztülstrirte Sonntags-Zeitung"
9nt und vertag der Fuldaer Aetlendrutkerel pelersgaSe N». i (fcarmonte).
30. Jahrgang.
Irrlöa, Samstag, den 28. Febmar 1903.
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Friedens verhindern werde.
In Belgien ist bekanntlich vor kurzem ein Gesetz gegen die Verbreitung unflätiger Schriften und Bilder erlassen worden. Dasselbe weist bereits erfreuliche Resultate auf. Von Interesse ist eS, daß unter den an der Grenze aufgehaltenen Schriften sich auch ein schlimmes Pamphlet auf den König befindet, dem in sittlicher Beziehung Rühmender darin nicht nachaesagt wird. ,
8« 8 rankreich hat der Senat die zweijährige Dienstzeit angenommen. Die Streitfrage wegen der Ermnnung der Bischöfe ist noch nicht erledigt. Im Proreffe mit dem Bankier Cattani sind die Humbert» freigesprochen worden, weil Cattani von ihnen bis zu 63°/o Wucherzinsen genommen hatte. Da der Justizmmister Balls früher Rechtsbeistand Cattani» war, fordern seine Gegner den Rücktritt de» Ministers.
Der türkische Sultan hat die Reformvorschläge Oesterreichs und Rußland» angenommen; die Frage bleibt nun, ob er sie auch aursührt!
In Amerika ist vom Repräsentantenhaus der Bereinigten Staaten Nordamerika» da» Gesetz betr. den Schutz des Präsidenten angenommen worden. Da»selb« richtet sich in der Hauptsache gegen die Anarchisten.
Schluffe der Kalenderjahres einzukleben, wenn iw folge besonderer Bestimmungen der Versicherung«- anstatt andere al» di« au« den Lohnzahlungen sich ergebenden Termine dafür zugelaffen sind (oder die Lohvzahlungrtermine sich auf längere Fristen erstrecken.) Wenn da« Gesetz sag«: „in allen Fällen müffen di« Marken spätestens in der letzten Woche de« Kalenderjahre« eingeklebt werden," so hab« die» offenbar den Sinn, daß die« selbst dann am Jahrerschluß geschehen muß, wenn die Lohnzahlung bi» dahin unterblieben war und darüber hinan» unterbleibe» durste. Werde die Vorschrift de» Gesetze» befolgt, so bestehe für den Versicherten der drinzende Anlaß, seine Quittungskart« dem Arbettgeber mit gleichzeitigem Etnkleben der Marke« vorzulegen; der Arbeitgeber habe dann auch Ge> legenheit, durch die Oitrpolizeibehörde nach § 131 de» Gesetzes, die Vorlegung zu erzwingen.
Von jeder hat eS die Kirche für eines ihrer schönsten Vorrechte gehalten, dem göttlichen Heilande auch darin nachzueifern, wie er Wohltaten spendend die Gaue Palästinas durchwanderte. Barmherzigkeit zu üben gegenüber leiblicher und geistlicher Not, hat stets als ein schöner Tugendzug des Christen gegolten. Nun hat sich in neuerer Zeit allerdings der Staat und die weltliche Gemeinde mehr als früher der Armenpflege angenommen. Allein dadurch ist keineswegs die barmherzige Nächstenliebe überflüssig geworden. Jeder we»ß zur Ge-
Aber andere Aufgaben stellt unS die Gegenwart, daS Almosen auch gut anzuwenden, auS ihm den möglichst größten Nutzen für unsere katholische Sache zu gewinnen. Da wird eS sich empfehlen, daß die Gleichgesinnten sich zusammen, scharen und daß der Einzelne die Erfahrungen des Mitbruders benützt; daß der noch Laue von seinem begeisterten Nachbar erwärmt und gewonnen wird.
Der Sinn für Wohltaten jeder Art ist auch heute noch in den weiteste» Kreisen deS katholischen Volkes, Sott sei Dank, recht lebendig.
Her Thnitasvrrbttd für das katholische AruWM in skiuem fjiufjihri-ra Srstrht«.
3) CharitaStage. Zum l.bendigen Austausch der Erfahrungen auf charitativrm Gebiete und zur Anregung neuer Charitaswerke dienen die CharitaStage, deren bis jtzt sieben gehalten wurden und zwar in Schwäbisch-Gmünd, Köln, Wiesbaden, Augkburg, Berlin, Aachen, Märchen.
4) Die charitative AuSkunfSstelle erteilt Rat in allen Gebieten der werktätigen Nächstenliebe. Wenn verkrüppelte, zurückgebliebene, schwachsinnige Kinder, gefährdete oder gefallene Mädchen, alkoholisch Gefährdete oder andere Sieche untergebracht werden solle», wendet man sich an die „Auskunftsstelle des CharitaS- verbandeS in Freiburg i. Br."
5) Die CharitaS-Bibliotbek steht den Mitgliedern zu freier Benutzung offen. Die erste Abteilung umfaßt 1300 Nummer» Bücher auS dem Gebiete der Staatswiffenschaften, Armenpflege u"d Statistik; die zweite Abteilung enthält die Zeitschriften, an laufenden Zeitschriften 140. Die dritte Abteilung enthält die Sammlung von Jahresberichten und Statuten der verschiedene» charitativen Vereine und Anstalten aller Art.
6)DieAuSbildung ländlich er Krankenpflegerinnen ist vom CharitaSverband mit besonderer Energie gefördert worden. Die bereits gemachten Versuche haben sich auf da» beste bewährt.
7) ES gab bisher keine katholische Frauen, zeitung. Dem Mangel hilft die im CharttaS- verlag erscheinende, neue Monatsschrift: »Die christliche Frau' ab, welche unter Leitung der bekannten Schriftstellerin E. M. Hama« erscheint, und den großen Kreis der Frauen tätigkeit in Gesellschaft und Familie, sowie die durch die moderne Frauenbewegung er tstar denen Fragen in christlichem Sinne bespricht.
8) Schließlich erstrebt der CharitaSverband, an größeren Orten eine lokale Organisatto« der CharttaS anzubahne», welche die Vorstände der einzelne« Vereine und andere Freunde der werktätigen Nächstenliebe zusammensaßt, um nach einheitlichem Plane vorzugehen uns so manchem Uebel entgegenzntretrn. Essen, Berlin, München, Straßburg und Frankfurt a. M. haben bereits solche Lokal-Organisationen.
9) Das „Charitasstift" in Freiburg i. Br. bietet daS schützende Heim für die Bestrebungen de! CharitasverbandeS, welcher fichderAnerkennung des hl. VaterS und der Empfehlung der Hochwürdigsten Bischöfe erfreut.
Fünf Jahre deS Bestehens deS CharitaSver« bande« Haden seine Bedeutung und Notwendigkeit gezeigt. Die Aufgaben sind groß, und nur durch weiteres Wachse» der Einnahmen können sie gelöst werden. Die;e» MitgltederzuwachS wünsche» wir dem Verbände zu seinem fernere» Gedeihen.
Meldungen und Anfrage« richtet man „An die Geschäftsstelle de» CharitaSvrrbande» zu Freiburg im Breisgau"; den Jahresbeitrag von 6 Mark sendet man de» Kassierer, Bankier Dr. KrebS in Freiburg i. B.
Verbandes zu.
Im 9. Hefte der Charitasschrifte», welches den Mitglieder» vor einiger Zeit zugesendet wurde, gibt der Gründer und Präsident deS CharttaS- Verbandes, Mons, »eistl. Rat Dr. Werth- mann, eine»Neberblick über die erste» 5 Jahre des VerbandeS, dem wir folgende Notizen auS- zugsweise entnehmen:
1) Mitglieder. An der Wiege deS Vereins standen nur 300—400 Mitglieder; jetzt zählt er. beinahe 2200 Mitglieder, darunter 8 Bischöfe, 10 Mitglieder regierender Häuser, 154 Adelige, 817 Geistliche, 68 lebenslängliche Mitglieder 852 Laien, 261 Vereine und Anstalten. Deutschland zählt a»gen 20 Millionen Katholiken; da find die 2200 CharttaS-Mitglieder doch noch recht wenig.
2) Literarische Veröffentlichungen. Die Monatsschrift .CharttaS«, Zeitschrift für die Werke der Nächstenliebe im katholtfche» Deutschland, mit der Beilage: »Katholische Mäßtgkeits- Blätter', ist mit der Januar-Nummer bereits in ihre» achten Jahrgang eingetrete«. Sie hat gegenwärtig eine Auflage do» 1000 Gremplaren. Durch die Post und Buchhandlung ist ste jährlich für 3 Jk. zu beziehen. Sie dient zur Verbreitung der Idee» deS Verbandes, bezweckt die planmäßige Förderung der Werke der Nächstenliebe, regt zum Studium und zur praktischen Ausübung der Wohltätigkeit an.
Der Verband gibt ferner kleinere Broschüren heraus, die er seine» Mitglieder» überreicht. BiS jetzt find 10 solcher Broschüren erschiene».
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Minister v. Wehner, der seine ganze Laufbahn im Kultusministerium gemacht hat, ist ein treuer Katholik, wenn auch parteipolitisch noch gar nicht hervorgetreten. Da» Zentrum darf mit diesen Aende- rungen zuftieden sein, wartet ater im übrigen die Taren der neuen Minister in aller Ruhe ab.
Einen kleineren, aber doch bemerkenswerten Er-
X vtert>,znHt. In einem vortreffliche« Aufsätze über Die RenladilUäl deS BeereivbsteS (Stachelbeere«, Johannisbeere«, Himbeere«, Erdbeeren) macht der,praktische Slotgebet' darauf aufmerksam, rote notwendig es vor der Anpflanzung von Johannisbeere» und Himbeeren tu, zu prüfe», ob tn dem voraussichtlich fpäl-re» Ao« fatzorte, ulso eventuell in der nächste» große» Stadt mehr weiße oder rote Johannisbeere» und Hrmbeeren gekauft werde», und darnach di ^Anpflanzung der Sorten vorzun.hmen. Wie eS bet den Kartoffeln geradezu geo« graphisch abzugreuzen ist, wo lieber rote und wo lieber weiße gekauft werde», so geht daS auch bd den Johannisbeeren und Himbeere». DaS richtet sich ganz nach der Gewohnheit, gege» die sich dann später bet „falscher Farbe" nur mit großem pekuniäre« Verluste ankämpfe» läßt. Deshalb «orficht jetzt bet der Anpflanzung «e»er Beerensträucher.
* H weh! ».: „Wenn mein Lade» also nach fech» Jahren abbrennt, was bekomme ich da?" B. (Berstche- tungS-Agent): „Die volle Berficheru»,«summe, d. h. 80C0 Mark." A.: .Und waS bekomm» ich, wenn et t« einer Woche abbren»t." B.: .Sechs Jahre!"
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DaS will der „CharitaSverband für daS katholische Deutschland" tun. Sei» Statut sagt (§ 1): „In der U-berzeugung, daß zur Erfüllung der großen Aufgaben der CharttaS ein geordnetes Zusammenwirken aller Kräfte drtngeno geboten ist, schließe« die römisch- katholische« CharttaS freunde in Deutschland einen Verband zwecks planmäßiger Förderung der Werke der Nächstenliebe." Der Verband ist am 9. November 1897 in Köln a. Rh. gegründet worden und hat seinen Ditz in Freiburg i. Br. Mitglieder können sowohl katholische Charitas- reunde werden, wie auch katholische Korpora- tonen, Vereine, Anstalten. Der jährliche Mindest- »eitrag der Mitglieder beträgt 6 Mark; Volks- chullehrer und ^Lehrerinnen, akademische Stu- »enten und Seminaristen zahlen 8 Mark. Durch einmalige- Zahlen von 150 Mark erwirbt man di- Mitgliedschaft auf Lebenszeit. Die Mit- flieder haben auf den Verbandsversammlungen Sitz und Stimme, beziehen unentgeltlich die. Monatsschrift .Charitas' und eS steht ihnen die j loftenfteie Benützung aller Einrichtungen deS -
Herrische* Keich«
Berlin, 27. Februar 1903.
+ Mester die polizeiliche Ilegeknug der IrKerlöfschwrse«» ist dem Avgeordnetenhause ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher lediglich folgende Bestimmung enthält:
Durch Polizeiverordnungen können Vorschriften über die Einrichtung deS Feuerlöschwesen», insbesondere über die Verpflichtung zur Hilfeleistung bei Bränden, zur Bedien»«« der Lösch- u«d RettnugSgeräte und zur «e- stellun« der erforderliche« Gespanne, über die Einrichtung do« Feuerwehren auS den feuerlöschpflichtige« Personen und über die Verpflichtung zur Hilfeleistung bet Brände» in benachbarte« Gemeinde«, getroffen werde«.
So unschuldig der Entwurf aussteht, so bedarf er doch noch einer sorgfältigen Beratung, damit nicht etwa der Polizei doch zu weitgehende Befugniffe eingeräumt werden.
* Irrr A«verttste«ver stHerimg. Die Frage wann di« Marken in die Qafttung-karten ein geklebt werden müssen, gibt mitunter noch immer zu Zweifeln Anlaß. Ein Arbeitgeber hatte einen Dienstknecht auf die Zeit eine« vollen Jahre« gegen einen bestimmten Wochenlohn gedungen. Der Arbeitg ber hatte nun dem Versicherten allwöchentlich 10 Pfg. für dessen Beitrag zur Versicherung zurückbehalteu, aber bi« zum vorzeitigen Austritt de« Dienstknechtes nicht eine einzige Marke in die Qttttungsksrte eingeklebt. Er war deshalb auf Grund bei § 182 Abs. 1 de» Invalidenversicherung« - Gesetze« angeklagt, von der Strafkammer aber fr et gesprochen worden. Die Straikammer nahm an, weil einjSH-ige Dauer de« Dienstvkrhä'tn ffe« bedungen gewesen sei, habe der Ängi klagte die Sinklebung der Marken gemäß § 141 Abs. 2 bi« zum Schluffe de« Kalenderjahre« au»!etzeu dürfen. Da« Reich«g«richt hat diese Ansicht für rechtsirrig erklärt. Nicht an die ArbeilSvertragldauer, sondern an die Lohnzahlung knüpfe da« Gisetz, die Pflicht zur Markenverwendung, und nur bann gestatt« bc« Gesetz, bi« Marken am
Wocheu-Kundschau.
Nachdruck »erbeten.
X F ulba, 28. Febr. 1903.
Der hl. Vater hat in der verflossenen Woche das 25jährige Jubiläum seiner Wahl tum Ober- Haupte der katholischen Kirche gefeiert. Weit über den Kreis der Katholiken hinan» hat diese seltene Feier Teilnahme gesunden. Angenehm berühren mußte e», daß die offiziöse .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' zu diesemTage einen äußerst sympathischeuBegrüßung»- artikel brachte.
In den Parlamenten dentt man schon mit Sehnsucht an Ostern und an die bessere Jahreszeit, in weichen der Reichstag and die jetzt noch tagenden Landtage ihre Pforten geschlossen haben. Aber so fest auch die Absicht war, vor Ostern zu schließen, da» Ziel entschwindet immer mehr, wenigsten« im preußischen Landtage, je länger die Verhandlungen sich Hinziehe«. Auch im Reich» tage ist die Absicht, vor Ostern ein Ende zu machen, zwar noch nicht aufgegeben, «ber c» regen sich doch starke Zweifel, ob es möglich sein werde, diese Absicht zu verwirklichen. Vor eine« stet» beschlußunfähigen Hause schleppen sich die Etal»beratuugen langsam hi«. Schon seit Wochen stehen wir nun am Etat des ReichSamts des Innern. Dabei hat auch die Kommission uoch reichlich zu tun, um den Etat durchzuberateu. Sie steht beim Militäretat, wobei sie sich «ach Möglichkeit bemüht hat, Sparsamkeit walten zu lassen, aber noch eine Reihe von Einzeletat», darunter der Marineetat, bleibe» zu erledigen. Man kann es also de« Plenum gar nicht einmal tbel nehmen, daß es langsam vorangeht, denn die wichtigsten Teile des Etats stecken ja noch in der Kommission. Ebenso- wenig darf man es den Abgeordneten, di, vor Weihnachten wahrlich große Opfer bringen mußten, verargen, daß ste jetzt nicht immer in Berlin find, um sich mit langweiligen sozialdemokratischen und freisinnigen Reden füitetn zu lassen. Aber die Regierung hätte aus der Einficht, daß es ohne Diäten nicht geht, doch längst die praktischen Schlußfolgerungen ziehen müffen. Trotzalledem geben wir übrigens die Hoffnung noch nicht auf, daß der Reichstag zu Ostern doch schließen kann; man wird sich in den letzten Wochen eben auf die denkbarste Kürze und ein Geschwindtempo in den Beratungen verlegen müssen.
Im preußischen Abgeordnetenhause ist nach den Etat» der Handel»- und Gewerbe-, sowie der Bergwerk-oerwaltung der Eis en bahn etat zur Beratung gelangt, dem die erste Lesung de» Eisen- bahu-AusgleichSfonds vorau»gmg. DieseBor- lage stieß auf mancherlei Bedenken, die der Kommission reichen Beratnugsstoff geben werde«. Bei dieser Verhandlung wie bei feinem Etat hatte der neue Lisenbahnmimster Budde wiederholt Gelegenheit, de« Hause über seine Absichten und Grundsätze Auskunft zu geben. Große, grundstürzende Reformen scheinen danach nicht seine Sache zu sein, aber er denkt doch offenbar an allmähliche, schrittweise Fortschritte, an mancherlei Verbesserungen de» Betriebs, Vereinfachung der Personentarife u. s. w. Ueberau» scharf sprach er sich, wohl unter dem frischen Eindrücke des holländischen Eisenbahnerstreiks gegen oen sozialdemokratischen Hamburger Zentralverein der Erfen- bahnarbetter au«. Die Rechte und die National- liberalen spendeten ihm Beifall, die Linke widersprach, und auch da» Zentrum betonte entschieden, daß daS «oalittonrrecht »er Arbeiter nicht angetastet werden dürfe, wenn auch andererseits straffe Disziplin notwendig fei. Da e» übrigen» an Nichtsozialdemo- ’ kratischen Verbänden nicht fehlt, so können die Eisen- bahnarbeiter sich bereinigen, auch ohne dem Hamburger Verband zu folgen, der allerding» sehr herausfordernd und kriegerisch gegen die Verwaltung ausgetreten ist.
fe» Mehr als Preußen lenkte in ber vergangenen Woche der zweitgrößte Bundesstaat, Bayern, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Bisher schienen in Bayern die Minister auf Lebenszeit angestelll zu fein. Der Sturz des Kulturministers ßanbmann im vorigen Jahre, den der Ministerpräsident Graf Crailsheim den Liberalen opferte, riß Bresche in diese» System, und nun ist — o Ironie der Geschichte ! — Gras Crailsheim selbst über die Trümmer dieser Bresche zu Fall gekommen! Den nächsten Anlaß zu seinem Sturze boten die Erörterungen, die an die damalige Swinemünder Kaiserdepesche anknüpften, die ihrerseits durch das Mißtrauensvotum des Zentrums wegen der Preisgabe LandmanuS veranlaßt war, und bann die Ungeschicklichkeiten, bte Crailsheim bei Behandlung dieser Angelegenheit beging, darunter namentlich die Art, wie er zu seiner persönlichen Deckung sich hinter dem Prinzregenten versteckte. Dieser mußte da» umso mehr übelnehme«, al» ihm — offenbar durch Informationen de» Nachfolger» von Landmann, deS Frhr. v. Podewil» — klar geworden war, wie sehr schon da» bisherige Verhalten CraittheimS ihn in die Gefahr gebracht hatte, da» Volk ihm zu ent« fremden. So nahm er denn ein EntlassangSgefuch Crailsheim» an, da» dieser nur dethalb eingereicht hatte, damit e» — abgelehnt und dadurch ihm ein Vertrauensbeweis gegeben werde! Frhr. v. Pode- wil» wurde nu« sein Nachfolger und sorgte dafür, daß er im Kulturministerium seinerseits einen Ersatz sand, der seiner Politik entspricht. Der neue KultuS-
folg hat daS Zentrum in Württemberg zu der- zeichnen mit bet Ersatzwahl im Landtagswahlkreise Münsingen. Es hat hierbei 500 Stimmen gegen früher gewonnen und kommt nun al» die stärkste Partei mit den Demokraten in die Stichwahl, bei welcher der Bund der Landwirte den Ausschlag zu geben haben wird. Schon sucht die demokratische Presse in den protestantischen Bauern dos „protestantische Bewußtsein" gegen dar Zentrum aufzustacheln, aber die Bauern werden doch schwerlich so töricht sein, einen Demokraten zu wählen; denn „nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber".
Im benachbarten Oesterreich ist die anfangs stark angefeindete Wehrvorlage nun doch glücklich unter Dach und Fach gekommen. Durch einige wertvolle Zugeständnisse wurden u. a. namentlich die Thristlichsozialen dafür gewonnen. Es kann dahingestellt bleiben, ob bei dieser Bewilligung auch die Besorgnisse wegen der kommenden Ereignisse in Mazedonien eine Rolle gespielt haben. So ganz beruhigend ist die Lage in jenem Wetterwinkel leider noch immer nicht, obwohl der Sultan die Vorschläge Oesterreichs und Rußlands über Reformen in der mazedonischen Verwaltung angenommen hat. Die Hauptsache ist, daß diese Reformen nun auch auSge- führt «erden. Leider kommen sie auch etwas spät, da die Erregung in Mazedonien vielleicht doch schon zu weit gediehen ist, al» daß sie so schnell wieder sich beruhige« ließe. Zu Tausenden streifen die Aufständischen durch das Land, und die christliche Bevölkerung unterstützt sie willig. Immerhin darf man - - - -1 hoffen, daß der feste Wille Oesterreich- und Rußlands, «üge, daß di« neuen Zetten neue, große A« die zugleich von allen anderen Großmächten moralisch; forderungen stellen, zumal an unS Katholiken, unterstützt werden, daS Feuer wenigstens auf seinen ”-*■
Herd beschränken und eine Störung deS allgemeinen
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