FuUmerMZmtung
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fi* JnftraU XPojelle» in Sulöa, mit Zinterhaltungs-Meilage „Mustrirte Sonntags-Zeitung" Petee»a«ffe Nr. 2 (Harmonie).
M39.
JuL-a, MMwoch, den 18. Februar 1903.
30. Jahrgang.
Berlin, 17. Februar 1903.
4- Al» Nachfolger des Aerrv v. Kitter im Obelprästsium von Posen werden i« btt Presse schon verschiedene hohe Beamte und Politiker genannt. Alle diese Meldungen beruhen nur auf leerer Vermutung.
+ Aer Mond der Landwirte «nd die Negierimg. Ein Berliner Lokalblatt bestreitet die Richtigkeit der au« konservativen Abgeordneten» kreisen stammenden Meldung von einer geplanten Regierungskundgebung gegen den Bund. Welche Stellung di« einzelnen Minister zu dem Bunde einnehmen würden, sei dagegen eine offen« Frage. Eine seltsame Auffaffung! Die betreffende konservative Quelle hält übrigen« den Kern ihrer Meldung aufrecht. Offenbar handelt er sich um dasselbe, was jüngst schon ein Nürnberger Blatt gemeldet hatte: eine Anweisung an di« politische« Beamten, nicht den Landbund zu unterstützen, sondern ihm entgegen« zuwirken. Da« ist allerdings zunächst Sache eine« „einzelnen Ministers", nämlich de« Minister« de« Innern; aber es ist doch klar, daß solche Maßnahmen undenkbar find ohne die Zustimmung der Gesamtregierung.
+ Die »tftstlch österreichische Aote wrge« Mazedonien» ist dem,Berl. Tagebl/ zufolge, dem wir die Berantwortung dafür überlassen müssen, von de« Botschaftern der beiden Mächte erst am DienStag dem deutschen Reichskanzler überreicht worden. Man erwartet, daß die Berliner R;- -ierung sich mit den Vorschlägen Rußlands und Oesterreich-Ungarns einverstanden erklären wird.
X Kirr- kleine Lmttnrksmpfshetze möchten die Nationalliberalen veranstalte«. Der Herr Bischof von Trier hat sich genötigt ge sehe«, «in ältere« Verbot, da« katholischen Eltern untersagt, ihre Kinder der dortige« „pariiütischrn", d. h. konfessionslosen staatliche« höheren Töchterschule zumfühien, auf« neue einzuschärfen. Da noch zwei katholische höhere Mädchenschulen in Trier bestehe«, so habe« aber katholische Eltern keine Ursache, ihre Kinder in die konfesstourlose Anstalt, die überdies zu manchs« Beschwerden Anlaß gegeben, zu schicken; selbstverständlich muß solchen Eltern, die sich über die kirchlichen Verbote Hinwegsetzen, die Absolution verweigert werden. Darauf wurden sie am letzten Sonntag von allen Kanzeln der Stadt Trier herab aufmerksam gemacht. Diesen Tatbestand nun haben die Nationalliberalen — Borgmann und Genossen — für ge» eignet erachtet, um darauf eine Interpellation im preußischen Abgeordnetenhause aufzubaue«, die an die Regierung die Frage richtet, welch« Maßnahme sie gegen diese „geistlichen Uebergriffe" zu ergreifen beabsichtige. Die ,Nationalztg/ gibt dazu schon bie nötige Aaleilung, indem sie an den Kanzelparagraphen erinnert. Es wird aber schwerlich zur Anwendung desselben kommen, da die Zetten vorüber find, in welchen der Staat die katholische Kirche durch solche Eingriffe in die Seelsorge nfiderzwivgeu za
ütt M auf der Lmgsdurz.
Originaler,Shlun, aus der Sefchichte der ehemaligen Jülicher Lande van Sleca Ruth.
18 ------ (Nachdruck verboten.)
Darum setzte er seinen Weg durchs Gebirge fort, immer das dichteste Gestrüpp suchend, bis er endlich, von der Nacht überrascht, in dem dichte«, unheimlichen Walde anla»gtr. Todmüde und dürstend warf er sich auf das weiche Moos und hielt, so viel ihm die Dunkelheit gestattete, Umschau tu seiner nächsten Umgebung. Da hörte er tetneS Bächleins er q tickendes Rauschen und sah keine süße Frucht sich ertgegenwinken. Um cknigerwaßen daS Bedürfnis nach Speise und Trank zu stillen, nahm er ftische Grashalme in den Mund und schlitzte mit seinem Schwerte die Rinde eines Birk,nbauweS, um den süße« Saft zu trinken. Dann kühlte er sich mit dem feuchten Moose das mit Schweiß und Staub bedeckte Gesicht u»d legte fich zur Nachtruhe nieder. —
Aus wirrem Traume erweckte ihn der aufgehenden Sonne heißer Sttahl. Gr sprang empor. Aus weiter Ferne drang silberhelles Läuten durch de« stillen Wald. Schnell las er einige Beere« auf, an denen er fich labte, und machte fich auf den Weg, dem Läute« nachgehend. Die ftische Morgenluft umwehte seine Stirne. Die Vöglein zwitscherten leise t« de« dichtbelaubte« Zweige», und über ihm rauschten geheimnisvoll dre veumwipfel. .
Endlich gegen Abend sah er zwischen hohe« IValdbäumen einen Kirchturm hervorragen. 6 -nell
fö nen wähnte. Nur eine große „Hatz" wird e« geben — der Kuliurkampfswind soll die schlaffen Segel de« Liberalismus blähen und womöglich gar die versprochene Aufhebung de« § 2 des Jesuitengesetze« verhindern. Die Regierung müßte aber von aller Vernunft verlassen sein, wollte sie die groben Fehler der 70er Jahre noch einmal begehen.
X Die Nate Wilitärvorl»-?, die nach Ablauf des QuirquennutS im Jadre 1904 zu erwarten ist, wird fich «ach der Erklärung, die der preußische KciegSminister am Dienstag in der Budgetkommiffion des Reichstags abgegeben hat, auf die Ergänzung der unvollständige« (nur 2 Bataillone umfassenden) Regimenter auf 3 Bataillone „beschränken". Auch wird eine angeblich „mäßige" Vermehrung der Kavallerie, dagegen keine Vermehrung der Feldartillerie geplant. Wir find nur gespannt darauf, wie fich bi? zum Jahre 1904 die Finanzen des Reichs entwickelt habe» werde». Je größere Forderungen die Militärverwaltung für später i«S Auge gefaßt hat, um so strengere Sparsamkeit muß der Reichstag jetzt üben. Leider findet das Zentrum hierbei in der Kommission nicht einmal bei den Freisinnigen immer die nötige Unterstützung.
+ Aa» Kade der «flandtatafessta« ist, wie schon bemerkt wurde, nicht mehr vor Oster« zu erwarten. Allerdings arbeitet, wie wir er- fahre«, der PrästSent des Abgeordnetenhauses »och immer darauf hin, daß die Etatsberatung vor Ostern erledigt werde, und dann wäre eS nach feiner Anficht nicht unmöglich, daß die Session auch vor Ostern geschlossen werde. Aber es ist auS de« schon näher dargelegten Gründen nicht zu erwart:«. daß diese Abstcht deS Präsidenten sich verwirkliche« lasse« wird.
+ Rendermrgen der Geschäfts - Hrdrmug des Neichslage» schlägt ein Artikel der »Germania' auS parlamentarischen Kreise« vor. Um Mißdeutungen vorzubeuge«, erkläre« wir, daß dieser Artikel ni cht den Abgeordnete« Dr. Spahn zumVersaff»r hat und daß daS Zentrum sich Überhaupt noch nicht mit der Frage beschäftigt hat, ob und wie dje Geschäfts«Ordnung zu ändern sei. Daß diese reformbedürftig ist, wird allgemein zugegeben/» aber daS ist auch alles. Die Anflchten einzelner Abgeordnete» können natürlich für die Fraktion nicht bindend sei«.
* Die Synagoge al« Mntzttokak dürfte l wohl ein Uettum sei», das natürlich auch nur im Osten vorkomme» kann, dort, wo eS Orte gibt, die ein zur Vornahme der Landtagswahl auch nur halbwegS geeigneter Lokal nicht aufzn- weift» haben. Es war tin unwillkürlich zur Heiterkeit reizendes Intermezzo, als dieser Tage der 87 jährige Abg. Seer im Abgeordnetenhause die Schwierigkeiten und Leiden schilderte, welche bie Vornahme einer Abgeordnetenwahl im Wahlkreise Jnowrazlaw-Strelno- Schubin verursache. Die Wahl wird nicht etwa in einem der ge- nannten drei KretSorte, namentlich nicht in Ino- wrazlaw, einer Stadt von 25000 Einwohnern, vorg.nomme», sondern in dem kleine« Städtchen Labifchin, dcs nicht einmal a« einer Bahn liegt, sondern nur durch Fuhrwerk zu erreiche» ist. Diese Anordnung datiert noch aus der Zeit, als es keine Bahne» gab, während sie heute nicht
schritt er fürbaß und erreichte eine Waldlichtung, in de:en Mitte ei« Meine« Kirchlein mit einem engen Anbau dahinter sich erhob. Hier mußte also jemand feinen Wohnsitz haben, vielleicht ein Klausner, der fich in die Waldeiri samkeit/^urück- gezogen hatte.
Ec stand vor der Pforte de« Kirchlein« und überlegte. E« war so still ringsum so friedvoll und feierlich, daß er fast de« einsamen Bewohner dieser Waldklauie um seinerp Friede« beneidete. Endlich entschloß er sich n'nb pochte mit seinem Schwerts wider die Pforte, daß es laut im Walde widerhallte. Alles blieb stille darnach. Lauter und btingenber pochte er, da hö te er eine« Mannes Schritte sich der Pforte nahen, und über ihm fragte eine t efe Stimme:
„2Ber fordert Einlaß?" Der Jüngling fuhr betroffen empor und erblickte oben t« der Pforte ein kleine« rundes Loch, daraus die fragende Stimme drang.
„ein irrender Wanderer ist'«," erwiderte er, „her um einen Labetrunk und ein Stündlein Ruhs bittet." Eine Weile herrschte Schweige«, bann sprach die Stimme:
.Die Gastfreundschaft, die ihr von der Wald- klause erheischet, kann Euch nur unter zwei Bedingungen gewährt sein. Ich fordere, daß Ihr >c» Schwert in die Erde stoßet, und dann nennt mir furen Stirn’ und Herkunft!"
Omar schwieg betroffen. De« Klausner« zweite Forderung konnte er nicht erfüllen.
.Ich bin eine# Ritter« Sohn und heiße Omar Terkereh," versetzte er zögernd, „meine Eltern bien in eine Fehde, ich aber entfloh einer düster«
die geringst.' Berechtigung mehr hat, um so weniger, als eS in dem Oertche« nicht mal einen Saal — auch nicht in der Schule — gibt, der groß genug wäre, um die Wahlmänner sämtlich aufzunehmen. Deshalb fand lange Jahre hindurch die Wahl in der protestantische« Kirche statt, bis diese vor etwa 20 Jahren zu diesem Zwecke nicht mehr hergegeden wurde. Seitdem wurde dir Wahl in der Synagoge getätigt, die aber, wie der genannte Abgeordnete erklärte, die Jaden künftighin auch nicht mehr zur Verfügung stell?« wollen. Das Schönste ist «u», daß in dieser Notlage der Minister des Innern nicht einmal kurzer Hand Abhülfe schaffe« und einen ander« Ort als Wahlort bestimmen kann. Senn, wie die letztem durch Gesetz festgesetzt sind, können sie auch nur durch Gesetz geändert werden. Wird ei« solches für de« genannten Wahlkreis nicht noch in dieser Session gemacht, so kann es oorkomme«, daß im Herbst in Labischin bie Sbzeordnetenwahl unter freiem Himmel statt- finden muß.
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Ans dem Reichstage.
>&» 260. Sitzung vorn 17. Februar 1908, 1 Uhr.
Die Besetzung des HauftS ist anfäugltch wiederum sehr schwach.
Auf derTaaeS-Ordnunz stehen zunächst zwei W ah l- »üf engen. Die Wahl de« Abg. Javer wird wieder- fvruchSIoS für gilttg erklärt, ebenso die de« Abg. Wetzt.
Dann wird die Beratung de« Etats del RetchSawtS des Innern. Besoldungstitel Staatssekretär fortgesetzt.
Nach 2'/, stündiger Rede des sozialdemokratischen Abg. Sachse, die oft SesagteS wiederholte, und zwei Entgegnungen darauf vom BundeSratStische, worin Angriffe Sachse'S auf die sächsische uns preußische Bergverwaltung zulückzewiesen wurden, verbreitete fich der wildliberale Abg. Bäckermeister Schwarz-München über die Bäckereiverordnung, indem er versicherte, dast allgemeine MißüSnde in den Bäckereien nicht zu finden feien. Abg. Enter (Ztr.) trat entschieden iflt den allgemeinen Besä-igungSuachweis im Handwerk ein. Für und gegen die Sozialdemokratie plädierten dann noch die Abg. JnSeit (So,.) und StoeSmanrr (Rp.)
Am Mittwoch wird die Beratung fortgesetzt; ihr Ende wird früheste»« morgen, wahrscheinlich aber erst am Donnerstag zu erwarten, soweit der G«haltStitel de« Staatssekretär- in Betracht kommt. Rach dem Etat deS Reichsamts deS Innern soll der Etat de« Auswärtigen Amts zur Berdandlung komme».
Schluß 6>/> Uhr.
Ans dem Karrdtagr.
-Ast BftMrtMfen|«u.
23. Sitzung vom 17. Februar, 11 Uhr.
Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats der Handels« und Gewerbe.ver- waltnng.
Bei den Einnahmen bemerkt gegenüber dem Abg. Fetisch (kous.) Minister Möller: ES wäre auch Handwerkern möglich, in die höheren Lehrstellen bei den Bau- gewerkschulen hineinzukommen, wenn sie dieselben Kennt- n.sse, wie die Akademiker nackwtesen, dabei werde nicht gefragt, wo sie diese Kenntutffr erworben hätten.
Abg. Malltzrecht (natld.) spricht sich gegen die Etnsühruag »es Befähigungsnachweises für daS Baugewerbe auS. AuS seiner eigenen Praxis könne er fest- steüen, daß daS Baugewerbe geradezu glänzende Fortschritte gemacht habe, seitdem der Befähigungsnachweis aufgehoben fei.
Nach einer langen, von dem Abg. Marttz (f eif. Bereinigung) im Interesse einer Kieler Firma veranlaßten Debatte über die Frage, ob der Minister dieser eine höfliche oder unhöfliche Antwort auf eine Anfrage gegeben, werden die Einnahmen genehmigt.
«<E«wi!Sr!S.ltt_U!.',S«S»S«MS«SS«8MVWW Gefangenschaft und weiß heute noch nicht, wo ich mein Haupt hinleg-n werde. Schöpfet nicht Mißtrauen, ehrwürdiger Vater/' bat er, „ich heische nur einen guten Trunk, daß ich weiter wandere."
Wieder Schweigen, aber zwei forschende Augen richteten fich durch Die O ffaung auf den Jüngling. Da« Eegebni« dieser Prüfung mußte et« gute« sein, denn der Klausner sprach:
„Wohlan, tretet ein, müder Wanderer, und stoßet Euer Schwert in die Erde."
Knarrend öffnete fich die Pforte, und auf der Schwelle erschien eine Ehrfurcht gebietende Ge stalt in weißem, wallendem Barte, ar getan mit einer Kutte und den Kopf durch eine Kapuze verhüllt. Von Scheu erfüllt trat Omar näher und küßte de« ehrwürdigen Greise« Hand. Dieser wink-e ihm freundlich, ibm zu folgen und schritt ihm durch einen düster n Gang voran. Sie standen alsbald vor einer niedrigen Z-llentüre, die der Klausner öffnete. Ein öder kühler Raum war e«, in welchen sie eintraten. An einer Ecke stand ein hölzerner Tisch mit einer roh au« Holz geschnitzten Schüssel, daneben ein niedriger Schemel und eine mit Stroh bedeckte Lagerstatt. Das war die Klause der (S emiten.
Beklommen ließ der Jüngling fich aus den dargeboiene« Schemel nieder, während ihm der Eremit schweigend Flüchte, Kräuterwein und eine« Bissen trockene« Brot vorfttzie.
„Da« ist alle«, wa« bie Wal'klause bietet," sagte der Einsiedler und ging dann hinan«, «ährend Omar fich labte. Dan« erhob er sich wieder, eingedenk, daß für ihn hier »ein bleibender Ankent- halt sei, und trat vor die Klause hinaus. Der
Zu bem DuSgab-tittl .Miuiflerpehalt" liegt ein Antrag Oefer (frrif. Bp) vor auf Zulassung de« zollfreien BrredeluagSverkehrS i« solchen Fälle«, tu denen durch ve-lchtedsne Bemessung der Preise für iuläadtsche Rohstoffe tutb Halbfabrikate, je «achtem eS fich um de» Absatz im Ja- oder im AuS- laxbe hantelt, preußische» Unternehmern die AuSsuhr ihrer Erzeuguifle unmöglich gemacht wird.
Abg. Hesev begründet die Notwendigkeit der von ihm vorgefchlagenen Maßregel mit der Preispolitik der Kartelle, die die Preise im Jolande Hochhalte «nd sie im Auslands verschleudere, wodurch unserer weiter ver- arveilenden Industrie die Lebensader fast unterbunden würde.
Minister Möller: Der Antrag stoße eigentlich offene Türe» ei«, erschöpfe die Frage auch nicht. SS werde jetzt schon in jedem einzelnen Falle geprüft, ob der zollfreie Beredelunzsoerkehr »uzulafle» sei. Diese Prüfung dauere manchmal, weil sie sehr schwierig fei, mehrere Monate. Er habe schon f, Z. itt der Zolltarif- kommifsio» des Reichstazes erklärt, daß, falls sich durch die böheren Zölle Schädigungen Herausstellen sollte», die ElweUerung des zollfreien BrredelungsoerkehrS ix Erwägung gezogen werden würde. In der Sache fei er mit Oefer einig, durch die Annahme des AatraxeS werde aber nichts erreicht.
Abg. Forster (fteitonf.) tritt für die Notwendigkeit der Kartelle ein. Redner ist gegen de» Antrag Oefer.
Ebenso Abg. Airsch (uatlb.). Man solle doch erst daS Ergebnis der Kartellenquete abwarten.
Abg. Hottzei» (stets. 8$gg.): Es sei doch verwunderlich, daß die beiden Borredner so energisch gegen de» Antrag gesprochen hätte», de» der Minister für harmlos erklärt Habs. So engherzig wie i» Preußen werde der zollfreie BeredelungSoerkehr nirgends gehandhabt.
Abg. Kerokd (Ztr.): Ein prinzipieller Streit über die Zweckmäßigkeit deS zollfre en BeredlungSoerkehrS besteht nicht. Die Meinuuqsverichiedenhetl betrifft nur die Art und de» Umfang. Nn» ist eS ganz außerordentlich schwierig, dafür allgemeine Grundsätze aufzustellen. Ich gebe dem Minister recht, daß die Berhältuiffe so außerordentlich kompliziert und verwickelt find, di« nut im einzelnen Falle sorgfältig geprüft werde» können, ob eine Bevorzugung durch Zulassung des BeredlungS» verkehrS eintteten fall oder nicht. In dem Anttage wird hingewiefen auf die verschiedenen Preisbemeffunge» der Kartelle für daS Inland und Ausland. Es läßt fich nicht leugnen, daß damit in manche» Fälle» Mißbrauch getrieben ist. Andererseits ist nicht unter alle» Umständen und immer eine solche verschiedenartige Preisbeweffung zu verwerfen. ES kann das Bedürfnis vorliegen, im AuSlande billiger zu verkaufen, um überhaupt dort Absatz erzielen zu können. Und S kann dies vom wirrfchaftliche» Standpunkte für unfexe Verhältnisse durchaus zweckmäßig erschemen, nämlich bann, wenn der inländische Absatz zurückgegangen und die Fabriken ihre» Betrieb einschränke» mußten, wen» sie n.cht durch de» verkauf im AuSlande den Absatz auf der Höhe erhalte» könnten. Wenn selbst unter gewisse« Opfer» uxb mit Schaden »ach dem AuSlande verknust wird, um den gesamten Betrieb aufrecht erhalten zu könne», kann auch daS von unS nur mit Freuoe» begrüßt werdtu. Mißbräuche», die dabei entsteh-» könne», muß fo weit, wie irgend möglich, entgegengeirete» werde». Weiterhin ist in dem Anträge das Kriterium der zollfreien Einfuhr angeführt. Wen» man sich genau an den Wortlaut des Antrages hält, wird der Hand-lS- minit er niemals in die Sage kommen, de» Veredlung-» verkehr zuzulaffen. ES müßte bann jedeSmal e ft der Nachweis geliefert werden, daß fonst jede Ausfuhr »»• möglich ist, und weiter, daß eine verschiedene PoeiSde» Messung im Inland und Ausland wirklich besteht. Beide Nachweise werde» fich in tun meisten Fällen nicht erbringen lassen. Wen» also dem Wortlaut des Antrageentsprechend gehandelt wttibe, würden weiter« Beschränkungen in der Zuloffung deS BeredluugSverkehrS demnächst eiutrtte». (Zustimmung). Wir müsse» dem Mimper gewiffe Vollmachten geben. Darum ist eS nicht zweckmäßig, diesen etnengende» Antrag anzunehmen. Aus die RatteQirage will in nicht detaillierter eingeben, weil z. Z. die speziellen Echrbunge» schweben. Nur daS will ich anführen: Im Prinz p sind die Kartelle durchaus nicht verwerflich; ebenso gut wie wir die ver» schiedeusten anderen Berufsstände zusammrnfaffen, damit ■■■■■■■—na— jmummw— Eremit saß vor der Tür im Schatten und flocht Matte«. Al« er dr« Jüngling« ansichtig ward, legte er die Arbeit fort und ftug: „Da willst also wieder weiter wandern?' Statt oer Antwort fragt« der Jüngling:
„Mit Vorlaub, ehrwürdiger Vater, darf ich wisse«, wie viele Matte« Ihr wohl de« Tage» fertigt?'-
„Wen« ich fleißig bi«, drei."
„DaS muß am Ende der Woche eine schöne Summe einbtingen *
„Ich habe immer die gleiche."
,Wie verstehe ich das?"
.Ganz einfach, was am Ende einer Woche an Keberschdß vorhanden ist, verbrenne ich."
„Et!- tief der Jüngling, „das muß Eure Schaffensfreude lähmen."
„Vielleicht; aber es verhütet auch, daß ich träge werde und vom llrberfluß lebe!"
„Wie ist solch' ein Dasein von Entsagung möglich!" murmelte der Jüngling.
*3» Hinblick auf diesen!" versetzte der Klausner ernst und wies auf daS Kreuz vor dem Kircklei«.
Omar ward rlachderkiich. „SSon diesem weiß ich nichts," gestand er fast beschämt.
Des Eremiten forschender Blick traf ihn.
»So wäre eS gut, wenn Du die späte Pflicht nachholtest, mein Lohn," mahnte er in HerzenSgüte. U-ber deS Jünglings Antlitz ging ein Leuchten.
»Lehret mich, ehrwürdiger Vater," bat er, „lehret mich, m'ch verlangt, von jenem zu wissen, der Each ein Vorbild geworden." Ein Lächeln lagerte um der Klausners bärtige L ppe«. (F. f.