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Note Oesterreich-Ungarns und Rußlands an die Türkei, deren Grundzüge schon bet dem Besuche de« Grafen Lamrdorff in Wien festgestellt wurden. Die Note ist der Pforte bisher noch nicht überreicht worden, weil sie zunächst den anderen Mächten, die den Berliner Frieden unter« zeichnet hatten, vorgelegt werden sollte. Die An> gelegevheit zog sich so lange hin, daß in Oester­reich der Argwohn laut wurde, die Note müffe irgendwo, wahrscheinlich in Berlin und London, auf Schwierigkeiten gestoßen sein. OS dies wirk- lich der Fall war, steht dahin; jedenfalls möchten wir dringend wünschen, daß die Berliner Re­gierung nicht di« Ursache der Verzögerung ge­wesen sein möchte, denn mag ihre Freundschaft mit dem Sultan auch noch so „dick" sein, fo hat sie doch ganz und gar keine Ursache, der Politik de« verbündeten und befreundeten Oesterreich Hindernisse in den Weg zu legen oder England zuliebe das gute Einvernehmen mit Rußland zu stören und außerdem die türkische Mißwirtschaft in Mazedonien zu schützen. Jetzt wird nun endlich Der» stchert, daß die österreichisch-russische Rot« längstens bi» zum 20. Februar dem Sultan überreicht werden wird, nachdem sie die Billigung aller Eignsturmächte gefunden. Gleichzeitig wird be« tont, die Rote verlange nur Verwaltung»-, nicht politische Reformen. Mit anderen Worten: Maze­donien soll keinerlei Selbstverwaltung bekommen. Trotzdem können die verlangten Reformen noch von erheblicher Bedeutung sei», wenn sie nämlich eine gerechte Beteiligung auch der Christen an der Besetzung der Beamteüstellen und die Sicher^ Wellung bestimmter Einnahmen für KuKuraufgabeu bcztvrcken. Man wird also in dieser Beziehung den genaueren Inhalt der Note abwarten müsse». Hoffentlich hat sie bei ihrer Rundreise durch dis europäischen Kabinette keine allzu große Ab­schwächung erfahren!

* t. M,, 16. Febr. 1903. Dar ZmtrumSwahlkomitee im Wah'kletseHagen-Schwelm stellte einstimmig den Abgeordneten Fusangel als Reichstags-Kandidaten auf.

Aus dem Kandtage.

N-sisrdr»rtutz«r«°

22, Sitzung vom 16. Februar, 11 Uhr.

Zunächst wird der Rest des JusttzetatS ohne größere Debatte erledigt.

ES folgt die 1. Beratung deS Äes.tzentwurfeS be­treffend dir Gebühren der Medizrnalbeamten.

Abg. ZtSgeuverg (Ztr.) hat Bedenken,inkbeiondere gegen die Festsetzung der Gebühren für Privatärzte, die gelegentlich zu de» Geschäfte« der KreikLrzte herange- zogen werden.

Minister Kindt betont, daß die schwankende RechtS- auffaffung der verschiedenen Gerichte eine gesetzliche Regelung deS Gebührenwesens für dir Kreisärzte nötig mache. Die Befürchtung, daß die Gemeinden durch daS Gesetz mehr belastet würden, fei unbegründet.

Abg. Hamp wünscht, daß die Kosten bei Seuchen vom Staate und nicht von den Gemeinden getragen werden. Gr beantragt Berweisung deS Entwurfs an eine Kommission.

Minister Stndt erklärt, daß entsprechend einer auch in früheren Fällen geübten PraxÄ die Feststellung deS Gebührentarifs durch Gesetz, wie da» auch im Ge­setz von 1872 geschehen fei, erfolge.

Abg. Marten« (natltb.) ist mit der Regelung der Grbührensrage, wie sie der Entwurf vorschlägt, einver­standen.

Darauf wird der Gesetzentwurf einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.

Es folgt die erste Beratung de» Entwurfs eines Ausführungsgesetzes zum Retchsseuchen- «rsetze.

Minister Stndt führt auS, der Entwurf beschränke die Anzeigepfltcht nicht auf die im § 1 des RetchSseuchen- gesetzes genannten Krankheiten, sondern führe sie bei einet großen Anzahl anderer Krankheiten, wie Diphterie, Kindbettfieber, Tub-rlulose usw. ein. Eine Belästigung deS Publikums müffe natürlich nach Möglichkeit ver­mieden werden. Der Minister empfiehlt de» Entwurf zur Annahme, da er eine den Fortschritte» der W ffsu- schaft entsprechende Bekämpfung der gemeingefährttchcn Krankheiten ermögliche.

Abg. Martens (natl.) vermißt unter den der An­zeigepflicht unterliegenden Krankheiten de» Keuchhusten und die Malaria.

Abg. zrsgenverg (Ztr.) fürchtet, daß durch das Gesetz ben Gemeinden neue Lasten aufgebürdet werden.

Die Abgg. Idertzoff (fit) und v. Liorn-RudelS- dorf (kons.) teilen diese Befürchtung.

Abg. Laugerhan« (fr. Bp.) tritt für Leichenver- brennung und obligatorische Leichenschau ein.

gebe». Ein einzelner Mann flirhrt leichter." Und er drängte sie gewaltsam hinweg, denn immer näher drang da» Geschrei der erbosten Rotte, die der Gefangenen Flucht bemerkt haben mußte. Schnell wandte der Jüngling sich mit dem ge­zückten Schwert« der O.ffoung zu. Der in dem grauen Barte hielt ihn zurück

„Lebe wohl, mein edler Retter! Wir werden uns wtederschen. Denke an den Grafen di Pauli!" Und er verschwand mit den Andern hinter der nahen Felsecke.

„Nun komme, schwarzer Ritter", murmelte der Jüngling drohend und stellte sich, zur Abwehr bereit, auf, „nun erst gebe ich Dir die Haupt­probe meine« Heldenmutes."

Da stürmten fie schon heran und erhoben beim Anblick der Oeffnun» ein einhelliges Geschrei. Gin langer Speer fuhr heraus, aber Omar wich gewandt zur Seite und hieb dem Arm eine tiefe Wunde, der zu erneutem Stoße herauSlangte. Das gab eine erschütternde Wirkung, keiner wagte stch mehr heran, denn des Jünglings Schwert hieb tiefe Wunden. Die Horde drängte rück­wärts unter Heulen und Wüte». Diese« Mo­ment benutzte Omar, um nun selber an schleunige Flucht zu denke«. Einer raschen Eingebung fol­gend. wälzte er ei« naheliegendes Fettflück vor das Loch, so daß im Innern deS Ganges Du» kel- heit henschte, und sprang davon. Im Entrlleu hörte er noch eine Stimme, die «och nicht be« Schrecken für ihn verloren hatte. Unter Drohungen «ob Flüchen dirigierte der schwarze Ritter die

Abg. v. Savlgnq (Ztr.) gibt im Namen seiner Partei der Hoffnung Ausdruck, daß wir von der Leichen­verbrennung noch rechl lauge verschont bleibe». Zu be­dauern sei, daß der Entwurf gegen sanitäre Anord­nungen der Polizeibehörde» die Klage im verwallungS- streitverfahre» nicht zulaffe, sonder» die Entscy iduug in letzte c Instanz dem Minister überweise.

Äbg. A »fntann (natl.) äußert spezielle Wünsche für den Bezirk Wiesbaden.

Darauf wird die Borlage an die Kommission verwiesen, der auch der Entwurf betr.Gebühre»für Medizinalbeamteu überwiesen worden ist.

Morgen 11 Uhr: Etat deS Handels­ministeriums.

Schluß 3>/> Uhr.

Ausland

• KrSss-I, 16.Febr. 1903. Obstruktion hat es in be« letzte« Tagen auch in der bel­gische« Kammer gegeben. Die Linke wollte die von der Regierung unerwartet eingebrachten Steuervorlage» zu sozialpolitische« Zwecke» nicht im Handumdrehen annehme«, die Regierung aber bestand darauf, weil sonst wilde Spekulationen in Branntwein — der um die Hälfte höher be­lastet werden sollte, zu erwarten waren. Ja mehreren, ganze Nächte hindurch fort­gesetzten Dauersitzungen hat die Re­gierungsmehrheit die Obstruktion niedergerungen, so daß daS Gesetz, daß ollr jene steuerlichen und sozialpolitischen Vorschläge enthält, am Sonntag früh gegen 8 Uhr mit 83 gegen 24 Stimmen zur Annahme gelangte. Da- mit ist wieder dir Beweis geliefert, daß jrde Obstruktion aussichtslos ist, die einer ent­schlossene« und geschlossenen Mehr­heit gegenübersteht.

* Nom, 16. Febr. 1903 Dir ,Pol. Korr.' berichtet von hier: Der Zeitpunkt für die Ab­haltung des nächste« Konsistoriums ist noch nicht endgiltig bestimmt, allein eS ist nicht zwrisel- baft, daß in demselben die Ernennung von Kardinälen erfolgen wird. Als bestimmt wird angenommen, daß der Papst folgenden italienischen Ktrchensürsten den Purpur verleihen wird: Dem Titularpatriarchen von Konstantinopel, Mszr. Noccrlla, dem Sekretär der Konzilskongregation, Msgr. Cavicchione, dem Titularpatriarche« von Antiochia, Msgr. Passeri«t, dem Nuntius in Wie», Msgr. Taliani. Es heißt auch, daß der NustiuS in Liffabon, Msgr. Ajuti, und der Leiter der apostolischen Kanzlri, Msgr. Peri coli, zu Kar- divälen ernannt werden sollen, allein dieser An­nahme werden Zweifel entgegengesetzt.

• Kofi«, 16. Frbr. 1903. Di» hiesigen mazedonischen Kreise halte» »ach der ,N Fr. Pr.' trotz d»r Verhaftung der Führer Zontschew, MkchailowSki, Stanischew, Jankow undNikolow an der Behauptung fest, der Aufstand sei so vorbereitet, daß der Ausbruch im März gesichert sei. Sarafow, sowie feine Unterführer Kawatschew und Dawidow entginge« der Ver­haftung durch die Abwesenheit vo« Sofia. Sara­fow fei in den kitzle» Tagen inKüstrndi! gewesen. Die Aufhebung beider mazedonischer Komitees wurde «achtS vollzogen und verursachte in Sofia keinerlei Aufregung.

G Gsteger, 16. Febr. 1903. Nach einer Meldung dcS Madrider.Heraldo' au8 Fez zieht der Prätendent seine Ttreitkiäfte in daS Gebiet vo« Hyaina zusammen. — Südöstlich von Fez find neue Kämpfe im Anzug. Am 5. d. M !am eS zu einem größeren Gefecht, das mit dem Rückzüge der Sultanstruppen endete. Diese hatte» im Hyainagebiete die Truppe» des Prätendenten angegriffen, wurde» aber «ach be- deutenden Verluste» zarückzeschlagen.

® K-ar-acas, 15. Febr. 1903. Aus allen venezolanischen Häfen mit Ausnahme von Coro und Higuerote wird gemeldet, daß die Blockadestgiffe zurückgegangen find. So« ort nach Eingang dieser Meldungen entsandte die Rexierung »ach allen Richtungen hin Truppen zur Unterdrückung des Ausstandes.

eige Schar zurück, um die Entfliehenden einzu- ängen. Schon war Omar in de« Felsen ort» ch wunden. Er mied den Pfad, der abwärts ührie, und kletterte aus Händen und Füße« über Zelsrücke« und Abhänge. Auf einmal lag vor hm ei« steiler Abstieg, der nur mit Lebensgefahr zu be rete» war. Langes Besinnen half hier licht. Jeden Augenblick konnte d-S Ritters Horde hinter ihm sein. So wagte er es, vorsichtig eine» Fuß «ach dem andern auf das lose Gestein zu srtzrn und langsam abwärts zu steige«. Da gab das Geröll nach, es rollte hinab und zog ihn mit rasender Schnelle mit hinunter. So langte er in eine Staubwolke gehüllt, von einigen Haut- chürfungen abgesehen, wohlbehalten unten an.

Vor feinen staunenocn Blicken dehnte sich in einiger Entfernung ein grüner blumenreicher Wiesenplan auS, und weiter unten lehnten sich die Hütte« der Bergbewohner c» ben Abhang an. 1 Ei« Gefühl der Erlösung ries die Nähe der Menschen in ihm heror, doch wagte er sich nicht n ihre Häuser hinein. Abgeschlossen von allem Verkehr mit den Talbewohner«, wie a bisher auf der Frlsenburg gelebt, scheute er sich, den Mensche» näher za treten, er mußte stch an ihre Nähe gewöhnen. Zudem fürchtete er, daß kein noch so harmloser Bürger von dem Verdachte reizusprechen war, deS schwarzen Ritters Helfers- »elfer zu fei*. DeS Ritters Eirfluß reichte weit, und manch Einer, der ein Biedermann in den Auge» der Welt »sr, gehörte dem Bunde deS gefürchteten schwarze» Ritters an. (F. f)

Aus Kirche uud Schirle.

* Atom, 15. Febr. 1903. Auf Anweisung deS hl. VaterS wird die Bibelkommiffio» regelmäßig zweimal in bet Woche Sitzungen abhalten. An Stelle des verstorbenen Kardinals Parocchi wird Kardinal Rampolla de» Vorst, in dieser Kommission führen. I» vatikanischen Kreisen verlautet, daß die Entscheidung der Jndexkongregatio«, wonach das als Erwiderung auf daS Werk vo« Harnack: „Das Wese« des Christentums" vo« Abbes Loisy veröffentlichte Werk: „Das Evangelium und die Kirche" au den Index gesetzt wird, unmittelbar bevorstehe. Abl« Lotjy, der Führer der Partei der fort­schrittliche« Bibelausleguna in Frankreich, hat bereits dem Kardinal-Erzbischof von Paris, der fei« Buch mißbilligt hat, feine volle Unterwetfunj bekanntgegeben.

Stadtverordneten-Bersammlrmg.

□ Fulda, 17. Februar 1903.

A» der gestrigen regelmäßige» Sitzung der Stadtverordnete» »ahme» 22 Stadtverordnete» teil. Der Magistrat war durch die Herren Bei­geordneten Kircher und A. Müller vertreten; außerdrm war Herr Stadtbaur at Schirmeyer anwesend. Auf der Tagesordnung standen fiebert Punkte.

1) Genehmigung einer Ueberschreitung des Haushaltsplans für 1902. Es handelt stch um eine Ueberschreitung im Betrage von 576 Mk., die bei den Schornstrinbaute« im Stadtschloffe entstanden sind. Die Summe wurde nach einer kurze» Begründung durch Herr» Bau- rat Schirmeyer dem Anträge deS Referenten entsprechend genehmigt. Vorher entspann sich noch eine Debatte über den Umbau der Schorn­steine und die Lüftungs-Einrichtungen des Sitzungs­saales, an der sich die Stadtv. Schneider und G. I. Schwarz, sowie der Beigeordnete Kircher beteiligten.

2) Aenderung der geplanten Breite der Schildeckstraße. Die Fahrbahn dieser Straße sollte «ach dem bisherigen Plan 11 Meter breit fein, jetzt aber zwischen der Frankfurter- straße und der israelitische Schule auf 7'/- Meter Breite herabgesetzt werden. Der Referent, Herr Stadtv. Fleischmann, brachte ver­schiedene Bedenken gegen die Vorlage zur Sprache. Herr Stadtv. Sim wer sprach im Jniereffs des Verkehr» gegen die Vorlage, b!e vom Herrn Stadtbaurat verteidigt wurde. Nach einer längeren Debatte, au der sich die Herren Stadtv. Schneider, Fritz, A. Schwarz und Arud, sowie Herr Baurat Schirmcyer beteiligten, wurde die Vorlage mit 12 gegen 10 Stimmen zu weiterer Vorberatung an die Fluchtlinienkommisfion ver­wiesen.

3) Rechnung der Kleinkinderbswahr- anstalt. Diese Rechnung schließt ab in Ein­nahme mit 2583 Mk. 24 Pfg. und in Ausgabe mit 2638 Mk. 66 Pfg., sodaß ein Defizit von 55 Mk. 42 Pfg. vorliegt. Diese» Defizit wird vom Mutterhause gedeckt. Der Zuschuß au» der Stadtkaffe beträgt 420 MI. Die Rechnung wurde zur Kenvtnks genommen.

4) Beschaffung eine» Aktenschrankes. Man war allgemein der Ansicht, daß ein solcher Schrank nicht notwendig sei.

b) Löschung« - und Freigabe-Urkunden. Gegen die Ausstellung von drei Löschung«- bezw. Freigabe-Uckunden wurde kein Widerspruch er­hoben.

6) Rechnungsprüfungen. Tiefer Gegen­stand wurde von der Tagesordnung abgesetzt.

7) Gehaltsaufbesserung der städti­sche» Beamten. Da Herr Ooerbürgermkister Dr. Antoni drn Wunsch geäußert hat, bei der Beratung dieser Frage anwesend zu sein, wurde dieser Gegenstand auf Antrag deS Referenten Herrn Stadtverordneten Künstler vo« der Tagesordnung abgesetzt und an dis Etatskom- miflio« zur Vorberatung überwiese». Herr Stadtverordneter A. Schwarz sprach stch gegen eine Verquick»«« dieser Angelegenheit mit einer Erhöhung der Ums.hsteuer aus.

Damit war die Tagesordnung der öff-nt- ichen Sitzung erledigt; es folgte eine geheime Sitzung.

Schluß der öffentlichen Sitzung 88/* Uhr.

Mi»

Fulda, 17. Februar 1903.

** Der Meret« der Kost- «nd Gele- geup-e« A««m1e« feierte am Sonntag Abend « dem geschmackvoll dekorierten Gieselsche« Saale ein 6. Stiftungsfest. Vollbesetzter Saal, sorg- ällig auSgewähltsS, sowie gut durchzeführtes Programm und demzufolqe prächtiger Verlauf deS Abends ist die kurze Eharakteristir des ver­anstalteten Festes. Der Verein hat dadurch wiederum bewiese», daß er seine» Mitglieder« und« Gäste« angenehme Stunde« zu bereite« ver- teht. Die Begrüßungsansprache hielt in Behin- »erung deS erste« BeretnSvorsttzeuden, der Schrift- ührer Herr Niebliag, welcher seine ernste« Worte in eia Hoch auf Se. Mas. de« Kaiser auSklingen lieft. Hiera« anschließend wurde die Nationalhymne gesungen. Der hierdurch hervor­gerufene» ernsteren Stimmung recht gut angepaßt oar ein von Frl. Martha Förster vorge- tragen er Prolog, in dem Kaiser Wilhelm als

Friedensfürst gefeiert wurde. Hierauf folgte ei» von Herrn Niedling arrangiertes lebendes Bild: „Die Post huldigt dem Kaiser", welches allge­meine Bewunderung erregte. DaS wettere Pro­gramm war recht geeignet, de» Gästen einige fröhliche und genußreiche Stunde» zu bereite». Vom humoristischen Teile wurden die KoupletS der Herren Enkemeier und Salomon ju«. in bekannter schwungvoller Weife durchgesührt. Die beiden Theaterstücke „Der Kaiser kommt", und „DaS Postgeheimnis oder der verhexte Brief" wurden mit Geschick wiedergegebe», sodaß die vielen drolligen Situationen allgemeine Heiterkeit erregten. Den Schluß des Festes bildete ein Ball, der die Tanzlustigen recht lange zusammen­hielt.

* Die Nay»tzof«wirke im ganze« DirekiionS- bezirk Frankfurt a. M. haben, wie die .Fcankf. Ztg/ berichtet, de» Auftrag erhalten, Briesmarke» und gewöhnliche Postkarten stets zum Selbstkosten- preis, ferner Briefpapier mtt Umschlag für 5 Pfg. an die Reisende» abzugebe». Hierbei ist voraus­gesetzt, daß Briefpapier und Umschläge in jedem gangbaren Format und nur von besserer Papier- güte zur Abgabe bereit gehalten werde». Die Bahnhofsbuchhändler müffe» bereits seit längerer Zeit Marken u. s. w. abgeben.

* lieber ««zukässtge §»«ckfLche« schreibt die offiziöse »Deutsche VerkehrsztV: Unter der Flagge von Preislisten und HandelSzir- kularen werde» öfters hckfldschriftlich ausgefüllte Formulare als Drucksachen frankiert zur Post geliefert, die tatsächlich nicht zu den in der Post­ordnung bezeichneten Schriftstücken gehören. In großem Umfange geschieht dies anscheinend seitens >er Geschäftsstelle» von Fachzeitschriften. Zur Sewinnuna von Anzeigen pflegen diese die in anderen Zeitungen enthaltenen, i« ihr Fach chlagenden Anzeigen auszuschneiden und de» klufgebrrn mit der gedruckten Aufforderung, in hrern Blatte zu inserieren, zu übersende«, indem re dabei die Größe der beigesügte« Anzeige und >tn Preis für ihr ein», zwei- und mehrmaliges Einrück«» handschriftlich nachtragen. Diese For­mulare find zur Versendung gegen die Druck- ächentoxr nicht geeignet. Noch ein zweiter Fall et erwähnt. Der Inhaber eines chemisch« nikroskopischen Laboratoriums für wissenschaftliche Intersuchungen übersandte feit längerer Zeit einen Auftraggeber» als Antwort auf eine« ihm erteilten Auftrag ei» als Drucksache frankiertes Formular, in dem er ben Eingang des Auftrages »estätigte und mttteilte, daß er den für die Unter« uchung voraussichtlich entstehende» — Handschrift« ich eingetragenen — Kostenbetrag mittels Nach­nahme einziehen werde. Luch hier handelt eS ich um keine Preisliste«, fordern lediglich um >rikfliche Mitteilungen. Daß bedruckteBlech- tacke nicht zu ben Drucksache« zu rechnen sind, laben wir schon früher mitgeteilt. Dementsprechend iud auch EwpfrhlungSkarten einer Metall« ;ravürenfabrik, die zwar au» Karton her- i «stellt, aber mit einem Metallschilvche« versehe« Daten, das die Firma d»« Absenders trug, von ter Beförderung ausgeschlossen worden, zumal daS Schildchen offenbar lediglich den Zweck hatte, eine Probe der ta der Fabrik hergestellten Er- zeugniffe zu liefern.

* Küre Rs«e Zfolizeivrrordrmrkg AVer 'S* AteHsHkachLer», die am 1. April d. I. fit dm Umfang der Reg. Bkz. Kassel in Kraft tritt, ist im .Amtsblatt' publiziert worden. Der Wortlaut ist felgender: § 1. Dos Schlachten sämt­lichen Vieh« mit Ausnahme bei Federvieh» darf nur nach vorhergegangener Betäübuvg durch Kopf­schlag oder mit Anwendung von Apparate», welche den sofortigen Tod des Tiere« herbeizusühren ge« .eignet find, stattfinden. Der Genickslich ist ver­boten. Die Betäubung von Großvieh ist nur von kräftigen, darin geübten Personen und zwar erst dann vorznnehmen, wenn das zu tötende Tier ge­hörig festgebunden ist und seine Augen verbunden worden find. Von Metzgerlrhrlingen allein darf die Betäubung niemals angeführt werden. Auf diejenigen Fälle (Urglücktsälle und plötzliche Er­krankungen), in denen die Notschlachtung erforder­lich wirb und die Betäubung sich nach den tat­sächlichen Verhältnissen nicht autführen läßt, findet dieser § keine Anwendung, ebensowenig auf da« nach jüoischem Ritus übliche Schlachten (Schächten). § 2. Vor eingetretenem Tode ist da« Aufhängen, Abhäuten, sowie Abbrühen des sämtlichen Schlacht­vieh« und da« Rrpfe» de« Federvieh« verboten. § 3. Die Tötung der Schlachttiere muß stet« un­mittelbar nach Beendigung der dazu bewirkten Vorbereitungen (Niederlegen, Kurbel», Verbinden der Zugen u. s. w.) geschehen. § 4. Da« Schlachten (Töten) sämtlichen Vieh«, einschließ­lich de« Federvieh«, darf nur in ge­

schloffene», dem Publikum nicht zugänglichen Räumen stattfinden. Rur wo solche nicht in geeigneter Weise zur Versüßung stehe«, darf das nicht ge­werbsmäßige Schlachten im Freien geschehe», je­doch muß der Schlachtplatz möglichst so gelegen sei», daß er nicht von öffentlichen Straßen, Wegen oder Plätzen auS zu übersehen ist. § 5. Die Anwesenheit von Personen «»ter 14 Jahren, mit Ausnahme der Metzarrlehrlmge und Ge- hilft«, beim Schlachten (Töten) der Tiere ist verboten. § 6. Das Schlachten (Schächten) «ach jüdischem Ritus darf nur durch erprobte Schläch­ter, bete;« Befähigung von dem zuständige« Rabbiner festgestellt ist, auSgeführt werden. Außerdem gelle» dafür neben ben §§ 2 Hl 5 folgende besondere Bestimmungen: DaS Nieder- lege« vo» Großvieh darf nur durch Vorrichtungen bewirkt werde«, welche jedes plötzliche Umwerfen, sowie jede schmerzhafte Beschädigung des Körpers mrhinoern. Die dabei gebrauchten Seile müsse« fest und ^geschmeidig fein. 2. Während beB '